Sonntag, 30. Dezember 2007

High School Musical 2


Vor einiger Zeit habe ich im Duckfilm-Forum eine Rezension über High School Musical 2 gepostet. Da sie recht lang ist und im "Zuletzt gesehener Film?"-Thread etwas aus dem Rahmen fällt, poste ich sie einfach nochmal hier.


High School Musical 2 - Die Farce der Familie Evans


Endlich sind Sommerferien und Sportass Troy will seine Zeit seiner großen Liebe Gabriella verbringen. Die reichen und in der Schule populären Evans-Geschwister möchten sich im Sommer dagegen von der Blamage, nicht die Hauptrollen in der letzten Schulaufführung erlangt zu haben, erholen. Sharpay Evans, die wesentlich aktivere und auch intrigantere Hälfte des Geschwisterpaars, möchte allerdings noch mehr erreichen: Endlich möchte sie den beliebtesten Schüler der East High, Troy, für sich gewinnen. Also lässt sie ihn für den elitären Club ihrer Eltern als Arbeiter anheuern, um so die Beziehung zwischen ihm und Gabriella zu zerstören. Troy möchte jedoch auch all seine Freunde mitnehmen und schon sieht Sharpay ihren Sieg beim Talentwettbewerb in Gefahr... Alles recht simpel und mehr oder weniger altbekannt, oder?

Die Handlung ist letzten Endes eh nur Grundlage der Produktion, entscheidend sind hier viel mehr die Songs und auch der Spaß den Teenagercharaktere zuzusehen.

Hinzu kommt, dass Teil 2 eindeutig auch ein "Fanservice" ist. Dazu muss man wissen, dass in der Disney-Channel-Zielgruppe (und in der amerikanischen Jugendkultur) "High School Musical" eine zentrale Rolle eingenommen hat und sich zu einem Phänomen aufgearbeitet hat (wie vorhin ja schon angedeutet). Die "HSM"-Fans befassen sich eingehend mit den Charakteren und Darstellern und verehren die Songs - hier treffen wir auch den Knackpunkt. Denn diejenigen, die "HSM" nicht mögen können die Filme deshalb schwerer ignorieren als man zum Beispiel "Jump in" (einen anderen Disney-Channel-Film) ignorieren könnte. Da ich den ersten teil aber mochte (ihn jedoch auch bei weitem nicht als den besten Disney-Fernsehfilm überhaupt bezeichnen würde) frage ich mich viel eher, wie man sich mit so einem einfach gestrickten Filmuniversum befassen kann - tiefschürfendes Material bietet "HSM" nämlich nicht, es ist seichte, aber gute, Unterhaltung.

Während der erste Teil ja nicht auf eine Fanbase aufbauen konnte (es gab ja noch keine), und deshalb noch halbwegs "massentauglich" war, so konzentriert sich "High School Musical 2" aber wirklich fast nur auf die Fans des ersten Teils - was so manchem den Zugang erschweren könnte. Nicht, dass man wichtige Informationen nicht hat, sondern weil einen die "Dienstleistungen" für Freunde des Originals nicht wirklich interessieren.

Die Fan-Service-Momente lassen Teil 2 sogar teils zu einer (beabsichtigten) Farce werden - was aber nicht unbedingt schlecht sein muss.

Soviel also zur "Vorwarnung"... Nun zum eigentlichen Film, der in keinem einzigen Moment versucht zu verheimlichen, dass es nahezu ausschließlich darum geht die Fans aus Teil 1 zufrieden zustellen. Und da es vornehmlich Kinder und junge Teenager sind, muss es schnell gehen - bereits in den ersten paar Minuten bekommen wir nahezu alle jugendlichen Figuren aus Teil 1 sowie die auffälligste der erwachsenen Figuren (nämlich die... ich sag mal... extrovertierte Englischlehrerin und Theater-AG-Leiterin Mrs. Darbus) zu sehen. Egal ob Hauptfigur (Troy, Gabriella, Sharpay, Ryan, Troys Freund Chad), Nebenfigur (die kleine unter Hüten versteckte Komponistin Kelsi und die leicht zickige Freundin von Gabriella, Taylor McKessie) oder Randfigur (einige auffälligere Tänzer und Tänzerinnen aus Teil 1), jeder muss mal in die Kamera gucken, bevor der (von einer immer größer und lächerlicher werdenden Uhr angekündigte) erste Song richtig loslegt.
Scheinbar trauten die Macher des Films den HSM-Fans weniger Geduld zu als die Köpfe hinter "Pirates of the Caribbean", wo in den Fortsetzungen so manche Figuren ganz schön lange auf ihre Rückkehr auf die Leinwand warten lassen.

Bemerkbar macht sich auch, dass Chad (gespielt von Corbin Bleu) nun erstmals singt (Stichwort: Fans zufriedenstellen) und sogar eine kurze Tanzsequenz ohne die anderen HSM-Charaktere hat. Letzteres wohl Ergebnis dessen, dass der charmante Darsteller zu den Lieblingen der Disney-Geschäftsleitung gehört (im Gegensatz zum hitzköpfigen Hauptdarsteller Zac Efron alias Troy).

Es deutet sich an, dass "HSM2" eine der häufigsten Klagen an Teil 1 ("für ein Musical wird aber sehr wenig gesungen") ausbügeln will - und nicht nur das. Während fast alle Songs in Teil 1 auch in einem "normalen" Film hätten gesungen werden können (da sie Teil eines Karaokeabends oder eines Vorsingens waren), so wandelt sich die Fortsetzung sich endgültig zum "waschechten" Musical, in dem Gefühle und Gedanken der Figuren nicht gesagt, sondern gesungen werden. Und es geht noch weiter: Hie und da werden in den Songsequenzen auch die Gesetze der realen Welt außer Kraft gesetzt, Requisiten und Backgroundtänzer tauchen auf und verschwinden wieder.
Besonders auffällig wird dies in Sharpays ersten Song, "Fabulous". Während Sharpay und Ryan in Teil 1 recht wenig singen durften bekommt zumindest die Diva in Pink schnell ihren eigenen Song - wohl auch um den einen oder anderen Fan der Figur zufrieden zu stellen. Die Sequenz entpuppt sich als Blick in die einfach gestrickte Seele der Figur: Alles möglichst pompös und theatralisch. Dementsprechend taucht im (!!!) Pool, an dem das Lied gesungen wird, auch urplötzlich ein rosa Flügel auf, an dem Sharpays Bruder als Elton-John-Miniaturausgabe klimpern darf (Sekunden vorher lag er noch im T-Shirt auf einem Liegestuhl), und ein Wasserballett darf auch nicht fehlen.

Hier sollten sich dann auch die Zuschauer endgültig scheiden - wer sich darauf einlässt, dass der Film hauptsächlich daraus besteht das zu bieten, was Fans im Laufe der häufigen Sichtungen des ersten Teils vermissten, der wird seinen Spaß haben. Alle anderen könnten vergrault werden, es sei denn allein die Songs halten sie noch am Schirm, weil sie genau den gewünschten Musikgeschmack treffen. Der da sehr poppig wäre - zwar mischen sich immer wieder andere Elemente ein, aber sie alle werden stark dem heutigen Popsound (inklusive leicht hyperaktiven Synthesizer) angepasst.

Nach dieser zweiten Musiksequenz wird endgültig klar, wessen Film das ist: Sharpays und noch mehr der von Ryan. Vor allem letzterer darf sich weiterentwickeln und aus dem Schatten seiner lauten Schwester treten, neue Bekanntschaften knüpfen und noch mehr fröhliche Outfits inklusive obligatorischem Hut zur Schau tragen. Sharpay, die in Teil 1 bloß die eh vorhandenen Konflikte anheizen durfte, wird hier schließlich zur alleinigen Drahtzieherin [spoiler], wird am Ende bekehrt und zeigt sogar echte Gefühle, lässt also ihre Divenmaske fallen.[/spoiler].

Öfter als noch in Teil 1 darf auch die charmante, aber leider immer noch unterforderte Figur Kelsi auftreten, wie im ersten Song schon vorausgedeutet darf auch Chad mehr sein als nur die Stimme der Sportasse, bekommt endlich fast sowas wie ein eigenes Profil.

Besonders auffällig wird diese neue Richtung, die auch die größte Stärke der Fortsetzung gegenüber des ersten Teils ist, während des Songs "I don't dance". Chad betont in dieser Sequenz, die auf einem Baseballfeld stattfindet, dass er nie tanzen würde (eine Referenz zu seiner eher kleinen Rolle in den Musiksequenzen des Originals?), während Ryan beweist, dass er tanzen und Baseball spielen kann - was Chad von seiner Anti-Tanz-und-Gesang-Haltung abbringen soll. Dass hier zwei Figuren, die zuvor im Schatten von Troy und Sharpay standen einen gemeinsamen Song bekommen, der zudem als wohl obligatorischer Ersatz für den Basketball-Song aus Teil 1 dienen soll (Hauptsache Sport *g* ) ist nicht nur ein ungemeiner Fanservice, nein, auch eine wirklich originelle Paarung, die einem nach mehr verlangen lässt.

Die Schwäche des zweiten High School Musicals: Die Hauptfiguren. Gerade der im ersten Film als besonders intelligent vorgestellte Gabriella scheint im Laufe des letzten Schuljahres wohl sämtliche Gehirnzellen verloren zu haben. Sie beschwert sich, dass ihr Freund an seine Zukunft denkt, zugleich zögert sie aber jedes Mal, wenn er dann doch was für sie tun will (und deshalb die Regeln im Club etwas umschiffen muss). Als Troy dann erst zum bloßen Opfer von Sharpays Intrige wird, flennt sie endgültig ohne Grund herum. [spoiler]Später im Film erlaubt sich Troy dann wirklich einige arrogante Dinge, die jedoch nur bei seinen Freunden. Doch anstatt dass Gabriella sich ihres Liebsten annimmt und ihn auf den rechten Weg zurückbringt, rammt sie ihm sprichwörtlich das Messer in den Rücken. Allein dies schießt ja den Vogel ab - erst durchschaut sie, extrem spät, was Sharpay vorhat, wirft ihr dies auch vor den Kopf, und dann verlässt sie Troy. Was bei mir den Wunsch mir die Haare auszureißen hervorruft, wird die eigentliche Zielgruppe aber kaum jucken, da Gabriella sofort eine tiefschwere, jauchzende Ballade spendiert bekommt - als wenn dies solche Entscheidungen entschuldigen würde. (Schade, dass der Kontext den Song so kaputt macht, die Balladen in Teil 1 waren nämlich gut und auch Gabriellas Klagelied in diesme Film hätte eigentlich Potential gehabt) Bezeichnend, dass Troys Freunde dagegen am Ende des Films dafür sorgen, dass das Mädel zurückkommt. Wären die genauso engstirnig gegenüber Troy (wozu sie ja mehr Gründe hätten), dann sähe der Film ganz anders aus.[/spoiler]
Und auch Troy wird nicht gerade intelligenter. Dafür darf er aber erstmals, sozusagen als Gegendarstellung, endlich mal seine Sicht der Dinge schildern, in einem Song, der nur ihm ganz allein gehört. Das aber nicht in einer weiteren traurigen Ballade, sondern viel mehr in einem energiegeladenen Powersong (auf dem Golfplatz), der Pop mit heftigsten Elektronikeinlagen mischt. Teilweise ist der Ausflug auf den Dancefloor etwas zu extrem geraten, eine Stelle erinnert mich nämlich stets auffällig stark an den "He's a Pirate"-Remix von Tiesto, den man im Rahmen des Kinostarts von "Fluch der Karibik 2" veröffentlichte. Dies wäre wirklich nicht nötig gewesen...
Das Lied selbst ist trotz allem schön anzuhören, die dazugehörige Szene übertreibt aber ein klein wenig, aber ich muss zugeben, dass ich es bei wiederholtem Sehen anfange zu akzeptieren. Vor allem ist es der Kontext, der dieser Szene schadet. Troy als einer der "normalen" Figuren stößt einem mit dieser Ausgelassenheit nunmal, wäre er mehr wie Sharpay oder Ryan (oder würde einer dieser beiden das Lied singen), wäre es völlig in Ordnung.
[Spoiler]Der Erfolg des ersten HSM-Filmes scheint übrigens gereicht zu haben, Zac Efrons Figur zum Dank dafür in eine lange Disney-Tradition einzureihen. Oder wieso guckt er plötzlich in sein Spiegelbild auf dunklem Wasser?[/Spoiler]

Doch genug der Klage: "HSM2" ist wesentlich eigenständiger als sein Vorgänger, d.h. die Geschichte schielt, so simpel sie eigentlich auch ist, weniger stark auf andere Disney-Channel-Movies und Musicals. Die Musikauswahl ist weiterhin abwechslungsreich und da man mehr Songs abseits der Bühne hat ist auch die Choreographie gewagter, zugleich auch besser, da interessanter, ausdrucksstärker oder witziger (je nach Song). Außerdem verleugnet der Film seine überzeichnete Ader auch nicht, so wie das Original es tat, sondern spielt sie viel mehr zum eigenen Vorteil aus. Gerade die Szenen mit den Eltern der Evans-Geschwister oder dem Butler Mr. Fulton unterstreichen den beabsichtigen Touch einer Farce, die "HSM2" vom Vorgänger unterscheidet.

Deshalb bietet der Film knapp 100 Minuten gute, saubere und musikalisch schön anzuhörende, seichte Familienunterhaltung. Die neuen Stärken und Schwächen gleichen sich ungefähr aus, so dass Teil 2 ungefähr auf Niveau von Teil 1 bleibt (sofern man sich, wie gesagt, darauf einlässt, dass das anvisierte Publikum hier etwas weniger breit gefächert ist).

Anspieltipps (auch für Besitzer des Soundtracks): What Time is it?, Fabulous, I don't dance, Bet on it, Humuhumunukunukuapua'a
Mein Wunsch: Eine Ryan-Hutkollektion, eine Spin-Off-TV-Serie mit Ryan und Kelsi, am besten in Kombination mit dem Wunsch-Spin-Off der Alias-Autoren (eine Serie, in der Weiß und Marshall eine Bar eröffnen). Die vier zusammen... das wäre eine klasse Sitcom!

1 Kommentare:

Taylor Nash hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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