Mittwoch, 20. Februar 2008

There Will Be Film: Ein Blogeintrag in 3 Akten - Akt 3: Highway of Hell

*Zack* Abspann! Nachdem ich in der ersten Stunde von There Will Be Blood noch bemerkte, dass der Film auch bereits eine Stunde läuft, raste der Film danach in einem solchen Tempo davon, dass ich völlig aus dem Konzept war, als der Abspann losging. Was, das waren die knapp zwei Stunden, die noch folgen mussten? Ist der Film jetzt schon zu Ende?
Wow, damit hatte ich nicht gerechnet.

Während ich mich in der Genialität der letzten Szenen von There Will Be Blood sonne, verlassen die restlichen Kinobesucher schlagartig den Saal. Eigentlich schätze ich die Kinobesucher anspruchsvollerer Filme, weil sie nicht noch während der Einblendung "The End" schnellstmöglich den Saal verlassen müssen - hier war dem aber so. Hat der Film dem restlichen Publikum etwa nicht gefallen?

Nun, mir war das im Grunde egal. Während des Abspanns läuft ein Stück von Brahms, das perfekt zum Film passt und dem ganzen irgendwie auch einen ironischen Touch gibt. Mir fällt ein, dass der Score von There Will Be Blood überall hoch gelobt wird. Dem muss ich jedoch widersprechen, die für den Film geschriebenen Stücke fand ich (mit Ausnahme von zwei Stellen) eher egal, in manchen Szenen fand ich ihn sogar etwas nervig, Stille hätte ich da vorgezogen. So weit ich dem Lob für den Film auch zustimmen kann, der Komponist Jonny Greenwood bekommt von mir keine Lorbeeren.
Abspann zu Ende, also zurück zum Auto. Die Stadt ist nun noch verlassener, ich fühle mich wie im letzten Will-Smith-Film. Parken kostete übrigens 8 Euro für 4 Stunden. Wucher, Halsabschneider. Das nächste Mal park ich wieder in der Pampa.

Danach wurde mir auch wieder klar, warum ich so selten zu diesem Kino fahre. Der Rückweg ist die reinste Hölle. Hin ist es ja so einfach: An meinem momentanen Zweit-Stammkino vorbei, immer geradeaus, Berg runter, Berg runter, Berg runter, rechts, Parkplatz suchen.
Der Hinweg ist allerdings ab irgendeiner Stelle auf einer Einbahnstraße gelegen. So kann ich nicht einfach den selben Weg zurück. Stattdessen muss ich ein bisschen durch die Stadt kurven, dann Mal links, Mal rechts, dann geradeaus, dann Mal wieder rechts... Die Straßen sehen alle gleich aus und die Straßenführung... ist für die Tonne. Da wird die Linksabbiegerspur plötzlich zur Spur für Geradeaus-Fahrer, dann ist es plötzlich die für Rechtsabbieger, dann dies, dann das... Grauenhaft. Und es wird noch schlimmer, denn kaum habe ich es aus dieser Stadt rausgeschafft und bin auf direktem Weg nach Hause, quält man mich (und zig Hunderte andere Autofahrer) mit einer vor einem halben Jahr komplett umgebauten Schnellstraße, die sich nun, nach Beendigung der Bauarbeiten, jeglicher Logik entbehrt. Auf dem Hinweg nerven mehrere unverständliche Geschwindigkeitsbegrenzungen, an die man sich in den letzten Jahren aber schon gewöhnt hat.
Auf dem Rückweg wurden die 50er, 70er, 30er und 100er Zonen neu verteilt und in einer viel höheren Frequenz wechselt das vorgegebene Tempo. 70, 50, 100, 70, 30, 70, 50, 100... Uuuuahaaaaaaahaaahauaah!!! Und es wird noch schlimmer! Einspurige Fahrbahn, zweispurig, eine verengte Fahrbahn, eine breite Spur, zwei enge Spuren, eine Spur, zwei normale Spuren, verengte Spur, eine normale Spur, zwei Spuren... Was soll das?!
Mit steigender Aggression kurve ich durch die verlassene und seltsam geführte Straße und könnte durchdrehen. Warum muss mir das depperte Verkehrsamt auch den Spaß am Kinobesuch nehmen?!

Zu Hause endlich angekommen las ich mir dann endlich die ganzen Artikel über There Will Be Blood durch, die ich wegen Spoilergefahr ausgelassen hatte.
[Spoiler]Wusste gar nicht, dass der Schluss des Films in den USA so heiß diskutiert wird. Nicht Mal wegen der für manche vielleicht etwas über die Strenge schlagende Bibelanspielung (Plainviews letzte Worte sind "I'm finished.", in Analogie zu Christus - wie ich finde ein genialer Schachzug, der das Wesen Plainviews und des gesamten Films nochmal unterstreicht), von der ich dachte, dass sie möglicherweise manchen Konservativen blasphemisch rüberkommt. Nein, viel mehr wurde von manchen hinterfragt, ob die letzte Szene überhaupt zum Film passt.
Meiner Meinung nach eine sehr überflüssige Diskussion. Diese Szene ist die Krönung des gesamten Films. Durch sie bekommt er einen runden Abschluss und wie ich finde ist sie auch der Grund für die Titelgebung. Von Beginn an wartet man darauf, dass Plainview sich mit Blut besudelt. Doch obwohl die Figur mehrfach die Grenze der Frömmigkeit verlässt, bleibt stets ein großer Klecks Verständnis zurück (er erschießt seinen falschen Bruder - rechtlich alles andere als akzeptabel, aber im Rahmen des rauen Westens noch ansatzweise gerechtfertigt), andere Entscheidungen wirken so, als seien sie entweder absolut kaltherzig oder große Selbstaufopferung. Als Plainview seinen tauben Adoptivsohn in den Zug setzt und verschwindet fragt man sich, ob er es macht, um sich die "Plage" vom Hals zu schaffen, oder ob er es macht, weil er denkt, dass sein Sohn ohne ihn besser dran ist. Als er seinen Sohn das zweite Mal verstößt, ist es als Akt der Herzenskälte zu verstehen. Weil er nun ein Konkurrent ist, will er ihn nicht mehr als Familienmitglied ansehen. Aber dann fragt man sich: Macht er es, weil er seinem Sohn die Freiheit schenken will? Sieht Plainview ein, dass er als mürrischer "Ebenezer Kane", der sich im Mantel gekleidet in sein Herrenhaus zurückzieht und sein Hab und Gut zerstört, seinem Sohn nur weiter schaden würde, es sei denn er zerschneidet alle Bande?

Erst durch den Angriff auf Eli wird die Erwartung des Zuschauers, das Versprechen des Titels, wahr gemacht. Nun hat der Film das Publikum aber so weit, dass es selbst nach dieser völlig überzogenen Tat Plainview nicht verurteilt. Das zwischen Eli und Plainview konnte einfach nicht gut gehen. [/Spoiler]

- Das war also meine Kinosichtung von There Will Be Blood. Ich bin schon sehr auf die Oscarverleihung gespannt und freue mich auch sehr auf den Kinostart des vielversprechenden Coen-Films No Country for Old Men.
Und danach geht ja schon wieder die Blockbuster-Saison los... Wie die Zeit vergeht...

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