Donnerstag, 10. April 2008

Das merkwürdig-supercalifragilisticexpialigetische Verhalten nicht zwangsweise geschlechtsreifer Konsumenten der Produktionen eines berühmten Giganten


oder: Die Schönen und die Biester - Ein Blick auf das Leben der Disney-Fans

Homo Disneyana - der von Disney begeisterte Mensch, oder auch kurz genannt: Der Disney-Fan. Eine nicht immer sofort erkennbare, aber dennoch weit verbreitete und vor allem auch besonders bemerkenswerte Art. Ihr Verbreitungsgebiet ist weit gefächert, und das Facettenreichtum innerhalb dieser Art ist mannigfaltig. Es wäre ein leichtes, ganze Bücher über diese gewitzten Wesen zu füllen. Doch es ist harte Arbeit, in die Gedankenwelt dieser oftmals auch wirklich putzigen Geschöpfe einzudringen.

Doch ich sollte mich zunächst vorstellen. Hallo, ich bin Elias Oliver Iwwerks! Meines Zeichens bin ich staatlich anerkannter Zoologe, Biologe, Neurologe, Psychologe, Menschenkenner und zudem ein regional sehr beliebter Popcornverkäufer.

In den letzten zwanzig Jahren meines Berufslebens habe ich mich mit dem Homo Disneyana beschäftigt. Es würde den Rahmen dieser kurzen, semi-wissenschaftlichen Veröffentlichung, die ich gnädigerweise im so genannten "Blog" meiner alten Sandkastenliebe unterbringen darf, sprengen, würde ich Ihnen nun in aller Ausführlichkeit schildern, wie ich meine, bescheiden gesagt, sensationellen Forschungsergebnisse erreicht habe. All diese nach strengen wissenschaftlichen Regeln durchgeführten Experimente, meine minutiös geplanten Beobachtungen und auch meine Versuche, mich in eine Lebensgemeinschaft von Disney-Fans einzubürgern sind so komplex und unvorstellbar detailliert, dass es Sie unmöglich auch nur ansatzweise interessieren würde.

Deswegen möchte ich auch nicht weiter auf meine unbestreitbare Arbeitsweise eingehen. Stattdessen möchte ich Ihnen heute den Homo Disneyana näher bringen. Ich möchte Sie mitnehmen, auf eine kurze Reise in seine Welt. Wo er lebt, wie er lebt. Ich möchte Ihnen zeigen, wie er sich fortpflanzt. Aber ich möchte Ihnen auch die weniger angenehmen Seiten des Lebens als Homo Disneyana aufzeigen: Der stete Konkurrenzkampf gegen den Homo Dreckssaumacho, den Homo Dummezicke und weitere dem Homo Disneyana feindlich gesinnte Arten. Oder auch die mitunter bittren Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Rassen der eigentlich eher friedfertigen Art Homo Disneyana. Denn so manche Unterart mag gar nicht mit anderen Artgenossen auskommen.

So lasset uns den Abstecher in die faszinierende Welt des Homo Disneyana beginnen. Ich hoffe Sie können sich für diese vielseitigen Kreaturen, ja, kleine Wunder der Natur, begeistern.

Die ersten überlieferten Sichtungen des Homo Disneyana datieren sich auf das Jahr 1928. Immer mehr Forscher sind zwar überzeugt, dass es wohl auch vorher möglicherweise Vertreter dieser Art gegeben habe (angeblich sei diese Art bereits 1923 entstanden), allerdings handelt es sich dabei um bloße Vermutungen. Es ist bis heute unklar, aus welcher Art sich der Homo Disneyana entwickelt hat. Höchst wahrscheinlich ist er eine Weiter- oder Nebenentwicklung des Homo Sapiens, jedoch konnte bisher kein Wissenschaftler ausreichende Forschungen tätigen, die diese Theorie beweisen würden. Einige eher theologisch orientierte Kollegen von mir vermuten sogar, der Homo Disneyana wäre von einem höher gestellten, in Chicago geborenen Visionär erschaffen worden.
Eine Gegenüberstellung der Kreations- und Evolutionstheorien würde allerdings zu weit führen.

Ab den 30er Jahren wurden immer mehr Vertreter des Homo Disneyana gesichtet. Allein dies ist faszinierend - während die meisten Arten immer seltener werden, hat sich der Homo Disneyana immer weiter vermehrt, mittlerweile ist er gar nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Vielleicht kennen auch Sie einen Homo Disneyana, ohne es zu wissen.

Einzige Ausnahme waren die so genannten "Dark Ages der Disney Company", eine Ära, irgendwo in den späten 70er und frühen bis mittleren 80er Jahren des letzten Jahrhunderts angesiedelt. Aus bis heute nicht vollständig erforschten Gründen verschwand der Homo Disneyana in dieser Zeit von der Bildfläche und galt kurze Zeit sogar als vom Aussterben bedroht.
Doch in den frühen 90er Jahren schoss diese Art wieder wie Pilze aus dem Boden. Ja, widerstandsfähig ist er, der Homo Disneyana. Wirklich faszinierend.

So übersteht er problemlos jahrelange Dürreperioden, in denen es keinen einzigen guten Zeichentrickfilm regnet. Dabei sind diese für sein Fortbestehen unerlässlich. Forscher vermuten mittlerweile, dass der Homo Disneyana ganze 10 Jahre komplett ohne Zeichentrickfilm und über 15 Jahre lang ohne qualitativ akzeptablen Zeichentrickfilm überdauern kann.
In solchen Krisenzeiten greift der gewiefte Homo Disneyana auf so genannte "Neuveröffentlichungen" zurück. Mit dieser Ersatzernährung kann man ihn über Monate hinweg beschäftigen. Manche würden dieses Verhalten als naiv bezeichnen. Doch ich kann Ihnen versichern, dass dem nicht so ist. Im Laufe meiner Forschungen habe ich lange Zeit unter den so genannten Disney-Fans aufgehalten, und wie sie sich auf diese "Neuveröffentlichungen" älterer Zeichentrickfilme stürzen und sie genüsslich konsumieren um anschließend darüber philosophieren ist nicht nur unheimlich putzig und süß anzuschauen, sondern zeugt auch von einem ausgeprägten Überlebensinstinkt. Wenn es keine frische Nahrung gibt, macht der Homo Disneyana das Beste aus seiner Situation. Es ist eine gesunde Mischung von Selbstbetrug und Improvisationsvermögen - davon sollten wir Menschen uns eine Scheibe abschneiden.

Doch nicht nur der Konsum von Zeichentrickfilmen ist essentiell für das Überleben des Homo Disneyana. So ist diese Art auch besonders kommunikativ. Ohne den sozialen Kontakt zu seinen Artgenossen geht der Homo Disneyana mit der Zeit ein. Da helfen selbst heftigste Kaufräusche (ein den Homo Disneyana regelmäßig überfallender Anflug geistiger Umnachtung, während dem er seine hart erarbeiteten Tauschmittel oder auch die hart erarbeiteten Tauschmittel seiner Eltern für oftmals unnötige Andenken ausgibt, die ihn daran erinnern, dass er ein Homo Disneyana ist) nicht. Er geht elendig ein.

Somit sind wir auch schon an einem außerordentlich spannenden Punkt unseres Einblicks in die Welt des Homo Disneyana angelangt. Denn vor allem in der Art und Weise, wie sie mit anderen Artgenossen Kontakt pflegen unterscheiden sich die zahlreichen Rassen dieses Geschöpfes.
Deshalb ist dies wohl der am meisten geeignete Zeitpunkt, Ihnen die verschiedenen "Subkategorien" des Homo Disneyana vorzustellen.

Besonders weit verbreitet ist der Homo Disneyana Kindheitserinner Ungus, der Disney-Fan, der sich durch den Konsum einiger weniger Disney-Zeichentrickfilme wieder in seine Kindheit zurückversetzt. Dieser Typus des Disney-Fans ist in den seltensten Fällen gut informiert und auch sein "Filmschatz" (=die Anzahl an bereits gesehenen Disney-Filmen) ist recht begrenzt.
Der Homo Disneyana Kindheitserinner Ungus kennt in der Regel, von einigen sehr seltenen Ausnahmen abgesehen, bloß Zeichentrickfilme und kann sie meistens nichtmal zeitlich einordnen, weiß nur, dass er sie als Kind bereits gesehen hat. Von den neueren Produktionen ist er meistens alles andere als begeistert, sieht sie als zu modern, simpel, kompliziert, brutal oder kindisch an.
Alles in allem ist der Homo Disneyana Kindheitserinner Ungus weitgehend harmlos, allerdings reagiert er erfahrungsgemäß außerordentlich schockiert, wenn man seine Erinnerungen angreift. Er selbst kommt mit der Gemeinschaft gut zurecht, wird jedoch von anderen Rassen oftmals belächelt.

Vor allem vom Homo Disneyana Hardcore Informationa, den heftig informierten Disney-Fan. Diese weniger putzige, da sehr hochstirnige und unnötig zur Quasselei neigende, Rasse hat es sich zur Aufgabe gemacht sämtliche Informationen über sein Hobby, "Walt Disney, sein Leben, seine Werke, sein Vermächtnis", zu sammeln und unentwegt völlig ungefragt auch preiszugeben. Mag er bisweilen sogar äußerlich nützlich sein, da er wie ein Lexikon sämtliche angeforderten Informationen liefern kann, so ist er kein geselliger Zeitgenosse. Viele andere seiner Mit-Fans meiden ihn, da er ihnen zu keiner Zeit Ruhe lässt - ohne Pause wirft er neue Informationen in den Raum oder verbessert seine Artgenossen. Am aller wenigsten kommt er mit dem Homo Disneyana Kindheitserinner Ungus aus. Dieser kommt friedlich-naiv auf ihn zu, um mit ihm über seine Kindheitserinnerungen zu reden, wird dann aber alsbald vom Homo Disneyana Hardcore Informationa angegriffen. Völlig erbarmungslos drescht dieser auf seinen Hilflosen Artgenossen ein, da er ja überhaupt nichts wisse und seine Existenz unwürdig sei.
Es sei angemerkt, dass der Homo Disneyana Hardcore Informationa den neusten Ergebnissen der Forschung nach seine gesamte Zeit mit dem Lesen von Sekundärliteratur und dem Verbreiten der dort gesammelten Informationen verbringt. Dem eigentlichen Konsum von Disney-Produkten geht er nahezu niemals nach und er genießt auch niemals die bloße Wirkung seines Hobbys. Es geht im nur um Fakten.

Deshalb darf man ihn keinesfalls mit dem Homo Disneyana Wissenhaber aber Hobbygenießa verwechseln. Dieser hat etwas sanftere Gesichtszüge, aber eine ähnlich hohe Stirn. Auf Anfrage kann der Homo Disneyana Wissenhaber aber Hobbygenießa, auch Disney-Allrounder genannt, sämtliche Fragen beantworten. Er selbst kommt mit seinem Wissen jedoch nur selten auf einen zu. Sofern er nicht nach seinem Wissen gefragt wird, genießt er einfach nur sein Hobby oder kommuniziert mit seinen Artgenossen. Des öfteren äußert er auch seine Meinung, versucht allerdings niemals sie als unumstößlich zu bezeichnen.
Doch trotz all dieser positiven Eigenschaften ist er kein empfehlenswertes Haustier! Denn der Homo Disneyana Wissenhaber aber Hobbygenießa ist etwas, dass man als "Fachidioten" bezeichnen könnte. Er kennt sich wirklich nur in seinem idealen Lebensraum aus. Sobald er mit anderen Filmstudios konfrontiert wird oder sogar gebeten wird andere Aufgaben zu erledigen, versagt er völlig. Des Weiteren sind die Disney-Allrounder weitesgehend humorlos, was ihr Umfeld anbelangt. Denn während der ansonsten eher unfreundliche Homo Disneyana Hardcore Informationa dank seines umfassenden Wissens auch weiß, dass es gut tut über sein eigenes Hobby zu lachen (sofern der Spaß von einem Artgenossen gemacht wird), ist der Homo Disneyana Wissenhaber aber Hobbygenießa extrem empfindlich in diesem Bereich.

Wesentlich humorvoller ist da der Homo Disneyana Fani-Ficti, der sich rein äußerlich und auch vom alltäglichen verhalten her nicht weiter vom allgemeinen Disney-Fan. Doch sobald es für ihn einen Einlass zum Ärger gibt oder eine unerwartete gute Nachricht, oder er einfach nur Langeweile hat, beginnt er sich kurz zurückzuziehen. In seiner Grüblerhöhle begegnet er seinem kreativen Geist und bald darauf stürmt er völlig euphorisch auf die anderen Disney-Fans hinzu. Mit meistens sehr verschrobenen Ideen experimentiert er mit seiner eigenen Fantasie und dem, was seine Konsumgüter ihm liefern. Die so genannten "Fan Fictions" zeigen weitere Geschichten, die auf dem Werk von Disney basieren. Meistens neigt der Homo Disneyana Fani-Ficti, der kreative Disney-Fan, zu sexuellem und brutalen Humor, der Disney-Figuren aus den unterschiedlichsten Filmen in völlig ungewohnte Momente versetzt oder die Disney-Werke aus der Sicht eines (sehr humorvollen) Erwachsenen betrachtet. Doch bei seinen favorisierten Werken neigt der kreative Disney-Fan auch zu Schriften und Bildern, die genauso gut als Kanon gelten könnten: Im Stil des Originals, elaboriert und das Ergebnis langer Überlegungen. Diese ambitionierten Projekte nimmt der kreative Disney-Fan dann auch selber Ernst. Der Rest seiner Ergüsse ist dagegen nichts anderes als ein riesiges Augenzwinkern, ein liebevoller Seitenhieb auf seinen Lebensinhalt. In kritischen Situationen, vor allem bei schlechten Ankündigungen von seitens Disneys, neigt er aber auch zu bitterböser Satire.

Anders der flennende Disney-Fan, der Homo Disneyana Tropfendes Auge.
Er bedauert einfach alles, was mit seinem Lebensinhalt (Disney) zu tun hat. Die nächste DVD-Veröffentlichung ist viel zu spät angekündigt, es gab so lange keinen guten Film mehr, es fehlt Bonusmaterial, das Blau in einer Szene ist zu dunkel, sein Umfeld versteht ihn nicht, der Homo Disneyana werde allgemein doch viel zu wenig geehrt, er wird ja andauernd schikaniert, die ihn ständig umlagernden Homo Kinobesuch Normalis habe ja keinen Geschmack... Über all dies spricht er, in einem schwermütigen, sich selber bedauernden Tonfall und mit gesenktem Haupt. Die Welt sei so ungerecht zu ihm und generell sei doch alles gemein und traurig.
Während die anderen Gattungen des Homo Disneyana eine innige und freudige Beziehung zu ihrem religionsartigen Kult um Disney pflegen, belastet sich diese Rasse selbst mit allen nur erdenklichen Sorgen. Dies wirkt sich auch auf ihren Körperbau aus. Der Homo Disneyana Tropfendes Auge neigt entweder zu Frust-Futterattacken und ist entsprechend korpulent, oder er ist extrem dünn, weil er vor lauter Tränen in den Augen Messer und Gabel nicht mehr findet.
Im Umgang mit seinen Artgenossen verhält sich der flennende Disney-Fan ganz eigen: In den ersten Momenten sehr verschreckt, nähert er sich den anderen ganz langsam an, sobald er realisiert hat, dass er nicht von Homo Prügelomacho umgeben ist (welche die fälschlicherweise als feige und übertrieben sanft bezeichneten Homo Disneyana sehr gerne verprügeln und verbal einschüchtern). Doch schnell wird der Homo Disneyanna Tropfendes Auge zu einem Fremdkörper in der Gemeinschaft, da er nur bespricht, wie belastend alles sei, dass er keine Freude am disney'schen Kult habe, weil ja alles so betrüblich ist. Selbst von den harmlosesten Reaktionen darauf eingeschüchtert, zieht sich der flennende Disney-Fan zurück, es sei denn er findet weitere flennende Disney-Fans. Das Verhalten, dass sie zu Tage legen, wenn sie alleine und unter sich sind, ist bislang unerforscht.
Kurz gesagt: Würde der Homo Disneyana Tropfendes Auge nicht bunte, sondern schwarze Kleidung tragen, würde er keine Angst davor haben gepierct zu werden und wäre er nicht zu feige, Messer an sich selbst zu verwenden, dann könnte man ihn rein wissenschaftlich betrachtet bereits schon als Homo Emo Heulschluchzbuh einordnen.

Eine weitere Art des Disney-Fans, die sich besonders häufig um negativere Meldungen tummelt und ebenfalls auf Kollisionskurs mit den Disney-Fans nicht freundlich gesonnenen Wesen wie unter anderem dem Homo Buntisschwul Du, Homo Dummdruffhau und Homo Kunstbanause Cinema geht ist der zornige Disney-Fan, der Homo Disneyana Furios Aggressor Cholerischae Quackquackdonald. Während der flennende Disney-Fan schlechte Nachrichten und Begegnungen mit feindlich gesinnten Tieren zum Anlass nimmt in erneute Klagegesänge und ellenlange, depressive Monologe zu verfallen, sich selbst mangelnde Lebenslust attestiert, blüht der zornige Disney-Fan in diesen Situationen erst richtig auf. Mit voller Inbrunst und Leidenschaft plustert er sich auf und schreit sich die Seele aus dem Leib, läuft energisch auf und ab oder schreibt sich seine Finger wund. Denn diese nicht gerade harmlose Art hat ein sehr schnell strapaziertes Nervenkostüm, neigt zu Anfällen von Wut und Sarkasmus, gepaart mit einem außerordentlich ausgeprägtem Mitteilungsbedürfnis. Alles was ihn ärgert muss ausposaunt werden. Dies mag ihn schnell unbeliebt machen, wenn er ein weiteres Trommelfell platzen ließ oder er in seiner Zornesblüte kleinere Lebewesen grundlos massakriert, doch es ist immerhin eine lebensbejahende und auch konstruktivere Einstellung. Durch den Homo Disneyana Furios Aggressor Cholerischae Quackquackdonald werden die Götter der Disney-Fans schneller auf Missstände aufmerksam gemacht, als durch die leisen Klagelieder der flennenden Disney-Fans. Zudem meckert der zornige Disney-Fan nur, wenn er einen Grund hat (auch wenn der kleinste Anlass bereits genügt) - die gelungenen Disney-Werke genießt er einfach... Und in Teamarbeit mit dem Homo Disneyana Fani-Fici sind schon einige kleine Meisterwerke entstanden. Einen zornigen Disney-Fan zum Teamwork zu überreden ist jedoch auch keine einfache Aufgabe...
Seine Weise bezahlt der zornige Disney-Fan mit einer kurzen Lebensdauer: Hoher Blutdruck und darauf folgendes Herzversagen, geplatzte Hauptschlagadern und an Schreibtischen vor Zorn selbst aufgeschlagene Schädel gehören zu den häufigsten Todesursachen des zornigen Disney-Fans, außerdem wird er schnell Opfer anderer aggressiver Lebewesen, da der zornige Disney-Fan zwar jedem die Stirn bietet, außerhalb seines Lebensraumes jedoch nicht weiter anpassungsfähig ist und deshalb in Kämpfen schlechte Karten zieht. Aufgrund des Aussehens (hochrotes Gesicht, stets geballte Faust, ausgeleierte Stimmbänder,...) hat er zudem größere Probleme bei der Paarung, als manch andere Rasse von Disney-Fans.

Ebenfalls Probleme bei der Paarung, auf die ich später noch ausführlicher eingehen werde, hat der Homo Disneyana Prince'n'Princess Charming, der süßlich-hübsche Disney-Fan. Diese Rasse gilt unter Züchtern und den bisherigen Forschungen nach auch unter den Disney-Fans selbst als die best aussehendste Art der Disney-Fans. Ihr glänzendes Haar und ihre perfekten Zähne sowie ihr stattlicher Körperbau machen sie bei Wettbewerben schnell zur ersten Wahl. Da sie dank ihres Kleidungsstils allein für rund 42,47% der weltweiten Umsätze an Samt- und Seideimitaten sowie Glitzerstaub verantwortlich sind, wird ihr Fortbestand zudem von der Merchandising- und Glitzerzeug-Industrie gefördert. Dass sie trotzdem Probleme bei der Paarung haben liegt an ihren hohen Ansprüchen. Auch wenn sich überall im weltweiten Netz Selbsthilfegruppen mit Titeln wie "Disney hat meine Hoffnungen an die Liebe unnötig hoch gesetzt" oder "Disney hat mir unrealistische Erwartungen an die Liebe vermittelt" finden lassen, können die süßlich-hübschen Disney-Fans niemals ganz ihre Einstellung ablegen. Kein potentieller Partner ist gut genug. Er kann ja nicht singen, er hat nie in einem leeren Ballsaal mit einem getanzt, sie kann nicht mit Tieren sprechen, er hat einen Namen und dafür kein Pferd...
Eigentlich müsste diese vornehmlich mit Märchen-Meisterwerken sozialisierte Rasse vom aussterben bedroht sein. Doch dem ist nicht so. Künstlich züchtet die Marketingindustrie neue Homo Disneyana Prince'n'Princess Charming, versucht zugleich mittels auf deren Musikgeschmack zugeschnittene Musikkompliationen romantische Momente zu ermöglichen, die in der Paarung münden können, ja, sogar eine gesamte Kollektion an echten und dem Körper schmeichelnden Brautkleidern wurde von Disney entworfen. Nicht, wie man zunächst denken würde, um Geld zu verdienen. Nein. Disney hofft dadurch den trieb weiter anzukurbeln, in der Hoffnung die ebenfalls von Disney angekurbelten Anforderungen an die Liebe zu übertreffen.
Forscher fanden heraus, dass die natürlich entstandenen süßlich-hübschen Disney-Fans (von den Anforderungen abgesehen) ein normales Leben führen können, während die künstlich durch Merchandising heranerzogenen durch Kaufräusche belastet werden. Zudem weißt die nur durch Merchandising heranerzogene "Abart" dieser Fans eine schwächere Bindung zu den eigentlichen Filmen auf, und fühlt sich mehr vom Schnickschnack des Fan-Daseins angezogen. Prognosen ergaben, dass sich diese Fans in wenigen Generationen vom Disney-Fan abkoppeln könnten und sich zu einer Abart des Homo Glamourlife Parisian Hiltong entwickeln könnten.

Die Wissenschaftler, die diese Prognose abgaben wurden vor einem halben Jahr von einem mit seinen Artgenossen solidarisch gesinnten, zornigen Disney-Fan erschlagen.

Ich bitte um Mitleid für meine Forscher-Kollegen.

Die letzte noch recht weit verbreitete Art des Homo Disneyana ist der in den Themenparks heimische Park-Fan, wissenschaftlich Homo Disneyana Touristicus genannt. Er ist hauptsächlich in den USA anzutreffen. Die Nähe zu zwei historischen Kultstätten der Disney Company treibt die Vermehrung dieser Rasse besonders an. Diese Disney-Fans sind hauptsächlich an eben jenen Kultstätten interessiert und pilgern regelmäßig zu ihnen, um sich vollständig ihrem religiösen Kult hinzugeben,

Die oben genannten Rassen sind die häufigsten Rassen des Disney-Fans, die man antreffen kann. Zusammen machen sie rund 70% des Gesamtaufkommens dieser putzigen Tierchen aus. Weitere 20% der Disney-Fans sind Mischlinge der oben genannten Rassen. Die restlichen 10% sind Vertreter anderer, seltener Rassen oder Mischlinge dieser Rassen untereinander oder mit einer der häufigeren Rassen. Zu den seltenen Rassen des Homo Disneyana gehören unter anderem der Homo Disneyana Liveaction Exclusive (der nur Spielfilme-liebende Disney-Fan), Homo Disneyana Nurmerchandising Sonstnix (der Staubfänger-kaufende Disney-Fan), der Homo Disneyana Cartoonia (der Disney-Fan, der nur Kurzfilme mag) und der Homo Disneyana Tochterfirma-Nana (der Disney-Fan, der Disney besonders dann liebt, wenn Disney nicht auf dem Produkt draufsteht).

Nun, meine geehrten Damen, Herren und Wissenschaftsfreunde, dies sind die zahlreichen, schillernden Rassen unseres knuddeligen Wegbegleiters, dem Disney-Fan. Eine wirklich faszinierende Art, die den Weltball bevölkert und mit ihrer herrlichen Lebensweise immer wieder fasziniert. Wenn ein Disney-Fan einen einmal anlächelt, mit seinen liebeerfüllten Augen, die er hat, sobald er etwas wunderschön-disneyanisches entdeckt hat, dann hat man sich auf Anhieb in diese Wesen verliebt. Sie sind unvergesslich und geben einem ein solch gutes Gefühl. In meiner Zeit, in der ich sie erforschte wünschte ich mir zeitweise, für immer mit ihnen Leben zu können.

Doch leider sind die Disney-Fans von immer neuen Krankheiten bedroht, die ihnen sämtliche Freude an ihrem Dasein als Fans nehmen. Sie genießen ihre Gottheit und deren Werke nicht mehr, sondern verfallen, sobald die Krankheit sie erwischt hat, in eine Unzufriedenheit. Erfreuen sich nicht an ihrem so genannten "Hobby", sondern fühlen sich gebeutelt, ausgenutzt und enttäuscht. Unzufrieden mit Filmen, Serien, Comics, Parks und Veröffentlichungen. Einige Disney-Fans starben an diesen Krankheiten, andere mutierten zu einem "Homo Sapiens"...

Gefährlich ist zum Beispiel das "Kritteln". Ein vom Krittel-Virus befallener Disney-Fan sucht stets nach den schlechten Seiten und ignoriert das gute völlig. Vor allem der flennende und der zornige Disney-Fan sind für diese Krankheit anfällig, da sie bereits einer Veranlagung zu diesem Handeln haben. Doch sobald sie mit dem Kritteln anfangen, gibt es nur noch schlechtes für sie. Die Collector's Edition eines Films ist breiter als die normalen Amarays und passt optisch nicht zu den anderen Filmen. Ein Unding für den vom Krittel-Virus befallenen Disney-Fan. Dass er sich freuen sollte, eine Collector's Edition zu haben, kommt ihm nicht in den Sinn.
Und so krittelt er an einfach allem herum. Die deutsche DVD hat ein exklusives Extra, aber das im vom Fan ungeliebten 4:3-Bildformat. Grauenhaft! Ein neuer Disney-Trickfilm wurde angekündigt - aber bis 2013 ist es noch so lange. Er will aber nicht warten! Disney soll schneller produzieren!

Es gibt auch eine komplett umgekehrte Krankheit - das "Disney-Messie-Syndrom". Alles von Disney muss für die damit infizierten Fans her. Einfach alles, egal wie uninteressant oder mies es ist. Und eines Tages erstickt der Fan in seinen Winnie-Puuh-Special-Editions mit extra viel Plüschfiguren und mit Disney-Figuren bedruckten Kinder-Taschentüchern aus Usbekistan.

Seine Sammlung an Meisterwerk-DVDs und Litographien aus seinem Lieblings-Cartoon findet er dagegen nicht mehr wieder...

Es gibt noch eine Vielzahl von anderen, tragisch endenden Krankheiten, die die Disney-Fans heimsuchen, doch wie Ihr euch sicherlich denken könnt, ist dies nicht der richtige Platz um diese hier aufzurollen.
Ich hoffe jedoch, dass ich euch die faszinierenden Disney-Fans mit diesem Beitrag ein Stückchen näher bringen konnte. Das nächste Mal, wenn euch ein Homo Disneyana begegnet, dann tut ihm doch einfach etwas gutes. Diese Tierart ist sehr menschenfreundlich, ja, sie profitiert sogar aufgrund ihres sehr komplexen Immunsystems von menschlicher Nähe. Führt den Disney-Fan doch zum Essen ein, oder umarmt ihn ganz fest.

Ihr werdet sehen, dass der Homo Disneyana ein liebevolles Wesen ist. Bringt ihm Respekt und Lieb entgegen - und solltet ihr die Gelegenheit haben, dann sorgt dafür, dass sich die Tierchen nicht untereinander zerfleischen. Saisonweise sind sie untereinander seltsamerweise sehr giftig zueinander.

Dazu aber vielleicht ein anderes Mal mehr - wenn mir meine alte Sandkastenliebe einen weiteren Eintrag in ihrem Blog gönnen sollte. Falls ihr nichts mehr von mir hört, dann war der liebe Sir Donnerbold wohl unzufrieden. Wir werden sehen.

So zerkrümelt der Keks nunmal,

euer Elias Oliver Iwwerks

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Tja wir Disneyfans sind halt schon eine liebenswerte Rasse. Grins.

Anonym hat gesagt…

Fick dich, das ist kreativ!

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