Montag, 25. August 2008

Kleine Dinge mit großem Störfaktor: Was den Kinobesuch ganz schnell kaputt macht

Der Kinobesuch: Für manche die legale Alternative zum Filmdownload, für andere die Gelegenheit besonders herbeiersehnte Filme in gebührendem Rahmen zu sehen. Und wieder andere sind sogar richtige Kinofans.
Ich selber zähle mich zu dieser Gruppe, bin nicht einfach nur Filmfan, sondern auch von der Kinoatmosphäre an sich begeistert. Ein schöner Kinosaal lässt mein Herz höher schlagen und in der richtigen Stimmung und mit den richtigen Leuten kann ein Kinobesuch ein wirklich magisches Erlebnis werden. So etwas kann einem DVD nicht bieten.

Doch genauso, wie ein paar Kleinigkeiten den Kinobesuch so schnell um einiges reizvoller machen könnten, kann der Kinobesuch durch kleine Dinge völlig zerstört werden. Der rundum gelungene Kinobesuch ist wahrlich eine fragile Sache. Ich möchte mich nun einiger der Kleinigkeiten annehmen, die so schwer wiegen und im Kino extrem nerven können. Dabei könnte man sie sehr leicht beheben.


- Bier: Ich weiß nicht, woran es liegt. Vielleicht ist die Mehrheit der Leute, die im Kino Bier trinken motorisch gestört und schüttet deshalb die Hälfte daneben. Oder aber die magische Rezeptur des güldenen Gerstensaftes entfaltet in Kinosälen einen viel intensiveren Duft als in anderen Räumen. Oder die Bierflaschen, die in Kinos verkauft werden sind undicht. Oder alles zusammen. Jedenfalls stinkt Bier im Kino wie die Hölle. Wenn ein oder zwei Reihen vor oder hinter mir jemand im Kino Biert trinkt, rieche ich das die ganze Zeit. Das nervt, lenkt vom Film ab und ist deshalb auf dieser Liste. Leute, Bier schmeckt in geselliger, kommunikativer Runde oder in Feierlaune am besten. Trinkt im Kinosaal was anderes. Bitte.


- Glasflaschen: Das in Kinos die meisten Getränke in Pappbechern verkauft werden hat über so simple Gründe wie Flaschenpfand hinaus einen weiteren Sinn. Trinkbecher sind für den Seelenfrieden gedacht. Sie sind leicht und wenn sie hinfallen sind sie außerordentlich leise. Aber dennoch werden in vielen Kinos manche Getränke in Glasflaschen verkauft. Vor allem Bier, aber auch manche spezielleren Softdrinks, Wasser und so manches mehr. Und hier beginnt der Horror. In einer größeren Kinovorstellung gibt es immer jemanden, der unbedingt ein Getränk haben muss, das in Glasflaschen verkauft wird. Ist nicht so schlimm, sagt ihr? Nun, es wäre auch nicht so schlimm, wenn nicht im Laufe des Films nicht stets irgendein dämlicher Idiot gegen irgendeine verfluchte Glasflasche treten würde! Wenn ich noch einmal hören muss, wie die bescheuerte Flasche irgendeines Depps geräuschvoll hinfällt, mehrfach auftitscht und dann noch gefühlte zehn Meter durch die Gegend rollt, dann garantiere ich für nichts mehr. Diese dämlichen Teile rollen und rollen und rollen. Warum keine Pappbecher bitteschön? Habt ihr schonmal gehört, wie jemand gegen seinen Pappbecher tritt, der daraufhin mehrfach auf den Boden titscht und eine Spritztour durchs Kino macht? Nein? Ja, warum wohl?! Weil Becher kinogeeignet sind! Bitte, liebe Kinobetreiber, nehmt Glasflaschen aus eurem Programm. Oder schafft euch meterdicke Teppiche an.

- Gequatsche: Meine Fresse, ist das denn so schwer? Wenn ich ins Kino gehe, will ich den Film sehen. Ich habe bis zu acht Euro bezahlt, um auf der großen Leinwand da vorne etwas zu sehen, und damit ich das was ich sehe, auch voll genießen kann, will ich auch hören, was aus den riesigen Lautsprechern im Saal kommt. Ich habe nicht acht Euro bezahlt, um mir anzuhören, dass irgendwelche Fremden gestern ein lila Taxi in Köln gesehen haben, oder dass Mimmi neuerdings mit Claus geht. Was ja überhaupt nicht toll ist, schließlich trägt Claus 7/8-Jeans, und die sind ja sowas von scheiße.
Aber was ich noch weniger verstehe... Nicht nur ich habe Eintritt bezahlt, sondern alle anderen auch. Die verhaltensgestörten Vollpfosten, die sich über jeden möglichen völlig uninteressanten und grenzidiotischen Scheiß unterhalten also auch. Warum gucken die sich dann nicht verdammt noch eins den Film an?! Ihr seid im Kino, habt dafür teuer Geld ausgegeben und sabbelt euch dann das Maul fusselig? Warum?! Bleibt zu Hause, ihr sozialapathischen Seekühe und Steckdosenbefruchter!
Ehrlich. Dafür habe ich keinerlei Verständnis. Als ich Nie wieder Sex mit der Ex gesehen habe, zerriss sich eine höchst wahrscheinlich aus sämtlichen Schulformen geflogene Gruppe von pseudo-coolen Partypeoplen über Kleidung, Sexpraktiken (wobei ich bezweifel, dass diese offensichtlich gegen Mauern und Stacheldrahtzäune gelaufenen Vollspacken jemals ein Geschlechtsteil vom nahen gesehen haben), die Fußball-EM und Handys das Maul. Und zwar von Beginn des Films an, bis irgendwann die zwei, drei kurzen, idotensicheren Niveaulosgags kamen.
WARUM?! Liegt es an mir, bin ich so blöd, verstehe ich den Sinn dahinter nicht? Warum ins Kino, wenn man sich unterhalten möchte?

Ich habe Verständnis dafür, wenn Leute kurze und geflüsterte Sätze über den Film los werden. Besser jemand fragt seine Freunde sofort nach etwas, das man nicht verstand, als dass der arme Thor den ganzen Film nicht mehr genießen kann. Und wenn jemand sich nicht auf die Handlung konzentrieren kann, weil einem die Stimme der Hauptfigur so bekannt vorkommt, darf man gerne seinen Nachbarn fragen. Aber keine ganzen Gespräche führen. Erst recht nicht über das stinklangweilige Leben pickliger Teenager-Göhren!

SHUT THE FUCK UP!


- Szenenapplaus: Welchen Sinn hat denn bitteschön Szenenapplaus während einer Kinovorstellung? Im Theater verfügt Applaus über einen Sinn, schließlich werden so die Darsteller für ihre Arbeit entlohnt. Doch im Kino gibt es niemanden, der den Applaus in Empfang nehmen könnte. Das Klatschen übertont bloß völlig sinnlos den Film.
Es gibt jedoch Ausnahmen, wo der Applaus akzeptiert werden kann , ja, sogar sinnvoll ist: In (Vor-)Premieren und besonderen Vorführungen, wie etwa Mitternachtsvorstellungen oder Open Airs, also da, wo sich die besonders engagierten Fans von Filmen und/oder Filmschaffenden versammeln. Hier herrscht eine völlig andere Stimmung während der Vorführung, es ist ein Event. Applaus gehört dazu, macht eine riesige Spaßveranstaltung aus dem Abend.
Ähnliches gilt auch in besonderen Kinos, wie etwa Studentenkinos. In solchen Kinos gelten im Grunde die Regeln eines Theaters, schließlich befinden sich im Saal üblicherweise auch Vertreter der Organisation, die sich die Filme aussuchte. Und denen kann man mit Applaus Vergewissheit geben, einen guten Film ausgesucht zu haben. Zudem herrscht unter Studenten eh nahezu immer eine solche (Film-)Festivalstimmung, zu der Applaus auch dazugehört. Allerdings sollte natürlich auch der Film zu einem solchen Verhalten passen. Szenenapplaus bei Schindlers Liste wäre zum Beispiel unangebracht.


- Unpassende Musik vor dem Film:
Manche Kinos lassen vor der Vorstellung Musik laufen. Natürlich ist es vermessen zu verlangen, dass in solchen Fällen der Soundtrack des kommenden Films gespielt wird, oder die Kinobetreiber eine zum Film passende Playlist an bekannten Songs erstellen. Aber wenn vor No Country for Old Men Volksmusik läuft oder man sich als Kinobesucher vor School of Rock durch eine Greatest Hits-CD von Eminem kämpfen muss, ist ganz klar was schief gelaufen. Die perfekte Stimmung kann sich da wohl kaum noch einstellen.

- Der abgeschnittene Abspann: Ganz einfach: Ich will die Möglichkeit haben den ganzen Film zu sehen. Mitsamt Abspann. Bis zum letzten Studiologo.

Die genannten Kleinigkeiten liegen zum Teil in der Hand des Kinopersonals, zum Teil in der von anderen Kinobesuchern. Aber sie alle haben eins gemeinsam: Sie sind leicht zu beheben und zerstören, wenn sie aufkommen, den idealen Kinobesuch. Der Teufel liegt halt im Detail.

Weiterführende Artikel:

1 Kommentare:

The Great Gonzo hat gesagt…

Kann ich hunderprozentig unterschreiben. Sehr schöner Beitrag. Was ich noch finde, ist das Pausen mitten im Film sehr stören, mensch hat mich das bei The Dark Knight aufgeregt :D

Außerdem möchte ich mal auf folgenden, sehr merkwürdigen, Blog hinweisen, keine Ahnung ob du da etwas weißt:

http://donsirnerboldsbagatellen.blogspot.com/

Kommentar veröffentlichen