Freitag, 29. Februar 2008

Most Wanted: 70 Filme, die Disney unbedingt ins Kino bringen sollte (Teil 3)

Platz 60: Super Mario Bros.

Furore garantiert: Sollte Disney je eine Verfilmung der beliebten und kultigen Abenteuer des pummeligen Nintendo-Klempners sorgen, die Videospiel- und Filmwelt stünden Kopf. Unter anderem
auch, weil die Disney-Tochter „Hollywood Pictures“ 1993 bereits einen extrem trashigen Mario Spielfilm verursachte. Doch warum sollte man aufgrund dessen das Thema „Super Mario + Film“ ad acta legen? Allerdings müsste man zum Schutze der Qualität dieses Mal darauf verzichten einen Spielfilm zu machen – Mario und seine Welt müssen animiert werden. Und da Mario auch seit seinem Sprung in die 3D-Welt hinter sich hat weiterhin sehr cartoonig aussieht plädiere ich auf einen gut animierten Zeichentrickfilm – ansonsten halt auf einen sehr cartoonartigen CGI-Film. An liebenswürdigen Figuren und kultigen Widersachern mangelt es in der Mario-Welt ebenso wenig wie an abwechslungsreichen Handlungsorten – die Autoren können also auf einen riesiges Fundus zurückgreifen. Nur bei der Story sollten sie sich etwas von den Spielen distanzieren, denn „Bowser entführt Peach und Mario rettet sie in einem episodenhaften Abenteuer“ ist leider nicht sehr cineastisch. Und bitte... bringt etwas von der Spielmusik in den Filmscore ein...

Platz 59: Fahrenheit 451

In Ray Bradburys dystopischen Roman „Fahrenheit 451“ wird eine Welt geschildert, in der Bücher von der Feuerwehr verbrannt werden und die Menschen durch Drogen, kontrollierte Medien und ein von der Regierung genau kontrollierte Schulerziehung unmündig, unkreativ, ja, fast apathisch gehalten wird. Als ein Feuerwehr auf ein eigenartiges, selbständiges Mädchen aus der Nähe trifft geht er eine gedankliche Wandlung durch und entdeckt das Lesen und Denken für sich neu. Diese Geschichte ist ähnlich wie die erst kürzlich von Disney für eine Leinwandadaption gesicherte düster-kritische Sci-Fi-Graphic-Novel-Reihe „The Surrogates“ hart an der Grenze zwischen Disney-material und Touchstone-Thematik. Während die härtere und düstere Comic-Reihe beim härteren Tochterstudio allerdings ein kleines bisschen besser aufgehoben sein sollte, ließe sich der nachdenkliche und bedächtigere ganz gut als „Walt Disney Pictures“-Produktion ins Kino bringen. In Anbetracht des immer größer werdenden Kultstatus von Equilibrium eh die bessere Wahl. Dieser Sci-Fi-Actionthriller entstand bei „Dimension Films“ (als sie noch zu Disney gehörten) und gönnt sich allerhand Anleihen an Bradburys Werk. Da bräuchte es wirklich nicht noch einen ähnlich thematisierten Action-Thriller der Disney-Company. Mit Fokus auf die Nachdenklichkeit und Aussage dieses Werkes sollten sich vielleicht die Spezialisten bei Walden Media dieses Themas annehmen. Disney stellt Geld zur Verfügung und bringt das Endergebnis in die Kinos. Klappte ja auch schon bei Narnia und Das Geheimnis von Green Lake...

Platz 58: Rotkäppchen
Spätestens seit Mitte der 90er wird eine nicht zu verachtende Gruppe von Disney-Fans immer lauter: Die Verteidiger der klassischen, musikalischen Disney-Märchen, die sich endlich wieder einen Film in der Machart von „Schneewittchen“, „Arielle“ und Co. wünschen. Mit The Frog Princess gibt es bald immerhin ein handanimiertes Märchenmusical, wenn auch erstmals auf Grundlage eines russischen Märchens. Disneys Entscheidung ist jedoch sehr verständlich: Die grimm‘schen Märchen mit abendfüllender Geschichte sind alle durch. Wie soll bitte ein 80-Minuten Film über die Prinzessin auf der Erbse aussehen? Da man bei Disney aber gerne frei mit dem Ursprungsmaterial umgeht besteht weiter Hoffnung. Viel Potential sehe ich zum Beispiel bei Rotkäppchen. Hier kann Disney den Charakteren ausführlichst neue Dimensionen verleihen und Platz für interessante Songs ist auch gegeben. Wer würde da nicht gern soooooooo große Augen und Ohren machen?

Platz 57: Die Bremer Stadtmusikanten
Wenn es jedoch ein Märchen gibt, dass unbedingt als Disney-Meisterwerk-Musical mit
zahhlreichen großen und kleinen Songs aus der Feder eines brillanten Komponisten ins
Kino gehört, dann ist es das von den Bremer Stadtmusikanten. Diese Geschichte über
einen Esel, einen Hund, eine Katze und einen Hahn, die vor ihren Besitzern und dem
drohenden Tod durch deren Händen fliehen und letztlich beschließen Musiker zu werden kann problemlos mit Liedern, Pointen und auch einem Hauch Melancholie und/oder Romantik erzählt werden.
Außerdem kann man aus den vier unterschiedlichen Tieren einige spannende und denkwürdige Figuren formen. Und mit einem gelungenen Voice-Casting ist ein gelungenes Meisterwerk fast schon gesicherte Sache. Außerdem bietet die recht simple Geschichte auch genug Platz für Subplots, um das ganze den modernen Sehgewohnheiten und dem Wunsch nach mehr Spannung gerecht zu werden.
Sobald Disney eines Tages eine Zeichentrick-Adaption dieses Stoffes ankündigt (was realistisch ist... zumindest bezweifel ich, dass Disney es wegen dem deutschen Trickfilm sein lässt...) bleibt nur: Hoffen, dass ein gescheiter Texter und Komponist engagiert wird. Und vorfreuen!

Platz 56: Das Bildnis des Dorian Gray

Die wohlhabende Hauptfigur in Oscar Wildes berühmtesten Prosa-Werk ist im Besitz eines Porträts, welches im Laufe der Jahre altert und das monströser werdende Wesen seines Besitzers widerspiegelt. Dieser bleibt dafür jung und schön. Die in meinen Augen bislang beste Umsetzung dieses Romans ist (ja, richtig geraten!) die italienische Disney-Comic-Version „Das wahre Ich“ aus der Feder von Valerio Held und Caterina Mognato. Ginge es nach mir, so bliebe dieser Dagobert-Comic auch nicht das letzte Mal, dass Disney sich dem Wilde-Roman annimmt. In der Hauptrolle des daraus entstehenden Spielfilms bräuchte man natürlich einen Darsteller, der es schafft jeder seiner Figuren sehr viel Sympathie zu verleihen, egal wie verbrecherisch sie ist. Ansonsten würden die Zuschauer Dorian Gray nach einiger Zeit nur noch zur Hölle wünschen – ein bisschen muss man für ihn schon empfinden. Für eine solche Rolle ist unter anderem Michael Caine bestens geeignet. Der Oscar-Darsteller hat für Disney bereits eine weitere reiche, gierige literarische Figur verkörpert – Ebenezer Scrooge. Aber auch Geoffrey Rush weiß, wie man einen Gauner dem Publikum schmackhaft macht. Dann wäre da natürlich Johnny Depp. Jeder liebt Johnny Depp, und Johnny Depp mag schräge Stoffe – und eine gewisse Schrägheit kann man dieser Grundidee nicht wirklich absprechen, oder? Eine weitere Wunschbesetzung meinerseits wäre Zach Braff. Der Scrubs-Star und das Genie hinter Garden State ist ein wirklich begnadeter Schauspieler, muss sich aber langsam mal nach Rollen umsehen, die nicht seinem bisherigen Typus entsprechen. Eine solche Rolle wäre nun ein echter Coup für ihn. Des weiteren könnte ich mir in dieser Rolle aber auch (einen gezügelten) Jim Carrey oder everybody’s darling Denzel Washington vorstellen. Für den Regiestuhl habe ich dagegen weniger konkrete Vorstellungen. Irgendwie habe ich vor meinem geistigen Auge, wie Tim Burton auf dem Dorian-Gray-Regiestuhl Platz nimmt. Das Ergebnis dieser Dreharbeiten wäre allerdings wesentlich besser bei Touchstone aufgehoben.

Platz 55: Schöne, neue Welt
Eine weitere Dystopie, deren Bearbeitung durch die Disney-Studios ich mir herbeisehne ist Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“, in der die Menschen in verschiedene Klassen aufgeteilt werden und diesen engen Normen entsprechend konditioniert werden.
Das freie Leben wie in unserer Gesellschaft und Individualität sind in Vergessenheit geraten.
Da Huxleys Dystopie zumindest von der innertextlichen Atmosphäre her weniger nachdenklich und düster ist als die in „Fahrenheit 451“ lässt sich hier noch eher eine Bearbeitung durch Disney erhoffen – eine Hoffnung die durch ein zentrales Thema des Romans (Sex) wieder relativiert wird. Dennoch halte ich es möglich, diesen Roman unter dem Disney-Namen zu veröffentlichen. In einer teuren Hollywood-Verfilmung wird eh nix explizit gezeigt -- und die alleinige Erwähnung von Sex sollte man sich mittlerweile auch bei Disney leisten können. Die Hauptsache bei diesem Film wäre es eh, die Aussage und gelungene Charakterisierung zu behalten, also kann man getrost auf explizite R-Rating-Sexszenen verzichten.
Wichtig wären für diesen Film viel mehr ein gelungenes Set- und Produktionsdesign (am besten mit einigen subtilen, aber Innovativen Kamera-, Ton- und Schnittexperimenten) sowie eine engagierte Darstellerriege. Auf Action kann der Film komplett verzichten, aber dafür benötigt der Film einen guten Komponisten, der die stillen Momente füllt und die gezügelten Emotionen der Figuren unterstützt.

Platz 54: König Arthus

Nachdem Jerry Bruckheimers düsteres Schlachtengemälde King Arthur von 2004 sehr mäßig an den Kinokassen ankam wird es wohl vorerst keine Artus-Spielfilme von Disney geben – dabei kann man aus dieser berühmten Sage noch so viel Filmmaterial herausholen. Entweder, indem man ausnahmsweise sämtliche wirtschaftlichen Bedenken über Bord wirft und der brutalen und deprimierenden Bruckheimer-Version des legendären Königs ihre Fortsetzungen gönnt (was einen Touchstone-Film ergebe und in dieser Liste nichts zu suchen hätte) oder indem man sich doch wieder dem beim Publikum scheinbar beliebteren edlen und pompöseren Artus-Interpretation widmet. Da dies im Spielfilmsektor jedoch schon dutzendfach zu sehen war, wünsche ich mich in diesem Fall eine Disney-Version, vorzugsweise mit anthropomorphen Tieren. Im besten Stile von Disneys Robin Hood könnte man hier alle Rollen mit Tieren neu besetzen – so etwas wurde schon lange nicht gemacht und bietet sich hier irgendwie an. Nicht nur wegen der Parallele zum ebenfalls britischen Helden Robin Hood, sondern auch, weil die populäre Artus-Variante Raum für Spielereien lässt. Und mit einem tierischen Cast kämen die Disney Animatoren sicherlich auf mehr originelle Idee als beim eher konventionellen Menschenfilm. Zumal es ja schon einen menschlichen Disney-Trick Artus gab...

Fortsetzung folgt... unter anderem hoch oben auf dem Dach der Welt und in einem Wald.

"Mana, Mana"? Wohl eher "Na Na, Na Na"!

Ein simples, völlig sinnfreies, aber auch witziges Lied, das wohl jeder kennt: Mahna, Mahna.
Um zu testen, ob jemand sein Leben ohne Fernseher, Radio, Internet und Kino irgendwo hinter dem Mond verbracht hat, muss man sich einfach zu ihm begeben und "Mahna, Mahna" sagen. Wenn dann nicht als Antwort "Ba di Ba Di Pi" oder "Du Duh Du Dudu" kommt, darf man offiziell daran zweifeln, ob das Gegenüber wirklich von dieser Welt stammt.

Die meisten wissen auch, woher das Lied stammt: Aus der Sesamstraße. Nein, quatsch, aus der Muppet Show...

Ja, was denn nun?
Lasst mich einfach etwas Licht ins Dunkel bringen:

Die frühste Fassung des "Mahna Mahna"-Sketches wurde am 27. November 1969 in der Sesamstraße aufgeführt. Zwei Muppet-Mädchen singen hier "Ba Di Ba Di Pi", ein etwas grummeliger Kerl im Streifenpullunder trägt die "Mahna Mahna"-Zeilen vor. Diese Version ist die bei uns in Deutschland populärste. In den USA dagegen ist eine drei Tage später aufgeführte Version populärer.
Eine hipper gekleidete männliche Puppe ersetzt dort den zerknautschten Pulloverträger und anstatt normaler kleiner Mädchen mit Zöpfen gibt es zwei identisch aussehende, pinke Fantasiegestalten mit rundem Mund und gelben Lippen. Ihre Textzeile: "Du Duh Du Dudu". Diese Version wurde in der Ed Sullivan Show uraufgeführt und 1976 in der Muppet Show leicht abgeändert ein weiteres Mal gezeigt.



Die aktuellste Muppet-Version wurde 20 Jahre später in Muppets Tonight gezeigt, hier mit Sandra Bullock als schräge Psychiaterin.
Aufgrund der Popularität des Songs gab es aber auch zahlreiche andere Interpreten und in Comedyshows wird er auch immer wieder verwendet.

Das Original dieses Songs stammt jedoch NICHT von den Muppets. Auch wenn die meisten Leute es wohl glauben, wurde der Song nicht von Henson oder seiner Crew für die Puppenserien geschrieben.

In Wahrheit wurde der Song vom italienischen Komponisten Piero Umiliani für den Film Svezia, Inferno e Paradiso (übersetzt: "Schweden - Hölle und Paradies"; der deutsche Titel verfälscht es jedoch zu Schweden - Hölle oder Paradies?) geschrieben.

Schweden - Hölle oder Paradies? ist eine erotische Mockumentary aus dem Jahr 1968 (und ist somit Teil der Blütezeit der Mundo-Filme, inszenierte, meistens explizite Pseudo-Dokumentationen) und handelt von den sexuellen Vorlieben in Schweden.
Der Erzähler Edmund Purdom führt den Zuschauer in Lesben-Clubs, zu Biker-Gangs, in Pornokinos und zeigt Frauentausch, Alkohol- und Suizidprobleme.

Eine der weniger reißerischen und recht soften (ja, sogar jugendfreien!) Szenen zeigt die schwedische Saunakultur. Zu sehen gibt es ein paar Frauen in der Sauna, zu hören gibt es den für den Film geschriebenen Nonsense-Song "Mah Nà Mah Nà".



Direkt nach der Szene laufen sie dann oben ohne aus der Sauna raus.
Na, Na.. Na, na..!

Fragt mich jetzt bitte nicht, wie die Sesamstraße-Macher denn auf diesen Song gestoßen sind... Der Film gehört zwar zu den harmlosesten seiner Zunft, aber dennoch... Skurril...

Donnerstag, 28. Februar 2008

Neues Poster von WALL•E

AICN präsentiert das neue Poster zu Pixars neustem Geniestreich:

Nette Farbgebung und die Abwandlung des üblichen "From the people who..." oder "from the creators of..." ist auch recht witzig. Vom Gesamtstil erinnert es mich irgendwie an Per Anhalter durch die Galaxis...

Trotzdem gefiel mir das Teaserposter viel besser, es hatte viel mehr Melancholie, größere Emotionen und war alles in allem einfach lyrischer:

Auch beim besten Marketing gibt es halt gute und weniger gute Vertreter. Solange kein schlechtes Poster dabei ist es ja in Ordnung. Und solange kein schlechtes Poster auf einen schlechten Trailer trifft, bin ich unbesorgt.

Most Wanted: 70 Filme, die Disney unbedingt ins Kino bringen sollte (Teil 2)

Platz 66: ANTONIUS

Anfang 2002 dachte man noch, dass Bärenbrüder der letzte klassische Disney-Zeichentrickfilm wird. Doch dann wurden einige neue Zeichentrick-Projekte angekündigt, darunter Antonius, eine in Ägypten angesiedelte Geschichte über einen Leoparden, der schließlich zum Freiheitskämpfer für ein ganzes Volk wird. Dieses Abenteuer stammt aus der Feder des Autoren-Duos Tom Firestone und Martin Meunier, auf die Disney durch die Internetseite scriptshark.com aufmerksam wurde. Schöne, neue Hollywood-Welt...

Die Meldung, dass Disney dieses Filmskript abgekauft hat, war 2002 eine recht große Sache, doch nachdem Der Schatzplanet im Kino floppte und Disney deshalb dem Zeichentrick abschwor, verschwand dieses Projekt wieder von der Oberfläche. Bärenbrüder und Die Kühe sind los! sollten dann doch die zwei letzten Disney-Zeichentrickfilme werden, wobei man das schlechtere Projekt als letztes rausbrachte.

Nachdem Pixar Anfang 2006 von Disney übernommen und durch den Einsatz von John Lasseter der Zeichentrickfilm bei Disney wiederbelebt wurde, holte man auch einige der 2002 eingestellten Projekte aus der Schublade heraus, um sie wieder neu zu überdenken. Ob Antonius dazu gehört ist unbekannt – das letzte Mal hörte man 2006 vom Projekt, als Disney-Insider und -Profiblogger Jim Hill in einem seiner Artikel nochmals erwähnte, dass Disney weiterhin die Filmrechte am Projekt hält. Wir dürfen also gespannt sein, ob der Leopard wieder auf
seine Pfoten kommt. Interessant genug, es ihm zu gönnen, ist sein Film ja.

Platz 65: Eine gute, parodistische Underdog-Fortsetzung

Aus der disneyschen Spielfilm-Version der in den USA sehr populären und beliebten Zeichen-
trickserie Underdog sollte ursprünglich ein ganzes Franchise entstehen. Doch aufgrund der eher mäßigen Einspielergebnisse der familientauglichen Superheldenparodie wird es wohl keine Fortsetzungen mit dem fliegenden Hund geben. Schade eigentlich, denn diese Reihe bietet eine
Unmengen an Möglichkeiten für Disney. Da sich Superheldenfilme ja ungebrochener Beliebtheit erfreuen gibt es derzeit genügend Material, dass sich in die Underdog-Filme einbauen ließe.
Und wenn man zugleich noch dem Charme der Vorlage treu bliebe ergebe dies richtig geniale Filme. Wie wäre es zum Beispiel, wenn Underdog einen schwarzen Superheldenanzug erhielte,
der das Böse aus ihm rausholt? Und wenn er dann noch gegen den mächtigen Frog-Oc antreten müsste...
Sollte Disney einen solchen Neuanlauf mit Underdog wagen, ich wär im Kino dabei!

Platz 64: Der Schrecken, der die Nacht durchflattert

Appropos charmante Superhelden-Komödien:
Darkwing Duck wäre doch in der momentanen Kinowelt geradezu prädestiniert für einen Ausflug auf die große Leinwand. Mittlerweile sollten viel mehr Zuschauer die liebenswürdigen Anspielungen auf die Marvel- und DC-Superhelden verstehen – was dem eh schon beliebten Erpel mit dem großen Ego noch mehr Fans einbringen sollte.
Und da der gute Darkwing noch so einige Erzfeinde aus seiner 90er-Jahre-Klassiker-Serie über hat sollte es auch kein Problem darstellen eine spannende Story zusammen zu klöppeln. Also Disney, hab ein erbarmen und lass es uns nochmal hören: Zwo, eins, Risiko!

Platz 63: Die Konferenz der Tiere

Erich Kästners moderne Fabel aus dem Jahre 1949 über den Versuch der Tiere dieser Welt, durch ihr Eingreifen die Welt ein Stück besser zu machen und die Fehler der Menschen (vor allem der Politiker) auszubügeln gehört seit mehreren Jahrzehnten zu den Top-Wunschthemen vieler europäischer Disney-Fans für einen abendfüllenden Zeichentrickfilm. Schließlich ist die unterhaltsame und intelligente Geschichte mit ihrer Aussage und gut verfilmbaren Handlung ein Stoff, der geradezu darauf wartet vom Mäuse-Studio verfilmt zu werden. Bislang blieb aber eine Ankündigung für einen solchen Zeichentrickfilm aus.
Dafür hatte aber Disneys Erfolgsgarant Jerry Bruckheimer den Kinderbuchklassiker für sich entdeckt. Unter dem Titel G-Force entwickelte Hoyt Yeatman (Special-Effect-Supervisor von Filmen wie Con Air) für Bruckheimer sein Regiedebüt auf Grundlage des Kästner-Klassikers. Ob es so zur disneyschen Kästner-Verfilmung kommt steht jedoch in den Sternen. Der Spielfilm mit CGI-Tieren schwebte nämlich seit mehreren Jahren in der so genannten Development Hell und wurde mittlerweile als Familien-Actionfilm über tierische Regierungs-Bodyguards und/oder –Spezialeinheit neu angekündigt. Und all dies auf Basis eines Original-Drehbuchs. Vielleicht ist das auch besser so und wir können weiter um einen Disney-Zeichentrickfilm betteln, in dem die „Konferenz der Tiere“ einberufen wird.

Platz 62: Ilias
Ein Autoren noch heute, über 1.000 Jahre nach ihrer Entstehung, immer wieder inspirierende Geschichte ist die Ilias – doch noch immer mangelt es an einer ansehnlichen filmischen Umsetzung dieser Geschichte über die anhaltenden Zwistigkeiten zwischen Völkerfürst Agamemnon und dem beinahe unbesiegbaren Achilles. Am berühmtesten ist die Ilias jedoch für die Schilderung des trojanischen Krieges. Und auch wenn Italiens Disney-Comickünstler bereits bewiesen haben, dass dies kein Hinderungsgrund ist, diesen Stoff zu verarbeiten sollte diese Geschichte vielleicht trotzdem eher schwerlich als Disney-Trickfilm umsetzbar sein. Zumal Disney ja bereits 1997 mit Hercules einen Meisterwerk-Ausflug in die griechische Sagenwelt unternommen hat. Aber die Ilias ließe sich, so sehe ich es zumindest, mittlerweile durchaus als Disney-Spielfilm umsetzen, vor allem wenn man den Krieg nicht all zu blutig schildert. Größtes Problem sollte der Film „Troja“ darstellen – nach diesem Film wird „Ilias“ den meisten wohl als Plagiat vorkommen... Aber es gibt ja noch andere griechische Sagen...

Platz 61: Odyssee

...zum Beispiel die Odyssee. Dieses klassische Epos aus Homers Feder über die lange Irrfahrt, die König Odysseus und seinen Gefährten im Anschluss an den trojanischen Krieg durchmachen müssen, wurde bereits von einer schier endlosen Reihe von Künstlern neu bearbeitet, darunter auch von einigen Filmemachern. Besonders bemerkenswert war jedoch noch keine der direkten Adaptionen – nur sehr freie, von der Odyssee inspirierte Filme mit einigen Anspielungen an Homers Original erwiesen sich als richtige Meisterwerke, wie etwa Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ oder „O Brother, Where Art Thou?“ von den frisch Oscar-prämierten Coen-Brüdern.

Es wäre nun also an der Zeit für eine gelungene, liebevolle und epische Verfilmung der zehn Jahre andauernden Irrfahrt nach Ithaka – und mit ihrer Mischung aus Abenteuer, Dramatik, Humor und fantastischen Elementen ist diese doch genau richtig für Disneys aktuelle Rückbesinnung auf die eigenen Abenteuer- und Fantasywurzeln im Spielfilmsektor.
Und sollte man dort vor der sicherlich kostspieligen Special-EffectZauberei auf hoher See zurückscheuen, so könnte man es auch gerne mit einem Zeichentrickfilm versuchen.
Auf maximal 100 Minuten gekürzt könnte dieses Epos noch immer überzeugen – schließlich hat es schon als Donald-Comic und DuckTales-Folge funktioniert. Jedoch möchte ich diese Geschichte nicht unbedingt als Musical sehen – aber ich lass mich gern vom Gegenteil überzeugen. Dies sollte hier aber etwas schwerer fallen als bei manch anderen Geschichten.

Fortsetzung folgt... unter anderem auf märchenhafte Art und Weise und mit einer blonden Prinzessin...

Das Rätsel ist gelöst: Darum ist die sechste Staffel "Scrubs" ab 16

Während ich immer noch darauf warte, dass Disney mir endlich schreibt, was in Deutschland mit dem Cartoon How to Hook up your Home Theatre passiert, zeigt sich die FSK wesentlich gnädiger mit mir.

Am 13. Februar erfuhr ich, dass die sechste Staffel von Scrubs - Die Anfänger eine FSK Freigabe ab 16 Jahren erhielt, im Gegensatz zu den fünf vorherigen Staffeln, die allesamt eine Freigabe ab zwölf erhielten. Meine Neugier war geweckt, vor allem weil die Staffel vor einigen Wochen komplett auf Pro7 lief und ich bei Scrubs kein Abdriften in weniger jugendfreie Gefilde bemerkte.

Also schrieb ich an die FSK und bat um eine Freigaben-Begründung.

Klar war mir nur, dass die Staffelbox höchst wahrscheinlich nur wegen einer Episode diese Freigabe erhielt - das sämtliche Folgen ab 16 sein sollten konnte ich mir nicht vorstellen.
Welche Folge nun weniger für Jugendliche geeignet sein könnte als der Rest, wollte mir aber nicht einfallen.

Erst kürzlich kam mir die Episode Meine kalte Dusche in den Sinn, der ich es zutrauen würde eine Freigabe ab 16 Jahren zu provozieren. Möglicherweise waren manche sexuell thematisierten Szenen zu explizit, vermutetete ich.

Heute erhielt ich dann tatsächlich eine Antwort von der FSK. Die E-Mail ist sehr ausführlich und freundlich gehalten.
Und ich lag gar nicht mal so falsch. Zumindest die richtige Episode habe ich getippt. Hier ein Zitat aus der E-Mail:

Die sechste Staffel der Serie „Scrubs – Die Anfänger“ erhielt die Freigabe „ab 16 Jahren“ auf Grund der Folge „Meine kalte Dusche“. Hier wurde im Prüfverfahren die Sprachebene für unter 16-Jährige als problematisch eingestuft. Das Prüfgremium war der Ansicht, sie sei sexistisch und gegenüber alten Menschen respektlos. Dies könne insbesondere für die sensiblen jüngeren Kinder der Altersgruppe zwischen 12 und 16 Jahren, die sich in der Phase der Pubertät befinden, irritierend oder erziehungsabträglich wirken.

Hierbei ist allerdings zu sagen, dass die FSK-Kennzeichnungen keine pädagogischen Empfehlungen sind sondern lediglich sicherstellen sollen, dass das körperliche, geistige oder seelische Wohl von Kindern und Jugendlichen einer bestimmten Altersgruppe nicht beeinträchtigt wird. [...] Eine letztlich "objektive richtige" Freigabe kann es nicht geben.


Waren also doch keine Sexszenen Schuld an der hohen Freigabe, sondern allein der Inhalt der Dialoge. Sexistisch, respektlos, altersdiskriminierend. Durchaus löblich, das von pubertären Bälgern fernzuhalten, allerdings bin ich trotzdem leicht verwundert. In meiner Erinnerung ist die Folge auch nicht krasser als andere Episoden. Aber dafür ist ja die DVD-Veröffentlichung da.

Jedenfalls möchte ich mich nochmal herzlich bei der FSK dafür bedanken, dass sie ihren "Kunden"service ernst nimmt und tatsächlich eine freundliche E-Mail verschickt hat, die auch meine Frage beantwortet. Das sollte zwar immer so sein, ist es aber nicht.
Vielen Dank für die Antwort, liebe FSK.

Disney, Telekom, Deutsche Bahn (eigentlich so ziemlich alle), nehmt euch daran ein Beispiel!

Mittwoch, 27. Februar 2008

Most Wanted: 70 Filme, die Disney unbedingt ins Kino bringen sollte (Teil 1)


Hollywood überhäuft den Kinomarkt alljährlich mit zahlreichen mittelmäßigen und schlechten Filme jeder Größenordnung und jedes Genres – und dazwischen kommen auch ein paar Perlen in die Kinos, ins Fernsehen und auf den Videomarkt.
Dass sich der Filmfan mehr nach letzterem sehnt, als nach purem Mittelmaß und cineastischen Katastrophen ist selbstverständlich. Interessanter ist da schon, wie sich die Fans manchmal ihre Perlen vorstellen.

Und gerade in Zeiten des Internets sind Diskussionen über Filme, die gemacht werden sollten häufiger denn je zuvor. Disney-Fans tauschen sich darüber aus, welche Sagen, Märchen, Kinder- und Jugendbücher noch alles tauglich für ein Zeichentrick-Meisterwerk wären und dank dem größeren Markt für Informationen aus der Studiohauptstadt entbrennen auch mehr denn je Diskussionen darüber, welche Filmproduktion nicht hätte eingestellt werden sollen.
Selbst die oberflächlichste Internetrecherche fördert Dutzende vielversprechender Projekte zu Tage, die aufgegeben wurden – sowie eine schier unendliche Flut an virtuellen Diskussionen über Stoffe, derer sich Disney noch nicht annahm, aber in den Augen der Fans gefälligst annehmen sollte.

Und all diesen Stoffen möchten wir uns nun widmen. Den Filmen, die noch nicht sind, aber beinahe geworden wären, aber auch denen die nie geworden wären, aber doch mal bitte werden sollten. Einzige Regel hierbei: Es geht hier um Disney-Filme. Filme die unter dem Disney-Namen erscheinen. Nicht unter dem einer Tochterfirma!

Wie auch immer...

Hier sind sie, die 70 Filme, die Disney meiner Meinung nach unbedingt ins Kino bringen sollte:

Platz 70: Aida

Nachdem Disney in den 90er Jahren die Arbeit an einem Aida-Zeichentrickfilm einstellte, begann die Produktion eines Bühnenmusicals auf der Basis dieses Materials. Das Musical mit Musik von Elton John und Tim Rice wurde ein Erfolg und alsbald kramte Disney die Idee für einen Aida-Zeichentrickfilm wieder hervor. Dieser sollte auf dem Musical basieren, wurde aber aufgrund des sinkenden Sterns der handgezeichneten Animationsfilme wieder fallen gelassen. 2007 brachte Disney die Leinwandadaption der Bühnenproduktion wieder ins Gespräch. Doch nun soll aus dem Stoff ein großes Spielfilmmusical werden. Im Gespräch für die Hauptrolle sind alle drei Pop/R’n’B-Diven von Destiny’s Child, wobei die Disney-Bosse die populärste der drei Damen (Beyonce Knowles) am meisten bevorzugt. In weiteren Rollen sollen Corbin Bleu (aus den „High School Musical“-Filmen) und, neusten Gerüchten zu Folge, Christina Aguilera zu sehen sein. Anvisierter Starttermin des Films ist 2010. Und auch wenn die Zeichentrickversion noch mehr Entzücken auslösen sollte (würde sie nun doch in Produktion gehen), so wäre ich auch über die Spielfilm-Version sehr erfreut. Bleiben nur zwei Dinge zu hoffen: Dass man sich nicht auf Beyonces Namen ausruht, sondern richtig Mühe bei der Adaption gibt und zum anderen, dass dieser nun dritte Anlauf für Aidas Leinwandabenteuer nun endlich gelingt.

Platz 69: Knockin‘ Ducks On The Bill

Wie im Intro bereits gesagt, wimmelt das Internet geradezu von Fan-Diskussionen über Filme, die gemacht werden sollten. Aber nicht immer werden nur Stoffe angebracht, die bereits existieren. Nicht selten werden auch Filme vorgeschlagen, die auf nichts weiterem basieren als eigenen Ideen. Selbst erdachte Filmkonzepte sind mittlerweile fester Bestandteil der Disney-Fankultur.
Viele davon sind kurze Gags, andere lang durchdachte und geträumte Wunschfilme. Knockin‘ Ducks On The Bill gehört in die zweite Kategorie. Den Wunsch nach einem Rockmusical mit Donald Duck in der Hauptrolle verspüre ich schon länger – und nach einiger Zeit habe ich meinen Traum niedergeschrieben. Und sollte dieser Film tatsächlich aus irgendeinem Grund verwirklicht werden (vielleicht liest ja doch jemand bei Disney meine Beiträge im Internet) – wow... Ich würde eine riesige Party für meine Freunde geben. Wenn der Rockstar unter den klassischen Disney-Figuren der Star eines epischen Rock-Musicals werden würde, ergäbe dies den kultigsten Party-Film dieses Jahrzehnts, vielleicht sogar aller Zeiten. Zumindest in meinen Augen...
Bitte, Disney, macht diesen Traum wahr! Für alle, die nicht wissen, wovon ich spreche, hier das Original.

Wieso nur Platz 69, wenn ich mich doch so sehr über diesen Film freuen würde? Nun ja... als Live-Event-Show wäre es nunmal noch sooooo viel besser...

Platz 68: Mickey in Space

Während „Knockin‘ Ducks On The Bill“ nicht jeden so sehr erfreuen würde wie mich und auch ein eher unwahrscheinliches Projekt ist, kann man bei „Mickey in Space“ etwas mehr Hoffnung
schröpfen. Ursprünglich für den DTV-Markt angekündigt, als neues Micky-Abenteuer in voller Länge und CGI, wurde das Filmprojekt vorerst auf Eis gelegt. Da Lasseter Disneys DTV-Produkte vom CGI wegbringen möchte, besteht nun die Hoffnung, dass dieser Film
(der keine Merchandising-Promotion für das Micky-Maus-Wunderhaus-Franchise, sondern eine eigenständige Produktion werden soll) als handanimiertes Projekt die zahlreichen Fans des Disney-Maskottchens so richtig erfreuen könnte. Schließlich ist das letzte Film-Soloabenteuer der Maus schon einige Jahrzehnte her... Außerdem würde dieser Film dem momentanen Disney-Trend in Richtung Sci-Fi einen prominenten Helfer zur Seite stellen...

Platz 67: Die Rückkehr der Ritter des Rechts

Eine der Disney-Zeichentrickserien mit wirklich engagierter und eingeschworener
Fangemeinde ist Chip & Chap – Die Ritter des Rechts. Aufgrund der hohen Beliebtheit dieser Serie plante man ursprünglich auch einen Kinofilm zur Serie über die frechen Nager und ihre Freunde, die Verbrechen jeder Art aufklären. Doch da 1990 der Kinofilm zur ebenfalls sehr populären Disney-Serie DuckTales weit unter den Erwartungen lief verwarf man bei Disney diese Idee wieder. Da Disney dank der recht guten DVD-Verkäufe seiner alten Serien nun endlich wieder bewusst sein sollte wie gut diese bei Fans mehrerer Altersklassen ankommen, erlaube ich mir das Wunschdenken und ersehne mir einen Reunion-Kinofilm zur Serie, der mit den Serien-Fans der ersten Stunde auch ein bisschen gewachsen ist. Und sollte es Disney an Ideen mangeln, so kann man sich gerne auch ans Fandom wenden. Cineastische Storykonzepte gibt es dort zu genüge.

Fortsetzung folgt... und dann geht diese Rubrik unter anderem vor die Hunde!


Morgen ist es so weit...

... ein weiterer Nagel im Sarg der einstmals so stolzen Geschichte der Parodien startet in den deutschen Kinos: Meine Frau, die Spartaner und ich. Ein Kinotrailer bei dem niemand lacht, katastrophale Kritiken und das grausige Bewusstsein, dass aufgrund der erfolgreichen Kinoauswertung bald ein weiterer Film der Humorversager Jason Friedberg und Aaron Seltzer folgen wird.

Das... ist... schrecklich!
Wer auch fast ein Jahr nach 300 immer noch das Bedürfnis hat, sich eine Parodie auf den Zack-Snyder-Film anzusehen, darf sich aber freuen. Ihr müsst euch nicht in den grausigen Meine Frau, die Spartaner und ich schleifen. Guckt euch stattdessen einfach dieses Video an, das selbst nach so vielen Monaten weiterhin witzig ist:



Bin ich nicht nett zu euch? Dank mir habt ihr soeben 7 Euro und 75 Minuten eurer Lebenszeit gespart.
Ihr müsst euch übrigens nicht bedanken, ich habe das doch gern gemacht.

Dienstag, 26. Februar 2008

Knightley über Disneys Brust-Make-Up

Wenn es nichts wichtiges zu melden gibt, stürzen sich die Medien auf Nebensächlichkeiten. Manche davon sind aber ganz interessant, wenn man darüber nachdenkt. Allein schon aufgrund des Skurilitätsfaktors.

Manche erinnern sich vielleicht an die (falschen) Gerüchte, Disney hätte 2005 digital Lindsay Lohans Busen verkleinert, um Herbie: Fully loaded familienfreundlicher zu machen.
Während Lohans Brüste in Wahrheit unberührt blieben (ja, ich weiß, das ist zweideutig...), gönnte Disneys Marketingabteilung ein Jahr zuvor Keira Knightley eine Brustvergrößerung. Allerdings nur eine digitale: Auf den US-Postern zu King Arthur verpasste man Knightley, zu ihrer Verwunderung, größere Brüste - um (männliche) Kinogänger anzulocken.

unten: Die Vorher-Nachher-Show mit Keira Knightley

Bildquelle: Google Images

Anfang 2007 gab sich die Britin ein weiteres Mal erstaunt über Disneys Umgang mit ihrem Busen: Die "Elizabeth Swann"-Actionfiguren zum dritten Teil von Pirates of the Caribbean seien im Brustbereich überproportioniert.

Dass Disneys Marketingabteilung auf einem Poster für einen Touchstone- und Bruckheimer-Streifen die Brüste vergrößert ist ja noch irgendwie zu erklären, aber wozu braucht Kinderspielzeug größere Brüste als die lebendige Vorlage?

Tsss, so sieht doch keine Piraten-Braut aus...

Nun zur eingangs angekündigten Neuigkeit, die die Medien aufgedeckt haben (vermutlich weil außerhalb der Oscars sonst nichts im Filmbereich passierte): Jeden Morgen wurde ihr beim Dreh der Pirates-Filme 45 Minuten lang Brust-Make-Up verpasst, dass im Film die Illusion größerer Brüste erwecken sollte.
(Quelle: PR-Inside)

So sieht eine Piraten-Braut aus!

Piraten sind halt immer gierig auf eine weitere, pralle Treasure Chest...

Was Knightley aber möglicherweise noch nicht weiß: Wenn es nach den Konzeptzeichnern von Am Ende der Welt gegangen wäre, hätte sie für die Pirates-Filme einen noch größeren Busen verpasst bekommen:


Ich wiederhole es immer wieder gern: Spätestens seit Fluch der Karibik pfeift Walt Disney Pictures auf das familienfreundliche Image. ;-)


P.S.: Irgendetwas sagt mir, dass mit diesem Blogeintrag die Anzahl meiner Page-Visits explodieren wird...

Fünfseitiger Artikel über WALL•E aufgetaucht

Das britische Filmmagazin Total Film gönnt seinen Lesern in der neusten Ausgabe einen fünfseitigen Artikel über WALL•E.
Jordan von Upcoming Pixar stellte Scans des Artikels zur Verfügung. Die fünf hochauflösenden Scans findet ihr hier.

Als kleinen Vorgeschmack gibt es hier schonmal ein weiteres Bild von der Figur, die Stitch den Titel meiner liebsten Trickfilmfigur, die keine Ente ist, streitig machen wird:

Süß. Süß. Süß. Und die überoffensichtliche 80er Jahre Referenz (liebe Kinder, das, was der Roboter auf dem mittleren Bild hochhält nennt man Rubik's Cube. Vor vielen, vielen Jahren raubte dieses kleine Teil vielen, vielen Leuten den letzten Rest ihres Verstandes) ist auch nett anzusehen. Ob wohl aus mehreren Jahrzehnten ein Spielzeug in WALL•Es Hände fallen wird?

Montag, 25. Februar 2008

Das waren die Oscars 2008...

25. Februar, 0:25 Uhr: Ich sitze vor meinem PC, den ich zur Feier des Tages umgestellt habe (genauso wie den Fernseher), damit ich fernsehen und gleichzeitig im Internet surfen kann. Zum zweiten Mal schreibe ich das Duckipedia Oscar Spezial 2008.

Knapp 5 Stunden und 2,5 Liter Süßgetränke später ist die Oscar-Nacht vorbei, das Spezial zu Ende geschrieben und ich bin hundemüde.
Nun, über elf weitere Stunden später, ist es also an der Zeit ein Fazit zu verfassen...

Wie jedes Jahr denke ich... "Das war's? Dafür bist du aufgestanden und hast deine Mult-Tasking-Fähigkeit wiedermal ausgeschöpft?!"
Irgendwie ist die Oscar-Nacht wie das Weihnachtsessen mit der Familie. Man wartet schon Monate vorher darauf, es ist lang, und wenn es vorbei ist, fragt man sich, was das denn nun gebracht hat. Aber im Jahr darauf macht man wieder mit.

Der Moderator hat einen soliden Job gemacht, mehr jedoch auch nicht. Mit Ratatouille gab es einen Gewinner, für den ich mich richtig mitgefreut habe, der Ausstattungs-Oscar und der Hauptdarsteller-Oscar gingen an Leute die es mehr als verdient haben, mit Johnny Depp ging wieder Mal einer meiner Lieblinge leer aus. Alan Menken hätte einen Oscar bekommen sollen, der ewige Pechvogel Kevin O'Connell bleibt ein ewiger Pechvogel. Wenn das so weiter geht, erhält er in 20 Jahren seinen Ehrenoscar. Und Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt war halt doch kein Oscar-Material... Schade...
Ansonsten: Richtig mutig ist die Acadamy immer noch nicht (sonst hätte Ratatouille alles abgeräumt, was nicht auf den Namen Doku oder Kurzfilm hört), auf No Country for Old Men freue ich mich jetzt noch mehr, als ich es vorher schon tat.

Und ProSieben hat "bloß" einen Film gespoilert, die Acadamy höchstpersönlich einen anderen. Da habe ich schlimmeres befürchtet.

Bis Ende März kommen nun einige Oscar-Movies in die deutschen Kinos, dann ist wieder Blockbuster-Saison, dann kommt der allwinterliche Familienfilm-, Drama- und Romanzenboom, dann starten wieder die ersten mutigen Oscar-Nominees und dann heißt es wieder And the Oscar goes to... einen Film, den der durchschnittliche deutsche Kinozuschauer eh nie sehen wird.

Jimmy Kimmel gesteht ebenfalls

Wir erinnern uns an das erste Internet-Phänomen des Jahres: Sarah Silverman gesteht ihrem Freund Jimmy Kimmel, dass sie eine Affäre hat. Man könnte das Video auch "Die Rache des Matt Damon" betiteln, schließlich hat Matt Damon mit diesem Video bewiesen, dass er sehr viel Humor hat und es schafft mehr Lacher zu bekommen als der Host der Show, in der er zu Gast ist.

Nun ist es an Kimmel zurückzuschlagen:



Damit hat Kimmel wohl ein für allemal bewiesen, dass er mehr Prominente kennt als seine Freundin. Allerdings hat er auch bewiesen, dass er wesentlich schlechtere Songs schreibt, viel schlechter singt und anscheinend auch schlechteres Timing hat. Silvermans Clip war genial, hier hingegen macht nur die Promizählerei Spaß.

Schade. Aber wenigstens können wir uns schon auf Matt Damons nächsten Rückschlag freuen.

Sonntag, 24. Februar 2008

Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street


I want you, bleeders!

Prolog
: Wow, was für ein Kinobesuch! Eine solch geniale Trailer-Kombination hatte ich das letzte Mal als sich 2003 ein gewisser Film namens Fluch der Karibik anschickte mein damaliger Lieblingsfilm zu werden. Damals liefen in exakt dieser Reihenfolge die Trailer zu Bad Boys 2 ("Hey, lass uns doch direkt Mal Werbung für den nächsten Jerry-Bruckheimer-Streifen buchen! Das Zielpublikum haben wir ja schon da!"), Der Fluch von Darkness Falls (Nennen wir das den stylischen Grindhouse-Faktor: Dieser Film kam rund fünf Monate vorher in die Kinos! Was hat der Trailer hier zu suchen?! - Naja, der Trailer war ganz stylisch...), Matrix Revolutions (Gott, allein der Trailer versprühte den Charme eines computeranimierten Kühlergrills, aber die Reaktionen der Matrix-Fans im Saal waren klasse), Findet Nemo (Pixars zweiter Film auf anbetungswürdigem Niveau) und Kill Bill, Vol.1 (Genialer Trailer, perfekt zur Musik geschnitten, einfach großartig!). Die Trailer hatten in dieser Reihenfolge eine sogartige Wirkung und ließen mich vor Vorfreude platzenden Kerl in die richtige Stimmung kommen.
Sweeney Todd bewies nun, dass es tatsächlich möglich ist, eine weitere Trailerkombi zusammenzustellen, die mich mit offenem Mund dasitzen ließ, meine Vorfreude auf den Film weiter in die Höhe schraubt und zugleich nach weiteren Trailern hoffen lässt. Eine Trailerkombi halt, die man noch länger im Gedächtnis behält.

  • 8 Blickwinkel: Ein vielversprechender Action-Thriller über ein Attentat auf den US-Präsidenten. Acht verschiedene Augenzeugen tätigen teils widersprüchliche Aussagen und es liegt am Geheimdienst das Rätsel zu lösen. Einziger Trübsinn am toll geschnittenen Trailer: Matthew "Jack, die egozentrische Insel-Heulsuse mit dämlichen Flashbacks" Fox sieht 1:1 so aus wie in "Lost" und nimmt mir etwas Vorfreude am Film.
  • Get Smart: Steve Carell als versagender Neu-Geheimagent mit der hübschen und intelligenten Partnerin Anne Hathaway. Verspricht ein völlig sinnfreier, aber auch fremdschämfreier Klamauk mit guter Action zu werden.
  • 21: Von dem Film habe ich bislang nichts mehr gehört, aber der Trailer sah extrem gut aus und somit ist der Kinobesuch gebongt. Kevin Spacey fährt mit mehreren außerordentlich begabten Studenten nach Las Vegas um ein Casino nach dem anderen abzuzocken. Bunt, atmosphärisch, dynamisch, witzig, spannend und dramatisch - das verspricht der sexy geschnittene Trailer. Sozusagen Casino Royal ohne Bond, dafür bunt. Und mit Black Jack statt Texas Hold'em. Außerdem basiert dieser Film auf einer wahren Begebenheit. Menno... ich will auch einen Prof, der mir nen Flug nach Vegas spendiert...
  • Wall•E: Wow, da fiel mir vor lauter Freude die Kinnlade runter und meine Augen wurden größer. Der nigel-nagel-neue internationale Trailer zum Film des Jahres! Einfach so, vor Sweeney Todd! Großartig animiert, supersüß, kleiner Einblick in die Story und viel, viel Charme. Hier ist nicht nur die Kinokarte am Premierentag schon gesichert, nein, ich weiß jetzt schon, dass ich mindestens zweimal reingehen werde.
  • Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels: Der Trailer selbst ist mehr Teaser denn Trailer und meiner Meinung nach auch was behäbig, aber trotzdem steht der Kinobesuch fest.
  • 10.000, B.C.: Der Film überrascht mich jetzt schon. Denn von dem neuen Emmerich hat man bislang kaum etwas gehört - obwohl er schon lange angekündigt ist, hält sich der Medienrummel in extrem engen Grenzen. Man sollte doch denken, dass der Verleih alles dransetzt solch eine Big-Budget-Produktion ins Gespräch zu bringen... Sieht jedenfalls nach 300 trifft Der 13. Krieger trifft Apocalypta aus... Mal sehen...
  • Speed Racer: Gott... bunt... laut... schrill... F-Zero- Der Film? Nein... Realfilmadaption einer japanischen Trickserie.... Naja... ohne mich...
  • The Dark Knight: Klasse. Ich bin dabei.

Mit 21, Pixars neuem, Indy und dem nächsten Batman gleich vier Granatentrailer! So, genug Vorgeplänkel. Auf zum eigentlichen Review:

Der Hauptfilm:


Tim Burton und Johnny Depp - das ist eine der genialsten Kombinationen aus Regisseur und Darsteller, die das Kino zustande gebracht hat. Depp schafft es hervorragend, exzentrische, gebrochene Außenseiter darzustellen, ihrem verrückten Wesen eine normale, verletzliche Seele und so viel Glaubwürdigkeit zu verleihen. Burton wiederum kreiert mit Vorliebe schräge Filmwelten, bizarr-groteske Schauermärchen mit Gute-Nacht-Charakter. Verschroben aber ernstzunehmend - detailliert und zugleich einem einfachen Gesamtkonzept folgend.

Zusammen bilden sie ein kreatives Hollywood-Traumpaar. Und nachdem Johnny Depp vorerst Urlaub vom Piratenleben nahm, wurde es auch wieder Zeit für eine düstere Rolle. Bei anderen Darstellern würde man vielleicht befürchten, dass sie nach einem so erfolgreichen Ausflug in die erfolgreiche Actionfilmwelt ein neues Dasein annähmen. So nicht bei Depp - es ist alles wie gehabt. Und das ist ein Grund zur Freude.

Um ganz ehrlich zu sein, hat sich jedoch durchaus was verändert: In der Karibik trällerte Depp, nun singt er sogar. Nicht nur ein, zwei Lieder, nein, fast einen gesamten Film durch. Denn Depps neue Rolle ist nicht nur eine weitere verlorene Seele in einem burton'schen Schauermärchen voller Ironie, grotesker Situationen und düsterer Atmosphäre voller Verspieltheit. Nein, sie ist auch die Titelfigur einer Bühnenmusical-Adaption.

Trotz Depps Vergangenheit in einer kleinen Rockband mag man nun zweifeln, ob der Film sich mit dem Rückgriff auf Burtons Stammbesetzung nicht vielleicht selbst ins Aus schoss.
Doch Depp weiß zu brillieren. Direkt zu Beginn des Films beschimpft Depps Figur in schnellem, melodiösem Sprechgesang den Schauplatz der Geschichte, eine gruselige Version des grauen Dickens-Londons.
Und auch die anderen Darsteller beweisen ihre Sangeskünste. Beeindruckende Darbietungen bleiben zwar aus, aber dennoch bildet die Qualität des Gesangs mit den schauspielerischen Leistungen, der Atmosphäre des Films und seiner Geschichte ein harmonisches Ganzes.


Die Geschichte handelt vom Barbier Benjamin Barker, der vom ungerechten Richter Turpin (Alan Rickman) unschuldig in Verbannung geschickt wird, damit Turpin sich problemlos an dessen wunderhübscher Frau vergehen kann. Fünfzehn Jahre später ist Barker von Racheglüsten verfressen wieder in London zurückgekehrt. All die Jahre voller Gram machten aus ihm einen anderen Mann. Als Sweeney Todd sinnt er auf gnadenlose Rache an Turpin, der mittlerweile Barkers Tochter in seinem großen Herrenhaus einsperrte und sie nun zu seiner Frau nehmen möchte.
Todd trifft im schaurigen Drecksloch namens London auf die Bäckerin Mrs. Lovett. Diese führt nun unter Todds altem Barbiersalon ein sehr schlecht laufendes Fleischpasteten-Geschäft und erzählt Todd von den Ereignissen nach dessen Inhaftierung. Gemeinsam planen sie, wie sie an Richter Turpin gelangen können, damit Todd sich an ihm rächen kann. Der junge Seefahrer Anthony Hope, der gemeinsam mit Todd nach London segelte, entdeckt derweil Todds hübsche Tochter Johanna, womit er jedoch Turpins Zorn auf sich zieht.

Bereits in den ersten Sekunden macht der Film klar, wie er gesehen werden möchte. Düster, freudlos, bedrückend, mit einem faszinierenden Twist ins seltsame. Mit zunehmender Laufzeit wird die Atmosphäre theatralischer. Die Sets sind beeindruckend, bleiben aber stets grau, kein Augenschmaus in Sicht. Die organischen Sets sind unglaublich wichtig für den Film, stützen die Atmosphäre und geben einen theatralischen Rahmen. Man kann nicht oft genug danken, dass Burton seine ursprüngliche Idee nur Greenscreen zu verwenden verwarf. Die Sets sind ein Teil der Charaktere - mit CGI-Sets hätte man das nicht erreichen können. Die grauen Sets sind einfach unersetzlich.
Dank ihnen wirkt Sweeney Todd fast durchgehend wie ein Schwarz-Weiß-Film. Doch Burtons London ist ein Farbfilm, genüsslich verlieren sich der Regisseur und sein Ausstatter in den verschiedensten Facetten von Grau. Farbtupfer gibt es nur wenige, doch die wirken dafür umso greller. Das Blut spritzt in einem knalligen Rot durch das Bild und in Traum- oder Erinnerungssequenzen wird aus dem düster-schwarz-grauen Tim Burton eines Sleepy Hollow oder Nightmare before Christmas wieder ein knallig-bunter Mars Attacks!- und Charlie-Burton.
Egal ob bunt oder grau, mit steigender Dramatik wird der Film auch zynischer und makabrer. Die wenigen Fäden in eine Normalität gehen fast unter, so wie der kleine Waisenjunge, den Mrs. Lovett aufnimmt, von Todd aber nur beiläufig bemerkt wird. Dem Zuschauer bietet dieser Grundstein einer Realität weiteren Anlass sich in diesen kräftigen Film zu verlieren. Er stellt die Filmwelt nicht weiter in Frage, kann sie als gegeben und möglich ansehen.

Gesungen wird in Sweeney Todd übrigens ungewöhnlich viel, selbst für ein Musical. Fast schon operettenartig halten sich die Dialogsequenzen sehr kurz, überschreiten selten eine Laufzeit von mehr als fünf Minuten.
Nicht nur die Menge der Songs ist ungewöhnlich, auch die Lieder selbst sind anders als alles, was man aus Musicalfilmen gewohnt ist. Die Lieder aus dem Broadwaymusical Sweeney Todd stammen von Stephen Sondheim, der auch am Film beteiligt war, sind von klassischer Horrorfilmmusik inspiriert, größte Inspirationsquellen sind der Soundtrack von Psycho und Scottland Yards seltsamster Fall.

Vornehmlich Sprechgesang mit dunklen, behäbigen Melodien, zahlreichen geschickt eingesetzten Tonwechseln verzichtet Sweeney Todd auf typische Musicalnummern wie den sehnsüchtigen "I want"-Song, die schmalzige Liebesballade oder den fröhlichen Dorf-Song. Stattdessen bilden die Lieder eine große Masse, sie gehen ineinander über und für den Filmzuschauer ist es richtig schwierig zu sagen, wo welches Lied anfängt und wo es wieder aufhört. Es wirkt mehr so, als wäre es eine große Komposition, die sich immer wieder verändert, aber stets einen musikalischen roten Faden verfolgt.
Die Lieder sind dementsprechend auch hauptsächlich der Dialog zwischen den Figuren sowie ihre inneren Monologe. Hier werden keine Dialogsequenzen gestoppt um einen Song unterzubringen, viel eher werden die Lieder ab und an unterbrochen, um ein kurzes Gespräch unterzubringen.
Burton homogenisierte die Songs der Vorlage noch weiter, indem er teilweise den Refrain strich, in anderen Liedern mehrere Strophen. Außerdem wurden sämtliche Chor-Einsätze gestrichen. Es singen nur noch die handelnden Figuren, was zusammen mit Burtons Regieführung eine sogartige Wirkung mit sich zieht. Man möchte gar nicht mehr, dass der Film endet.

Der Gesang wirkt so natürlich und verschmilzt mit der restlichen Darstellung der Schauspieler, dass man spätestens während des dritten Songs völlig drin ist und vom üblichen Musical-Schema loslässt.
Der beeindruckendste ist ganz klar Johnny Depp. Er füllt diese Figur mit Wurzeln in britischen Groschenromanen mit Leben und Seele, macht aus einer potentiellen Abziehfigur mit simplem Rachemotiv eine vielschichtige, verletzte Person, die sich in ihren Rachefantasien verliert. Man leidet mit Todd, man ist erschüttert von ihm. Depp verkörpert ihn voll und ganz und liefert mit jeder Geste, mit jedem Gesichtszug mehrere Informationen über den rabenschwarzen Charakter.
Auch Helena Bonham Carter lebt ihre Figur aus, man kann sich kaum vorstellen, dass sie je was anderes gespielt hätte als diese Rolle.
Wer miese Geschäfte bei diesem Casting vermutet, schließlich ist sie die Lebensgefährtin des Regisseurs, weiß nicht, dass sie dem Komponisten Sondheim zwölf Tapes schickte, die allesamt gut ankamen und dass sie ohne Sondheims Zustimmung die Rolle nicht bekommen hätte. Bester Beweis bleibt aber ihre Performance - sie ist nahezu perfekt für die verschrobene, sympathische aber unheimliche Bäckerin.
Das seltsame Paar beherrscht den Film, doch auch die Nebenrollen wissen zu bezeugen, vor allem Alan Rickman, der dem Richter eine Verletzlichkeit und noch größere Härte verleiht, und Sacha Baron Conan, der erfolgreich gegen sein Image anspielen kann, zugleich für einen humoresken Tupfer sorgen kann.

Man kann den Film nicht genug loben: Von den ersten, schaurigen Momenten zu Orgelmusik bis zum Abspann packt es den Zuschauer. Sweeney Todd kann humorvoll sein, ist großartig inszeniert, liefert Songs die von Mal zu Mal besser werden (im Gegensatz zu anderen Filmen, bei denen man sich irgendwann an den Liedern satt gehört hat), seine Darsteller sind hervorragend und die Geschichte ist dramatisch, schaurig, gefühlvoll, packend. Ein intelligenter Film, der, nicht nur dank des Ruhms des Duos "Depp und Burton", sondern auch aufgrund seiner selbst, noch in vielen Jahren Fans finden wird.

Epilog: Das Kinopublikum war in meinem Fall ganz in Ordnung. Der Saal war gut gefüllt, kein Geschlecht und keine Altersgruppe stach besonders hervor. Einzig und allein zwei, drei Störenfriede verirrten sich in den Saal, die, wie man anhand ihrer Reaktionen bemerken konnte, nicht wussten, dass es sich hierbei um ein untertiteltes Musical handelt. Konnte doch auch keiner ahnen...

Titeltragende Zeitreise

Die Dame im Auto mit Brille und Gewehr, Auf dem Highway ist die Hölle los!, Wir hau'n die Pauker in die Pfanne - Die Lümmel von der ersten Bank - 5. Teil; Es kracht, es zischt, zu seh'n ist nisch't; Hochwürden drückt ein Auge zu, Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett, Vier Fäuste für ein Halleluja, Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten, Himmel Arsch und Zwirn (Keiner verlässt das Schiff), Der lange Blonde mit den roten Haaren, Zwei Höllenhunde auf dem Weg in den Himmel, Dieses obskure Objekt der Begierde, Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, Unsere Pauker gehen in die Luft, Ich glaub', mich tritt ein Pferd,...

Die Liste der heute so ungewöhnlich klingenden Filmtitel aus den 70er Jahren scheint schier unendlich. Statt griffiger Ein- bis Zwei-Wort-Titel, Englischen Titeln und martialischem Denglisch gab es damals heitere, frivole und heiter-frivole Umschreibungen als Titel. Man mag sich vielleicht darüber lustig machen, doch die heutigen Filmtitel sind im Grunde genauso passend beziehungsweise genauso peinlich (je nach Fall). Nur ist man unsere heutige Titelgebung halt gewohnt, und wirkt deshalb nicht befremdlich.

Stecken wir doch einfach Mal ein paar modernere Kinostreifen in eine Zeitmaschine und jagen sie rund 30 Jahre in die Vergangenheit. Wie würden Blockbuster wie Saw, Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt, Ratatouille, aber auch Pretty Woman und Titanic heißen, wenn sie in den 70er Jahren die Leinwände erobert hätten?

Klickt auf folgende Tabellen und schon beginnt die Zeitreise:


Freitag, 22. Februar 2008

Rezension: Fast Tracks - No Limits


Ich habe es bereits angedeutet: Pro7s große Hoffnung "Fast Track - No Limits" muss sich meinem knallharten Urteil unterziehen. Der Pilotfilm zur international gedrehten, deutschen Actionserie über illegale Autorennen stammt aus der Feder des Monk-Autoren Lee Goldberg, Regie führte Axel Sand ("Crazy Race 3"), Produzent ist Herman Joha ("Alarm für Cobra 11"). Im Hinblick auf die Crew scheint es dementsprechend so, als wäre die Story das beste am Film? Naja... bei einem 08/15-Actioner nicht wirklich eine viel versprechende Aussicht.
Aber geben wir dem Film seine Chance. Irgendwann muss doch endlich wieder eine gute Serie aus deutschen Landen kommen, die nicht "Pastewka", "Stromberg" oder "Switch reloaded" heißt. Die Hoffnung stirbt zuletzt...

Die Hoffnung auf eine gute Story stirbt bei diesem Film trotzdem sehr früh. Die Figuren (und die Figurenkonstellation) stammen aus dem ersten Kapitel des "Actionfilm 1x1". Da haben wir einen stets zu spät kommenden Pizzalieferanten mit dunkler Vergangenheit und Benzin im Blut, einen überehrgeizigen Polizisten und seinen übervorsichtigen Partner, einen düsteren Gangster aus dem Ausland, eine weibliche Mechanikerin deren Werkstatt vor dem Ruin steht und sich nur noch mittels Preisgelder aus illegalen Straßenrennen über Wasser halten kann und eine reiche, verwöhnte Blondine. Wie es der Zufall so will sind die Wege dieser Figuren natürlich auch eng ineinander verwoben: Der Pizzajunge wirft ein Auge auf die reiche Ehefrau, die Mechanikerin ist mit dem ehrgeizigen Polizisten im Bett und so weiter, und so weiter. Diese irren Verwebungen die dank der Selbstverständlichkeit, mit der sie präsentiert werden, ein Augenrollen nach dem anderen entlocken sind wegweisend für die Szenen zwischen den Actionsequenzen. Da treffen mittelmäßiges Schauspiel, schmalzige Musik und ach-so-betroffen machende Überkreuzungen, in denen die eine Figur der anderen im Weg steht aufeinander.

Der Pilotfilm-Aspekt is nicht zu übersehen: All diese Verwebungen von Figuren, die mehr oder weniger widerwillig den anderen ihr Ziel verbauen soll Konfliktstoff für eine Serie aufbauen. Das geschieht aber auf solch simple und durchschaubare Weise, dass man im ersten Drittel des Films den Gedanken nicht verliert, Lee Goldberg hätte das Skript in einer sehr, sehr schlechten Nacht geschrieben und danach nie wieder für eine Überarbeitung angefasst.

Irgendwann sind die Rollen jedoch verteilt und jede Figur wurde nach ihrer Einführung auch langsam aber sicher auf ihren Platz geschoben, der dem Film (und der Serie) Zündstoff verleihen soll. Ab diesem Moment gewinnt der Film an Spannung - zwar ist die Konstellation vorhersagbar und alles andere als neu, doch im Gegensatz zur vorhergegangenen Exposition weiß dieser Part, wie man den Zuschauer packen kann. Auch das Niveau der Dialoge bessert sich - die schmerzenden One-Liner zwischen pseudocool und pseudophilosophisch lassen langsam nach und man kann dem Film auf simplem Unterhaltungsniveau folgen, ohne weitere Beeinträchtigungen des Denkvermögens zu befürchten.

Die besten Szenen sind mit Abstand sämtliche autobezogenen. Egal ob Verfolgungsjagd, Probefahrt, Reparatur oder Autorennen - in diesen Szenen zeigt der Pilotfilm seine Stärke. Die Sequenzen sind sehr gut photographiert, die Regieführung ist dynamisch und die Musikauswahl ist sehr gelungen, auch der (rar gesäte) original Score weiß hier zu überzeugen.

Soll man nun daraus eine ganze Serie spinnen? Schwer zu sagen, denn der Film litt extrem an der Pilotfilm-Krankheit. Oftmals ist das Einführen der Figuren bemüht und langweilig, in diesem Falle zugleich auch noch haarsträubend und schmerzhaft geschrieben. Allerdings muss man sagen, dass der Film, kaum wurde dies erledigt, an Qualität zunahm und einfach nur unoriginell, aber trotzdem spannend war und genug Stoff für eine Serie bietet. Anspruch kann man zwar auch für die Serie völlig abschreiben, aber für die Serie besteht tatsächlich die Hoffnung auf Originalität. Um den Anfang der Geschichte zu erzählen wurde auf das abgenutzte "Fast and the Furious"-Prinzip zurückgegriffen, aber für eine Serie müsste neuer Stoff her. Und der Stand, an dem sich die Figuren am Ende des Films befanden bietet tatsächlich die Möglichkeit ganz unterhaltsame Geschichten zu erzählen, erst Recht wenn man den Figuren die Möglichkeit gibt sich zu entwickeln. Eine hervorragende Serie würde man immer noch nicht erhalten, dafür ist einiges dann doch zu uninspiriert, aber eine ganz gute deutsche Actionserie ist ja auch schonmal was.

Für den Film selbst gilt aber: Tatsächlich ist er nichts weiteres als absolutes Mittelmaß, er ist völlig gleichgültig. Nach dem Ansehen denkt man nicht, man habe seine Zeit verschwendet, aber man hätte auch absolut nichts verpasst, wenn man ihn auslässt. Der Anfang war grauenhaft, die Autoszenen gut bis sehr gut, der Rest erträglich bis annehmbar. Schauspielerisch sticht Pasquale Aleardi als sympathischer, leicht unheimlicher Strippenzieher Gregor Gargolov heraus, der Rest ist nicht weiter der Rede wert.

Pilotfilme werden aber selten der Serie gerecht. Und wären die Quoten nicht so mittelmäßig bis schlecht gewesen, könnte man auf eine ganz nette Serie hoffen. So aber wird man dieses Projekt wohl als gescheitert ansehen. Zwar nicht ärgerlich, aber auch kein Flopp, dem man dem Sender gönnt... Gleichgültig, halt.

Donnerstag, 21. Februar 2008

Monopoly - Der Film

Nach wahren Begebenheiten, Theaterstücken, Büchern, Comics, TV-Serien, Videospielen, Actionspielzeugen und Disneyland-Attraktionen erreicht Hollywood nun die nächste Vorlagen-Fundgrube: Brettspiele.
Universal und Hasbro machten einen Deal aus, laut dem mindestens vier von Hasbros Brettspielklassikern, darunter Monopoly, verfilmt werden. Der erste Film soll spätestens 2011 ins Kino kommen.
*klick*

Und ich dachte immer, Monopoly - Der Film würde erst nach Roland Emmerichs Tetris in die Kinos kommen...

Mittwoch, 20. Februar 2008

"Fast Track - No Limits": Der Pilotfilm zur deutschen US-Serie... oder sowas in der Art

Vor vielen Monaten sorgte Pro7 für Trubel in der deutschen Fernsehlandschaft: Man plane eine Serie auf internationalem Niveau. Mit internationalen Darstellern nach dem Drehbuch von Monk-Erfinder auf Englisch in Berlin gedreht und nachher auf Deutsch synchronisiert möchte man eine mit hohem Budget ausgestattete Serie fürs deutsche Fernsehen etablieren und danach gewinnbringend in alle Welt verkaufen. Fast Track soll der ganze Spaß heißen...

Februar 2008: Fast Track - No Limits, der Pilotfilm zur oben erwähnten Serie kommt ins deutsche Fernsehen. Die Trailer schreien es geradezu heraus, die Plotzusammenfassungen in den Fernsehzeitungen scheinen die Befürchtung zu bestätigen: Fast Track ist nichts anderes als die zigtausendste The Fast and the Furious-Nachgeburt. Ein Film über illegale Straßenrennen und nackige, knackige Frauen zwischen bunt lackierten Straßenflitzern.
Das soll also die revolutionäre Rettung der deutschen Serienlandschaft sein?

Nun, vielleicht schon, denn bei Quotenmeter.de sahnt der Pilotfilm eine Traumwertung von 97% ab, wird als Mischung aus klassischem Actionkino und Experimentalfilm bezeichnet, mit genügend Konfliktpotential für eine lang laufende Serie.
Moment, spricht man hier vom selben Film?

Ich wollte anfangs der Serie eine Chance geben (für's deutsche TV neuartige Ideen wie etwa das Drehen mit internationalen Standards müssen unterstützt werden), als ich dann Trailer und Plot mitbekam war die Sache für mich gestorben. Die herrausragende Kritik dagegen macht wieder Hoffnung.

Fast Track - No Limits (oder wie man ihn vor einigen Jahren noch genannt hätte: Flotte Flitzer ohne jede Regel, In den Tiefgaragen ist die Hölle los oder Rasante Rennen und heiße Hupen) läuft morgen um 20.45 Uhr auf ProSieben. Und danach sind wir endlich klüger.

Ich gönne dem deutschen Fernsehen das Beste, rechne mit dem Schlimmsten und am Ende wird das Ergebnis sicherlich Gleichgültigkeit pur lauten. Wir werden sehen.

There Will Be Film: Ein Blogeintrag in 3 Akten - Akt 3: Highway of Hell

*Zack* Abspann! Nachdem ich in der ersten Stunde von There Will Be Blood noch bemerkte, dass der Film auch bereits eine Stunde läuft, raste der Film danach in einem solchen Tempo davon, dass ich völlig aus dem Konzept war, als der Abspann losging. Was, das waren die knapp zwei Stunden, die noch folgen mussten? Ist der Film jetzt schon zu Ende?
Wow, damit hatte ich nicht gerechnet.

Während ich mich in der Genialität der letzten Szenen von There Will Be Blood sonne, verlassen die restlichen Kinobesucher schlagartig den Saal. Eigentlich schätze ich die Kinobesucher anspruchsvollerer Filme, weil sie nicht noch während der Einblendung "The End" schnellstmöglich den Saal verlassen müssen - hier war dem aber so. Hat der Film dem restlichen Publikum etwa nicht gefallen?

Nun, mir war das im Grunde egal. Während des Abspanns läuft ein Stück von Brahms, das perfekt zum Film passt und dem ganzen irgendwie auch einen ironischen Touch gibt. Mir fällt ein, dass der Score von There Will Be Blood überall hoch gelobt wird. Dem muss ich jedoch widersprechen, die für den Film geschriebenen Stücke fand ich (mit Ausnahme von zwei Stellen) eher egal, in manchen Szenen fand ich ihn sogar etwas nervig, Stille hätte ich da vorgezogen. So weit ich dem Lob für den Film auch zustimmen kann, der Komponist Jonny Greenwood bekommt von mir keine Lorbeeren.
Abspann zu Ende, also zurück zum Auto. Die Stadt ist nun noch verlassener, ich fühle mich wie im letzten Will-Smith-Film. Parken kostete übrigens 8 Euro für 4 Stunden. Wucher, Halsabschneider. Das nächste Mal park ich wieder in der Pampa.

Danach wurde mir auch wieder klar, warum ich so selten zu diesem Kino fahre. Der Rückweg ist die reinste Hölle. Hin ist es ja so einfach: An meinem momentanen Zweit-Stammkino vorbei, immer geradeaus, Berg runter, Berg runter, Berg runter, rechts, Parkplatz suchen.
Der Hinweg ist allerdings ab irgendeiner Stelle auf einer Einbahnstraße gelegen. So kann ich nicht einfach den selben Weg zurück. Stattdessen muss ich ein bisschen durch die Stadt kurven, dann Mal links, Mal rechts, dann geradeaus, dann Mal wieder rechts... Die Straßen sehen alle gleich aus und die Straßenführung... ist für die Tonne. Da wird die Linksabbiegerspur plötzlich zur Spur für Geradeaus-Fahrer, dann ist es plötzlich die für Rechtsabbieger, dann dies, dann das... Grauenhaft. Und es wird noch schlimmer, denn kaum habe ich es aus dieser Stadt rausgeschafft und bin auf direktem Weg nach Hause, quält man mich (und zig Hunderte andere Autofahrer) mit einer vor einem halben Jahr komplett umgebauten Schnellstraße, die sich nun, nach Beendigung der Bauarbeiten, jeglicher Logik entbehrt. Auf dem Hinweg nerven mehrere unverständliche Geschwindigkeitsbegrenzungen, an die man sich in den letzten Jahren aber schon gewöhnt hat.
Auf dem Rückweg wurden die 50er, 70er, 30er und 100er Zonen neu verteilt und in einer viel höheren Frequenz wechselt das vorgegebene Tempo. 70, 50, 100, 70, 30, 70, 50, 100... Uuuuahaaaaaaahaaahauaah!!! Und es wird noch schlimmer! Einspurige Fahrbahn, zweispurig, eine verengte Fahrbahn, eine breite Spur, zwei enge Spuren, eine Spur, zwei normale Spuren, verengte Spur, eine normale Spur, zwei Spuren... Was soll das?!
Mit steigender Aggression kurve ich durch die verlassene und seltsam geführte Straße und könnte durchdrehen. Warum muss mir das depperte Verkehrsamt auch den Spaß am Kinobesuch nehmen?!

Zu Hause endlich angekommen las ich mir dann endlich die ganzen Artikel über There Will Be Blood durch, die ich wegen Spoilergefahr ausgelassen hatte.
[Spoiler]Wusste gar nicht, dass der Schluss des Films in den USA so heiß diskutiert wird. Nicht Mal wegen der für manche vielleicht etwas über die Strenge schlagende Bibelanspielung (Plainviews letzte Worte sind "I'm finished.", in Analogie zu Christus - wie ich finde ein genialer Schachzug, der das Wesen Plainviews und des gesamten Films nochmal unterstreicht), von der ich dachte, dass sie möglicherweise manchen Konservativen blasphemisch rüberkommt. Nein, viel mehr wurde von manchen hinterfragt, ob die letzte Szene überhaupt zum Film passt.
Meiner Meinung nach eine sehr überflüssige Diskussion. Diese Szene ist die Krönung des gesamten Films. Durch sie bekommt er einen runden Abschluss und wie ich finde ist sie auch der Grund für die Titelgebung. Von Beginn an wartet man darauf, dass Plainview sich mit Blut besudelt. Doch obwohl die Figur mehrfach die Grenze der Frömmigkeit verlässt, bleibt stets ein großer Klecks Verständnis zurück (er erschießt seinen falschen Bruder - rechtlich alles andere als akzeptabel, aber im Rahmen des rauen Westens noch ansatzweise gerechtfertigt), andere Entscheidungen wirken so, als seien sie entweder absolut kaltherzig oder große Selbstaufopferung. Als Plainview seinen tauben Adoptivsohn in den Zug setzt und verschwindet fragt man sich, ob er es macht, um sich die "Plage" vom Hals zu schaffen, oder ob er es macht, weil er denkt, dass sein Sohn ohne ihn besser dran ist. Als er seinen Sohn das zweite Mal verstößt, ist es als Akt der Herzenskälte zu verstehen. Weil er nun ein Konkurrent ist, will er ihn nicht mehr als Familienmitglied ansehen. Aber dann fragt man sich: Macht er es, weil er seinem Sohn die Freiheit schenken will? Sieht Plainview ein, dass er als mürrischer "Ebenezer Kane", der sich im Mantel gekleidet in sein Herrenhaus zurückzieht und sein Hab und Gut zerstört, seinem Sohn nur weiter schaden würde, es sei denn er zerschneidet alle Bande?

Erst durch den Angriff auf Eli wird die Erwartung des Zuschauers, das Versprechen des Titels, wahr gemacht. Nun hat der Film das Publikum aber so weit, dass es selbst nach dieser völlig überzogenen Tat Plainview nicht verurteilt. Das zwischen Eli und Plainview konnte einfach nicht gut gehen. [/Spoiler]

- Das war also meine Kinosichtung von There Will Be Blood. Ich bin schon sehr auf die Oscarverleihung gespannt und freue mich auch sehr auf den Kinostart des vielversprechenden Coen-Films No Country for Old Men.
Und danach geht ja schon wieder die Blockbuster-Saison los... Wie die Zeit vergeht...

Dienstag, 19. Februar 2008

Die 15 nervigsten Videospielfiguren aus ansonsten großartigen Spielen

Während ich mich auf den Start meines nächsten eigenen Countdowns vorbereite, möchte ich euch auf eine andere Hitliste hinweisen. Die Chaoten von Cracked.com listen in ihrem neusten Videospiel-Artikel die nervigsten Charaktere aus guten Videospielen auf.

Ich wünsche viel Vergnügen beim Lesen.

Schade, dass sich der Angry Video Game Nerd noch nicht dieses Themas angenommen hat.

Montag, 18. Februar 2008

There Will Be Film: Ein Blogeintrag in 3 Akten - Akt 2: There Will Be Blood



There Will Be Blood
- eine Drohung, ein Versprechen, eine Ankündigung, eine Metapher? Was hat der Titel der großen Oscarhoffnung zu bedeuten, wieso betitelt man ein Drama über einen mürrischen, meistens wortkargen "Ölmann" wie einen Horrorthriller? Das fragt sich der Zuschauer noch vor Beginn der ersten Szene, doch alsbald erledigt sich diese Frage von selbst.

There Will Be Blood beginnt rau, kalt, beeindruckend: Einsam gräbt sich ein Mann durch seine staubige Silbermine, haut mit aller Gewalt auf den harten Fels ein. Eher zufällig stößt er auf Öl. Der Film bleibt still - beunruhigende Musik und das Geräusch von schwerem Metall, welches auf hartes Gestein trifft. Mehr bekommt man nicht zu hören.
So beginnt die Geschichte des einstigen Silberminenbesitzers und nun erfolgreichen Ölbohrer Daniel Plainview, der zusammen mit Adoptivsohn H.W. auf Grundstückfang geht. Plainview ist der führende im Ölgeschäft, niemand anderes geht mit mehr Leidenschaft und Energie in dieses Geschäft, niemand ist gerissener und ehrgeiziger als Plainview. Und so findet dieser nur einen Gegenspieler: Eli Sunday, einen streng gläubigen Christen, der seine religiöse Macht genauso besessen verstärken möchte, wie Plainview seine Macht im Ölgewerbe.
Diese von Beginn an auf Konfrontation ausgerichtete Konstellation spiegelt sich auch in der Darstellung wider: There Will Be Blood ist eindeutig Daniel Day-Lewis' Film, er spielt mit Kraft, Würde, Charme aber auch einer unheimlichen Aura den stets jenseits von gut und böse befindlichen Daniel Plainview. Nicht nur äußerlich erinnert er an seine Figur "Bill the Butcher" aus Scorseses hervorragendem Epos Gangs of New York, denn auch die Wirkung der Figuren ist die selbe. Nur ist Day-Lewis' Figur dieses mal der zentrale Dreh- und Angelpunkt des Films. Einzig Paul Dano (bekannt aus Little Miss Sunshine) kann sich gegen ihn behaupten und spielt seinen wahnsinnigen Prediger ähnlich beängstigend glaubwürdig, wie es der Star des Films tut. Und so heben sich die gemeinsamen Szenen konsequenterweise zu den Sternstunden dieses Films ab. Zuweilen brüllend komische, stets dramatische und beeindruckende Kämpfe der Titanen - das Aufeinandertreffen des rauen kapitalistischen und des streng gläubigen Amerikas.

There Will Be Blood ist keine Geschichte eines Auf- oder Abstiegs, was man möglicherweise vermutet, sondern eine Charakterstudie. Jedoch keine, die eine Charakterentwicklung erläutert, sondern eine, die den bestetigen Charakter anhand Beispielen festmacht.
Dem Publikum präsentieren sich sorgsam ausgewählte Stützpfeiler im Leben Plainviews, Momente die ihn besonders gut beschreiben. Wie er seine Geschäftspartner bedroht, ein gesamtes Dorf um den Finger wickelt, wie er entnervt eine Versammlung verlässt oder neue Bohrmethoden entwickelt.
So ist There Will Be Blood ein Film, der nach hinten raus erst seine volle Wirkung entfaltet. Wartet man zu Beginn noch auf eine eintretende Veränderung Plainviews, bemerkt man erst im Laufe der Spielzeit, dass es nicht um Veränderung geht. Plainview ist ein gegebener Charakter, er ist, was er stets war, und er wird es auch stets bleiben. Es geht mehr darum, wie er sich durch sein Umfeld bewegt, wie er sein Werk vollbringt. Deshalb steigert sich die Wirkung von There Will Be Blood von Szene zu Szene. Immer stärker wird man an Plainviews Persönlichkeit gewöhnt, ist von seinem Dasein beeindruckt. Es ist einem egal, ob er für eine Gemeinheit bestraft wird, oder für seine charmantere Seite belohnt wird. Man wartet einfach ab, was Plainview als nächstes macht. Der Spannungsbogen bleibt somit dezent im Hintergrund - was einen Großteil des potentiellen Publikums abstoßen wird. Wer sich aber darauf einlässt, wird belohnt, denn die Beziehung zwischen Plainview und Sunday entfaltet sich für den geneigten Zuschauer zu einem sich auszahlenden Konflikt. Und beim Abspann realisiert man, dass alles daraufhin gearbeitet hat.

Dem Regisseur Paul Thomas Anderson ist so eine tief gehende Romanverfilmung gelungen, die sich in den Verstand bohrt und die volle Entfaltung erst später entwickelt. Mit prächtigen Kamerafahrten in karger Landschaft zieht er den Zuschauer ins staubtrockene Kalifornien, überlässt einem den Schicksal Plainviews. Partei ergreift der Regisseur zu keiner Zeit. Sowohl Kirche als auch Geldgier werden kritisiert, Plainviews Handeln bleibt in den kritischsten Punkten undurchsichtig. Und so bleibt der Zuschauer stets von der Figur fasziniert, wird nicht durch eigene Wünsche für den Ausgang der Geschichte abgelenkt. Der steht so oder so fest, ist unvermeidbar, fast schon vorbestimmt.
Dieser Schachzug kann nur hier funktionieren - in vielen Fällen wäre es eine Todsünde, wäre dem Zuschauer die Zukunft der Hauptfigur egal. Doch wundersamerweise ist es in diesem Falle das Geheimnis des Films. Bedrückend, beeindruckend, düster, aber zugleich nicht ohne Witz. Ein feiner Milchshake, den Anderson da für uns zusammen gemixt hat.

Vielfach verglichen US-Kritiker There Will Be Blood mit Wells' Klassiker Citizen Kane. Dem vermag ich jedoch nur stückweit zustimmen. Vom Innovationsgrad her bleibt Andersons Psychogramm eines Ölmanns naturgemäß zurück. Neuartige Kameraperspektiven und innovative Fokussierung gibt es nicht zu sehen. Inhaltlich bietet sich der Vergleich jedoch an, ohne aber so etwas wie Ideenarmut oder Plagiatismus zu vermuten. Gemeinsam haben die Filme einzig, dass sie in aller Breite die Geschichte eines Magnaten erzählen, eine einnehmende Persönlichkeit, die über alle Verurteilungen steht.
Wie die Filme diese Geschichte erzählen, und was auf der Reise der Hauptpersonen geschieht ist jedoch gänzlich anders.
Nur mit einer kurzen Kameraeinstellung, einem Moment scheint Anderson Citizen Kane Tribut zu zollen - direkt darauf steuert There Will Be Blood wieder unaufhaltsam seinen eigenen Kurs an.
There Will Be Blood ist kein Film, den man auf klassische Weise liebt. Man wird von ihm überrollt, geblendet, denkt lange über bestimmte Szenen nach. Das macht großartiges Kopfkino aus. Und so liebt man den Film dann doch...

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