Mittwoch, 30. April 2008

Irgendwelche Wünsche für den Mai?

So, ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs einen guten Start in den Mai. Vorsicht ist geboten, denn nun schlagen die Bäume wieder aus.

Aber egal, ob ihr euch nun in den Tag der Arbeit rauft, in den Vatertag sauft oder purzelnd vom Dach stürzt, weil ihr Maiherzen aufhängt - oder einfach nur unter einem Maibaum den neuen Monat begrüßt: Lasst es euch gutgehen und bleibt uns auch im Mai treu. Auch alldiejenigen, die auf einem Hexenberg herumgeistern.

Ich entlasse euch nun in den nächsten Feiertag - und zwar mit Symphonic Metal aus der Anfangszeit dieses Jahrzehnts:

Nightwish besteht aus bekennenden Disney-Fans und widmete auf dem Album "Wishmaster" der Company einen Song.

Frohen Mai!

Dienstag, 29. April 2008

Planet Terror - 2-Disc Limited Collector's Edition

Der Film:

Ein lüstern waberndes Saxophon erklingt, sanft gibt ein Schlagzeug den Takt vor. Gitarren heizen die Stimmung weiter an. Die Stimmung explodiert förmlich, als eine verführerische Brünette im roten Leder-BH und goldenem Minirock das Bild betritt. Leidenschaftlich tanzt sie zur Musik - oder folgt die Musik den leidenschaftlichen und feurigen Bewegungen dieser wohlgeformten Tänzerin?
Sie zeigt ihre Kurven, weiß ihren Körper einzusetzen, kokettiert mit den schmutzigen Gedanken der männlichen Zuschauer, räkelt sich im anrüchig-sinnlichen Rotlicht, das die Bühne nicht mehr als nötig beleuchtet.
Dieser Vorspann knistert nur so vor Erotik. Wortwörtlich. Der Film ist kurz vor'm durchbrennen, so heiß ist die uns bislang unbekannte Frau auf der Bühne. Das Bild springt, hat Aussetzer. Der Ton knistert frivol, Dreck aus dem ungepflegten Projektorraum setzt sich an dem Zelluloid fest. Die Farbe ist verwaschen, zieht den Zuschauer in einen Bann. Der Reiz des Schmutzigen, des Verbotenen.


Es gibt Filme, die automatisch Kult sind. Darunter auch das gemeinsame Kinoprojekt von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez: Grindhouse. Seinen Ursprung hat dieses Projekt in den Billigkinos Amerikas. Zumeist Bruchbuden, die ihre Zuschauer mit Double Features lockten und Filme zeigten, die nicht in den größeren Kinos anliefen. Filme voller Gewalt, Sex, Drogen, seltsamen Dialogen und schrägen Typen.

Dieses Erlebnis ahmt Filmfan Quentin Tarantino noch heute in seinem Heimkino nach. Mit kleinen Filmchen und Trailern spult Tarantino die abgenutzten Filmrollen ab. Tonaussetzer, desaströse Farben und zahlreiche Dreckspuren sorgen für ein ganz anderes Filmerlebnis.

Und so kam 2003 den engen Freunden Rodriguez und Tarantino die Idee gemeinsam ein Double-Feature namens Grindhouse zu drehen. Ein Film, der die kleinen Kinos und ihre an den Haaren herbeigezogenen Streifen Tribut zollt - und sie auch übertrumpft. "Die Poster (für Grindhouse-Filme) waren so viel besser als die Filme, doch wir machen nun etwas, das sich mit den Postern messen kann!", erklärte Rodriguez in einem Interview.

Anfangs sollten die zwei Filme, die zusammen mit Fake-Trailern Grindhouse ergeben würden, 45 bis 60 Minuten dauern. Doch im Laufe der Skript- und Planungsphase mutierten die Episodenfilmchen zu eigenständigen Spielfilmen in voller Länge.

Grindhouse wurde zum 215-minütigen Mammutfilm, der Hype nahm riesige Formen an. Die Trailer waren großartig, die Poster mehr als nur vielversprechend. Hervorragende Kritiken ließen Filmfans immer heißer auf Grindhouse werden.

An den Kinokassen erfüllte Grindhouse leider nicht die Erwartungen, doch dies machte seinem Kultfaktor keinen Abbruch. Grindhouse gehört nicht dem Massenpublikum. Er gehört den Cineasten, den Genrefans und Filmliebhabern, den Verehrern Tarantinos und Rodriguez'.

Aus Angst, Nicht-Amerikaner könnten den Sinn hinter Grindhouse nicht verstehen, wurde der Film zweigeteilt.
Rodriguez' Hälfte heißt Planet Terror und zeigt erneut, wieviel der Texaner als Regisseur auf dem Kasten hat.

Der Film ahmt nicht nur den Look abgenutzter 70er und 80er-Jahre B- und C-Movies nach, sondern setzt diese Grindhouse-Effekte mit Bedacht, Sinn und Verstand ein. Wie im oben beschriebenen Intro des Films: Es ist oberflächlich gesehen eine stupide Zuschaustellung von optischen Reizen. Sex sells.

Das Intro nimmt die eh vornehmlich männliche Zuschauerschaft ganz und gar für sich ein - auf eine Art und Weise, wie sie aus einem echten Grindhouse-Film stammen könnte. Die Bildfragmente, Tonstörungen und der schief dahinknatternde Film verstärken den Eindruck, einen Film aus der hintersten Ecke eines eingestaubten Kinos zu sehen.

Aber auf der Metaebene korrespondieren die "Fehler" mit dem Inhalt des Films. Als sich die von Rose McGowan verkörperte Figur Cherry Darling nach vorne lehnt und fast nur noch ihr Dekolleté von der Kamera eingefangen wird, erfüllt ein riesiges Brandloch das Bild, aufwändigere Tanzschritte haben ein verstärktes Aufkommen von Farbfehlern oder einem verschobenen Bildausschnitt zu Folge und in dem Moment, in dem die Musik förmlich zu glühen beginnt und ein genialer Einfall seitens der Kameraführung (auf den wohl kein echter Grindhouse-Regisseur gekommen wäre) dem Zuschauer noch mehr Erotik vorgaukelt, als auf dem Bild eh schon vorhanden ist, springt die Filmrolle fast aus ihrem Projektor.

Diese Metaebene zieht sich durch den gesamten Film, und sorgt dafür, dass die künstlichen Abnutzungseffekte dem Film nicht nur seine Schmuddelatmosphäre verleihen, sondern ihm auch einen eigenen, verschrobenen Filmliebhaberhumor geben. Ganz zu schweigen von diesem subtilen Schleier des Anspruchs - den es so in einem Zombiehorrorsplatteractionmovie eigentlich nicht gibt.

Die Effekte im Intro unterstützen die Figur der Cherry Darling. Sie ist eine gut aussehende Frau mit Humor, zweifelsohne. Doch dadurch, dass ihr Tanz sogar das Zelluloid, auf dem er gebannt wurde um den Verstand bringt, wirkt sie wie die ultimative sexy Teufelsbraut.
Im restlichen Film finden sich weitere Einsätze der Abnutzungserscheinungen. So werden z.B. Szenen, die vor lauter Anspannung und düsterer Atmosphäre knistern und das Publikum in Erwartung eines Schockeffektes erschaudern lässt von verstärkten Bildproblemen begleitet. Der Horror entsteht dadurch, dass das Publikum etwas erwartet, es aber noch nicht sieht. Nun sieht es aber noch weniger, als es in einem normalem Film der Fall wäre.

Eine anderer, subtilerer Effekt, ist in Szenen zu beobachten, in denen Figuren eine Schnitt- oder Hack-Bewegung mit ihren Händen simulieren. Hier lässt sich beobachten, wie Teile von Einzelbildern abgeschnitten wurden, und die Filmrolle recht unbeholfen vom (vermeintlichen) Vorführer wieder zusammengeklebt wurde.

Natürlich beschränkt sich die weitergesponnene Hommage an Grindhouse-Filme nicht nur in einzelnen Szenen und dem Look des Films. Auch die Geschichte ist völlig an den Haaren herbeigezogen und simpel zusammen geschustert. Wie es sich für Grindhouse ja auch gehört.

Planet Terror handelt von der Go-Go-Tänzerin Cherry Darling, die ihre Stelle kündigt und nach einem neuen Sinn in ihrem Leben sucht. In JTs Barbeque-Restaurant "The Bone Shack" - welches laut JT (Jeff Fahey) das beste Barbeque von Texas anbietet - begegnet sie zufällig ihrem etwas eigenen und zerknautscht-mürrischen Exfreund Wray (überzeugend in seiner ersten Actionrolle: Freddy Rodriguez). Dieser bietet ihr an, sie zurück in die Stadt zu fahren. Auf dem Weg dorthin werden sie jedoch von Sickos angefallen - Menschen, die durch ein im nahe gelegenen Militärcamp ausgetretenes Gas zu einer nach Fleisch gierenden Art von Zombies mutierten.

Parallel zu dieser Geschichte bekommt das Publikum auch die Medizinerfamilie Block vorgestellt, bestehend aus der Anästhesistin Dakota Block (die charismatische Marley Shelton), ihrem Mann Dr. William Block (besonders mürrisch: Josh Brolin) und ihrem Sohn. Dakota und William haben an diesem Mittwoch die Nachtschicht im Krankenhaus der Stadt, wo ihnen mehr und mehr seltsame Fälle von Entzündungen und seltsamste Todesfälle begegnen. Zugleich sieht sich das Ehepaar großen Beziehungsproblemen ausgesetzt. William Block traut seiner Frau nicht mehr, Dakota fürchtet aufgrund der psychopatischen Ader ihres Mannes um ihr Leben.
Als sich die Sicko-Plage weiter ausbreitet treffen die Protagonisten noch auf die Polizisten der Stadt, darunter Sheriff Hague (Michael Biehn), JTs gestrengen Bruder.

In bester Grindhouse-Manier wird diese große Menge an Charakteren nach und nach zusammengewürfelt, um dann als letzte Hoffnung für die Menschheit gegen die Zombies und gegen übergeschnappte Soldaten zu kämpfen.

Der Titel "Planet Terror" hat allerdings, wenn überhaupt, nur sehr wenig mit dem Film zu tun. Viele Verleiher verpassten ihren Filmen seinerzeit völlig hochtrabende Titel, die andere Storys versprachen, als sie geboten wurden. Und als Hommage an das Grindhouse-Kino von anno dazumal wählte auch Robert Rodriguez einen leicht irreführenden Titel.

Die eigentliche, an den Haaren herbeigezogene, Geschichte von Planet Terror bietet mit ihrem (absichtlich) einige Nummern zu großen Figurenrepertoire jede Menge schwarzen Humor, verschrobene Spannung und hanebüchene Action mit einem überdeutlichen Augenzwinkern. Dabei spielt es keine Rolle, wie bewandert man nun im Zombie-Action-Horror-Thriller-Splatter-Genre bewandert ist, so lange man weiß, dass der Film absichtlich sinnlos ist, hat man beim Anblick dieses Streifens eine unbändige Freude. Wobei Kenner natürlich durch direkte Zitate, Anspielungen und Gastauftritte immer ein kleines bisschen mehr Spaß haben werden.

Dabei muss man nicht Mal die Zombie- und Horrstreifen der 70er bis 80er Jahre kennen, um Details zu erkennen, die dem normalen Zuschauer verwehrt bleiben. Auch Vorkenntnisse der Werke von Tarantino und Rodriguez erhöhen den Spaßfaktor:
Wer etwa niemals Kill Bill oder From Dusk Till Dawn sah wird wohl kaum mit großen Augen den Auftritt des Schauspielers Michael Parks betrachten - und nur Kenner von Rodriguez 7.000-Dollar teuren Film El Mariachi werden bei der Vorstellung von den Assistenten des Sheriffs verstohlen grinsen.

Generell ist Rodriguez' Beitrag zum Grindhouse-Projekt mehr die Mordsgaudi (bei dem Bodycount des Films gerne auch wörtlich zu nehmen), der heiter-frivole Beitrag, der die Sinnlosigkeit und Verdorbenheit des Gammelkinos zelebriert. So wundert es auch nicht, dass hier (im Gegensatz zu Tarantinos anspruchsvolleren Death Proof) auch keine schauspielerischen Akzente gesetzt werden. Der große Cast hat hier einen riesigen Spaß, füllt die Charaktere mit Leben und hat aufgrund der freien, gesetzeslosen Art des Films auch sichtbare Spielfreude. Besondere Tiefe im Spiel würde aber wieder das Konzept zerstören.

Besonderes Lob hat sich dennoch der Star des Films, Rose McGowan, verdient, die ihr eine auf den leib geschneiderte Rolle ausfüllen darf und mit Cherry Darling ihre Paradefigur durch die Zombiemengen schießen darf.
Allein schon das Poster des Films lebt allein schon von ihr und dem irren visuellen Einfall, ihr eine MG als Beinprothese zu verpassen. Dieser Gag wird niemals alt.

Planet Terror ist ein kultiger Spaßfilm, und auch wenn er auf seiner Metaebene auch zahlreiche helle Momente hat, so geht es hier um derbe Gags, blutige Action und B-Movie-Suspense. Deshalb ist Planet Terror für sich betrachtet eine Unterhaltungsgranate, aber auch der Grindhouse-Part der wesentlich stärker von seinem "Gegenpart" profitiert.
Tarantinos Death Proof besteht auch ohne den Grindhouse-Rahmen den Test und verliert nur Minimal an Reiz.
Deshalb sollte man sich am besten gleich beide Filme anschaffen (und auch zusammen gucken).

Die DVD:

Planet Terror erschien in Deutschland in (bislang) 3 Fassungen: Als ungeschnittenes Verleih-Steelbook, als um knapp 7 Minuten gekürztes Verkaufs-Steelbook (in dieser Fassung fehlen der Fake-Trailer Machete, zahlreiche Gewaltspitzen sowie einige Dialoge und Gags) sowie als ungeschnittene sowie limitierte 2-Disc-Edition.

Die 2-Disc-Edition befindet sich, genau wie Death Proof in einer stylischen Metalldose mit passendem Grindhouse-Design. Während die Box zu Death Proof eine Öl- oder Benzinkanne darstellt, ist Planet Terror einer Munitionsbox nachempfunden.

In der Box befindet sich ein Papp-Digipack, welches das Themening perfekt weiterführt und außerdem eine Postkarte (mit dem DVD-Cover) und die zwei DVDs beinhaltet. Die DVD-Oberschichten entwickeln bei Berührung einen Eigengeruch. Faszinierend ist, dass man fünf Leute um die DVDs versammeln kann, und jeder etwas anderes riecht.
Meiner Meinung nach ist es der Geruch leicht abgestandener BBQ-Soße, andere vermuten Leder, Schießpulver oder mit Schießpulver bedecktes Leder. Andere vermuten die Chemiekeule, die im Film die Epidemie auslöste.

Außerdem befinden sich in der Box ein ziemlich sinnloses, aber faszinierendes Blood-Pack. Es ist wie eine Lavalampe. Je länger man darauf guckt, desto gebannter ist man davon.
Für diejenigen, die kein Kunstblut herumdrücken wollen gibt es letztlich noch ein Stück Karton, auf dem das Rezept für JTs Barbequesoße abgedruckt ist.

Bild, Ton, Bonusmaterial:

Das Bild ist gestochen scharf - so weit man das bei diesem Film überhaupt sagen kann. Selbiges gilt auch für den Ton, den es auf deutsch in DTS 5.1 und Dolby 5.1 gibt. In diesem Format ist auch die englische Tonspur gehalten.
Das Bildmaster auf der DVD ist ein deutsches - was manche Leute ziemlich abnervt, da sie den Film auf englisch sehen wollen und dann mit deutschem Bild konfrontiert werden. Meiner Meinung nach ist es dagegen löblich, da ich mich bei vielen Filmen darüber ärgere, dass ich im Kino noch deutsches Bild hatte, nun aber nicht mehr. Wer Filme eh nur im O-Ton guckt, kann auch direkt importieren.
Aber das ist halt Geschmackssache.

Auf Disc 1 beherbergen sich neben dem Film noch Robert Rodriguez' launischer und zugleich informativer Audiokommentar sowie eine Audiospur mit texanischem Kinopublikum. Leider gibt es nicht sehr viel von dem Publikum zu hören, was daran liegt, dass das Publikum die kürzere Grindhouse-Fassung sah, auf der DVD aber die internationale Langfassung enthalten ist. Da hat die Publikums-Audiospur bei Sin City mehr Spaß gemacht.
Außerdem gibt es eine kleine Galerie, und je einen deutschen Trailer zu Death Proof und Planet Terror.

Besonders erwähnt werden sollte noch, dass der völlig schwachsinnige, und gerade deshalb so geniale Fake-Trailer Machete ebenfalls auf dieser DVD ist. Für die anderen Fake-Trailer hat es jedoch leider doch nicht gereicht.

Auf Disc 2 befindet sich das restliche Bonusmaterial.

Die 10-Minuten-Filmschule ist wiedermal länger als ihr Titel verspricht und bietet ein informatives Making-Of, das zeigt, wie Robert Rodriguez seine Filme dreht. Und da der Kerl so viel wie möglich selbst und möglichst schnell macht erklärt sich auch, warum seine Filme so niedrige Budgets haben.
Die zwei Featurettes "Die Girls von Planet Terror" bzw. "Die Jungs von Planet Terror" zeigen in 11 bzw. 16 Minuten kurz und knapp, was die Darsteller zu ihren Figuren zu sagen haben und welche Entscheidungen hinter ihrem Casting stehen.

"Casting Rebel Rodriguez" ist ein etwas trockener 5-Minüter darüber, dass der Regisseur seinen Sohn in den Film steckte.
13 Minuten lang klärt ein weiteres Extra über die Stunts auf. Und im letzten Extra "Der Freund, der Arzt und der Grundstücksmakler" gibt es einen weiteren, sehr unterhaltsamen Blick, auf Rodriguez' sehr eigensinnige Castingentscheidungen - die sich aber mal wieder voll und ganz auszahlten.

Fazit:

Planet Terror ist ein derber Mordsspaß mit herrlicher Ironie, der vor Testosteron und Ideen nur so überspritzt. Wer sich diesen genialen Film in der Langfassung ansehen möchte, sollte sich diese liebevoll gestaltete DVD-Veröffentlichung nicht entgehen lassen. Besonders zusammen mit dem genauso großartig auf DVD präsentierten Death Proof ist stundenlanger Spaß an postmodernem, selbstreferenziellem Kino garantiert. Und obendrein sieht das alles im DVD-Regal obercool aus.

Montag, 28. April 2008

Shopping mit Sir Donnerbold: Der Mai und die Liebe

Kennen Sie das? Sie laufen bequemlich durch ihre Wohnung, und urplötzlich sehen Sie Ihren Kalender, nur um festzustellen, dass der April auch fast wieder vorbei ist?

Ja, meine Damen und Herren. Der erste Mai naht unaufhaltsam! Und dies ist nicht nur der Tag der Arbeit und in diesem Jahr auch Vatertag. Nein, nein. Der erste Mai ist auch der Tag im Jahr, an dem in vielen Teilen Deutschlands junge Männer zu dem Haus ihrer Geliebten fahren und unter ihrem Fenster ein Maiherz aufhängen. Oder aber auch einen geschmückten Baum neben die Haustür stecken.

Doch was ist, wenn Ihnen erst jetzt einfällt, dass ja bald der erste Mai ist, und Sie keine Zeit mehr haben, für ihre Geliebte ein Herz zu basteln? Und Sie dennoch Ihre Verehrte für sich gewinnen möchten?

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Sir Donnerbold distanziert sich hiermit von sämtlichen dunklen Machenschaften, die von den Betreibern des Sir Donnerbolds Bagatellen-Laden ausgehen. Lieferung ist nicht garantiert. In Schaltjahren herrscht die Tradition, dass die Frau ihren Verehrten mit einem Maiherz überrascht. Menschen, die auf Disney-Insider-Anspielungen allergisch sind, sollten Kontakt zum Stauten- und Relief-Set Griechische Musen vermeiden. Wer im Internet öffentlich seine Kontonummer preisgibt, gehört geohrfeigt.
Sir Donnerbold warnt davor, Kleingedrucktes zu lesen, es könnte Ihren Augen schaden.

Sonntag, 27. April 2008

Eurovision 2008 - Das 1. Halbfinale, Startnummern 15 bis 16

In den vergangenen Jahren waren es vor allem die (süd-)osteuropäischen Staaten, die mit Ethno-Pop Europas Stimmen erlangen wollten. Die Mischung aus Folklore, Urlaubsstimmung und gewohntem Popsound wurde somit zu einem typischen Eurovision-Beitrag. Musik, die wie allein für solche Wettbewerbe geschaffen wirkte.

Nun überraschen jedoch die Niederlande (auf Startposition 15) mit einem Ethno-Popsong. Ein Ethno-Popsong aus Westeuropa... Ob das nun originell oder eiskaltes Kalkül ist, soll jeder selbst entscheiden. Jedenfalls klingt Sängerin Hind Laroussi ganz authentisch, wenn sie ihren Song "Your Heart Belongs To Me" performt.

Ob dies aber für eine gute Position ausreicht, kann ich nicht sagen. Das Lied klingt an sich ganz gut - sicherlich nichts, was man sich im Alltag anhört, aber dennoch ganz gut, und für einen typischen "Grand Prix"-Titel auch recht ansprechend.

Wir dürfen also gespannt sein, wie Europa über einen Song entscheidet, der klingt als hätte ein niederländischer Liedermacher mal eben af dem türkischen Bazar eingekauft.

Finnland, unser sechzehntes Land beim diesjährigen ESC, ging bei der Wahl des Beitrages mit Sicherheit ein kleines bisschen berechnend vor. 2006 begeisterten die von schwerem Make-Up bedeckten Hardrocker Lordi (links) beim Song Contest und holten nicht nur den Titel nach Finnland, sondern brachen bei ihrer Rückkehr in die Heimat den Weltrekord für die größte Karaokeveranstaltung und schafften mit ihrer Single "Hard Rock Hallelujah" und dem Album "The Arockalypse" den Sprung in die europäischen Charts.



Dieses Jahr vertritt eine andere Hardrock-Band Finnland beim europäischen Musikantenwettkampf. Zufall?

Verübeln kann man es dem Land zumindest nicht, dass es erneut mit Rock versucht und den Zuschauern des ESCs mit Teräsbetoni (Stahlbeton) ein etwas härteres Kaliber gönnt.
Die vierköpfige Band wird "Missä Miehet Ratsastaa" (Wo die Männer reiten), einen Song über reitende Krieger, darbieten. Das Lied ist (wie alle Werke der Band) komplett auf finnisch, bietet jedoch mit der ersten Zeile ("Huh! Hah! Huh! Hah! Huh! Hah! Huh! Hah!") nicht nur einen allgemein verständlichen Auftakt, sondern auch eine interessante Parallele zu einem einstigen Drittplatzierten beim Eurovision Song Contest, der ebenfalls von reitenden Kriegern handelte.

Die Zeichen stehen also sehr gut für die Finnenrocker und ihren martialischen Song. Ob das jedoch auch eine gute Platzierung bedeutet, vermag ich nicht vorhersagen. Der Sound von Teräsbetoni ist simpler als etwa der von Lordi. Gitarren, Bass und Schlagzeug. Mehr nicht. Die elektronischen Klänge und der helle Backgroundgesang von "Hard Rock Halleluja" fehlt ebenso wie Lordis eingebaute Ohrwurmqualität.

Somit werden dem Stahlbeton wohl einige Stimmen von Nicht-Rockern abhanden kommen. Eine hohe Position hätten sie allerdings verdient, und die Rocker Europas werden die Band zumindest ins Finale wählen können und dort höchst wahrscheinlich auch in die obere Hälfte der Punkteskala. Lordis Siegesfeldzug wird sich jedoch nicht wiederholen können - behaupte ich einfach mal.

In meinem nächsten ESC-Beitrag werde ich mich dann dem letzten Block aus dem ersten Halbfinale widmen. Dort werden dann auch wieder ruhigere Töne angeschlagen.

Freitag, 25. April 2008

JJ Abrams produziert "Hot for Teacher"

Wie ComingSoon.net meldet, wird JJ Abrams für Paramount Pictures die Komödie Hot for Teacher produzieren. Er soll von drei Jugendlichen handeln, die sich vorgenommen haben, noch vor ihrem High-School-Abschluss entjungfert zu werden. Einer der drei schmiedet einen ganz besonderen Plan: Er möchte mit einer jungen, heißen Lehrerin ins Bett steigen.

Klingt wie mindestens ein halbes Dutzend Filme zuvor? Ja.
Klingt wie ein schlechter, uninspirierter Teenie-Streifen? Nein! Immerhin ist hier JJ "Ich ändere mitten in einer Staffel das Gesamtkonzept einer Serie" Abrams (siehe rechts) am Werk, der Mann der uns Alias, Lost und Cloverfield bescherte. Das ganze kann gar nicht so simpel sein, wie es klingt!

Und tatsächlich... ein Filmindustriespion der nicht genannt werden möchte, verriet exklusiv für Sir Donnerbolds Bagatellen, was noch so in diesem Film passiert:

Der Film Hot for Teacher beginnt tatsächlich so "Down-to-Earth" und simpel, wie er klingt: Die drei Teenager John, Jack und Michael schwören nach einer alkohollastigen Nacht in Jacks Kellerzimmer, dass sie noch vor dem High-School-Abschluss endlich Sex haben werden.
Die drei Außenseiter beginnen darüber zu philosophieren, was sie alles für gute Attribute haben und kommen zu dem Entschluss, dass die holde Weiblichkeit doch eigentlich nach ihren naturbelassenen, weichen und untrainierten Körpern lüstern müsste.

Also steht der Erfüllung des Pakts doch gar nichts mehr im Wege... John ist dies aber zu simpel. Wenn er schon einen Pakt eingeht, muss er auch eine Herausforderung haben. Also schlägt er vor, dass die drei Freunde sich nicht nur vornehmen endlich Sex zu haben. Nein, sie sollen auch vorhersagen, wann, wo oder mit wem sie ihr erstes Mal verleben. Schnell sind die ersten zwei Alternativen vergeben, und so möchteJ ohn seine zwei Kumpels übertrumpfen.
Er nimmt sich vor mit seiner Bio-Lehrerin Ms. Garner zu schlafen, der jungen und besonders heißen Lehrerin, von der die halbe Schule nachts träumt.

Es folgen rund 25 Minuten, wie sie aus einer konventionellen, aber auch recht offensiven Teenager-Komödie stammen könnten. Doch dann nimmt der Film einen so plötzlichen Twist, wie From Dusk Till Dawn damals, als die Bar erreicht wurde. Nur in eine völlig andere Richtung.

Als John eine private Nachhilfestunde von Ms. Garner erhält, erfährt der Zuschauer, dass John teil eines geheimen Soziobiologie- und Medienphilosophie-Experimentes der Organisation SD-Dhrama ist und dazu bestimmt war die Vorteile einer Jugend frei von sexuellen Erlebnissen zu erforschen. Nun, da er jedoch gerade dabei ist dieses Teilexperiment zugrunde zurichten, läuten im unterirdischen Geheimlabor der Organisation alle 108 Alarmleuchten.

Die schwerreiche Lottogewinnerin, drogenabhängige und hochschwangere Geheimagentin Claire Bristow-Sawyersson wird auf Johns Genital angesetzt. Binnen kürzester Zeit erreicht sie den hochstylischen Goth-Technoclub in Berlin, in dem sich gerade John und seine Lehrerin vergnügen, als sich ein Wurmloch auftut und halb Europa verschlingt. Dieses Wurmloch wurde von Johns zukkünftigem, entmannten Ich ausgelöst, welches es fertigbrachte eine geheimnisvolle, schwarze Gewitterwolke in der Form eines von zwei Dreiecken umzingelten Kreises in seine Gewalt zu bringen. Dadurch hat Johns zukünftiges Ich die Macht über Raum, Zeit und sämtlichen Geheimagenten.

John, Johns zukünftiges Ich, Ms. Garner und Johns zukünftiges, von John abgeschnittenes Genital (das geklont wurde und dabei sprechen lernte) fliehen daraufhin nach Hawaii, wo sie jedoch von einer vom Müller-Device verseuchten Fliege angepinkelt werden. Sie werden mit dem Flashback Flashback-Virus infiziert und sind dazu verdammt alle acht Minuten, 15 Sekunden einen Flashback zu haben.

Der dritte Akt des Films unterliegt bislang strengsten Geheimhaltungsvorgaben und konnte deshalb leider noch nicht gespoilert werden. Aber wir halten euch auf dem laufenden!

Eurovision 2008 - Das 1. Halbfinale, Startnummern 12 bis 14

So, nach dem Kulturschock aus Irland geht es auf nach Andorra. Diese Nation geht mit der Startnummer 12 ins Rennen und hat im Gegensatz zu Irland nicht viel zu verlieren. Dieses Jahr nimmt der knapp 81.000 Einwohner schwere Zwergstaat zum fünften Mal teil und hofft darauf endlich ins Finale einziehen zu können.
Dahin hat es Andorra nämlich bisher noch nicht geschafft.

Mit dem englisch-katalanischen Lied "Casanova" von Gisela soll dieser Sprung also endlich gelingen. Gisela ist nicht nur die Namenscousine von Horst Schlämmers Auserwählten, sondern auch eine Dame, die den spanischen Disneyfans sehr bekannt sein könnte.

Sie sang für die spanische Fassung von Peter Pan 2 und nahm für die DVD-Veröffentlichung von Die Schöne und das Biest das Titellied auf. Außerdem war sie an der spanischen Fassung von Verwünscht beteiligt und spielte die Wendy im spanischen Bühnenstück Peter Pan.
So viel zu den positiven Dingen, die ich hier schreiben kann.

Das Lied selbst ist nicht schlecht... aber erst Recht nicht gut. Es ist eine langsame Weiterentwicklung des musikalischen Niveaus im 1. Halbfinale des Eurovision Song Contests 2008. Nach dem Totalausfall auf Startnummer 11 haben hier wir eine weitere Pop-Trance-Nummer. Aber eine deutlich erträglichere, statt grausigem Kindertechno gibt es hier süffigen Sommer-Trance. Die Art von Musik, die im Sommer während zigtausend Trailern und Fernsehhinweisen läuft und ab und zu im Radio läuft, ohne aber wirklich zu stören. Es ist nicht schlecht, wirklich nicht.
Aber irgendwie auch sehr 08/15 und uninspiriert. Ich könnte schwören schon zehn andere Lieder gehört zu haben, die genauso klangen.

Die Unglücksnummer 13 erwischte dieses Jahr Bosnien und Herzegowina. Der Sänger Laka soll zusammen mit der Sängerin Mirela und dem Lied Pokušaj für Erfolg sorgen.
Zu dem Song kann ich nicht viel sagen. Beim Anblick der Live-Performance fühle ich mich in einen avantgardistisch-snobistischen Arthouse-Streifen versetzt. Oder aber in eine kultige Midnight-Movie-Groteske mit schrägen Vögeln im Kinopublikum.

Oder, nein, ich hab's. Es ist wie eine schräge Arthouse-Groteske mit snobistischen Vögeln, die im Takt kacken. Fehlt nur noch ein Gastauftritt von dem hier.

Würde jedenfalls die Putzfrauen in der Deko erklären. Irgendwo muss die Vogelkacke ja hin.

Das Lied selbst ist eigentlich recht... passabel. Hat ein bisschen was von schräg-alternativer Kopf-Popmusik, wie sie von Mia und Co. kommen. Ist nicht schlecht, aber auch nichts, was mir öfter unter die Ohren kommen muss.

Die Startposition 14 hat sich Armenien geangelt. Die 1987 geborene Sängerin Sirusho tritt mit dem Lied "Qele, Qele" an.
Es beginnt folkloristisch, für deutsche Ohren exotisch, mit einem beschwörendem Singsang und Trommelklängen. Daraufhin nimmt es jedoch an Fahrt auf und erreicht das Tempo und die Melodie einet typischen westeuropäischen Pop-Produktion. Die Trommeln bleiben jedoch und vor allem im Refrain sind die armenischen Wurzeln weiterhin stark zu spüren.
Waschechter Ethno-Pop, wie man ihn aus den 90er Jahren bereits kennt - und wie er auch in den vergangenen Jahren immer wieder massig Punkte beim Eurovision Song Contest holte. Für einen Sieg fehlt vielleicht der nötige Drive, aber für eine gute Platzierung sollte es trotzdem reichen.

Mit Ethno-Pop geht es übrigens auch beim nächsten Mal weiter - wenn die Niederlande auf Position 15 an den Start gehen!

Donnerstag, 24. April 2008

Walt & El Grupo

Noch bevor Walt Disney den Terminus "Nine Old Men" prägte, gab es "El Grupo" - jende treuen Mitarbeiter, mit denen er nach Südamerika reiste um dem albtraumhaften Streik zu entkommen, ordentlich Hände zu schütteln, die Freundschaft zwischen Nord- und Südamerika zu festigen und auch um die Disneyfilme zu bewerben.
Außerdem entstanden während der "Good Will Tour" die Ideen für die unterschätzten Filmjuwelen Drei Caballeros und Saludos Amigos - zwei Auftragsarbeiten die vor Fantasie und Ideenreichtum nur so platzen.

Ted Thomas (der Sohn von Frank Thomas, legendärem Mitglied der "Nine Old Men" und "El Grupo") drehte nun eine Dokumentation über diese "Good Will Tour" Disneys.

Der Film nennt sich Walt & El Grupo und hat heute, am 24. April, auf dem San Francisco International Film Festival seine Weltpremiere.

Mehr über den Film erfahrt ihr auch hier.

Ted Thomas war auch Regisseur der Doku Frank & Ollie.

Mensch, Dave!



Eddie Murphy hat wohl genug davon in einen Fatsuit zu steigen und versucht wieder wirklich witzig zu sein. Dieser Trailer ist zumindest eine enorme Steigerung gegenüber allem, was ich von Norbit gesehen habe.

Ich frage mich allerdings, wo die Idee zu diesem Film herkommt... Men in Black, anyone?!

Mittwoch, 23. April 2008

Eurovision 2008 - Das 1. Halbfinale, Startnummern 9 bis 11

Unter dem Motto "Confluence of Sound" (Zusammenfluss des Tons, oder etwas freier übersetzt: Zusammenkunft der Musik) werden 43 Staaten im Mai dieses Jahres antreten und weit über ihre Grenzen hinaus je ein Lied erklingen lassen.


Töne, die sich vereinen. Mit Donald Duck. Der wirklich nichts mit dem Eurovision Song Contest zu tun hat. Warum sollte er auch?

Bereits jetzt, nach nur acht Songs die ich innerhalb dieser Artikelreihe besprach, wissen wir jedoch, dass so manche Töne eigentlich gar nicht dazu geeignet sind die Grenzen eines Landes zu verlassen. Geschweige denn in alle Welt hinaus übertragen zu werden.

Dabei haben wir bislang nur den Gipfel des Eisbergs angekratzt. Aber alles schön der Reihe nach.

Die Starnummer 9 wurde von Norwegen ergattert. Unsere Freunde im hohen Norden entsenden eine Dame namens Maria nach Belgrad. Ihr Lied "Hold On Be Strong" ist nicht weiter der Rede wert. Wer weiß, dass Maria Teilnehmerin von "Pop Idol" in Norwegen ("Norwegen sucht den Superstar") war, kann sich denken wie das Lied klingt. Wie "Take Me Tonight" ohne peinliche Übersetzung und aalglattem Gesülze oder über-theatralischen Gesten. Wie diese zigtausendfach in Castings "gesungenen" Lieder namens "I Will Always Love You", "I'll Be Missing You" und "Because of you". Nur mit einem leichten Touch von südländischem Temperament in der Stimme.

Und schon allein dieses Paradoxon (eine Norwegerin mit südländischer Stimme) könnte am 24. Mai für eine Topposition Norwegens sorgen. Wird es aber höchst wahrscheinlich doch nicht.

Das zehnte Lied des Contests stammt aus Polen, heißt "For Life" und wird von der Ledertasche, äh, sonnenbankgebräunten, äh, gut durchgetoasteten Sängerin Isis Gee dargeboten.
Angeblich ist das langweilige und komplett antiklimatische Lied englischsprachig, doch da Mademoiselle beim singen den Mund nicht richtig aufbekommt, versteht man kaum was. Der Song könnte also genauso gut auf Rätoromanisch verfasst worden sein. Ich würde den Unterschied nicht bemerken.

Kleine Notiz am Rande. Mit einer Dauer von 2:59 Minuten ist "For Life" gerade noch im erlaubten Rahmen dieses Contests. Laut den offiziellen Statuten darf nämlich kein Wettbewerbsbeitrag die Grenze von exakt 3 Minuten überschreiten.

Kommen wir nun aber zum lang erwarteten und heiß ersehnten elften Beitrag. Mit der Schnapszahl Elf geht keine geringere Nation als Irland an den Staat.
Irland ist mit sieben Gewinnertiteln zwischen 1970 und 1996 das Land mit den häufigsten Siegen beim Eurovision Song Contest. Somit hat Irland auch die stolzeste Tradition bei diesem alljährlichen Schaulaufen der musikalischen Ergüsse.

Irland - das Land aus dem Trolle, Kobolde, gute Butter, Baileys und Guinness kommen.
Das Land der fröhlichen Raufbolde, der heiteren Fidelmusik, Stepptanz, vierblättrigen Kleeblättern und Colin Farrell.

Nach einem katastrophalen 24. Platz beim letztjährigen ESC muss die grüne Insel ihren Ruf wieder herstellen. Um diese stolze, aber auch herbe Aufgabe zu bewältigen, entsanden die Iren eine nationale Größe. Einen TV-Star mit Gesangserfahrung und politischen Ambitionen!





Einen... Truthahn.

Trotz heftiger Buhrufe im Publikum gewann Dustin the Turkey die Vorentscheidung in Irland. Und somit vertritt eine Puppe die grüne Insel beim diesjährigen Song Contest. Dana Scallon (die 1970 den Titel nach Irland holte) gab öffentlich bekannt, dass sie diese Entscheidung verurteilt und findet, dass Irland besser dran wäre vom Contest zurückzutreten als den Truthahn nach Belgrad zu schicken.
Die Wettbüros geben ihm indes eine 5:1-Chance auf den Sieg.

Im Grunde genommen ist die Entscheidung eine Puppe zu wählen gar nicht Mal so schlimm. Ein bisschen Comedy schadet der Veranstaltung eh nicht. Ob Stefan Raab, Guildo Horn oder LT United, den Eurovision Song Contest auf die Schippe nehmen ist nichts schlimmes.

Der Humor muss nur witzig sein. Und hier wird es schwierig. Wer den Text nicht versteht, weil er zu schnell ist oder in einer fremden Sprache verfasst wurde muss die Komik trotzdem bemerken.
Das klappt bei manchen Performern, bei anderen weniger.

Gut, Dustin hat einen Vorteil. Er ist eine Puppe. Wenn eine Puppe singt, muss es ja witzig sein, oder? Das beste ist: Es ist auch wirklich witzig. Die Lyrics von "Irelande Douze Points" beweist viel Witz und Ironie, nimmt die Punkteschieberei-Diskussionen und Irland auf die Schippe (Sorry for Riverdance!), treibt die Internationalität des Liedes absichtlich in alberne Höhen.

Das kann doch gar nicht schief gehen. Oder? ODER?!
Überlegt Mal... Puppen (und Comicfiguren) die singen... Mit netten bis witzigen Texten.... Woran erinnert einen das? Genau! An den Kindertechno der 90er Jahre!

Aber die Iren würden so einen Fehler doch nicht begehen...
Falsch gedacht! Natürlich tun sie es! "Irelande Douze Points" ist nichts anderes als grausigster Eurodance-Trash mit Ohrwurmtendenzen. Die Art von Ohrwurm, die Leute dazu bringt ihren Kopf in Toiletten zu stecken und dann abzudrücken. Die Art von Ohrwurm, die man gern gegen einen Presslufthammer im Großhirn austauschen würde.

Streng nach Schema F "rappt" Dustin the Turkey seinen Text runter, so schnell dass man nichts versteht. Der fette Dubliner Akzent macht das ganze nur noch unerträglicher. Danach singt eine voluminöse Dame mit souligem Stimmumfang einen grenzdebilen Refrain, und weiter geht es mit dem Rappart.

Das ganze wurde über einen Nerven zerfetzenden, billigen Trance-Beat gemischt, der klingt, als sei der PC von dem er stammt vorher von einem LKW gefallen. Von einem LKW, der wiederum von einem größeren LKW gefallen ist.

Ihr kennt so etwas ja.


Dieses Lied macht mit meinem Gehöhrgang, was eine ausgehungerte, sexuell unbefriedigte Bulldogge mit kleineren Pudeldamen macht. Es ist wie das Kratzen auf einer Schultafel, während ein Stachelschwein versucht meine Kehle runterzustiefeln. Ein Stachelschwein, das sich seit drei Tagen nicht gewaschen hat und vorher in einen elektrischen Bleistiftanspitzer gefallen ist.

Und das schlimmste: Dieser Song ist so auffällig, so ohrwurmig und zudem ein Eurodance-Song (in manchen osteuropäischen Staaten ist Eurodance noch immer beliebt und aktuell!)... Ihr könnt euch den Rest denken. Zumal, wenn man bedenkt, dass letztes Jahr sowas auf dem Treppchen landete.



Ich brauche Urlaub! Außerhalb Europas!!!

Alestorm: Captain Morgan's Revenge

Captain Henry Morgan ist einer der legendärsten Freibeuter.
Der ca. 1635 geborene Engländer kaperte ab 1665 von Jamaika ausgehend spanische Schiffe und sparte seine Beute so lange auf, bis er genug auf der hohen Kante hatte um die Raubzüge in Eigenregie veranstalten zu können - unter Mitwissen und der Billigung des Gouverneurs von Jamaika.
Endgültig ging er in die Geschichtsbücher ein, als er mit geschätzten 1.200 Piraten Panama brandschatzte und somit eine zahlenmäßig überlegene, dort stationierte Legion der spanischen Armee besiegte.

Nachdem der englische König einen Friedensvertrag mit Spanien abschloss, wurde Morgan verhaftet. Später jedoch wurde er begnadigt, geadelt und zum Vizegouverneur von Jamaika ernannt. Von da an kämpfte er mit harten Bandagen gegen Piraten und statte auch die Hafenstadt Port Royal mit neuen Geschützen aus.

Morgan war auch einer der Begründer des Piratenkodex, der unter anderem der Crew mehr Mitspracherecht und einen gesicherten, gerechten Anteil an der Beute garantieren sollte.

Der historische Piratenkodex hat also nur am Rande mit dem Piratenkodex zu tun, der so oft in der Pirates of the Caribbean-Trilogie angesprochen wird. Und der wahre Captain Morgan hat nahezu überhaupt nichts mit dem Captain Morgan zu tun, von welchem Alestorm auf ihrem Debütalbum singt.

Wer oder was ist denn nun schon wieder "Alestorm", werden sich jetzt einige sicherlich fragen. Nun, ein Alestorm bezeichnet eigentlich einen gewaltigen Sturm, bei dem Unmengen vom schottischen Standardbier Ale durch die Gegend geprustet werden. Also im Grunde genommen genau das, was sich alle Bier trinkenden Briten herbeisehnen, wenn der Durst sie packt. Bis auf die Iren vielleicht, die sich sicherlich eher einen Guinness-Storm wünschen würden.

Alestorm ist aber vor allem auch der Name einer Band, die ihre Musik selbst bezeichnenderweise als "True Scottish Pirate Metal" proklamiert.
Gegründet wurde die vierköpfige Band 2004, damals noch unter dem Namen Battleheart. 2006 veröffentlichte die Band zwei EPs auf ihrer Webseite, die man kostenlos downloaden konnte. Relativ schnell machte die Band auf sich aufmerksam, schaffte es sogar auf Compilation-Alben des Metal-Magazins "Metal Hammer".

2007 folgte dann ein Personalwechsel am Schlagzeug sowie die Umbenennung in Alestorm und das im Sommer 2007 aufgenommene Debütalbum "Captain Morgan's Revenge" erschien im Januar 2008 im Handel.

Und natürlich muss dieses Album von mir gehört werden, schließlich hat Alestorm bei mir einige Vorschuss-Sympathiepunkte geholt.
Denn auf einer der beiden Demo-EPs befand sich auch das instrumentale Stück "No Quarter", eine Metal-Adaption des He's a Pirate-Themas aus den PotC-Filmen.
Ja, richtig gelesen. Eine Pirate-Metal-Coverversion von He's a Pirate! Und noch dazu eine wunderbar gelungene. Irgendjemand sollte Disney verraten, dass dieses herrliche Stück Filmmusik im rockigen Gebiet viel besser aufgehoben ist als in der Techno-Szene.

Während andere Stücke von den Demo-EPs ihren Weg auf das Debütalbum gefunden haben, blieb "No Quarter" dieser Sprung verwehrt. Dieser Wermutstropfen sei der Besprechung des Albums vorausgeschickt.

Das Album:



Alestorm versteht es jedoch auch ohne ein Pirates of the Caribbean-Cover den Zuhörer umzublasen.
Ihr Debütalbum eröffnet mit dem fast vierminütigen Over the Seas, das nach einem ausführlichen Sturm an Synthie-Bläsern und Bass den Sänger der Band auf uns loslässt. Das instrumentale Opening stimmt bereits auf das ein, was folgen wird - das mit E-Gitarren und Keyboards gesegnete Piratentum, wie man es aus den besten Piratenstreifen kennt.

Wie eine aggressive Hymne zu einer stürmischen Seeschlacht treibt die Musik den Adrenalinpegel in die Höhe und die knarzige, rauchige Stimme des Sängers Christopher Bowes (rechts) trifft das Piratenthema genau auf den Nagel, ohne es zum Leidwesen der Melodie oder gar der Hörbarkeit zu übertreiben.

Natürlich ist nicht nur die von Whiskey und sicherlich auch jeder Menge Rum geschunde Stimme allein dem Piratentum verpflichtet. Auch der sehr piratige Text, in dem von einer Schatzsuche quer über die Weltmeere berichtet wird, tut seine Schuldigkeit. Und ein "man with a hook for a hand" darf hier seinen Gastauftritt erleben.

Over the Seas verquickt schließlich die Soundtrack-Piratenmusik mit Metal: Die E-Gitarren bekommen flotte Soli, die Drums werden geschunden wie Galeerenfahrer.

Das Tempo wird aufrecht erhalten, als der zweite Song loslegt, nämlich der 6:42 lange Titelgeber des Albums Captain Morgan's Revenge. Ein ausführliches Intro mit heftigen, schnellen Drums und heroischen Hörnern verkündet stolz den Beginn des Songs, bis eine Ziehharmonika eine Kneipenatmosphäre etabliert. Als würde er uralten, aber natürlich selbst erlebten Seemannsgarn spinnen legt Bowes weiteres knarren und knirschen in seine Stimme. Er erzählt, wie seine Crew eine Meuterei gegen Captain Morgan anzettelte und ihn über Bord wirft. Doch ein schrecklicher Fluch rächt den sagenumwobenen Käpt'n.

Die leicht schaurige, mystische Stimmung des Liedes wechselt langsam aber sicher zu einem Mitgröhl- und In-der-Kneipe-herum-schunkel-Kracher, der nach Minute Vier auch eine Zeit lang wieder sehr soundtrackhafte Züge gewinnt.

Für The Huntmaster, den dritten Track nehmen die filmisch-epischen Züge erstmals ab und der "Scotish Pirate Metal" legt seine Betonung auf letzteres. Die Keyboards, denen Alestorm die filmischen Bläser entlockt werden zurückgeschraubt, das Tempo noch höher gedreht, Bass und Gitarre übernehmen die Leitung, ganz klar ist nun Headbanging angesagt. Natürlich bleibt das Piratenthema weiterhin allgegenwärtig, aber alles ist wesentlich zeitgemäßer: "Sail into battle! Glory and Metal!" verkündet die Band lauthals, und wer möchte ihr da schon in die Quere kommen?! Das sind doch ehrenvolle Ziele!

Mit Nancy the Tavern Wench erreicht Alestorm das Gebiet von Tortuga. Ziehharmonika und gedämpftes Tempo erinnern an volltrunkene Piraten in verlassenen Hafenen oder überfüllten Kneipen, die so voll sind, das nichtmal mehr Prügeleien Spaß machen würden. Mitschunkeln und herzliches Mitsingen ist gefragt, wenn Barmädchen Nancy und ihr Café im Refrain geradezu angepriesen werden.

Beeindruckend ist die Stimme von Christopher Bowes. Nachdem kampfbereiten Piraten aus den ersten Tracks und dem alten, spinnerten Seebären aus Track Drei gewinnt er seinem Piratenorgan nun eine weitere Facette ab und wirkt wie der geschundene Saufkumpane in einer Seemannskneipe. Da erzähle nochmal jemand, dass Piraten immer gleich klingen.

Thematisch ist von nun an die Richtung des Albums klar: Schätze, die Seefahrt, Flüche, Seemannsgarn oder halt der holde Alkohol und erfrischende Magden. Oder umgekehrt. Halt richtig klassisch piratig.

Death before the Mast ist der fünfte Track des Albums und kitzelt den Trash-Metal-Anteil aus der Band heraus. Abrupte Tempowechsel und beabsichtigte Assonanzen untermalen den abgehakten Gesang, kurze Synthieklänge wecken kurzzeitig wieder Erinnerungen an klischeehafte Soundtrackstellen für Abenteuerfilme, die längeren instrumentalen Stellen sind dagegen ganz klar spielfreudigster Metal und weniger Old-School-piratenhaft.

Ähnlich beginnt auch Terror on the High Seas, das aber einen wesentlich stärkeren Refrain hat als "Death before the Mast" und dank den im Refrain eingeschobenen Keyboard-Spielereien macht Terror on the High Seas viel mehr Spaß. Ein seefahrt-erprobter Track zum wild herumsegeln, der gegen Ende auch wieder auf der akustischen Ebene stärker dem Piratenthema huldigt.

Set Sail and Conquer ist stilistisch wieder näher an den ersten Tracks des Albums: Die Hymne der eroberungsfreudigen und sich vor keinem Kampf fürchtenden Piraten treibt energisch voran, weiß sich aber nicht episch-filmischen Qualitäten zu verwehren, was vor allem in der ausgiebigen Instrumental-Strecke faszinierende Ebenen erreicht: Hier gleitet die Band elegant von sehr stark dem Old-School-Rock gediegenem Sound zu Piratenfilmmusik. An manchen Stellen macht sich jedoch auch das Alter der Band bemerkbar: In einigen Jahren wird sich Alestorm hoffentlich etwas atmosphärischere Keyboards leisten können, denn kurz wirkt das ganze doch etwas "billig".

Of Treasure ist dagegen ein sehr folkloristisches Lied, mit mittelalterlichem Flair.
Direkt danach holt Wenches and Mead den Zuhörer in die Gegenwart zurück: Wilde Keyboards, episch-atmosphärische Drums eröffnen das Lied, als eine Ziehharmonika dazu stößt um so der verrückten Arrangierung das Seefahrerflair zu verleihen.
In den Strophen gerät Bowes erstmals etwas aus seiner Balance, zum schnell dahin gesungenen Text passt seine Piratenstimme nicht ganz so sehr, wie sicherlich beabsichtigt. Im Refrain dagegen wird wieder klar, was gemeint war, die fetzende Notenfolge wird genau getroffen und die Stimme passt wie der Keks in den Papageienschnabel.

Zum Abschluss interpretiert Alestorm mit Flower of Scotland eine der drei inoffiziellen Nationalhymnen Schottlands. Das Mitsauf- und Schunkellied wird mit hörbarem Respekt und Gefühl behandelt und kaum umarrangiert, bietet sozusagen den passenden Abschluss- und Nach-Hause-Geh-Song für eine durchzechte Nacht.
Man sieht sie fast schon vor sich, die trunken nach Hause schlurfenden Saufkumpane in Piratenoutfit, wie sie noch ein paar Ale kippen, über den vergangenen Abend reden und sich freuen, dass wenigstens was rockiges zum Abschluss läuft. Denn ganz unrockig ist Alestorm natürlich auch hier nicht.

Gesamteindruck:
unten: Piraten und Gitarren passen wunderbar zusammen
Metal und das Piratentum sind zwei Welten, die sehr gut miteinander korrespondieren. Der Mix aus altertümlicher und klischeehafter Piratensprache, der vermeintlichen Seemannsmusik mit Chanty-Meldodien und Ziehharmonika, den epischen Soundtrack-Klängen und verrücktem Metal klingt zu keinem Zeitpunkt künstlich oder erzwungen, geht ganz natürlich ins Ohr und bleibt da auch.

Und entgegen der Befürchtung, die Pirate-Metal-Thematik könne schnell aufgebraucht sein, ist das Debütalbum von Alestorm auch sehr abwechslungsreich geworden. Ruhigere und melodiöse Tracks wechseln sich hier mit aggressiveren Titeln wie "Death Before The Mast", epischeren Liedern wie "Over the Seas", ausgelassenem Seemannsgarn wie "Captain Morgan's Revenge" oder Saufliedern wie "Nancy the Tavern Wench" ab.

Mit dem folkloristischen "Of Treasure" zeigt sich auf diesem Album weiteres Potential.
Und wer die Demo-EPs von Alestorm / Battleheart kennt weiß zudem, wie gut und vielfältig es die Band versteht, das Thema das sie sich auf ihre Fahnen schrieb auch instrumental umzusetzen. Spätestens beim Anhören dieser instrumentalen Tracks wünscht man sich, dass Jerry Bruckheimer und Co. auf die Schotten stoßen und sie dazu einladen Musik zum vierten PotC-Teil beizusteuern. Sollte man tatsächlich den Steampunk-Weg einschlagen, wäre auch eine plausible Erklärung für solch moderne Musik in Sichtweite.


Fazit: Alestorms "Captain Morgan's Revenge" ist ein fantastisches Debütalbum, dass den Hörer in die Welt der metal-lastigen Piratenmusik entführt. Die Stimme des Sängers passt hervorragend zu den harten Riffs und Drums, die zusammen mit dem piratigen Flair eingängige Melodien zum feiern, raufen, saufen oder einfach nur Pirat sein bilden. Jeden, dem das nicht gefällt sollte man kielholen!

Kurzum: Die perfekte Mischung aus modern, altmodisch, Klischee beladen, hart und rockigem Piratenspaß. Mögen noch viele Alben folgen.

Link me Up

Dienstag, 22. April 2008

Eurovision 2008 - Das 1. Halbfinale, Startnummern 6 bis 8

Unsere geliebten Nachbarn, die Belgier, stellen den sechsten Song des ersten Halbfinales beim Eurovision Song Contest 2008.
Um sowohl die flämische, als auch die französisch sprechende Bevölkerung zu befriedigen, schickte Belgien lange Zeit abwechselnd ein flämisches und ein französisches Lied zum Song Contest. 2003 versuchte man es jedoch mit einem Lied in einer Fantasiesprache - und landete prompt auf dem Treppchen.
Diesen Erfolg versuchen die Belgier anscheinend zu wiederholen - und setzt eine weitere Gruppe, die in Fantasiesprachen singt, auf Europa an.

Ishtar heißt die sechsköpfige Gruppe, "O Julissi" ihr Lied. Und schnell wird klar: Nicht nur die Sprache existiert nur in den Köpfen der Band, sondern auch der Musikgeschmack, der das aushalten soll. Angetrunkenes Gelaller trifft auf schlimmstes Heidi-Gejodel und völlig deplatzierten Einsätzen der Backgroundsängerinnen, die dem ganzen wohl etwas mystisches verleihen soll, es in Wahrheit aber einfach nur ins peinliche zieht.

Es folgen Elnur & Samir, zwei englisch singende Buben die für Aserbaidschan antreten - der zweite Newcomerstaat dieses Jahr. Ihr Lied "Day After Day" ist eine Bitte um Frieden, eine Ansprache an Gott und ein Blick darauf, wie Menschen sich beeinflussen. Während einer der beiden Sänger als Engel auftritt und das Gute repräsentiert, übernimmt die zweite Hälfte den teuflischen Part.

Klingt nach ziemlich hartem Tobak, der aber vom gnadenlos überzogenen Engelsgesang im Intro eher wirkt wie ein im Papierkorb gelandeter Sketch von Monty Phyton. Als das eigentliche Lied dann losgeht, wird es zum Glück erträglicher - nur klingen Engel und Teufel so gleich, dass die eigentliche Idee hinter dem Song wieder völlig über den Haufen geworfen wird.
Fazit: Dieses Lied tut sicherlich nicht weh und könnte bei einer guten Live-Performance durchaus so manche Punkte holen - mehr aber auch nicht.
unten: Gute Mädchen kommen in den
Himmel,böse Mädchen überall.
Nur nicht zwangsweise auf Platz 1.

Slowenien (Startnummer 8) gehört mittlerweile zu den Ländern, die ich immer auf dem Zettel habe, wenn es wieder Eurovision-Zeit ist. Poppig-rockige und gefällige Nummern von hübschen Frauen mit rauchig-kräftiger Stimme bestimmen das Bild von Slowenien beim internationalen Gesangswettbewerb (ähnlich wie Schweden seit gefühlten fünfundzwanzig Jahren nur noch ABBA-Klone zur Eurovision schickt - nur mutiger).

Auch dieses Jahr versucht es Slowenien mit einer hübschen Frau - und da es bislang für nichts besseres als den siebten Platz genügte, wurden nun sämtliche Register gezogen. Miss Slowenien 2001, zweitplatzierte beim Miss World Talentwettbewerb und Besitzerin eines eigenen Musiklabels Rebeka Dremelj soll mit dem Song "Vrag Naj Vzame" (Zur Hölle damit!) den Titel heimbringen.

Das Lied handelt von einer verbrochenen Liebe, die dem lyrischen Ich nun egal ist, sie bewegt sich neuen Ufern hinzu. Idealer Stoff für eine nach vorne treibende, rockige Nummer mit Popappeal. Doch... stattdessen erwartet uns nach dem Pianointro eine grausige von Trancebeats zerfetzte Nummer, wie man sie sonst nur aus Cabrios kennt, die neben einem darauf warten, dass die Ampel auf grün schaltet.

Sorry, Slowenien, aber so wird das nichts. Gut, wenn die Sängerin genug Haut zeigt, kann man (wie man aus den vergangenen Jahren weiß) sicherlich in die obere Hälfte des Rankings vordringen, aber für das Treppchen muss es schon etwas mehr sein. Erst recht für einen verdienten Sieg.

Sooo, meine Ohren haben für heute genug gelitten. Das nächste Mal geht es weiter mit Norwegen, Polen und natürlich Irland. Ihr könnt euch also auf etwas gefasst machen, denn auf diesen Beitrag freue ich mich schon seit Wochen!

News Round-Up: WALL•E trifft einen Magneten - Disney entdeckt die Natur

  • Auf ComingSoon.com gibt es einen neuen Clip mit unser aller Lieblingsroboter. Süß, knuffig, habenwill!
  • Und wie ihr hier nachlsen könnt, gründete die Walt Disney Company ein neues Label, unter dem Naturfilme vertrieben werden. Wieso man sie nicht einfach unter dem Disneynamen vertreibt versteh ich nicht ganz, aber schlecht ist diese Trennung auch nicht.

Montag, 21. April 2008

Filmbefreier

Eine Mischung aus viralem Marketing und einer herrlichen Web 2.0-Idee macht derzeit die Runde:



Der Spot ist Teil der neuen Anti-Filmpiraterie- / Pro-Kino-Initiatiive des Zentrums für Kunst und Medientechnologie. Die alte Kampagne habt ihr sicherlich schon gesehen: Unter dem Motto "Kino. Dafür werden Filme gemacht" wurden die vielfältigen Kinoerlebnisse und -gedanken vorgestellt. Vor dem Kino machte eine Schulklasse halt und der Spruch "Klassenfahrt nach Rom" wurde gebracht. Junge Männer eilen in den Saal - gestern noch Gangster, "heute schwule Cowboys".

Die alte Kampagne hatte Charme und traf mich als Filmfan in der Seele, denn das was die Spots ansprachen macht Kino für mich auch aus.
Allerdings fehlte eine gewisse Originalität und vor allem Humor, der die Leute anspricht, die ja überzeugt werden müssen. Mich zum Kinogang zu überzeugen muss ja nicht sein. ;-)

Ich finde, dass der neue Spot da die richtige Richtung wählt, mit viel Ironie wird klar gemacht, wie grausam mit Filmen umgegangen wird. Und manchem wird hoffentlich klar, dass er sich so auch selbst viel Genuss wegnimmt, wenn er beim Filme sehen bügelt und sich hinter das Handy klemmt.

Die dazugehörige Webseite filmbefreier.de macht da weiter, wo der Spot aufhört: Humor und Ehrerbietung zugleich.

Leute, geht öfter ins Kino. Denn dafür werden Filme gemacht!

Eurovision 2008 - Das 1. Halbfinale, Startnummern 1 bis 5

Wie ich gestern androhte, werde ich ab heute die Beiträge zum diesjährigen Eurovision Song Contest durchkauen. Ein Lied nach dem anderen.

Mit insgesamt 43 teilnehmenden Ländern wurde dieses Jahr ein neuer Rekord aufgestellt - und aufgrund dieser Unmenge an Beiträgen (sowie aufgrund der zahllosen Diskussionen über die vermeintliche Punkteschieberei in den osteuropäischen Staaten) gibt es dieses Jahr in Belgrad (für alle die in Erdkunde geschlafen haben: Das liegt in Serbien) auch zwei Halbfinals, deren Teilnehmerfelder so zusammengewürfelt wurden, das möglichst wenig Punkteschieberei stattfinden kann.

Ob das nun etwas bringt, werden wir spätestens am 24. Mai wissen. Doch nun wollen wir uns erstmal Hals über Kopf ins erste Lied stürzen.

Den Anfang beim 1. Halbfinale 2008 macht Montenegro. Letztes Jahr durfte Stevan Faddy erstmals für dieses Land in den musikalischen Ring steigen. Mit dem 22. Platz im Halbfinale legte er für seinen Nachfolger die Latte nicht besonders hoch. Und diese so niedrige Vorgabe sollte Stefan Filipović (siehe rechts) durchaus übertrumpfen können. Sein poppiger Pop-Rock-Song "Zauvijek Volim Te" (Vergiss nie, dass ich dich liebe) hat extra wenig Ecken und Kanten, an denen die europäischen Damen sich stoßen könnte und könnte (mit englischem Text) so auch in den Sommermonaten die gängigeren Radiostationen rauf und runterlaufen.

So werden wir die diesjährige ESC-Saison recht harmlos beginnen, Europa bekommt nicht gleich tiefste Folklore oder depperste Spinner gegen den Latz geknallt - für eine höhere Position ist dieses Lied jedoch auch nicht geboren, denn so okay es auch sein mag... Liebenswert oder auffällig ist es nun auch wieder nicht. Da müsste schon eine sehr aufregende Live-Performance herkommen, ansonsten reicht es wohl nur für ein paar verschwärmte Teenie-Anrufe und Stimmen aus der Nachbarschaft.

Auf der Startnummer zwei lauert das dreifache Gewinner-Land Israel. Als Künstler geht der 20-jährige Sänger Boaz an den Start.
Interessante Bemerkung am Rande: Der israelische Vorentscheid unterschied sich auf ganz besondere Weise von unserem: Es wurde nicht der Künstler (mitsamt Lied) gewählt - stattdessen wurde aus fünf Liedern der Song gewählt, mit dem Boaz an den Start gehen soll. Es gewann der Song "The Fire In Your Eyes", der sich anhört wie die Art von Musik, wegen der manche Leute morgens ihre Radiowecker aus dem haus werfen. Nach lauten, schiefen Töne kommt erstmal jede Mange Schmalz. Sowas schmiert man sich vielleicht auf den Frühstückstoast, möchte man aber definitiv nicht hören.
Irgendwann öffnet sich das Lied und wird zu einer berechenbaren flotten Ballade, so wie sie in sehr kitschigen Filmen bei Umarmungsszenen gespielt wird.

Und dann, wenn man denkt, dass das alles endlich ein Ende hat, geht es nochmal von vorne los, bloß etwas kürzer und statt auf Hebräisch auf Englisch.
Jetzt versteht man zwar, was der Kerl (der ein bisschen aussieht wie ein Möchtegernrapper, der von seinem Management gezwungen wird Popschnulzen zu singen) von sich gibt, aber das Lied gefällt mir trotzdem nicht besser.

Nachdem der erste Song einsprachig war und der zweite Song in zwei Sprachen von sich gegeben wurde, folgt nun also Lied Nummer drei. Und, Überraschung, es wird auch in drei Sprachen gesungen.
Aber keine Sorge, das ist keine neue Regel beim Song Contest - Lieder müssen nicht in so vielen Sprachen gesungen werden, wie ihre Startnummer anzeigt. Irgendwann wäre das ganze eh albern geworden.

Estland schickt jedenfalls Kreisiraadio mit "Leto Svet" ins Rennen.
Das klingt allein schon vom Namen her klingt wie ein angeheiterter Holländer, der mir auf englisch sagen möchte, dass sein Radio spinnt ("Me Radio is kreisi!") und mich daraufhin zum schwitzen einlädt.

Denn: Let os svet = Let us sweat!

Das ganze wird auch nicht viel besser, wenn man sich den eigentlichen Künstler und sein Lied antut:
Ein verschwitzter Kerl mit Mittelscheitel und langen, fettigen Haaren wandert in eklig-blauem Sakko über die Bühne, klatscht einem Typen in schwarzem Pulli und einem verkappten Butterfahrtenmoderator in eitergelbem Anzug und totem Pudel auf dem Kopf ab und singt andauernd das selbe. Nachdem Serbisch und Finnisch durchgenudelt wurden, erklärt sich dem gewöhnlichem, deutschem Ohr auch endlich, was da denn so grenzdebil von sich gegeben wird:

Sommer Licht
Das ist Sommer Licht

Sommer Licht

Das ist Sommer Licht


Wir werden wohl nie erfahren, ob eigentlich das Adjektiv "sommerlich" gemeint war, oder die drei Herren uns auf die sommerliche Helligkeit der hoch stehenden Sonne aufmerksam machen wollen. Jedenfalls explodiert dann irgendwas auf der Bühne, halbnackige Blondinen tanzen einen vereinfachten (!!) Sirtaki und dann verbeugen sich alle vor dem Publikum.

Und just in dem Moment, in dem man denkt, dass man sich nun nach dem unauffälligem Lied und der ätzenden Schmalzballade auch die dritte klassische Art eines Eurovision-Songs angetan hat (der strunzdämliche Idiotensong, der dank Multikulti-Text auf Stimmen aus mehreren Ländern hofft), geht das Lied noch eine Minute weiter. Herzlichen Glückwunsch Estland, ihr habt mir bereits jetzt die Lust auf den ESC genommen.

Übrigens: Einer der drei Männer moderiert die estländische Variante von "Wer wird Millionär", ein weiterer ist Schauspieler und der letzte ist Dirigent und TV-Moderator.
Vielleicht sollten wir auf den Zug aufspringen und nächstes Jahr Günther Jauch, Martin Semmelrogge und (um die Siegeschancen zu erhöhen) Stefan Raab zum Songcontest schicken. Das wäre doch Mal was.

Moldawien lässt im Anschluss das Niveau wieder steigen. Geta Burlacu singt "A Century of Love", eine im verführerischen Mix aus Blechblasmusik und südeuropäischen Rhythmen gehaltene Ballade, die schon zig Jahrzehnte auf dem Buckel haben könnte.
Nach einem viel versprechenden Anfang wird es leider gegen Ende etwas langweilig und im Video auf der offiziellen ESC-Seite übersteuert auch das Mikro, was bei der Liveshow nicht passieren dürfte. Bessere Technik verlangen oder leiser singen, sag ich da.

Mit Newcomer San Marino auf Startposition 5 möchte ich den heutigen Eintrag beenden. Das Land, das die Herzen vieler Filmfans mit seinen fantastischen Briefmarken höher schlagen lässt, wird von der Band Miodio vertreten, die auf italienisch das Lied "Complice" singen wird.

Die Band ist noch recht jung (ihre erste EP wurde 2006 veröffentlicht) und hat einen recht schräg singenden Frontman. Das versucht man anscheinend mit eng anliegenden, schwarzen Designeranzügen wett zu machen. Klappt aber nicht.

Die sehr schwermütig-deprimierende Rockballade mag auf italienisch schon einen gewissen Reiz haben (hier in Deutschland kennt man auf italienisch sonst nur schmierige Ramazotti-Balladen sowie sommerlich-leichte Liede), erinnert jedoch frappierend an The Cults "Painted On My Heart", dem Titelsong zum von Jerry Bruckheimer produzierten Nicolas-Cage-Streifen Nur noch 60 Sekunden (welcher ein Remake von Die Blechpiraten ist).
Und dieser Song hat wesentlich mehr Drive und ist dank der einvernehmenden Stimme des Sängers auch wesentlich packender.

Das waren also die ersten fünf Lieder für den Eurovision Song Contest - morgen geht es weiter. Wir dürfen gespannt sein, was Belgien dieses Mal aus der Hinterhand zaubert.

That Guy With The Glasses

Aufmerksame Leser haben vielleicht schon bemerkt, dass ich euch die 5 Second Movies und die Kritiken vom Nostalgia Critic nahe lege. Und wer sich auch seine YouTube-Channels durchgeguckt hat, weiß, dass "That Guy With The Glasses" (der Macher dieser Reihen) schon öfter Probleme mit YouTube hatte. Doch dies hat nun ein Ende:



Besucht! Diese! Seite!

Sonntag, 20. April 2008

Neue Artikelreihe: Eurovision 2008


Es gibt nur wenige Konstante in einem Fernsehjahr. An Silvester läuft Dinner for One, um Punkt 20 Uhr kommt die tagesschau und Thomas Gottschalk schafft es nicht, Wetten Dass pünktlich zu beenden.

Eine weitere Tradition gibt es aber noch: Den Eurovision Song Contest, einst landläufig bekannt unter dem Namen Grand Prix Eurovision de la Chanson, jenen alljährlichen Liederwettbewerb, der an einem Abend im Jahr Europa (und Umgebung) näher zusammen rücken lässt. Um über die Kostüme der Sängerinnen und Sänger zu lästern, darüber zu schimpfen, dass manchen Ländern anscheinend gar nichts neues mehr einfällt und sich zu wundern, wieso die Outfits der Frauen auch immer mehr zeigen.

In einem Monat, also am 20. Mai 2008, wird um 21 Uhr der NDR das erste von zwei Halbfinals übertragen. 4 Tage später wird die ARD das große Finale übertragen, und da dieses Jahr mehr Länder teilnehmen als je zuvor kann man mit einem langen Abend rechnen.

Bis zum großen Finale werde ich mich hier durch sämtliche auf der offiziellen Seite auffindbaren Beiträge kämpfen und sie mit dem von mir gewohntem Ernst und Respekt verreißen, äh, besprechen.

Bislang habe ich den ESC ja immer "unbefangen" gesehen, kannte nur den deutschen Beitrag und vlt. noch Ausschnitte von anderen Beiträgen, die die Medien vor der Sendung breitgetreten haben.
Dieses Jahr möchte ich das Experiment aber mal durchgehen und sehen wie die Show denn so auf mich wirkt, wenn ich die Lieder bereits kenne. So manches Stück wird ja nach wiederholtem Hören besser, andere Songs dagegen (noch) schlechter.

Ich bin gespannt.

"Pulp Fiction" made in Germany

Zwar schon ein bisschen älter, aber da sich das Video noch nicht ganz so weit verbreitet hat, wie die Macher es sicherlich gerne hätten, präsentiere ich es euch einfach Mal.

Zwei bekannte deutsche Persönlichkeiten verarbeiten hier Pulp Fiction. Statt die USA mit Holland zu vergleichen, sprechen sie hier über die Unterschiede zwischen Deutschland und Mallorca:



An sich ganz originell, wenn auch etwas zu lang. Die Werbung wurde übrigens als virales Marketing geplant: Anstatt Werbezeiten zu buchen, wird der Clip ins Internet gestellt und dann wird abgewartet.
Mit diesem Blogeintrag habe ich also Leibniz' Willen erfüllt. Aber mir ist das egal. Außerdem kann ich nur so erwähnen, dass ich beim ersten Ansehen dieser Werbung dachte, es ginge um Versicherungen oder ein Reisebüro. Weil ja so lange über Riester und Abwechslung gelabert wird. ;-)

Es gibt auch ein zweites, etwas eindeutigeres Video:



Na denn... guten Appetit!

Samstag, 19. April 2008

Sind Eigenproduktionen noch dazu fähig ein Kinohit zu werden?

Deutschquote. Auch wenn die Diskussionen um ein Minimum an deutschsprachigen Liedern im Radio längst wieder abgeebnet sind, so ist die Frage nach dem Stand der deutschen Produktionen in der Welt der Unterhaltungsmedien weiterhin aktuell. Sowohl in der Musik, wo in den vergangenen Jahren der deutschsprachige Gesang ein Revival erlebt, als auch im Filmbereich. Obwohl mit Der Schuh des Manitu und (T)Raumschiff Surprise - Periode 1 gleich zwei deutsche Megablockbuster innerhalb dieses Jahrzehnts entstanden, so wandelte sich der deutsche Kinomarkt und nicht nur die Kinolust generell sank, sondern auch die Lust auf deutsches Kino.

Aber auch aus dem Ausland hört man immer wieder Stimmen, wie übermächtig Hollywood in Zeiten der Filmpiraterie wurde. Denn während man einen riesigen Actionblockbuster lieber im Kino sieht, als mies gebrannt auf dem heimischen PC, so sind eigenheimische Dramen und Komödchen nicht gerade Filme, die einen Filmpiraten aus dem PC-Sessel hieven.

Jedoch stellt sich an dieser Stelle auch die Frage, ob diese simplen, immer wieder im vorbeigehen erhaschten Behauptungen, die nationale Kinoindustrie hätte arge Probleme, denn auch wirklich stimmen. Viel zu oft werden irgendwo Probleme behandelt, wo keine sind - mit teils chaotischen Ergebnissen.

Wie es dem deutschen Marktanteil im Kino ergeht lässt sich schnell herausfinden. Die deutsche Webseite Insidekino.de listet die deutschen Besucherzahlen auch in Jahresbestenlisten auf. Und die FFA errechnet in ihrem Jahresbericht nicht nur die Gesamtbesucherzahl auf, sondern auch den prozentualen Anteil von deutschen Produktionen an den Kinobesuchen eines Jahres.

Und um es kurz zu machen: Wenn man nach dem Marktanteil deutscher Produktionen an der gesamten Besucherzahl geht, so ist jegliche Sorge um den deutschen Film passé.
In den Jahren 2002 bis 2007 stieg der deutsche "Marktanteil" von 10,2% auf 21% an, Tiefpunkt zwischen diesen Jahren war 2005 (14,4%), im Jahr darauf gab es einen Ausreißer nach oben (26,2%).
In den 90er Jahren betrug der deutsche Marktanteil insgesamt 9,5%, bestes Jahr war 1996 mit 19% (in diesem Jahr lief Knockin' on Heaven's Door im Kino), das schlechteste Jahr war 1998 mit 6,7%, die man hauptsächlich dem einzigen deutschen Hit in diesem Jahr, Lola rennt, zu Verdanken hatte.

Auch wenn man noch weiter in die Zeit zurückgeht, sieht die derzeitige Quote eher beeindruckend, denn fürchterlich aus: Seit 1972 wurde bis einschließlich 2003 in nur drei Jahren die 20%-Hürde übersprungen. Seit 2003 wurde sie drei weitere Male überwunden.
Die aktuellen Zahlen knicken nur dann ein, wenn man sie mit 1968 bis 1971 vergleicht, als der deutsche Film zwischen 35% und 69% des Kinomarktanteils für sich einnahm.

Nun kommen aber sicherlich wieder jene Nörgler auf, die behaupten, dass der aktuelle Kinomarkt nicht so leicht mit dem von früher zu vergleichen sei. Der Kinomarkt ist generell schwächer, da sei es für den deutschen Film auch leichter, mehr Anteile an diesem schwachen Geschäft zu erreichen.

Ich möchte erwidern. Wieso sollte der schlechte Kinomarkt dem deutschen Film zu gute kommen? Ja, die Besucherzahlen sind rückläufig, und ja, das ist ein Grund zum klagen. Doch wenn die Leute allgemein weniger ins Kino gehen, sind deutsche Filme genauso sehr betroffen wie Hollywoodfilme - oder sogar aus den oben genannten Gründen noch mehr. Dass der Marktanteil steigt hat also nichts mit den niedrigeren Besucherzahlen zu tun. Rein theoretisch müsste der Marktanteil ja eher gleich bleiben, anstatt zu steigen.

Es muss also andere Gründe geben. Durchaus in Erwägung zu ziehen ist, dass nun viel mehr Filme ins Kino kommen, mitunter auch mit hohem Werbebudget - vor allem seitens der Privatsender. Dies kann durchaus den Eindruck verfälschen - der deutsche Film an sich ist nicht wirklich stärker, sondern einfach nur weitläufiger geworden.

Deshalb sollte man neben dem Marktanteil auch die Kinojahreshitlisten begutachten. In der Theorie könnte der deutsche Film so hohe Marktanteile erreichen, ohne dass es auch nur einen einzigen Hit aus Deutschland gab. Man muss ja nur genug Filme veröffentlichen.

Lasst uns deshalb einige Kinojahre begutachten. Wieviele Besucher hatten die erfolgreichsten Filme des Jahres, wo befinden sich die besucherstärksten deutschen Filme?
Die Top 10 von 2007 sind zum Beispiel recht enttäuschend - obwohl 2007 ein hervorragendes Filmjahr war, bewegen sich die Top Ten der Besucherhitliste bloß zwischen 7 und 2,4 Millionen Zuschauern. Erfolgreichster deutscher Film war Keinohrhasen mit nahezu 6 Millionen Besuchern (und Platz 4 in den Jahrescharts), und diese magische Marke wird er im Laufe des kommenden Kino-Openair-Sommers sicher noch brechen. Die wilden Kerle 4 sind mit 2,4 Millionen Zuschauern der zweiterfolgreichste deutsche Film 2007 und auf Platz 10 der Jahrescharts.

2006 war, wie weiter oben bereits erwähnt, ein besonders gutes Jahr für den deutschen Film: Das Parfum, 7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug und Deutschland. Ein Sommermärchen lockten 5,5 bzw über 3,5 Millionen Leute ins Kino. Und Das Leben der Anderen schaffte 2,3 Millionen Zuschauer und ist trotzdem "nur" auf Platz 11 der Jahrescharts.

Im Jahr 2005 dagegen gab es wirklich ein Bild, wie es viele Nörgler generell vermuten: Nur ein Film (Die weiße Massai) schaffte es über 2 Millionen Zuschauer zu erreichen. Die 14,4 % Anteil des deutschen Films am Kinomarkt 2005 ist insgesamt der Masse zu verdanken. Acht Filme erreichten ein Publikum zwischen 1,5 und 1 Million Zuschauer, 17 weitere Filme landeten in den Top 150 des Kinojahres.
Über das Jahr 2004 muss gar nicht weiter diskutiert werden: 3 der fünf erfolgreichsten Filme des Jahres stammten aus Deutschland: (T)Raumschiff Surprise - Periode 1 (9,1 Mio.), 7 Zwerge (6,7 Mio.) und Der Untergang (4,6 Mio.).

Dies kann man noch lange weiterführen: 2003 gab es mit Goodbye, Lenin, Das Wunder von Bern und Luther drei große deutsche Hits, während 2002 mit Bibi Blocksberg (2,2 Mio.) etwas schlechter dasteht, vor allem im Vergleich mit 2001 (Der Schuh des Manitu, 11,7 Mio. Zuschauer, die deutsche Koproduktion Die zauberhafte Welt der Amelie lockt über 3 Millionen ins Kino).

Und so weiter, und so weiter: Nur 2000, 1998, 1995 und 1992 schafft es kein deutscher Film über die 3 Millionen-Grenze - der größte deutsche Hit von 1992 (Otto - Der Liebesfilm) kommt mit seinen 2,9 Millionen Besuchern trotzdem in die Top Ten des Jahres. Und schon sind wir wieder in den 80ern, in denen nur zweimal kein deutscher Film mehr als 3 Millionen Zuschauer (das Minimum um eine "goldene Leinwand" zu erhalten - das Statussymbol für Publikumserfolg) hatte. Und 1987 reichten den Supernasen Mike Krüger und Thomas Gottschalk ihre 2,7 Millionen Besucher aus um auf Platz 6 der Jahrescharts zu gelangen.

Um den deutschen Film steht es also keineswegs schlecht - er hatte nie größere Probleme. Zumindest wirtschaftlich.



Und auch im restlichen Europa stehen eigene Produktionen unter einem guten Stern, vor allem in den osteuropäischen Staaten und Frankreich. Dort räumt momentan "Bienvenue chez les ch'tis" an den Kinokassen ab wie kaum ein Film zuvor. Mit 18,57 Millionen Besuchern steht die Komödie derzeit nur noch hinter Titanic (20,7 Mio.).

Nationale Produktionen werden also einfach nur unterschätzt - vor allem Komödien locken immer wieder Zuschauer in die Kinos. Wenn man sich also Sorgen machen möchte, dann eher um die Qualität oder Vielfältigkeit des nationalen Kinos. Denn dort gibt es tatsächlich bei uns in Deutschland ein gewisses Problem. Das ist jedoch nicht sonderlich neu.