Mittwoch, 30. April 2008

Irgendwelche Wünsche für den Mai?

So, ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs einen guten Start in den Mai. Vorsicht ist geboten, denn nun schlagen die Bäume wieder aus.

Aber egal, ob ihr euch nun in den Tag der Arbeit rauft, in den Vatertag sauft oder purzelnd vom Dach stürzt, weil ihr Maiherzen aufhängt - oder einfach nur unter einem Maibaum den neuen Monat begrüßt: Lasst es euch gutgehen und bleibt uns auch im Mai treu. Auch alldiejenigen, die auf einem Hexenberg herumgeistern.

Ich entlasse euch nun in den nächsten Feiertag - und zwar mit Symphonic Metal aus der Anfangszeit dieses Jahrzehnts:

Nightwish besteht aus bekennenden Disney-Fans und widmete auf dem Album "Wishmaster" der Company einen Song.

Frohen Mai!

Dienstag, 29. April 2008

Planet Terror - 2-Disc Limited Collector's Edition

Der Film:

Ein lüstern waberndes Saxophon erklingt, sanft gibt ein Schlagzeug den Takt vor. Gitarren heizen die Stimmung weiter an. Die Stimmung explodiert förmlich, als eine verführerische Brünette im roten Leder-BH und goldenem Minirock das Bild betritt. Leidenschaftlich tanzt sie zur Musik - oder folgt die Musik den leidenschaftlichen und feurigen Bewegungen dieser wohlgeformten Tänzerin?
Sie zeigt ihre Kurven, weiß ihren Körper einzusetzen, kokettiert mit den schmutzigen Gedanken der männlichen Zuschauer, räkelt sich im anrüchig-sinnlichen Rotlicht, das die Bühne nicht mehr als nötig beleuchtet.
Dieser Vorspann knistert nur so vor Erotik. Wortwörtlich. Der Film ist kurz vor'm durchbrennen, so heiß ist die uns bislang unbekannte Frau auf der Bühne. Das Bild springt, hat Aussetzer. Der Ton knistert frivol, Dreck aus dem ungepflegten Projektorraum setzt sich an dem Zelluloid fest. Die Farbe ist verwaschen, zieht den Zuschauer in einen Bann. Der Reiz des Schmutzigen, des Verbotenen.


Es gibt Filme, die automatisch Kult sind. Darunter auch das gemeinsame Kinoprojekt von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez: Grindhouse. Seinen Ursprung hat dieses Projekt in den Billigkinos Amerikas. Zumeist Bruchbuden, die ihre Zuschauer mit Double Features lockten und Filme zeigten, die nicht in den größeren Kinos anliefen. Filme voller Gewalt, Sex, Drogen, seltsamen Dialogen und schrägen Typen.

Dieses Erlebnis ahmt Filmfan Quentin Tarantino noch heute in seinem Heimkino nach. Mit kleinen Filmchen und Trailern spult Tarantino die abgenutzten Filmrollen ab. Tonaussetzer, desaströse Farben und zahlreiche Dreckspuren sorgen für ein ganz anderes Filmerlebnis.

Und so kam 2003 den engen Freunden Rodriguez und Tarantino die Idee gemeinsam ein Double-Feature namens Grindhouse zu drehen. Ein Film, der die kleinen Kinos und ihre an den Haaren herbeigezogenen Streifen Tribut zollt - und sie auch übertrumpft. "Die Poster (für Grindhouse-Filme) waren so viel besser als die Filme, doch wir machen nun etwas, das sich mit den Postern messen kann!", erklärte Rodriguez in einem Interview.

Anfangs sollten die zwei Filme, die zusammen mit Fake-Trailern Grindhouse ergeben würden, 45 bis 60 Minuten dauern. Doch im Laufe der Skript- und Planungsphase mutierten die Episodenfilmchen zu eigenständigen Spielfilmen in voller Länge.

Grindhouse wurde zum 215-minütigen Mammutfilm, der Hype nahm riesige Formen an. Die Trailer waren großartig, die Poster mehr als nur vielversprechend. Hervorragende Kritiken ließen Filmfans immer heißer auf Grindhouse werden.

An den Kinokassen erfüllte Grindhouse leider nicht die Erwartungen, doch dies machte seinem Kultfaktor keinen Abbruch. Grindhouse gehört nicht dem Massenpublikum. Er gehört den Cineasten, den Genrefans und Filmliebhabern, den Verehrern Tarantinos und Rodriguez'.

Aus Angst, Nicht-Amerikaner könnten den Sinn hinter Grindhouse nicht verstehen, wurde der Film zweigeteilt.
Rodriguez' Hälfte heißt Planet Terror und zeigt erneut, wieviel der Texaner als Regisseur auf dem Kasten hat.

Der Film ahmt nicht nur den Look abgenutzter 70er und 80er-Jahre B- und C-Movies nach, sondern setzt diese Grindhouse-Effekte mit Bedacht, Sinn und Verstand ein. Wie im oben beschriebenen Intro des Films: Es ist oberflächlich gesehen eine stupide Zuschaustellung von optischen Reizen. Sex sells.

Das Intro nimmt die eh vornehmlich männliche Zuschauerschaft ganz und gar für sich ein - auf eine Art und Weise, wie sie aus einem echten Grindhouse-Film stammen könnte. Die Bildfragmente, Tonstörungen und der schief dahinknatternde Film verstärken den Eindruck, einen Film aus der hintersten Ecke eines eingestaubten Kinos zu sehen.

Aber auf der Metaebene korrespondieren die "Fehler" mit dem Inhalt des Films. Als sich die von Rose McGowan verkörperte Figur Cherry Darling nach vorne lehnt und fast nur noch ihr Dekolleté von der Kamera eingefangen wird, erfüllt ein riesiges Brandloch das Bild, aufwändigere Tanzschritte haben ein verstärktes Aufkommen von Farbfehlern oder einem verschobenen Bildausschnitt zu Folge und in dem Moment, in dem die Musik förmlich zu glühen beginnt und ein genialer Einfall seitens der Kameraführung (auf den wohl kein echter Grindhouse-Regisseur gekommen wäre) dem Zuschauer noch mehr Erotik vorgaukelt, als auf dem Bild eh schon vorhanden ist, springt die Filmrolle fast aus ihrem Projektor.

Diese Metaebene zieht sich durch den gesamten Film, und sorgt dafür, dass die künstlichen Abnutzungseffekte dem Film nicht nur seine Schmuddelatmosphäre verleihen, sondern ihm auch einen eigenen, verschrobenen Filmliebhaberhumor geben. Ganz zu schweigen von diesem subtilen Schleier des Anspruchs - den es so in einem Zombiehorrorsplatteractionmovie eigentlich nicht gibt.

Die Effekte im Intro unterstützen die Figur der Cherry Darling. Sie ist eine gut aussehende Frau mit Humor, zweifelsohne. Doch dadurch, dass ihr Tanz sogar das Zelluloid, auf dem er gebannt wurde um den Verstand bringt, wirkt sie wie die ultimative sexy Teufelsbraut.
Im restlichen Film finden sich weitere Einsätze der Abnutzungserscheinungen. So werden z.B. Szenen, die vor lauter Anspannung und düsterer Atmosphäre knistern und das Publikum in Erwartung eines Schockeffektes erschaudern lässt von verstärkten Bildproblemen begleitet. Der Horror entsteht dadurch, dass das Publikum etwas erwartet, es aber noch nicht sieht. Nun sieht es aber noch weniger, als es in einem normalem Film der Fall wäre.

Eine anderer, subtilerer Effekt, ist in Szenen zu beobachten, in denen Figuren eine Schnitt- oder Hack-Bewegung mit ihren Händen simulieren. Hier lässt sich beobachten, wie Teile von Einzelbildern abgeschnitten wurden, und die Filmrolle recht unbeholfen vom (vermeintlichen) Vorführer wieder zusammengeklebt wurde.

Natürlich beschränkt sich die weitergesponnene Hommage an Grindhouse-Filme nicht nur in einzelnen Szenen und dem Look des Films. Auch die Geschichte ist völlig an den Haaren herbeigezogen und simpel zusammen geschustert. Wie es sich für Grindhouse ja auch gehört.

Planet Terror handelt von der Go-Go-Tänzerin Cherry Darling, die ihre Stelle kündigt und nach einem neuen Sinn in ihrem Leben sucht. In JTs Barbeque-Restaurant "The Bone Shack" - welches laut JT (Jeff Fahey) das beste Barbeque von Texas anbietet - begegnet sie zufällig ihrem etwas eigenen und zerknautscht-mürrischen Exfreund Wray (überzeugend in seiner ersten Actionrolle: Freddy Rodriguez). Dieser bietet ihr an, sie zurück in die Stadt zu fahren. Auf dem Weg dorthin werden sie jedoch von Sickos angefallen - Menschen, die durch ein im nahe gelegenen Militärcamp ausgetretenes Gas zu einer nach Fleisch gierenden Art von Zombies mutierten.

Parallel zu dieser Geschichte bekommt das Publikum auch die Medizinerfamilie Block vorgestellt, bestehend aus der Anästhesistin Dakota Block (die charismatische Marley Shelton), ihrem Mann Dr. William Block (besonders mürrisch: Josh Brolin) und ihrem Sohn. Dakota und William haben an diesem Mittwoch die Nachtschicht im Krankenhaus der Stadt, wo ihnen mehr und mehr seltsame Fälle von Entzündungen und seltsamste Todesfälle begegnen. Zugleich sieht sich das Ehepaar großen Beziehungsproblemen ausgesetzt. William Block traut seiner Frau nicht mehr, Dakota fürchtet aufgrund der psychopatischen Ader ihres Mannes um ihr Leben.
Als sich die Sicko-Plage weiter ausbreitet treffen die Protagonisten noch auf die Polizisten der Stadt, darunter Sheriff Hague (Michael Biehn), JTs gestrengen Bruder.

In bester Grindhouse-Manier wird diese große Menge an Charakteren nach und nach zusammengewürfelt, um dann als letzte Hoffnung für die Menschheit gegen die Zombies und gegen übergeschnappte Soldaten zu kämpfen.

Der Titel "Planet Terror" hat allerdings, wenn überhaupt, nur sehr wenig mit dem Film zu tun. Viele Verleiher verpassten ihren Filmen seinerzeit völlig hochtrabende Titel, die andere Storys versprachen, als sie geboten wurden. Und als Hommage an das Grindhouse-Kino von anno dazumal wählte auch Robert Rodriguez einen leicht irreführenden Titel.

Die eigentliche, an den Haaren herbeigezogene, Geschichte von Planet Terror bietet mit ihrem (absichtlich) einige Nummern zu großen Figurenrepertoire jede Menge schwarzen Humor, verschrobene Spannung und hanebüchene Action mit einem überdeutlichen Augenzwinkern. Dabei spielt es keine Rolle, wie bewandert man nun im Zombie-Action-Horror-Thriller-Splatter-Genre bewandert ist, so lange man weiß, dass der Film absichtlich sinnlos ist, hat man beim Anblick dieses Streifens eine unbändige Freude. Wobei Kenner natürlich durch direkte Zitate, Anspielungen und Gastauftritte immer ein kleines bisschen mehr Spaß haben werden.

Dabei muss man nicht Mal die Zombie- und Horrstreifen der 70er bis 80er Jahre kennen, um Details zu erkennen, die dem normalen Zuschauer verwehrt bleiben. Auch Vorkenntnisse der Werke von Tarantino und Rodriguez erhöhen den Spaßfaktor:
Wer etwa niemals Kill Bill oder From Dusk Till Dawn sah wird wohl kaum mit großen Augen den Auftritt des Schauspielers Michael Parks betrachten - und nur Kenner von Rodriguez 7.000-Dollar teuren Film El Mariachi werden bei der Vorstellung von den Assistenten des Sheriffs verstohlen grinsen.

Generell ist Rodriguez' Beitrag zum Grindhouse-Projekt mehr die Mordsgaudi (bei dem Bodycount des Films gerne auch wörtlich zu nehmen), der heiter-frivole Beitrag, der die Sinnlosigkeit und Verdorbenheit des Gammelkinos zelebriert. So wundert es auch nicht, dass hier (im Gegensatz zu Tarantinos anspruchsvolleren Death Proof) auch keine schauspielerischen Akzente gesetzt werden. Der große Cast hat hier einen riesigen Spaß, füllt die Charaktere mit Leben und hat aufgrund der freien, gesetzeslosen Art des Films auch sichtbare Spielfreude. Besondere Tiefe im Spiel würde aber wieder das Konzept zerstören.

Besonderes Lob hat sich dennoch der Star des Films, Rose McGowan, verdient, die ihr eine auf den leib geschneiderte Rolle ausfüllen darf und mit Cherry Darling ihre Paradefigur durch die Zombiemengen schießen darf.
Allein schon das Poster des Films lebt allein schon von ihr und dem irren visuellen Einfall, ihr eine MG als Beinprothese zu verpassen. Dieser Gag wird niemals alt.

Planet Terror ist ein kultiger Spaßfilm, und auch wenn er auf seiner Metaebene auch zahlreiche helle Momente hat, so geht es hier um derbe Gags, blutige Action und B-Movie-Suspense. Deshalb ist Planet Terror für sich betrachtet eine Unterhaltungsgranate, aber auch der Grindhouse-Part der wesentlich stärker von seinem "Gegenpart" profitiert.
Tarantinos Death Proof besteht auch ohne den Grindhouse-Rahmen den Test und verliert nur Minimal an Reiz.
Deshalb sollte man sich am besten gleich beide Filme anschaffen (und auch zusammen gucken).

Die DVD:

Planet Terror erschien in Deutschland in (bislang) 3 Fassungen: Als ungeschnittenes Verleih-Steelbook, als um knapp 7 Minuten gekürztes Verkaufs-Steelbook (in dieser Fassung fehlen der Fake-Trailer Machete, zahlreiche Gewaltspitzen sowie einige Dialoge und Gags) sowie als ungeschnittene sowie limitierte 2-Disc-Edition.

Die 2-Disc-Edition befindet sich, genau wie Death Proof in einer stylischen Metalldose mit passendem Grindhouse-Design. Während die Box zu Death Proof eine Öl- oder Benzinkanne darstellt, ist Planet Terror einer Munitionsbox nachempfunden.

In der Box befindet sich ein Papp-Digipack, welches das Themening perfekt weiterführt und außerdem eine Postkarte (mit dem DVD-Cover) und die zwei DVDs beinhaltet. Die DVD-Oberschichten entwickeln bei Berührung einen Eigengeruch. Faszinierend ist, dass man fünf Leute um die DVDs versammeln kann, und jeder etwas anderes riecht.
Meiner Meinung nach ist es der Geruch leicht abgestandener BBQ-Soße, andere vermuten Leder, Schießpulver oder mit Schießpulver bedecktes Leder. Andere vermuten die Chemiekeule, die im Film die Epidemie auslöste.

Außerdem befinden sich in der Box ein ziemlich sinnloses, aber faszinierendes Blood-Pack. Es ist wie eine Lavalampe. Je länger man darauf guckt, desto gebannter ist man davon.
Für diejenigen, die kein Kunstblut herumdrücken wollen gibt es letztlich noch ein Stück Karton, auf dem das Rezept für JTs Barbequesoße abgedruckt ist.

Bild, Ton, Bonusmaterial:

Das Bild ist gestochen scharf - so weit man das bei diesem Film überhaupt sagen kann. Selbiges gilt auch für den Ton, den es auf deutsch in DTS 5.1 und Dolby 5.1 gibt. In diesem Format ist auch die englische Tonspur gehalten.
Das Bildmaster auf der DVD ist ein deutsches - was manche Leute ziemlich abnervt, da sie den Film auf englisch sehen wollen und dann mit deutschem Bild konfrontiert werden. Meiner Meinung nach ist es dagegen löblich, da ich mich bei vielen Filmen darüber ärgere, dass ich im Kino noch deutsches Bild hatte, nun aber nicht mehr. Wer Filme eh nur im O-Ton guckt, kann auch direkt importieren.
Aber das ist halt Geschmackssache.

Auf Disc 1 beherbergen sich neben dem Film noch Robert Rodriguez' launischer und zugleich informativer Audiokommentar sowie eine Audiospur mit texanischem Kinopublikum. Leider gibt es nicht sehr viel von dem Publikum zu hören, was daran liegt, dass das Publikum die kürzere Grindhouse-Fassung sah, auf der DVD aber die internationale Langfassung enthalten ist. Da hat die Publikums-Audiospur bei Sin City mehr Spaß gemacht.
Außerdem gibt es eine kleine Galerie, und je einen deutschen Trailer zu Death Proof und Planet Terror.

Besonders erwähnt werden sollte noch, dass der völlig schwachsinnige, und gerade deshalb so geniale Fake-Trailer Machete ebenfalls auf dieser DVD ist. Für die anderen Fake-Trailer hat es jedoch leider doch nicht gereicht.

Auf Disc 2 befindet sich das restliche Bonusmaterial.

Die 10-Minuten-Filmschule ist wiedermal länger als ihr Titel verspricht und bietet ein informatives Making-Of, das zeigt, wie Robert Rodriguez seine Filme dreht. Und da der Kerl so viel wie möglich selbst und möglichst schnell macht erklärt sich auch, warum seine Filme so niedrige Budgets haben.
Die zwei Featurettes "Die Girls von Planet Terror" bzw. "Die Jungs von Planet Terror" zeigen in 11 bzw. 16 Minuten kurz und knapp, was die Darsteller zu ihren Figuren zu sagen haben und welche Entscheidungen hinter ihrem Casting stehen.

"Casting Rebel Rodriguez" ist ein etwas trockener 5-Minüter darüber, dass der Regisseur seinen Sohn in den Film steckte.
13 Minuten lang klärt ein weiteres Extra über die Stunts auf. Und im letzten Extra "Der Freund, der Arzt und der Grundstücksmakler" gibt es einen weiteren, sehr unterhaltsamen Blick, auf Rodriguez' sehr eigensinnige Castingentscheidungen - die sich aber mal wieder voll und ganz auszahlten.

Fazit:

Planet Terror ist ein derber Mordsspaß mit herrlicher Ironie, der vor Testosteron und Ideen nur so überspritzt. Wer sich diesen genialen Film in der Langfassung ansehen möchte, sollte sich diese liebevoll gestaltete DVD-Veröffentlichung nicht entgehen lassen. Besonders zusammen mit dem genauso großartig auf DVD präsentierten Death Proof ist stundenlanger Spaß an postmodernem, selbstreferenziellem Kino garantiert. Und obendrein sieht das alles im DVD-Regal obercool aus.

Montag, 28. April 2008

Shopping mit Sir Donnerbold: Der Mai und die Liebe

Kennen Sie das? Sie laufen bequemlich durch ihre Wohnung, und urplötzlich sehen Sie Ihren Kalender, nur um festzustellen, dass der April auch fast wieder vorbei ist?

Ja, meine Damen und Herren. Der erste Mai naht unaufhaltsam! Und dies ist nicht nur der Tag der Arbeit und in diesem Jahr auch Vatertag. Nein, nein. Der erste Mai ist auch der Tag im Jahr, an dem in vielen Teilen Deutschlands junge Männer zu dem Haus ihrer Geliebten fahren und unter ihrem Fenster ein Maiherz aufhängen. Oder aber auch einen geschmückten Baum neben die Haustür stecken.

Doch was ist, wenn Ihnen erst jetzt einfällt, dass ja bald der erste Mai ist, und Sie keine Zeit mehr haben, für ihre Geliebte ein Herz zu basteln? Und Sie dennoch Ihre Verehrte für sich gewinnen möchten?

Nun, bangen Sie nicht weiter. Denn Sir Donnerbolds Bagatellen-Laden weiß abhilfe zu schaffen!

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Das ist doch viel, viel origineller als so ein schnödes Maiherz! Und erfolgversprechener ist es erst Recht. Vor allem wenn Sie oder Ihre Geliebte nicht von der Maiherztradition weiß.

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Tun Sie's für die Liebe!
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Sir Donnerbold distanziert sich hiermit von sämtlichen dunklen Machenschaften, die von den Betreibern des Sir Donnerbolds Bagatellen-Laden ausgehen. Lieferung ist nicht garantiert. In Schaltjahren herrscht die Tradition, dass die Frau ihren Verehrten mit einem Maiherz überrascht. Menschen, die auf Disney-Insider-Anspielungen allergisch sind, sollten Kontakt zum Stauten- und Relief-Set Griechische Musen vermeiden. Wer im Internet öffentlich seine Kontonummer preisgibt, gehört geohrfeigt.
Sir Donnerbold warnt davor, Kleingedrucktes zu lesen, es könnte Ihren Augen schaden.

Freitag, 25. April 2008

JJ Abrams produziert "Hot for Teacher"

Wie ComingSoon.net meldet, wird JJ Abrams für Paramount Pictures die Komödie Hot for Teacher produzieren. Er soll von drei Jugendlichen handeln, die sich vorgenommen haben, noch vor ihrem High-School-Abschluss entjungfert zu werden. Einer der drei schmiedet einen ganz besonderen Plan: Er möchte mit einer jungen, heißen Lehrerin ins Bett steigen.

Klingt wie mindestens ein halbes Dutzend Filme zuvor? Ja.
Klingt wie ein schlechter, uninspirierter Teenie-Streifen? Nein! Immerhin ist hier JJ "Ich ändere mitten in einer Staffel das Gesamtkonzept einer Serie" Abrams (siehe rechts) am Werk, der Mann der uns Alias, Lost und Cloverfield bescherte. Das ganze kann gar nicht so simpel sein, wie es klingt!

Und tatsächlich... ein Filmindustriespion der nicht genannt werden möchte, verriet exklusiv für Sir Donnerbolds Bagatellen, was noch so in diesem Film passiert:

Der Film Hot for Teacher beginnt tatsächlich so "Down-to-Earth" und simpel, wie er klingt: Die drei Teenager John, Jack und Michael schwören nach einer alkohollastigen Nacht in Jacks Kellerzimmer, dass sie noch vor dem High-School-Abschluss endlich Sex haben werden.
Die drei Außenseiter beginnen darüber zu philosophieren, was sie alles für gute Attribute haben und kommen zu dem Entschluss, dass die holde Weiblichkeit doch eigentlich nach ihren naturbelassenen, weichen und untrainierten Körpern lüstern müsste.

Also steht der Erfüllung des Pakts doch gar nichts mehr im Wege... John ist dies aber zu simpel. Wenn er schon einen Pakt eingeht, muss er auch eine Herausforderung haben. Also schlägt er vor, dass die drei Freunde sich nicht nur vornehmen endlich Sex zu haben. Nein, sie sollen auch vorhersagen, wann, wo oder mit wem sie ihr erstes Mal verleben. Schnell sind die ersten zwei Alternativen vergeben, und so möchteJ ohn seine zwei Kumpels übertrumpfen.
Er nimmt sich vor mit seiner Bio-Lehrerin Ms. Garner zu schlafen, der jungen und besonders heißen Lehrerin, von der die halbe Schule nachts träumt.

Es folgen rund 25 Minuten, wie sie aus einer konventionellen, aber auch recht offensiven Teenager-Komödie stammen könnten. Doch dann nimmt der Film einen so plötzlichen Twist, wie From Dusk Till Dawn damals, als die Bar erreicht wurde. Nur in eine völlig andere Richtung.

Als John eine private Nachhilfestunde von Ms. Garner erhält, erfährt der Zuschauer, dass John teil eines geheimen Soziobiologie- und Medienphilosophie-Experimentes der Organisation SD-Dhrama ist und dazu bestimmt war die Vorteile einer Jugend frei von sexuellen Erlebnissen zu erforschen. Nun, da er jedoch gerade dabei ist dieses Teilexperiment zugrunde zurichten, läuten im unterirdischen Geheimlabor der Organisation alle 108 Alarmleuchten.

Die schwerreiche Lottogewinnerin, drogenabhängige und hochschwangere Geheimagentin Claire Bristow-Sawyersson wird auf Johns Genital angesetzt. Binnen kürzester Zeit erreicht sie den hochstylischen Goth-Technoclub in Berlin, in dem sich gerade John und seine Lehrerin vergnügen, als sich ein Wurmloch auftut und halb Europa verschlingt. Dieses Wurmloch wurde von Johns zukkünftigem, entmannten Ich ausgelöst, welches es fertigbrachte eine geheimnisvolle, schwarze Gewitterwolke in der Form eines von zwei Dreiecken umzingelten Kreises in seine Gewalt zu bringen. Dadurch hat Johns zukünftiges Ich die Macht über Raum, Zeit und sämtlichen Geheimagenten.

John, Johns zukünftiges Ich, Ms. Garner und Johns zukünftiges, von John abgeschnittenes Genital (das geklont wurde und dabei sprechen lernte) fliehen daraufhin nach Hawaii, wo sie jedoch von einer vom Müller-Device verseuchten Fliege angepinkelt werden. Sie werden mit dem Flashback Flashback-Virus infiziert und sind dazu verdammt alle acht Minuten, 15 Sekunden einen Flashback zu haben.

Der dritte Akt des Films unterliegt bislang strengsten Geheimhaltungsvorgaben und konnte deshalb leider noch nicht gespoilert werden. Aber wir halten euch auf dem laufenden!

Donnerstag, 24. April 2008

Walt & El Grupo

Noch bevor Walt Disney den Terminus "Nine Old Men" prägte, gab es "El Grupo" - jende treuen Mitarbeiter, mit denen er nach Südamerika reiste um dem albtraumhaften Streik zu entkommen, ordentlich Hände zu schütteln, die Freundschaft zwischen Nord- und Südamerika zu festigen und auch um die Disneyfilme zu bewerben.
Außerdem entstanden während der "Good Will Tour" die Ideen für die unterschätzten Filmjuwelen Drei Caballeros und Saludos Amigos - zwei Auftragsarbeiten die vor Fantasie und Ideenreichtum nur so platzen.

Ted Thomas (der Sohn von Frank Thomas, legendärem Mitglied der "Nine Old Men" und "El Grupo") drehte nun eine Dokumentation über diese "Good Will Tour" Disneys.

Der Film nennt sich Walt & El Grupo und hat heute, am 24. April, auf dem San Francisco International Film Festival seine Weltpremiere.

Mehr über den Film erfahrt ihr auch hier.

Ted Thomas war auch Regisseur der Doku Frank & Ollie.

Mensch, Dave!



Eddie Murphy hat wohl genug davon in einen Fatsuit zu steigen und versucht wieder wirklich witzig zu sein. Dieser Trailer ist zumindest eine enorme Steigerung gegenüber allem, was ich von Norbit gesehen habe.

Ich frage mich allerdings, wo die Idee zu diesem Film herkommt... Men in Black, anyone?!

Mittwoch, 23. April 2008

Alestorm: Captain Morgan's Revenge

Captain Henry Morgan ist einer der legendärsten Freibeuter.
Der ca. 1635 geborene Engländer kaperte ab 1665 von Jamaika ausgehend spanische Schiffe und sparte seine Beute so lange auf, bis er genug auf der hohen Kante hatte um die Raubzüge in Eigenregie veranstalten zu können - unter Mitwissen und der Billigung des Gouverneurs von Jamaika.
Endgültig ging er in die Geschichtsbücher ein, als er mit geschätzten 1.200 Piraten Panama brandschatzte und somit eine zahlenmäßig überlegene, dort stationierte Legion der spanischen Armee besiegte.

Nachdem der englische König einen Friedensvertrag mit Spanien abschloss, wurde Morgan verhaftet. Später jedoch wurde er begnadigt, geadelt und zum Vizegouverneur von Jamaika ernannt. Von da an kämpfte er mit harten Bandagen gegen Piraten und statte auch die Hafenstadt Port Royal mit neuen Geschützen aus.

Morgan war auch einer der Begründer des Piratenkodex, der unter anderem der Crew mehr Mitspracherecht und einen gesicherten, gerechten Anteil an der Beute garantieren sollte.

Der historische Piratenkodex hat also nur am Rande mit dem Piratenkodex zu tun, der so oft in der Pirates of the Caribbean-Trilogie angesprochen wird. Und der wahre Captain Morgan hat nahezu überhaupt nichts mit dem Captain Morgan zu tun, von welchem Alestorm auf ihrem Debütalbum singt.

Wer oder was ist denn nun schon wieder "Alestorm", werden sich jetzt einige sicherlich fragen. Nun, ein Alestorm bezeichnet eigentlich einen gewaltigen Sturm, bei dem Unmengen vom schottischen Standardbier Ale durch die Gegend geprustet werden. Also im Grunde genommen genau das, was sich alle Bier trinkenden Briten herbeisehnen, wenn der Durst sie packt. Bis auf die Iren vielleicht, die sich sicherlich eher einen Guinness-Storm wünschen würden.

Alestorm ist aber vor allem auch der Name einer Band, die ihre Musik selbst bezeichnenderweise als "True Scottish Pirate Metal" proklamiert.
Gegründet wurde die vierköpfige Band 2004, damals noch unter dem Namen Battleheart. 2006 veröffentlichte die Band zwei EPs auf ihrer Webseite, die man kostenlos downloaden konnte. Relativ schnell machte die Band auf sich aufmerksam, schaffte es sogar auf Compilation-Alben des Metal-Magazins "Metal Hammer".

2007 folgte dann ein Personalwechsel am Schlagzeug sowie die Umbenennung in Alestorm und das im Sommer 2007 aufgenommene Debütalbum "Captain Morgan's Revenge" erschien im Januar 2008 im Handel.

Und natürlich muss dieses Album von mir gehört werden, schließlich hat Alestorm bei mir einige Vorschuss-Sympathiepunkte geholt.
Denn auf einer der beiden Demo-EPs befand sich auch das instrumentale Stück "No Quarter", eine Metal-Adaption des He's a Pirate-Themas aus den PotC-Filmen.
Ja, richtig gelesen. Eine Pirate-Metal-Coverversion von He's a Pirate! Und noch dazu eine wunderbar gelungene. Irgendjemand sollte Disney verraten, dass dieses herrliche Stück Filmmusik im rockigen Gebiet viel besser aufgehoben ist als in der Techno-Szene.

Während andere Stücke von den Demo-EPs ihren Weg auf das Debütalbum gefunden haben, blieb "No Quarter" dieser Sprung verwehrt. Dieser Wermutstropfen sei der Besprechung des Albums vorausgeschickt.

Das Album:



Alestorm versteht es jedoch auch ohne ein Pirates of the Caribbean-Cover den Zuhörer umzublasen.
Ihr Debütalbum eröffnet mit dem fast vierminütigen Over the Seas, das nach einem ausführlichen Sturm an Synthie-Bläsern und Bass den Sänger der Band auf uns loslässt. Das instrumentale Opening stimmt bereits auf das ein, was folgen wird - das mit E-Gitarren und Keyboards gesegnete Piratentum, wie man es aus den besten Piratenstreifen kennt.

Wie eine aggressive Hymne zu einer stürmischen Seeschlacht treibt die Musik den Adrenalinpegel in die Höhe und die knarzige, rauchige Stimme des Sängers Christopher Bowes (rechts) trifft das Piratenthema genau auf den Nagel, ohne es zum Leidwesen der Melodie oder gar der Hörbarkeit zu übertreiben.

Natürlich ist nicht nur die von Whiskey und sicherlich auch jeder Menge Rum geschunde Stimme allein dem Piratentum verpflichtet. Auch der sehr piratige Text, in dem von einer Schatzsuche quer über die Weltmeere berichtet wird, tut seine Schuldigkeit. Und ein "man with a hook for a hand" darf hier seinen Gastauftritt erleben.

Over the Seas verquickt schließlich die Soundtrack-Piratenmusik mit Metal: Die E-Gitarren bekommen flotte Soli, die Drums werden geschunden wie Galeerenfahrer.

Das Tempo wird aufrecht erhalten, als der zweite Song loslegt, nämlich der 6:42 lange Titelgeber des Albums Captain Morgan's Revenge. Ein ausführliches Intro mit heftigen, schnellen Drums und heroischen Hörnern verkündet stolz den Beginn des Songs, bis eine Ziehharmonika eine Kneipenatmosphäre etabliert. Als würde er uralten, aber natürlich selbst erlebten Seemannsgarn spinnen legt Bowes weiteres knarren und knirschen in seine Stimme. Er erzählt, wie seine Crew eine Meuterei gegen Captain Morgan anzettelte und ihn über Bord wirft. Doch ein schrecklicher Fluch rächt den sagenumwobenen Käpt'n.

Die leicht schaurige, mystische Stimmung des Liedes wechselt langsam aber sicher zu einem Mitgröhl- und In-der-Kneipe-herum-schunkel-Kracher, der nach Minute Vier auch eine Zeit lang wieder sehr soundtrackhafte Züge gewinnt.

Für The Huntmaster, den dritten Track nehmen die filmisch-epischen Züge erstmals ab und der "Scotish Pirate Metal" legt seine Betonung auf letzteres. Die Keyboards, denen Alestorm die filmischen Bläser entlockt werden zurückgeschraubt, das Tempo noch höher gedreht, Bass und Gitarre übernehmen die Leitung, ganz klar ist nun Headbanging angesagt. Natürlich bleibt das Piratenthema weiterhin allgegenwärtig, aber alles ist wesentlich zeitgemäßer: "Sail into battle! Glory and Metal!" verkündet die Band lauthals, und wer möchte ihr da schon in die Quere kommen?! Das sind doch ehrenvolle Ziele!

Mit Nancy the Tavern Wench erreicht Alestorm das Gebiet von Tortuga. Ziehharmonika und gedämpftes Tempo erinnern an volltrunkene Piraten in verlassenen Hafenen oder überfüllten Kneipen, die so voll sind, das nichtmal mehr Prügeleien Spaß machen würden. Mitschunkeln und herzliches Mitsingen ist gefragt, wenn Barmädchen Nancy und ihr Café im Refrain geradezu angepriesen werden.

Beeindruckend ist die Stimme von Christopher Bowes. Nachdem kampfbereiten Piraten aus den ersten Tracks und dem alten, spinnerten Seebären aus Track Drei gewinnt er seinem Piratenorgan nun eine weitere Facette ab und wirkt wie der geschundene Saufkumpane in einer Seemannskneipe. Da erzähle nochmal jemand, dass Piraten immer gleich klingen.

Thematisch ist von nun an die Richtung des Albums klar: Schätze, die Seefahrt, Flüche, Seemannsgarn oder halt der holde Alkohol und erfrischende Magden. Oder umgekehrt. Halt richtig klassisch piratig.

Death before the Mast ist der fünfte Track des Albums und kitzelt den Trash-Metal-Anteil aus der Band heraus. Abrupte Tempowechsel und beabsichtigte Assonanzen untermalen den abgehakten Gesang, kurze Synthieklänge wecken kurzzeitig wieder Erinnerungen an klischeehafte Soundtrackstellen für Abenteuerfilme, die längeren instrumentalen Stellen sind dagegen ganz klar spielfreudigster Metal und weniger Old-School-piratenhaft.

Ähnlich beginnt auch Terror on the High Seas, das aber einen wesentlich stärkeren Refrain hat als "Death before the Mast" und dank den im Refrain eingeschobenen Keyboard-Spielereien macht Terror on the High Seas viel mehr Spaß. Ein seefahrt-erprobter Track zum wild herumsegeln, der gegen Ende auch wieder auf der akustischen Ebene stärker dem Piratenthema huldigt.

Set Sail and Conquer ist stilistisch wieder näher an den ersten Tracks des Albums: Die Hymne der eroberungsfreudigen und sich vor keinem Kampf fürchtenden Piraten treibt energisch voran, weiß sich aber nicht episch-filmischen Qualitäten zu verwehren, was vor allem in der ausgiebigen Instrumental-Strecke faszinierende Ebenen erreicht: Hier gleitet die Band elegant von sehr stark dem Old-School-Rock gediegenem Sound zu Piratenfilmmusik. An manchen Stellen macht sich jedoch auch das Alter der Band bemerkbar: In einigen Jahren wird sich Alestorm hoffentlich etwas atmosphärischere Keyboards leisten können, denn kurz wirkt das ganze doch etwas "billig".

Of Treasure ist dagegen ein sehr folkloristisches Lied, mit mittelalterlichem Flair.
Direkt danach holt Wenches and Mead den Zuhörer in die Gegenwart zurück: Wilde Keyboards, episch-atmosphärische Drums eröffnen das Lied, als eine Ziehharmonika dazu stößt um so der verrückten Arrangierung das Seefahrerflair zu verleihen.
In den Strophen gerät Bowes erstmals etwas aus seiner Balance, zum schnell dahin gesungenen Text passt seine Piratenstimme nicht ganz so sehr, wie sicherlich beabsichtigt. Im Refrain dagegen wird wieder klar, was gemeint war, die fetzende Notenfolge wird genau getroffen und die Stimme passt wie der Keks in den Papageienschnabel.

Zum Abschluss interpretiert Alestorm mit Flower of Scotland eine der drei inoffiziellen Nationalhymnen Schottlands. Das Mitsauf- und Schunkellied wird mit hörbarem Respekt und Gefühl behandelt und kaum umarrangiert, bietet sozusagen den passenden Abschluss- und Nach-Hause-Geh-Song für eine durchzechte Nacht.
Man sieht sie fast schon vor sich, die trunken nach Hause schlurfenden Saufkumpane in Piratenoutfit, wie sie noch ein paar Ale kippen, über den vergangenen Abend reden und sich freuen, dass wenigstens was rockiges zum Abschluss läuft. Denn ganz unrockig ist Alestorm natürlich auch hier nicht.

Gesamteindruck:
unten: Piraten und Gitarren passen wunderbar zusammen
Metal und das Piratentum sind zwei Welten, die sehr gut miteinander korrespondieren. Der Mix aus altertümlicher und klischeehafter Piratensprache, der vermeintlichen Seemannsmusik mit Chanty-Meldodien und Ziehharmonika, den epischen Soundtrack-Klängen und verrücktem Metal klingt zu keinem Zeitpunkt künstlich oder erzwungen, geht ganz natürlich ins Ohr und bleibt da auch.

Und entgegen der Befürchtung, die Pirate-Metal-Thematik könne schnell aufgebraucht sein, ist das Debütalbum von Alestorm auch sehr abwechslungsreich geworden. Ruhigere und melodiöse Tracks wechseln sich hier mit aggressiveren Titeln wie "Death Before The Mast", epischeren Liedern wie "Over the Seas", ausgelassenem Seemannsgarn wie "Captain Morgan's Revenge" oder Saufliedern wie "Nancy the Tavern Wench" ab.

Mit dem folkloristischen "Of Treasure" zeigt sich auf diesem Album weiteres Potential.
Und wer die Demo-EPs von Alestorm / Battleheart kennt weiß zudem, wie gut und vielfältig es die Band versteht, das Thema das sie sich auf ihre Fahnen schrieb auch instrumental umzusetzen. Spätestens beim Anhören dieser instrumentalen Tracks wünscht man sich, dass Jerry Bruckheimer und Co. auf die Schotten stoßen und sie dazu einladen Musik zum vierten PotC-Teil beizusteuern. Sollte man tatsächlich den Steampunk-Weg einschlagen, wäre auch eine plausible Erklärung für solch moderne Musik in Sichtweite.


Fazit: Alestorms "Captain Morgan's Revenge" ist ein fantastisches Debütalbum, dass den Hörer in die Welt der metal-lastigen Piratenmusik entführt. Die Stimme des Sängers passt hervorragend zu den harten Riffs und Drums, die zusammen mit dem piratigen Flair eingängige Melodien zum feiern, raufen, saufen oder einfach nur Pirat sein bilden. Jeden, dem das nicht gefällt sollte man kielholen!

Kurzum: Die perfekte Mischung aus modern, altmodisch, Klischee beladen, hart und rockigem Piratenspaß. Mögen noch viele Alben folgen.

Link me Up

Dienstag, 22. April 2008

News Round-Up: WALL•E trifft einen Magneten - Disney entdeckt die Natur

  • Auf ComingSoon.com gibt es einen neuen Clip mit unser aller Lieblingsroboter. Süß, knuffig, habenwill!
  • Und wie ihr hier nachlsen könnt, gründete die Walt Disney Company ein neues Label, unter dem Naturfilme vertrieben werden. Wieso man sie nicht einfach unter dem Disneynamen vertreibt versteh ich nicht ganz, aber schlecht ist diese Trennung auch nicht.

Montag, 21. April 2008

Filmbefreier

Eine Mischung aus viralem Marketing und einer herrlichen Web 2.0-Idee macht derzeit die Runde:



Der Spot ist Teil der neuen Anti-Filmpiraterie- / Pro-Kino-Initiatiive des Zentrums für Kunst und Medientechnologie. Die alte Kampagne habt ihr sicherlich schon gesehen: Unter dem Motto "Kino. Dafür werden Filme gemacht" wurden die vielfältigen Kinoerlebnisse und -gedanken vorgestellt. Vor dem Kino machte eine Schulklasse halt und der Spruch "Klassenfahrt nach Rom" wurde gebracht. Junge Männer eilen in den Saal - gestern noch Gangster, "heute schwule Cowboys".

Die alte Kampagne hatte Charme und traf mich als Filmfan in der Seele, denn das was die Spots ansprachen macht Kino für mich auch aus.
Allerdings fehlte eine gewisse Originalität und vor allem Humor, der die Leute anspricht, die ja überzeugt werden müssen. Mich zum Kinogang zu überzeugen muss ja nicht sein. ;-)

Ich finde, dass der neue Spot da die richtige Richtung wählt, mit viel Ironie wird klar gemacht, wie grausam mit Filmen umgegangen wird. Und manchem wird hoffentlich klar, dass er sich so auch selbst viel Genuss wegnimmt, wenn er beim Filme sehen bügelt und sich hinter das Handy klemmt.

Die dazugehörige Webseite filmbefreier.de macht da weiter, wo der Spot aufhört: Humor und Ehrerbietung zugleich.

Leute, geht öfter ins Kino. Denn dafür werden Filme gemacht!

That Guy With The Glasses

Aufmerksame Leser haben vielleicht schon bemerkt, dass ich euch die 5 Second Movies und die Kritiken vom Nostalgia Critic nahe lege. Und wer sich auch seine YouTube-Channels durchgeguckt hat, weiß, dass "That Guy With The Glasses" (der Macher dieser Reihen) schon öfter Probleme mit YouTube hatte. Doch dies hat nun ein Ende:



Besucht! Diese! Seite!

Sonntag, 20. April 2008

"Pulp Fiction" made in Germany

Zwar schon ein bisschen älter, aber da sich das Video noch nicht ganz so weit verbreitet hat, wie die Macher es sicherlich gerne hätten, präsentiere ich es euch einfach Mal.

Zwei bekannte deutsche Persönlichkeiten verarbeiten hier Pulp Fiction. Statt die USA mit Holland zu vergleichen, sprechen sie hier über die Unterschiede zwischen Deutschland und Mallorca:



An sich ganz originell, wenn auch etwas zu lang. Die Werbung wurde übrigens als virales Marketing geplant: Anstatt Werbezeiten zu buchen, wird der Clip ins Internet gestellt und dann wird abgewartet.
Mit diesem Blogeintrag habe ich also Leibniz' Willen erfüllt. Aber mir ist das egal. Außerdem kann ich nur so erwähnen, dass ich beim ersten Ansehen dieser Werbung dachte, es ginge um Versicherungen oder ein Reisebüro. Weil ja so lange über Riester und Abwechslung gelabert wird. ;-)

Es gibt auch ein zweites, etwas eindeutigeres Video:



Na denn... guten Appetit!

Samstag, 19. April 2008

Sind Eigenproduktionen noch dazu fähig ein Kinohit zu werden?

Deutschquote. Auch wenn die Diskussionen um ein Minimum an deutschsprachigen Liedern im Radio längst wieder abgeebnet sind, so ist die Frage nach dem Stand der deutschen Produktionen in der Welt der Unterhaltungsmedien weiterhin aktuell. Sowohl in der Musik, wo in den vergangenen Jahren der deutschsprachige Gesang ein Revival erlebt, als auch im Filmbereich. Obwohl mit Der Schuh des Manitu und (T)Raumschiff Surprise - Periode 1 gleich zwei deutsche Megablockbuster innerhalb dieses Jahrzehnts entstanden, so wandelte sich der deutsche Kinomarkt und nicht nur die Kinolust generell sank, sondern auch die Lust auf deutsches Kino.

Aber auch aus dem Ausland hört man immer wieder Stimmen, wie übermächtig Hollywood in Zeiten der Filmpiraterie wurde. Denn während man einen riesigen Actionblockbuster lieber im Kino sieht, als mies gebrannt auf dem heimischen PC, so sind eigenheimische Dramen und Komödchen nicht gerade Filme, die einen Filmpiraten aus dem PC-Sessel hieven.

Jedoch stellt sich an dieser Stelle auch die Frage, ob diese simplen, immer wieder im vorbeigehen erhaschten Behauptungen, die nationale Kinoindustrie hätte arge Probleme, denn auch wirklich stimmen. Viel zu oft werden irgendwo Probleme behandelt, wo keine sind - mit teils chaotischen Ergebnissen.

Wie es dem deutschen Marktanteil im Kino ergeht lässt sich schnell herausfinden. Die deutsche Webseite Insidekino.de listet die deutschen Besucherzahlen auch in Jahresbestenlisten auf. Und die FFA errechnet in ihrem Jahresbericht nicht nur die Gesamtbesucherzahl auf, sondern auch den prozentualen Anteil von deutschen Produktionen an den Kinobesuchen eines Jahres.

Und um es kurz zu machen: Wenn man nach dem Marktanteil deutscher Produktionen an der gesamten Besucherzahl geht, so ist jegliche Sorge um den deutschen Film passé.
In den Jahren 2002 bis 2007 stieg der deutsche "Marktanteil" von 10,2% auf 21% an, Tiefpunkt zwischen diesen Jahren war 2005 (14,4%), im Jahr darauf gab es einen Ausreißer nach oben (26,2%).
In den 90er Jahren betrug der deutsche Marktanteil insgesamt 9,5%, bestes Jahr war 1996 mit 19% (in diesem Jahr lief Knockin' on Heaven's Door im Kino), das schlechteste Jahr war 1998 mit 6,7%, die man hauptsächlich dem einzigen deutschen Hit in diesem Jahr, Lola rennt, zu Verdanken hatte.

Auch wenn man noch weiter in die Zeit zurückgeht, sieht die derzeitige Quote eher beeindruckend, denn fürchterlich aus: Seit 1972 wurde bis einschließlich 2003 in nur drei Jahren die 20%-Hürde übersprungen. Seit 2003 wurde sie drei weitere Male überwunden.
Die aktuellen Zahlen knicken nur dann ein, wenn man sie mit 1968 bis 1971 vergleicht, als der deutsche Film zwischen 35% und 69% des Kinomarktanteils für sich einnahm.

Nun kommen aber sicherlich wieder jene Nörgler auf, die behaupten, dass der aktuelle Kinomarkt nicht so leicht mit dem von früher zu vergleichen sei. Der Kinomarkt ist generell schwächer, da sei es für den deutschen Film auch leichter, mehr Anteile an diesem schwachen Geschäft zu erreichen.

Ich möchte erwidern. Wieso sollte der schlechte Kinomarkt dem deutschen Film zu gute kommen? Ja, die Besucherzahlen sind rückläufig, und ja, das ist ein Grund zum klagen. Doch wenn die Leute allgemein weniger ins Kino gehen, sind deutsche Filme genauso sehr betroffen wie Hollywoodfilme - oder sogar aus den oben genannten Gründen noch mehr. Dass der Marktanteil steigt hat also nichts mit den niedrigeren Besucherzahlen zu tun. Rein theoretisch müsste der Marktanteil ja eher gleich bleiben, anstatt zu steigen.

Es muss also andere Gründe geben. Durchaus in Erwägung zu ziehen ist, dass nun viel mehr Filme ins Kino kommen, mitunter auch mit hohem Werbebudget - vor allem seitens der Privatsender. Dies kann durchaus den Eindruck verfälschen - der deutsche Film an sich ist nicht wirklich stärker, sondern einfach nur weitläufiger geworden.

Deshalb sollte man neben dem Marktanteil auch die Kinojahreshitlisten begutachten. In der Theorie könnte der deutsche Film so hohe Marktanteile erreichen, ohne dass es auch nur einen einzigen Hit aus Deutschland gab. Man muss ja nur genug Filme veröffentlichen.

Lasst uns deshalb einige Kinojahre begutachten. Wieviele Besucher hatten die erfolgreichsten Filme des Jahres, wo befinden sich die besucherstärksten deutschen Filme?
Die Top 10 von 2007 sind zum Beispiel recht enttäuschend - obwohl 2007 ein hervorragendes Filmjahr war, bewegen sich die Top Ten der Besucherhitliste bloß zwischen 7 und 2,4 Millionen Zuschauern. Erfolgreichster deutscher Film war Keinohrhasen mit nahezu 6 Millionen Besuchern (und Platz 4 in den Jahrescharts), und diese magische Marke wird er im Laufe des kommenden Kino-Openair-Sommers sicher noch brechen. Die wilden Kerle 4 sind mit 2,4 Millionen Zuschauern der zweiterfolgreichste deutsche Film 2007 und auf Platz 10 der Jahrescharts.

2006 war, wie weiter oben bereits erwähnt, ein besonders gutes Jahr für den deutschen Film: Das Parfum, 7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug und Deutschland. Ein Sommermärchen lockten 5,5 bzw über 3,5 Millionen Leute ins Kino. Und Das Leben der Anderen schaffte 2,3 Millionen Zuschauer und ist trotzdem "nur" auf Platz 11 der Jahrescharts.

Im Jahr 2005 dagegen gab es wirklich ein Bild, wie es viele Nörgler generell vermuten: Nur ein Film (Die weiße Massai) schaffte es über 2 Millionen Zuschauer zu erreichen. Die 14,4 % Anteil des deutschen Films am Kinomarkt 2005 ist insgesamt der Masse zu verdanken. Acht Filme erreichten ein Publikum zwischen 1,5 und 1 Million Zuschauer, 17 weitere Filme landeten in den Top 150 des Kinojahres.
Über das Jahr 2004 muss gar nicht weiter diskutiert werden: 3 der fünf erfolgreichsten Filme des Jahres stammten aus Deutschland: (T)Raumschiff Surprise - Periode 1 (9,1 Mio.), 7 Zwerge (6,7 Mio.) und Der Untergang (4,6 Mio.).

Dies kann man noch lange weiterführen: 2003 gab es mit Goodbye, Lenin, Das Wunder von Bern und Luther drei große deutsche Hits, während 2002 mit Bibi Blocksberg (2,2 Mio.) etwas schlechter dasteht, vor allem im Vergleich mit 2001 (Der Schuh des Manitu, 11,7 Mio. Zuschauer, die deutsche Koproduktion Die zauberhafte Welt der Amelie lockt über 3 Millionen ins Kino).

Und so weiter, und so weiter: Nur 2000, 1998, 1995 und 1992 schafft es kein deutscher Film über die 3 Millionen-Grenze - der größte deutsche Hit von 1992 (Otto - Der Liebesfilm) kommt mit seinen 2,9 Millionen Besuchern trotzdem in die Top Ten des Jahres. Und schon sind wir wieder in den 80ern, in denen nur zweimal kein deutscher Film mehr als 3 Millionen Zuschauer (das Minimum um eine "goldene Leinwand" zu erhalten - das Statussymbol für Publikumserfolg) hatte. Und 1987 reichten den Supernasen Mike Krüger und Thomas Gottschalk ihre 2,7 Millionen Besucher aus um auf Platz 6 der Jahrescharts zu gelangen.

Um den deutschen Film steht es also keineswegs schlecht - er hatte nie größere Probleme. Zumindest wirtschaftlich.



Und auch im restlichen Europa stehen eigene Produktionen unter einem guten Stern, vor allem in den osteuropäischen Staaten und Frankreich. Dort räumt momentan "Bienvenue chez les ch'tis" an den Kinokassen ab wie kaum ein Film zuvor. Mit 18,57 Millionen Besuchern steht die Komödie derzeit nur noch hinter Titanic (20,7 Mio.).

Nationale Produktionen werden also einfach nur unterschätzt - vor allem Komödien locken immer wieder Zuschauer in die Kinos. Wenn man sich also Sorgen machen möchte, dann eher um die Qualität oder Vielfältigkeit des nationalen Kinos. Denn dort gibt es tatsächlich bei uns in Deutschland ein gewisses Problem. Das ist jedoch nicht sonderlich neu.

Freitag, 18. April 2008

Bunt, laut, schnell

Da ich gerade eh schon von audiovisuellen Trips spreche: So sehr ich mir mehr schnellgeschnittene, zu Musik durchchoreographierte, bunte Bilder aus den verrücktesten Kamerawinkeln gewünscht habe, als ich 21 sah, so sehr kann man die knallige Erlebniswelt auch übertreiben.

Dieser Trailer lief im Vorprogramm zu 21, und auch wenn er besser ist als der Trailer, den ich vor Sweeney Todd sah, so schaffte auch dieser Trailer es nicht mich vom Film zu begeistern:



Speed Racer? Wohl eher Augenkrebs - Der Film!

21


Blackjack, aber keine Nutten

In meinem Blogeintrag über Sweeney Todd erwähnte ich auch, dass mich der Trailer zu 21 sehr beeindruckte. Vorher hatte ich noch nie von dem Film gehört, und auch im Anschluss machte der Streifen nicht viel von sich reden.

Trotzdem ging ich nun ins Kino. Die Erwartungshaltung war nicht besonders hoch, aber dafür umso bestimmter: Ich erwartete ein stylisches Kinoerlebnis, so wie es der Trailer vorlegte, eine Geschichte über einen Mathematikstudenten, der Hals über Kopf in einen riesigen Casinobetrug gestürzt wurde und sich in Las Vegas und seinen Reizen verliert. Glücksspiel, Drinks, Musik, heiße Frauen.
Kurzum: Auf mich sollte ein nicht sonderlich anspruchsvoller Film mit beeindruckender Optik und packender Story warten.

21 beginnt auch so, wie man es nach dem Trailer erwarten mag: In der ersten Szene sehen wir die in das Spiel vertiefte, uns Eigenheiten des Black Jacks erklärende, Hauptfigur (Ben Campbell, gespielt von Jim Sturgess) sowie Karten und Spielchips in Nahaufnahme. Verworrene Kamerafahrten ziehen den Zuschauer in das Spiel hinein.

Nach diesem Prolog führt uns der Film zurück zum Anfang seiner Geschichte: Ben ist ein wahres Mathematikgenie und möchte unbedingt auf die Harvard Universität. Da es ihm jedoch an Geld mangelt, hofft er auf ein renommiertes Stipendium. Wie er jedoch erfahren muss, habe er "zu wenig Lebenserfahrung" vorzuweisen, um dies zu bekommen. Doch der 21-jährige erhält die Chance seines Lebens: Sein Professor lädt ihn in eine kleine Gruppe von Studenten ein, die unter seiner Leitung an den Wochenenden nach Las Vegas fährt, um dank eines ausgeklügelten Kartenzählsystems in den Casinos der Glitzerstadt Unmengen von Dollars zu gewinnen.
Bis der Film allerdings endlich (wieder) in Las Vegas angekommen ist, vergeht einiges an Zeit, und währenddessen wird eins unübersehbar klar: 21 ist sehr viel biederer und vorhersagbarer, als man vermuten möchte. Und das tut dem Film natürlich alles andere als gut.

Es beginnt schon bei der verhaltenen Musikauswahl. Gerade eine Geschichte, die zum Teil in Las Vegas spielt, sollte eigentlich eine thematische Steilvorlage bieten - vor allem auch eine, die genutzt werden sollte. Stattdessen werden lapidar ein paar harmlose Popnummern abgespult - weder besondere Geheimtipps, noch populäre Reißer sind zu finden.
Die gänzlich konventionelle Kameraführung weiß nur in wenigen Momenten zu überzeugen, und zwar in den knappen Augenblicken, in denen sie an Dynamik hinzugewinnt. Viel reißt dies allerdings nicht heraus, denn der Schnitt wird nach Schema F schnell abgehakt. Selten wurde Las Vegas so normal abgelichtet - die blinkenden Verführungen dieser Stadt sind auf sich selbst angewiesen. Das reicht immer noch um in den Zuschauern Reiselust zu wecken, aber das liegt tatsächlich an der Stadt selbst.
21 hätte sich eine Scheibe von der Serie Las Vegas abschneiden sollen.
Denn die 08/15-Optik schafft es nicht von der Handlung abzulenken - sie klammert zu sehr an der Geschichte eines mittellosen, nach höheren Bildungszielen greifenden Mathematikstudenten mit wenigen Freunden und wenig Lebenserfahrung.

Schlecht ist eine solche Geschichte gewiss nicht, doch da sie ohne jegliche Inspiration abgespult wird und sich nicht wirklich entscheiden kann, ob sie den Zuschauer nun packen möchte, oder einfach nur eine obskure, aber wahre Begebenheit präsentieren möchte, fällt sie unter dem Strich einfach nur noch durch.

Denn so, wie der Film letzten Endes geworden ist, hätte es wahrlich keine Kinoadaption des Buches über die wahre Geschichte gebraucht. Wie man manchmal am Wochenende nachmittags merkt, gibt es einige gute Fernsehfilme, die solche wahre Anekdoten sehr ambitioniert umsetzen. Die sind optisch nicht so ansprechend, machen dies aber mit einer gewissen Passion für solche kleinen, nicht kinogerechten Geschichten wieder wett. Und wenn es schon kein schriller, bunter Trip werden soll - dann hätte ich viel lieber eine solche Fernsehumsetzung gesehen.

Daran können auch die Darsteller nichts ändern: Kate Bosworth als die Love Interest der Hauptfigur darf gut aussehen, Kevin Spaceys Talent blitzt kurzzeitig auf, schafft es aber auch nicht den Film aufzuwerten. Und Aaron Yoo bringt den Zuschauer zum schmunzeln, lässt aber das großartige Timing aus Disturbia vermissen.

Richtig schlecht ist 21 aber dennoch nicht. Allerdings ist er auch bei weitem nicht gut - wenn man 120 Minuten lang nichts zu tun hat, dann ist dieser Film durchaus eine Option. Sonst kann man ihn aber auch gerne versäumen.

Donnerstag, 17. April 2008

Lost Housewives


Desperate Housewives Staffel 4, Episode 9: Tornado

Gestern Abend lief auf ProSieben die letzte Folge Desperate Housewives vor der zwangsverordneten Sommerpause. Und wer letzte Woche den Trailer zur Episode sah, weiß schon was ihn so ungefähr erwartet: Eine Highlightfolge von Desperate Housewives. Und was für eine...

Als Desperate Housewives am 3. Oktober 2004 in den USA startete, löste sich ein wahrer Hype um die Serie aus. Hohe Einschaltquoten und jede Menge Kritikerlob pushten die neue Serie auf ABC zu einem der Fernsehmeilensteine dieses Jahrzehnts hoch. Und im Gegensatz zu manch anderen Serien schwappte hier auch die Erfolgswelle nach Europa rüber - seit dem 12. April 2005 weißt der deutsche Haussender von Stefan Raab und den Blockbustern aus dem Hause Disney (nette Kombi, btw) mit Desperate Housewives eine der wenigen konstanten Erfolgsserien im eigenen Hause auf.

Bei den verzweifelten Hausfrauen ging es um Affären, extremen Konservatismus, Lügen und Intrigen sowie den überzeichneten Wahnsinn des Alltags hinter der ach-so-friedlichen Fassade der amerikanischen Vorstädte. Bitterböse Satire, gepaart mit Situationskomik, messerscharfen Dialogen und einem fesselnden Geheimnis um die Erzählerstimme bestimmten die Mischung und zogen die Zuschauer in ihren Bann.
Im Laufe der Serie trat die ursprüngliche Prämisse, aufzuzeigen wie es hinter der Idylle der Kleinstadt wirklich aussieht, etwas zurück und da die Serie auch nicht mehr neu war, verlor sie etwas von ihrem Sensationsfaktor. So ging auch der Hype zurück. Nicht aber zwangsweise auch die Qualität: Die Prämisse trat zugunsten der Charaktere in den Hintergrund. Aus anonymerer Satire wurden verwobene Schicksale von liebgewonnenen Figuren. Manchem war das ursprüngliche Rezept der Serie lieber, anderen nicht. Und wieder anderen fiel die Veränderung gar nicht auf.

Mit der gestrigen Episode "Tornado" kehrte die Serie zu ihren Anfängen zurück - um sogleich alles über den Haufen zu werfen und zu zerstören. Die Vorstadtidylle der Wisteria Lane wird von einem gewaltigen Tornado heimgesucht und die Erzählerin der Serie, Mary Alice, stimmt uns bereits auf das schlimmste ein.
In den nachfolgenden Szenen gibt Gabrielle ihren Freundinnen endlich zu, dass sie eine Affäre mit Carlos hat, während die Situation zwischen Mike und Susan eskaliert und Bree erneut hofft hinter Catherines Vergangenheit zu kommen.

So trifft Desperate Housewives nicht nur sich selbst in der Form ihrer Anfangszeit zurück (die Dekonstruktion der heiteren und klinisch reinen Fassade; die Wichtigkeit des sicheren Heims), sondern vor allem auch den fast gleichaltrigen Serienkollegen Lost. Man könnte fast glauben, dass der Autorenstamm von Lost und Desperate Housewives für je eine Folge die Plätze getauscht haben. (Eine Idee, die man auch in echt einmal umsetzen sollte, und sei es nur als Non-Kanon-DVD-Exklusive-Bonusepisode)

Dadurch, dass eine solche Naturkatastrophe wie ein Tornado die Wisteria Lane heimsucht, werden Dramatik und Tragik der Serie auf ein neues Level gehoben. In dieser Episode geht es um Geld, Freundschaft, Liebe, Leben und Tod. Es ist nicht nur ein gewaltiger Tornado, der auf die lieb gewonnen Charaktere zubraust - dank Mary Alices Ankündigung schwebt über ihnen zudem ein unüberwindbares Damoklesschwert.
In dieser Episode kokettiert Desperate Housewives außerdem mit der Lost-Bildästhetik: Chaos und Zerstörung allerortens, enge Räume in denen die Charaktere zusammengepfercht werden und sich paradoxerweise eben hier öffnen.

Doch nicht nur das erinnert an Lost: Allein schon der Tempowechsel den die Serie hier durchmacht scheint aus einer JJ Abrams-Serie entliehen. Mit einem Mal werden Geschichten vorran getrieben und beendet, die sich bislang nur dahinschleppten, teilweise sogar seit der letzten Staffel.
Teil dessen ist jedoch auch ein alter Lost-Trick: Es wird eine untergeordnete Geschichte gelöst, die zwar vom Figureninventar her mit einem zentralen Geheimnis zu tun hat, jedoch erst vor kurzem eingeführt wurde und genau genommen nichts mit dem eigentlichen Geheimnis zu tun hat. So ist der Zuschauer zufrieden, dass er endlich eine Lösung hat - viel klüger als vor drei Wochen ist er dennoch nicht.

Ebenfalls scheinbar von Lost entliehen ist das "Ausblenden" mancher Charaktere. Doch während dies bei Lost legitim ist und sogar zum Konzept der Serie gehört, stößt dies bei der neusten Desperate Housewives-Episode sauer auf. Schon in den letzten Wochen fehlte die eine oder andere Figur, doch in einer Episode, in der alle Charaktere gleichzeitig mit dem selben Problem zu kämpfen haben gibt es keine Ausrede nach dem Motto "Da ist heute halt nichts passiert". Die neuen Nachbarn scheinen Tornados wohl sehr gelassen gegenüber zu treten, so gelassen, dass sie sich gar nicht vorbereiten, keine Angst haben und deshalb auch gar nicht vorkommen. Und Dylan und Julie haben an diesem Tag wohl besonders lange Schule - oder wieso scheinen ihre Mütter sich nicht um deren Wohl zu kümmern?

Abseits dessen ist "Tornado" jedoch eine der besten Episoden dieser Serie. Packend inszeniert, visuell hervorstechend, mit neuen Erkenntnissen gespickt und einige der Darsteller dürfen wieder ihr ganzes Talent zur Schau stellen. Vor allem Felicity Huffman stiehlt allen die Schau.

Mit dieser Episode wollte sich ABC ursprünglich in die Zwangspause dank des Autorenstreiks verabschieden. Aus Angst vor wütenden Zuschauern, die den gewaltigen Cliffhanger nicht über sich ergehen lassen wollen wurde jedoch die zehnte Episode der vierten Staffel nachgeschoben. ProSieben befolgt aber ABCs eigentlichen Plan und geht nun in Sommerpause. Im Herbst werden wir dann endlich wissen, welche Folgen der Tornado nun wirklich hatte.

Und wenn ab Episode 11 ein Eisbär und ein unheimlicher Computer in der Wisteria Lane zu finden sind, ist Lost tatsächlich überall...

Weitere Rezensionen:

Mittwoch, 16. April 2008

Bully sucht die starken Männer

- Die Bonus-Disc, die noch vor dem Film ins Fernsehen kommt


Wie sich mittlerweile ja herumgesprochen hat, dreht Bully demnächst eine Realverfilmung der Trickserie Wickie und die starken Männer.

Die Rollen der starken Männer werden, im Gegensatz zu den restlichen Rollen des Films, in einem öffentlichen TV-Casting gesucht. Jedoch möchte Bully kein TV-Casting a la DSDS veranstalten, in dem das Publikum mittels SMS und Telefonanrufen seinen Favoriten zum SUperstar kürt, und auch kein dramatisiertes Heulsusen-Soap-Gedönse wie "Germany's Next Topmodel". Viel mehr möchte er das Filmcasting als Unterhaltungssendung präsentieren. Kein Einfluss des Publikums - dass es eine TV-Show ist vergrößert im Grunde genommen nur die Anzahl der Bewerber und füllt eine Programmlücke bei ProSieben.

Kann so etwas denn gut gehen?

Durchaus. Man muss allein schonmal bedenken, dass ein Filmcasting viel natürlicher und weniger fragwürdig ist, als ein Musikcasting (Ausnahme bilden hier natürlich Castings für Musicalrollen u.ä.).

Für Filme wird generell gecastet, es sei denn ein Kleinregisseur macht einen Film mit seinen Freunden. Musikcastings sind zwar auch häufiger, als man es glauben mag - schließlich finden sie auch außerhalb der Fernsehshows statt - aber dennoch ist das Filmcasting von Beginn an eine "grundlegendere" Sache. Ein Regisseur / Autor sucht jemanden, der seine Vision einer Rolle erfüllen kann. Leute, die sich diese Rolle zutrauen sprechen für diese vor, und kommen entweder in die engere Auswahl, oder nicht.
Es gibt eine klare Vorstellung von dem, was erwartet wird. Und primär geht es bei diesem Casting auch darum, ob diese Erwartung erfüllt wird - ob jemand in die Rolle passt. Sekundär werden natürlich auch generell talentfreie Personen aussortiert, aber eine Ablehnung von Seiten der Jury muss nicht gleich bedeuten, dass man eh mies ist.

Das Musikcasting - vor allem das im Fernsehen - ist da schon anders. Eine Jury / ein Musikverlag möchte wieder Geld verdienen und sucht jemanden, der hoffentlich das meiste einbringt. Wer rausfliegt, ist entweder nicht massentauglich genug oder einfach nur schlecht - und in den meisten Fällen verwechselt die Jury diese beiden Begriffe auch noch.

Wenn man sich diese Unterschiede zwischen Musik- und Filmcasting klarmacht, kennt man auch sofort den Unterschied zwischen Bully sucht die starken Männer und Deutschland sucht den Superstar und Konsorten: Filmemacher und Komiker Bully sucht gemeinsam mit seiner Casting-Chefin und Schauspieler Jürgen Vogel Leute, die die Wikinger hinter dem kleinen Wickie so darstellen können, wie er es sich vorstellt. Es geht nicht darum, den neuen Über-Super-Megaschauspieler zu suchen, der von nun an jeden Rotz vorträgt, der jemandem wie Dieter Bohlen so auf dem Klo alles einfällt. Wer nicht in die Vision passt, wird freundlich abgewiesen - und manchmal noch mit einem witzigen Spruch von der Castingbühne geholt. Dabei bleibt alles freundlich - Bully beleidigt niemanden, er blödelt nur herum, tanzt zum Beispiel zusammen mit Jürgen Vogel wie deppert zu einem Lied, das einer der Kandidaten schrieb um Eindruck zu schinden. Doch das Gegenteil war der Fall.
Und das ist generell unterhaltsamer als ein frech-nörgelnder Bohlen, der Leute in Grund und Boden beschimpft. Und sympathischer ist das sowieso, zumal sich hier niemand rausnimmt das allgemeine Talent von jemandem zu beurteilen. Es geht um das Talent für die gesuchten Rollen.

Die typischen Castingshowversager, die einfach nur mal vor eine Kamera wollten gibt es natürlich trotzdem. Die werden aber in kurzen Einspielern gezeigt. Sie haben ihren Willen und sind im Fernsehen, und der Zuschauer hat kurz was zum Lachen und / oder Fremdschämen.

Dazwischen gibt es Einblicke in die Entstehung des eigentlichen Filmes: Kindercasting, Locationsuche, Lesungen des Drehbuchs. So könnte Bully sucht die starken Männer tatsächlich wie eines dieser unterhaltsamen Filmchen wirken, die sich ab und zu beim Bonusmaterial von großen Filmen verstecken.

Doch da gibt es noch diesen überdramatischen Off-Sprecher, der versucht dort Castingshowdramen entstehen zu lassen, wo keine sind. Da kann die Chemie in der Jury noch so sehr stimmen - wenn sie sich die Bälle zuspielen und der Offsprecher aus dieser besonderen Sache wieder ein 08/15-Casting machen möchte, wird der ein wenig Spaß getrübt.

Es bleiben noch fünf Folgen über (dienstags, 20.15 Uhr auf ProSieben). Und vielleicht wird dieser Mackel an der Show noch gefixt. Sollte dies nicht passieren, ist es aber auch egal. Die kurzweilige Sendung macht auch so Lust auf den Kinofilm. Und das soll sie ja auch.

Mehr zum Film:

Dienstag, 15. April 2008

Der letzte der "Nine Old Men" verlässt uns


Disney-Fans traf nun ein herbes Schicksal.

Mit Ollie Johnston verstarb gestern der letzte bislang verbliebene der legendären "Nine Old Men" - jenen neun Animatoren, die dem Maestro höchstpersönlich besonders beeindruckten. Die neun großen Meister der Animationskunst, die den Zeichentrick mit ihrer Arbeit aus dem Feld der simplen Schwarz-Weiß-Slapstick-Blödeleien rausholten und zu einer Kunstform machten.

Mit seinen 95 Jahren wurde der am 31. Oktober 1912 in Palo Alto (in Kalifornien) geborene Johnston für den passionierten Disney- und Animationsliebhaber in den vergangenen Jahren zum Sprachrohr der vergangenen Ära. Johnston teilte seine Erfahrungen nicht nur in zahlreichen Bonusmaterialien mit und gab den Fans einen Eindruck davon, wie es unter Walt im Disneystudio so aussah - er stand auch für seine jüngeren Kollegen stets mit Rat und Tat zur Seite. Außerdem war er zusammen mit seinem engen Freund Frank Thomas (ebenfalls einer der "Nine Old Men") Co-Autor verschiedener Bücher über den Animationsfilm.
So rettete er die Erfahrungen dieser Animationspioniere in die heutige Zeit.

Dies brachte ihm besonderen Respekt unter seinen Kollegen ein. Der Regisseur von Die Unglaublichen und Ratatouille verewigte ihn in seinem Erstlingswerk Der Gigant aus dem All und gab ihm mit Thomas zusammen einen Cameo-Auftritt in Die Unglaublichen.

Ollie Johnston haben wir solch unvergessliche Momente wie die Bella Notte-Sequenz in Susi und Strolch, die enge Freundschaft zwischen Balu und Mowgli oder auch die Neckereien zwischen Käpt'n Hook und Mr. Smee zu verdanken und ohne ihn hätte Bambi nie seinen treuen Freund Klopfer erhalten.

Das tiefste Beileid geht an seine Freunde und die Hinterbliebenen in seiner Familie.

In unseren Herzen wird er ewig Leben, seine Arbeit wird jede Generation auf's neue begeistern.

Montag, 14. April 2008

Shia LaBeouf bekommt die Hauptrolle im Techno-Thriller "Dark Fields"

Wie ComingSoon.net meldet wird Shia LaBeouf die Hauptrolle im von Universal Pictures produzierten Thriller Dark Fields übernehmen.

Die Hairspray-Autorin Leslie Dixon wird als Produzentin und Autorin am Film tätig sein, während Neil Burger, der Regisseur von Der Illusionist, auf dem Regiestuhl Platz nehmen wird.

Der Thriller ist die Leinwandadaption des 2002 veröffentlichten Debütromans "The Dark Fields" von Autor Alan Glynn. Er handelt vom Werbetexter Eddie Spinola, der ein deprimierendes Leben in New York führt und einer neuen Designerdroge verfällt, die ihm neue Energie und Kreativität verspricht.
Was folgt soll ein flotter, spannender und mit Twists gesprickter Thriller sein, der die Grenzen zum Cyberpunk (nicht zu verwechseln mit Steampunk) streift.

Cyberpunk, Thriller, LaBeouf. Sofern der Trailer - der ja irgendwann kommen muss - nicht völlig grausig wird, bin ich im Kino mit Sicherheit dabei. Ich erwarte eine wagemutige Regieführung und großartige Kameraaufnahmen vom nächtlichen New York, aus den Augen eines Drogenjunkies: Stylisch und dramatisch, so soll's sein.

Sonntag, 13. April 2008

Darjeeling Limited


Wes Anderson ist einer dieser Regisseure, deren Werk man sofort erkennt, wenn man auch nur einen seiner Filme (sei es auch nur zum Teil) gesehen hat. Seine von außerordentlich detaillierten Sets geprägte Bildästhetik ist einzigartig und die Art und Weise, wie seine Geschichten aufgebaut sind und erzählt werden hat ebenfalls eine sehr eigene Färbung. Mit galantem Musikeinsatz, verschrobenem Humor und viel Stille zeichnet Anderson in seinen Filmen die Welt von emotional verstörten, reichen Amerikanern auf der Suche nach sich selbst, Familienzusammenhalt und Freundschaft und/oder Liebe nach.

Dabei schafft es Wes Anderson, nicht verwandt oder verschwägert mit Paul Thomas (There Will Be Blood) oder Paul W.S. (Resident Evil) Anderson, problemlos sämtlichen Selbstplagiarismus zu vermeiden und unter der dicken Sicht eigener Bildästhetik, des eigenen Humors und der eigenen Erzählweise immer wieder neue Geschichten zu erzählen.
Jedermanns Geschmack ist das Gesamtwerk dieses Regisseurs jedoch mitnichten. Seine Filme schweben irgendwo in einem schwer definierbaren Grenzbereich. Emotionale, ungefilterte Kameraaufnahmen der geschundenen Hauptfiguren stecken mitten in einer Reihe von allein an den Intellekt gerichteten Sequenzen, die eine Distanz zwischen Film und Zuschauer aufbauen sollen. Und der verschrobene, leise Humor vermag sicherlich auch nicht jeden zu unterhalten.

Dennoch sollte man Wes Anderson stets zwei Chancen geben. Den hochgelobten Rushmore (1998) fand ich grausig, langweilig und zu sehr gekünstelt, zu gewollt. Mit seinem nächsten Langfilm, Die Royal Tenenbaums (2001) dagegen haute mich Anderson um, der Film gehört seither zu meinen absoluten Favoriten. Die Tiefseetaucher (2004) wiederum gefiel mir sehr, reichte aber nicht ganz an den Vorgänger heran.

Darjeeling Limited ist Andersons erster Langfilm nach diesem Triplet an Filmen und wird nicht von Touchstone Pictures veröffentlicht, sondern von 20th Century Fox' Independentlabel Fox Searchlight. Inhaltlich ändert sich jedoch nichts - man könnte höchstens behaupten, dass die Tragik oder Emotionalität zugunsten von Selbstreflexionen geprägten, nachdenklicheren Szenen etwas zurückgestutzt wurden.

Im Film geht es um drei Brüder: Francis (gespielt von einem filigran und subtil arbeitenden und dennoch herrlich komischen Owen Wilson), Peter (erstmals unter Andersons Regie: Adrien Brody) und Jack (Anderson-Routinier Jason Schwartzman) Whitman, die eine gemeinsame Reise im titelgebenden Zug "The Darjeerling Limited" unternehmen. Die Reise führt sie quer durch Indien und soll die emotional zerrütteten Gebrüder, die sich seit dem Tod ihres Vaters auseinander lebten, wieder auf den rechten Weg bringen soll. Dieses Vorhaben ist allerdings mit zahlreichen Hindernissen gespickt - und die verschrobene Art der Brüder trägt ebenfalls ihren Teil dazu bei, dass aus einer besinnlich-friedlichen Reise ein Aufeinandertreffen der verletzten Persönlichkeiten wird.

Diese Geschichte lässt einen lauten, slapstickhaften Roadmovie vermuten, doch das gibt es bei Anderson natürlich nicht zu sehen. Dadurch, dass der vermeintlich offensichtliche Weg, den der Film einzuschlagen hat jedoch so "natürlich" wirkt, ist Darjeerling Limited nicht wirklich der ideale Einstieg ins Anderson-Universum. Wer mit der falschen Erwartungshaltung an diesen FIlm geht, wird schwer enttäuscht das Kino entlassen.

Denn Darjeeling Limited gewinnt seinen Humor zumeist aus den Details des Gesagtem - und noch öfter aus dem, was NICHT gesagt wird. Es gibt natürlich auch offensichtlicheren Humor, auch bereits zu Beginn des Films, doch dieser gewinnt nicht die Oberhand.

Wie auch in allen bisherigen Filmen von Wes Anderson ist auch in Darjeeling Limited der Einsatz von Musik grandios. Ein paar bekanntere Musikstücke und zahlreiche unbekannte Lieder wurden von ihm sorgfältig ausgesucht und perfekt eingesetzt. Die Expertise im Umgang mit Musik, die Anderson immer wieder zeigt erinnert fast schon an den Einsatz von Musik in der hervorragenden Serie Scrubs - Die Anfänger. Das besondere an Darjeeling Limited ist, dass Anderson komplett auf neuen Score verzichtet und den Film nur mit Liedern sowie Score-Ausschnitten aus zahlreichen indischen Filmen untermalt. Diese Scoreauswahl ist jedoch recht subtil eingesetzt, die westliche Musik dominiert die musikalische Welt dieses Films.

Für die Geschichte ist dies auch die logischste Entscheidung, die der Regisseur treffen konnte. Schließlich geht es in diesem Film um drei emotional kaputte, amerikanische Brüder, die eine Reise durch Indien unternehmen. Es geht dabei jedoch nicht um das Aufeinandertreffen der Kulturen oder dass die drei Protagonisten Indien kennen lernen wollen. Indien bleibt die Kulisse des Films.

Darjeeling Limited, zu dem übrigens auch der originelle Kurzfilm Hotel Chevalier mit Natalie Portman gehört, ist alles in allem eine verschrobene, subtile und anspruchsvolle Charakter-Dramödie die sich problemlos in Andersons restliche Filmografie einordnen lässt. Es ist nicht sein stärkstes Werk, aber auch nicht sein schlechtestes. Dafür sind die Darsteller zu stark und das Thema wird zu ambitioniert erzählt. Aber an den Charme, Witz und die Emotionalität von Die Royal Tenenbaums reicht er nicht heran.

Samstag, 12. April 2008

Reaktionen auf die Pläne zu "It's a small world"

Zahlreiche Pixar-Mitarbeiter äußern sich auf Re-Imagineering über die Pläne die beliebte Attraktion It's a small World zu bearbeiten, indem man Disney-Figuren hinzufügt und die Regenwald-Szenerie kürzt um eine neue USA-Sequenz einzubauen.
Sie rangieren zwischen verständnisvoll, aber abweisend bishin zu reinem Unverständnis und ehrlicher Wut.

I understand that Disneyland was never intended to stand still, that progress is as integral there as the childhood fantasies from which it sprang. But decades from now, I'd like to be able to travel through that same, small world where my wife and I began our lives together.
Jeff Pidgeon, Animator und Story-Artist bei Toy Story


Preserving something, whether it's a film, a great painting or a great ride, like 'It's a Small World', assures that it can be enjoyed for generations the way it was originally intended to be enjoyed. Restoring a ride is one thing, changing its meaning is another. If I want to see Disney characters I can always go to Toontown, go see a parade or go on one of many other rides which feature them. Let the park patron make the choice. That's part of the fun of Disneyland. Would you impose the Country Bears upon the Indiana Jones ride? Or sneak Simba in on Great Moments With Mr. Lincoln? It would make as much sense.
Lou Romano
Production Designer / Die Unglaublichen, Sprecher / Linguini - Ratatouille


"I'm totally pissed about (the Disney character additions to) 'Small World', but maybe I've grown to accept the gradual crapification of anything good about Disneyland by people who care only about cross linking everything they own so that they each advertise each other. This is just one more step closer to a Disneyland boiled down to a series of billboard advertisements with a merchandise shop as the wiener at the end."
Don Shank
Visual Development / Die Unglaublichen


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