Dienstag, 30. September 2008

Die Links des Tages zum Monatsende

Während ich an meiner WALL•E-Rezension werkle, verabschiede ich euch mit dieser kleinen Linksammlung ins Monatesende. Es sind kleine News, die kein eigenes Posting raushandeln konnten und auch witzige Internetenddeckungen. Viel Spaß damit.

Clive Owen wird Vater - für Miramax

Miramax erwarb die nordamerikanischen und westeuropäischen Vertriebsrechte am sich derzeit in der Produktion befindlichen Drama The Boys Are Back von Scott Hicks (Shine) mit Clive Owen (King Arthur, Children of Men, Shoot 'em Up) in der Hauptrolle. Ausnahme bildet Spanien, wo ein anderer Verleih den Film in die Kinos bringen wird.

The Boys Are Back basiert auf Simon Carrs tragi-komischen Roman The Boys are Back in Town über einen alleinerziehenden Vater zweier Jungs, der von der Kritik für seine emotionale Ehrlichkeit und dem gelungenen Balanceakt zwischen Humor und Tragik gelobt wird.
Der Roman ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Werk von Christopher Golden, in welchem ein in seinem beruf gescheiteter Jungreporter während seiner High-School-Wiedervereinigung feststellen muss, dass sich in seinem Kopf zwei verschiedene, widersprüchliche Erinnerungen befinden, laut denen er noch immer Kontakt zu seinem Jugendfreund hat, oder aber eben dieser noch kurz vor dem Schulabschluss tragisch zu Tode kam.

Die noch relativ unbekannten Schauspielerinnen Laura Fraser und Emma Both sind ebenfalls gecastet, die Dreharbeiten finden derzeit in Australien statt. Mehr Informationen gibt es bei The Hollywood Reporter.

Montag, 29. September 2008

Spielberg plant gespaltene Alien-Persönlichkeit

Steven Spielberg werkelt derzeit nicht nur an einer Tim & Struppi-Adaption, einem Historienfilm über Lincoln und DreamWorks' Trennung von Paramount Pictures, sondern auch an einem weiteren Filmprojekt.

DreamWorks erwarb kürzlich die Filmrechte an dem 1968 veröffentlichten Roman Chocky von John Wyndham, über einen Jungen, der augenscheinlich zum Besorgnis seines Vaters einen imaginären Freund hat, mit welchem er sich unentweg anlegt.
Dieser imaginäre Freund ist in Wahrheit allerdings ein Alien, dass sich im Bewusstsein des Jungen festgesaugt hat.

Spielberg äußerte, wie FirstShowing.net meldet, Interesse daran, diesen unbekannten, von der Kritik für seine Dialoge gelobten, Roman mit ihm auf dem Regieposten zu verfilmen. Da aber zunächst noch seine zwei bereits offiziell bestätigten Regiearbeiten anstehen, kann es bis zur Umsetzung dieser Pläne nur noch Jahre dauern.

Samstag, 27. September 2008

Katzenberg bleibt bei Paramount

Wie bereits gemeldet beendet DreamWorks SKG seine Vertriebspartnerschaft mit Paramount Pictures. Während der Verhandlungspoker zwischen DreamWorks und anderen Major-Studios weiterläuft, scheint das Gezerre um DreamWorks' Animationssparte vorerst beendet.

Wie Variety.com vermeldet, möchte Katzenberg seine Partnerschaft mit Paramount bis mindestens 2012 halten.
Rechtlich gesehen sind DreamWorks Animation und die DreamWorks Studios zwei verschiedene Studios, wobei Katzenbergs Animationsstudio die Rechte an dem Namen hält. Jedoch gestattet Katzenberg seinen Freunden und Geschäftspartnern weiterhin das Logo zu verwenden. Wie lange dieser Handschlagvertrag jedoch gültig bleibt, ist unsicher.

Wir wissen ja, wie schnell Jeffrey Katzenberg einschnappt...

Kleines Update über "John Carter of Mars"

Nachdem Andrew Stantons WALL•E endlich auch in Deutschland gestartet ist, fällt das Scheinwerferlicht langsam aber sicher auf sein nächstes Projekt, die Adaption der Sci-Fi-Reihe John Carter of Mars aus der Feder des Tarzan-Erfinders Edgar Rice Burroughs.
Das Drehbuch zum Film verfasst Stanton zusammen mit dem Storyboard-Zeichner Mark Andrews, der die Regie bei One Man Band und dem Pixar University-Kurzspielfilm Violet führte und auch an Die Unglaublichen, Cars und Ratatouille beteiligt war.

Pixar-Manager Jim Morris verriet gegenüber Sci-Fi.com, dass man sich von den Konzeptzeichnungen und visuellen Ideen der bisherigen Versuchen, John Carter of Mars zu adaptieren, distanzieren wird. Die meisten der vorrangegangenen Adaptionen wollten eine "Deco-esque" Welt im Stil von Frank Frazetta erschaffen, was in Augen des Managers veraltet und starr wirkt. Deshalb versuche man bei der Produktion des Filmes eine passendere, modernere Optik zu finden. Einer 3D-Version wäre Morris abgeneigt, womit er gegen den derzeitigen Hollywood-Trend schwimmt.

Die Gerüchte, John Carter of Mars wäre eine Mischform aus Spiel- und Computeranimationsfilm wollte Morris gegenüber Sci-Fi.com nicht weiter kommentieren. Derzeit experimentiere man mit verschiedenen Darstellungsformen und es sei noch zu früh sich auf etwas festzulegen.
Ausgeschlossen ist ein Spielfilm demnach noch nicht. Vielleicht wird es aber auch etwas ganz unerwartetes.

Wie wäre es mit Scherenschnitt-Animation?

Donnerstag, 25. September 2008

Hi-Ho, Silver, away! Klar soweit?! - Bruckheimers und Depps Zukunft

Okay, okay. Die bisherigen Ankündigungen von Disneys großer Kundgebung in der Nacht vom 24. auf den 25. September waren bislang ja allesamt ganz nett, aber keineswegs überraschend oder sensationell. Cars 2 kommt ein Jahr früher, Oprah spricht im nächsten Zeichentrickfilm mit, Depp spielt den Hutmacher.

Überraschender ist da schon eine andere... Ankündigung. Wenn man es so nennen darf.
Vor einigen Monaten plauderte Disney-Experte Jim Hill bereits aus, dass Walt Disney Pictures und Jerry Bruckheimer eine Adaption der Western-Reihe The Lone Ranger planen, mitsamt Drehbuch von den Pirates-Autoren Ted Elliott und Terry Rossio. Eine offizielle Bestätigung blieb uns Disney noch schuldig. Bislang.
Disney und Bruckheimer sollen auf der selben Veranstaltung, auf der sie den neuen Starttermin für Cars 2 und obige Castingmeldung bekannt gaben, auch dieses Gerücht bestätigt haben.
Bruckheimer soll, laut Moriarty und Mr. Beaks von AICN, zur Willhelm-Thell-Overtüre die rhetorische Frage gestellt haben, wenn denn nur den Lone Ranger spielen könne, woraufhin Johnny Depp in voller Jack-Sparrow-Montur auf die Bühne hüpfte, wobei er zusätzlich zur Piratenkluft die markante Lone-Ranger-Maske trug.

Ich hoffe, dass das jemand fotografiert oder gefilmt hat. Herrliche Vorstellung.

Eine wortwörtliche Bestätigung, dass Depp diese Rolle spielt, war dies jedoch nicht. Viel mehr war es eine taktisch ausgeklügelte Irreführung. Jaja, Disney, Bruckheimer und Depp, diese Schlitzohren...
In Wahrheit sollte dies nur eine Bestätigung sein, dass Depp im Lone Ranger-Film mitspielen wird, jedoch übernimmt er, wie kurz nach Depps Auftritt geklärt wurde, nicht die Hauptrolle, sondern deren Indianer-Gefährten Toto, der auch den Schlachtruf der Serie prägte: Hi-yo, Silver, away!

Bruckheimer und der Chairman der Walt Disney Studios, Dick Cook, kündigten des Weiteren offiziell National Treasure 3 an, über den seit Kinostart von Das Vermächtnis des geheimen Buches bereits einige Gerüchte kursierten, hauptsächlich über die mögliche Handlung des Films.

Das mehrstündige Event (inklusive Vorführung des kommenden Trickfilms Bolt) fand schließlich mit einer ganz kurz und knapp formulierten Ankündigung Cooks ihr Ende. Eine Ankündigung, die auch keinerlei weiteren Worte bedarf, da der Titel allein zur Extase führen kann...
Johnny Depp würde in den kommenden Jahren noch einen weiteren Film für die Walt Disney Studios drehen...

... Pirates of the Caribbean 4...

*Liebe Leserinnen, liebe Leser, stellt euch an dieser Stelle einen gigantolomagischen Jubelschrei vor. Einen, der zu laut wäre, als dass man ihn in geschriebene Worte fassen könnte. Vielen Dank*

Ich kann es nicht fassen... das alles in der Nacht vor dem deutschen Kinostart von WALL•E... Und da soll einer ruhig schlafen können...

(Mehr über Disneys große Stunde auf Variety, Hollywood Reporter, Slashfilm und Ain't It Cool News)

Endlich offiziell: Depp im Wunderland.

Kaum gab Tim Burton bekannt für Disney Alice im Wunderland zu drehen, begannen die Spekulationen. Wird Johnny Depp mitspielen? Welche Rolle übernimmt er?
Früh kam die Rolle des verrückten Hutmachers in Gespräch, oft wurde dieses Gerücht von dubiosen Quellen bestätigt, kurz darauf wieder verworfen. Doch jetzt ist es endlich offiziell. Ein Insider von Ain't It Cool News war auf einer Disney-Kundgebung und meldet, dass Disney Johnny Depp als Darsteller im kommenden Burton-Film der Öffentlichkeit preisgab.

Und, welche Rolle übernimmt Burtons Lieblingsstar?

Morgen kauf ich mir 'nen Hut, das tut mir ach so gut!

Naturellement, der verrückte Hutmacher. Überraschung, Überraschung. *In eine Tröte prust*

(Zur Quelle)

2011 - Das Jahr, in dem sie sich fortsetzten.

Pixar erschütterte einige seiner Fans mit der Ankündigung, tatsächlich an Cars 2 zu arbeiten, einem Film der lange Zeit im Internet nur als übles Gerücht abgestempelt wurde.
Die Arbeit an eben diesem Film scheint hervorragend abzulaufen. Jedenfalls wurde die Fortsetzung von 2012 auf 2011 vorgezogen. An den Plänen zu Toy Story 3 ändert diese Entscheidung jedoch nichts, was bedeutet, dass Pixar 2011 gleich zwei neu Fortsetzungen in die Kinos bringt.

Mit der Idee eines zweiten Cars-Films kann ich mich übrigens noch immer nicht wirklich anfreunden, im Gegensatz zu der Ankündigung von Toy Story 3. Bedenkt man, dass ich Cars allerdings besser finde als die ersten zwei Toy Story-Filme, klingt das sicherlich erstmal paradox.
Ich möchte euch aber meine Haltung erklären: Cars sehe ich, trotz seiner Schwächen, als einen sehr, sehr guten Film an, mit viel Humor, einer sehr fantasievollen Welt und einem gefühlvollen Drama hinter all den Gags. Zwar fällt die dramatischere, tiefschürfende Ebene von Cars im Vergleich zu der von Die Monster AG, Findet Nemo und Co. konventioneller aus, trotzdem fühle ich mich mehr mit ihr verbunden, als mit der in Toy Story 2.
Cars ist also, in meinen Augen, ein besserer Film als Toy Story 2, wenn auch nur sehr knapp.

Doch jetzt kommt das große "Aber": Auch wenn ich Cars als Film besser finde, so interessiere ich mich mehr für die Figuren aus Toy Story 1 & 2. Lightning McQueen, Hook und die anderen Autos sind für mich ausgeschröpft, auch die sehr reizvolle Autowelt von Cars bietet in meinen Augen nicht mehr viel Potential für aufregende, funktionierende Filme.

Woody, Buzz, Rex, Slinky, Charlie Naseweis, die kleinen grünen Männchen und Specki dagegen sind klasse Charaktere und ich habe mich mit ihnen im Laufe der Jahre angefreundet, obwohl ihre zwei Filme zum Bodensatz meiner persönlichen Pixar-Hitliste (aka "Pixar-o-Meter") gehören. Es ist zwar nicht sonderlich üblich, aber auch nicht unmöglich, dass einem Figuren besser gefallen als der zu ihnen gehörende Film. Und das ist ein solcher Fall.
Deshalb liegt mir durchaus was an einem dritten Toy Story-Film, nicht aber an einem neuen Cars-Streifen. Erschwerend kommt hinzu, dass Pixar mir bereits bewies, dass mich ein neues Toy Story-Abenteuer mehr zu überzeugen weiß, als sein Vorgänger. Bei Cars war das nicht der Fall. Logisch, dass ich da bei Toy Story ein besseres Gefühl habe.

Disney gab außerdem bekannt, dass Oprah Winfrey in The Princess & the Frog die Rolle von Tianas Mutter sprechen wird. Ich finde die Frau ja irgendwie unsympatisch, aber für solche Fälle gibt es ja Synchros.

Mittwoch, 24. September 2008

PETA möchte Muttermilch in "Ben & Jerry's"-Eiscreme

Ben & Jerry's jetzt mit Muuuuh-ttermilch?

Heute in "Kurioses Weltgeschehen": Die Tierschutzorganisation PETA bittet die Eiscreme-Firma Ben & Jerry's darum, die Kuhmilch in ihren Produkten durch Muttermilch zu ersetzen.

Ja, richtig gelesen. Und nein, es ist nicht der 1. April.
Die Tierschutzorganisation erregt immer wieder mit kontroversen Aktionen für Aufsehen, doch dieses Mal schafft sie es gänzlich ohne Protestanten oder nackte Prominente. Ganz förmlich ging ein Bittschreiben an die Gründer der für ihre verrückten Produktnamen bekannten Marke, in dem PETA die Beweggründe erklärte. Ein schweizer Restaurantbesitzer würde seine Milchprodukte neuerdings mit 75% Muttermilch herstellen, die er von stillenden Müttern abkauft. Dieses Konzept sollte sich Ben & Jerry's als Vorbild sehen, da Milchkühe unter unerträglichen Schmerzen leiden müssten und Kuhmilch für den Menschen ungesund sei, Diabetes auslöst und zu Übergewicht führt. Würden Ben & Jerry's (und andere Firmen) auf Muttermilch umsatteln, könnte man diesem gesundheitlichen Schaden ein Ende setzen. Zumal es unnatürlich sei, wenn erwachsene Menschen sich täglich durch etwas ernähren, was eigentlich für Kälber gedacht ist.

Wieso sich PETA ausgerechnet an Ben & Jerry's wendet? Vielleicht, weil dies eine der populärsten Eismarken der USA ist und konstant in alle Welt expandiert und die Gründer der Marke, Ben Cohen and Jerry Greenfield, auch für den Umweltschutz aktiv sind.

Oder es liegt wirklich allein an der Tradition verrückter Namen für Ben & Jerry's-Eiscreme. Wenn eine Marke diese ungewöhnliche Idee, Muttermilch zur Eisprodukton zu verwenden, umsetzen und ansprechend vermarkten kann, dann Ben & Jerry's.

Wie wäre es mit Mother's Best? Froop Da Noob-Woob: The Juice of the Boob? Smells like Mom? The Mamas and the Papas mit dem extra Schuss Eiweiß? Das Ramona-Drews-Memorial-Eis?

Was aber noch wichtiger ist: Sollte Ben & Jerry's der Bitte nachgehen, werden andere Produzenten von Milchprodukten dem Beispiel folgen? Was bedeutet das dann für Milka? Ist die lila Kuh bald arbeitslos? Wer wird sie ersetzen?

Die PETA-Pressemeldung inklusive Bittschreiben an Ben & Jerry's findet ihr auf der PETA-Webseite.
Arbeitsstellen im Milchförderungsbereich werden sicherlich demächst ausgeschrieben. Geschmeidige Hände zwingend erforderlich.

Spielberg und Disney, sitzen auf 'nem Baum...

Lange kündigte es sich an, nun wird es Wirklichkeit: Steven Spielbergs einstmals unabhängiges Studio DreamWorks verlässt den Schoße der mittelfristigen "Mutter" namens Paramount Pictures, um wieder selbstständig zu werden.
Allerdings benötigt DreamWorks einen Verleih für seine Filme. Um genau dieses Recht entbrennt in Hollywood derzeit ein Wettrennen zwischen den großen Studios, wobei sich laut Insidern vor allem Universal und Walt Disney am meisten um die Vertrtiebsrechte für die Filme von DreamWorks streiten.

Laut Hollywood Reporter.com, wo sich detailliertere Infos zum Thema finden, betragen die zu erwartenden Einnahmen für den zukünftigen Verleih der DreamWorks-Filme lediglich einen Prozentsatz von 8%, was eine sehr niedrig gesteckte Einnahmequelle für einen Kinoverleiher ist. Jedoch sind 8% noch immer besser als nichts und, so wenig es sich auch die anderen Studios zugestehen möchten, mit DreamWorks hat man auch ein verlässliches Pferd im Stall, das immer wieder hohe Einnahmesummen nach Hause bringt. Da gibt man sich bereits mit 8% zufrieden, zumal ein Deal mit DreamWorks auch eine engere Zusammenarbeit mit Steven Spielberg bedeutet.

Vor allem für Disney wäre ein solcher Vertragsabschluss ein Traum. Nicht nur könnten sich Bob Iger und Spielberg endlich dransetzen den Rechtsstreit um Roger Rabbit zu beenden, man hätte zugleich auch die Chance, sich den größten Konkurrenten auf dem Animationsfeld einzuverleiben.
Katzenbergs DreamWorks Animation ist zwar seit dem Paramount-Deal rechtlich unabhängig von DreamWorks, doch wenn Spielberg und David Geffen die Vertriebsrechte in die Hände eines neuen Studios legen wird es doch recht unwahrscheinlich, dass Katzenberg sein eigenes Ding drehen wird.

Es könnte also passieren, dass Katzenberg bald wieder einen Gehaltscheck mit Micky Emblem erhält. Und das, nachdem er sich wutentbrannt aus dem Konzern verabschiedete, weil man ihn ihm nicht den neuen Präsidenten der Disney Company sah.

Sollte es tatsächlich so weit kommen, ich schwöre euch, wir Disneyfans werden am Tage der ersten Lohnüberweisung ein schwerfälliges "Plumps!" aus Richtung Kalifornien hören. Katzenbergs mit aller Macht heruntergeschlucktes Ego.

Das darauffolgende Magengrummeln könnte zwar lebensbedrohliche Erdbeben auslösen, doch das wäre es mir wert.

Tropic Thunder

Eigentlich ist dieser Film von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Die Hauptrolle in diesem auf den Kriegsmemoiren des Vietnam-Veteranen "Four Leaf" Tayback basierenden Actiondramas verkörpert Actionstar Tugg Speedman, dessen von unnötigen und hirnrissigen Fortsetzungen geschundenes Actionfranchise Scorcher langsam im Sumpf der Vergessenheit versinkt. Sein Versuch, mit der Rolle des geistig behinderten Simple Jack ins ernst zu nehmende Fach zu weckseln und nach dem Oscar zu greifen ging kläglich unter und wurde von Kritikern und Zuschauern als armselig abgestempelt.
Eine weitere zentrale Rolle spielt der übergewichtige, launische und drogensüchtige Jeff Portnoy, dessen hirnlosen Komödien nur aus Furzwitzen und dem Fakt, dass er sämtliche Rollen verkörpert, bestehen. Dann wären da noch der sexistische Kommerzrapper Alpa Chino, der sein Gesicht für penetrante Energydrink- und Schokoriegel-Werbung hergibt, der nun seine schauspielerischen Ambitionen entdeckt und der frisch von der Schauspielerschule kommende Kevin Sandusky.

Schlagzeilen im Vorfeld machte Tropic Thunder, als der aus Australien stammende, fünffache Oscar-Preisträger und Method-Actor Kirk Lazarus eine aufwändige Operation durchführen ließ, um nun die Rolle eines Afro-Amerikaners übernehmen zu können. Trotz seiner Beliebtheit bei der Acadamy gilt Lazarus als Exzentiker, der sich nichts befehlen lässt und all zu sehr in seinen Rollen aufgeht.
Debütant Damien Cockburn, der bei dieser Produktion (immerhin der teuerste Kriegsfilm aller Zeiten) Regie führen soll, ist wirklich nicht zu beneiden. Ein wahrer Mordsjob. Guerilla-Filmtechniken sollen Abhilfe schaffen: Im echten Dschungel von Vietnam stapfen die Darsteller durch teils echte Gefahren. Das soll ihre Egos runterkühlen und dem Film einheitzen.

Verwirrt?
Also: Ben Stillers neuste Regiearbeit Tropic Thunder erzählt die Geschichte der Dreharbeiten zu einem fiktiven Film namens Tropic Thunder, der wiederum eine klassische Vietnam-Kriegstragödie erzählt, inklusive allem was nunmal dazu gehört, also auch allerlei Blut und herumfliegende Gedärme.

Dieses Film-im-Film(-im-Film?)-Konstrukt ist sicherlich nicht die jüngste Erfindung der Filmgeschichte, aber bislang noch immer selten genutzt und deshalb weiterhin unverbraucht, frisch und erfrischend zugleich.
Ein entscheidender Grund dafür ist sicherlich, dass solche auf Meta-Humor und Selbstreflexionen Hollywoods gemünzten Filme schwerlich mit dem Massenpublikum vereinbar sind. Zwar möchten die Kinozuschauer nicht dauernd für dumm verkauft werden, doch zugleich sträuben sich erschreckend viele solche Konzepte zu akzeptieren, geschweige denn zu verstehen. Ein Film über einen Film? Ein Film, der so tun will, als sei er eine Kinoerfahrung? Der Allgemeinheit passen solche Ideen nicht wirklich, gnadenlos floppten Produktionen wie Fahr zur Hölle, Hollywood; Last Action Hero oder Grindhouse, die allesamt auf unterschiedliche Weise die Meta-Ebene erklommen.

Schuld daran sind jedoch auch die Filmemacher: Häufig verzetteln sie sich in ihrerm Konstrukt und der Humor bleibt auf der Strecke. Last Action Hero gehört noch zu den besseren Beispielen für diese Art von Filmen, und das will schon was heißen, bedenkt man die unglaublich nervige Hauptfigur (nein, nicht Arnold Schwarzenegger). Dennoch wurde er zu einem heimlichen Filmfan-Favoriten. Ganz zu schweigen von Grindhouse, der alles richtig machte, was man richtig machen konnte - sein Misserfolg ist allein darin begründet, dass er sich direkt an Filmfreaks und Genreliebhaber richtete. Eigentlich darf man bei diesem Film dann auch gar nicht mehr von Misserfolg sprechen, seine Zielgruppe hat er ja erreicht.

Dieses Jahr tritt also Ben Stiller auf den Plan, dem Massenpublikum den Metahumor nahe zu bringen.
Das Konstrukt von Tropic Thunder bietet sich schonmal für allerlei Spaß an: Die Kriegsfilmparodie mit schamlos überzogenen Blutlachen, Waffen mit unendlich viel Schuss Munition und tragischen Helden, die von einem ganzen Batallion niedergestreckt werden, aber noch immer genug Kraft für bewegende letzte Worte haben.
Die verrückte Hirn-aus-Komödie, die im charmanten Ben-Stiller-Stil trottelige Charaktere zeigt, die mit ihrem Tunnelblick schlimmen Situationen gegenübertreten und den Umständen einfach nicht Herr werden, wo der Wahnsinn eskaliert, vermeidet aber peinliche Fremdschäm-Momente.
Und nicht zu letzt die abgedrehte Hollywood-Satire, die selbstverliebten und sich überschätzenden Schauspielern, dem geldgeilen Studisystem und abgenutzten Filmkonzepten einen Spiegel vorhält. Das ganze noch mit zahlreichen Gastauftritten garniert, die sich um die bunt gemischte Hauptdarstellerriege reiht, und wir haben einen kleinen Streifzug durch die Welt des Humors zusammengestellt.
Liebhaber der subtilen Komödien oder in der Realität verwurzelten Filmen, die mit feingeistigem Witz im Detail ein Schmunzeln auf die Gesichter zaubern werden hier trotzdem keinesfalls zufrieden gestellt, doch Freunde der lauten und schrägen humoristischen Gangarten werden hier voll auf ihre Kosten kommen.

Dass der derbe und grenzenlose, aber nie beleidigend werdende, Spaßmarathon in Tropic Thunder nahezu reibungslos abläuft, ist vor allem der Darstellerriege zu verdanken, die völlig in ihren Rollen aufgeht, allen vorran Robert Downey, jr. als überengagierter und möglicherweise dadurch schon psychisch verwirrter Über-Schauspieler Kirk Lazarus. Allein schon die Idee, ihn einen australischen Schauspieler spielen zu lassen, der einen afro-amerikanischen Soldaten aus dem Klischee-Einmaleins verkörpert und sich dabei all zu sehr in sein Dasein als Schwarzer hineinsteigert und es auch außerhalb des Drehs nicht mehr ablegt ist großartig - doch sie wäre lediglich ein guter Gedanke, würde Downey nicht mit Leib und Seele in dieser Rolle und mehr noch in deren Rolle aufgehen. Man kauft ihm den ehrgeizigen und verschrobenen, überaus talentierten Schauspieler ab, verliert dies jedoch schnell aus dem Blick und sieht wahrlich einen afro-amerikanischen Charakterdarsteller vor sich, der sich seinen Kollegen gegenüber zu sehr mit seinem Ghetto-Gerede und dem "schwarzen Tonfall" aufspielt.
Was auf dem Papier (oder dem Bildschirm) vielleicht noch leicht verworren klingt, ist auf der Leinwand einfach nur noch zum wegschmeißen. Dem Spiel mit den verschiedenen Identitäten, die Downey jr. (oder doch nur Downeys Rolle?) hier so leidenschaftlich annimmt, kann man einfach nicht wiederstehen. Die köstlichen Reaktionen seiner Umwelt runden das ganze perfekt ab.

Natürlich ist dies aber auch ein gefundenes Fressen für Synchro-Hasser - schließlich könne man Downey jr.s Rolle unmöglich adäquat umsetzen. Der "schwarze Dialekt" und das Ghettoenglisch funktionieren auf Deutsch nicht so wie im Original, da es diese Klischees hier nicht so gibt.
Was die Synchrogegner aber unterschätzen ist das schauspielerische Talent der deutschen Sprecherelite, der auch Charles Rettinghaus (Downeys Stammsprecher) angehört. So viele stempeln im DVD-Zeitalter Synchronisationen als hölzern ab und tun ihnen somit unrecht: Was von alleine nicht funktioniert, muss die deutsche Synchro halt durch Mühe wieder wett machen. Und tatsächlich hört man auch auf Deutsch die Unterschiede zwischen dem "schwarzen" und dem "echten" Kirk Lazarus heraus.
Um die assoziativen Defizite auszugleichen, nahm man sich die bestmöglichen Alternativen zur Brust. Andere Komödien ersetzen übertriebene US-Dialekte durch deutsche Dialekte, wie etwa hessisch oder bayrisch, was hier natürlich nicht gepasst hätte, also ersetzte man das "Böser-schwarzer-Mann-aus-dem-Ghetto"-Vokabular durch deutsche Straßensprache. Das Prolldeutsch bleibt dabei glücklicherweise in einem erträglichen Rahmen, da es allzuschnell deplatziert wirken könnte. Schließlich spielt Downey einen Australier, der einen schwarzen US-Soldaten im Vietnamkrieg verkörpert, und nicht etwa einen Australier mit turko-deutschen Wurzeln und einem starken Sonnenbrand.

So, wie man das Prolldeutsch aber einsetzte, machte die Synchronregie das Beste aus der zugegebenermaßen vertrackten Situation. Natürlich ist der deutsche Ton hier nicht ganz so pointiert und geschliffen, da der Film nicht für diese sprachlichen Ausschweifungen von Downeys Rolle geschrieben und geschnitten wurde, aber es bleibt dennoch viel Humor erhalten.
Den Tonfall, die Betonung und die Stimmfärbung von Rettinghaus in seinen "schwarzen" Momenten ist dagegen rundum gelungen - hilfreich für die Rolle ist dabei auch, dass Rettinghaus schon mehrere afro-amerikanische Rollen sprach (darunter Deacon aus King of Queens), was zwischenzeitlich die Illusion aufbaut, dass er hier erneut einen schwarzen Darsteller spricht.

Es ist aber nicht nur Downey jr., der hier Lob verdient. Auch Ben Stiller geht in seiner Rolle auf und vereint das liebenswürdig trottelige seiner populärsten Rollen mit dem eines abgebrühten Actionfilmdarstellers, so dass man ihm beide Facetten seiner Rolle abkauft.
Die Gast- und Nebendarsteller passen sich diesem Niveau nahtlos an, darunter Nick Nolte als kaputter Vietnam-Veteran [Spoiler]und auch der heimliche Star des Films: Tom Cruise, der als fetter, überaus behaarter, glatzköpfiger und wild fluchender, geldgieriger und sich sehr seltsam benehmender Studioboss nicht nur eine Rundumklatsche an Hollywood-Mogule wie Joel Silver und Harvey und Bob Weinstein oder die heimliche Vorlage der Rolle, Ben Stillers Stammproduzent Stuart Cornfeld, verteilt, sondern auch noch stellenweise sich selbst und sein überdrehtes Auftreten in den Medien auf die Schippe nimmt. Wohl mit Abstand seine beste Rolle seit seinem jüngsten Popularitätsabsturz. [/Spoiler]

Leider bleibt ausgerechnet der von mir so geschätzte Jack Black ziemlich farblos, jedoch bot seine Figur auch nicht sonderlich viel Potential. Schade ist auch, dass sich zwischen all den herrlichen Wortwitz- und Slapstickmomenten, den genialen Parodien und den pointierten Seitenhieben auch ein paar lahme Parodien eingschlichen haben. Manchmal begnügt sich Tropic Thunder dann doch mit der naheliegendsten Nachahmung einer Szene oder eines Klischees, ohne viel hinzu zu fügen. Der Witz bleibt zwar auch in solchen Szenen weit über dem Niveau solcher Filme wie Date Movie, doch im Vergleich zum restlichen Film fallen sie dann doch zu sehr ab. Vor allem kurz vor dem großen, rasanten und auch lauten Finale gönnt sich Tropic Thunder eine kurze Verschnaufpause, in der die Brüller durch Schmunzler ersetzt werden und auch die Trefferquote was nachlässt.

Allerdings sind das im Grunde genommen nur Kleinigkeiten, langweilig wird Tropic Thunder niemals, und obwohl auf manchen Gags lange herumgeritten wird, so bekommt man nie genug von ihnen. Stiller, der am Drehbuch beteiligt war und Regie führte, findet stets den richtigen Zeitpunkt um die Schraube weiterzudrehen. Das und die Detailverliebtheit lassen den Zuschauer letztlich noch nach mehr schreien.
Eine Fortsetzung wird es wohl kaum geben, doch das virale Marketing zum Film komplett mit Fake-Webseiten und einer Mockumentary, die sich als Making of des fiktiven Tropic Thunder ausgibt. Material für die DVD wird also zu Genüge vorhanden sein.

Nach dem langweiligen und bemühten Nachts im Museum ist Tropic Thunder die umso glorreiche Wiedergutmachung Stillers. Weiter so.

Siehe auch:

Dienstag, 23. September 2008

Kevin Smiths pessimistische Aussichten für "Red State"

Im aktuellen Podcast von CinemaBlend.com plaudert Kevin Smith in seiner gewohnt lockeren und gewinnenden Art über seinen aktuellen Film Zack & Miri Make A Porno sowie über seinen nächsten Film, den Horror-Thriller Red State.

Jeder, der sich für Smiths Arbeit interessiert, rund 60 Minuten Zeit hat und ein gutes Hörverständnis hat (was bei genuscheltem, amerikanischem Alltagsenglisch eine wirklich harte Aufgabe werden kann), sollte sich unbedingt den Podcast anhören.

Für alle, die sich die 60 Minuten sparen möchten, keine Sorge. Das wichtigste verpasst ihr schon noch nicht, denn die größten Neuigkeiten habe ich natürlich für euch rausgeschrieben und die betreffen Smiths zukünftige Vorhaben.
So verrät Smith dem Team von CinemaBlend, dass er bislang keine finanzielle Unterstützung für Red State auftreiben konnte. Die ihn bislang treu zur Seite stehenden Weinsteins lehnten Red State ab, woraufhin Smith mit dem Film hausieren gehen musste, doch die Gegenliebe für das Projekt fällt ziemlich klein aus.
Red State ist, erklärt Smith, "entschlossenermaßen non-kommerziel, es ist wirklich verflucht nochmal trostlos und düster, es ist so trostlos, dass The Dark Knight dagegen wie Strawberry Shortcake [eine zuckersüße und harmlose Trickserie für Kleinkinder - stellt euch die Teletubbies in einem Süßigkeitenland vor] wirkt. Es gibt keine Figur, die man unterstützt [...]. Es ist eine Reihe von geisteskranken, schlechten Entscheidungen, die aus moralischen oder unmoralischen Verlegenheiten heraus entstehen."

Im Angesicht dessen kann Smith nachvollziehen, dass sich die Studios weigern diesen Film zu finanzieren. [Spoiler]Zumal sämtliche Figuren sterben werden.[/Spoiler]

Trotz, oder gerade genau wegen, dieser Probleme mit der Finanzierung möchte Smith den Film unbedingt verwirklichen, da er in ihm einen Test seiner eigenen Fähigkeiten als Filmemacher sieht. Auf Filmfestivals sei er sicherlich ein Erfolg, mutmaßt Smith. Sollte er aber erkennen müssen, dass er außerhalb seiner "Schwanz- und Furz-Witze" kein Erfolg haben, würde er dorthin zurückkehren.
Smith kann definitiv mehr, als pubertäre Witze aneinanderreihen, ihn aber hinter einem düsteren, auf Spannung gebürsteten Projekt zu sehen wäre tatsächlich was völlig neues und keineswegs ein sicheres Unterfangen. Doch genau das macht es so aufregend. Kann Smith sein Talent für hervorragende witzige und auch emotionale Dialoge auf düsteres und unheimliches übertragen? Wenn ja, so könnte uns ein echter Geheimtipp mit packenden und einvernehmenden Dialogen erwarten, der auch ohne Schockeffekte eine gewaltige Gänsehaut erzeugt.

Mehr über Red State:

Montag, 22. September 2008

Emmy-Liveblogging 2008

Zum 60. Mal wird der Emmy Award verliehen. Im Gegensatz zum Oscar für mich aber nur semi-interessant. Warum? Zum zeitpunkt der Verleihung kenne ich nur einen Bruchteil der nominierten Serien (da sie erst später hier starten), und von den Serien die ich kenne gewinnen nur die wenigsten.
Okay, auch nicht groß anders als beim Oscar, aber beim Emmy habe ich das mitfiebern für meine Favoriten längst aufgegeben.

Aber was soll's... Ich leide momentan unter Schlaflosigkeit, ProSieben überträgt die Verleihung, was sollte ich schon anderes tun als mitbloggen?

2.00: Die Emmys eröffnen mit Darstellern, die berühmte TV-Zitate aufsagen. Nett.

2.01: Oprah, die amerikanische Jauch, Kerner, Beckmann, Geissen, Kiesbauer, Türck, Meiser und Mutter Theresa spricht über das Medium Fernsehen und dessen Bedeutung und... *schnarch* Ei, gucke ma' da, der Walt war eben auf dem großen Schirm über der Bühne zu sehen!

2.04: Es gibt dieses Jahr eine neue Kategorie: Beste Moderation eines Reality- oder Castingformats. Also die amerikanischen Versionen von Marco Schreyl, Heidi Klum und Co. Genau die moderieren auch die heutige Verleihung. Grauenhafte Idee, die sich Deutschland hoffentlich nicht abguckt.
Die amerikanische Heidi Klum ist übrigens auch unsere, und sie steht beim Auftritt der Moderatoren in der Mitte. Die vier Männer um sie herum fangen an zu moderieren und erklären, dass sie nicht vorbereitet sind. Ja, und sie reden, und reden, und reden. Heidi dagegen darf in der Mitte stehen und Löcher in die Luft starren. Wofür wurde sie nochmal nominiert?

2.07: Haltet die Luft an! Heidi räsupert!

2.08: Heidi darf drei, vier kurze Sätze sagen. Nun kommt William Shatner auf die Bühne.

2.08.30: Er reisst ihr die Klamotten vom Leib.

2.08.31: Sie trägt ein Glitzerkleid drunter. Das doppelmoralische Amerika ist innerlich enttäuscht, tut aber so, als wäre es erleichtert.

2.09: Die Laudatorinnen begrüßen die Zuschauer in der Welt, da die atemberaubenden Techniken des einundzwanzigsten Jahrhunderts erstmals eine simultane Übertragung über die gesamte Welt möglich macht.

Werden jetzt sogar Preisverleihungen wiederholt? Für die 80er Jahre haben die zwei Ladys aber ganz schön moderne Frisuren.

2.11: Jeremy Piven von Entourage gewinnt den Award für den besten Nebendarsteller (Comedy).

2.15: Witze über die Emmys und Seinfeld. Ich fühle mich gerade irrelevant für die Emmys.

2.20: Jean Smart aus Samantha Who? gewinnt den Emmy für die beste Nebendarstellerin in einer Comedy-Serie. Passt.

2.27: Anscheinend werden heute nur alte Ausschnitte aus Serien für die Einspieler genutzt. Streiken die Autoren in Hollywood etwa schon wieder?
Die Desperate Housewifes verleihen zusammen den Preis für den besten Nebendarsteller und loben das Talent ihrer Kolleginnen, die tolle Zusammenarbeit. Nur Longoria scherzt darüber, dass sie im Gegensatz zu den anderen nicht schauspielern kann. Netter Scherz, da doppeldeutig.

2.29: Zeljko Ivanek von Damages gewinnt.

2.33: Ricky Gervais (der britische Stromberg) zeigt ehemalige Preisträger und muss mit ansehen, wie Steve Carell (der amerikanische Stromberg) in den Clips einen Emmy für Grevais entgegennimmt, der damals nicht anwesend war. Gervais beleidigt Carell und fordert den Emmy zurück. Ich lache. Überraschung.
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2.35: Beste Regie einer Comedy-, Musik-Show oder einem sonstigen Programm: Horvitz für die Oscars.

2.44: Dianne Wiest gewinnt den Preis für die beste Drama-Nebendarstellerin (In Treatment). Da sie nicht anwesend ist, möchte Conan O'Brian den Preis an Steve Carell übergeben.

2.45: Die Autoren für Comedy- und sonstige Shows sind nun dran. Das Nominierungsvideo dauert aufgrund der großen Autorenteams ewig lang, ist aber dennoch witzig da die Autoren auch hier ihr Talent zeigen. Es gewinnt das Team vom Colbert Report.

2.50: Steve Martin übergibt den Ehren-Emmy des Jahres und erwähnt, dass er schon als Kind davon träumte. Er zog sich schick an und stellte sich vor bei der 60. Emmy-Verleihung dabei zu sein. Außerdem nutzt er einige komplizierte Worte, nur um zu sehen, ob der Verantwortliche für die Untertitel sie schreiben kann.
Ehrenpreisträger ist übrigens Tommy Smothers, den wohl niemand jenseits der USA kennt.

3.01: Live gesungen und gespielt: 60 Jahre TV-Musik mit einem Medley aus Simpsons, Friends, Happy Days, Golden Girls, Mister Rogers Neighborhood (die Serie kenne ich nicht, aber seltsamerweise das Lied), Love Boat (dem amerikanischem Traumschiff), Law & Order, Addams Family, Muppet Show (mit Tier live und in Farbe an den Drums, der zur Akte X-Melodie weggebeamt wird), Akte X, South Park, Jeffersons, Baywatch, Brady Bunch, Cops, Fresh Prince of Bel Air, Saturday Night Live, Two & Half Men, Rawhide, Giligan's Island, M*A*S*H, Carol Burnet Show und Cheers. Die "The"s habe ich weggelassen, sonst wäre ich morgen noch am tippen. Tolle Showeinlage, aber da Scrubs übergangen wurde, bin ich kurz vor einem Amoklauf.

3.06: Beste Darstellerin einer Mini-Serie oder eines Films: Laura Linney. Zum dritten Mal.

3.16: Irgendeine alte Show manens Laugh-In wird geehrt, indem sie einen neuen Einspieler (Promis sagen "Suck it to me") und einen Sketch spendiert bekommt. Die Show kannte ich nicht, aber wenigstens weiß ich nun, wo der Spruch herkommt. Jon Stewart hat die beste Comedy-, Musik oder Variety-Show.

3.19: Klum moderiert nochmal kurz und betont auf englisch genauso übertrieben damenhaft wie in ihrer Muttersprache. Am Ende eines Satzes geht die Stimme runter, Frau Klum!

3.20: Beste Comedy-Gastdarsteller werden so schnell abgehandelt, dass ich nichts mitbekam. Ich werde es nachreichen. Oder am Ende einen Link setzen. Wird sich ja zeigen.

3.21: Beste Comedy-Regie geht an Barry Sonnenfeld für Pushing Dasies. Ich werde mich bald im deutschen TV überzeugen, ob das okay ist.

3.24: Bester Comedy-Autor: Tina Fey, 30 Rock. Für eine mehrfache Nominierte und dreifache Gewinnerin sieht sie noch sehr jung aus. Die Boulevardmagazine der USA werden bestimmt wieder darüber herziehen, da dort ja niemand jemandem gutes Aussehen gönnt. Zum Glück empfang ich kein US-Fernsehen.

3.31: Martin Sheen (u.a. der Bösewicht aus dem TV-Meilenstein ALF - Der Film) sagt wie wichtig das Fernsehen für Politik und das Wählen für die USA sind.

3.33: Mir fällt gerade wieder ein, wie langweilig ich Preisverleihungen eigentlich finde.

3.35: Christina Applegate wird von ihrem On-Screen-Partner in den Himmel gelobt. Klar, gute Worte nach einem erfolgreichen Kampf gegen den Krebs... Applegate erwidert: "Good Luck to you". Süßer kleiner Witz. Recount ist der beste TV-Film. Irgendwie werden gerade die Emmys im Eiltempo verliehen und es bleibt dennoch langweilig.

3.45: Jon Stewart und Stephen Colbert verleihen den nächsten Emmy und versprechen, nicht über Politik zu reden. Sofort holt Colbert eine Packung Pflaumen und isst sie laut schmatzend. Stewart beschwert sich, doch Colbert verteidigt sich damit, dass Amerika gerade Pflaumen bräuchte. Sie seien nicht die hübschesten und modernsten Früchte, doch sie hätten Erfahrung. Auch nach acht Jahren Pflaumen hätte er noch lange nicht genug davon.

Ich habe Pflaumen noch nie gemocht, und nun weiß ich weshalb. Danke, Amerika.

3.49: Die Emmy-Regie schneidet eine Laudatio mitten im Satz ab, um die Vorschau für den restlichen Abend zu zeigen. ProSieben schneidet die Vorschau für den eigenen Werbetrenner ab. Ich schneide mir bald Zehen- und Fingernägel ab, damit jetzt wenigstens irgendwelche einschneidenden Ereignisse geschehen. Ich könnte es aber auch lassen. Mal sehen.

3.54: Oh, zwei Darsteller von Scrubs sind auf der Bühne. Oh, nein, doch nicht, sie sind bloß von der dramatischeren, kitschigeren und erfolgreicheren Kopie Grey's Anatomy.

3.56: Endlich wird es interessant. Don Rickles und Kathy Griffin präsentieren den nächsten Preis und Rickles improvisiert was das Zeug hält, was Griffin aus dem Konzept bringt und in einen Lachkrampf treibt. Rickles will nun "diese witzige Zeilen vorlesen, die sie für uns geschrieben haben". Nun ist bei Griffin alles verloren und sie japst mit letzter Kraft die geplanten Zeilen dahin, die wiederum Rickles zum lachen bringen. Herrlich.

4.00: The Amazing Race wird zum sechsten mal hintereinander die beste Reality-Serie. Da die Show von Jerry Bruckheimer produziert wird, darf er nun auf die Bühne. Ich warte noch immer auf den Tag, an dem er sich von einem Hubschrauber aus dem Publikumsbereich auf die Bühne fliegen lässt und auf dem Weg dorthin die überdimensionale Emmy-Statue auf der Bühne in die Luft jagt.

4.14:
Greg Yaitanes holt sich für House den dramatischen Regie-Emmy.

4.16: Matthew Weinergewinnt den Drehbuch-Emmy für Mad Men und vergisst bei der Dankesrede wie eines seiner Kinder heißt, wirft den Namen aber hastig hinterher, nachdem er es als "the other one" bezeichnete. Das gibt Tränen...

4.20: Ich kann keine Werbung mehr sehen... Geschweige denn hören. Die Werbeblöcke sind gefühlte 169% lauter als die eigentliche Show... Blut tropft meine Schläfe hinunter, ich hoffe dass ich weibliche Flöhe mit Monatsblutungen habe. Geplatze Trommelfelle kann ich nicht gebrauchen.

4.24: Paul Giamatti ist der beste Hauptdarsteller in einem TV-Film und verkündet froh: "Liebe Kinder, ich bin der lebende Beweis. Jeder, wirklich jeder kann den Präsidenten spielen."

4.26: Alec Baldwin spielt in 30 Rock und ist der beste Comedy-Hauptdarsteller.

4.27: Den Ugly Betty-Darstellern wird der Ton abgedreht, doch anscheinend hat Glenn Close den Emmy für die beste Hauptdarstellerin in einer Drama-Serie gewonnen. Damages, die somit prämierte Serie, floppte in Deutschland gnadenlos. Wie nahezu alle Emmy-Preisträger.

4.36: Auf ProSieben läuft Werbung für den zweiten teil vom großen Sex-Report 2008. Es geht um den weiblichen Orgasmus. Eine Frau stöhnt beim Stichwort "perfekter Höhepunkt" folgende Worte: "Boah, Oh, Alter!"
Ich bin sprachlos. Nicht wegen der zu grundschultauglichen Uhrzeiten (hab echt Mal um 5 Uhr Kinder mit Schultornistern auf der Straße gesehen) gezeigten Werbung für Sendungen über Sex, sondern über den Einzug von Straßensprache in deutsche Betten. Wer "Alter", "krass" oder "konkret" im Bett benutzt, gehört erschlagen. Mit allem, was auch immer gerade zur Hand ist.

ebenfalls 4.36: Ich schweife vom eigentlichen Thema ab.

4.40: Ich realisiere, dass ich wirklich über alles schreibe, um diesen Beitrag unterhaltsam zu halten und ihn hinter mich zu bringen.

4.41: Brooke Shields ist auf der Bühne. Ich glaube, dies ist das erste Mal, dass ich sie seit dem Ende der mittleren 90er Jahre wo sehe. Tina Fey gewinnt ihren zweiten Emmy für heute Abend, den vierten in ihrem Leben. Kategorie: Beste Hauptdarstellerin (Comedy). Für 30 Rock.

4.43: Jimmy Kimmel hält eine Laudatio für die Kategorie "Beste Moderation für eine Realityshow". Kimmels Show gewann den Emmy für die beste Musik in einer Comedy-, Musik- oder Variety-Show für den witzigsten Song des Jahres, I'm fucking Matt Damon.

4.45: Kimmel parodiert das Langziehen der Entscheidungen in Castingshows und droht, das Ergebnis erst nach der Werbepause zu sagen. Was wie ein Witz klingt, ist leider wahr.

4.48: Die Sexreport-Werbung kommt wieder. Dieses Mal verstehe ich aber "Ohhh... weiter!". Anscheinend haben vorhin doch meine Ohren geblutet, nicht meine weiblichen Flöhe. Nun hoffe ich, dass ich keine weiblichen Flöhe habe. Oder männliche. Und dass Trommelfelle nachwachsen. Oder dass die Werbung nochmal kommt und ich mich vergewissern kann, was da denn nun genau gestöhnt wird.

4.50: Jeff Probst von Survivor gewinnt den Emmy für Reality-Moderation. Und in China soll ein Sack Reis umgefallen sein. In Berlin-Kreuzberg sagte eine Frau gerade "Alter!". Ob sie während dessen Sex hatte, ist ungewiss. Wir bleiben am Ball.

4.54: Die beste Comedy-Serie ist ganz klar Scrubs, doch mit dem (der) Emmy wird 30 Rock ausgezeichnet.

4.56: Der letzte Emmy geht an die beste Drama-Serie. In meinen Augen sollte Lost gewinnen, aber es ist die Serie Mad Men, die sich feiern lassen darf. Alter...

4.58: Ende der Show.

Fazit: Langweilig wie eh und je, aber ich lerne ja nie aus und werde auch nächstes Jahr zugucken. Nun aber habe ich erstmal genug von US-Preisverleihungen. Jetzt ist erstmal der öde deutsche Comedy-Preis dran, bei dem wenigstens ab und zu solche Highlights passieren wie Horst Schlämmer vs. Ricky. Und ehe man sich versieht, sind wieder die Oscars dran...

Die Gewinner der Creative Emmys gibt es hier, die von heute Nacht hier.

Sonntag, 21. September 2008

Kurz & knapp

  • The Fever Returns: Das Saturday Night Fever bricht wieder aus, dieses Mal jedoch nicht im New Yorker Stadtteil Brooklyn, sondern in Hoddesdon, Hertfordshire - einem 20.000-Seelen Städtchen im Osten Englands. Anscheinend ist Hoddesdon nicht nur sehr bekannt dafür, nah am Puls der Zeit zu liegen (der Travolta-Film ist ja lediglich 31 Jahre alt), sondern auch für sein fabulöses Nachtleben. Oder warum sonst verlegt man für das Remake/Sequel die Handlung dorthin? Wie dem auch sei, Keira Knightley und Orlando Bloom sollen die Hauptrollen spielen. Vom König der Piraten zur Dancing Queen. Tolle Karriere. Ich bin auf die Outfits gespannt. (Quelle: Mirror.co.uk)
  • Seth Rogen fand einen Regisseur für seine Green Hornet-Kinoadaption: Stephen Chow, der im Film auch mitspielen wird. Seth Rogen in einer ernsten Kinorolle, auch noch als Superheld... Das wird ein ungewohntes Kinoerlebnis...
  • DallasNews fasst Disneys Pläne zusammen, die Muppets wieder ins Gespräch zu bringen. Neu ist mir der Plan, neue Muppet-Sketche auf DVD-Sets von Fernsehserien des Konzerns zu packen. Erwarten uns nun Muppet-Parodien von Desperate Housewives und Lost?

ProSieben zeigt ab Dienstag neue Folgen von "Lost"

Lange mussten die Fans der mysteriösen Inselserie um einen deutschen Sendetermin im Free-TV bangen, schließlich zeigte sich Lost nicht gerade als Quotengarant auf ProSieben.
Doch alles nur halb so wild, wie sich herausstellte.
Um den desaströsen Dienstag-Abend wieder aufzupolieren platziert der Münchner Sender um 22.15 Uhr, also noch zur Prime-Time neue Folgen von Lost.
Wieder einmal erwarten uns Zuschauer spannende Abenteuer von Kate, Jack, Locke und Hurley mit jeder Menge Dschungelaction.

Zur Einstimmung gibt es hier schonmal zwei Bilder aus der neuen Staffel:


Bildquelle: Forum von Quotenmeter.de

Neues von L O S T, ab Dienstag um 22.15 Uhr, exklusiv in Switch Reloaded auf ProSieben.

Samstag, 20. September 2008

Stürmischer Seegang auf den sieben Metal-Meeren

Alestorm, die offiziell inoffizielle Haus- und Hofband dieses Blogs, steuert sich gerade in bester, knallharter und raubeiniger Piratenmanier durch ein enormes Unwetter. Piraten können das glücklicherweise ab, ansonsten hätte bei diesem heftigen Seegang schon längst jeder Magen Selbstmord begannen.
Nachdem im Juni Drummer Ian Wilson aufgrund des Tour-Stresses die Band verließ und durch den Deutschen Alex Hasselhoff vertreten wurde, gab Alestorm am 11. September bekannt, dass Wilson in seinem Klempnerjob doch keine Erfüllung fand und zur rockigen Piratencrew zurückkehrte.
Bereits zwei Tage später musste Alestorm weitere Veränderungen bekanntgeben: Gründungsmitglied und Gittarist Gavin Harper stieg aus der Band aus, da er sich anderen Projekten widmen möchte, das Unternehmen Alestorm wurde ihm zu stressig und führte auch zu privatem Stress und finanziellen problemen.

Ein Ersatz ist jedoch schon gefunden: Tim Shaw, der früher zur Death-Metal-Band Premithon gehörte und nun Kopf von Fyrdsman ist heuerte nun auf dem schottischen Piratenschiff an.
Eine übersichtliche Bandgeschichte sieht anders aus.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Alestorm fand zwischen all dem über-die-Planke-jagen und Crewmitglieder anheuern tatsächlich Zeit ein Tonstudio zu entern. Das Ergebnis ist eine vier Tracks umfassende EP, die aus folgenden Titeln bestehen soll:
Dem neuen Song Leviathan, dem Coversong Wolves of the Sea sowie der deutschen Version von Wenches & Mead ("Weiber und Wein") und zum Abschluss gibt es noch die bislang nur als Download erhältliche, verbesserte Version des Songs Heavy Metal Pirates obendrauf.

Neuer Song schön und gut, die kurzzeitig auf MySpace.com zu hörende deutsche Version von Wenches & Mead war auch klasse und ich freu mich auch, die Neuauflage von Heavy Metal Pirates in meinen gierigen Händen halten zu können, was sich einfach besser anfühlt als eine blöde Musikdatei auf dem Computer. Doch bei einem wird mir angst und bange... Ein Cover namens Wolves of the Sea...?!
Ich kenne bislang nur einen Song mit diesem Titel...



Is' mir übel. Und das liegt eindeutig nicht am Seegang hier...

Weiterführende Artikel:

Unbreakable - Breakable - Broken?

Unbreakable. Ein Jahr zuvor erschien The Sixth Sense in den Kinos und begeisterte das gemeine Publikum, gestrengere Kinogänger und auch die Filmkritiker gleichermaßen. Dass unter dem riesigen Erfolg dieses Films bereits viele Misseinschätzungen gesät wurden, wollte damals noch niemanden stören. So viele sprachen von The Sixth Sense als hochspannenden Horror-Thriller mit schockierendem Ende.
Dabei könnte man den Film, möchte man unbedingt das Genre-Schubladendenken verfolgen, viel mehr als ein übernatürliches Drama einsortieren.

Aufgrund der guten Mundpropaganda wäre es sicherlich dumm gewesen, zwanghaft den Film als rührend-intelligent darzustellen, statt die überaus positiven Reaktionen abzuwürgen. Zumindest kurzfristig gedacht. Langfristig gedacht öffneten sich so Tür und Tor für den Moment, den der in Indien geborene Regisseur und Drehbuchautor M. Night Shyamalan als den größten Fehler seiner Karriere bezeichnet.
Während M. Night Shyamalan seinen nächsten Film als Comic-Book-Movie sieht, möchten die Geschäftsführung und die Werbeabteilung des Disney-Konzerns ihn als Gruselthriller vermarkten. Hat das letzte Mal ja auch gut geklappt.

“I remember the moment that it happened, exactly where I was sitting at the table, the speakerphone. That moment may have been the biggest mistake that I have to undo over 10 years so the little old lady doesn’t go, ‘Oh, he’s the guy who makes the scary movies with a twist.’ ”

(Ich erinnere mich genau an den Moment, in dem es geschah, wie ich am Tisch, am Lautsprecher, saß. Dieser Moment wird möglicherweise der größte Fehler sein, den ich über zehn Jahre lang wieder gutmachen muss, damit die kleine alte Dame nicht ankommt: "Oh, er ist der Kerl, der die gruseligen Filme mit der Überraschung am Schluss macht.")

Was Shyamalan der NY Times verriet ist leider zu wahr. Es ist schade um sein Talent, und schade um seine Filme. Ganz besonders um Unbreakable, der zwar nicht mein liebster Shyamalan ist, sich aber nach meinem Favoriten The Village auch sehr gut mit einer Silbermedaille macht. Denn von all den Filmen, die Shyamalan nach The Sixth Sense drehte kann dieser am wenigsten für seinen Misserfolg. The Village litt enorm unter seinem Marketing, doch selbst mit der richtigen Werbestrategie hätte er wohl kaum besser an den Kinokassen abgeschnitten. Dieser Film gehörte eindeutig in die Arthouses, angemessene Trailer hätten demnach wohl kaum zahllose Menschenmassen in die Kinos gelockt - doch The Village wäre all der unverdiente Hass erspart geblieben.
Unbreakable dagegen hätte mit angemessenem Marketing nicht nur die elitären Kinogänger zufriedengestellt, sondern auch so manchen Multiplex-Zuschauer befriedeigt. Aber nach eienr solch falschen Erwartungshaltung...

Die düster-nachdenkliche Superheldengeschichte mit bedächtigem Tempo und Kinokonventionen durchbrechendem Spannungsbogen, die hervorragend harmonierenden Bruce Willis und Samuel L. Jackson in den Hauptrollen und einer einmaligen Symbiose aus Realismus und Mystik zeichnet sich durch die bedrückende Stimmung und seiner komplex durchdachten Handlung aus und trifft mich mit ihrer Comic-Thematik an einer schwachen Stelle - kein Wunder, dass dies mein zweitliebster Shyamalan ist. Ich ging allerdings auch völlig ohne jegliche Erwartungshaltung an diesen Film herran. Ein unfairer Vorteil gegenüber vielen Kinogängern.

Ein Totalflopp wurde Unreakable bekanntermaßen nicht, 95 Mio. Dollar in den USA, stolze 2,4 Millionen Zuschauer in Deutschland (womit Deutschland wohl auch zu den erfolgreichsten Märkten des Films zählen sollte) und immerhin 248 Millionen Dollar weltweit reichten aus, um Shyamalan in Hollywood weiterhin zu den jüngsten Regiewunderkindern zu zählen und seinem nächsten Projekt grünes Licht zu geben.
Doch es reichte noch lange nicht aus, um die geplanten Fortsetzungen am Leben zu lassen. Während der Produktion sprach Shyamalan nämlich mit Willis und Jackson über Pläne, Unbreakable zur Trilogie auszubauen.
Wovon genau diese Filme handeln sollten wurde nie offiziell bekanntgegeben, jedoch konnten sich Fans bereits einige Gedanken machen. Unbreakable nahm nämlich die übliche Struktur einer Superhelden-Ursprungsgeschichte, warf den zweiten und dritten Akt beiseite und "zoomte" dann so weit in den ersten Akt hinein, bis er sich auf eine abendfüllende Laufzeit ausstreckte.

Acht Jahre sind nun vergangen. Shyamalan ist seit einigen Jahren eine beliebte Zielscheibe für Hollywoods Kritikerelite und zerstritt sich mit dem Disney-Konzern, der seine vier bislang erfolgreichsten Filme produzierte. Bruce Willis verteidigte in der Zwischenzeit bei jeder Gelegenheit Unbreakable gegenüber seinen Kritikern. Und Jackson betont immer wieder, dass er nochmal mit Shyamalan drehen möchte.
Mit vorranschreiten der Zeit werden Fortsetzungen von Unbreakable (nach einem Vorschlag von Ain't It Cool News: am besten Breakable und Broken betitelt) immer unwahrscheinlicher. Oder? Wird es Unbreakable 2, Breakable, Unbreakable - Jetzt erst recht oder wie auch immer der zweite Teil heißen mag geben?

"Ich sag es Ihnen, ich werde darüber andauernd ausgefragt", sagte Shyamalan vor kurzem gegenüber MTV News. Ideen habe er genug, und langsam besteht auch wieder genug Hoffnung, dass sich eine ausreichend große Zielgruppe nach diesem Film sehnt. Auszuschließen wäre eine Fortsetzung also nicht.
Ich wäre auf jeden Fall im Kino anzutreffen, sollte es eine Fortsetzung geben. Vor allem macht Shyamalans Aussage, er wolle das Drehbuch nicht mit unnötigen Selbstdarstellungen vollstopfen (was ihm spätestens seit Das Mädchen aus dem Wasser ununterbrochen vorgeworfen wird), große Hoffnungen.

Bevor das Projekt aber weitere Formen annehmen kann, müsste sich Shyamalan noch mit dem Disney-Konzern versöhnen. Möglich, doch nicht das wahrscheinlichste in Hollywood.
Nina Jacobson, damalige Präsidentin der Walt Disney Motion Pictures Group, die Shyamalans Entwürfe für Das Mädchen aus dem Wasser scharf kritisierte und, in den Augen des Autors, unangebrachte Verbesserungsvorschläge machte, ist jedenfalls nicht mehr bei Disney angestellt. Bedenkt man, dass sie in Shyamalans Biografie von ihm beschimpft wurde und laut eigenen Aussagen an einer tiefen Sinneskrise Schuld war, so erleichtert dieser Personalwechsel auf beiden Seiten eine Versöhnung.
Dass die Entlassung Jacobsons einer der wenigen, aber dafür ein umso gravierender, Fehler im Zuge der Umstrukturierung der Disney-Studios ist, lassen wir in diesem Falle ausnahmsweise beiseite. Jacobson gab ja "lediglich" das OK für The Sixth Sense, Plötzlich Prinzessin, Gegen jede Regel, Fluch der Karibik, Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia und zahlreiche andere Erfolge. Wer braucht die Frau schon?

Derzeit arbeitet Shyamalan an der Kinoadaption der Nickelodeon-Serie Avatar und ist seit neustem der Kopf hinter einem eigenen Independent-Label. Sollte irgendwo zwischen diesen Projekten Zeit für ein Breakable-Drehbuch sein, Mr. Shyamalan, dann hauen Sie bitte in die Tasten.

Wie bereitet ihr euch auf "WALL•E" vor?

Donnerstag ist es endlich so weit! In Deutschland startet nach langem Warten der Film in den deutschen Kinos, auf den Disney-, Pixar- und Animationsfans seit den ersten Gerüchten Ende 2006 gewartet haben. Als im Laufe 2007 immer mehr Informationen durchsickerten, woraufhin Gerücht von Fakt unterschieden werden konnte, steigerte sich die Vorfreude. Es folgten die ersten bewegten Bilder, eine großartige Werbekampagne und die ersten Zuschauerreaktionen... Nach den ersten professionellen Kritiken sollte es dann auch der letzte verstanden haben: Diesen Film darf man nicht unterschätzen.

WALL•E - Fans und Kritiker jauchzen aufgrund dieses Films nahezu ausnahmelos noch lauter als sie es 2007 wegen Ratatouille taten. Und schon bei diesem Film überschlug sich das Lob, dass einem schwindlig werden konnte.
Wie bereitet man sich also auf das möglicherweise alles verändernde Ereignis? Womit kann man sich auf den wichtigsten Kinobesuch des Jahres einstimmen?

Ich habe die letzten Tage sämtliche Pixar-Filme anti-chronologisch durchgeguckt. Von Ratatouille bis Toy Story.
Und was macht ihr?

Freitag, 19. September 2008

Disney-Parks werden zu noch attraktiveren Feststätten

Jay Rasulo, Chairman der Disney Parks und Resorts, gab am 18. September die neue Strategie bekannt, wie Disney seine Freizeitparks für Besucher noch reizvoller gestalten möchte:

"In der Vergangenheit begannen wir viele Feierlichkeiten. Disneylands fünfzigstes Jubiläum. Walts einhundertster Geburtstag. Aber dies waren immer unsere Meilensteine. 2009 sind es Ihre Meilensteine, denen wir Beachtung schenken möchten. Dieses Mal sind Sie der Mittelpunkt ihrer Party."
Oder in deutlicheren Worten: Wer Geburtstag hat, und dies mittels eines Passes beweisen kann, erhält 2009 an diesem Tag freien Eintritt.
Anlass für diese neue Strategie ist der auf amerikanischem Boden immer größer werdende Anteil an Besuchern, die ihren Ausflug in Freizeitparks um den Geburtstag (oder einen anderen Anlass) eines Freundes oder Familienmitglieds herumplanen. Disney hofft nun, diese Gruppen mittels dieses Angebotes verstärkt anlocken zu können.

Wirtschaftlich ist dieses Angebot, von dem Jim Hill in seinem heutigen Artikel berichtet, wahrlich ausgefuchst: Wer sich dank freiem Eintritt einen hübschen Geburtstag spendiert, wird auch Freunde und Familie mitnehmen - die ja bezahlen müssen.
Und was soll ich sagen: Klar, sie ist wirtschaftlich motiviert, dennoch finde ich diese Idee klasse, würde sie auch sofort ausnutzen. Wenn da nicht ein Haken an der Sache wäre: Vorerst gilt dieses Angebot nur in den amerikanischen Disney-Parks.
Allerdings wurden schon viele Modelle aus den USA auch von den anderen Disney-Parks übernommen. Sollte es ein Erfolg sein, werden wir Europäer vielleicht 2010 an unserem Geburtstag umsonst in den Disneyland Park Paris dürfen.

Donnerstag, 18. September 2008

Walt Disney Pictures präsentiert: "The Rock" in: Tomorrowland

Tomorrowland - heute noch im Disneyland, morgen schon auf der Kinoleinwand!

...oder auch nicht.
Fest steht, dass Walt Disney Pictures das Auoren-Duo Jon Lucas & Scott Moore (Four Christmases) damit beauftragt hat, das Drehbuch für ein Sci-Fi-Action-Abenteuer-Epos zu verfassen. Die Hauptrolle in dieser Big-Budget-Produktion soll Dwayne "The Rock" Johnson übernehmen, der bereits in Daddy ohne Plan und dem sich seinem Kinostart näherndem Race to Witch Mountain die Hauptrolle übernahm.

Hollywoods Branchenbibel Variety schwört Stein und Bein, dass es sich bei diesem nun angekündigten Film um eine Kinoadaption des Disneyland-Themenbereiches Tomorrowland handelt, womit der Disney-Konzern erneut mit einer Novität in die Filmgeschichte eingehen würde. Mit Im Jenseits sind noch Zimmer frei und der Pirates of the Caribbean-Reihe produzierte das Studio bereits TV- und Kinofilme, die auf Freizeitparkattraktionen basieren, doch einen Film über einen gesamten Bereich eines Parks gab es bislang noch nie.

Laut Variety streitet Disney jedoch ab, dass es sich bei besagtem Film um eine solche Adaption handle. Der Film habe noch keinen Titel und das Drehbuch habe keinerlei Vorlage. Woher Variety nun die Information haben möchte, dass es sich sehr wohl um einen Tomorrowland-Film handelt ist unbekannt. Doch Variety ist normalerweise nicht dafür bekannt sich aus Sensationsgier irgendetwas aus der Nase zu ziehen... Abwarten heißt hier wohl die einzige Antwort.

Sollte Disney nun tatsächlich Tomorrowland verfilmen wäre ich jedenfalls sehr erstaunt, da dieser Themenbereich keine zusammenhängende Geschichte erzählt, sondern lediglich ein optisches Thema hat und zukunftsbasierte Attraktionen beinhaltet. Die Einheitlichkeit des Konzepts wird allerdings seit einiger Zeit von Disneyfans angezweifelt, da Disney fröhlich realistische, von Visionären wie Jules Vernes geprägte und unrealistische Konzepte aus Disney/Pixar-Filmen vermischt.

Filmreifer wäre da das Frontierland, dessen Pariser Ableger den Aufstieg und Fall der fiktiven Westernstadt Thunder Mesa nacherzählt.

Bruce Willis wird Regisseur

...und am Ende rette ich den Tag, das Mädchen und die freie Welt. In meinem Unterhemd...

Bruce Willis ist mehr als nur ein großer Actionstar. Er spielte auch dramatische und komödiantische Rollen, machte 1994 mit Color of Night einen Ausflug ins damals so populäre und zugleich geschundene Erotik-Thriller-Subgenre und war bereits als Produzent tätig. Außerdem ist er so ganz nebenbei noch Musiker.
Was Bruce Willis jedoch noch nicht gemacht hat, ist Regie führen. Exakt das soll sich jetzt ändern. Jedoch betätigt sich Willis nicht, wie man vielleicht erwarten möchte, als Actionregisseur, sondern als Regisseur hinter einem gefühlvollem Independent-Film.

Three Stories About Joan heißt das Projekt und erzählt auf drei Zeitebenen, wie die titelgebende Joan im Alter von siebzehn ihre Jungfräulichkeit verliert, im Alter von 21 Jahren ihre Tugenden und mit 25 Jahren ihre Untugenden.
Und vielleicht auch ihren Verstand. Denn ein Geist soll im Film, und in ihrem Leben, eine große Rolle spielen. Der Film soll gefühlvoll und komplex zugleich sein und das reale mit dem surrealem verbinden.

Auf der Besetzungsliste befinden sich derzeit Owen Wilson, Kieran Culkin und Bruce Willis als egozentrischer, paranoider, zärtlicher, strenger Vater von Joan.

(Informationsquelle: Ain't it Cool)

Bedtime Stories - TV-Spot online

Huch, da war noch was... Disney steckte dieses Jahr sämtliche PR-Energie in WALL•E und Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia, so dass man selbst als Disney-Fan geneigt war den letzten Disney-Kinofilm des Jahres völlig zu vergessen. Der Titel dessen lautet Bedtime Stories und handelt von einem Familienvater (Adam Sandler), dessen Gute-Nacht-Geschichten für seinen Sohn wahr werden.
Kommt mir ziemlich bekannt vor und scheint in der einen oder anderen Form bereits für's Kino und TV umgesetzt worden zu sein. Doch diese Version hat Adam Sandler vor, und Adam Shankman hinter der Kamera. Shankman drehte auch den in meinen Augen überraschend spritzigen Der Babynator sowie das von Kritikern gelobte und Fans des Originals durchaus auch geliebten Hairspray-Remake.

Ob diese Kombination zu einem zauberhaften Weihnachts-Hit langt? Bildet euch selber ein Urteil:

Mittwoch, 17. September 2008

Hilfe, ich habe ein Muppet als Zimmerkumpel

Das hier ist für alle, die sich von ihrem Zimmernachbarn genervt fühlen:

Quelle: Funny or Die

Mademoiselle Bâtard - Französische Bastarddamen gecastet

Die Besetzungsliste von Quentin Tarantinos Inglorious Bastards nähert sich der Komplettierung. Nachdem bereits mehrere amerikanische und deutsche Stars für den Film engagiert werden konnten, treibt es Monsieur Tarantino derzeit nach Frankreich. Drei französische "Actrices" scheinen den Kultregisseur um ihre lasziv-kultivierten Finger gewickelt zu haben, denn sie ergatterten eine Rolle in seinem nächsten Film.

Et voilà:
Mélanie Laurent, Tochter des französischen Synchronsprechers von Ned Flanders und einer Pariser Ballettlehrerin, wurde förmlich ins künstlerische Milieu hineingeboren. Im zarten Alter von dreizehn Jahren besuchte sie gemeinsam mit einer Freundin, deren Vater dort als Techniker angestellt war, das Set von Asterix und Obelix gegen Cäsar. Gérard Depardieu fand gefallen an Mélanie und lud sie dazu ein, an seinem nächsten Film mitzuwirken. Seither ist die mittlerweile 25-jährige als Schauspielerin tätig und schaffte erfolgreich den Spagat zwischem künstlerisch anspruchsvollem und populärem. Sie erhielt bereits den Romy-Schneider-Preis und gewann, welch Ironie, den César als beste Nachwuchsdarstellerin für ihre Leistung in Keine Sorge, mir geht’s gut.

Anne-Sophie Franck, vornehmlich für ihre Fernsehrollen bekannt, unter anderem in der international produzierten Jugendserie Heidi, die das Leben der zur Jugendlichen herangereiften Heidi auf der Alm erzählt. Sie spielte auch in mehreren Kurzfilmen mit, wovon einige in die Programmauswahl prestigeträchtiger Filmfestspiele aufgenommen wurden.

Léa Seydoux, agierte bereits an der Seite von Anne-Sophie Franck in der Komödie Mes Copines, ergatterte die weibliche Hauptrolle im Fernsehfilm La belle personne über eine 16-jährige, die den Tod ihrer Mutter überwinden muss und zu ihrer Tante in Paris zieht, wo sie sich den verschiedensten Herausforderungen des Erwachsenwerdens gegenüberstellen muss. Die 23-jährige entstammt einer künstlerisch veranlagten Familie: Eine ihrer Schwestern ist Regisseurin, eine andere Schriftstellerin, ihre dritte Schwester wurde Fotografin.

Chapeau an die Kollegen von Tarantino.info, die früh auf diese Besetzungen aufmerksam wurden.

Dienstag, 16. September 2008

Neuigkeiten im Schnellüberblick

Kurz und knapp:
  • Der Baader-Meinhof-Komplex wurde ausgewählt für Deutschland ins Oscar-Rennen zu gehen. (Spiegel Online)
  • Richard Wright von Pink Floyd verstarb am 15. September (Spiegel Online)
  • DJ Caruso (Disturbia) möchte einen dritten Film mit Shia LaBeouf: Adaption der Comic-Serie Y: The Last Man. Alicia Keys im Gespräch als weibliche Hauptdarstellerin. (SciFi.com und Movieblog.Ugo.Com)
  • ComingSoon.net weiß neues über die 3D-Fassung von Bolt, und auch Latino Review hat neues zum Film.

Wie im Kindergarten: Ich will auch mal gewinnen! Deine Kumpels sind doof! Der Nahe Osten hat gepupst!

Rücksturz in die 60er?

Ihr könnt es gerade nicht sehen, deshalb verrate ich es euch an dieser Stelle: Mir steht gerade die Schamesröte ins Gesicht geschrieben. Ich schäme mich gerade in Grund und Boden. Ich schäme mich, nein, nicht für meine Fans, sondern für diejenigen die mein Land als Verantwortliche bei der Organisation des Eurovision Song Contests vertreten.
Dass wir Deutschen, zusammen mit den Spaniern, Franzosen und den Briten, ganz große Heulsusen sein können, wenn es um den europäischen Sangeswettbewerb geht, steht ja schon seit Jahren fest. Aber dass wir nicht nur groß flennen können, sondern wie bockige, laute Kinder mit reichen Eltern die Kindergärtnerin bedrohen und dazu drängen wollen, die Regeln zu unserem Gunsten neu aufzulegen, das ist ein Novum.
Doch das wohl peinlichste daran ist, dass in diesem Bild die Kindergärtnerin tatsächlich nachgibt und auf Wunsch des egomanischen Balges, dass die Regeln nicht kapiert, aus Mensch Ärgere Dich Nicht ein Spiel macht, in dem man seine Gegner mit Bauklötzen bewerfen darf.

Es bleibt zu hoffen, dass das Kind realisieren muss, dass seine Mitstreiter sehr starke Wurftechniken drauf haben. Ich hätte meine Schadenfreude am komplett verbeulten, verwöhnten Rotzblag.

Worum es hier geht?
Die EBU führt mit sofortiger Wirkung wieder die Jurys beim Eurovision Song Contest ein, die man zuvor mühevoll und mit großer Freude durch das demokratischere, flexiblere, offenere und genrell einfach nur modernere System der Televotes ersetzte. Seit 1997 gibt es die Telefonabstimmung, damals nur in fünf Ländern, bereits 1998 in nahezu allen Teilnahmestaaten, Ausnahmen waren lediglich Staaten mit damals unzureichend verbreiteten Telefonnetzen. Stück für Stück wurden diese Lücken jedoch geschlossen, bis die Jurys offiziell abgeschafft wurden und lediglich im Fall der Fälle einspringen sollten, was aber nur selten passierte, wie etwa 2000 als die Niederlande aufgrund der Fabrikexplosion in Enschede keine Telefonabstimmung abhalten konnten.
Um zu erraten, wieso die seit sieben Jahren nicht mehr zum Einsatz gekommenen Jurys reaktivert werden, muss man kein Genie sein. Die ewigen Verlierer der letzten Jahre heulen herum. Es fing ja bereits in dem Moment an, in dem Russland dieses Jahr zum Sieger gekürt wurde: Westeuropa hat ja eh keine Chance, das ist alles Betrug, wir sollten austreten, der Osten darf nur noch mit einem einzigen Land antreten, alle sind blöd und unter Hitler war ja auch nicht alles schlecht, immerhin hat er die Tonleiter gebaut. Oder so ähnlich.

Doch nicht nur gerade von ihren Emotionen gesteuerte, sonst normale Menschen, sowie engstirnige Patrioten, die bloß nicht einsehen, dass das Versagen des eigenen Landes vielleicht selbst verschuldet ist und hirnverbrannte BILD-Redakteure (gibt es eigentlich auch andere?) brüllten laut "Foul!", auch wirklich vernünftige Menschen. Und Menschen, von denen man normalerweise erhofft, dass sie vernünftig sind.
Dass wir einfach nicht gut genug waren kam niemandem in den Sinn. Auch die zahllosen Zahlenspielereien im Internet, die aufzeigten dass Russland in nahezu jedem möglichen Votingsystem (nur am Finale teilnehmende Länder, nur der Westen, nur der Osten, nur Länder mit Telefonvotings,...) gewonnen hätte besänftigten nicht. Der Osten schummelt bei der Telefonabstimmung. Voll unfair. Buhu.

Wie ESC-Experte Feddersen nun meldet, wurde in Moskau mehr oder weniger ein Krisenrat abgehalten. Es galt die Zukunft des Contests zu retten, und die Jurys standen wohl bei einigen klassischen Ländern hoch im Kurs. Auch Polen forderte Jurys und drohte sogar mit Boykott, wenn sie nicht zurückkehren.
Die treibende Kraft hinter den Systemänderungen bleiben aber die "Big 4", die stets Änderungen fordern, die ihnen positiv in die Karten spielen. Sie wollen unbedingt gewinnen - und wenn es im bisherigen System nicht funktioniert, muss es sich halt ändern. Peinlich.

Das ausgerechnet Jurys das ganze retten sollen ist endgültig lachhaft. Hat denn niemand im ESC-Komitee Zugang zum Internet? Oder wenigstens ein Eurovision-Geschichtsbuch zur Hand? Führte man die Telefonvotings nicht ab, weil die Jurys viel zu oft politische und geografische Entscheidungen trafen, anstatt sich auf die Musik zu konzentrieren?
Jedes Jahr liegt es mir in den Ohren, dass deutsche Urlauber "im Jahr von Dschinghis Khan" bemitleidet wurden, weil die Jurys ihnen den verdienten Sieg genommen hätten.

Und damit wollen wir uns jetzt an die Spitze schummeln? Entschuldigung, aber wenn wir schon rumheulen, meckern und mogeln, dann sollten wir uns nicht auch noch selber in den Rücken fallen! Haben wir denn wirklich gar nichts drauf?!

Ach, übrigens, die offizielle Ausrede, äh, Begründung für die Rückkehr der Jurys ist folgende: Jurys könnten sich die Lieder mehrmals anhören. So zumindest Svante Stockselius von der EBU.
Wenn es wirklich daran liegt, könnte man auch einfach die Big 4 an den Halbfinal-Sendungen teilnehmen lassen. Das wäre doch mal fair... Oh, Moment, das ist uns ja wieder zu riskant...