Freitag, 31. Oktober 2008

Samuel L. Jackson ist ein "mothafukking" Basterd

I Want You... To Join The Basterds

Quentin Tarantino meint es mit Inglourious Basterds wohl wirklich ernst und stellt seinen bislang größten Kinofilm zusammen. Nachdem er bereits halb Deutschland zusammengecastet hat und Frankreichs junge Darstellerinnen-Riege für den Film gewinnen konnte, klaubt er sich derzeit noch die letzten paar Casting-Highlights zusammen.
So wurde erst heute bekannt, dass Samuel L. Jackson als Erzählstimme von Inglourious Basterds auftritt.
Jackson als Erzähler könnte dem Film eine interessante rauhe und coole Dimension verleihen. Stellt sich nur die Frage, wie wir das in Deutschland lösen. Kommt seine Stammstimme Engelbert von Nordhausen zum Einsatz, oder besser Helmut "Nachbar Paschulke" Krauss, der Jackson seinen wohl berühmtesten Satz "Das ist ein leckerer Burger" in dem Mund legte. Krauss war nach Pulp Fiction auch in Kill Bill, Vol. 2 als Jackson zu hören und ist für mich somit dessen deutsche "Tarantino-Stimme".

Des Weiteren wurde laut /Film Maggie Cheung gecastet, die aus zahlreichen Hong-Kong-Produktionen, u.a. Police Story, bekannt ist.

Was wäre, wenn sich John McCain NOCH MEHR bekannte Regisseure leisten könnte?

Nachdem sich eine US-Comedytruppe bereits laut fragte, wie die McCain-Werbevideos von Kevin Smith, John Woo und Wes Anderson aussehen würden, dürfen dieses Mal Parodien von M. Night Shyamalan, David Lynch und Jason Reitman hinter die Kamera. Viel Spaß:

Selbes Thema - andere Herangehensweise IV

Das monströse Halloween-Special

Ein schaurig schönes Halloween wünsch' ich euch, meine geliebten Freunde des schaurigen Vergnügens!

Extra für euch habe ich zum unheimlichsten Tag des Jahres etwas ganz besonders gruseliges vorbereitet. Nicht nur, dass ich in die Sir Donnerbolds Bagatellen-Gruft herabgestiegen bin, um eine bereits einbalsamierte und von Würmern angefressene, tote Artikelreihe auszugraben und anschließend erfolgreich wiederzubeleben, nein, ich habe sogleich noch schwarze Magie angewandt, um sie mit erschreckenden Attributen auszustatten.

Willkommen bei der ersten Ausgabe meiner kleinen Artikelreihe Selbes Thema - andere Herangehensweise seit nunmehr fünfeinhalb Monaten! Ich habe ihr bereits wieder etwas Staub von den Schultern geklopft und der Verwesungsprozess hat ebenfalls aufgehört, dennoch empfehle ich euch, nicht zu tief einzuatmen.
Im Rahmen des heutige Feiertages möchte ich mich zwei Songs mit dem selben schreckenerregenden und haarsträubenden Thema widmen. Zwei Liedern über...

...die Liebe! Zu Monstern!

Liebe allein kann sehr grausam sein. Menschen rauben des anderen Herzen manche dagegen verdrehen ihnen den Kopf und wieder andere werfen ihre Augäpfel auf unschuldige Anwesende. Das reinste Splatterfest! Richtig abscheulich wird es jedoch erst, wenn einer der zwei Beteiligten nicht menschlicher Natur ist, sondern sich als ein Monster entpuppt.
Alltäglich ist dies wahrlich nicht. Dennoch wurde ich gleich zweimal fündig. Und beide Lieder nähern sich dieser Thematik auf gänzlich unterschiedliche Weise.

Monster-Song Nummer Eins:

Lordi - Would You Love A Monsterman



(Und hier als Link, wenn das Video streikt)

Monster-Song Nummer Zwei:

Beauty & the Beast (Titellied)


(Und die Popversion)

Ähnlichste Stelle:

Would you love a monsterman?
Could you understand,
Beauty of the beast?

[...]
Yeah I would kill
(Lordi)


Both a little scared
Neither one prepared
Beauty and the Beast
(Angela Lansbury)

Die Unterschiede bei der Bearbeitung des Themas:

Beide Lieder verarbeiten die Thematik der Liebe zwischen einem Monster zu einer (offensichtlich menschlichen) Schönheit. Jedoch finden sich die besungenen Monster in den jeweiligen Liedern in einer unterschiedlichen Phase der Liebe, wodurch sich die inhaltliche Stimmung vollkommen ändert. Das Biest im Disneylied erkennt, dass sich die Schönheit ebenfalls hingezogen fühlt, wodurch sich eine romantisierte, blumige Sprachwahl anbietet. Die Beziehung wird mit warmen und zarten Worten umschrieben, das Monster mit der Schönheit zusammen gleichberechtigt in einem Atemzug genannt ("Beauty and the Beast"). Das Monstrum im Lordi-Song dagegen, welches in diesem Falle auch das lyrische Ich ist, konnte die Auserwählte noch nicht für sich gewinnen, ist offensichtlich bereits verzweifelt und sucht nach Möglichkeiten sie für sich zu gewinnen ("I would kill", "I would freeze the hell all over, You just to get a chill.", usw.). In einem ironischen Twist nennt sich das lyrische Ich deshalb nicht in einem Atemzug mit der Geliebten, sondern weist daraufhin, dass er in ihm etwas schlummert, das ihr gleicht ("Beauty of the Beast"). Somit stellt er seinen Wert unter den der Verehrten, auf der Gegenseite jedoch betont er auch seine Macht. Das Monster fährt also zweigleisig, versucht sowohl ihr zu beeindrucken, als seine Verzweiflung auszudrücken und Mitleid zu erregen.

Der unterschiedliche Status der beiden Monster drückt sich auch in der Musikauswahl aus, der Song von Lordi ist viel aggressiver, vermutlich durch die Erfolglosigkeit ausgelöste Wut, während das erfolgreichere, glücklich verliebte Biest eine ausgeglichene Klangtapete spendiert bekommt.

Fazit: Unerfüllte Liebe macht Monster noch monströser, erfüllte Liebe dagegen ist schön.
Danke, liebe musikalischen Talente, ohne euch hätten wir das nie erfahren.

Happy Halloween und auf wiedersehen - hoffentlich auch bei einer weiteren Ausgabe von Selbes Thema - andere Herangehensweise.

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Die Kampagne startet: WALL•E fordert mehr Abwechslung beim Oscar

Viele potentielle Filmpreisträger sind noch gar nicht in die Kinos gekommen, da starten die Filmstudios bereits ihre Oscarkampagnen. Und wenn man die Zeichen richtig liest, so erwartet uns dieses Jahr eine besonders hart umkämpfte Oscarsaison, während der die Filmstudios mit Werbeanzeigen nur so um sich schlagen werden. Immerhin nehmen sich die Studios dieses Jahr vor verdiente, aber unkonventionelle Kandidaten mit ihrer ganzen Energie zu unterstützen.

Ganz besonders Disney wird sich dieses Jahr Mühe geben, immerhin gilt es, die zahlreichen Mitglieder der Jury für die Acadamy Awards (bekannt als Oscars) über ihre Rechte zu unterrichten, für einen Trickfilm sowohl in der Hauptkategorie, als auch in der Trickfilmkategorie zu unterrichten. Darüber wissen leider nicht sämtliche Mitglieder bescheid... Erbärmlich, dass eine Jury ihre eigenen Regeln nicht kennt.
Disney hat einen weiten Weg vor sich, und der begann heute mit der Zeitungsausgabe von Variety, auf deren Cover heute der liebenswürdigste Roboter aller Zeiten mit großen, knuffigen Augen die Leser um seine Wahlstimme anbettelt:


Variet•E, Vielfalt. Ginge es nach den Disneystudios (und nicht nur nach denen), wäre dies das Thema der nächsten Oscars. Damit dies auch gelingt, schaltete Disney heute zusätzlich noch eine Abwandlung der obigen Anzeige auf mehreren an die Filmindustrie gerichtete Webseiten, auf der nochmal verdeutlicht wird, dass eine Nominierung in der Best Picture-Kategorie eine Auszeichnung in der Trickfilm-Kategorie nicht ausschließt:

Simpel, in der Variety-Variante trotzdem clever, vor allem aber deutlich. Ein guter Beginn für die Offensive, der an den einfachen Teaser für WALL•E erinnert, der uns seinerzeit den Mund wässrig machte. Wenn noch einige peppige und auch malerische Anzeigen folgen... könnte es wirklich klappen. Oder...? Was denkt ihr?

Bonusmaterial: Auf dem Pixar-Campus wurde zur Erheiterung der Belegschaft dieses, an einen angekündigten Pixar-Film erinnernde, Schild angebracht:


(Bildquelle: Titelblatt und Newt-Schild gefunden bei Pixar Blog, Breitbildanzeige bei /Film)

Angels & Demons - Der erste Teaser

Der Teaser zur Fortsetzung von The Da Vinci Code ist da.



Teaser sind selten informativ, hier übertreiben es die werten Damen und Herren von Imagi und Columbia leider gewaltig. Viel zu viel Zeit wird für diese CG-animierte Kamerafahrt verbraucht. Das bisschen, was wir aus dem Film sehen erinnert mich derweil daran, wieso mir der erste Teil nicht gefiel, und wie es scheint werden wir wieder viel davon im neuen Film zu sehen bekommen: Tom Hanks läuft mit betroffen-grüblerischer Miene durch gothische Kirchen, während extreme Christen eklige und brutale Dinge tun.

Der erste Teil ist ja noch nicht so lange her (Start in der ersten Jahreshälfte 2006), scheint mir aber bereits trotz (durch Kontroversen gestützten) Erfolg bereits völlig vergessen. Täuscht meine Wahrnehmung?

Mark Millar will 8-Stunden-Superman-Epos

Comic- undDrehbuchautor Mark Millar (u.a. Wanted) äußerte bereits mehrfach Interesse daran, den nächsten Superman-Film zu schreiben.

Gegenüber Empire Online konkretisierte er jetzt seine Idee: Ihm schwebt ein rund achtstündiges, in bester Der Herr der Ringe-Manier auf drei Filme aufgeteiltes, düsteres Epos vor, das Supermans gesamtes Leben umfasst, von seiner Geburt über den Aufstieg zum Superhelden bis hin zum Fall.

"It’s gonna be like Michael Corleone in the Godfather films, the entire story from beginning to end, [...] I want to start on Krypton, a thousand years ago, and end with Superman alone on Planet Earth, the last being left on the planet, as the yellow sun turns red and starts to supernova, and he loses his powers."

Klingt wie ein sehr ambitioniertes, doch auch gewagtes Unterfangen, das nur in den Händen eines zielsicheren Regisseurs funktionieren könnte. Selbst dann müsste ebenfalls das Publikum mitspielen, denn auch jetzt nach The Dark Knight werden sich keine Produzenten finden lassen, die dieses Projekt angemessen unterstützen werden, ganz gleich ob die Zuschauer in die Säle strömen oder nicht.

Mehr zum Thema:

Desperate Housewives 4x11: Sonntag

Zwei Episoden ist es mittlerweile her, seit ein Tornado die Wisteria Lane heimsuchte und zerstörte. Während die scheinheilige Fassade wieder erglänzt, kehrt hinter den Türen der Vorstadt noch lange nicht die Normalität zurück.
In der Episode 4x10, Nach der Katastrophe findet Katherines Tochter Dylan einen angebrannten Zettel, auf dem der Zuschauer die Lösung hinter dem großen Staffelgeheimnis erwartet, die Antworten auf alle Fragen über die mysteriöse Familie.

Statt uns wie bei Lost noch fünf, sechs Episoden weiter auf die Folter zu spannen, präsentiert uns Desperate Housewives in der aktuellen Folge tatsächlich, was auf dem geheimnisvollen Zettel stand. Mit weitreichenden Folgen für die Familie Mayfair. Abgeschlossen wird mit dieser Handlung dennoch nicht, ein paar schmutzige Details bleiben im Verborgenen. Dennoch sorgt ihr Handlungsstrang in der aktuellen Episode für viel Spannung und auch Befriedigung, ein weiteres Hick-Hack hätte nur genervt. Da sieht man auch über die - für die Verhältnisse dieser Serie - mangelnde Brisanz der Lösung hinweg.

Lynette entdeckt derweil ihren Glauben wieder. Oder zumindest ihr Interesse am Glauben, weshalb sie zusammen mit der streng-gläubischen Bree in die Kirche geht. Zwar ist es schade, dass ihre neu gewonnene, enge Freundschaft zu Mrs. McClusky nicht weiter beleuchtet wurde, doch Lynettes Kirchenausflug entschädigt mit sehr viel Witz. Die Konfrontation mir Bree ist großartig gespielt, ein Schuss mehr Pepp hätte trotzdem sein dürfen.

Susan und Gabrielle treten in dieser Episode etwas in den Hintergrund und sorgen für den leichter verdaulichen Comic-Relief der Woche.

Alles in allem eine sehr kurzweilige Folge mit viel Witz und lang ersehnten Antworten auf das große Staffelgeheimnis. Hätte man die Lynette-Story mit der aus Episode 4x10 getauscht, wäre Sonntag ein perfekter Wiedereinstieg nach der Tornado-Folge gewesen. In dieser Form weiß die Folge aber auch sehr zu überzeugen. Zwar kein Highlight aus der Serie, aber eine der rundum gelungenen Folgen, denen einfach nur das gewisse Etwas fehlt.

Weitere Rezensionen:

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Nolans Batman bleibt ein Einzelgänger

Mit Iron Man und Der unglaubliche Hulk stellte Marvel Studios die Weichen für einen Avenger-Kinofilm, in dem sich die Kinohelden zusammentun. Und auch wenn DC Comics mit "Justice League" ebenfalls über eine Crossover-Comicreihe verfügt, hält es Christopher Nolan für ausgeschlossen, dass seine Batman-Interpretation Teil einer Filmadaption dieses Stoffes wird.

Nolan ist kein Gegner von Crossovern, er sieht nur das von ihm geschaffene Gotham als eine Interpretation des Batman-Mythos, der sich nicht mit anderen Superhelden vereinen lässt. Bei der Kreation von Batman Begins entschied er sich mit seinen Koautoren dafür, die Filme in einer Realität spielen zu lassen, in der es weder andere Superhelden, noch Superheldencomics gibt, um so die Einzigartigkeit Batmans zu unterstreichen. Zusätzlich veränderte diese Entscheitung die psychischen Einflüsse auf Bruce Wayne sowie die Wirkung auf den Zuschauer, die die Entscheidung Waynes, sich als Symbol / Superheld zu etablieren, hat.
Während Bruce in den Comics ein Fan von Zorro ist und sich ihn als Vorbild nimmt, spielt in Nolans-Filmuniversum keinerlei Vorbildfunktion in der Erschaffung der Batman-Rolle mit.

Mehr über Nolans Standpunkt zu Crossovern findet ihr in diesem Interview. Und hier analysiert er seine Lieblingsszene in The Dark Knight.

Dienstag, 28. Oktober 2008

Auf geht's: Erste Reaktionen auf Pixars "Up!" online.


Kaum nähert sich WALL•E seiner Oscar-Offensive, steht bereits die erste Publikumsreaktion auf Up!, den neuen Film von Die Monster AG-Regisseur Pete Docter, vor der Tür.

Larry Fire, Autor des Blogs The Fire Wire, durfte mit seiner Ehefrau an einer Testvorführung von Up! teilnehmen und hat folgendes zu sagen:

The rough-cut version of the film that was presented to us was mixed with storyboard, rough and finished animation. The movie plot was completely original but somewhat dark with many adult themes (aging, loss, separation and unfinished promises). Both my wife and I welled up at a few scenes and there is a memorable montage that depicts a couple’s life together that is so poignant, even the toughest critic will be moved. There are still some very funny moments but this picture really stands on its own and is difficult to compare to its Pixar predecessors.

[gefunden via Pixar Planet]

Up!, die Geschichte eines 78-jährigen Rentners der sein Haus mittels Luftballons zum fliegen bringt und in Südamerika mit einem 8-jährigen Pfadfinder auf Abenteuerreise geht, startet nächstes Jahr am 24. 9. in den deutschen Kinos.

Die Oscar-Karten werden nicht nur neu gemischt...

...nein, Hollywood spendiert der Academy of Motion Picture Arts & Sciences gleich Mal ein neues Kartendeck. Und es ist... bunt!

Nur wenige Stunden nachdem ich mich hier im Blog darüber beschwert hatte, dass Disney sich endlich mit seiner Oscar-Kampagne für WALL•E loszulegen, veröffentlichte die New York Times in ihrer Onlineausgabe die Meldung, auf die Animationsfans weltweit die ganze Zeit warteten.
Disney wird noch im Laufe dieser Woche seine Kampagne starten, die WALL•E mit wehenden Fahnen in die Hauptkategorie des populärsten und angesehensten Filmpreises der Welt befördern soll. Ein kleiner Meilenstein in der Hollywood-Geschichte, bedenkt man, dass bislang nur ein Animationsfilm als Bester Film nominiert wurde (Die Schöne und das Biest von 1991) und dies zu einer Zeit, als die Oscars noch weitaus weniger von Kampagnen, PR-Aktionen und ähnlicher Klinkenputzerei beeinflusst wurde.
Als 2001 die Kategorie für den besten Animationsfilm geschaffen wurde, schienen die Hoffnungen auf einen weiteren Trickfilm in der Hauptkategorie für immer begraben, die Studios sahen die Kategorie einerseits als Anerkennung der Kunstform, andererseits als Ausgrenzung. Aus Angst, die Wählerstimmen könnten sich splitten verzichteten die Verleiher drauf, ihre Trickfilme als Bester Film vorzuschlagen, auch wenn im Falle von Ratatouille und Findet Nemo lange über eine Kampagne nachgedacht wurde.

Doch nun ist die Zeit des Nachgrübelns vorbei, Taten sind angesagt.
Rickard Cook, der Chariman von Walt Disney Studios, sagt über die Entscheidung, eine Kampagne zu starten: "Wenn wir es nicht machen, dann würden wir dem Film wie ich finde nicht das geben, was er verdient hat."

Und so langsam scheinen sich die Sterne in eine gute Position für WALL•E zu bewegen. Immer mehr Hollywoodstudios denken laut darüber nach wieder unterhaltsamere Filme für den Oscar vorzuschlagen, um das Oscar-Feld wieder lebendiger und abwechslungsreicher zu gestalten. Disney scheint die Ohren am Puls der Zeit zu haben. Wie sonst erklärt sich, dass im Rahmen von Disneys demnächst veröffentlichten, ersten Oscar-Anzeige dieser Saison aus dem Titel der Branchenbibel Variety der Schriftzug VarietE wird?

Diese Werbeanzeige für WALL•E könnte darüber hinaus zum Leitspruch der nächsten Oscars werden. Bereits vor ein paar Wochen wurde bekannt, dass zum ersten Mal seit 50 Jahren wieder Werbespots für Kinofilme im Rahmen der US-Übertragung der Oscar-Verleihung erlaubt sind. Die Studios erhoffen sich so gute Promotion für ihre Filme, da nahezu alle Zuschauer zur Kinogänger-Zielgruppe gehören, während die Acadamy hofft ihr derzeitiges Image, zu sehr auf bornierte, selbstgefällige Filme zu achten, wieder abschütteln zu können und an Zeiten anzuknüpfen, als die Oscars als eine Feierlichkeit für die Filmkunst und Unterhaltungsbranche galt.
Genau deshalb versprachen die Produzenten der Oscarshow zudem, bei den nächstjährigen Oscars im Rahmen der Verleihung in kleinen Schnipsel einige erfolgreiche und beliebte Filme zu präsentieren, die nicht nominiert wurden.

Erwarten uns 2009 nach dem Jahr mürrischen und pessimistischen Kunstwerke etwa die Pop-Oscars? WALL•E erhält seine Bester Film-Kampagne, Warner Bros. wird The Dark Knight enorm unterstützen und ihn im Rahmen der Filmpreis-Saison wieder in (Amerikas) reguläre und IMAX-Kinos bringen und Paramount versucht Downey jr. für seine Rolle in Tropic Thunder eine Nebendarsteller-Nominierung einzubringen.
Die größte Überraschung könnte aber von Marvel Studios kommen, die gegenüber Insidern erwähnten, Iron Man nicht nur in den technischen Kategorien vorzuschlagen. "Downey jr. alias Tony Stark goes Best Actor?" Und unter den typischeren Oscar-Filmen befinden sich dieses Jahr Baz Luhrmanns romantisches Kriegs-Epos Australia sowie das fantastische und verrückt-bunte Drama The Curious Case of Benjamin Button.

Trotz allem obliegt es noch immer der Jury, welche Filme sie in Erwähung zieht. Die Wahrscheinlichkeit für die populärsten und vielfältigsten Oscars seit langer Zeit stehen jetzt um einiges besser, sicher ist derzeit aber noch lange nicht.

Die Zehn-Satz-Rezension zu "Eagle Eye"


  1. Eagle Eye - Außer Kontrolle ist die zweite Zusammenarbeit des Regisseurs DJ Caruso mit Shia LaBeouf unter der Schirmherrschaft des als ausführender Produzent fungierenden Steven Spielberg.
  2. Ihre letzte Zusammenarbeit hieß Disturbia und transferierte mit viel Charme, Witz, gute dosierter Spannung und einem Schuss ehrlicher Romantik den Hitchcock-Klassiker Das Fenster zum Hof ins neue Jahrhundert und Teenager-Milieu.
  3. Aufgrund der überraschenden Qualität von Disturbia hatte ich trotz seiner abgenutzt wirkenden Grundidee an Eagle Eye große Erwartungen.
  4. Im Zentrum des Films steht Jerry Shaw, ein ehemaliger Stanford-Student, der eines Tages seine Wohnung betritt und zahlreiche Pakete mit Waffen, Gift und Sprengstoff findet, kurz bevor ihn eine ominöse Frau anruft und Befehle gibt.
  5. Jerry wird aufgrund der Pakete in seiner Wohnung vom FBI als Terrorist verfolgt und immer wieder von der ominösen Frau angerufen, die ihn zwingt ihren Befehlen zu folgen.
  6. Selbiges passiert auch einer alleinerziehenden Mutter (Michelle Monaghan), bis sich beide im Laufe ihrer atemberaubenden Hatz begegnen.
  7. Die Actionsequenzen sind gut inszeniert, sehr mitreißend, geben dem Zuschauer die Chance sich in die Figuren hineinzuversetzen, ohne völlig die Übersicht zu verlieren, wie es in manch anderen neuen Genrevertretern der Fall ist.
  8. Leider richtet die Story, besonders in der zweiten Hälfte, vieles zu Grunde.
  9. Die verfrühte Auflösung des Bösewichts ist mittlerweile ein Klischee und funktioniert in den seltensten Fällen und Eagle Eye gehört nicht zu diesen Ausnahmen, so dass der Rest des Films vorhersagbar und zeitweise auch lächerlich wird.
  10. Für mein Fazit bleiben ein guter LaBeouf, eine nette Monaghan, gute Actionszenen und eine mies zusammengeklaubte Story übrig, sowie die Hoffnung, dass die nächste Caruso/LaBeouf-Zusammenarbeit wieder besser wird.
Noch mehr Zehn-Satz-Rezensionen:

Montag, 27. Oktober 2008

Erinnert ihr euch noch an den Oscar-Buzz von "WALL•E"?

Ach, WALL•E, du musst dich doch gar nicht verstecken...

Mensch, das waren noch Zeiten... Ist es wirklich erst drei Monate her, seit Pixars Animationsmeilenstein WALL•E für Furore bei den Filmkritikern und Branchenexperten sorgte? Mir kommt es mittlerweile wie eine Ewigkeit her, seit ich das letzte Mal positiven Oscar-Hype für WALL•E gehört habe. Und je stärker die lauten Schreie nach einer Oscar-Nominierung in der Hauptkategorie in Vergessenheit geraten, desto schwieriger wird es letztlich eine solche, verdiente Auszeichnung auch durchzusetzen. Im Oscar-Rennen geht es auch ein wenig um den "Wahlkampf", ganz besonders wenn man ein untypischer Kandidat ist.

Ganz aufgeben müssen Fans des Roboters ihre Hoffnungen auf den Oscar noch nicht aufgeben: Hollywood-Blogger Erik Childress von eFilmCritic, einer der von seinen Kollegen angesehensten Filmjournalisten, prognostiziert weiterhin eine Nominierung in der Hauptkategorie, sowie - man halte sich fest - eine Nominierung für Andrew Stanton als bester Regisseur. Auch das Drehbuch, die Musik und der Titelsong des Films sieht der Experte im Rennen.

Die Schattenseite dieser Neuigkeit: Seine Prognose stützt sich bloß auf Filme, die er bislang gesehen hat. Dabei starten einige der großen Oscar-Hoffnungen erst in den kommenden Wochen...
Wenn Disney und Pixar endlich Mal Mut beweisen wollen, dann sollen sie sich mit geballter Energie hinter ihren fantastischen Film stellen und eine Oscarkampagne von gigantomagischem Ausmaße aus dem Boden stampfen und daraufhin um die Ohren der Acadamy hauen. Ohne den blassesten Anflug von Gnade.

Der Oscar-Hype ist weiterhin vorhanden, wie Childress' Prognose zeigt. Disney sollte sich auf die pummeligen Beinchen machen, bevor er seine letzte Energiereserven verbraucht. Dass es möglich ist, verstrichene und inaktive Zeit wieder aufzuholen beweisen Paramounts Bemühungen, Downey jr. ins Gespräch für einen Oscar zu bringen...

Weiterführende Artikel:

Christopher Nolan ist aus seinem Urlaub zurück (und spricht über Batman)

Lektion Nummer Eins im Handbuch der "Anonymen Ungeduldigen": Wenn du von jemandem Reaktionen auf sein Handeln und/oder Werk erwartest, und derjenige nach dem auslösenden Ereignis, das dich fragend zurücklässt, in Urlaub fährt, so musst du dich auf einen sehr langen Urlaub einstellen.

Deutlicher gesagt: Kurz nach dem Kinostart von The Dark Knight (ihr erinnert euch sicherlich, das war dieser düster-realistische Action-Thriller über einen Kerl im Gummianzug, der das Gestz in seine eigene Hand nimmt und sich dabei mit einem geschminkten Irren in maßgeschneiderten Clownsklamotten auseinandersetzen muss) verabschiedete sich der Regisseur Christopher Nolan in den Urlaub und ließ die Kinowelt auf einem Haufen unbeantworteter Fragen über Nolans Meinung zum Erfolg, Aussichten auf weitere Batman-Filme und zahlreichen Gerüchten sitzen.

Nun ist Nolan zurück und beantwortet in einem dreiteiligen Interview die Fragen der LA Times.
Im heute veröffentlichten ersten Teil des Interviews macht Nolan erneut klar, dass er keine politische Aussage in dem Film versteckt hat, und die zahlreichen Interpretationen seines Werks als politisch-konservativ/liberal/Pro-Folter/Contra-Folter/Pro-Überwachungsstaat usw. übertrieben sein.
Über sein nächstes Projekt sagte Nolan i Interview, scherzend, dass er als nächstes einen kleinen, intimen Film im lächerlich großen Maßstab drehen möchte. Oder das Gegenteil.

Einen dritten Batman-Film unter seiner Regie schließt er nicht aus, allerdings möchte er sicherstellen, zuerst eine Geschichte zu haben, bevor sich sonst etwas in dieser Richtung bewegt.

Gut so, nur auf diesem Wege besteht die Hoffnung auf einen würdigen Nachfolger.

Bolt strapaziert bereits die Nerven einiger US-Kinobesitzer

"Los, Bolt, setz deine cyberkinetischen Superfähigkeiten ein, um dem kommerziellen Wahnsinn der Kinobesitzer sowie dem feisten 'Dolce-Vita'-Lebensstil zahlreicher nach Komfort und unterhaltsamen Hauptfilmen geifernden Ott-Normal-Verbrauchern ein für alle Mal ein Ende zu bereiten!"
-"Äh... watt?!"


Das ist dann wohl ein Schuss in den Ofen: Um Aufmerksamkeit für den am 21. November in den USA startenden Animationsfilm Bolt zu erregen und dem Publikum den Mund wässrig zu machen entschied sich Disney vor die Kinokopien von Beverly Hills Chihuahua einen sechsminütigen Promotionclip zu kopieren, in dem John Travolta und Miley Cyrus in ihrer Funktion als Sprecher der Hauptfiguren direkt das Publikum ansprechen, sich ein wenig über den Film unterhalten und zwei komplette Szenen aus dem Film präsentieren.

Kinotrailer, in denen die am Film beteiligten über ihr neustes Projekt sprechen sind eher selten, solche Promotion findet man üblicherweise eher im Fernsehen oder auf DVD.
Ich erinnere mich auf Anhieb nur an manche Hitchcocks, wie etwa den Psycho-Trailer, in dem er über das Set spaziert; den ersten WALL•E-Teaser mit Andrew Stanton sowie an den Trailer für
Operation: Kingdom.
Hitchock allerdings gehörte einer gänzlich anderen Zeit an, so wie damals für Filme geworben wurde wird schon lange nicht mehr Promotion betrieben. Heutzutage ist die Laufzeit von Kinotrailern von seitens der MPAA geregelt: Trailer dürfen maximal 2 Minuten und 30 Sekunden lang sein. Alljährlich ist den Studios jeweils eine Ausnahme gegönnt, die meistens für Oscar-Hoffnungen verwendet wird.

Die Bolt-Werbung überzieht diese Regel allerdings so sehr, dass Disney mit jeder Menge Ärger seitens der Kinobesitzer rechnen müsste, die innerhalb dieser Zeit lieber andere Trailer oder Werbung zeigen würden. Doch die Disney Studios waren so frei, den Sechsminüter der MPAA vorzulegen und als Kurzfilm einzustufen. Somit obliegt dieser Bolt-Spot nicht weiter den Vereinbarungen über Kinotrailer, sondern hat den selben Status wie zum Beispiel die Kurzfilme, die vor Pixarfilmen gezeigt werden.

Ein Pressesprecher Disneys sagte bereits aus, dass das Studio nie wieder auf eine solche Taktik zurückgreifen wird, doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis andere Studios auf diese Idee kommen. Zudem bleibt die Frage unbeantwortet, weshalb Disney überhaupt damit anfing. War so eine verzweifelte und dreiste Masche wirklich nötig?

Mehr zum Thema findet ihr bei Film Chat und gleich zwei Mal auf der Webseite der LA Times.

Eine Woche, die sehr linkisch beginnt...

Wieder einmal sammelten sich einige Internetfünde zusammen, die nicht danach schreien einen eigenen Artikel zu bekommen und es dennoch verdienen einem weiten Publikum mitgeteilt zu werden.

Bitte schön:
  • GamePro präsentiert die 38 erinnerungswürdigsten ersten Gegner der Videospielgeschichte.
  • Wenn man zu lange googelt, findet man diese Hitliste der 40 besten Super Mario Bros.-Titelmelodie-Coverversionen
  • Auf der selben Webseite wurden dann gleich auch die 35 dämlichsten Schlagzeilen der Schundzeitungsgeschichte aufgelistet.
  • Und FilmSchoolRejects nennt fünf Möglichkeiten, mit denen die nächsten Spider-Man-Filme gelingen könnten.
Soviel dazu. Ich gebe zurück an die angschlossenen Fernsehanstalten.

Sonntag, 26. Oktober 2008

UPDATE: Neuigkeiten im Wunderland

Laut /Film ist Christopher Lee nun ein bestätigter Darsteller in Tim Burtons Alice-Verfilmung, seine Rolle bleibt allerdings noch im Dunkeln.
Außerdem wurde nun die 16-jährige Eleanor Tomlinson (siehe oben; Der Illusionist) als Darstellerin bekannt gegeben. Sie soll eine neu für diesen Film erschaffene Figur spielen. Außerdem bestätigte Danny Elfman, dass er wieder mit Burton zusammenarbeiten und die Musik für Alice schreiben wird.

Millionen von Fans schreien derzeit, zu Recht, vor Begeisterung so laut, dass sich die Disney-Chefs bereits beschwert haben sollen, weil sie deshalb das durch High School Musical 3 ausgelöste Dauer-Kassenklingeln nicht mehr hören können.


Update: Angeblich spielt auch Rickman mit und verkörpert die Raupe, allerdings sollte man vor dem nächsten Jubelschrei auf eine zuverlässigere Quelle als den mäßigen DigitalSpy warten...

Die Zehn-Satz-Rezension zu "UHF"


  1. UHF (erschienen 1989) ist der erste und bislang letzte Kinofilm von und mit dem komödiantischen Sänger Weird Al Yankovich.
  2. In UHF spielt Yankovich einen träumerischen Versager, der über seine Verwandschaftsverhältnisse zufällig in den Besitz eines Fernsehsenders gelangt, den er nach anfänglichen Schwierigkeiten mit abstrusen Sendungen und seinem Freundeskreis vor der Kamera zu großem Erfolg bringt - was die übermächtige Konkurrenz auf den Plan ruft.
  3. Der Film wurde von der Orion Pictures Corporation produziert, die hoffte sich mit dem Film des populären Blödelbardens aus einer finanziellen Krise zu befreien.
  4. Laut Yankovich hatte UHF die beste Testvorführung in der Geschichte des Studios.
  5. Kaum wurde er in die Kinos entlassen, floppte UHF katastrophal.
  6. Mittlerweile ist UHF ein Kultklassiker geworden, was ich allerdings nur ansatzweise verstehen kann; da sich Weird Als komödiantisches Talent nur episodenhaft auf die Filmlandschaft überträgt.
  7. Grandios sind die Film- und Fernsehparodien (wie etwa die wohl beste Rambo-Parodie aller Zeiten), die herrlich albern und zuweilen auch bissig sein können, während die eigentliche Handlung platt, unlustig und vorhersagbar ist.
  8. Auch die Gags im Laufe der handlungstragenden Momenten, sind ziemlich schlecht; immer wieder werden unpointiert die Gesetze der Physik ignoriert (Wangen lassen sich meterweit ziehen u.ä.), ja sogar Yankovichs sonstige Heimat, die lustige Musik, weiß nicht zu zünden.
  9. Auf der anderen Seite stehen großartige Momente, wie die Trailer für Ghandi II und Conan, der Bibliothekar oder brüllend komische Werbespots und Programmvorschauen.
  10. Wäre es ein Sketchfilm in der Tradition von Die wunderbare Welt der Schwerkraft könnte UHF ein verdienter Geheimtipp sein, so bleibt eine Ansammlung guter Pointen in Mitten eines ansonsten sehr bescheidenen Films, der Yankovichs übrigen Werken nicht gerecht wird.
Noch mehr Zehn-Satz-Rezensionen:

High School Musical 3: Senior Year



Lange Zeit waren Fortsetzungen die billigen, für den TV- oder Videomarkt dahingeschluderten Ableger erfolgreicher Kinofilme. Mittlerweile gehen dagegen immer mehr Fortsetzungen den umgekehrten Weg und sind um einiges teurer, oft auch erfolgreicher, als ihre Vorgänger. X-Men kostete vergleichweise wenige 75 Millionen Dollar, während der dritte Teil sage und schreibe 210 Millionen, Fluch der Karibik sorgte mit seinem 152-Millionen-Dollar-Budget für schweisnasse Stirnpartien bei den Disney-Chefs, während für Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt ganze 300 Millionen Dollar aus vollen Rohren geschossen wurden.

Häufig werden Fortsetzungen auch düsterer als die Originalfilme. Das Imperium schlägt zurück ist um einiges pessimistischer als der ungleich buntere Krieg der Sterne; die Fortsetzungen von Fluch der Karibik sind viel härter, gruseliger und dramatischer als der erste Teil; The Dark Knight übertrifft in seinem erschütternden Realismus Batman Begins um ein leichtes, Prinz Kaspian von Narnia ist bei weitem nicht so zauberhaft-angenehm wie Der König von Narnia; und so weiter, und so weiter.

High School Musical 3: Senior Year ist völlig anders. Nicht nur, dass hier die zweite Fortsetzung eines Fernsehfilms international einen breiten Kinostart spendiert bekommt, nein, er ist trotz Budgeterhöhung gegenüber seinen Vorgängern noch immer spottbillig produziert. Schlappe 13,3 Millionen Dollar hat das dritte Teenagermusical gekostet, im Vergleich zu 4,2 Mio. $ (Teil 1) bzw. 7 Millionen $ (Teil 2).
Dem Trend, immer düsterer zu werden hat sich das High School Musical-Franchise mit seinem knallbunten, heiteren und quietschfidelen zweiten Teil bereits erfolgreich zur Wehr gesetzt, und auch HSM 3: Senior Year zeigt keinerlei Hemmungen, wenn es darum geht Jugendliche in knallige Klamotten zu schmeißen, sie fröhlich grinsend durch die Gegend springen zu lassen und die Zwillingsgeschwister Sharpay (Ashley Tisdale) und Ryan Evans (Lucas Grabeel) als überdrehtes Glamour-Dreamteam darzustellen.
Allerdings ist das musikalische Abschlussjahr nicht bloß eine bunte Fortsetzung, die allein aufgrund des Erfolges ihrer Vorgänger den Weg ins Kino fand. Stattdessen kann High School Musical 3: Senior Year tatsächlich auch Kinoformat aufweisen. Auch wenn der Plot anderes vermuten lässt.

Es sind die letzten Tage auf der East High für unsere alten Bekannten aus High School Musical 1 & 2. Die Wildcats stehen im Basketball-Finale und es liegt an Teamcaptain Troy Bolton (Zac Efron) seine zurückliegende Mannschaft zum Sieg zu führen. Nicht nur für die Ehre, sondern auch um die letzten gemeinsamen Minuten als Mannschaft zu einem krönenden Abschluss kommen zu lassen.
Dabei eröffnet sich dem Abschlussjahrgang bald darauf eine weitere Möglichkeit, zusammen etwas auf die Beine zu stellen. Weil sich aus lauter Angst vor Prüfungsstress nahezu niemand für das Jahresabschluss-Stück eingeschrieben hatte, droht der East High eine One-Man-Show mit Sharpay Evans (Ashley Tisdale). Um dies zu vermeiden meldet die Komponisten Kelsi (Olesya Rulin) hinter deren Rücken all ihre Freunde und Bekannte für das Musical an. Nach kurzen Protesten lassen sie sich auf das Unterfangen ein, kurz vor dem High-School-Abschluss noch eine Schulaufführung einzuproben und aufzuführen. Auf Vorschlag der Theaterlehrerin Mrs. Darbus (Alyson Reed) soll das Stück "Senior Year" heißen und von den Erfahrungen und Gefühlen handeln, welche die East-High-Schülerschaft in ihrem letzten Schuljahr durchmachte.
Mrs. Darbus erwähnt außerdem, dass die renommierte "Julliard School der darstellerischen Künste" ein Stipendium vergeben wird und sich Kelsi, Sharpay, Ryan (der Choreograph des Schulmusicals) und Troy Bolton in der engeren Auswahl befinden.

Für den letzteren stellt sich aufgrund dieser Neuigkeit sein gesamtes Weltbild auf den Kopf. Bislang ging er stillschweigend davon aus, dass er den Vorstellungen seines Vaters (BartJohnson) folgen wird und zusammen mit seinem besten Freund und Teamkollegen Chad (Corbin Bleu) auf ein nahe gelegenes College geht und in das dortige Basketball-Team wechselt.
Sharpay, die Austauschschülerin Tiara Gold (Jemma McKenzie-Brown) als Assistentin engagierte, versucht derweil mit hinterhältigen Mitteln die Hauptrolle im Musical zu ergattern, um so ihrem Traum ein Broadwaystar zu werden ein Stück näher zu kommen und Gabriella (Vanessa Hudgens) sieht sich mit der schweren Aufgabe konfrontiert, den richtigen Zeitpunkt zu finden, in dem sie mit ihrem Freund Troy über ihr Hochbegabten-Stipendium an der Stanford University und die daraus resultierende Entfernung zwischen ihnen zu sprechen.

Auf den ersten Blick klingt die Grundkonstellation von High School Musical 3: Senior Year nicht so, als hätte sich viel auf der East High verändert. Grob gesehen täuscht dieser Eindruck auch nicht - der Ausflug auf die Kinoleinwand unterzieht die Grundsubstanz des Franchises keiner Generalüberholung, der Film bleibt leicht als Teil der Reihe erkennbar. In der Darstellerriege hat sich bis auf die Ergänzung dreier neuen Randfiguren (die dezent im Hintergrund bleiben, in ihren wenigen Szenen jedoch durchaus zu glänzen wissen) nichts getan und auch der strahlende und sprühende Frohsinn der Reihe bleibt erhalten. High School Musical bedeutet nunmal süße, harmlose und auch naive, optimistische Familienunterhaltung. Das muss ja auch keineswegs schlecht sein und sollte sich mit dem dritten Teil auch nicht urplötzlich ändern.

Was dagegen an den ersten beiden Filmen störte und wovon ich hoffte, dass es sich im dritten Teil ändert ist deren naiv-dümmliche Dramaturgie.
Im ersten High School Musical zeigte sich dem Zuschauer noch eine modernisierte, zugleich stark vereinfachte, süßliche Variation der Romeo-und-Julia-Geschichte, der ich beim ersten Ansehen noch recht positiv gegenüberstehen konnte. Sie war nichts besonderes, genügte dabei allerdings völlig ihren Ansprüchen und wusste irgendwie zu verzaubern. Was warmes für's Herz, sozusagen.
Bereits beim zweiten Anschauen jedoch bröckelte die Fassade und die Romanze zwischen Troy und Gabriella verlor an Reiz, die überspannte Naivität und die anorganisch hineingeprügelte Kurzzeitkrise zwischen den beiden verliehen den beiden einen gewissen Nervfaktor. Dafür rückten mit einem Male die Antagonisten Sharpay und Ryan für mich in den Fokus, und spätestens beim dritten Ansehen (ja... ich habe den Film öfters gesehen...) waren sie für mich die wahren Stars.

Der zweite Teil verschob dies noch weiter ins Extreme: Während ich den selbstironischen, triefend kitschigen und ausufernden Camp liebte, den Ryan und Sharpay verströmten, ging mir Troys und Gabriellas Beziehungskiste nur auf den Keks. Die Liebesgeschichte war zunächst einmal inhaltlich viel zu naiv für ihr eigenes Wohl. Ein Naivität aussprühender Film ist die eine Sache, ein Film, der seine Haupthandlung all zu naiv angeht, ist eine andere.
Schlimmer war für mich aber, wie der Autor (Peter Barsocchini) versuchte ihr Spannung und Dramatik zu verleihen. Die neuen Krisen in der Beziehung zwischen Troy und Gabriella waren krampfhaft aufgesetzte Schnulzen-Heulereien, zu dick aufgetragen, mies dargestellt und dann kamen sie nichtmal logisch aus den Charakteren heraus, sondern waren nicht mehr als verzweifelte Bemühungen, die Handlung bis zum nächsten Lied zu strecken und es irgendwie inhaltlich vorzubereiten.

High School Musical 3: Senior Year ist dagegen eine reine Wohltat, es gibt keine hineingezwängte, gegen die Charakterisierung der Figuren laufende, unlogischen Konflikte, was den Film so viel ungezwungener, lockerer und natürlicher wirken lässt. Dadurch wird die von ihm ausgelöste Stimmung auch gleich viel reibungsloser vom Zuschauer aufgenommen, wo ich mich in den Vorgängerfilmen noch über die so eben gelösten Beziehungsprobleme und deren Sinnlosigkeit beschwerte, genoss ich in diesem Teil die Fröhlichkeit der Protagonisten.
Unklar bleibt, ob Autor Barsocchini dazu gelernt hat, oder ob wir uns hier über positive Nebeneffekte der Kontinuität innerhalb der Rehe freuen dürfen. Einige der handlungsvorantreibenden Elemente, die in den TV-Filmen überreizt wurden, fallen nun nämlich weg. Sharpay ist noch immer die selbstverliebte und ungesund ehrgeizige Drama Queen der Schule, lernte jedoch in den letzten Filmen genug über Hinterhältigkeit, um es in diesem Film nicht zu sehr zu übertreiben. Vor allem ihre Balzgebarden gegenüber Troy gehören der Vergangenheit an, das abgenutzte und in dieser Reihe eh deplatzierte Liebesdreieck wurde glücklicherweise genauso zu Grabe getragen wie Ryans Rolle als Sharpays Handlanger. Aus dieser kämpfte er sich bereits im zweiten Teil erfolgreich heraus, und tatsächlich sah man davon ab, ihn aus dramaturgischen Gründen wieder dahin zurückzuverfachten.
Doch das wichtigste: Troy und Gabriella sind endlich in einer halbwegs befestigten Liebesbeziehung, das seifenoperettenhafte an, aus, hin und her hat endlich ein Ende, ohne dass der Film plötzlich auf seinen Antrieb verzichten muss. Ganz im Gegenteil, frei von platt erzwungener Dramaturgie funktioniert die Romanze der beiden Hauptfiguren besser denn je.

Die entspanntere Lage zwischen Troy und Gabriella bedeutet keinesfalls, dass es bei ihnen zum Stillstand kommt. Ihr Handlungsfaden verläuft einfach nur viel glatter, durchdachter und ist zu keinem Zeitpunkt nervig. Für mich ein kleines Wunder, dabei ist das noch längst nicht alles:

War High School Musical in Wahrheit Sharpays Geschichte (pfeiff' auf die zentrale Liebesgeschichte, hier geht es um eine arrogante Nachwuchsschauspielerin, die zum Fall gebracht wird) und High School Musical 2 eigentlich Ryans Film (pfeiff' auf die dämliche zentrale Liebesgeschichte, hier dreht sich alles um einen liebenswerten Choreographen, der aus dem übermächtigen Schatten seiner Schwester tritt), so ist High School Musical 3: Senior Year tatsächlich und unumstritten Troys große Stunde. Richtig gelesen, nicht die von Troy und Gabriella, sondern die von Troy. Er ist der Antrieb der Handlung, steht im Mittel- und stellt selbst Dreh- und Angelpunkt dar. Der Film konzentriert sich vornehmlich auf seine Herausforderungen vor Schulabgang und die damit verbundenen Empfindungen.

Logischerweise bedeutet das etwas weniger Troy & Gabriella (was für mich wirklich ein Grund zur Freude ist) und auch weniger Sharpay & Ryan (als in Teil 2), was wirklich schade ist, aber nicht bedeutet, dass die beiden völlig untergehen. Vor allem bedeutet die strikte Orientierung an Zac Efrons Figur, logischerweise, auch mehr Troy. Das klingt im ersten Moment - und ehrlich gesagt auch im zweiten und dritten - noch ziemlich grausig, was es allerdings seltsamerweise nicht ist. Es ist... oh wunder... gut.
Abhängig ist dies natürlich Zac Efrons darstellerischen Leistungen. Efron ist noch immer relativ blass und kann seinen typischen, leeren Blick nicht den ganzen Film über abschütteln, dennoch hat er insgesamt eine solide und den Ansprüchen vollauf genügende, mich positiv überraschende Leistung abgeliefert, mit der er die zu erzählende Geschichte tragen kann. Und diese ist der Hauptgrund dafür, dass ich "mehr Troy" im Falle von High School Musical 3: Senior Year wirklich für eine gute Entscheidung halte.

Seine Story ist eine hübsch anzusehende, disney-fizierte Version der Orientierungsprobleme, die viele im Angesicht ihres Schulabschlusses hatten und sie wird sehr spaßig und auch nachvollziehbar aufbereitet.
Natürlich ist es ein simpler, übertriebener und mit übersichtlicher Dimensionalität versehener Ansatz, doch was anderes würde zu diesem fröhlichen Teenie-Musical gar nicht passen. Oscarreife, dreidimensionale Gefühlswelten und eine realistische Darstellung der High School soll es nicht werden, sondern ein plausibler, unterhaltsamer und auch angenehm dosiert kitschiger Blick auf das Schülerdasein. Vor allem an der Plausibilität und der richtigen Dosis Kitsch und Naivität scheiterten die ersten zwei Filme, was von älteren Zuschauern stark forderte, sich darauf einzulassen und mich eine rein campige, ironische und sich der eigenen Natur bewusste Reihe mit den bunten Evans-Geschwistern wünschen ließ.
Jetzt, nachdem man für Troys Geschichte die richtige Balance gefunden hat kann ich weiterhin dieses Element genießen und zugleich wieder etwas Teenie-Mentalität und -Emotionalität aufleben lassen. Noch immer erfordert die HSM-Reihe von seinen reiferen Zuschauern Geduld sowie Verträglichkeit gegenüber knalliger Spielfreude, quietschigen Farben und süßlicher Sauberkeit. Wer für etwas mehr als 100 Minuten den mürrischen Sauertopf nicht zu Hause lassen kann ist definitiv im falschen Film.

So sehr mich der Autor mit seiner aus dem nichts auftauchenden gelungenen Storyline für Troy auch überraschen mag, und so sehr sich Zac Efrons Spiel im Vergleich zu den ersten Teilen gesteigert hat, die Achillesferse eines Musicals bleiben die Lieder. Die Geschichte und die schauspielerischen Leistungen können noch so gut sein, wenn man sich durch sämtliche Gesangssequenzen quälen muss und mit Ohrenkrebs aus dem Kinosaal schreitet, wird man sich kaum vom Film angezogen fühlen. Musicals mit schlechter Handlung, aber großartigen Liedern sind dagegen zumindest auf DVD (mit Fernbedienung in der Hand) oder als Soundtrack-CD ganz genehme Erfahrungen.

High School Musical 3: Senior Year steht musikalisch in der Tradition seiner Vorgänger: Poppig-moderne Antworten auf den Stil klassischer Bühnenmusical-Songs, Teenie-Pop-Balladen und auf Mainstream runtergerechneter Rock, Hip-Hop und Dance-Pop, gerne auch untereinander gemischt, alles in einem klinisch aufpolierten Tongewand. Klingt niedergeschrieben sehr qualvoll, muss es aber überhaupt nicht sein.
Ein "junges" Gehör ist sicherlich von Vorteil, da auch die zeitloseren Nummern (genauer gesagt die an traditionellere Musicals angelehnten Lieder) den heutigen Hörgewohnheiten angepasst wurden. Das kann kurzfristig durchaus verwirrend sein, da die Verbindung aus Musikclip-Klangästhetik und einer klassischen Theater-Struktur alles andere als alltäglich ist, doch für mich stellte es sich als einfach heraus, mich daran zu gewöhnen. Die moderneren Lieder sind letztlich noch frischer, denn der Rock, der hier verarbeitet wird ist kein 70er-Classic-Rock. Es ist aktueller Rock, der dann noch der Gesamtmischung angepasst wird (ebenso wie alle anderen musikalischen Strömungen im Film).
Insgesamt betrachtet bewährt sich dieses Konzept allerdings, kein Lied fällt stilistisch aus dem Rahmen, und wer sich für die Dauer des Films nicht auf den Inhalt einlassen kann, ist gewiss auch nicht für (gelungene) Beispielexemplare aktueller Stilrichtungen im Mix mit modernisierten Herangehensweisen an bewährte Musikrichtungen empfänglich.

Bezeichnend für die Weiterentwicklung des Kinoausfluges im Vergleich zu High School Musical 1 & 2 ist wohl Sharpays und Ryans große Musicalnummer I Want It All, in dem sie von ihrer Zukunft als Musicalstars träumen.
Das Lied, und noch mehr seine visuelle Umsetzung, ist bombastischer, witziger und lebendiger als alles, was man bislang unter dem Namen High School Musical zu sehen und zu hören bekam.
Regisseur Kenny Ortega und seine Co-Choreographen Charles Klapow und Bonnie Story verneigen sich mit überdeutlicher Ehrlichkeit vor Theatern und Musicals, insbesondere dem Broadway, während sie zugleich sämtliche Register ziehen und die Karten der Evans-Geschwister gekonnt ausspielen. Die Sequenz ist knallig, albern, frech-selbstironisch in ihrem Umgang mit glitzerndem, leuchtenden Kitsch (und davon gibt es jede Menge) und noch immer eine ehrliche Liebeserklärung an die Bretter, die die Welt bedeuten.
Mit voller Inbrunst rennen die Geschwister (bzw. ihre Darsteller Tisdale und Grabeel) durch die bunten Kulissen, schmettern Hymnen ans Darstellerleben in die Welt hinaus und schlüpfen in Kostüme, die nicht von ungefähr an die klassische Musicalkunst und ans Varieté erinnern.

Bedenkt man, dass die mutigste Nummer im ersten Teil ein vom "normal" gekleideten Grabeel und Tisdale im blauen Kleidchen und mit viel Glitzer im Gesicht vor schwarzem Hintergrund und gülden-glänzender Leiter gesungenes Latino-Pop-Liedchen war, das man auch noch mehrfach mit anderen Szenen unterbrach, wird überdeutlich welchen Weg diese Reihe gegangen ist.

I Want It All bildet den Höhepunkt in Sachen selbstironischem Camp, ist der große Knall, mit dem die Evans ihre farbenfrohe Unterwanderung der HSM-Filme grandios abrunden. Die darauf folgenden Songs steigen in der Knalligkeit wieder vom Gaspedal herunter. Und so ist zwar I Want It All allein schon Grund genug für die Aufwertung auf's Kinoformat gewesen, doch längst nicht der einzige. Die Choereographie, die Ausstattung und Kameraführung ist den gesamten Film hindurch viel lebendiger, mutiger, größer, tiefer, einfach besser.

Ryan und Sharpay in I Want It All. Meine nur ich das, oder ahmt Tisdales Look hier Jean Harlow nach? Oder gibt es eine näherliegende Parallele zu Größen des Showgeschäfts?


Allein schon der eröffnende Song Now Or Never präsentiert mit beeindruckender Sicherheit die Vorzüge der Kinoinszenierung, lässt das Basketballspiel im ersten Teil endgültig lachhaft aussehen. Ortega hat seine knapp 13 Millionen Dollar Budget effektiv eingesetzt und fruchten lassen. Spürbar ist das höhere Budget sogar in den Sequenzen, die Teil des "Bühnenmusicals-im-Film" sind. Sahen die Kulissen im ersten Teil noch wie bei einer echten Amateurvorstellung aus, sind sie nun viel glamouröser. Bei mir stellte sich so während dieser Sequenzen eine wohlige Nostalgie ein, verträumt erinnerte ich mich an meine Schulzeit, da hier die schönen Elemente der Schule leicht glorifiziert eingefangen wurden.
Ich möchte außerdem nochmal daran erinnern, dass das Musical im Film "Senior Year" heißt - ich würde nicht behaupten, dass die Reihe somit Meta wird, an der vierten Wand kratzt sie dadurch aber sicherlich. Ein Song im Film heißt dann letztlich sogar High School Musical, und darüber kann man urteilen wie man möchte, aber für mich ist das kein zärtliches Kratzen mehr. Damit pfeffert der Film mit jeder Menge Spaß an der Freude durch die vierte Wand. Für mich ein netter Wink an die Erwachsenen im Kinosaal, andere werden es vielleicht auch nur als einfallslose Betitelung empfinden, das kann natürlich auch sein.

Natürlich sind nicht alle Lieder in High School Musical 3: Senior Year Volltreffer, gerade Gabriellas obligatorische Ballade und ein an Start of Something New-erinnerndes Ständchen zwischen Troy und seiner Angebeteten recht früh im Film wollten mich einfach nicht mitreißen, waren nicht emotional nicht tief und komplex genug um mir auch nur ansatzweise einen warmen Schauer über den Rücken laufen zu lassen.

Umso überraschter war ich, als Troys zentrales "Was mach ich jetzt?"-Lied Scream einsetzte. Mit großem Schrecken erinnere ich mich noch immer an Bet on it aus dem zweiten Teil zurück, ein an sich ganz nettes Pop-Dance-Lied, das stilistisch aber nicht so ganz zu den ausgedrückten Gefühlen passte (und in einem kurzen Moment gruselig nah an dem Techno-Remix von He's a Pirate war) und durch die peinliche Inszenierung nichtmal den Hauch einer Chance hatte, dass ich mich als Zuschauer auf Troys Seite stellen, mitfühlen oder mich sogar identifizieren kann.

Deshalb bot sich mir der ungute Gedanke an, dass Ortega das höhere Budget in eine noch peinlichere Nummer investierte, was jedoch glücklicherweise nicht der Fall war. Scream ist atmosphärisch toll inszeniert, die Ausstattung und Beleuchtung passt ideal zum Lied und Troys Gefühlen und die Choreographie und Kameraführung sind dieses Mal zwar ebenfalls sehr expressionistisch, allerdings im Gegensatz zu Troys zentralem Song in HSM 2 in der genau richtigen Dosis. Die hier verwendeten Ideen sind nicht allesamt neu, aber noch immer frisch und gut in Kontext gesetzt. Super Inszenierung und vor allem wird somit visuell ein Lied unterstützt, das sich musikalisch dem Inhalt anpasst.


Die Musikrichtungen der einzelnen Songs in HSM 3 entsprechen nämlich allesamt dem derzeitigen Innenleben der Charaktere. So ist zum Beispiel Scream ein kräftiger Mix aus Teen-Rock, Disney-Pop und Musical, während Troys und Chads gemeinsamer Song auf dem Schrottplatz eine wilde Vereinigung des Boygroup-Sounds der 90er (nein, nicht deren Balladen, ich mein' die anderen Songs, die Boygroups ab und zu so machen) und Pop-Rock. Ich hätte nie in meinem Leben gedacht, dass solch eine Symbiose funktionieren kann, und noch weniger hätte ich gedacht, dass sie auch mir gefallen wird. Dass es sich hierbei um einen Zac-Efron-Song handelt, dürfte mich schlussendlich gar nicht mehr aus dem Staunen rauskommen lassen. Doch ich habe mich noch während der ersten Strophe längst damit abgefunden.
Disney vollbringt einmal mehr das Unmögliche...

Vielleicht hilft auch, dass Efrons und Bleus Rumtollerei auf dem Schrottplatz mit ehrlicher Spielfreude beider Darsteller auf's Zelluloid gebannt wurde, und auch die Inszenierung zwischen Ortegas eigenem, und typischem Musikvideo-Stil stützt den Moment. Der Zuschauer darf bloß nicht die Logik hinterfragen: Die Sequenz ist klar darauf konzipiert auf dem Schrottplatz zu spielen, funktioniert auch nur dort und deshalb muss die Geschichte dorthin manövriert werden. Wenn man zuviel nachdenkt wird man sich daran sicherlich stören, doch die zwanghafte "wir müssen jetzt für eine gute Gesangssequenz dies und das machen"-Einstellung in HSM 3 ist eine riesige Verbesserung gegenüber den krampfhaften Handlungsverzerrungen in den ersten zwei Teilen.

Für mich das unumstrittene Highlight von High School Musical 3: Senior Year, um mich langsam dem Schluss dieser Rezension zu nähern, ist unterm Strich ganz klar der Song A Night to Remember und die dazugehörige Sequenz. Die Sets sind liebevoll gestaltet und eine wunderbare Filmadaption und Verneigung vor aufwändigeren Bühnenaufbauten, die Kostüme sind schön, der Cast läuft in dieser Sequenz zu Höchstform auf, die Regie ist auf den Punkt und lässt die Grundidee hinter dieser Szene reibungslos funktionieren. Das Lied fasst die Gefühle eines Abschlussball mit einem Lächeln zusammen, der Stress bei der Vorbereitung wird mit viel Witz eingebaut, ohne die Wirkung der Szene zu untergraben, die Melodie ist flott, hat viel Schwung und fängt dennoch die Emotionalität des Abends ein.
Es ist eine träumerische Szene. Manche würden vielleicht befürchten, dass sie den jüngeren Zuschauern zu hohe Erwartungen eintrichtern könnte, was aber völlig albern ist. Viel mehr trifft sie einen sanften Punkt bei denjenigen, deren Abschluss kurz bevorsteht oder noch nicht zu lange zurückliegt.
Ich möchte daran erinnern, dass ich an die ersten zwei Filme vornehmlich zynisch herangegangen bin, die vom Film selbst ernstgenommenen Momente (Troy & Gabriella) verachtete und dafür die selbstironischen Sequenzen (Sharpay & Ryan) umso mehr liebte. Und jetzt kommt dieser dritte Teil an.... Und macht mich mit A Night To Remember ganz melancholisch. Es ist ein spaßig-fröhliches Lied mit einem erwartungsvollen, zeitlosen und irgendwo auch liebevoll-romantischen, sich verbeugendem Kern in der Melodie - Disney wäre dumm wenn man es nicht als weniger narrative, rund dreiminütige Ball-Version neu veröffentlichen würde. Es könnte (zumindest in den USA, wo HSM eine größere Position in der Popkultur hat als hier) problemlos der nächste Ball-Klassiker werden.

Anhand von A Night To Remember lässt sich optimal erklären, weshalb mit High School Musical 3: Senior Year so viel besser gefällt, als die ersten zwei Teile, denn dieses Lied zeigt, dass sich die Naivität und Kitschigkeit der Reihe in exakt die richtigen Richtungen entwickelten. Der campige, spaßige und ironische Kitsch wurde noch lauter und knalliger, wenn auch in geringerer Häufigkeit; die kindliche Naivität und der fast ununterbrochene Frohsinn dagegen wächst in eine neue Altersgruppe hinein. Die Probleme in HSM 3 sind reifer, werden mit etwas mehr Dimension beleuchtet als die in den ersten Teilen (sie bleiben simpel, doch sie sind nicht mehr nervtötend platt), und das alles ohne den naiven Charme, den man mit den TV-Filmen aufbauen wollte, zu zerstören. In A Night To Remember zeigt sich das am besten, doch es zieht sich durch den gesamten Film.

Schade ist nur, dass die Szenenabfolge etwas stockend geriet. Manche Szenen sind, wenn man sie für sich allein stehen lässt, zwar gelungen, im Gesamtablauf aber leider zähflüssig, woraufhin andere zu hastig verlaufen. Das stört den Filmeindruck ein wenig, er scheint nicht immer wie aus einem Guss.
Fazit: High School Musical 3: Senior Year ist eine ansteckend heitere Fortsetzung von High School Musical 1 & 2, die gekonnt die Fehler der Vorgängerfilme vermeiden kann und zugleich deren Stärken weiter ausbaut. Der Großteil der Lieder ist gelungen, der Witz ist generationenübergreifend und die emotionale Seite (im Gegensatz zu den Vorgängern) durchgehend nachvollzieh- und nachfühlbar. So lange man sich nur darauf einlässt und lang genug seine sarkastische Seite zu Hause lassen kann, bietet sich hiermit sauberer und fröhlicher Spaß im jugendlichen Gewand. Oder kurz gesagt: Der Film ist schockierend gut.

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Freitag, 24. Oktober 2008

Ein Cleopatra-Rock-Musical? Ein Cleopatra-Rock-Musical!

Steven Soderbergh hat nach Sex, Lügen und Video, Erin Brokovich, Solaris, den Ocean's-Filmen, Voll frontal und The Good German so langsam alle möglichen Arten von Filmen durch. Was kann da noch kommen? Richtig, ein Rock 'n' Roll-Musical über das Leben von Kleopatra, das in 3D gefilmt und mit Catherine Zita-Jones in der Hauptrolle besetzt wird.

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Soderbergh, Zita-Jones, 3D, Rock'n'Roll, Wolverine und Kleopatra? Egal was Dr. Cox denken mag, wo muss ich unterschreiben?

Die Gewinner des deutschen Comedypreises 2008


Heute strahlte RTL den deutschen Comedypreis 2008 aus. Mit neuem Moderator und neuem Studio gab der Sender deutliche Signale: Dies ist nicht mehr die Witzveranstaltung der letzten Jahre.
Ansatzweise ist dies gelungen. Ein Blick auf die Gewinner offenbart dieses Bild:

Beste Comedyshow:
- «Elton vs. Simon - Die Show» (ProSieben)

Bestes Comedyevent:
- «Fröhliche Weihnachten» (Sat.1)

Beste Comedyserie:
- «Doctor's Diary» (RTL)

Beste Sketchcomedy:
- «Switch Reloaded» (ProSieben)

Beste Schauspielerin:
- Nora Tschirner ("Keinohrhasen")

Bester Schauspieler:
- Michael Kessler ("Switch Reloaded", "Pastewka")

Beste Komikerin:
- Mirja Boes

Bester Komiker:
- Michael Mittermeier

Bester Live-Act:
- Mario Barth

Beste Filmkomödie:
-
Keinohrhasen

Bester Nachwuchskünstler:
- Olaf Schubert (WTF?! Der ist doch schon ewig im Geschäft...)

Ehrenpreis:
Hugo Egon Balder

Unter den Gewinnern finden sich also zahlreiche gute Entscheidungen, oft gewann tatsächlich der oder die Beste unter den Nominierten. Die eine oder andere Fehlentscheidung gab es trotzdem, doch das sieht man ja immer bei Preisverleihungen. Zumal bereits bei den Nominierungen manche gute Sendungen ausgelassen wurden... Etwa Pastewka...

Viel wichtiger war mir dieses Mal tatsächlich eh der Rahmen: Dieter Nuhr hat mit viel Witz und auch feiner Ironie durch den Abend geleitet und dabei keine Gelegenheit Spitzen auszuteilen, ohne beleidigend zu werden. Max Giermann sorgte mit seiner Laudation in der Rolle von Stefan Raab für die größten Lacher des Abends und auch die meisten anderen Laudationen waren sehr gelungen. Nur Pocher, auf dem in fast allen Laudatien herumgehackt wurde, wirkte mit seiner lausigen The Dark Knight-Parodie zu bemüht. Was weiteres Pocher-Mobbing im nächsten Jahr wohl Tür und Tor geöffnet haben sollte.

Was ist passiert, wieso ist der Comedypreis auf einmal lustig? Und was müssen wir tun, damit das so bleibt?

Appropos: Wie Pastewka verriet, wird es auch dieses Jahr eine Ausgabe von Fröhliche Weihnachten geben. Wenn RTL dann noch Nuhr als Moderator beibehält und Switch ebenfalls weitermacht, dann besteht die Hoffnung, dass es auch nächstes Jahr beim Comedypreis was zum Lachen gibt.

(Ab)Gebildet: Vererbte, ikonographische Disney-Traditionen

Es gibt so manche Disney-Traditionen, vor allem in den "großen" Disney-Filmen: Da gibt es den sehnsüchtigen "Ich will..."-Song, die Halbwaisen oder den in den Tod stürzenden Bösewicht.

Vor kurzem stellte ich ja die Behauptung auf, dass derzeit eine Generation an Disney-Verehrern heranwächst, für die Captain Jack Sparrow und Troy Bolton die größten Disney-Ikonen sind. Mit der nachfolgenden Fotoreihe möchte ich meine Theorie weiter untermauern, indem sie aufzeigt, in was für einer langen und sauber gepflegten Tradition sie stehen. Denn beide von ihnen haben jeweils einen berühmten, für Disney fast schon kennzeichnenden Moment wieder aufgegriffen. Sie brachten bildliche Disney-Signaturen neuen Scharen von Zuschauern nahe.
Gepaart mit dem Erfolg ihrer Filme wirkt sich dies verstärkend auf ihren Status als neue Disney-Ikonen aus. So erübrigen sich wohl sämtliche Fragen, ob sie als Disney-Botschafter die legendäre und komplexe Vergangenheit Disneys neu repräsentieren, oder nicht.
Es stellt sich höchstens die Frage nach deren Halbwertszeit, aber das ist ein ganz anderes Thema.

Das Engel-Teufel-Syndrom (aka "Die manifestierten inneren Stimmen")

1938 entdeckte Donald seinen inneren Teufel...

...der gegen seinen inneren Engel kämpfte...

...und der Engel gewann, wenn auch nur diese Schlacht.

Der Cartoon Donald's Better Self legte den Grundstein für nicht enden wollende Kämpfe zwischen dem Guten und dem Bösen im Manne... äh... Erpel

Auch Pluto hatte immer wieder mit seinen inneren Stimmen zu tun, wie etwa hier im Oscar-prämierten Cartoon Der herzlose Retter von 1941.

Engelchen und Teufelchen nisteten sich seither immer wieder auf den Schultern von Unentschlossenen ein. Nicht nur in Cartoons, wie gerade Jay aus Jay und Silent Bob schlagen zurück (2001) erfahren muss.

Selbstverständlich durfte ein Zwiegespräch zwischen Engelchen und Teufelchen auch nicht im extrem witzigen, cartoonhaften Disney-Meisterwerk Ein Königreich für ein Lama (2001) fehlen.

Wirbelwind Stitch muss natürlich aus der Reihe fallen, und sich gleich zwei Teufel gönnen.


Übertrumpfen konnte das nur einer: Captain Jack Sparrow...

...dessen sprechenden Schulter-Halluzinationen gar nicht mehr einzuordnen sind. Gut, böse? Nein, einfach nur... Sparrow!

Da in Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt (2007) alles größer, lauter und bombastischer sein musste (und Sparrow eh schon eine komplexe Persönlichkeit ist), beließ man es nicht bei kleinen Schulter-Versionen des Piratenfürsten. Womit sich der Kreis schließt und wieder an Donald Duck angeschlossen wird.

Das Entlein-Erbe (aka "Der nach seiner Selbst suchende Blick ins Wasser")


In einem der schönsten Trick-Kurzfilme aller Zeiten blickte das hässliche Entlein auf der Suche nach sich selbst ins Wasser. 1939 konnte wohl keiner ahnen, welche Wellen dieses Bild schlagen wird.

Die wohl bekannteste Neuinterpretierung dieses Moments berührte 1994 Millionen von Zuschauern, als Simba, Der König der Löwen, auf Anraten des weisen Rafiki ganz genau ins dunkle Wasser schaute.

Auch die Titelheldin von Mulan (1997) erhoffte sich neue Erkenntnisse von ihrem Spiegelbild.

Der Dschungelheld Tarzan tat es ihr 1999 gleich, auch wenn er sich im Anschluss an den Blick ins Wasser weiter beschmierte, während Mulan ihr wahres Ich unter der Schminke fand.


Lilo & Stitch (2002) zollte ambitioniert und rührend dem Ursprung dieser Tradition seinen Tribut, indem das Wasser durch ein Bilderbuch mit der Entlein-Geschichte ausgetauscht wurde.

Doch auch eine etwas klassischere Parallele ist zu erkennen, wenn auch der Kontext etwas anders war.

Im Laufe von High School Musical 2 (2007) geriet Troy Bolton zur Freude sämtlicher Anhänger exzentrischer Ausdruckstänze in ungeahnte Selbstzweifel. Gekrönt wurde dieser Selbstfindungsprozess mit der wohl kitschigsten und am dicksten aufgetragenen Neuinterpretierung der Wasser-Spiegelbild-Szene. Sowie mit einer zweifelhaften Ehre, die Troy zuteil kommt: Er darf mit seiner eigenen Wasser-Reflektion ein Liedelein anstimmen. Womit der schauspielernde Basketballspieler ergänzend zu seiner geistigen Verwandschaft mit dem hässlichen Entlein auch mit Schneewittchen Bande knüpft. Was seine Teamkollegen wohl dazu sagen werden?

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