Sonntag, 30. November 2008

Blogparade: Alles Werbung, oder was?

Ich bin heute auf eine Blogparade zum Thema Werbung gestoßen und fand die Fragen ganz interessant. Lehnt euch also zurück und lernt, was ich so von Werbung halte...

Werbung - allgemein

Nimmst du Werbung überhaupt noch wahr?

Wenn ich gezielt fernsehe, und Werbeblöcke kommen, dann durchaus. Auch wenn ich natürlich versuche mich nicht davon beeinflussen zu lassen. ;-)

Schaust du Fernsehwerbung, oder schaltest du lieber um?

Meistenst gehe ich vom Fernseher weg und hole was zum trinken oder Nahrung. Oder bringe selbige wieder weg. Ansonsten zappe ich oder bleibe dran, je nachdem wie ich gerade gelaunt bin.

Welche Fernsehwerbung fällt dir gerade spontan ein. Warum diese?

Knorr-Fixprodukte, weil das Konzept, eine Nostalgie-Blue-Box-Promi-Sendung nachzuahmen für eine originelle und zeitgemäße Werbung mindestens drei Jahre zu spät kommt und ich es enorm peinlich finde.

Hast du schon mal bei einem Werbesender (QVC etc.) eingekauft?

Nein.

Welche Werbeform (TV, Radiom, Mundpropaganda …) ist die effektivste?

Wahrscheinlich eine Mischung aus TV-Werbung (Massenpublikum) und Mundpropaganda (Vertrauen in die werbende Person).

Wie sollte Werbung sein, damit du auf das Produkt aufmerksam wirst?

Selbst die witzigste Werbung bringt bei mir nichts, wenn mich das Produkt nicht interessiert.

Wie wichtig ist die Meinung deiner Freunde über ein Produkt das du kaufen möchtest?

Wenn es um Artikel geht, von denen ich keine Ahnung habe (z.B. Handwerkszeug) ist mir die Meinung von Freunden, die sich mit solchem Zeug auskennen sehr wichtig. Ansonsten vertraue ich meinen Instinkten.

Internetwerbung - Für Web-Surfer

Welche Werbeform ist für dich nervtötend (Layer, Adsense, Eselohren…)?

Eigentlich alle. :-D Am nervigsten ist aber Werbung die Geräusche macht.

Welche Werbform stört dich am geringsten?

Naja, kleine (unbewegliche) Banner, die so platziert sind, dass sie den Lesefluss nicht stören sind okay.

Setzt du Werbeblocker wie AdBlock ein?

Ja.

Klickst du auf Google Adsense Anzeigen, wenn sie interessant sind, oder bist du Banner-blind und überliest die Anzeigen?

Ich klicke doch nicht auf Google Adsense Anzeigen, bin ich verrückt?! Dämliche Werbung, dämliche...

Empfindest du eine Webseite, die Layer einsetzt, unseriös?

Nein, nicht zwangsweise. Irgendwie muss man die Serverkosten ja reinholen. Es nervt bloß.

Internetwerbung - Für Webmaster

Ist dein Theme, Design, Template für Werbeanzeigen optimiert?

Rein theoretisch schon. Ich nutze es nur nicht.

Welches Werbeformat ist deiner Meinung nach das Klickstärkste?

Ganz hinterhältige Layer, die erst dann auftauchen, wenn man auf der eigentlichen Seite was anklicken wollte und dann aus Versehen auf das plötzlich vorhandene riesige Monsterteil von Werbung klickt.

Webseiten, Blogs oder Foren - Wo sind die höchsten Klickraten zu erwarten?

Von der Frequenz her müssten es Webseiten sein. Da dort auch Gelegenheitssurfer unterwegs sind, die noch nicht werbeblind geworden sind, denke ich zudem, dass die Werbung dort tatsächlich noch zieht...

Mit welchem Anbieter verdienst du das meiste Geld. (Adsense, Linklift, Direktvermarktung)?

Dieser Blog ist uunkommerziell. Und das bleibt solange so, bis ich ganz dringend ganz viel Geld brauche. Da bis zu meiner Hochzeit wohl noch ein jede Menge Wasser die Gumpe entlangfließt, werden wir in diesem Jahrzehnt bei den bagatellen von Werbung verschont bleiben... ;-)

Machst du Werbung für deine Online-Projekte?

Ja.

Soviel also zu dieser Blogparade. Kein sensationelles Posting, doch mir hat's Spaß gemacht und ich hoffe, dass es euch nicht zu sehr störte. ;-)

Samstag, 29. November 2008

"Golden Globe"-Kampagnen und mehr von "WALL•E" und "The Dark Knight"

Die Oscar-Werbeanzeigen scheinen sich bei euch bester Beliebtheit zu erfreuen, und das nicht zu Unrecht. Irgendwie ist es doch auch fazinierend, welche Filmszenen die Studios für würdig erweisen, ihren Film einemanspruchsvollem Publikum schmackhaft zu machen. So schmackhaft, dass sie ihn bei wichtigen Filmpreisen nominieren und am besten auch wählen.

Die meisten Anzeigen richten sich tatsächlich gezielt auf die Oscar-Verleihung, doch auch für den Golden Globe lassen die Studios einige Dollar springen.
So auch Warner Bros., die für The Dark Knight ein nachdenkliches, heroisches und aufgrund Batmans Umgebung auch deprimierendes Bild aus Nolans Film wählten, um ihn den Juroren in mehreren Kategorien, darunter Bester Film (Drama) und Beste Musik, vorzuschlagen. Im Gegensatz zum Oscar ist hier die Musik von Hans Zimmer und James Newton Howard nämlich nicht disqualifiziert.


Im Gegensatz zu Disney, die (zumindest in dieser Anzeige) offen ließen bei welchen Filmpreisen High School Musical 3, richtet Universal seine Energie bezüglich Mamma Mia! direkt auf die "Bester Film (Musical oder Komödie)"-Kategorie der Globes. Ob es zum Sieg reicht möchte ich nicht beurteilen, doch da dieses Jahr im Bereich der anspruchsvollen Komödien rar gesät war, rechne ich dieser verfilmten Endorphinüberdosis hohe Chancen auf eine Nominierung an.

Und da die Serie mehrere Globes gewann, kann man sich wohl leider nicht zurücklehnen und hoffen, dass diese Werbeanzeige hier ins Leere läuft:

Diese Burn After Reading-Anzeige zielt zwar nicht direkt auf die Globes, doch dort sollte die verschrobene Komödie der Coen-Brüder am ehesten mitmischen können. Für die Oscars reicht es meiner Meinung nach nicht wirklich. Für die eventuell eintretenden, bunten Pop-Oscars ist er zu zynisch, und für eine "normale" Oscar-Saison zu schräg.

Und zum Abschluss eine weitere WALL•E-Oscaranzeige, die sehr geschickt ein perfekt erlesenes Kritikerzitat einsetzt:
The Director, Andrew Stanton, has conjured up a tender, comical Love Story between two robots whose feelings for each other seem as nuanced and depp as any you're likely to encounter these days in Live-Action Drama.


Oder kurz gesagt: WALL•E ist so gut, wie ein modernes Spielfilm-Drama. Also behandelt den Film gefälligst auch so wie eins.

Recht so. Überhäuft den kleinen Roboter mit Statuetten. Wenn Shakespeare in Love ein "Bester Film" bei den Oscars ist, dann ist es dieser hier schon lange!

Mehr zum Thema:

Morricone komponiert doch nicht für die Basterds


Ein Cinefacts-Mitglied machte darauf aufmerksam, dass die vor wenigen Wochen angekündigte Zusammenarbeit zwischen Tarantino und Ennio Morricone aus terminlichen Gründen wohl auf Eis gelegt werden muss.

Das ist wirklich schade, und nun stellt sich die Frage, ob Tarantino auf einen anderen Komponisten zurückgreifen wird (nochmal Rodriguez vielleicht), oder ob Tarantino bei Inglourious Basterds komplett auf "Archivmaterial" zurückgreifen wird.

Freitag, 28. November 2008

Frohes Wochenlinke!

Wieder ist eine Woche vorbei, und wieder einmal sammelte sich im Internet jede Menge neues Zeug an. Das beste, interessanteste, witzigste oder sonstwie irgendwas-igste findet ihr hier:

Donnerstag, 27. November 2008

Australia ist weder Fisch noch Fleich, macht wieder Platz an der Oscar-Tafel

"Deine Haare fühlen sich viel weicher an, als die von meinem treuen Ross!"
- "Oh, Wolverine, das ist das romantischste was jemals jemand zu mir gesagt hat. Das ist noch romantischer als Toms Frage, ob ich Scientologin werden möchte..."


Baz Luhrmann ist Australiens großer Regieexport. Und wie ein gutes Buschmesser teilt er die Menge. Die einen lieben ihn für seine rasant gezündeten, überbrodelnden visuellen Feuerwerke, die anderen hassen ihn für den knallbunten Kitsch, den er fabriziert.

Amerikas Kritiker und die Acadamy of Motion Picture Arts & Sciences standen bei Moulin Rouge auf Luhrmanns Seite, für den ganz großen Oscarregen genügte es allerdings nicht. Dementsprechend gebannt waren Brancheninsider, Filmjournalisten und Oscar-Blogger auf Australia, in dem sich Luhrmann staubiger Western-Ästhetik, dem zweiten Weltkrieg und einer epischen Romanze zwischen Nicole Kidman und Hugh Jackman widmete. Kerniges und zugleich (typisch Luhrmann) fantasievoll-romantisiertes und farbexzessives versprachen die Trailer. Sollte diese mutige Mischung gelingen, so wäre Australia garantiertes Oscarmaterial. Wenn nicht, so erwarte uns eine Katastrophe, dachte ich mir.

Weder das eine, noch das andere traf ein. Stattdessen teilt Luhrmann mit Australia die Filmkritiker so, wie er zuvor das allgemeine Publikum teilte. Von 120 bei Rottentomatoes gezählten Kritiken sind 61 positiv gestimmt. Die Wertung von 51% macht Australia nicht unbedingt zu einem schlechten Film, zumal die generelle Luhrmann-Begeisterung in Kritikerkreisen erloschen ist (was die Durchschnittsnote gerne mal drückt), eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Film kann sich der Australier dennoch abschminken.

Australia sei zu lang, zu albern, melodramatisch an Stellen, die romantisch sein sollen; sagen seine Gegner. Klassische Romantik aus vergessenen Zeiten in wunderschönen Bilder, sagen die Anhänger. Und in einer Filmbesprechung bezeichnet ein Kritiker Baz Luhrmann als Australiens Michael Bay. Ist das nun positiv oder nicht? Nun, Rottentomatoes zählt diese Kritik als positiv...

Ich werde mich bei Gelegenheit (ob Kino oder DVD entscheidet meine Geldbörse) selbst von Australias Stärken / Schwächen / Michael Bay-Plagiaten überzeugen. Doch auch ohne ihn im Kino gesehen zu haben, wage ich mich, ihn aus meiner Oscar-Prognose rauszuwerfen und an dessen Stelle Slumdog Millionaire zu setzen.

Und falls ihr gerade ein schadenfrohes Händereiben hört, keine Sorge, ihr seid nicht verrückt. Ihr habt bloß extrem gute Ohren, denn das was ihr da hört kommt direkt aus Burbank und Emeryville, wo sich Disney und Pixar freudig die Hände reiben. Je mehr (inhaltlich) oscartaugliche Spielfilme an den Kinokritikern scheitern, umso höher die Chancen, dass sich tatsächlich die Liebesgeschichte zweier Roboter durchsetzt...

Mehr dazu:

Bolt-Update: Mehr Interviews und neues zum Einspielergebnis

"Und ihr wisst immer noch nicht, wo mein Publikum hin ist...? Ohhhh..."
- "Komisch, auf den Werbeplakaten wirkt er ganz anders..."

Bolt könnte sich in den USA doch noch zum versöhnlichen Minierfolg entwickeln. Die gute Mundpropaganda und der alljährliche Boom von Familienfilmen in den Kinos lässt Experten vermuten, dass Bolt an diesem langen Wochenende einige Wiedergutmachung für das enttäuschende Startwochenende leisten könnte. Mark G. von der deutschen Box-Office-Referenzseite Insidekino vermutet sogar, Bolt könnte (im Gegensatz zu Twilight) sein Ergebnis der Vorwoche überbieten.

Während wir Disneys Rückkehr zu gelungenen Filmen mit Herz die Daumen drücken, könnt ihr euch dieses Videointerview mit Miley Cyrus, John Travolta und Mark Walton ansehen und hier ein weiteres Gespräch mit John Lasseter durchlesen.

Mehr zum Thema:

Desperate Housewives 4x15: Muttertag

Mit großen Schritten nähern wir uns dem Staffelfinale von Desperate Housewives und so langsam müssen die folgenübergreifenden Handlungsfäden abgeschlossen werden, wenn die Autoren es nicht vorhaben, sie in die nächste Staffel mitzunehmen. Was nicht unbedingt zu empfehlen wäre.

Vor allem "das große Staffelgeheimnis" nähert sich seiner Auflösung, und so wie es scheint, nimmt die Geschichte eine gänzlich andere Wende, als noch vor der streikbedingten Pause vor einigen Episoden. Rückblickend verärgert die Erzählweise bis zur Tornado-Episode, denn wenn das große Geheimnis tatsächlich auf das hinausläuft, worauf in der aktuellen Folge hingedeutet wird, so gab es viel zu viele rote Heringe, also absichtliche Irreführungen, die ein für Housewives-Verhältnisse simples Geheimnis unnötig aufblähten.

Vielleicht aber deckt Dylans Vater in den nächsten Folgen noch ein viel fieseres Geheimnis auf... Wer weiß das schon? Jedenfalls ist die Geschichte um die Mayfairs weiterhin ein Schwachpunkt, und sollten keine großen Wenden mehr kommen aller spätestens seit dieser Woche vorhersehbar, allerdings bemüht man sich endlich, wenigstens die Frage nach den Beweggründen und die Form, wie es aufgedeckt wird spannend zu halten.

Susan bekommt unterdessen Besuch ihrer nervigen Schiwegermutter. Neu ist das alles schon lange nicht mehr, wenigstens ist es recht lustig geraten.

Der Rest dieser Episode ist nichts weiter als eine Weiterführung der vorherigen Woche. Edie und Bree rasseln aufeinander und müssen aus dem bisher Erlebtem Konsequenzen ziehen, Kayla treibt Lynette weiter in die Verzweiflung und Gaby und Carlos müssen auf den Drogenfund im Zimmer ihrer Untermieterin reagieren.

Eigenständig ist diese Folge allein in Susans Storyline, wobei die Idee, wie gesagt, bereits abgenutzt ist. Der Rest ist nicht schlecht, doch weniger packend als die letzten Episoden. Bloß die Wende in Brees Geschichte ist gut umgesetzt und etwas völlig neues. Auch wenn es, über die gesamte Serie gesehen, vielleicht etwas plötzlich kommt.

Weitere Rezensionen:

Mittwoch, 26. November 2008

Lektion des Tages: Dumme Kinder sind witzig

Und Süßigkeitenautomaten bereichern das Leben!


Es wird wieder Zeit, den Namen dieses Blogs alle Ehre zu machen. Und kein Tag wäre idealer als dieser, denn was heute passiert ist muss in die Welt hinausposaunt werden. Auch wenn es nicht mehr, als eine dumme, kleine Bagatelle ist, eine dämliche Anekdote.

Heute nachmittag musste ich ärgerlicherweise einmal mehr mit der Bahn fahren. Ich bin eh Pendler und, ihr kennt es sicherlich, deshalb besonders häufig Opfer der Bahn, ihren Verspätungen, nichtssagenden Durchsagen und nervigen, lärmenden, grenzdebilen oder einfach nur bescheuerten Fahrgästen.
Umso genervter bin ich, wenn ich über das tägliche Pendeln hinaus mit der Bahn fahren muss. Doch heute lohnte es sich, das Auto stehen zu lassen und mit dem Zug zum Einkaufsziel zu fahren.

Später nachmittag, kleiner Bahnhof. Zwei Kinder (maximal elf Jahre alt) randalieren an der SOS/Notrufsäule, drücken immer wieder auf die Tasten, verstellen ihre Stimmen und erzählen Schwachsinn, bringen den Typen am anderen Ende der Leitung in den Wahnsinn. Zwischendurch fluchen sie über den Süßigkeitenautomaten, in dem wohl eine Waffel stecken geblieben ist, die sie sich ziehen wollten. Manchmal trommelt einer der beiden gegen den Automaten. Ja, da kann man sich hineinversetzen.

Das Verständnis für die Kinder wurde jedoch davon übertroffen, wie sehr sie mit ihrer Hartknäckigkeit nervten. Ihr Ideenreichtum glich das ganze allerdings wieder aus. Die zwei gehen nach kleiner Am-Automaten-rüttel-Aktion wieder zu der SOS-Säule:

Kind A holt eine 1-Euro-Münze raus und reibt damit an der Säule, als würde es einen Schlitz suchen. Kind B drückt auf den Kopf: "Hey, großer Mann, wir machen dir ein Angebot. Wir stecken dir hier den Euro rein, und dafür machst du, dass unser Teil da rauskommt!"

Stimme aus der Säule: "Könnt ihr nicht Mal aufhören, hier dauernd draufzudrücken? Ich weiß genau, weshalb ihr das dauernd macht!"

Beide Kinder: "Warum denn?"

Stimme: "Na, wegen dem Getränkeautomaten."

Kinder: "Richtig!"

(Pause)

Kinder (klopfen gegen die Säule): "Jetzt gib' her, gib' her, gib' her! Aaaah!"

Stimme: "Ich weiß, was ihr machen müsst, um da dran zu kommen!"

Kind A: "Was denn?"

Stimme: "Ihr müsst gegen den Automaten rennen!"

(die umstehenden Leute kichern)

Stimme: "Mit dem Kopf!"

(die umstehenden Leute lachen)

Stimme: "Volle Kanne, mit dem Kopf gegen den Automaten! Macht mal!"

(die Menschenmenge lacht lauthals)

Kind A: "Mach du das!"

Kind B: "Nein, du!"

Beide rennen (nicht mit dem Kopf) gegen den Automaten, immer wieder kommentieren Leute hämisch, dass die zwei wohl nicht wissen, wo der Kopf ist. Eine der zwei Jungs holt einen umliegenden Stock und stochert damit im Automaten herum. Der andere rennt gegen den Automaten. Das Spiel geht nochmal rund drei Minuten...

Als plötzlich der Bahnmitarbeiter wieder spricht. Nicht aber aus der Infosäule, sondern aus den Lautsprechern an den Gleisen: "Boah, kapiert ihr das nicht?! Ihr müsst MIT DEM KOPF dagegenrennen, MIT DEM KOPF!"

Mensch, war das ein Spaß, und die Leute ringsherum brachen in Gelächter aus, die Jugendlichen riefen hämisch "Opfer!"... Erst jetzt kapierten die zwei, dass sich der gesamte Bahnhof über sie köstlich amüsierte, leicht beschähmt gingen sie vom Automaten weg, so als würde dadurch sofort vergessen, was geschah und wie sehr die Bahn die beiden verarschte.
Vielleicht hätten sie so ihr Gesicht retten können...

Tja... vielleicht. Stattdessen gehen die zwei Jungs in Richtung Gleise, als einer der beiden in Richtung Lautsprecher guckt, wo eine Videokamera angebracht ist.

"Ey... guck' mal... scheiße, die haben uns die ganze Zeit gefilmt!"

True Romance

Die brutale und schonungslose Liebesgeschichte eines Einzelgängers und eines Callgirls. Coole Sprüche. Ehrliche Liebe. Brutales Gemetzel. Und Drogen.

Christian Slater (Der Name der Rose, Robin Hood, Interview mit einem Vampir) in der Hauptrolle.
Patricia Arquette (Ed Wood, Lost Highway) in schampigen Outfits.
Brad Pitt (Se7ven, Fight Club, Twelve Monkeys, Die Ocean-Trilogie) als relaxter Kiffer, der nie seine Couch verlässt.
Dennis Hopper (Easy Rider, Apocalypse Now) und Christopher Walken (Pulp Fiction, Annie Hall) in einer übercoolen Dialogszene über die genetischen Vorfahren der Sizilaner. Val Kilmer (Deja Vu, Top Gun, The Doors) als Elvis. Gary Oldman (Batman-Filme, Harry Potter-Filme, JFK). Samuel L. Jackson (Pulp Fiction, Stirb langsam 3, Unbreakable,...), James Gandolfini (8mm, Sopranos). Die Musik stammt aus der Feder von Pirates of the Caribbean- und Gladiator-Komponist Hans Zimmer.
Regie von Tony Scott (Top Gun, Der Staatsfeind Nr. 1, Mann unter Feuer).
Drehbuch: Quentin Tarantino, Meister des Kults.

Klingt nach dem Stoff, aus dem unsterbliche DVD-Geheimtipps sind? Nach einem weltberühmten Kultfilm?

Nunja. Nicht so ganz. Zwar hat True Romance dank der zahlreichen Fans seines Drehbuchautors in den Jahren seit seinem Kinostart (1993) eine treue Anhängerschaft aufgebaut, an den Klutstatus eines Natural Born Killers oder From Dusk Till Dawn (zwei anderen Tarantino-Skripten, die nicht von ihm verfilmt wurden) reicht er jedoch bei weitem nicht heran. Geschweige denn an die treue Fanliebe, die "echte" Tarantinos erfahren.

Weshalb True Romance trotz dieser geballten Starpower zu seiner Zeit kein Riesenerfolg wurde, lässt sich ja dadurch erklären, dass viele seiner Zugpferde erst später den kultigen Ruhm genießen durften. Tarantino war zum Kinostart noch nicht so bekannt wie heute, Brad Pitt stand ebenfalls am Anfang seiner Karriere. Und sogar Samuel L. Jackson war zu dieser Zeit nicht der obercoole "Motherfucker" der er heute ist. Zudem ist seine Rolle im Film verflixt klein.

Doch wieso konnte sich True Romance nicht über die Jahre hinweg einen so hohen Status aufbauen, wie es Natural Born Killers und From Dusk Till Dawn taten? Warum ist True Romance eine Fußnote im Kultgefahrbericht der 90er-Jahre?
Diese Frage kann ich nicht mit der nötigen Expertise beantworten, allerdings kann ich erklären, warum mir persönlich True Romance nicht so wirklich gefällt. Und vielleicht lassen sich einige meiner Kritikpunkte auf andere Zuschauer übertragen - womit wir dem Geheminis der im Vergleich zu anderen Tarantinos geringe Popularität auf die Spur kämen.

Mein Problem mit True Romance ist sogar schnell zusammengefasst: Die interessante Mischung aus ungewöhnlicher Liebesgeschichte und knallhartem Gangster-Roadmovie scheitert ganz einfach am Regisseur. Beziehungsweise am Drehbuchautor.

Tarantino schreibt am besten für sich selbst. Er schreibt Geschichten, wie er sie liebt, wie sie ihm als Filmemacher liegen. Er schreibt was er sehen und filmen will. True Romance hat auf der Handlungsebene den waschechten Tarantino-Stil mit obercoolen Dialogen, die Charaktere lassen auf Tarantinos distinktives Figurenrepertoire zurückschließen, die Gewalt ist typisch Tarantino. Doch die Umsetzung ist nicht von ihm.

Tony Scott ist kein schlechter Regisseur, auch wenn er vor allem bei elitären Filmkritikern weit hinter seinen Bruder Ridley zurückfällt, er schafft Spannung und ist gehört visuell zu den stärkeren aktiven Actionregisseuren. Aber er ist nunmal nicht Tarantino. Unter Scott wirken die Charaktere zu verschroben, die Dialoge knallen gegen die restliche Inszenierung, laufen auf. Als Slaters Charakter früh im Film erfährt, dass seine neue Bekannte und Geliebte ein Callgirl ist, das damit beauftragt wurde in dieser Nacht mit ihm zu schlafen, nimmt er es total locker hin.

In Tarantinos sowieso verzerrtem Filmuniversum würde dies überhaupt nicht stören, doch in True Romance sitzt Quentin nicht auf dem Regiestuhl, und das spürt man. Diese unvergleichliche, leicht überzogene stetige Aura des unwirklich-coolen fehlt einfach, macht die überaus simple Beziehung zwischen den Hauptfiguren albern. Realistisch wäre die so zweidimensional gezeichnete Liebe eh nicht, aber bei Tarantino hätte sie einen gewissen Style, würde Flair ausstrahlen. Leider schafft Scott es nicht, den tarantino'schen Inhalt auf Tarantino-Weise umzusetzen, oder aber den Inhalt sich selbst anzupassen.

Unter Scott, der eher für ästhetische Verfolgungsjagden und Explosionen steht, wirken auch die tarantino'schen Blutorgien deplatziert. Einige Gewaltspitzen würden bei Tarantino unvermeidlich und zum Film passend wirken, doch in True Romance erscheinen mir die harten Szenen unnötig, aufgesetzt und selbstverliebt.

Diese zwei Mängel ziehen - für mich - den Gesamtgenuss von True Romance so sehr runter, dass die guten Pointen und der originelle Verlauf des Films nicht mehr zum tragen kommen. True Romance schafft es bei mir einfach nicht, seine Mängel zu überdecken. Ähnlich geht es auch Natural Born Killers (den ich zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht auch hier im Blog bespreche), allerdings reizt mich bei ihm die Komponente der Mediendiskussion genug, um den gesamten Filmgenuss zu rechtfertigen - und dank seiner schrägen Visualität und der exzessiven Gewalt baut er sich in (vornehmlich männlichen) Jugendgruppen auch genug weitere Reize auf, um zum Kult zu werden.

Wirklich gut ist unter den Ergebnissen von Tarantino-Drehbüchern, die sich andere Regisseure vorknöpften, bloß From Dusk Till Dawn von Rodriguez, dem man die Freundschaft zu Tarantino anmerkt. Zwar haben beide Regisseure einen eigenen visuellen Stil und gänzlich andere Neigungen was das Erzähltempo angeht, doch sie sind dennoch auf der gleichen Wellenlänge...

Darum trauere ich Tarantinos außerordentlich produktiven Zeit der 90er nicht nach - nur er selbst und Rodriguez können Tarantinos Drehbücher gebührend umsetzen. Und da ich Rodriguez eigene Werke auch sehr mag, wäre es schade, wenn er denen Zeit abzwacken würde, um Tarantinos Drehbücher zu verfilmen.

Mehr Tarantino:

IMAX und Disney gehen neue Partnerschaft ein

Während MGM für seine Filme den Weg zu einem kleineren Format vorbereitete und eine Kooperation mit Youtube sicherte, plant die Disney Company in die entgegen gesetzte Richtung.

In den vergangenen Jahren gewannen die IMAX-Kinos immer mehr an Bedeutung und wandelten sich von Breitwandkinos mit Erlebniskurzfilmen wie 3D-Horrorfilmchen und vornehmlich auf beeindruckende Bildästhetik konzentrierte Dokumnetationen zur Zukunft für Hollywoodfilme. Der König der Löwen und Die Schöne und das Biest wurden zum Beispiel nur in IMAX-Kinos neu aufgeführt, Filme wie Superman Returns, die Matrix-Fortsetzungen oder der letzte Harry Potter kamen in die IMAX-Kinos und brachten viel Geld ein. The Dark Knight brach in neue Gebiete auf, enthielt extra für dieses Format gedrehte Szenen.

Trotzdem läuft die Eroberung der IMAX-Kinos durch Hollywood schleppender vorran, als es möglich wäre.
Die Disney Studios treiben die Entwicklung jetzt weiter und schlossen einen fünf Filme umfassenden Vertrag mit IMAX ab. Ab 2009 will Disney fünf große Produktionen als 3D-Version in die IMAX-Kinos bringe, und somit den weiterhin mehr am Rand stehenden Riesenkinos größere Zuschauerscharen einbringen, während IMAX durch die Besonderheit seines Formates den einen oder anderen unsicheren Kinozuschauer doch noch in die Säle locken könnte.

Der erste Film wird Zemeckis' A Christmas Carol sein, die restlichen vier Filme stehen noch nicht fest. Allerdings spekuliert die IMAX-Kette in seiner Pressemitteilung auf Filme von Tim Burton und Jerry Bruckheimer.
Vor allem Tim Burtons Filme, die eh in 3D angekündigt sind, sollten eigentlich sogar für das IMAX-Format feststehen. Die Ankündigung von Bruckheimer-Produktionen im IMAX dagegen setzt eine schleichende Reihe von Spekulationen fort, dass Pirates of the Caribbean 4 in 3D gedreht werden könnte...

Mehr zum Thema:

Dienstag, 25. November 2008

Aus Sir Donnerbolds Klamottenkiste: Die FSK-Ansage



Gerade bei Youtube gefunden: Die FSK-Ansage, die vor langer Zeit auf sämtlichen Videokassetten zu sehen war.
Da kommen Erinnerungen an die Kindheit hoch. All die alten Disney-Videos aus den 80ern, und die ersten Non-Disney-Filme, sie alle fingen mit dieser Warnung an. Eigentlich auch eine sinnvolle - hätte man sie beibehalten, wer weiß, ob wir uns dann jetzt mit so riesigen FSK- und USK-Flatschen rumschlagen müssten, wie sie uns bald auf sämtlichen Covern heimsuchen werden...

Warner stellt "The Dark Knight"-Soundtrack gratis online

Dem Joker geht es nicht ums Geld

Benötigt ihr zufälligerweise neues Klangfutter für eure Ohren, wenn ihr am PC Hausaufgaben macht, Protokolle schreibt oder den Feierabend mit kurzen Chats beginnt? Oder überlegt ihr euch gerade, ob es sich lohnt, den The Dark Knight-Soundtrack auf die Weihnachtswunschliste zu setzen?

Dann könnt ihr euch Warner Bros. ab sofort kopfüber, gratis und legal in den düsteren und packenden Score von Hans Zimmer und James Newton Howard stürzen: Auf der For Your Consideration-Webseite des Filmstudios könnt ihr euch die gesamte Soundtrack-CD in sehr guter Qualität anhören.
Eigentlich ist dieser Service primär für Filmjuroren gedacht, doch da er für jeden Internetbenutzer frei zugänglich ist, spricht nichts dagegen bei der Arbeit am PC zumindest akustisch nach Gotham zu reisen.
Der Score von The Dark Knight gehört meiner Meinung nach zu den besten dieses Jahres und er steht definitiv auf meiner musikalischen Prioritätenliste. Bis ich ihn mir besorgen kann, werde ich regelmäßig auf Warners Webseite vorbeisurfen.

Dass Warner den Soundtrack von The Dark Knight so offensiv nutzt mag vielleicht einige verwundern, schließlich wurde er erst kürzlich für die Acadamy Awards disqualifiziert. Jedoch ist er noch immer beeindruckend und versetzt die Besucher der Seite in die richtige Stimmung. Zumal es neben dem Oscar ja noch andere Auszeichnungen gibt...

Verwandte Artikel:

Montag, 24. November 2008

Ich könnte Ihnen da eine gut abgedunkelte Fledermaus empfehlen...

WALL•E und dessen Oscar-Kampagne habe ich euch bereits mehrfach nahe gebracht, und es ist an der Zeit, euch jetzt mit den Anzeigen für The Dark Knight vertraut zu machen. Im Gegensatz zu Disneys Versuch, High School Musical 3 ins Golden Globe- und Oscar-Rennen zu bringen, schließen Warners Werbeaufrufe für Nolans Batmanfilm nahtlos an die düsteren und stilleren "For Your Consideration"-Anzeigen der letzten Oscar-Saison an.

Vornehmlich informativ war die erste Werbeanzeige, die Jurymitglieder auf spezielle IMAX-Vorführungen aufmerksam machte. Die dahinterstehende Absicht ist offensichtlich: The Dark Knight beinhaltet einige extra für dieses Mega-Breitbildformat gedrehte Szenen, die nur im IMAX ihre volle Wirkung entfalten können. Je mehr Stimmberechtigte den Thriller in diesem Format sehen, desto größer sind die Chancen auf Nominierungen für die Kamera oder auch die Regie. Ganz zu schweigen, dass der gesamte Film gleich viel epochaler und eindringlicher wirkt, wenn man ihn im Kino sieht, und nicht auf einer extra für Jurymitglieder erstellten DVD mit lästigen Wasserzeichen...

Taktisch außerordentlich klug ausgewählt ist das Kritikerzitat auf dieser auf Internetseiten geschalteten Werbeanzeige, das (ohne das Wort "Comic" zu erwähnen) betont, wie sehr sich The Dark Knight von seiner Vorlage entfernte und weiterentwickelte. Die Charaktere reißen das Publikum mit, sind also dreidimensional. Somit möchte Warner die Vorurteile mancher Juroren gegenüber Comics aus dem Weg räumen. Dass das Zitat sogleich noch die Darsteller, die Regie und die Technik lobt soll im gleichen Atemzug die Chancen in eben diesen Kategorien verbessern...
Nicht umsonst steht hier das Zitat an der präsentesten Stelle.

Ganz anders diese Anzeige. Sie konzentriert sich auf Heath Ledger und die Empfehlung, ihn in der Nebendarstellerkategorie auszuzeichnen. Statt einen typischen "Poster Shot" zu wählen, auf dem Ledger frontal in die Kamera guckt, am besten noch möglichst grimmig, sehen wir ihn mit geneigtem Haupt, wie er seine Clownsmaske vom Kopf zieht, um darunter seine Schminke zu enthüllen. Es ist ein beeindruckendes und beklemmendes Bild, ohne übertrieben zu sein. Eher ist es ein bescheidenes, zurückhaltendes Motiv.


Die DIN A4-Seite voller Zitate sollte für sich alleine stehen können, oder?

Das Titelblatt der Variety-Ausgabe von letztem Montag. Keine Schriftzüge. Keine Zitate, kein Logo. Nicht einmal ein Kategorienvorschlag. Einfach nur die omnipräsente Figur des Jokers, die am helllichten Tag auf der Straße steht.
Ein Bild, das sich im Gedächtnis festsetzt und den Film zusammenfasst, ohne die publikumsorientierten Tricks der Posterästhetik anzuschneiden.

Aber wird das ein elitäres Klientel zum wählen überreden?

Mehr dazu:

"Bolt" enttäuscht doch: Aber an den Kinokassen

"Und ihr wisst wirklich nicht, wo mein Publikum hin ist?"

Die Kritiker mögen Bolt. Einige lieben ihn sogar, sorgen für eine Wertung von 84% bei Rottentomatoes. Die amerikanischen Disney-Blogs und -Foren loben Disneys drittes CGI-Meisterwerk. Endlich habe Disney seine Magie zurück.

Dennoch nahm der erste komplett unter John Lasseters Regentschaft bei Disney entwickelte Trickfilm lediglich circa 27 Millionen Dollar an seinem gestern beendeten Startwochenende ein, womit er um bloß 2 Millionen das bereits enttäuschende Startwochenende vom ungleich weniger überzeugenden Triff die Robinsons überbot. Ein Vergleich mit dem wesentlich misslungeneren Himel und Huhn lässt einen fast in Verzweiflung ausbrechen: 40 Millionen brachte die überdrehte und in sich nicht wirklich zusammenhängende Hühnerkomödie seinerzeit in den ersten drei Tagen ein.

Gehässige Naturen und Gegner Lasseters und der Pixar-Übernahme reihen sich bereits auf um die nahezu obligatorische Schelte auszuteilen. "WALL•E und Ratatouille spielen weniger ein als Findet Nemo, weshalb Pixar eh nichts mehr wert ist" hat als Gegenargument endgültig ausgesorgt. Stattdessen bietet sich den Gegner Lasseters ein Argument an, welches auf weniger lautstarke Gegenreaktionen stpßen wird. WALL•E schlecht zu reden ist ein Wagnis, doch dass Bolt Disneys Animationssparte nicht retten konnte scheint den Zahlen nach zu urteilen offensichtlich.

Weshalb aber scheiterte Bolt?
Zum einen genügt ein scheuer Blick über den Tellerrand: Am selben Wochenende platzierte sich Twilight mit 70 Millionen Einnahmen in der ewigen Bestenliste der erfolgreichsten Nicht-Sommer-Starts und löste bei (weiblichen) Jugendlichen einen Hype aus, der seinesgleichen sucht. Wie Star Wars-Fans kampierten sie vor den Kinos um die erste Vorführung sehen zu können.
Das Geld (und die Zeit für den Kinobesuch) muss ja irgendwo herkommen - und ganz offensichtlich hat Twilight dem neuen Disneyfilm etwas vom Publikum abgezwackt. Für Disney- und Medienblogger Jim Hill sind die von Twilight begeisterten Teenagermädels der Hauptgrund für den Beinahe-Flop von Bolt.

Allerdings sehe ich den Erfolg der Vampirromanze bloß als Teilelement. Mindestens ebenso entscheidend ist Disneys Versäumnis eine lang gehegte und ausführliche Werbestrategie für Bolt aufzutischen. Während Pixar seine kommenden Produktionen traditionell bereits im Vorfeld seiner aktuellen Kinofilme bewirbt und somit einem breiten Publikum (genauer gesagt sogar der Zielgruppe) vorstellt, brachte Disney nur schleppend Trailer für Bolt raus.
Das erste Mal, dass der durchschnittliche Kinogänger und die typische amerikanische Familie aussagekräftige Bilder von Bolt präsentiert bekam war vor WALL•E, gegen den im direkten Vergleich nahezu alle anderen Animationsfilme verjährt und infantil aussehen. Bolt, dessen Story eh keine Innovationspreise gewinnen wird, konnte einfach nicht glänzen.

Der beste Trailer war der auf High School Musical 3: Senior Year zugeschnittene (und vor ihm gezeigte) Sondertrailer, doch ein Großteil dessen Publikums sah sich dieses Wochenende ja Twilight an. Und der ähnlich überzeugende, kaum umgewandelte letzte Bolt-Trailer erschien vor gerade Mal zwei Wochen im Internet. Zusammen mit den sehr generischen und unspektakulären Postern sind das nicht gerade erfolgsversprechende Aussichten.

Am besten kümmerte sich Disney, überraschenderweise, um seine erwachsenen Fans. John Lasseter rührte in seiner herrlich geekigen Art die Werbetrommel für Bolt und sprach damit gezielt die Leute an, die sich in Disneyforen rumtreiben oder hyperaktive Filmblogs mit Schwerpunkt Disney durchlesen.
Fast könnte man meinen, Disney wolle damit Schadensbegrenzung betreiben, schließlich ist gerade diese Zielgruppe Bolt gegnüber besonders schlecht eingestimmt. Von der kompletten Umstrukturierung des Films und Chris Sanders dadurch ausgelöste Kündigung bis hin zu sämtlichen frühen Bildmaterialien: Viele Disneyfans hassten Bolt. Nicht, dass ich da eine Ausnahme gebildet habe. Jedoch lebe ich in Deutschland und konnte deshalb lange genug vor Kinostart umgestimmt werden und gehe bei Disneyfilmen selbst in Fällen von eher kleinen Hoffnungen auf gelungene Unterhaltung ins Kino.
Amerikanische Disneyfans dagegen wurden erst in den letzten Wochen vor Kinostart mit überzeugendem Material gelockt. Viele werden das wohl erst noch sacken lassen müssen und in den kommenden Tagen ins Kino gehen.

Abschreiben dürfen wir Bolt genau deshalb noch nicht. Es folgt noch der Thanksgiving-Kinoboom und es bleibt abzuwarten, ob die Teenies nochmal in Twilight gehen, oder jetzt Zeit für Bolt finden.

Und 2009 dürfen wir deutschen Fans uns endlich selbst ein Bild von Bolt machen.

Mehr weiße Hunde-Artikel:

Sonntag, 23. November 2008

Lehrmeister Internet: 5 wichtige Lebenslektionen, das World Wide Web der wahren Welt beigebracht hat

Nicht in der Schule, im Leben lernen wir: Wen interessiert schon die Quadratwurzel aus 1764? Höchstens ein paar Nerds, weiße Mäuse und einen Computer namens "Deep Thought". Schulwissen gibt uns vielleicht eine Allgemeinbildung, doch die Lebensorientierung, die bekommen wir auf der Straße beigebracht. Wo sonst lernt man, dass Gelb in Wahrheit nur Dunkelgrün ist, wenn nicht bei der zeitlich knapp bemessenen Autofahrt? Aber Scherz beiseite: Nicht nur die Straße ist das Klassenzimmer des Lebens. Überall lernt der Mensch wichtige Fakten über das Leben in unserer Gesellschaft. So lernte ich in einer Dönerbude, dass "Scharf" kein Adjektiv ist, das gut geschliffene Messerklingen oder Speisen mit hohem Chilianteil beschreibt, sondern eine Grundzutat ist ("Mit Scharf?" -"Ja, ich hätte ihn gerne sehr scharf." "Also mit Scharf drauf?!"). Auf mehreren Bahnhöfen lernte ich, dass die Wahrscheinlichkeit einer pünktlichen Ankunft des Zuges steigt, wenn man sich Zuhause zu viel Zeit beim Anziehen lässt. Und an einem malerischen Ufer lernte ich die Geheimnisse fernöstlicher Religionen kennen. Doch dies ist eine gänzlich andere Geschichte und lenkt uns nur vom eigentlichen Thema ab.

In den Zeiten der Telekommunikation stellt freilich auch das Internet einige wichtige Lebenslektionen bereit, die uns mit der harschen Realität in dieser Welt konfrontieren.
Und so wird aus einem naiven kleinen Kind im Laufe der Jahre ein abgebrühter, von der Grausamkeit dieser Welt gebranntmarkter, möglicherweise auch bitterter und zynischer, Erwachsener.

Um diesen Lernprozess fortan beschleunigen zu können, seien sie nun hier versammelt, die Lebenslektionen, die uns das Internet bereitet:

Sex ist überall. Und wenn er nicht direkt vor deiner Nase zu sehen ist (oder gar stattfindet), so wartet er hinter der nächsten Ecke.

Laut einer im April 2008 veröffentlichten Studie, deren Korrektheit ich nicht überprüft habe, weil ich keinen Stift dabei hatte, mit dem ich über die Webseiten dieser Welt Buch führen konnte, enthalten 40% aller Internetangebote pornographische Inhalte, 74 Prozent aller Interneteinnahmen entstehen durch Sex-Angebote und 60% aller Webseiten-Besuche sind sexueller Natur. Rein statistisch müsstet ihr also bevor ihr meinen Blog besucht habt auf einer Sexseite gewesen sein. Es sei denn dieser Blog gilt bereits als sexuell - immerhin habe ich bereits in diesem Artikel bereits mehrfach das Wort "Sex" niedergeschrieben.
Wie dem auch sei, heutzutage erwartet uns überall Sex. Ob in der Werbung, hinter den dünnen Pappwänden unserer Zimmernachbarn oder in Filmen, sei er nun explizit oder angedeutet. War dies allerdings schon immer so (auch wenn die Offensichtlichkeit sexueller Beziehungen in massenkompatiblen Filmen derzeit stärker ist als etwa noch in den 40er Jahren), treibt das Internet wie die vorhin erwähnten Zahlen beweisen den Sex auf eine neue Spitze.
Mensch, sogar nach Disney-Comicfiguren benannte Blogs behandeln das Thema in schöner Regelmäßigkeit.
Doch wie nahe Sex selbst den unschuldigsten Themen kommen kann, habe ich in einem wagemutigen Selbstversuch herausgefunden. Ich surfte auf den englischen Wikipedia-Artikel über Winnie Puuh, und stellte mir vor, ich sei ein Internet unerfahrenes, wissbegieriges Kind. Ich las mir den Artikel durch und stolperte über den lustig aussehenden Begriff "direct-to-video". Haha, so viele Striche in einem Wort, da klick ich drauf. Nun erklärt mir Wikipedia diesen witzigen Begriff, in dem auch Disney erwähnt wird. Kurz bevor der Artikel auf Disney eingeht, erwähnt der auch das sehr kompliziert aussehende Wort "pornographic". Da es im scheinbaren Zusammenhang mit Disney-DVDs steht und ich es nicht kenne, klicke ich drauf.

Zehn Minuten später lag ich tränenüberströmt im Schoße meiner Mammi und fragte sie, ob ich auch mal sowas machen muss. Und ob das ansteckend sei.

Zwei Klicks von Winnie Puuh entfernt wartete der pure Horror...

Der Härtegrad einer Geduldsprobe wächst proportional zur Erwartungshaltung

Gut... Jeder weiß, dass die Zeit langsamer verläuft, wenn man wartet. Was aber das Internet anstellt, ist Folter. Man möchte einen Newsartikel öffnen, plötzlich stockt der Browser und Videos, auf die man sich freut, brauchen ewig zum laden. Richtig schlimm war es, als ich mir den Trailer für Pirates of the Caribbean: Dead Man's Chest ansehen wollte.
Disney veranstaltete um den heiß ersehnten Trailer ja einen Wettbewerb bei MySpace.com, und der Gewinner würde am ersten Tag exklusiv den Link zum Trailer kriegen und das Recht, ihn überall zu posten. Erst einige Zeit später, bekämen die üblichen Webseiten den Trailer von Disney gestellt.
Anscheinend hat der Gewinner sich an dem Tag aber eine dicke Mütze Schlaf gegönnt, jedenfalls dauerte es erstmal eine halbe Ewigkeit, bis der Trailer irgendwo auftauchte. In diesem Moment stürzten sich tausende von Fans auf diesen einen Link... Überlastung. Zum Laden brauchte der werte Trailer tatsächlich über eine Stunde... Und dann brach meine Internetverbindung zusammen. Ich konnte sie nach viel Gefluche neu starten und entdeckte eine zweite Seite, die mit dem Link gesegnet wurde. Es dauerte etwas weniger, bis der Trailer komplett lud, doch er wollte nicht anspringen... Nochmal eine Stunde später bekam ich den Trailer dann endlich zu sehen... Nach so langem Warten... Und er war großartig. Ich fühlte mich für meine Warterei entlohnt. Ich war zufrieden.

Im Internet findest du Leute, die dir frappierend ähneln. Egal, für wie außergewöhnlich du dich hältst.

Der Individualisierungsprozess macht es möglich: Menschen entwickeln sich nach eigenem Gutdünken und ihren Interessen gemäß, so frei und unabhängig von Herkunft, Biographie und Status, wie nur möglich. Doch statt Generationen von unkompatiblen Einzelgängern zu schaffen, entdecken Menschen weiterhin Zusammengehörigkeit. Nur weniger wegen Religion, Heimatort oder Beruf, sondern wegen Interessen.
Abseits des Internets mögen sehr viele noch denken, sie könnten für einzelne Interessen sympatische Gegenparts finden, niemals dagegen für ihre Gesamterscheinung.
Falsch gedacht. Das Internet ist so groß und vernetzt die Welt so eng, dass man sich für noch so einmalig und seltsam zusammengewürfelt halten mag, es gibt irgendwo jemanden der ähnlich, vielleicht sogar genauso ist.
Ob dies als angenehm zu beurteilen ist oder eher als verängstigend, bleibt einem selbst überlassen. Die Beschneidung der Einmaligkeit kann die Ehre kränken, oder einen befreien, neues Zusammengehörigkeitsgefühl aufblühen lassen.
Jeder, wie er mag. Doch eins müssen beide Parteien einsehen. Zynische Optimisten mit Wohltäterdrang, die Kinder hassen und streng katholisch, aber zugleich sexsüchtig sind gibt es genauso wie intelektuelle Filmfans, deren Lieblingsbücher in der Kinderabteilung zu finden sind und Partys lieben, aber große Menschenvorkommen verabscheuen.

Ebenezer Scrooge ist überall

Wenn man nicht ins Internet geht, denkt man glatt, Weihnachten sei beliebt. Keiner hasst es so wirklich. Manche lieben es abgöttisch, und zwar jedes Detail daran. Andere mögen das Fest, aber zum Beispiel nicht die Lieder. Oder Mutters Festtagsbraten. Und andere haben andere Feiertage lieber (etwa Karneval oder Silvester), genießen dennoch die Festtagsstimmung und die freien Tage.
Ein Blick ins Internet dagegen eröffnet einem eine Parallelwelt, wie man sich Dickens Albträume ausmalen würde. "Weihnachten?! Humbug! Kommerz! Scheinheiliges Gewäsch einer irre gewordenen Sekte! Coca Colas erfolgreichster Marketingtrick! Der Grund warum meine Lieblingsserie ausfällt! Tötet Macaulay Culkin!"
Das letzte ist ja verständlich... Aber sonst? So schwarzseherisch und unreflektiert. Irgendetwas gutes sollte jeder an dem Fest finden können, egal ob man nun an den eigentlichen, christlichen Gedanken glaubt, oder an den allgemeineren Gedanken eines freundlichen Festes mit Geschenken oder auch nur an einen Grund für hübsche Deko. Oder herzhaftes Essen.

Seit es das Internet gibt, weiß ich, dass es eine Schar an Scrooges auf der Welt gibt. Okay, die drei Geister werden deshalb so schnell nicht arbeitslos... Aber ein paar Kollegen mehr könnten sie auch gebrauchen. Damit man um Weihnachten herum auch wieder ins Internet kann...

Parallelgesellschaften existieren bereits

Sozialforscher warnen schon immer vor Parallelgesellschaften. Natürlich haben bestimmte Gruppe andere Wissensschwerpunkte, doch wenn eine gesamte zweite Gesellschaft mit anderen Konventionen entsteht, hat es nichts mehr mit berufsspezifischem Wissen, Insidergags oder solchem zu tun.
Im Internet gibt es solche Parallelgesellschaft bereits. Denn der normale Internetbeutzer hat nichts mehr mit dem gemein, der länger durchs Internet tourt und dabei auch amerikanische Internetkultur aufsaugt. Von Außenstehenden schnell beigebrachtem Vokabular wie ROFL zu Idolen und Traditionen einer eigenen Gesellschaft, wie dem Pedobear, den Demotivationals, "This Is Sparta!" und Retro-Gaming-Humor.
Panik muss nicht ausbrechen, schließlich bleibt die andere Gesellschaftsform auf dem Bildschirm. Doch die Unmöglichkeit einer Parallelgesellschaft ist widerlegt.

Das Internet ist riesig, das Leben ist lang und voller lehrreicher Lektionen. Es wäre ein lachhafter Versuch, sämtliche Lektionen die einem das Internet beibringt aufzuzählen.
Vielleicht aber hilft euch dieser Beitrag, die Augen offen zu halten. Wenn das Internet euch etwas beibringen möchte... realisiert es. Wieso? Naja... wieso nicht?

Siehe auch:

Samstag, 22. November 2008

Link diddel di Link

In einer Woche können sich viele Links ansammeln. Lasset sie uns teilen:
Soviel zum Rumgelinke für heute. Wir kehren nun zurück zu unserem üblichen Programm. Nachrichten, Meinungen und langes Rumgeschreibe.

Freitag, 21. November 2008

Pixar-Attacke auf Onlinedienste: Interviews, Making-Ofs und Videos!

WALL•E erscheint auf DVD und Blu-Ray, Bolt kommt in die Kinos. Und John Lasseter besucht nahezu jede Filmwebseite, die nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Leider kennt der Hawaiihemdträger noch nicht diese Bagatellen, dafür mache ich mich auf die Suche nach Lasseter- und Pixar-Beiträge. Davon gibt es momentan mehr wertvolle, als man Zeit zum Lesen und Anschauen hat.

/Film durfte Lasseter interviewen, und der sympatische Lasseter plaudert begeistert und fanboy-mäßig über 3D, Bolt und Pixar. Jemand, der seine Hochzeitsfotos in 3D schießen lässt ist eine wahre Bereicherung für die Animationsbranche, solch kreativer Irrsinn beflügelt die Animatoren.

Rotten Tomatoes darf dagegen ein sehr ausführlich bebildertes Making of zu WALL•E veröffentlichen. Neues lernt man nicht unbedingt, aber das Bildmaterial macht den Beitrag sehr lesenswert und weckt Lust, den Film nochmal zu gucken.

Cartoon Brew bekam zwar keine Gelegenheit, mit Lasseter zu sprechen, macht dafür aber eine sehr interessante Entdeckung (*klick*) und Collider wartet mit dem absoluten Highlight auf: Eine Videotour durch Lasseters Büro bei Disney! Lasseter ist ein waschechter Disneyfan und liebt seine Arbeit, das merkt man in jeder Sekunde des Videos - und es erklärt auch ein wenig die Magie von Pixar (und nun wieder auch Disney).

Star Wars + Muppetsong = Schwachsinniger Spaß

Im Internet findet man so viel sinnlosen Kram... warum bloß ist er dabei noch so witzig, wenn er gut gemacht ist? Ich weiß es nicht. Jedenfalls ist das unten stehende Video ein weiterer Beweis, dass Schwachfug unterhaltsam sein kann.
Star Wars untelegt mit "Mana Mana"!



Ähnliche Star Wars-Fundstücke und mehr Muppets:

"Ice Age 3: Dawn of the Dinosaurs"-Trailer online

Eine der unterhaltsamsten CG-Kinoreihen ist wieder da. Ice Age von den Blue Sky Studios, die es (im Gegensatz zu einem gewissen anderen Studio) schaffen ohne unnötige Angriffe auf Konkurrenten und zahllose Popkulturgags ohne nennbares Haltbarkeitsdatum sympatische Filme zu machen, geht in die dritte Runde.

Und das erwartet uns:



Eine Ms. Scratch brauchen wir nicht wirklich, und eigentlich bleibt zu befürchten, dass die Ice Age-Formel sich abnutzt, doch der Trailer ist weiterhin ganz unterhaltsam und in voller Länge wird es wohl immerhin gute Unterhaltung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und das ist schonmal was.

Oh... mein... Gott... Disney will's wissen, wirbt weiter um Filmpreise und lässt die Teenies raus!

Vor einem Jahr stachen sich No Country for Old Men, Sweeney Todd und There Will Be Blood gegenseitig mit epochalen, düsteren Werbeanzeigen aus, als es hieß, auf sich aufmerksam zu machen und die Oscarjury von sich zu überzeugen.

Ginge es nach den Hollywoodstudios, ändert sich die dominierende Stimmung bei den Oscars in dieser Saison radikal, darüber berichtete ich an dieser Stelle ja bereits mehrfach.
Doch dass die für Public Relations zuständigen Köpfe in Hollywood so radikal denken, hätte ich nie gedacht. Meine Damen und Herren, schnallen Sie sich an, atmen Sie tief ein und trauen Sie ruhig Ihren Augen:

Ja. Nach langem Abwägen, wie es die Siegeschancen verändern könnte, startete Disney letzten Monat eine Best Picture-Kampagne für WALL•E, wonach ja bloß die halbe Film-Blogosphäre schrie. Und jetzt stürmt Disney das Rennen und schlägt in einer neuen Anzeige High School Musical 3: Senior Year für den besten Film und den besten Song vor.

Bester Film und Bester Song.

Dass Disney auf seiner offiziellen Award-Webpräsenz auflistet, wer im Falle einer "Best Picture"-Nominierung geehrt wird, ist nichts ungewöhnliches. So lange vor den entscheidenden Preisen wird in solchen Auflistungen das Spektrum weit gesteckt. Und auf studioeigenen Seiten wird aus taktischen Gründen zu diesem Zeitpunkt immer noch mit "For Your Consideration - In All Categories" geworben. Die wichtigsten werden dann gesondert genannt.

Auf Werbanzeigen dagegen entscheiden sich Studios zwischen so einer allgemeinen Ausdrucksweise, oder der expliziten Nennung von einigen, wenigen Kategorien (sehet hier). Anders gesagt: Disney möchte wirklich, dass HSM 3: Senior Year als bester Film nominiert wird. Nicht bei Kinderpublikumspreisen, sondern bei Preisverleihungen von Hollywood-Insidern, Filmjournalisten und anderen Gremien. Bei den Oscars wohl kaum, denn das ist wirklich utopisch... Das ist inhaltlich einfach kein Filmstoff, aus dem Oscar-Nominierungen gemacht werden!

Wow... eine Best Picture-Anzeige für einen High School Musical-Film. Wer hätte das vor fünf Monaten noch gedacht? Vor wenigen Wochen hätte ich Disney an dieser Stelle ausgelacht, jetzt finde ich es einfach nur mutig... Sich bereits jetzt auf die Songkampagnen zu konzentrieren könnte großen Erfolg bringen, das hier dagegen ist wirklich... ungewöhnlich. Ich bin gespannt, was von seitens Disney da noch folgt...

Realistischer sind die Hoffnungen, die sich Pixar macht. Mit der obigen Anzeige werben die Disney-Studios für WALL•E als möglichen Preisträger der Kategorien "Bester Film", "Bester Trickfilm", "Beste Hintergrundmusik" und "Bester Song". Gegönnt ist es ihm, keine Frage.

Das werden wirklich spannende Oscars...

Mehr zu den kommenden Oscars:

Donnerstag, 20. November 2008

Weltsensation: Die "BILD-Zeitung" hinkt Harald Schmidt hinterher

Deutschlands auflagenstärkstes Toilettenpapier Schundblatt Boulevardmagazin in Zeitungsformat enthüllte gestern, dass Adolf Hitler laut der britischen Klatschpresse Zeitung The Sun (die sich wiederum auf einen Priester beruft, der diese Sensationsnachricht vor langer Zeit brühfrisch von einem Sanitäter erzählt bekam) nur einen Hoden hatte.

Was lernen wir daraus?
Dass die BILD-"Redaktion" nicht den benötigten Intellekt hat, um Harald Schmidt (ohne Pocher) anzusehen, wussten die Welt ja schon immer, neu ist mir jedoch, dass die "BILD" nicht einmal Zugang zu Youtube hat, wo sich ein ganz bestimmter Schmidt-Beitrag seit Jahren höchster Beliebtheit erfreut.



"BILD" bereitet damit sicherlich eine ganze Artikelreihe über Hitler vor. Nächsten Monat: Schockierend: Hitler aß vor seinen Reden Suppe! Forscher fragen sich: Kann Suppe den Dritten Weltkrieg auslösen?

Desperate Housewives 4x14: Willkommen

Hatte da etwa jemand während des Streiks die Gelegenheit, sich alte Folgen der eigenen Serie durchzulesen?
Die vierte Staffel von Desperate Housewives begann wie jede andere: Unsere Hauptcharaktere Bree, Susan, Lynette und Susan (und zu gewissem Grade auch Edie) haben unterschiedlichste Probleme, die in den einzelnen Folgen behandelt werden, und der mysteriöse Kern der Staffel, der alles zusammen hält ist das dunkle Geheimnis eines neuen Nachbarn, dieses Mal Katherine Mayfair.
So lief Desperate Housewives in der vierten Staffel nach dem gewohnten Schema ab, wenn auch mit einem interessanter wirkenden zentralem Geheimnis als noch in den zwei Staffeln zuvor und einer herrlichen Spielfreude bei den männlichen Charakteren.

Doch dann kam der Sturm. Und der Autorenstreik.
In der Zeit nach der Zwangspause trat das große Geheimnis um Katherine Mayfair einen Schritt zurück, lenkte den Fokus weniger auf sich. Dafür wurde zum Beispiel plötzlich wieder Orsons in der zweiten Staffel ausgeübter Mordversuch an Mike thematisiert. Dieses Thema erreichtenun bereits seinen Höhepunkt, und schon wird eine in Staffel Drei eingeführte Problematik wieder aufgegriffen.

In der dritten Staffel erhielt die Familie Scavo ein neues Mitglied: Kayla, das Ergebnis eines One-Night-Stands Toms aus der Zeit bevor er mit Lynette zusammen war. Kaylas Mutter wurde in einer der wohl besten Episoden der gesamten Serie (3x07: Peng) aus dem Weg geräumt, und Kayla von den Scavos adoptiert. Kayla war Lynette gegenüber jedoch alles andere als zugeneigt und zeigte sich ihr gegenüber von ihrer biestigen Seite.

Zeitsprung in die vierte Staffel. Lynette erfährt, das Kayla der Kopf hinter dem Brandanschlag auf Ricks Restaurant ist und mit einigen diabolischen Streichen für Chaos in der Familie sorgt. Anscheinend legte sich ihr Hass auf Lynette doch nicht, obwohl man es aufgrund der langen Zeitspanne ohne größere Vorkommnisse vermuten mag.
Erneut stellt sich die Frage, was besser wäre: Dass die Autoren lose Fäden verschwinden lassen, weil ein Wiederanknüpfen nicht so ganz in die derzeitigen Entwicklungen der Serie hineinpasst, oder für inhaltliche Kontinuität sorgen und so den Stil etwas auf den Kopf stellen.

Wie bei Orson entschieden sich die Autoren dafür, die Kontinuität zwar spät zu reparieren, dafür aber mit Feingefühl für die "neue" Inkarnation dieser Figur zu überraschen. Dass Kayla erst nach all den anderen Ereignissen in der Scavo-Familie zu des Teufels Brut mutiert, müssen mir die Autoren dagegen erst noch schmackhaft machen. Da die nachgeschobene Auflösung alter Themen schon bei Orson funktionierte, habe ich jedoch Vertrauen, dass in der nächsten oder übernächsten Episode "die Kayla-Sache" einen runden Abschluss findet.

Orsons Geschichte geht während dessen einen altbekannten Weg: Wieder einmal nistet sich ein abgelegter Ehemann bei Edie ein. Das ist mittlerweile schon ein Running Gag, gewinnt durch Orsons Einzigartigkeit aber stärker an Witz, als zuvor gedacht.

Das eigentliche Staffel-Geheimnis dagegen dümpelt weiter vor sich hin. Katherine ist ein super Charakter und Dana Delaney interagiert hervorragend mit ihren Schauspielpartnerinnen, weshalb es umso enttäuschender ist, dass sie vorerst an das große Mysterium gekettet ist. Die ganze Geschichte nahm nach der Zwangspause eine völlig andere, unspektakulärere Wende als vorher angedeutet wurde, und es macht nicht den Anschein, als würde sich noch etwas ändern.

Die anderen neuen Nachbarn aus dieser Staffel, das Homo-Paar Bob und Lee, darf derweil ebenfalls wieder in die Kamera winken. Ich mag die zwei Charaktere, da sie sehr frischen und kurzen, knackigen Humor aufweisen. Nur haben sie sich einen denkbar schlechten Zeitpunkt ausgesucht, um in die Wisteria Lane zu ziehen. Susan ist schwanger, Gaby muss sich mit ihrem blinden Ehemann rumschlagen, Lynette hatte erst mit dem Krebs und nun mit einem miesen Adoptivkind zu tun und Bree täuschte erst eine Schwangerschaft vor, um daraufhin ihren Mann aus dem Haus zu werfen. Wenn man dann nicht eine dreckige Vergangenheit zu bewältigen hat, so wie Katherine, kann man eine regelmäßige Screentime völlig abschreiben.

Dieses Mal dürfen/sollen Lee und Bob Gaby dabei helfen, ihre neue Untermieterin als Hure zu enttarnen. Die Szenen sind nur sehr kurz, aber zum brüllen komisch und machen hungrig nach mehr von den beiden.

Susan begegnet unterdessen in einem Schwangerschaftskurs ihrem Ex-Mann, was sie erneut für eine Woche aus ihrem Slapstickhumor befreit und willkommenderweise die Dosis an Sprachwitz erhöht. Und damit diese Woche auch wirklich keine angefangene Geschichte unangetastet bleibt, macht sich Mrs. McClusky wieder auf die Suche nach der Katze ihrer beim Tornado verstorbenen Freundin.

Unter'm Strich ist Willkommen eine weitere sehr gute Housewives-Episode, womit der Qualitätsschub in der vierten Staffel ungestört weitergeht. Einzig der Mayfair-Plot trübt den Gesamteindruck, und ungeduldige, kritische Gemüter mögen vielleicht schon jetzt die ausgegrabene Kayla-Problematik aufgesetzt finden.

Weitere Rezensionen:

Animationsbudgets Interaktiv


Wolltet ihr schon immer einmal auf einen schnellen Blick die Budgets für Animationsfilme der 30er mit denen von heute vergleichen? Wolltet ihr schon immer wissen, ob Dornröschen auch unter Berücksichtigung der Kosten pro Minute seinerzeit einen Kostenrekord aufstellte?

Jetzt könnt ihr euch das alles und noch viel mehr ansehen, nämlich in der interaktiven Übersichtsgrafik für Animationsbudgets.

Erstellt wurde sie von Captain Capitalism, der sich auch mit Animatorengehältern auseinandersetzte.
Die Grafik ist sehr informativ und für Animationsfans auch ein sehr spaßiger Zeitvertreib. Schaut mal drauf!

(gefunden via Cartoon Brew)

"Where The Wild Things Are" - Jonze äußert sich endlich

Spike Jonzes Kinderbuchadaption Where The Wild Things Are musste schon einiges durchleiden, bevor er überhaupt offiziell in Produktion ging. Nach Start der Dreharbeiten fand die ungewöhnliche Arbeit des Being John Malkovich-Regisseurs jedoch keine Ruhe, ganz im Gegenteil.
Eine katastrophale Testaufführung soll mehrere Kinder im Publikum völlig verstört haben, kurz darauf orderte das produzierende Studio Warner Bros. Neudrehs an (siehe diese zwei Artikel). Schnell weckte diese Meldung Fans von Jonze und erwachsene Kinogeeks, die nun vor Neugier platzten und unbedingt genau diese verängstigende Fassung sehen wollten.

Zwischenzeitlich wurde es wieder ruhig um Where The Wild Things Are, doch jetzt bricht Spike Jonze das Schweigen. In einem sehr ausführlichen Interview mit Moriarty von Ain't It Cool News spricht er über seine Vision, den ungewöhnlichen Drehprozess und die Bedeutung, die das Kinderbuch für ihn hat.

Zentraler Punkt ist, dass Warner Bros. sich mittlerweile mit Jonzes Vision anfreunden konnte. Das Studio habe laut ihm etwas völlig anderes erwartet, doch jetzt habe es den Film akzeptiert, wie er ist.
Ein paar Neudrehs gab es wohl dennoch, die seien allerdings tatsächlich zum verbessern des Films dagewesen, durch diese Drehs bekam Jonze mehr Budget und Zeit für seine erwünschte Fassung.

Bitch Slap: Trash oder Spaßfeuerwerk?

Mit Grindhouse haben Tarantino und Rodriguez eine B-Movie-Welle losgetreten. Doch im Gegensatz zum übergenialen Film der Kultregisseure mangelt es den meisten "neuen" Schundkinofilmen an Selbstironie. Dadurch werden sie zu nichts anderem, als modernen Schrottfilmen und scheitern daran die Klasse der Grindhouse-Vorlage zu erreichen.

Bitch Slap wird selbstverständlich auch nicht an diesen Film heranreichen. Allerdings versprechen dessen Macher, dass er seine Geschichte über drei knapp gekleidete Frauen, die mitten in der Wüste jede Menge Geld von einem Gangsterboss entwenden wollen, mit viel Ironie und hinter der trashigen Oberfläche auch mit etwas Intellekt ausgestattet ist.

Die bisherigen Trailer des im Januar 2009 in den USA startenden Filmes sehen so aus, als könnte das stimmen und Bitch Slap spaßig werden - genauso gut erwecken sie jedoch den Eindruck, es könnte einfach nur Trash werden.





Mit von der Partie sind neben zahlreichen unbekannten Darstellerinnen auch Lucy Lawless (Xena) und Zoe Bell (Death Proof).