Sonntag, 12. April 2009

Auf der Suche nach einem Nachfolger für Gore Verbinski

42° Nord-Nord-West... da könnte ein Nachfolger für dich sein...

Die Nachricht, dass Gore Verbinski für Pirates of the Caribbean IV nicht als Regisseur zur Verfügung steht zeichnete sich bereits einige Zeit lang ab (schließlich nahm der Mann gefühlte dreihundert andere Projekte auf), dennoch traf sie mich ziemlich schwer. Wer wird jetzt garantieren, dass sich PotC IV stilistisch an die ersten drei Teile anpasst, wer bringt all die kreativen Köpfe bei einer solchen Großproduktion unter ein Dach und bestimmt zielsicher den Kurs und wer versteckt jetzt Ziegen im Hintergrund?

Die Wartezeit auf erste konkrete Informationen möchte ich an dieser Stelle mit ein paar wilden Spekulationen, Wünsche und Schreckensvisionen vertreiben.
Also, ohne weitere Umstände...

Die nicht-ganz-so-geheime Liste von Regisseuren, die ich nicht auf dem Regiestuhl von Pirates of the Caribbean IV sehen möchte:
  • Michael Bay: Während immer mehr Cineasten sich genüsslich ins Bay-Bashing einreihen, fühle ich mich von The Rock, Armageddon, Die Insel und den Bad Boys grandios unterhalten. Gut, sie sind keine künstlerischen Glanzleistungen, aber sie sind tolles, aufpoliertes Popcorn-Kino. Transformers dagegen fand ich gräußlich. Aber unabhängig von meiner Meinung oder irgendjemand anderes' Meinung über Michael Bay: Er wäre völlig unpassend als Regisseur von PotC IV. Seine Filme sind laut, simpel, pathetisch. Was auch immer sich Ted Elliott und Terry Rossio für den Film ausgedacht haben mögen, ihr Drehbuch würde um jede Menge Dialog erleichtert, um Explosionen und knackige, spärlich bekleidete Frauen ergänzt, und auf dem Soundtrack wird sich jede Menge moderne Rockmusik tummeln. Die Komplexizität der Kinoreihe wäre verloren.
  • Andy Fickman: Zwar fand ich Daddy ohne Plan und Die Jagd zum magischen Berg ganz unterhaltsam, aber Disneys neuer Stammregisseur für Familienunterhaltung wäre völlig deplatziert. Die Actionszenen in Die Jagd zum magischen Berg waren dafür zu steif, Fickman fehlen die virtuosen Jonglierkünste Verbinskis, der die gigantsiche Crew ausbalancierte und opulente Bilder mit Sinn und Verstand auf die Leinwand zauberte. Und brauchen wir wirklich Dwayne "The Rock" Johnson als charismatischen Piratenkapitän in Kleiderschrankgröße, der nett in die Kamera lächelt?
  • Tony Scott: Scott drehte bereits mehrere Jerry-Bruckheimer-Produktionen, darunter der zu Unrecht von vielen schnell vergessene Crimson Tide, sowie Der Staatsfeind Nr. 1 und Déjà Vu. Da fände ich es gar nicht Mal so unrealistisch, dass Bruckheimer wenigstens mit dem Gedanken spielt, ihn anzufragen. Aber allein schon aus einem ganz bestimmten Grund hoffe ich, dass das nichts wird: Terry Rossio (einer der beiden PotC-Autoren und wie mir scheint der redseligere Part des Duos) würde in dem Moment, in dem Tony Scott den Vertrag unterschreibt, garantiert vor Panik schreiend quer durch Hollywood rennen und dabei womöglich eine Bruckheimer-Actionblockbuster reife Spur des Chaos hinter sich herziehen. Denn während mir Déjà Vu extrem gut gefiel, war Rossio (der zusammen mit Bill Marsilii das Drehbuch verfasste) mit Tony Scotts Regiearbeit und einigen die Story betreffenden Entscheidungen extrem unzufrieden. Das komplexe Skript hätte sehr unter Scott gelitten, gute Szenen seien weniger guten gewichen und es fiel noch so einiges mehr an harschen Worten... Und da Ted Elliott & Terry Rossio zusammen mit Johnny Depp und Jerry Bruckheimer auf dem Produzentenposten für mich zu den entscheidenden Faktoren gehören, ob ich Teil 4 überhaupt sehen möchte und  ihnals geltenden Teil der Reihe betrachte (statt als ein Non-Kanon-Anhängsel), ist mir Rossios Wohlbefinden sehr viel wert. Und, so sehr ich den Staatsfeind Nr. 1 auch mag, stünde Tony Scott meinen Wünschen im Weg, wäre er als Regisseur im Gespräch. Ganz davon abgesehen, dass ich ihn mir nur als Regisseur von Filmen mit zeitgenössischem Setting vorstellen kann. Er und Piraten? Nein... Niemals.
  • Quentin Tarantino: Ganz davon abgesehen, dass Disney ihn eh niemals fragen würde, ob er denn bei Pirates of the Caribbean IV Regie führen möchte, und er wohl auch niemals zusagen würde, wäre Tarantino eine ganz schlechte Wahl für den Job. Verbinski bewies vor Fluch der Karibik bereits, dass er fähig ist, gänzlich unterschiedliche Publikumskreise anzusprechen (Mexican, The Ring, Mäusejagd), Tarantino dagegen bleibt uns den Beweis schuldig, dass er auch anders kann, als kultigen Stoff für Cineasten-Nerds abzuliefern. Und das auf einer sensiblen Grenze zwischen leichtherzig und hart stehende Pirates-Franchise ist nicht der richtige Ort, um es auszuprobieren.
  • JJ Abrams: Ebenfalls kein sehr wahrscheinlicher Kandidat, weil sein Produktionsstudio erst vor kurzem einen Vertrag mit Paramount abgeschlossen hat, aber das hindert mich nicht daran meine Bedenken zu äußern, die ich haben werde, sollte er trotz dieses Vertrages die Piraten leiten. Zwar liebe ich Abrams als Serienerfinder und kreativen Leiter (Alias und Lost gehören zu meinen absoluten Lieblingsserien und auch Fringe gefällt mir bislang sehr gut), doch als Regisseur... Mh... Er ist nicht schlecht, aber auch nicht meine erste Wahl. Lasst es mich so erklären: Der von Abrams gedrehte Pilotfilm für Alias ist die in meinen Augen zweitschlechteste Folge der gesamten Serie und hätte ich damals nicht solche Langeweile gehabt, hätte ich die zweite Folge daraufhin gar nicht erst geguckt. Wäre er der Pirates 4-Regisseur... Ohje... Die Nervosität und Aufregung bis zum Kinostart, ob's denn nun gut wurde oder nicht, würde ich nicht überleben.
  • Kevin Lima: Ja, ich finde den Goofy-Film großartig, ich liebe Tarzan, finde 102 Dalmatiner wesentlich besser als seinen Ruf und Verwünscht gefällt mir ebenfalls extrem, aber ich würde trotzdem vor Wut und Resignation durchdrehen, gäbe Disney ihn als Verbinskis Nachfolger bekannt. Einfach nur weil es eine so disney-typische Entscheidung wäre. Und wenn Disney erstmal bei Pirates of the Caribbean die Entscheidungsgewalt hat (vor Bruckheimer!), dann gande uns der Filmgott... (Und schreibt mir nicht in die Kommentare, man könne vor Resignation nicht durchdrehen. Ich kann das!)
  • Uwe Boll: Erklärt sich von selbst, oder?
Wen ich mir dagegen schon eher als Regisseur vorstellen könnte:
  • Robert Rodriguez: Wenn für die dritte Fortsetzung von Fluch der Karibik nicht mehr der Dauerprojektankündiger Gore Verbinski zur Verfügung steht, dann greift man eben auf einen anderen zurück... Ich will nicht sagen, dass Robert Rodriguez die beste (oder eine sonderlich naheliegende) Wahl wäre, aber ich muss mir zugestehen, dass ich leicht verwundert und mit einem Lächeln auf dem Gesicht nicken würde, stünde morgen in der Variety, dass Robert Rodriguez in Verhandlungen mit Disney und Bruckheimer steckt. Er bewies bereits, dass er Familienfilme und obercoole, mit Action vollgestopfte, stylische und lässige Erwachsenenunterhaltung machen kann. Ob er es kombinieren kann ist nicht ganz klar, doch wer hätte Verbinski damals diese Leistung zugetraut? Rodriguez schreibt nicht dauernd irgendwelche Drehbücher um, sondern schreibt sie entweder selbst oder erweist den Autoren seinen Respekt, er hat bereits mit Johnny Depp zusammengearbeitet und er hat Erfahrung im Planen und Inszenieren von Actionszenen. Mit solch opulentem Produktionsdesign wie bei den PotC-Filmen hat er (budgetbedingt) noch nicht gearbeitet, aber ich glaube, dass er schon mit den richtigen Leuten im Team ein gutes Auge dafür entwickelt. Nur seine Einstellung zu Computereffekten macht mir zuweilen etwas Angst - manchmal sagt er sich "praktisch wird durch Computer unterstützt", mal scheint er nur noch auf schnelle, billige und am besten selbst gemachte Computereffekte zu setzen. Da heißt es Daumen drücken, dass er bei diesem Engagement in der idealen Phase steckt. Davon abgesehen freue ich mich schon neue Seiten von Tortuga gezeigt zu bekommen. Nach einer üblen Kaschemme in Teil 1 und einer ganz akzeptablen Piratenspelunke in Teil 2, in der eine witzige Kneipenschlägerei ausbrach, wird uns Teil 4 unter Führung von Rodriguez' sicher in das Etablissement führen, in dem Jack Sparrow die Dirnen Giselle und Scarlett kennenlernte. Piraten-Go-Go-Dancing hart steuerbord! Und Danny Trejo als bis an die Zähne mit Messern bewaffneter spanischer Kopfgeldjäger sowie ein lässiger Antonio Banderas, der bei Jack Sparrow anheuert sind auch nicht zu verachten. Ganz zu schweigen, dass Disney sich ungemein darüber freuen wird, dass der Film keine 300 Millionen Dollar, sondern maximal 30 Mio. kostet...
  • Ridley Scott: Im Gegensatz zu seinem Bruder Tony traue ich Ridley Scott eher zu, bei Pirates of the Caribbean IV Regie zu führen. Mit Thelma & Louise machte er schonmal was leichtherziges, mit Gladiator einen Historienfilm (mit Hans-Zimmer-Score) und für Bruckheimer hat er auch schon gearbeitet (Black Hawk Down). Bloß sein Temperament sehe ich als leicht problematisch (bisher ging es ja auf den PotC-Sets recht friedlich zu, und ich finde, dass man die gute Stimmung den Filmen anmerkt), sowie sein qualitativer Abwärtstrend der letzten Jahre.
  • Tim Burton: Das Gerücht gab es eh schon, und auch wenn ich leichte Bedenken hätte, ob Burton wirklich passt, so würde ich nicht protestieren, wenn er als Regisseur bekannt gegeben wird.
  • Jemand, mit dem niemand rechnet, weil er vorher nur Werbung und eine kleine Hand voll mittelerfolgreicher Filme drehte, dem Bruckheimer aber unbedingt die Chance geben möchte: So kam der vorher eher unbekannte Verbinski an den Job... (Anmerkung: Als The Ring sich als Erfolg herausstellte, waren die Dreharbeiten von Fluch der Karibik längst im vollen Gange)

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1 Kommentare:

Onkel hat gesagt…

Warum nicht Uwe Boll??? Nur weil er seit Beginn seiner Karriere einen Trash in die Tonne Film nach dem anderen gedreht hat, oder weil der König des Trashfilms vor ED Wood ist?

Och komm, Ed Wood hatte es zwar als Trashregisseur und Drehbuchautor weitgebracht, aber UWE BOLL kommt etwas weiter. Zumindest was die Finanzierung betrifft. XD

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