Dienstag, 14. April 2009

Nicht durchgegarter Westernburger mit drei Lagen Rind

Die 90er Jahre waren für den Disney-Zeichentrick eine glanzvolle Ära, das ist unbestritten. Die Schöne & das Biest, Aladdin und Der König der Löwen verzauberten das Kinopublikum und wurden auf Anhieb zu Klassikern der Filmgeschichte. Die nachfolgenden Filme feierten nicht ganz so große Erfolge, wurden aber dennoch von genügend Leuten geliebt, um keine Abnutzungserscheinungen zu vermuten.

Nach Tarzan sollte sich das radikal ändern. Ein Königreich für ein Lama war anfangs wohl eine kleine finanzielle Enttäuschung, konnte sich aber eine treue Fangemeinde aufbauen. Atlantis war dagegen bereits ein Flop, und als man dachte mit Lilo & Stitch die Wende herbeigeführt zu haben kam Der Schatzplanet ins Kino, nur um vom Klang der Posaunen begleitet unterzugehen und die Zukunft des Zeichentrickfilms mit sich in den Abgrund zu reißen. Dabei hätte das Publikum diese abwechslungsreiche Phase der Zeichenstudios feiern sollen. Ich tat es und fand unter den Filmen dieser Krisenphase den einen oder anderen, der zu meinen absoluten Disney-Favoriten gehört.
Mit dem entsprechenden Unverständnis musste ich mitansehen, wie die oberste Disney-Konzernleitung rund um den feinen Herren Eisner das Ende des traditionellen Animationsfilms verkündete. Nur noch zwei bereits in der Produktion befindliche Filme würden fertiggestellt, danach sei ein für allemal Schluss.

Die ersten Informationen, die ich über das Penultimum des Disneyzeichentricks erhielt, stimmten mich sehr pessimistisch: Mit Bärenbrüder erwarte uns das Bambi und Cap & Capper der jetzigen Generation. Angesichts meiner ausgeprägten Abneigung gegenüber diesen zwei Machwerken war ich kurz dazu geneigt, bei Bärenbrüder auf einen Kinobesuch zu verzichten. Lange blieb ich allerdings nicht hart, der Gedanke das historische Ende der klassischen Disneyanimation zu versäumen wollte mir einfach nicht gefallen. Auf Teufel komm raus, ich muss Disneys Erbe seinen letzten Tribut zollen.

Nach Bärenbrüder verließ ich das Kino begeistert. Ein großartiger Film.
Von diesem Erlebnis beeinflusst, konnte mich nichts mehr vom letzten handanimierten Disneykinofilm abschrecken. Ich hatte so miese Erwartungen an Bärenbrüder und war vom Endergebnis begeistert. Da muss der Abschied doch auch irgendwas zu bieten haben.

Ich konnte nicht ahnen, wie sehr ich mich irrte. Nichts, aber auch gar nichts konnte mich darauf vorbereiten, dass er mich erwartete: Der Schrecken, der Horror, der filmgewordene Rinderwahnsinn hoch Drei. Es ist das Disney-Äquivalent zu einem vom mit Gallenkoliken geplagten, nebenberuflichen Hamburgerwender bespuckten, sechs Stunden im in der Sonne geparkten Auto vergessenes und trotzdem verschlungenes BigMäc McMenü mit pisswarmer Coca-Cola Zero, triefenden Papp-Pommes in appetitverderbendem milchgelb und einer Extraportion ranziger Mayo.

Ich rede selbstverständlich von nichts geringerem als von...

Die Kühe sind los!

Was Disney da anstellte war wirklich sowas von fies. Nicht nur in qualitativer Hinsicht, sondern vor allem auch im Umgang mit den Fans. Es ist fast so, als wollte uns das Regime um Michael Eisner und David Stainton sagen:
"Na, du, hast du Bärenbrüder gesehen? Hast du, hast du? Ohhhh... Und der hat dir gefallen? Ja, toll war der, nicht? Denkste also immer noch, dass Zeichentrick super ist? Jaaaaa, mein Kleiner, Zeichentrick.... total suuuper... Hast du also Hoffnung, dass wir Walts Erbe aufrecht erhalten? Na dann nimm das du miese, stinkige, dreckige Qualle, nimm dass und verschluck' dich dran, du schmierige Made! Zeichentrick, dass ich nicht lache! Du Irrer! Friss das und verrecke, du Blödfisch! Wir planen richtig geile CGI-Streifen, damit machen wir den wahren Reihbach! Und du bescheuerter, geschmacksverirrter Hinterwäldler wirst uns nicht davon abhalten, wuahahahahahaha!"

Okay, es ist nicht ganz so, aber die Hinweise, dass Eisner zum Schluss seiner Amtszeit als Disney-CEO darauf hinsteuerte die traditionelle Animationskunst in ein brennendes Wrack zu verwandeln, um die Umkehr auf Computeranimation schneller durchzuprügeln sind von erdrückender Last. Natürlich sind es weiterhin Verschwörungstheorien, und es wird viele Menschen geben, die sagen werden, dass kein Konzern dieser Welt freiwillig Geld verliert. Aber beachtet die wild umhergetauschten Produktions-Deadlines bei Bärenbrüder und Die Kühe sind los!, die außergewöhnlichen Kinostarts in den USA, das katastrophale Marketing und zur Krönung diesen Sonnenstich von einem Film, und sagt mir hinterher, dass ihr weiterhin kein bisschen an die "beabsichtigter Flop"-Theorie glaubt.

Und wer sind die Bauern in diesem Schachspiel? Zum einen einige der Künstler hinter Die Kühe sind los!, unter ihnen so renommierte und verehrte Disneygrößen wie Komponist Alan Menken (u.a Arielle, Die Schöne & das Biest und Aladdin), deren bis dahin nahezu fleckenloser Lebenslauf tierisch besudelt wurde, vor allem jedoch die Disney-Fans, das ahnungslose Kinopublikum und all die hilflosen Eltern und Babysitter da draußen, die von Kindern gezwungen werden, sich diesen animierten Kuhdung anzuschauen (vorausgesetzt, dass irgendwelche Kinder da draußen tatsächlich auf diesen Film stehen).

So ganz unschuldig sind die kreativen Macher von Die Kühe sind los! allerdings auch nicht. Zwar kam sehr viel schlechter Einfluss aus den Führungsetagen, aber man kann das Management nicht für jeden Schrott verantwortlich machen. Und im Zweifelsfall hätte man ja vielleicht gegen Eisner, Stainton & Co. ankämpfen können, es ist ja nicht so, als hätten sich die kreativen Köpfe in den Walt Disney Animation Studios niemals zuvor mit den geschäftsträchtigen Anzugträgern angelegt. Oder lief Arielle, die Meerjungfrau etwa ohne Part of Your World im Kino?

Anders gesagt ist Die Kühe sind los! das Ergebnis eines kollektiven Versagens, ein mit vollem Schwung ausgeführter und perfekt gezielter Tritt in den Magen der eh schon mit der Androhung des Hungertodes gequälten Disneyfans und eine Schande für den hochwertigen Namen Disney.

Für all diejenigen, die bislang glücklich genug waren diesem Film zu entgehen (oder ihn erfolgreich verdrängten) sei hier kurz die Story zusammengefasst: Nachdem ihre Farm Opfer des berüchtigten Viehdiebs Alameda Slim wurde, muss ihr Besitzer die preisgekrönte Kuh Maggie verkaufen. Sie landet auf der Farm "Fleckchen Himmel", wo auch die überkorrekte Milchkuh Mrs. Caloway und die lebensfrohe, spirituell angehauchte und grausig singende Kuh Grace leben. Aufgrund schlechter Finanzen droht der Farm der Konkurs, und so beschließen die drei Kühe den Viehdieb Alameda Slim gefangen zu nehmen und das Kopfgeld einzusacken.

Aus dieser Idee holen die Autoren so wenig wie möglich raus. Könnte es rein theoretisch wenigstens ansatzweise spannend werden, so sieht es im endgültigen Film völlig anders aus. Die Kühe können einem im wahrsten Sinne des Wortes gestohlen bleiben, der Verlauf der Geschichte ist vorhersagbar und wird einfach so runtergerattert, ohne das größeres von Belang passiert und zwischendurch gibt es einen abgestandenen, zum Himmel schreienden Milchwitz nach dem Anderen. Wenn nicht gerade irgendeine Figur ("idealerweise" das trottelige, hyperaktive Sherrifspferd Buck) wogegenrennt oder rülpst. Denn wie sagen die Macher so schön im Audiokommentar des Films:

Rülpser, schlechte Milchwitze und langweilige Dialoge eröffnen den Film - wie soll man sich da um das Schicksal der Figuren kümmern, wenn die Farm zum Verkauf steht oder sich Mrs. Calloway mit der neu zur Truppe dazugestoßenen Maggie streitet? Dass die wenigen, für die Handlung bdeutsamen Sequenzen lahm zwischen weiterem Kleinkindhumor, überdrehtem Chaos ohne Sinn und Verstand (aber nicht in der coolen, fantasiereichen und einvernehmenden, sondern in der Bedeutung von "So, wir schludern da schnell noch eine Szene rein") und abgehalfterten Klischees mit minimaler Abwandlung stehen, macht Die Kühe sind los! auch nach seiner Exposition nicht gerade packender.

Die Hauptfiguren sind uninteressant, ihr Schicksal wird völlig uninteressant dahingepratscht und ihre Gestaltung hat ebenfalls keinen Preis verdient. Überhaupt ist der Film visuell weder Rinderbraten, noch Fastfoodketten-1-Euro-Hamburger. Die kantig-geometrischen Tiercharaktere (welche bis auf die Kühe eigentlich ganz nett aussehen) und die an Tex-Avery-Cartoons (bloß in handzahm und langweilig) erinnernden menschlichen Figuren ergeben vor dem schwer definierbaren Stil der Hintergründe (ich würde ihn als "rustikales, minimalistisches Art Deco" bezeichnen, und dafür sicherlich viele skeptische Blicke ernten) eine grauenhaft einschläfernde Mischung, die man so am ehesten in einem Kinderbuch mit dem Titel "Wo kommt der Cheeseburger her? ... und 10 weitere heitere Wahrheiten von der Farm" erwarten würde, aber nicht in einem Walt Disney Meisterwerk. Wären da nur die Hintergründe, könnte man sich von diesem Film wenigstens ein paar hübsche Screenshots machen, um sie im Kamin- oder Barbecuezimmer aufzuhängen, doch alle Elemente zusammen wirken so schlecht, dass man sich fragen muss, inwieweit dieser Film überhaupt visuell durchdacht wurde.

Die knalligen Farben, die mangelhafte Schattierung und die ätzende Farbübersättigung fügen dann ihren Teil dazu, dass man sich fast dabei ertappt, während des Betrachtens zu rätseln, welchen Disneyfilm diese auf Zelluloid gebannte Maul- und Klauenseuche überhaupt fortsetzen möchte. Dass ein für's Kino geplanter Disneyzeichentrickfilm so sehr an Direct-to-Video-Cheapquels erinnert grenzt nahezu an eine Todsünde und die einzig gerechte Strafe wäre es, die für den Farbstil verantwortliche Heidi Lin Mahoney zu Teeren und zu Federn. Da sie aber auch für solche Glanzstücke wie Die Schöne & das Biest und Tarzan verantwortlich war, lasse ich Gnade vor Recht walten.

Die Regisseure Will Finn und John Sanford haben da weniger Glück: Für Sanford war Die Kühe sind los! das Regiedebut, Finn drehte vorher bereits den Dreamworks' Zeichentrickfilm Der Weg nach El Dorado... Ihren Wert als Regisseure haben sie noch zu beweisen. Besser aber, sie kehren in ihre vorherigen Berufe zurück: Als Animatoren und sogar als Autoren haben sie gute Arbeit geleistet. Kaum auf dem Regiestuhl angekommen, buckelten sie dagegen immer wieder vor Eisner und Stainton, und zwar so lange, bis das hier bei rausgekommen ist.

Zu Beginn der langen Reise bis zum Endergebnis (also kurz nach Kinostart von Pocahontas) war eine im Wilden Westen angesiedelte Geistergeschichte namens Sweating Bullets geplant. Das war den Bossen aber zu gruselig, und mit der Zeit wurde aus der Geschichte eines Kindes, das in eine Geisterstadt kommt, die Geschichte einer Kuh, die gegen eine Bande von viehraubenden Geistern kämpft. Aus den Geistern wurden der jodelnde (!) Alameda Slim und seine drei längst an der Grenze zur Debilität vorbeigesausten, eineiigen (und wahrscheinlich auch eingehirnzelligen) Neffen, und aus der jungen Einzelkuh wurden Maggie, Grace und Mrs. Calloway, im Laufe der Handlung auch Gabi, Gretchen und Fräulein Hutkuh genannt.

Wann genau während dieser seltsamen und beunruhigenden Wandlung vom Geister-Western zur überdrehten und zugleich öderweise sehr zahmen, quietschbunten und spannungsresistenten Kinder-Kuhmödie Finn und Sanford ihre Liebe zu Rülpswitzen und dämlichen Ideen gewannen weiß ich nicht, Fakt ist jedenfalls, dass sie sämtliche frühere Klasse verloren. Wahrscheinlich war es der Einfluss von oben, möglicherweise sogar ein stiller Protest ("Ihr wollt einen Kinderfilm, ihr kriegt einen Kinderfilm! *rüüüüülps*"), höchstwahrscheinlich war es aber die schockierende Eigendynamik dieses schlechten Films, der sie in den Strudel des Versagens zog.

Die Musik des Films schließt sich dem nahezu nahtlos an: Erkennt man in Wild ist der Westen noch Alan Menkens Talent und muss sich höchstens über die den Eröffnungssong begleitende, nichtssagende Szene wundern, zieht der ihn umgebende Film den Song Ob die Sonne je wieder scheint? derbe nach unten, ab in die Wirkungslosigkeit. Eine zarte, resignierende Ballade über die absolute Ohnmächtigkeit, die einen umgibt, wenn sich wirklich alles zum Schlechten wendet, in der zum Schluss ein ganz sanfter Hauch Hoffnung mitschwingt kann einfach nicht funktionieren, wenn sie in einem Film über drei dem Zuschauer völlig an der Stoßstange vorbeigehende Kühe, ein zappeliges Pferd und eine dämliche, einer Kitschpostkarte entstammenden Farm gesungen wird.

Tja, und über den Rest der Lieder sollte man lieber den Mantel des Schweigens hüllen, denn während die zwei genannten Lieder zu den raren Pro-Argumenten von Die Kühe sind los! zählen, so gehört der Rest zum schlechtesten, was der großartige Alan Menken bislang ablieferte. Vor allem das Jodellied des Bösewichts ist uninspiriert, forciert, langweilig und albern, und versetzt der dazugehörigen Szene somit den Todesstoß. Sie leidet ja bereits darunter, dass die psychedelischen Bilder völlig fantasielos sind (ganz im Gegensatz zum großen Vorbild Rosa Elefanten aus Dumbo) und nach Schema F ein paar typische Klischeechoreographien aus dem Bereich des psychadelischen runterspult, so hätte ein unvergleichlicher Song mit spaßigem Ohrwurmcharakter oder wenigstens einem Hauch Selbstironie vieles retten können.
Stattdessen blickt der Zuschauer angeödet und schockiert auf die Kinoleinwand beziehungsweise den Bildschirm und bettelt, dass der schlecht am Computer generierte und auffällig schlecht eingearbeitete Albtraum endlich ein Ende findet.
Überhaupt kann man in Die Kühe sind los an den unerwartetsten Stellen völlig unnötige und mies gemachte CG-Elemente und Kamerafahrten entdecken. Müssen zum Beispiel ein rüttelnder Baum oder das Kaminzimmer der alten Farmerin am Computer erstellt werden? Und wenn ja, wieso gelang es mit der Computertechnik von 2004 schlechter, als zehn Jahre zuvor in Der König der Löwen?

Aber das schlimmste ist nichtmal die Qualität dieses 110 Millionen Dollar teuren Misthaufens, sondern das, wofür er steht: Er wäre um ein Haar der letzte traditionell animierte Trickfilm der Walt Disney Studios geworden. Und dass es letzten Endes anders kam, ist nicht etwa sein Verdienst, oder der seiner Macher, sondern ist ganz allein John Lasseter zu verdanken, dem Mann, dem man damals zusammen mit seinen kreativen Kompadres von Pixar die Schuld für den Untergang des Zeichentrickfilmes (im Kinomainstream westlicher Länder) in die Schuhe schieben wollte!
Die Kühe sind los! ist ein Paradebeispiel für das, was Disneys Zeichentrickschmiede lange zu werden drohte, während die Spielfilmschiene immer weiter reifte und Pixar die Masse und Kritiker begeisterte: Strunzblöde, nach Fließbandarbeit wirkende Kinderkacka mit McDoof-kompatiblem Design und massenhaft spielzeugtauglichen Charakteren und überflüssigen Szenen ohne jeglichen Nährwert.

War es etwa schon ein Wink des Schicksals, dass gerade Die Kühe sind los! keinen Platz im Happy Meal von McDonalds fand. Und das, obwohl das Management so viel Druck auf die Filmemacher ausübte, um das letzte Disney-Meisterwerk juniortütenfreundlich zu gestalten.

Tja. Manchmal weiß eben auch McDonalds, wann etwas zu sehr stinkt um weiterverarbeitet zu werden.

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5 Kommentare:

kroko_dok hat gesagt…

Es hat schon seinen Grund, dass ich Bärenbrüder geguckt hab und den Kuhfilm nicht.

PS.: Hey, ich hab deinen Blog letztens entdeckt und find den klasse! Selten schafft es eine Website zu überzeugen, die sich rein auf herkömmliche Berichterstattung und Essays stüzt. (Spricht ein Comicblogger.)

bk999 hat gesagt…

Sehr geehrter Sir D.,
an dieser Stelle muss ich mich auch mal melden und ein wenig mit dem Thema befassen.

Sie sprechen mir aus der Seele, dieser Film wurde von mir damals lange vor Kinostart mit großer Vorfreude erwartet. Ich fand es damals sogar noch schade, dass dieses Flickwerk mit dem grandiosen Werk "Bärenbrüder" chronologisch ausgetauscht wurde. Was hatte ich mich nach Auftauchen des ersten Bildes von Rico noch gefreut...im Kino dann DAS!

Auch wenn dieses unrümliche Werk (meisterlich würde ich es nicht nennen) als das vorerst letzte über längere Zeit gehandhabt wurde, so ist dieser zum Leiden der Fans einkalkulierte "Filmtausch" (das erwartete Verabschieden der manuellen Zeichentätigkeit im Spielfilmbereich) vielleicht auch positiv aufzunehmen als Schicksal. So ist mir zwischen den tollen Meisterwerken (diese Bezeichnung verdienen sie wahrlich) "Lilo & Stitch" / "Der Schatzplanet" und "Bärenbrüdern" kein qualitativer Abfall dazwischengekommen. So kann man die wilden Kühe mit den dicken Eutern als letzten Dreck, der zuletzt folgte, interpretieren. Tief aus der Scheiße führt nur ein Seil...

Deswegen freue ich mich natürlich wie der Sir D. auch auf "The Princess and the Frog". Vielleicht war eine längere Pause/vorläufiges Ende (5 Jahre sind gelinde gesagt noch normal verglichen mit der Norm aus früheren Jahrzehnten) doch eine ganz gute Wahl.

In der Zwischenzeit kamen 3 hauseigene CGI-Filme ins Kino, die qualitativ zwar alles andere als ein Reinfall waren (im Gegenteil, zumindest wenn ich den mittleren Teil dieser Animations-Überbrückungs-Trilogie außer Betracht lasse, erkenne ich sogar ein wenig die Liebe und Mühe an), aber es wirkt alles noch testzweckmäßig wie das Publikum anspringt.

Wobei ich auch wieder sagen muss, dass ich trotz der Eigenart nach Änderung des "American Dog"-Konzeptes lange Zeit über in Hasstiraden über Story und Design zu verfallen am Ende mit einem doch recht positiveren Gefühl den Kinosaal verließ. Auch wenn ich mich noch immer nicht mit der Animation des Pelzwuschels Bolt abfinden möchte, so hat mir insbesondere die menschliche Animation von Penny zugesagt. Zumindest hier fühlte ich mich in alte Lebenstage zurückversetzt.

Den großen Coup hat man sich allerdings in dieser Hinsicht noch nicht getraut...spätestens mit "Rapunzel" erhoffe ich mir eine Eigenständigkeit, bei der ich auch im CGI-Gewerbe voller Stolz jubeln kann: "Ja, das ist Disney!" Sollte das nicht gelingen, sehe ich es wie Herr Lasseter, man sollte sich auf dem Sektor konstant halten auf dem man sich lange bewährt hat.

Andernfalls bin ich für Vielschichtigkeit und neue Wege immer offen - für diese Experimentierfreudigkeit und Größe stand nun einmal der EINE MANN selbst.

In diesem Sinne auf eine gemeinsame erneute Disney-Renaissance!

P.S.1: Und wehe die "Black Cauldron"-SE im Sommer enthält keine blutigen Gore-Szenen und nackte Eindrücke von der holden Maid sowie ein zweistündiges vernünftiges Making of mit gesamtem historischen Kontext ohne heuchlerische Possen wie wunderbar doch dieses klassische Disney-Abenteuer für die ganze Familie ist und was für einen Ehrenplatz es die ganzen Jahre im Giftschrank der Studios hatte...Ein neues Spiel und eine 9-minütige Fairy Folk Szene verheißen jedenfalls schonmal die übliche Prozedur...

P.S.2: Die gesamten Eindrücke sind Ihnen bereits aus einem Forum und diversen Gesprächen vertraut. Jedoch kam ich nich umhinweg meine Gedanken an dieser Stelle noch einmal zu reflektieren. Schuld daran sind nur 3 BSE-verseuchte Milchtüten und ein jodelnder rotbärtiger kleiner dicker Mann...

Onkel hat gesagt…

tja, ich erinnere mich sehr gut an den Film, kam ja auch gestern im Fernsehen auf RTL. Aber das leben ist nunmal so Disney hatte immer wieder hochs und tiefs. Wir erinnern uns an Film wie Mac Millionär, Mr. Magoo oder Mr. Präsident Junior oder im Zeichentrickbereich Tarzan und Jane oder König der Löwen 3. Also von demher, wobei ich sagen muss Die kühe sind los, ist nicht der miesteste Zeichentrickfilm der Geschichte.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Hallo ihr drei. Danke für eure Kuh-mmentare. ;-)

@kroko_dok: Vielen Dank für das Lob. Besonders freut mich, dass dir (in dieser Umsetzung) die Mischung aus Meldungen und Essays gefällt.

@bk999: Wenn Disney deine Wünsche für die SE erfüllt, dann wird "Pulp Disney" der erfolgreichste Film des Jahres 2012. ;-)

@Onkel: "Der König der Löwen 3" war doch kein Tief für Disney. Er war schlechter als sein Potential, ja, aber zu den Tiefpunkten würde ich ihn nicht zählen. Und ja, es geht viel schlimmer als bei den Kühen. Aber schlechtere "Meisterwerke" sind schon schwerer zu finden.

Anonym hat gesagt…

Die Kühe sind los! ist total an mir vorbeigegangen. Ich hatte nicht so tolle Sachen drüber gehört und dann einfach beschlossen, den Film zu ignorieren. Anscheinend eine gute Idee.

Ein Königreich für ein Lama fand ich toll. Ich hab mich richtig gut amüsiert - der Film ist ziemlich schräg, aber manchmal brauch ich so eine Art Humor. Ich fand's schade, dass ihm kein großer Erfolg beschieden war (im Vergleich zu den Vorgängern).

Atlantis, Lilo & Stitch und Der Schatzplanet habe ich erst vor relativ kurzer Zeit gesehen. Ersteren fand ich nicht schlecht, natürlich ein "Bruch" zu den früheren Filmen, aber man sollte auch mal den Mut honorieren. Er war etwas unausbalanciert; grade was den Humor anging, merkte man, dass sie sich nicht so ganz trauten, einen Stil durchzuhalten.

Lilo & Stitch fand ich sehr süß. Ich hatte nicht so viel davon erwartet, aber er hat mich sehr positiv überrascht.

Und die Adaption von Stevensons "Schatzinsel" fand ich wunderbar! Ich hatte kurz vorher das Buch gelesen und was Disney draus gemacht hat, hat mir sehr gut gefallen. Ein kreativer Ansatz und die Beziehung zwischen Silver und Jim fand ich wunderbar umgesetzt. Als der Film letztens im TV lief, hab ich meinen Vate rgenötigt, den mit mir zu gucken, und er fand den Film auch richtig gut. :)

Aber das mit den Kühen... das sah für mich schon nicht aus wie ein Disneyfilm... wie du schon sagtest, das hatte allein von der Optik her eher etwas von diesen Direct-to-video-Filmen. Schade drum.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich bin sehr auf "Küss den Frosch" gespannt. Die Zeichen steheh gut dafür, dass sich die Kreativen diesmal gegenüber den Chefetagen durchsetzen konnten (nicht, dass dies noch imemr so nötig ist wie "damals").

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