Dienstag, 23. Juni 2009

Donald-Mania. Aber kein Donaldismus. *staun* Wieso, weshalb, warum?

Zu Donalds 75. Geburtstag Anfang des Monats (der "andere" 75. Geburtstag Donalds fiel keinem in meinem Umfeld auf) wurde ich mehrmals gefragt, weshalb ich kein Donaldist sei. Einige, die mich weniger gut kennen, fragten mich auch schon, ob ich überhaupt Donaldist sei, nur um nach meiner Antwort ebenfalls die eben genannten Frage zu stellen.

Ja, wieso bin ich denn kein Donaldist, wenn ich doch riesiger Donald-Fan bin und den charismatischen Choleriker mit Matrosenjäckchen und putzigem Bürzel mit solcher Innbrunst verehre?

Ein entscheidender Hauptgrund für diese Entscheidung, nicht den Donaldisten beizutreten liegt in meiner charakterlichen Natur begraben: Ich bin kein Vereinstier. In dieser Hinsicht bin ich schlicht und ergreifend vollkommen "undeutsch". Zwar mögen manch andere typisch "deutsche" Tugenden auf mich zutreffen (ich hasse es, unpünktlich zu sein), doch das deutsche Vereinswesen kann mir gestohlen bleiben.
Dadurch hatte ich vor vielen Jahren eine etwas stressige Phase mit meinen Eltern, die mich (obwohl sie selbst keinem Verein angehören) schon sehr gerne in einem gesehen hätten.

Aber mir ist es egal, in wievielen Vereinen der Durchschnittsdeutsche ist und ob er zusätzlich zum Tubaverein noch im Blasinstrumenteverein und im Bierzeltverein rumposaunt und abends noch im örtlichen Tischtennisverein vorbeischaut, ich will in keinen Verein eintreten. Ich hatte nie das Bedürfnis danach, und wie ich mich kenne, wird sich an meiner Haltung so schnell nichts ändern.
Was habe ich es immer gehasst, wenn man sich in Kindstagen mit Freunden verabreden wollte, und es dann immer hieß "Nein, da kann ich nicht, da habe ich Training / Probe / Spiel / Auftritt". Für mich wäre es nichts, mir von einem Verein meine Freizeitgestaltung bestimmen zu lassen. Feste Termine für die Ausübung meines Hobbys? Ohne mich.
Um etwas Polemik zu verbreiten, könnte ich meine Haltung wie folgt zusammenfassen: "Ich will mich in meiner Freizeit mit Leuten treffen, die mir sympatisch sind, nicht mit Leuten, die sich Interessen mit mir teilen."
Natürlich schließt sich beides einander nicht aus, doch ich denke, es fasst meine Prioritäten gut zusammen. "Wow, du hast genau die gleichen Nintendo-Spiele im Schrank stehen wie ich? Wen juckt's, ich kann dich nicht leiden. / Wow, moment, wir unterhalten uns seit Wochen immer in der Freistunde, und du bist genauso ein kinosüchtiger wie ich? Hey, hast du dann auch bemerkt, dass die hier im Kino endlich den Riss in der Leinwand repariert haben?"

Erschwerend kommt dazu, dass ich halt seit jeher eine etwas individuellere, selbst zusammengezimmerte Sichtweise auf mein Hobby habe, und keine Lust verspüre eine kollektive, "vordiktierte" Sichtweise drüberzustülpen. Sei es auch nur während eines Vereinstreffens.
Damit möchte ich keineswegs behaupten, dass alle Vereinsmitglieder im Allgemeinen, und die Donaldisten im speziellen, ebendies tun. Es kommt ja oft genug vor, dass sich bei Menschen mit gewissen Interessen und Vorlieben starke Parallelen aufzeigen. In der Sozialwissenschaft gibt es tausende von Studien darüber (die erstaunlichste die mir in den Sinn kommt ergab, dass Metalfans und Klassikfans einen sehr ähnlichen Lebenswandel haben und deshalb gut zueinanderpassen) und es ist nicht so unwahrscheinlich, dass man, wenn man z.B. 250 ungefähr gleichaltrige, deutsche Disneyfans in einen Raum pferscht und ihnen hintereinander einen geliebten Disney-Klassiker, einen geschätzten Disneyfilm, einen eher verhassten Disneyfilm und anschließend Caligula zeigt, sie alle recht ähnlich reagieren.

Und so fiel mir bislang auf, dass (häufig, natürlich nicht immer) diejenigen, unter den Disney-Comicfans, die als Kind häufiger das Micky Maus Magazin lasen einen anderen Typus von Geschichten bevorzugen, als diejenigen, die mit dem Lustigen Taschenbuch aufwuchsen. Diese These habe ich bereits öfter verbreitet, und sie ist auch hier wieder ein großer Stolperstein in der Erklärung meines individuellen Fan-Daseins. Ich wuchs mit beidem ungefähr gleichzeitig auf... Und bin generell geschmackstechnisch etwas bunt durcheinander gewirbelt. Damit bin ich selbstverständlich nicht allein, doch es erschwert das Aufkeimen eines eventuellen Vereinslebens (oder auch nur dem Interesse danach).

Der größte, inhaltlich (und nicht charakterlich) geartete Grund für meine Nichtmitgliedschaft bei den Donaldisten ist ihr starkes Fokussieren auf Carl Barks.
Ja, ich liebe Carl Barks' Geschichten, ich habe sein komplettes Disney-Schaffen bei mir im Zimmer stehen und für seine Hingabe und das liebevolle Erschaffen des Entenhausen-Kosmos in der Form, wie wir ihn kennen, hat "The Good Artist" jegliche Verehrung verdient, die er bekommen kann, allerdings möchte ich mich deshalb lange nicht auf ihn allein beschränken!
Mir ist schon bewusst, dass einem als Donaldist das Lesen von Berichten aus der Feder anderer Künstler nicht verboten wird, jedoch würde ich mich persönlich nichtmal innerhalb der Vereinstreffen so einschränken wollen. Wenn ich mich schon mit Menschen mit der gleichen Leidenschaft für Donald Duck treffe, weshalb dann solch enge Grenzen ziehen? Okay, für diejenigen, die nur Barks als würdig erachten, stellt dies keinerlei Problem dar, ich allerdings sehe einige Autoren und Zeichner, von Fall zu Fall beobachtet, als ihm ebenbürtig an.
Betrachtet man Barks' Gesamtwerk und seinen riesigen Einfluss über die Jahrzehnte hinweg, in denen er Entenhausen prägte, ist er sozusagen "entenhistorisch" nahezu unerreichbar, doch wenn ich diese Komponente bei Seite schiebe und einfach nur einen guten Comic genießen möchte, so gibt es Künstler, die mich genauso unterhalten und bezaubern können wie er. Ganz zu schweigen davon, dass selbst Barks mal einen weniger guten Tag erwischte - es ist nicht so, als wäre der schlechteste Barks noch immer über allem anderen.

Wie gesagt wuchs ich gleichzeitig mit dem LTB und dem MM-M auf, und lernte so die amerikanische und die amerikanisierte Produktionen eben so sehr lieben, wie die italienische Disneytradition. Verfechter der beiden Seiten, werfen der jeweils anderen vor, kindisch zu sein ("Eure doofen, actionorientierten Storys ohne Seele, alles in einem ramschigen Riesenpaket zusammengschnürt! Quantität statt Qualität!" / "Ihr mit euren kurzen, zweidimensionalen Geschichtlein in billigen Heftchen..."), ich lache darüber. Auch wenn in den vergangenen Jahren das LTB eine Verbesserung durchmachte, während das MM-M mir nur noch selten Highlights liefert. Jedoch liegt das an den einzelnen Publikationen und deren Zielgruppen, nicht an den dort jeweils vertretenen Stilen.

Ich liebe den klassischen Donald. Aber ich liebe auch Phantomias. So manche (frühere) Vicar-Geschichten wissen zu begeistern oder einige von van Horn. Cavazzano sollte meiner Meinung nach viel öfter mit den Ducks arbeiten, Carpi ist für mich ein Held. Und ich freue mich wahnsinnig, dass Disney jemanden, der eigentlich nur Fan Fiction kritzelt, tatsächlich in seinen Publikationen duldet (Rosa).
Und vor allem im Bereich des "modernen" Phantomias (PkNA) finden sich einige komplexe Geschichten mit brilianten Autoren. Kurz: Ich will auch andere auf gleicher Ebene wie die von Barks sehen "dürfen". *schluck*

Und dann erst die Sache mit den Cartoons. Bei den Donaldisten, oder den Comicfans allgemein, scheint die Meinung vorzuherrschen "Comics hui, Cartoons pfui". Ich allerdings liebe "die" Cartoons genauso sehr wie "die" Comics, und aus historischer Sicht ist es ein Unding, sie so nonchalant abzutun. Wenn man die Zeitungsstrips (gerechterweise) als gewichtigen Teil Donalds Entwicklung zum unsterblichen Star anerkennt, weshalb dann nicht die Stätte seines Ursprungs? Man kann Donalds Herkunft nicht verleugnen, und ich möchte das nicht.
Klar sind die besseren Donaldcomics wesentlich gehtaltvoller, als die Cartoons, doch sie sind für mich gleichermaßen unterhaltsam. Außerdem ist das mit dem "gehaltvoll" bloß eine Frage des Formats. Unter 5-minütigen Witzfilmchen gibt's genauso "Ausrutscher" ins Geistreiche, wie unter den 10-seitigen "Funnys".
Cartoons an sich mit den 30-seitigen Barks-Abenteuern (oder Italo-Mammutwerken mit über 100 Seiten) zu vergleichen ist genauso unfair und absurd, wie Zeitungs-Strips mit den Disney-Meisterwerken zu messen.

Nicht ganz so einschneidend wie die thematische Begrenzung bei den Donaldisten, aber nicht unbedeutend, ist für mich auch die Frage nach der Aussprache von Donalds Namen. Für micht wird "Duck" englisch ausgesprochen, und nicht deutsch. So ist es in den Cartoons, so klingt es für mich in Verbindung mit dem Vornamen phonetisch schöner. Der wird von mir übrigens beharrlich deutsch ausgesprochen (Do-nald) und nicht englisch (Don-eld). Wieso jetzt diese krude Mischung aus Englisch und Deutsch? Naja, die Quellen sind sich halt uneinig - zwar heißt es in Cartoons, Filmen und Serien konsequent "Dack", beim Vornamen dagegen kann ich es mir halt aussuchen. In Quack Pack ist die Aussprache englisch, in den meisten Classic Cartoons eher deutsch, obwohl ich genauso ein paar Beispiele für die englische Aussprache im Ohr habe. Allerdings sagt mir meine subjektive Wahrnehmung, dass die deutsche überwiegt (ich habe nie nachgezählt), und mit The Wise Little Hen, wo es aus dem Off unüberhörbar und wunderbar melodisch "Do-nald Dack" ertönt, habe ich ja wohl zweifelsohne die Referenz auf meiner Seite. Es klingt doch auch am besten...

Wo ich den Donaldisten allerdings zustimme: "Die elendige Maus" ist um einiges seelen- und lebloser als das von uns gefeierte Temperamentsbündel. Des Weiteren liebe ich die ironische Ernsthaftigkeit der Donaldisten und bewundere sowie "akzeptiere" (im Sinne von "anerkennen") ich viele ihrer Forschungsergebnisse. Allerdings sind mir manche zu andersweltlich. Mützen sind Auswüchse, keine Textilien? Och, Leute...

Und um überhaupt ein Statement zu machen: Nur weil ich kein Interesse habe ihnen beizutreten (warum beitreten, wenn ich zu keinem Stammtisch gehen und nicht am Mairennen teilnehmen würde?), heißt es nicht, dass ich irgendetwas gegen die Donaldisten hätte. Viele, denen ich meine Meinung erklären wollte, kamen sofort auf diesen Entschluss und blieben beharrlich bei dieser Einschätzung. Von wegen. Ich wünsche mir mehr Respekt und Erfolg für sie. In den Medien werden die Donaldisten ja gerne schnell mit einem gehässigen Unterton als Sonderlinge abgestempelt, was wirklich nicht sein sollte. Generell sind solche Organisationen besonders in Ländern wie Deutschland, wo die Comics bedeutender sind für die donald'sche Popularität als die Cartoons, eigentlich fast schon notwendig um die verdiente Ehrerbietung für das, was hier Donald unsterblich machte, zu bilden.

Angesichts der Berichterstattung zu Donalds Geburtstag muss ich allerdings auch sagen, dass die Donaldisten in den Medien in leicht überrepräsentiert sind. Das zog sich bereits durch die jüngere Vergangenheit, und fiel mir am 9. Juni enorm ins Auge. Man kann keinen Duck- oder Disney-Comic-Bericht mehr sehen, ohne das zu ca. 80% der Zeit erklärt wird, wer Donaldisten eigentlich sind und was sie weshalb wo und wie oft machen.
Egal ob ein Duck einen runden Geburtstag feiert oder eine Disney-Publikation ein Jubiläum oder eine besondere Auflagenzahl begeht, es wird meiner Meinung nach zu viel über die Donaldisten berichtet.

Das wirkt sich schon fast kontraproduktiv auf den Respektgewinn für Disneycomics aus - es bräuchte im Fernsehen und Radio auch mehr "normale" Fans. Oder statt der ewiglichen Kombi "Walt Disney, Carl Barks, Donaldist (und evtl. Dr. Erika Fuchs)" mal etwas mehr Scheinwerferlicht auf den bei solchen Ereignissen ungerechterweise übergangenen Al Taliaferro.

In diesem Sinne... Ein ehrliches "Klatsch! Klatsch! Klatsch!" für die Donaldisten, aber ich hau mich lieber in meine Hängematte und trink 'ne Blubberlutsch oder leg mich in mein Bett und schlummere, als dass ich mir die qualvolle Mühe mache, mich zum nächsten Stammtisch zu bemühen.

3 Kommentare:

Green Ninja hat gesagt…

Apropos Quack Pack.
Da Du ja so ein riesen Disney-Fan bist, würd mich mal so ganz salopp deine Meinung zu diversen Trickserien interessieren. Schreib doch mal zu sowas ne Kritik :)

corny hat gesagt…

Hi!

Erstmal: Grandioser Beitrag! Bin froh über deinen Blog gestolpert zu sein!!

Ich selber bin mit den LTBs (den guten alten ;-) noch weit vor den 200ern aufgewachsen. Und ja es stimmt... MMM bietet mir einfach nicht die Tiefe die ich mir so von den Comics Wünsche .... ich hab mich immer gefragt warum ich mich damit nicht anfreunden konnte ... durch deinen Artikel wurde es mir klar.

Donaldisten: Find ich großartig bin aber selber kein Vereinsmensch und folglich auch kein Mitglied. Mich persönlich stört einfach die Zentrierung auf CB, inzwischen haben Sie sich ja schon zu Don Rosa geöffnet (ein Traum der Mann ,... hab ihn mal durch Zufall in München getroffen :-); aber es gibt soviele gute Comics da finde ich die Beschränkung sehr kurz gewählt.

Persönlich find ich auch das man da einfach keine SChranken aufbauen sollte... ich hab mir in letzter Zeit ein Haufen Comics aus dem franko-belgischen Raum zuglegt... auch sehr schöne Comicwahre... über Freunde bin ich über die Zombie Reihe "The walking Dead" gestolpert - grandios!

Aber Moment? Disney Fan UND Zombie-Comic-Leser? Wie passt das zusammen? Ganz einfach: Es ist gute Unterhaltung! Und da ist es mir egal ob es von CB ist oder von DR oder von Vicar oder von sonst wem. Auch CB hatte ein Haufen Mist gezeichnet... aber die Summe der guten Hefte ist halt einfach def. überragend.

Aber heute gibt es eine wesentlich breitere Masse an guten Zeichnern. Ich will mich gar nicht beschränken sondern das konsumieren was mir Spaß nach einem anstrengenden Arbeitstag bietet.

Thema Cartoons:
Für mich ist das so ne Sache, ich fand "Duck Tales" unfassbar gut, auch "Darkwing Duck", ... mit Quack Pack konnte ich nichts mehr anfangen ... aber ich glaube da ist man das Kind der Zeit. Wäre ich etwas jünger fände ich es auch besser. Man nostalgiert halt einfach seine Kindheitserfahrungen.

Thema: PkNA
Eine grandiose Reihe aus Italien - Schade das beide Anläufe in Deutschland kaum Publikum gefunden hat... und Schade das ich kein italenisch kann :-( Ich hoffe ja noch immer das Ehapa das nochmal bringt... mal schaun

Thema: Micky Maus
Ok, ich bin ein Dagobert Fan ... hab als Kind Geldsäcke mit Papiergeld gebastelt ... aber Micky könnte def. besser sein als es zumeist verkauft wird. Ich fand vorallem die "Ein Fall für Micky Maus" grandios. Aber leider sind sie ja dann auf die Kasperle-Schiene geraten (übrigens damals mein Grund mit LTB aufzuhören und bin jetzt erst wieder eingestiegen)

Ach ich könnte noch soviel schreiben ... ein echt schöner Artikel der mir an vielen Stellen aus der Seele spricht!

Vielen dank dafür

Sir Donnerbold hat gesagt…

@Green Ninja: Ich kann mal schauen, was sich da in der vorlesungsfreien Zeit machen lässt. Ein paar Serien schreien momentan bei mir eh nach Neusichtung. Ich kann aber wirklich nichts zeitnahes versprechen.

@Corny: Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar und das tolle Lob! Mit den Cartoons meinte ich aber vornehmlich die Kurzfilme, nicht die Trickserien. Dass ich "Quack Pack" noch erwähnte, lag daran, dass dies ja eine der am stärksten aneckenden Donald-Interpretationen ist. Manche hassen die Serie ja schon allein wegen Donalds Kleidung... Ich dagegen konnte damit sehr gut leben, so lange es in der Serie bleibt und nicht auf andere Werke überschwappt.

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