Mittwoch, 15. Juli 2009

Blogparade: Das perfekte Mixtape

(Bildquelle: Flickr)

Angeregt durch beetFreeQs Blogparade zum Thema Mixtape machte ich mir Gedanken, wie mein ideales Magnetbandpräsent aussähe.
Die erste Frage, der ich mich stellen musste war natürlich: "Welches Thema soll mein Mixtape haben?" - Es gibt viele mögliche Themen für Mixtapes. Man kann sich selbst seine persönlichen Hits zu einem bestimmten Thema zusammenstellen ("Mixtape Grillabend", "Mixtape für Tage, die großartig anfingen und grauenhaft endeten", "Mixtape Alternative-Sommerhits", "Mixtape mit den besten Songs aus anderen Mixtapes"), meistens aber dienen Mixtapes als Geschenk. Sei es für die Angebetete/den Angebeteten, jahrelange Freunde oder.. äh... okay, eigentlich gibt es nur diese zwei Möglichkeiten. Aber die Anlässe können verschieden sein: Einfach so, als überraschendes Präsent, oder aber zum Geburtstag (wie in Death Proof am Rande erwähnt), zum Jahrestag oder, wenn man ganz gemein ist, als letzter Dorn in den kleinen Zeh kurz bevor man Schluss macht.
Egal wem man das Mixtape schenkt, ein verschenktes Mixtape benötigt ebenso einen roten Faden, wie ein Mixtape für einen selbst.

Aber welches Thema nehme ich denn nun für mein "Perfektes Mixtape"?
Mir war klar, dass ich etwas originelleres machen wollte als "1 Stunde lang Lieblingsmusik", "Summer of '08" oder "Hier ist dein persönliches Geschenk, jetzt mach dich nackig, du doofe Pute". Nur was eignet sich denn für ein Mixtape, ist originell und gibt meinem Mixtape eine persönliche Note? Man soll ja schon raushören, wer die Musik zusammenstellte...
Lange gingen meine Gedanken hin, und wieder her...

Ich entschied mich für das sicherlich etwas ungewöhnliche Thema "Paradise Purgatory".
Dabei geht es nicht um mich oder wen anderes oder um eine repräsentative Darstellung meines Musikgeschmacks oder einen konkret umfassten Zeitpunkt in meinem Leben, sondern eher um etwas zwischen einem Lebensgefühl und einer Stimmung. Diese Musikauswahl soll diese komplexe, teilweise paradox wirkende, aber in sich schlüssige Atmosphäre musikalisch einfangen.
Sicher werden die meisten von euch mit dieser kryptischen Umschreibung nichts anfangen können, aber wenn ihr es bis hierher geschafft habt, dann geht es euch mit Sicherheit eh mehr um die eigentliche Playlist.

Anfangs dachte ich, dass ich unmöglich mit der von beetFreeQ vorgegebenen, groben Richtlinie einer Stunde auskommen würde. Schnell schossen mir Dutzende Songs in den Kopf, die unbedingt auf mein Mixtape gehören. Deshalb entschied ich mich, eine Mixtape-Anthology zu erstellen - eine ausführliche, überwältigende Playlist. Für die Blogparade würde ich dann zusätzlich eine verdünnte, knapp sechzigminütige Version erstellen, sozusagen die kommerziell duldbare, vom Künstler verabscheute Fassung. Ich war mir sicher, mit der kurzen Version unzufriden zu werden, und widmete mich fieberhaft der Titelanordnung der Director's Cut-Fassung. Als ich nach stundenlanger harter arbeit damit fertig war, versuchte ich den Geist dieser Version in einem kurzen Mixtape einzufangen.

Als ich mich erstmal auf rund zwanzig Titel runterkürzte, war ich plötzlich verflixt nahe an einer Stunde angelangt. Ich warf noch ein paar Songs raus und begann sie zu ordnen - und ich war zufrieden. Nachdem ich die Songreihenfolge nocheinmal änderte und zwei, drei Lieder durch andere Titel ersetzte, die ich ursprünglich schon wieder rausgestrichen hatte, war ich plötzlich vollauf zufrieden.

Dem kurzen Mixtape fehlt vielleicht die gewaltige Bandbreite und die durch die epische Länge erarbeitete Fallhöhe, stimmungstechnisch ist die kurze Fassung aber eine gelungene Repräsentation meiner ursprünglich geplanten "Mixtape-Anthology".
Deshalb präsentiere ich euch hier bloß die kurze, Blogparaden konforme Fassung meines Mixtapes. Die eher meiner ausschweifenden Seite entsprechende Fassung kommt dagegen vorerst in den Giftschrank.

Paradise Purgatory



1. Dark Empire Remix 2.0 - X-Ray Dog
Ein ungewöhnlicher Einstieg musste für das Mixtape her. Besser noch: Ein ungewöhnlicher Einstieg, der so manchem vielleicht doch bekannt vorkommt. Und zur Intention meines Mixtapes muss er natürlich auch passen.
Darf ich vorstellen: Der Remix von Dark Empire, einem hübsch panisch-epochalem Stück Trailermusik. Die zweite Hälfte kommt so manchem vielleicht aus dem Trailer für Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt bekannt vor. Das löst bei mir schonmal einige Erinnerungen aus, die mir als Fundament für die Stimmung des Mixtapes dienen.

2. No Quarter - Alestorm
Piratige Ausgelassenheit und eine feine Spur spaßiger Härte. Ein geiles Stück einer geilen Band, basierend aus einem geilen Stück Score aus einem geilen Film. Ist doch alles ganz angenehm hier, auch wenn der Einstieg ins Purgatory-Paradies was finster war, oder?

3. Jilian (I'd give my Heart) - Within Temptation
Mh... vielleicht etwas zu früh gefreut? Oder geht's heiter weiter? Zu diesem kraftvollen Lied von Within Temptation kann man abrocken, oder auch anfangen die Welt zu verfluchen... Eine Zweischneidigkeit, die einfach in dieses Mixtape gehört.

4. Paradise City - Guns N' Roses
Egal welchen Entschluss man vorhin gezogen hat, die Achterbahnfahrt erreicht jetzt erstmal einen augenscheinlichen Punkt der Entspannung. Paradise City ist einfach waschechter, klassischer Feel-Good-Hard-Rock. Durchatmen, ein kühles Helles zischen und ein kleines bisschen die Haare rumzotteln lassen...
Allerdings sollte man sich nicht zu sicher auf der grasgrünen, taufrischen Wiese der paradiesischen Stadt wähnen. Ich rannte bereits einmal von Paradise City beflügelt ins offene Messer...

5. Zusammen verschwinden - Karpatenhund
Zwar durchaus beschwingt, doch die rausklingende Melancholie ist nicht zu verleugnen. Auf und davon, und mit jugendlichem Leichtsinn bewaffnet dem Happy End entgegensegeln? Die Melodie suggeriert ein unglückliches Ende. Vielleicht aber kommt wirklich die gute Wende, aber sicher nicht so schnell wie vermutet - denn ähnlich wie bei Paradise City lehrt die Erfahrung, dass Stolpersteine immer dann auftauchen, wenn man überzeugt ist, nicht fallen zu können.
(siehe auch diesen Beitrag)

6. Grindhouse - Robert Rodriguez (Score zu Planet Terror)
Dreckig, versifft und Spaß dabei: Das verrucht klingende Titelthema von Robert Rodriguez Planet Terror kann und will sich seiner schäbigen Herkunft nicht verwehren und macht einen bereit für einen Ritt, den man nicht vergisst.
Verbindung zum bislang gehörten: Wenn man frohgemut hinfällt, muss man dreckig grinsend weiter machen. Was hübsche Go-Go-(und nicht Heul-Heul-)Tänzerinnen mit Sinn für Humor deutlich erleichtern.

7. Down in Mexico - The Coasters (berühmt geworden durch Death Proof)
Ahhhh... bei diesem Lied denke ich an Rum, leckere Snacks, bequeme Sitze und super Wetter. Und an einen leicht unheimlichen, aber auch unverschämt charismatischen älteren Mann, der einfach nur den Lapdance bekommen will, der ihm auch zusteht.
Mensch, so ein Grindhouse-Tag kann wirklich riesigen Spaß machen. Absichtlich schäbige Filme, super Laune und hinter der nächsten Ecke holt einen schon der B-Movie-Plottwist ein... So ist's halt in dieser Stimmungswelt...

8. Epiphany (aus Sweeney Todd)
Mit einer absoluten Kurzschlussreaktion wendet sich erneut das stimmungstechnische Blatt.

9. Der letzte Tanz (aus Elizabeth)
Sweeney Todd schwört blutige, todbringende Rache... Wie könnte man das in der perplexen Welt des "Paradise Purgatory" besser vertiefen, als mit dem Tod höchstpersönlich, der der guten Elizabeth umissverständlich klar macht, wem der letzte Tanz gebührt?

10. Define Dancing - Thomas Newman (aus WALL•E)
Appropos Tanzen: Nachdem man seiner dunkleren Seite zwei Lieder lang Luft machte und all die Manie ausgeschwitzt wurde gibt es doch nichts besseres, als sich zurückzulehnen und zu diesen traumhaften Klängen seiner sanftmütigen Seite Balsam auf die Seele zu gießen. Define Dancing ist romantisch und zum Welt vergessen schön...

11. Auf diesen Tag hab' ich gewartet (aus dem Tarzan-Bühnenmusical)
Wenn man nach dem poetischen Define Dancing wieder aufwacht möchte man die wunderbare Welt, in der man sich befindet bestaunen. Denn nun ist man überzeugt: Trotz all dem Ärger gehört man hier hin!

12. Strangers Like Me - Phil Collins (aus Tarzan)
Auf diesen Tag hab' ich gewartet ist eine wirklich großartige Nummer, die mich beim Tarzan-Musical besonders positiv überraschte. Aber wenn's um Tarzan geht, führt bei mir nichts an Strangers Like Me vorbei. Ich liebe diesen Song! Diese Mischung aus einem vorantreibenden Pop-Rock-Titel und der unterschwelligen Sehnsucht (inklusive "reingemogelter Ballade") kriegt mich jedes Mal ums neue herum - und passt optimal in dieses Mixtape.

13. Fairytale - Alexander Rybak
Fidelklänge, fröhliche Melodien und ein melancholischer Unterklang - der perfekte Anschluss an Strangers Like Me und da der Text schon etwas negativer ist als der des vorangegangenen Collins-Songs auch eine hübsche Überleitung zum nächsten Song. Im Grunde fungiert Fairytale hier als Brückenschlag... als einer mit irischem Feuer (doof nur, dass er gar nicht aus Irland kommt).

14. So nah (aus Verwünscht)
Und nochmal ein paar Stufen weiter unten auf dem Stimmungsbarometer. Aber bei allem Herzschmerz behält So nah einen zuckrigen Nachgeschmack... "Das wird schon wieder", scheint die Aussage zu sein...

15. Let Go - Fro Frou (bekannt aus Garden State)
Die Ambivalenz erreicht nun beinahe ihren Höhepunkt: Ist Let Go frohgemut, deprimierend oder resignierend? Auf jeden Fall löst es bei mir dank Zach Braffs großartigem Regiedebüt weiterhin Gänsehaut aus und sollte meiner Meinung nach zum inoffiziellen Pflicht-Schlusstitel auf jeder gepflegten Stufenfeier oder längeren Geburtstagsfeiern werden. Schöner und mit gemischteren Gefühlen kann man kaum noch nach Hause gehen.
Deshalb lag es auch nahe, mit Let Go auch dieses Mixtape zu beenden. Ich entschied mich jedoch dagegen, denn diese emotionale Achterbahnfahrt muss meiner Meinung nach etwas gefestigter enden.

16. At Wit's End - Hans Zimmer (aus Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt)
Der Anfang zaubert mir immer wieder ein Lächeln auf's Gesicht: Ein Schifferklavier spielt die betrunkene Jack-Melodie, es wird kurz mystisch und dann baut sich die heitere Stimmung immer weiter auf, bis sie in eine voll besetzte, bombastische He's a Pirate-Reprise kulimniert, welches wiederum in Jacks Actionthema mündet, welches ins Liebesthema des Films überleitet. Und dieses ist für mich fast schon die Definition von emotionaler Ambivalenz: Je nach eigener Stimmung kann es (in der "unverfälschten" Orchestrierung) todtraurig sein oder unglaublich heiter.

17. Up is Down - Hans Zimmer (aus Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt)
Und wenn wir eines Tages genug von als Fröhlichkeit missinterpretierter Betrüblichkeit und von betrübt wirkender Freude haben, kehren wir aus dem paradiesischem Fegefeuer zurück ins Reich der Lebenden. Aber wie?
Natürlich mit dem verspielten Up is Down, einem kurzen, simpel klingenden Stück Swashbuckler-Score, welches in Wahrheit zu Zimmers bislang komplexesten Kompositionen gehört.


Das wäre also mein perfektes Mixtape. Ich hoffe, ich habe euch nur halb so sehr verwirrt, wie es mir vorkommt. Und wenn ihr auch auf den Geschmack gekomen seid, dann macht doch einfach bei dieser Blogparade mit! Bis zum 31. Juli habt ihr noch Zeit. Alle weiteren Details findet ihr hier.

2 Kommentare:

juliaL49 hat gesagt…

Hola, was für eine Tour de Force! Ist zwar wenig dabei, was ich auf den ersten Blick bzw. Hörer gut finde (und einiges, was ich wirklich überspringen würde wie z.B. 12 und 13), aber die Mischung stimmt.

Nur das Fegefeuer im Titel würde ich anders buchstabieren...

PS: Wie auch beim Mixtape geht die Mischung an sich hier nicht mit meinem Geschmack konform, aber die Schreibe ist einfach zu gut, als dass ich nicht einfach abonnieren muss.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Danke für's Lob (der Schreibe).
Wie ich ja schrieb, repräsentiert das Mixtape meinen Geschmack nicht wirklich, von daher kannst du vlt. sogar beruhigt sein. ;-)

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