Freitag, 10. Juli 2009

Die Top 10 Getränke aus der Kindheit

Oder: Ein gezuckerter Schlag ins Gesicht für jeden der hier weiterhin einen normalen Entertainmentblog erwartet

Es ist Sommer! Und was für einer! Tropische Hitze und heftige Unwetter wechseln sich hier in Deutschland nahezu nahtlos einander ab. Ich hatte bislang tatsächlich das Glück der Kehrseite dieses Sommers aus dem Weg zu gehen und eine angenehme Sommerhitze zu genießen.

Sonne und blauer Himmel - was mir jetzt noch fehlt wären ein türkisblaues Meer, feiner weißer Sand und die Befreiung von sämtlichen Pflichten.
Doch das ist mir nicht vergönnt. Und wenn man so seinen alltäglichen Pflichten nachgeht, wünscht man sich hin und wieder die Zeit zurück, in der man noch tun und lassen konnte, was man wollte. Man ging morgens zur Schule, und noch bevor die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht hatte, durfte man wieder nach Hause.

Damals, als man mehr frei hatte als sonstwas konnte man den Sommer noch in vollen Zügen genießen. Statt schwitzend vor dem Computer zu sitzen und irgendwelche kopier- und druckgeschützten pdf-Dateien durchzulesen, nur um dann irgendwann einen dämlichen Test bestehen zu können, dessen Inhalte für den Verlauf des weiteren Lebens völlig unbedeutend sind, rannte man in Badehose durch den eigenen Garten und hüpfte in putzige Gummi-Planschbecken. Und wenn man eine quietschbunte Pistole zog und auf seinen besten Freund schoss, fanden es alle noch völlig niedlich, wie man sich gegenseitig nass macht. Wenn man das jetzt macht, denken dagegen alle an Amokläufe...

Es war eine unbeschwertere Zeit. Allerdings war es auch eine Zeit von mit Zucker vollgestopften, in leuchtenden Farben gehaltenen Getränken in lustigen Kartons. Als Kind schüttete man Zeug in sich hinein, dass man diesseits der Pubertät niemals auch nur anrühren würde, weil es so eklig klebrig ist und nach Chemie und purem Zucker schmeckt. Gut, als Kind hätte man genauso wenig einige der Sachen gemocht, die man jetzt bei entsprechender Hitze in sich reinschüttet (Rum-Cocktails!), aber so ist das Leben nunmal...

Wie dem auch sei, hier sind sie, die zehn Getränke, die mich am meisten an meine Kindheit zurückerinnern:
Platz 10: Caro Kaffee

Was habe ich dieses Zeug gehasst! Ich habe es mit Leib und Seele verteufelt. Dieses bitterherbe Ekelszeug hätte ich allein schon wegen des Geruchs nichtmal mit dem kleinen Finger angerührt. Doch alle paar Wochen, wenn ich zu einem Kaffee trinkenden, mit meiner Familie befreundeten Ehepaar geschleppt wurde, musste ich dieses Zeug süffeln. Weil ja alle schön brav Kaffee getrunken haben, was aber nichts für kleine Kinder ist, bereitete man extra für mich diesen Dreck zu. Andere Getränke gab's nicht: "Wir sind zum Kaffee trinken und Kuchen essen da, und weil du keinen Kaffee trinken darfst, trinkst du Kinderkaffee."
Ich habe mich beim Trinken immer extra schusselig angestellt und möglichst viel "aus Versehen" in meinen kleinen Unterteller geschüttet, aber völlig ging der Kelch nicht an mir vorüber.

Ob da mein Hass für Kaffee herrührt? Ich glaube nicht, da mir diese braune Brühe einfach nicht schmeckt, aber man weiß ja nie...

´Platz 9: Kaba (Erdbeer)

Da ich keinen Kaffe trinke, gönne ich mir in der kalten Jahreszeit gerne eine Tasse Kakao. Des Öfteren nichtmal so sehr, weil ich gerade eine unbändige Lust auf Kakao habe, sondern weil ein Gastgeber oder sehr nette Dienstleister meinen von Regen durchnässten Körper gerne mit Kaffee wärmen wollen, nur um dann völlig irritiert dreinzublicken, wenn ich dankend ablehne. "Auch keinen Milchkaffe? Espresso? Mocca? Moccacino? Cappuccino? Nein, wirklich nicht? Echt? Gar keinen Kaffee? Wie schaffst du das? Na gut... Äh... pfff... vielleicht hab' ich noch irgendwo einen Kakao..."
Kalten Kakao trinke ich mittlerweile eher weniger, und wenn, dann richtig schön schokoladige Trinkschokolade. Kaba dagegen habe ich völlig abgeschworen - viel zu zuckrig. Damit die Milch nach Schokolade schmeckt musste man von diesem Pulverzeug Unmengen an Löffeln in sein Glas kippen, dass es nicht mehr feierlich war. Aber als Kind habe ich es geliebt - vor allem die Erdbeervariante, die noch stärker nach Zucker schmeckte. Von Erdbeer hat man kaum etwas gemerkt.
Allerdings tat so ein Kaba-Zuckerschock bei heißen Mario Kart-Duellen unglaublich gut. Deshalb habe ich mir in der Küche gerne Mal ein Glas mehr gemacht, bevor ich meinen Freunden eine Runde Erdbeermilch spendierte. Irgendwie musste man den Heimvorteil ja ausnutzen.

Platz 8: Klarer Apfelsaft

Ich habe schon immer naturtrüben Apfelsaft wesentlich mehr gemocht als dieses geschmacklose klare Panschwasser. Wieso klarer Apfelsaft dann in dieser Hitliste repräsentiert wird? Ganz einfach: In einer so anspruchsvollen Gegend wie meinem Kindergarten und meiner Grundschule konnte eine Flasche mit klarem Apfelsaft für stundenlangen Spaß sorgen. "Hey, das sieht aus wie Pisse!" "Nein, das ist Pisse!"
Wenn jemand um Aufmerksamkeit bat und angab nun eine Flasche "Pipi" zu trinken, war er der mutige Held. Aber wenn man seinen Saft einfach so trank, kamen die Idioten plötzlich an: "Hey, XY trinkt gerade Pipi! Iiiih, das Schwein!"
Schon seltsam, wie die Behauptung ein und dieselbe Tat zu begehen dein Ansehen steigern oder zerstören kann, abhängig davon, wer die Klappe aufriss...


Platz 7: Malzbier

Eigentlich trinke ich das Zeug noch immer ab und zu, aber als Kind habe ich es geliebt. An einem brandheißen Sommertag nach der Grundschule nach Hause zu kommen und eine ganz Flasche davon zu exen, während die Kondenstropfen meine Hand entlanglaufen... Ahhh... das bedeutete "Endlich Feierabend"!

Platz 6: Tuffikakao aus diesen schnuckeligen kleinen Flaschen

Eine kurze Recherche ergab, dass diese Platzierung vornehmlich in NRW verstanden wird. Also, liebe Nicht-NRWler: In vielen Grundschulen gibt es zu einem Spottpreis für die ganze Klasse jeden Tag Milch, Kakao, Bananen- oder Vanillemilch. Soll heißen, dass die Schüler dem Lehrer / der Lehrerin sagen, was sie trinken wollen, einmal Geld mitbringen und dann dürfen jeden Tag zwei Schüler kurz vor der Pause zum Hausmeister gehen und genug Flaschen für die ganze Klasse holen. Die kleinen, urig aussehenden Milchflaschen mit Plastikdeckel werden dann gemeinschaftlich getrunken. Totaaaaal gesund.
Ich war nie ein Frühstücker, und die erste Schulpause mit ihrer Zwangsportion Milch war mir immer noch zu früh. Anfangs duldete meine Lehrerin, dass ich der einzige war, der keinen Kakao (oder sonstwas) wollte, später setzte sie mich jedoch unter Druck (hat etwa Tuffi, der Hauptsponsor von Schulmilch in NRW, sie aus Geldgier bedroht?), und drängte mich ebenfalls in dieses Abonnement. Und so musste jeden Tag eine weitere dieser putzigen Flaschen in meine Klasse getragen werden... Die ich dann, wenn die Lehrerin nicht hinschaute, an den Meistbietenden versteigert habe.

Wenn ich heute kleine Milchfläschen sehe, denke ich noch immer an meine tollen Frühstücksauktionen zurück. Sowie an den bösen Blick meiner Klassenlehrerin, als sie mich mal dabei erwischte.

Platz 5: Fanta Mango

Eigentlich bräuchte ich jetzt nur noch auf diesen Beitrag zu verlinken. Fanta Mango war, so lange es sie gab, ein unverzichtbarer Teil meiner Kindheit und ich trauerte ihr Jahre lang nach. Ende letzten Jahres kam sie für eine beschränkte Zeit zurück in die Getränkemärkte. Ich freute mich riesig, wesentlich mehr als man sich über ein zuckriges Erfrischungsgetränk freuen sollte, und kaufte mir kistenweise Vorrat. Welcher derzeit in meinem Keller vor sich hinstaubt und sich seinem Mindesthaltbarkeitsdarum mit hastigen Schritten nähert.
"Warum?", wird sich so mancher sicherlich denken. Liegt es möglicherweise an einer veränderten Rezeptur, oder daran dass die harsche Realität sich nicht mit meinen verklärten Kindheitserinnerungen deckte?
So schlüssig diese Erklärungen auch sein mögen, muss ich sie strikt verneinen.
Den wahren Grund würden viele Dummheit nennen: Ich finde den Schlüssel für die Kellertür nicht mehr.

(Ah kommt, wenn ihr mir das glaubt, dann muss ich mich aber wirklich von euch beleidigt fühlen...)

Platz 4: Sunkist

Der Werdegang von Sunkist fasst eigentlich ganz gut zusammen, wie ich meinen Fanta-Mango-Vorrat so sehr vernachlässigen konnte (auch wenn die aktuellere Mango-Geschichte komplexer ist): Als Kind hatte ich, wenn ich unterwegs war, immer ein oder zwei Trinkpäkchen von Sunkist dabei. Dann war ich mal kurz auf dem Trip was anderes zu probieren, und als mir Sunkist wieder in den Sinn kam, war das Zeug schon längst vom Erdboden verschwunden. Sunkist schien mir in meiner Kindheit der Herrscher unter den Trinkpäkchen gewesen zu sein - und irgendwann war Sunkist nicht mehr auffindbar. Auch jetzt, als ich mich während der Vorbereitung für diesen Artikel auf der Suche nach Kindheitserinnerungen durch die Getränkeabteilungen wühlte, kamen mir die kleinen Quader nicht mehr unter die Nase.
In den USA ist Sunkist dagegen eine extrem populäre Soft-Drink-Marke, die ihre Getränke auch in Dosen und Flaschen verkauft (nichts mit "Trinkpäkchen exklusiv"), die seit letztem Jahr sogar unter dem Namen "Sunkist Float" ein Limonaden-Milchmischgetränk anbietet. Damit würde man hier wohl nicht sehr weit kommen.

Platz 3: Punica

Verlassen wir nun kurz meine Grundschultage. Denn Punica interessierte mich dort kein bisschen. Das einzige, was ich damals mit Punica zu tun hatte waren die Werbespots, die immer ungefähr so abliefen:


(Sorry, ich fand nur eine niederländische Version)
Punica holte mich dafür ab der fünften Klasse mit seinen Tea & Fruit-Sorten (vor allem Cool Cassis) ein, die ich wie ein Loch weggesüffelt habe. Bis das irgendwie auf Dauer zu teuer wurde. Denn so schnell, wie ich die Flaschen weggetrunken habe, war es wesentlich klüger andere Getränke im Kühlschrank zu haben, die nach Öffnen der Flasche nicht innerhalb von nur 15 Minuten weggetrunken sind.

Platz 2: Kindercola

Ohne Koffein, dafür aber mit gefühlt zehnmal so viel Zucker: Kindercola. Jede Supermarkt- und Discountkette hatte ihre eigene Sorte und weil die Flaschen und Dosen so schön bunt waren, kauften die Eltern sie wie verrückt. "Mein Kind will Cola, aber Cola soll doch so ungesund sein. Hier steht aber Kindercola drauf - das muss einfach für Kinder geeignet sein! Ein Etikett würde niemals lügen!"

Gerüchteweise gibt es weiterhin einige Kindercola-Sorten, ich selbst habe allerdings seit Jahren keine Flasche mehr in echt gesehen (geschweige denn sogar eine Dose). Sollte es tatsächlich noch immer Kindercola im Handel geben, so drang sie zweifelsohne in den Hintergrund. Und das zu Recht: Eigentlich war das Zeug eklig (bloß wollte das niemals ein Kind zugeben, da man sonst gar keine Cola mehr bekommt...), und von einem ernährungsbewussten Standpunkt aus waren Kindercolas eine Katastrophe im zweifachen Sinne: Sie enthielten viel zu viel Zucker und stellten eine "Einstiegsdroge" für "härtere" koffeinhaltige Getränke wie Mezzo Mix, handelsübliche Cola oder Colas mit extra viel Koffein dar. Über solche Plörre wie Kaffee möchte ich gar nicht erst sprechen...


Und unbestreitbar auf Platz 1: Capri Sonne

Aaaahhh... Capri Sonne. Dank penetranter Werbung und der in jeden Süßwarenautomaten passenden Form sowie der idealen Füllmenge (für eine Grundschulpause genau richtig!) ist Capri Sonne einfach nicht aus der Kindheit wegzudenken. Es sei denn, man hatte ernäherungsbewusste Eltern mit genügend Einfluss.
Aus meiner Kindheit war Capri Sonne also nicht wegzudenken. Die Sorten Cola Mix und Multivitamin habe ich geliebt (wobei Multivitamin eigentlich nur von dem Bild auf der Packung profitierte - einem aus Zitrusfrüchten geformten GameBoy-Plagiat) und gerne gegen die langweiligeren Sunkist-Paketchen ausgetauscht.

Trotzdem verwundert mich der Erfolg von Capri Sonne. Denn in Wahrheit ist die Capri Sonne-Verpackung so ziemlich das unpraktischste, was es auf dem Getränkemarkt gibt. Die Strohhalme verschwanden andauernd. In einen Schultornister geknallt platzten die wabbeligen Päkchen viel schneller als die üblichen Trinkpäkchenquader aus Karton. Und vor allem: Mit zunehmendem Alter wird es kurioserweise immer schwierger den Strohhalm in die vorhergesehene Öffnung zu rammen. Immer wieder rutschte man ab, zerstörte das Paket oder verletzte sich selbst - eine Situation, über die sich der grandiose Bastian Pastewka immer wieder gern lustig macht (wie etwa in seinem Reisefilm Pastewka in Japan). Und die ganz faulen Säcke drehten die Pakte einfach auf den Kopf und rammten den Strohhalm in die Unterseite.

Aber das war geschummelt!

4 Kommentare:

kroko_dok hat gesagt…

Oh verdammt, es gab ja wirklich sowas wie Kindercola! *Flashback* *Mindfuck* *Brainstorm* *Weltbild-Zusammenbrech*

Andi hat gesagt…

fehlt noch Blubberlutsch XD

Steve hat gesagt…

Gab es diese kleinen Milchflaschen echt nur bei uns in NRW? Kann mich auch noch sehr gut daran erinnern... damals in der Grundschule :D

Sir Donnerbold hat gesagt…

Nicht nur, aber wie mir gesagt wurde, sind sie hier am weitesten verbreitet. Hier ist es ja fast Standard, das anzubieten (oder die Klasse zu zwingen, auch was zu bestellen... *g*)

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