Freitag, 17. Juli 2009

Irisches Kino warnt seine Besucher vor "Brüno"

Roar... Diese Krallen erfordern einen Waffenschein. Und eine Sicherheitswarnung.

Dass Brüno einige kritische Reaktionen provozieren wird, war mir nach meinem Kinobesuch klar. Ich erwartete sogar, dass der Film das Publikum stärker als Borat spalten wird. Allerdings schätzte ich Brüno aufgrund seiner kompromissloseren Machart als provokanter ein, nicht etwa, weil er ekelhaft sei.

Aber genau so bezeichnet ein irisches Kino Brüno. Die telefonische Kartenreservierung eines Kinos in der Stadt Navan warnt seine potentiellen Besucher, dass Brüno besonders "vile" (wiederwärtig, ekelhaft, wertlos) sei und beendet die Tirade über den Film sinngemäß mit "sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt". Und dabei ist der Film in Irland ab 16.



[gefunden via Cinematical]

So langsam beschleicht mich der Verdacht, dass Sacha Baron Cohen mit Brüno wesentlich mehr schlecht versteckte Homophobie aufdeckt, als er zuvor gedacht hat. Denn mit anderen Argumenten als Homophobie kann ich mir die angewiderten Reaktionen auf Brüno nicht erklären. Die Leute werden sich kaum so stark über die im Film gezeigten verantwortungslosen Eltern beschweren, oder von der betrunken Meute in Brünos letzter großen Aktion während des Films so angeekelt sein, diese harschen Reaktionen konzentrieren sich ganz klar (zum Großteil) auf das, was Brüno hinter verschlossenen Türen treibt.
Dabei machen die Darsteller in diesen simulierten Szenen nicht viel anderes, wie in der mittlerweile legendären Hotel-Nacktwrestlingszene in Borat. Sogar die Zensurbalken sind zurück.
Das kann man witzig oder unnötig übertrieben, unpointiert und krass finden - aber eklig? Warum soll das so viel ekliger sein, als die vergleichbare Borat-Szene? Etwa weil die Filmcharaktere dieses Mal genießen, was sie tun? Wow, in einen dunklen Kerker mit ihnen...

(Und bringt mir nicht Brünos TV-Piloten in die Diskussion ein - der ist nicht eklig, sondern vollkommen abstrus. Was man entweder so wie die Testzuschauer bewerten kann oder als krude Mediensatire feiern darf. Ist mir beides Recht. Aber abstoßend und überzogen eklig? Oder gar gefährlich für den Zuschauer? Es wird doch nichts böses getan... Niemand nimmt schaden. Und vor allem: Mensch, der Film ist ab 16 Jahren, in dem Alter werden die meisten der Zuschauer die gezeigten Dinge schonmal gesehen haben... Und wenn man wundersam talentierte Menschen kennt, dann hat man sie auch schon gehört... *g*)

Es ist schon seltsam, dass Borat, ein frauenverachtender, sich über Behinderte lustig machender, antisemiter Macho mit schlechten Manieren, bei den Kritikern und beim Publikum so viel mehr Sympathiepunkte sammelte als Brüno, ein jugendlich-naiver, oberflächlicher und selbstverliebter Modejournalist mit Starallüren, der halt zufällig zudem noch schwul ist. Beide Charaktere sind im Grunde als Helden konzipiert worden, die wir eigentlich gar nicht so wirklich mögen sollen (Borat wegen seinen Einstellungen gegenüber jedem, der nicht so ist wie er, Bruno wegen seiner Oberflächlichkeit und Egomanie), aber am Ende dennoch mögen. Und bei vielen Zuschauern klappte es auch.
Diejenigen, die Borat nicht mochten, waren großteils von den angeblich propagandierten Meinungen entnervt ("Hey, die Hauptfigur will Frauen unterdrücken, also ist der Film anti-emanzipatorisch!") oder fanden ihn einfach nur nicht lustig. Klar, man sprach auch von derbem Humor und provokanten Zügen - aber im Vergleich zu den Reaktionen auf Brüno war das alles harmlos.
Ja, beide Filme haben eklige Züge an sich (vor allem die Ästhetik mancher sich nackig machender Personen *g*), aber nicht in einem höheren Maße als American Pie und Co. - und bei Baron Cohen steckt hinter den derben Elementen wenigstens ein kritischer Gedanke.


Die Warnung auf der Bestellhotline ist ja noch vergleichsweise harmlos - man muss im Internet nur genug Kommentare zu Kritiken oder Forenbeiträge lesen, und schon kriegt man eine Krise.

Eigentlich wäre das Grund genug für einen zweiten Brüno - Aufklärungsbedarf besteht ja offensichtlich.

So, das war das erzürnte Wort zum Samstag. ;-)

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