Sonntag, 2. August 2009

Meine Top 10 der peinlichen (?) Film-Leidenschaften

Jeder kennt sie, jeder hat sie: Filme, die man mag, auch wenn man nicht sollte. Filme, die man hinter verschlossener Tür genießt, aber niemals in einer Diskussion mit neuen Bekannten erwähnen würde.
Für manche sind solche peinlichen Film-Leidenschaften richtige Hypephasen, die man früher als Kind durchgemacht hat, nur um später zu realisieren, wie mies die verehrten Filme sind. Für andere sind es schwarze Schafe in der Liste seiner Lieblingsfilme, die dem eigenen Ruf schaden könnten. Wenn ein knallharter Filmkritiker, der mehr Intellekt im Kino fordert auf Platz 3 seiner Lieblingsfilme Eis am Stiel 4 angeben würde, wäre sein Ansehen bei vielen beschädigt (während ich ihn wohl aufgrund seiner Ehrlichkeit ab diesem Moment mehr beachten würde).
Und wieder andere stehen zu ihren Lieblingsfilmen, komme was da wolle.

So ist es zum Beispiel bei mir. Aber wenn ich auf der Leiter einige Sprossen runterklettere und die Region von Filmen erreiche, die mich prima unterhalten und die ich wirklich gerne sehe, da liegen schon ein paar Leichen herum, die im Gespräch mit anderen Filmfanatikern oder auch filmunerfahrenen neuen Bekannten nicht unbedingt ans Tageslicht gezerrt werden müssen.

Doch für meine Leserinnen und Leser ziehe ich blank. Hier sind, inspiriert von Ryan Gilbeys und Jessica Barnes persönlichen Scham-Hitlisten, zehn Filme, die mir zu meiner eigenen Schande gefallen. Oder aber es auch wirklich verdient haben gemocht zu werden und die ihnen gebührende Mundpropaganda aufgrund falschen Stolzes nicht erhalten.

Police Academy 6 - Widerstand zwecklos
Schamkategorie: Verleugnet und verdrängt

Wenn es einem Filmfan überhaupt gestattet wird einen Teil der Police Academy-Reihe zu mögen, dann darf es höchstens der erste Teil sein. Alle anderen Polizistenblödelkomödien dieses Franchises müssen gemäß dem ungeschriebenen Kodex der erfahrenen Filmfreunde verachtet und als Droge für die dumme Masse abgetan werden. Mein Lieblingsfilm der Police Academy-Reihe ist allerdings der sechste. So richtig erinnern kann ich mich an den Grund meiner Präferenz für diesen Teil jedoch nicht. Vielleicht war es die cartoonartige Natur der Bösewichte (vor allem der lange Zeit nur als Schatten agierende Mastermind könnte direkt aus Inspector Gadget und Co. entsprungen sein), womöglich lag es an den verrückten Verfolgungsjagden oder an dem Stand Up des Stimmbandwunders Michael Winslow, vielleicht lag es aber auch nur daran, dass ich Teil 6 als erstes gesehen habe.
So oder so, ich fand Police Academy 6 lange Zeit richtig gut - bis die Verdrängung einsetzte und ich von diesen Filmen nichts mehr hören wollte. Und dass ich alle sieben Teile auf Video besitze, verdränge ich gerne Mal.

Der Guru
Schamkategorie: Mir glaubt doch eh niemand, dass der Film gut ist, also versuch ich's gar nicht erst

Der Guru von Mighty Ducks-, Die drei Musketiere- und 101 Dalmatiner-Regisseur Stephen Herek aus dem Jahr 1998 gehört für mich zu Eddie Murphys letzten guten Filmen und wird von mir in hübscher Regelmäßigkeit angesehen. Eddie Murphy spielt darin einen aus dem Nirgendwo aufgetauchten Guru, der das Leben des verzweifelten Shoppingkanal-Produzenten Ricky auf den Kopf stellt und schließlich von ihm dazu "missbraucht" wird die stetig sinkenden Verkaufszahlen des Senders anzukurbeln. Der Film brilliert mit einem charismatischen Eddie Murphy und einem zynisch-liebenswürdigen Jeff Goldblum, der in der deutschen Synchronfassung von Arne Elsholtz profitiert, der in diesem Film besonders gut aufspielt. Der Guru vermischt Konsumkritik mit TV-Parodie und einer guten Dosis leicht verdaulichem, gelungenem und ideal abgestimmtem Blödelhumor. Um das Gesamtpaket abzurunden liefert der zu Unrecht so gern übersehene Komponist Alan Silvestri (Lilo & Stitch, Cast Away) einen formidablen Score ab.
Aaaaaaber das will mir einfach niemand glauben. Ich habe es immer wieder versucht und erntete stets nur ungläubige bis schockierte Blicke. Niemand mag mir glauben, dass dieser Film wirklich gut ist und einige klüge Züge erkennen lässt. Es ist sicherlich nicht die intelligenteste und bissigste Gesellschaftssatire der letzten Jahre, trotzdem ist Der Guru wirklich sehenswert, gewitzt und unterhaltsam. Nur mag es mir niemand abkaufen. Und deshalb habe ich es längst aufgegeben für diesen Film zu kämpfen. Stattdessen verschweige ich meine Leidenschaft für diesen Film ganz verschähmt.

Der Hausfreund
Schamkategorie: Ich verstehe selbst nicht, was ich daran finde

Der Hausfreund ist eine seichte und alberne Komödie über einen Taugenichts (gespielt von Sinbad), der von einem Familienvater durch eine strunzdämliche Verwechslung für einen jahrelangen Freund gehalten wird. Und so wird er zu einem ausgedehnten Besuch eingeladen (wo er selbstverständlich sämtliche Probleme der Familie erst verschlimmert und dann löst). Das kommt dem Taugenichts gerade Recht, schließlich wird er von einigen Kleingangstern gesucht, denen er Geld schuldet. Und wer würde diesen Kerl schon bei einer gut behüteten weißen Familie aus dem Vorort vermuten?
Der Film ist dumm, vorhersagbar, flach und nicht wirklich von vorne bis hinten durchdacht. Die klischeehaften Charaktere sind schwach gezeichnet und das Product Placement für McDonalds ist mehr als nur dreist. Trotz all dem übt Der Hausfreund eineseltsame Faszination auf mich aus, so dass ich ihn mir mittlerwile bestimmt mindestens fünf Mal angesehen habe, ohne es zu bereuen. Nach diesem Film fühl ich mich einfach gut.

Mr. Präsident junior
Schamkategorie: Ich weiß, was mir daran gefällt, aber eigentlich sollte das von mir niemals so stark gewichtet werden

Mr. Präsident junior ist eine weitere Komödie mit diesem auf oimnösen Weg zu (kurzfristigem) Ruhm gelangten Sinbad. Im Gegensatz zu Der Hausfreund ist dieser Film auch gar nicht Mal so peinlich geraten. Es ist eine typische Familienkomödie über einen lockeren, vorlauten Typen in einem strengen Job, der ein nerviges Drecksblag in einen sympatischen, straßenschlauen Jugendlichen verwandelt. An und für sich befindet man ihn für ganz nett und legt ihn dann ad acta. Ich allerdings lass mich von seinem unbeholfenen Charme, Sinbads Sprüchen und der urplötzlichen Stimmungswende gen Schluss völlig um den Finger wickeln, weshalb ich ihn nicht nur ganz nett finde, sondern richtig ins Herz geschlossen habe. Selbst wenn ich weiß, dass der Film es nicht unbedingt verdient hat.

Space Jam
Schamkategorie: Ich habe dazugelernt

Zu meiner Verteidigung: Als ich Space Jam gut fand war ich jung, dumm, unerfahren und ließ mich leicht blenden. Cartooncharaktere interagieren mit Menschen? Ein solcher Film muss doch automatisch gut sein! Das lehrte mich doch schon die ehrfurchtgebietende Genialität von Drei Caballeros (den ich hier im Blog nicht oft genug lobend erwähnen kann). Außerdem ist Space Jam eine Sportkomödie! Kurioserweise konnte ich nämlich noch nie etwas mit Sport anfangen, während ich schon immer eine große Schwäche für Sportkomödien hatte (und ihr seid Schuld, Mighty Ducks!). Die Lonney Tunes mal in voller Spielfilmlänge zu sehen war auch ganz nett, und zum Schluss war da noch der hippe Soundtrack (und seien wir Mal ehrlich, I belive I can fly ist schon ganz cool, egal wie sehr der Song in den 90ern überreizt wurde).
Mittlerweile kann ich allerdings darüber hinwegsehen und erkenne die Katatsrophe in Space Jam. Und das nicht erst aufgrund der treffenden Filmbesprechung des Nostalgia Critics. Nein, es war ganz allein der Alterungsprozess, der Space Jam für mich enttarnte. Zwar ist die Kombination realer und gezeichneter Elemente durchaus gelungen, doch die Lonney Tunes-Charaktere sind nur noch ein Schatten ihrer selbst, welcher wiederum von langweiligen Szenen mit Michael Jordan überschattet wird. Dass Jordan ein denkbar schlechter Schauspieler ist, dürfte indes niemanden mehr verwundern (selbst wenn die deutsche Synchro sein hölzernes Spiel ein wenig übertünchen kann).

Mr. Magoo
Schamkategorie: Ich habe dazugelernt - ein wenig grinsen muss ich dennoch

Mr. Magoo stellt für mich sozusagen das fehlende Glied zwischen Der Hausfreund, Mr. Präsident junior und Space Jam dar. Ich fand ihn früher gut, obwohl ich es nicht sollte, bin gereift und sehe seine Fehler. Spaß habe ich trotzdem. Allerdings weiß ich auch weshalb - und habe keine übermäßige Leidenschaft für den Film mehr.
Disneys Spielfilmadaption der klassischen Zeichentrickreihe über den Blindfisch Magoo ist eine konsequente Auslebung ein und des selben Gags. Magoo sieht so viel wie ein Maulwurf und bringt sich andauernd in Gefahr, doch weil das Glück mit den Doofen ist, kommt er heil davon. Die hohle Slapstickkomödie mit Leslie Nielsen in der Hauptrolle spielt ihre charmante Dummheit allerdings so konsequent aus, dass man irgendwann aufhört sich zu wehren und den kindischen Witz einfach hinnimmt. Muss (eigentlich) trotzdem niemand wissen, dass man den Film mag.

Die Scary Movie-Reihe (mit Ausnahme von Teil 2)
Schamkategorie: (Filmtechnisch) anspruchsvolleren Gesprächspartnern gegenüber striktens zu veschweigen

Gegenüber den meisten Leuten muss man gar nicht abstreiten, dass man die Scary Movie-Filme mag. Sie sind zwar nicht die hellsten, aber sie liefern schnellen und schamlosen Spaß. Vor allem gegenüber Gleichaltrigen kann man sich sogar ziemlich ausgelassen über Scary Movie unterhalten, schließlich ist diese Reihe für eine gewisse Generation von Kinogängern fast schon ein gemeinsames, nostalgisches Erlebnis. Sie erinnert uns an unsere Teenagerzeit.
Spricht man allerdings mit einem feingeistigeren Filmconnaisseur geht man ein außerordentlich hohes Riskio ein, sollte man Scary Movie als Gesprächsthema an den Tisch bringen. Schnell kann man bei ihm sämtliches Ansehen verlieren, schließlich vereint die Scary Movie-Reihe alles, was der Erfahrene Filmfreund (angeblich) zu verachten hat. Sie ist kommerziell erfolgreich, laut, derbe, politisch inkorrekt, pfeift auf eine sinnvolle, durchgehende Geschichte, sie profitiert vom Erfolg anderer Filme, sie steht für billige Sexwitzchen und "Kopf-wogegen-stoß"-Slapstick und sie verdankt ihre Existenz diesen abscheulich-dämlichen Teenie-Horrorstreifen.

Ich schau sie mir trotzdem hin und wieder gerne an (bis auf Teil 2).

High Scool Musical 3: Senior Year
Schamkategorie: "Wenn wir uns lange genug kennen, wirst du es eh erfahren..."

"Moment, halt, stopp, wie bitte was?! Sir Donnerbold, der uns Ende letzten Jahres mit Beiträgen über den dritten Teil von Disneys Teeniemusicalreihe fast in den Wahnsinn trieb listet diesen Film jetzt unter seinen peinlichen Film-Leidenschaften? Ist er etwa endlich zur Vernunft gekommen?", mag jetzt so mancher Leser (und vielleicht auch die eine oder andere Leserin) denken. Um eure Verwunderung einzudämmen erkläre ich euch ohne weitere Umschweife diese Entscheidung: Ich verheimliche meine Leidenschaft für den Kinoausflug der High School Musical-Reihe nicht - aber ich muss sie nicht jedem unter die Nase reiben. Wer mich kennt wird schon irgendwie davon Wind bekommen haben, dass ich mir diesen Film zwei Mal im Kino angesehen habe, die DVD und die Deluxe-Version des Soundtracks besitze. Entweder weil ich davon erzählt habe, oder weil man dabei war, oder weil ich Monate lang selber darüber herzog. Oder weil ich mich in gewohnt cholerisch-witziger Weise über manche Dinge im Film gewundert habe (z.B.: "The Boys Are Back mischt einen rockigen Bass mit hipper Elektromusik und Boygroup-Gesang... und das Lied gefällt mir?!"). Oder, oder, oder... Wenn man mich lange und oft genug reden lässt kommt dieser Film mit einer ebenso großen Wahrscheinlichkeit zu seiner Aufmerksamkeit wie jeder andere Film der mir besonders gefällt.
Aber es kommt von alleine. Es ist nicht gerade die Art von Film, die man in einem Kennenlerngespräch hervorzerrt um irgendwie Punkte zu machen. Auf Festivals wie Rock Harz rezitiert man eher Tenacious D als High School Musical und die alternativen Medienstudenten muss man auch nicht unbedingt mit dem Film belästigen. Es sei denn sie kennen mich eh schon - da hat man sich über (fast) nichts mehr zu wundern.
Natürlich gibt es aber auch Leute, bei denen man den Film sehr wohl früh ans Tageslicht zerren kann. High School Musical ist bei Mädels jenseits der Pubertät noch immer erstaunlich beliebt - und da kann man als Appletini trinkender HSM-Kinogänger schnell um allerhand Sympathiepunkte nach oben schnellen. Nur so als Tipp, liebe Blogleser...

Naaaa, jetzt Mal im Ernst: Es ist kein Geheimnis, dass ich von High School Musical 3: Senior Year außerordentlich positiv überrascht war und ich glaube, dass ich es mehr als ausreichend häufig zur Sprache bringe. Trotzdem bin ich mir durchaus dessen bewusst, dass es nicht gerade eine Selbstverständlichkeit ist - und deshalb muss meine Meinung über diesen Film manchen Leuten schonender beigebracht werden als anderen.

The Kid - Image ist alles
Schamkategorie: "Verflucht seist du, Disney-Charme!"

The Kid vom Disney-Company-Dauerangestellten Jon Turteltaub (Cool Runnings, Während du schliefst, Phenomeneon, Instinkt, Das Vermächtnis der Tempelritter, Das Vermächtnis des geheimen Buches, The Sorcerer's Apprentice) ist ein Film aus der kurzen Phase, in der Bruce Willis sein Actionheldimage hinter sich lassen wollte und zeigt ihn als bissigen Imageberater, der eines Tages seinem inneren Kind begegnet und sich fortan mit ihm herumschlagen muss. The Kid ist sentimental, warmherzig und unschuldig-süß. Ein wahrer Charmbolzen von einem Film. Die volle Dröhung von liebenswürdigem Disney-Schmalz. Kein Film, den man Zynikern oder Disney gegenüber unverständlich agierenden präsentieren sollte. Oder seiner eigenen sarkastischen Seite.

Dieser verflixte Kater
Schamkategorie: Niemandem kann ich diesen Film schmackhaft machen, nichtmal eingefleischten Disneyfans! *buhuhuhuhu heul*

Ich liebe, liebe, liebe, liiiiiieeebe diesen Film! Christina Ricci ist hier einfach großartig als völlig verbiesterte, ihr zurückgebliebenes Winzkaff von Heimatdorf verabscheuende und gelangweilte Freizeitschnüfflerin und Familienkomödien-Dauergast Doug E. Doug gibt einen knuffigen Versager von der FBI, der bei der Untersuchung eines Entführungsfalls von einer unglaublich süßen Katze vorgeführt wird. Neben einer absolut absurden, brüllend komischen verfolgungsjagd als Finale fordert der Film die Lachmuskeln seiner Zuschauer mit den herrlich-bissigen, ihr Heimatdorf herabschätzenden Kommentaren von Riccis Figur und einer Hehrschar an abstrusen, comichaften Randfiguren (darunter John Ratzenberger als im hitzigen Konkurrenzkampf befindlicher Tankstellenbesitzer) heraus. Die verrückten Ideen kommen im Minutentakt, der Soundtrack fetzt und swingt und man hat mit diesem Film rund 90 Minuten unschuldigen, ausgelassenen Spaß.
Aber niemand, wirklich niemand sieht das so. Kindisch, dumm und witzlos soll er sein, Dieser verflixte Kater. Und sogar unter eingefleischten Disneyfans kann man nicht mit diesem Film ankommen, ohne schräg angeguckt werden. Denn unter denen wird natürlich das mit Hayley Mills besetzte Original von 1965 bevorzugt.
Na gut, bin ich mit meiner Nostalgie halt alleine...

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1 Kommentare:

LikeMike hat gesagt…

Nett... bei Police Academy darf man aber durchaus mehr als nur den ersten mögen. Ob es jetzt unbedingt der 6. sein muss ist da ne andere Frage ;-)

Bei mir wären da noch die Klassiker My Girl 1 & 2 und Die blaue Lagune bzw. Rückkehr zur blauen Lagune zu nennen... zum Glück genießt man hier die Anonymität des Internets...

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