Montag, 28. September 2009

Projekt Hörsturz - Die 5. Runde

Wieder einmal sind mehr als zwei Wochen ins Land gezogen. Wieder wurde eine neue Runde von Projekt Hörsturz eingeläutet. Wieder präsentieren sich fünf Songs, die es auf einer Punkteskala von 0 bis 5 zu bewerten gilt. Wieder einmal muss ich mir irgendeinen Clou aus den Haaren kämmen, der als Aufhänger für meine Rezensionen fungiert. Wieder einmal hat mein Vorschlag den Kampf gegen den Zufallsgenerator verloren. Wieder einmal beginne ich einen Satz mit "Wieder einmal"... Ähhhh... ich glaube, ich sollte mir langsam einen neuen Satzanfang ausdenken, sonst wird das hier noch langweilig...

Tja... Hmm...

Leider bin ich gerade furchtbar unkreativ und traue es mir nicht zu hier gewohnt originelle Texte zu schreiben.
Also habe ich ein wenig Detektiv gespielt und die Ex-Freunde und -Freundinnen der fünf Songs dieser Runde ausfindig gemacht und sie um ein kleines Statement gebeten. Denn wie wir alle wissen gibt es kein großeres Lob, als dass einen sogar der/die Ex noch mag. Und wenn das nicht der Fall ist, dann bekommen wir alle hier wenigstens herrlich fiese Verrisse zu lesen.

Na, wenn das mal keinen Spaß macht!

Ego von Bonaparte

"Ich habe Ego damals in einer Disco kennengelernt, am Alternative- und Trashpunk-Abend. Ego fiel mir durch seine selbstsichere Art sofort auf: Wenn er aus seiner Ecke rausging um sich an der Bar drei Gläser Bier für sich zu holen, ging er natürlich mit verbitterter Miene quer durch den Raum und hat dabei jeden weggedrückt, der ihm im Weg stand. Und wenn er auf dem Rückweg Bier verschüttete, waren natürlich die anderen Schuld. Deswegen habe ich ihn sofort angesprochen - ich liebe Songs die wissen was sie von sich halten sollen. Später fand ich dann raus, dass Ego nicht selbstbewusst, sondern selbstverliebt ist. Es ging immer nur nach ihm, und er hat kein Stück versucht sich für andere zu öffnen. Man versteht ihn und ist auf seiner Seite, oder man ist ein Arschloch. Andere Ansichten kennt er nicht. Und monoton ist er... Der kennt echt nur eine Gemütslage, einen eintönigen Underliner... Und im Bett natürlich nur eine Stellung. Dass er Höhepunkte nur antäuschen kann gab unserer Beziehung dann den Rest. Aber wenn man nicht viel mit Ego zu tun hat ist er für 'ne Aktion zwischendurch dank seinem Style gar nicht Mal so schlecht. Und er ist bei weitem nicht so aggressiv, wie es die meisten Egoisten sind. Ich denke, wenn er nicht dauernd unterschwellig wütend und so selbstverliebt wäre, dann wäre er Emo geworden..."

2 von 5 unauffällig gekleideten, egozentrischen Kerlen am Rand der Disco (die wenn sie ein Bier wollen jeden anrempeln, der im Weg steht)

Shameful Metaphors von Chevelle

"Shameful Metaphors ist so einer von der Sorte, die einem im Alltag nie besonders auffallen. Es gibt so viele seiner Sorte, und sie alle leben für sich selbst auf der Welt. Man läuft an ihnen vorbei und registriert sie nicht. Aber wenn sie sich einem erstmal aufzwängen, so wie er es damals bei mir tat, dann merkt man, dass sie etwas einmaliges, unbeschreibliches an sich haben, dass sie von anderen unterscheidet. Es hat wirklich lange gedauert, bis ich ihm eine Chance gab, aber ich konnte ihn nie von mir wegstoßen. Er hatte so einen... ich weiß nicht... Schimmer von lyrischer Sehnsucht in seinen Augen, dem ich mich nicht verwehren konnte. Und so kamen wir zusammen...
Allerdings hat es nicht wirklich lange gehalten. Ich suche bei meinen Freunden entweder jemanden, der mich so richtig umhaut, jemanden der WUMMS in der Hose hat, oder jemanden, der einfühlsam, einfallsreich, einvernehmend ist. Shameful Metaphors ist nichts von beidem - und obwohl ich am Anfang gedacht habe, dass es aus uns etwas werden kann (immerhin ist er ein nettes Kerlchen), fehlte mir in unserer Beziehung etwas. Er war ein toller Begleiter. Aber ich suche wem, mit dem ich mitgehen kann. Sei es in wilde, hemmungslose Orgien oder in triefende Gefühlswelten. Er... ist einfach da und fühlt sich okay an. Aber das ist mir nicht genug. Sorry."

3 von 5 unaufregenden, aber mit angenehmer Persönlichkeit ausgestatteten, schwarz gekleideten Lebensabschnittsbegleitern mit geduckter Haltung beim gehen (denen eine Strähne in die Stirn fällt)

Dark Side of The Sun von Modeselektor feat. Puppetmastaz

"Wow, boah... Ja... die Sache mit Dark Side of The Sun... Was soll ich sagen? Ich war auf irgend so 'ner Party von der Cousine meiner besten Freundin, und ich kannte kaum jemanden. Plötzlich waren alle weg die ich kannte, also dachte ich, dass ich mich dann halt voll ins Partygetümmel schmeiß. Ey, war halt die voll stylische Einweihungsfete im geil-prolligen Modetrend-Society-Dingens. Und naja, das Bier floss in Strömen, und ich hatte dieses enge Top an und alle Kerle fuhren voll auf mich ab... Und von allen avantgardistischen, Pornobrillen tragenden, Koks schniefenden Lackaffen mit praller Hose und weißem Sakko hat er mich am beschwingtesten angetanzt... Und dann dieses Ecastasy im letzten "V + CAP-Dimix"... Kann mich auch nicht an viel erinnern... Aber während unserer 5-Minuten-"Beziehung" knallte mir eine Blaulicht-Neonröhre ins Gesicht und er hat dabei Schampus aus 'ner Flasche getrunken...
Was soll ich halt sagen... Leute die denken Stil zu haben, indem sie völlig mit Prunk und stylischem Zeug übertreiben... Und meine Szene war's auch nicht... Aber... pffff... äh... darf ich jetzt gehen?"

0,5 von 5 Söhnen von Neureichen.

Beautiful Lies von B-Complex

"Beautiful Lies ist ein Klasseweib. Schön, modern, aufgeschlossen, sicheres Auftreten, ausdauernd, hippes aber dezentes Make-Up, das knappe weiße Shirt prall gefüllt, sie tanzt stilvoll, aber wild... Sie ist die Art von Frau, die jeder gern hätte.
So lange man sie vom fernen betrachtet. Ja, jeder träumt davon eine moderne, erfolgreiche Frau aus dem 21. Jahrhundert mit Stil und Pepp zu haben. Doch sie... sie... Mensch, kann die einem in den Ohren liegen. Dauernd nur tanzen, tanzen, tanzen... Gehste dir nur an der Theke 'nen Flieger holen, biste schon ein Langweiler. Dabei ist sie gar keines von diesen bitchigen Partygirls... Sie hat Klasse. Nur nutzt sie die nicht aus. Jedenfalls nicht voll. Manchmal zeigt sich, was für ein breites Spektrum sie abdeckt. Man merkt ihr an, wenn sie mit einem tanzt oder spricht, dass sie ziemlich abwechslungsreich sein kann. Nur ist diese Seite von ihr eingekerkert. Die Beziehung mit ihr war deshalb sehr unerfüllend. Man hat da dieses Klasseweib an seiner Seite und man sieht, welches Potential man hat um seinen Tag mit ihr zu füllen. Doch immer wenn man denkt, man könnte mir ihr jetzt zum Beispiel fein essen gehen oder ins Kino, dann schlägt sie doch wieder die alten Töne an. Wenn sie nur etwas spontaner und abwechslungsreicher, flexibler sein könnte..."

1,5 von 5 perfekten Seifenblasen, die am Alltag zerplatzen

Garab von Rachid Tara

"Garab ist außergewöhnlich. Einmalig. Ein spaßiger Kerl, der in jedem Raum den er betritt Lebensfreude verbreitet. Aber nicht auf diese penetrante Grinsebacken-Art, sondern mit einem ganz eigenen, weltmännischen Schliff. Sein einzigartiges Auftreten stößt bei Fremden zwar immer auf Unverständnis, doch wenn wir mit Freunden oder Verwandten unterwegs waren, war die Welt immer in Ordnung. Das Problem mit Garab ist nur, dass er sich zu sehr auf seine mystische Aura verlässt. Er will alle unterhalten, aber zugleich auf jeden Fall geheimnisvoll sein. Daran ist dann auch unsere Beziehung zerbrochen. An Geheimniskrämerei gehe ich einfach zu Grunde, und das wusste er auch. Trotzdem teilte er nie etwas mit mir.
Ich sehe es allerdings positiv: Mit meinem neuen Freund kann ich mich überall sehen lassen. Mit Garab wurde ich hie und da doch etwas schräg angeglotzt..."

3,5 von 5 mit Gewöhnungszeit immer spaßiger werdenden Gesellschaftsaußenseitern, die einem leider nicht dabei helfen mit ihnen etwas beständiges, vertrautes aufzubauen.

Das war's also für dieses Mal von Projekt Hörsturz. In rund zwei Wochen geht es mit Sicherheit weiter, und dann ganz ohne irgendwelche Ex-Freunde oder -Freundinnen, die unsere fünf ausgewählten Songs kritisieren.

4 Kommentare:

Sunshine hat gesagt…

Immer diese unkreativen Menschen, die dennoch meinen, sich mitteilen zu müssen... ;)

Eine witzige Idee, mal die Verflossenen zu Wort kommen zu lassen. Dark Side of the Sun hört sich ja wirklich übel an... ey Alder, voll krass, ey boah ey!

... Ich glaube, meine IQ ist gerade gesunken.

beetFreeQ hat gesagt…

Hehe, du kriegst es immer wieder hin, ein neues witziges Konzept auszupacken, um die Songs zu rezensieren! Die Ex-Freund-Sache kommt hier ja auch sogar perfekt hin, weil dich ja kein Song wirklich zu Begeisterungsstürmen bewegen konnte ;)

kamil hat gesagt…

Vielen Dank für die ersten 0,5 Punkte für den von mir vorgeschlagenen Song. Es geht aufwärts.

PLUS eine sehr gelungene Art zu rezensieren.

juliaL49 hat gesagt…

Ah, es ist immer wieder ein Genuss, deine Rezensionen zu lesen und auch dieses Mal bin ich begeistert!

Und ich habe jetzt ein ziemlich genaues Bild von den Songs ;)

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