Mittwoch, 23. September 2009

"Schuster, bleib bei deinen Leisten" - Rückantwort an Ursula von der Leyen(s Praktikanten)

Drückt sich um klare Antworten: CDU-Familienministerin von der Leyen

Wie ihr euch möglicherweise erinnert, forderte ich auf dem Portal DirektZu Familienministerin von der Leyen dazu auf, ihre Medienpolitik von ihren vorurteilsbehafteten, hetzerischen Einstellungen zu befreien und sich Mal Rat bei Leuten zu Suchen, die im Gegensatz zu ihr wirklich Ahnung von der Materie haben.

Vor ein paar Wochen bekam ich darauf eine Antwort. Erneut täuscht die Antwort vor, von Ursula persönlich geschrieben worden zu sein, obwohl sie in Wahrheit von irgendwelchen Angestellten in ihrem Namen verfasst wurde. Soviel zu den Themen Volksverdummung und Ehrlichkeit gegenüber dem Bürger.

Es wird sicherlich auch niemanden wundern, dass die Antwort genauso sehr an meinem Anliegen vorbeiredet, wie damals die Antwort des Familienministeriums auf meinen Offenen Brief.
Dennoch kann ich mir eine Rückantwort nicht verkneifen.

Bitte schön:

"Ich kann Sie zumindest in einem Punkt beruhigen: Internet und Computer sind ohne Zweifel großartige Erfindungen, die nicht nur die Erwachsenenwelt bereichern. Es gibt hervorragende Web-Angebote und PC-Spiele, wie es auch gute TV-Programme gibt. Was Chancen und Risiken angeht, ist es unsinnig, eine künstliche Grenze zwischen den „alten’“ und den „neuen Medien“ zu ziehen. Es bringt auch nichts die „virtuelle Welt“ zu verteufeln oder zu verherrlichen. Internet und Computer gehören heute ganz selbstverständlich zum Alltag und Lebensgefühl von Kindern und Jugendlichen."

Bla, bla, blabla... Einschleim, einschleim... Und wenn Sie, Sir Donnerbold, ein Baby haben sollten, werd ich es noch küssen... krieg ich Ihre Stimme?

"Dass sie die Technik virtuos bedienen können bedeutet aber nicht, dass Kinder und Jugendliche auch automatisch in der Lage sind, alle Gefahren richtig einzuschätzen."

Habe ich je irgendwas anderes behauptet? Nein, ganz im Gegenteil!

"Für den Jugendschutz in den neuen Medien gibt es kein Patentrezept, sondern viele wichtige Bausteine. Einer ist, Eltern zu unterstützen, sich sicher in dieser komplizierten Welt zu bewegen. Denn die Eltern sind und bleiben die wichtigsten Vorbilder ihrer Kinder sowohl was die Dauer als auch was die Art der Computernutzung angeht. Wenn die Eltern tagein tagaus über Stunden vor dem Bildschirm sitzen, werden sie auch ihre Kinder schwer überzeugen können, dass auch der Bolzplatz oder das Schwimmbad attraktive Optionen für den Nachmittag sind. Ich würde mir deswegen wünschen, dass auch in den Schulen noch mehr über die Bedeutung von PC, Internet und Fernsehen gesprochen wird. Hier gibt es zwar bereits viele gute Ansätze, aber wir können noch besser werden."

Genau das forderte ich in meinem Anliegen (und im Anliegen davor) doch ausdrücklich! Ich forderte, dass Medienkompetenz in irgendeiner Form in der Schule unterrichtet wird. Medien- oder wenigstens Lesekompetenz würde auch den Parktikanten von Frau von der Leyen nicht schaden, denn dann wäre ihnen das auch bewusst! Hier werden mehrere Absätze dafür verschwendet, mir meinen Brief zu wiederholen, es aber so zu formulieren, als wäre ich auf der Gegenposition!

"Jugendmedienschutz gehört zum ureigensten Fachgebiet meines Ministeriums. Deswegen nehme ich auch gerne für meine Initiativen in Anspruch „pro domo“ zu arbeiten. Seit es eine deutliche Kennzeichnung der Altersangaben auf Computerspielen gibt, kann sich niemand mehr herausreden, er habe nicht gewusst, ob ein gekennzeichnetes Spiel z.B. an einen 12-Jährigen verkauft werden kann. Für alle Eltern, die ihre Kinder schützen wollen ist das ein wichtiger Fortschritt."
Wie oft muss das denn noch wiederholt werden: Das war bereits vorher der Fall! Die FSK, die einzige Institution der ich in Deutschland wenigstens einen Funken Ahnung bezüglich dieses Thema zutraue, hat in einer Studie herausgefunden, dass die alten Logos ihren Dienst ohne Probleme verrichteten. Ignorante Eltern, denen es egal ist, was ihre Kinder so treiben werden selbst bei 100% größeren Alterskennzeichnungen ignorant bleiben. Alle anderen Eltern hatten bereits genügend Informationen! Diese Antwort beweist mir nur eins: Dem Ministerium ist es vollkommen egal, was der Bürger sagt. Man hört, dass jemand was sagt, aber der Inhalt wird ausgeblendet. Ein schönes Vorbild für die Kinder sind Sie, Frau von der Leyen!

"Und um den Ball mal zurückzuspielen: Wenn Sie über seriöse Erkenntnisse der Medienwissenschaft verfügen, dass kleine Alterskennzeichen auf der Rückseite von Spieleverpackungen Kinder und Jugendliche besser schützen als große auf der Vorderseite, dann werden die Fachleute des Bundesfamilienministeriums diese Hinweise gerne prüfen."
Erstens: Die hatte ich dem Ministerium bereits in einer E-Mail geschildert, und ich bekam eine abweisende Antwort. Muss ich erst meinen Abschluss in einem Fach außerhalb der Medienwissenschaft gemacht haben, damit man mich bezüglich Jugendmedienschutz ernst nimmt, genau wie Frau von der Leyen? Zweitens: Wem möchte man bezüglich des Jugendschutzes mehr trauen als der FSK? Sie handelt doch bereits eher zu streng als zu nachsichtig, was fordern die Knallchargen im Ministerium denn noch? Und drittens: Wurde vor der Einführung der neuen FSK-Kennzeichen eine ausführliche Studie abgehalten, die ihre Maße als optimal beweist? Nein, die Vorgaben wurden frei aus der Luft gegriffen und sind in ihrem Umfang vollkommen weltfremd. Wieso sind die Kennzeichen nicht 10& größer oder kleiner? Niemand weiß das, weil die jetzigen Maße frei erfunden wurden! Weshalb muss sich jemand, der eine andere Position als Frau von der Leyen vertritt, übermäßig rechtfertigen, während Frau von der Leyen keinerlei Rechtfertigung benötigt?

"Mit freundlichen Grüßen,
Ursula von der Leyen"

Halt, moment Mal, bitte schön! Das war's? Drei Absätze lang um den heißen Brei herumreden, mir mit meiner eigenen Position kontern und somit suggerieren, dass ich absurde Vorstellungen von der Medienkompetenz der heutigen Jugend habe und dann einen Unterpunkt meines Anliegens mit leeren Versprechungen beantworten, und das war's? Wo bleiben bitte schön die Reaktionen auf die anderen Punkte meines Schreibens? Wurde es überhaupt von jemandem komplett durchgelesen? Ich möchte schon gern wissen, was von der Leyen vom Stimulus-Response-Modell halten, dessen veraltete Lehre sie weiterhin in den Medien verbreitet. Und meine Bitte um mehr professionellen Rat in der Politik wird komplett fallen gelassen? Nicht einmal ein "Wir haben uns im Vorfeld unserer Entscheidungen beraten lassen"? Wie darf ich das verstehen? Keine Antwort ist auch eine Antwort, nämlich "wir drehen unser Ding und hoffen niemand bemerkt es, und Kritiken werden geflissentlich überhört"!

Das dreisteste daran ist, dass man dieser Antwort von Frau von der Leyen(s Ghostwriter-Team) wirklich anmerkt, dass man davon ausgeht, dass wir "dummes Volk" diese hohlen Phrasen schlucken. Wir werden nicht nur für dumm verkauft, sondern auch für vollkommen verblödet gehalten.

Und kaum jemand wird diesen Leuten die verdiente Quittung ausstellen... Traurig.

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3 Kommentare:

Onkelosi hat gesagt…

tja, mit so blöden antworten bist du nicht allein. Ich und viele weitere verärgerte Menschen haben ähnliche Aussagen erhalten. Typisch Politiker, aber dein Abschluß wird auch nicht viel helfen, Professoren haben auch solche Briefe erhalten, das kannst du knicken. Meine Professorin meinte dazu, die Inititative ist gut, aber sie hat Angst das es in den Ämtern verpfufft und das ist auch so. Ob nun Hilfsarbeiter, Auszubildner in einem Betrieb, Arbeiter, Bachelor, Doktor, Professor und ähnliche Titel, die Politiker und Behörden nehmen ihr Volk nicht für voll. So ist das leider nunmal.

Sunshine hat gesagt…

Faszinierend, wie wer-auch-immer konsequent an deinen Punkten vorbeiredet/sie so hindreht, als wärst du gegen Jugendschutz bzw. Steigerung der Medienkompetenz bei Kindern/Jugendlichen!
Ich hatte da mal eine Lehrerin, die hätte sich nach so einem grandiosen Beispiel nicht funktionierender Kommunikation (von Seiten der angeblichen von der Leyen) die Finger geleckt...

Da sieht man mal wieder, wie absolut volksfremd Politiker sind. Scheiß auf den kleinen Mann, der schluckt eh alles, was wir ihm erzählen, solange wir's nett verpacken!

Warum, frag ich mich, macht man die FSK-Angabe nicht einfach über die komplette Front der DVD? Den Titel des Films kann man auch wunderbar oben an den Rand schreiben, und so kann dann auch niemand mehr sagen, er hätte die Altersfreigabe nicht gesehen... (es soll nämlich Unternehmen geben, die Preisschilder genau über das FSK-Feld kleben, aber pscht!)

Und auf CDs und Games hat sich das ja auch ausgebreitet. Ist es nicht gut zu wissen, dass das neue Muse-Album FSK 0 hat? Da fühlt man sich doch gleich viel besser, wenn man das dem Neffen von 6 Jahren zum Geburtstag kauft...

Ich bin den Firmen, die DVDs mit Wendecover ausstatten, unglaublich dankbar. Das ist zumindest sehr kundenfreundlich. Da zahl ich dann auch gern 1,- € mehr.

Naja, ich weiß zumindest, welche Partei ich nicht wähle. Wer als Politiker nicht mal des Lesens mächtig ist - oder Angestellte Briefe schreiben lässt, die offensichtlich in leseverständnis eine 6 haben, ist meiner Stimme nicht würdig.

Vielen Dank für deine bissige Kommentierung dieser lächerlichen Antwort.

Green Ninja hat gesagt…

Jup, so läuft das halt. Auch in meiner letzten Antwort hat sie sich konsequent um eine Antwort gedrückt.

http://greenninja87.blogspot.com/2009/08/so-langsam-reichts.html

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