Freitag, 16. Oktober 2009

Projekt Hörsturz - Die 6. Runde


Arrrrrrrrrrrrrrrrrre you ready to Rock?!
Wir melden uns heute LIVE vom sechsten Projekt Hörsturz-Festival, hier in Sir Donnerbolds musikalischem Hirnzentrum, und die Stimmung ist bereits jetzt zum kochen! Wohin das Auge blickt sieht man lange Haare, dicke Männer mit Bärten, schwarze T-Shirts, Nietenbänder und zwischen all den jüngeren, wilderen Rockern verstecken sich auch ein paar gediegenere Rocker der alten Schule! Lederschuhe, Krawatte und zurechtgelegte Schweißbänder! Ja, hier treffen sich Rocker und Metaller aller Spielrichtungen um gemeinsam die Vielfältigkeit der geilsten Musik dieser Welt zu zelebrieren!

Seit sich herumsprach, dass dieses Mal das beliebte Projekt Hörsturz-Festival verstärkt auf die Macht der E-Gitarre konzentriert stürmen die Menschen das Gelände, sie kommen Sir Donnerbold sogar fast schon wieder aus den Ohren raus! Und was seh ich da, sogar ein paar Glam-Rocker haben sich in quietschigen, mit Pailletten bestückten Gummianzügen herbeigedrängt. Na, ob das heutige Lineup ihnen etwas zu bieten hat? Ich weiß es nicht - ich bin nicht der Zufallsgenerator, der alle zwei Wochen fünf vorgeschlagene Songs ausspuckt. Ich bin nur der glückliche Reporter, der auf Pantoffeltierchen-Größe geschrumpft und zu diesem Megaevent in Donnerbolds Gehörgang und Musikgenusszentrum geschickt wurde!

Und wie ich so eben höre, geht es jetzt bereits los, und zwar mit dem ersten Song! Yeeeaaah! Let's rock!

Fit To Be Tied von Jet Leg Gemini

Und los geht's! Die E-Gitarre schrammelt hoch verzerrt, die Leute hier jubeln, das Schlagzeug treibt. Eine fetzige, gut gelaunte Nummer bringt die Massen hier in Bewegung. Und wie ich sehe hat die Festivalleitung nicht geknausert und sorgt mit zeitgemäßer, leicht futuristischer Beleuchtung für den richtigen visuellen Rahmen! Ein gelungener Instrumentalpart, die Masse lässt die Haare wehen! Ein gelungener Start in dieses Festival! Ein bisschen musste ich an die F-Zero-Rennspielreihe denken... Etwas weniger Verzerrer in der Stimme wäre auch nett, aber wir wollen ja nicht rummäkeln...

4 von 5 eiligen Vorbands

Captain Morgan's Revenge von Alestorm

Mit Karacho und viel Getöse kommt ein Piratenschiff auf die Bühne gedonnert und nach viel schwerwiegendem Pathos erklingen die ersten etwas leichtherzigeren Folk-Metal-Takte. Das kann nur Alestorm sein! Und da betritt auch schon der Sänger die Bühne. Das Publikum rastet aus und schüttet sich in hohem Bogen Rum in die Kehle. Der Sänger macht das mit Sicherheit auch sehr oft, so wie er klingt. Rauchen, mit Rum gurgeln und zum Frühstück werden Schwarzpulverfässer leegelöffelt... Die obskure Mischung aus spaßiger Saufmelodie und filmisch-dramatischem Pathos kommt hier bei den Leuten großartig an, mit glücklichen Augen und mitleidenden Mienen schunkeln sie, schmeißen die Köpfe im Rhytmus umher und grinsen nostalgisch an ihre Kindheit denkend, wenn das Super-Nintendo-Keyboard zum Einsatz kommt. Und wow, die Showeffekte erst, die den zerrissenen Aufschrei des Sängers zu Beginn des letzten Viertels begleiten... Rauch, Nebel, Gewitter... Das hier ist wie ein Piratenepos-Kinomarathon für den Kopf!

5 von 5 Arrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr!

Va Fangfool! von Nephew

Man merkt, dass ein Zufalsgenerator das Lineup bestimmt, denn der krasse Umbruch zurück in die Gegenwart sorgt gerade für einige verwirrte Blicke. Okay, doch kein Sprung in die Gegenwart, die Deko und der Aufbau des Songs enthüllen langsam eine Orientierung in die 80er... Naja, wenigstens durch den Nintendo-Sound des Keyboards von eben gibt's hier doch sowas wie eine Verbindung zwischen den Songs... Das Publikum ist dennoch etwas unentschlossen... So richtig abhotten kann es nur zwischendurch... Ich sehe aber, dass einige hier mit zufriedener Schnute herumwakeln... Eine Gruppe hier neben mir lobt die "coole" Stimme des Sängers und die eingestreuten gitarren-Riffs... Einige holen sich gerade aber auch lieber ihr Bier als weiter zuzuhören...

3 von 5 Songs, die man so gerne mitnimmt, aber nicht gezielt ansteuern würde.

I Like You So Much Better When Youre Naked von Ida Marie

Also, viele Leute sehen angezogen ja schon viel besser aus als nackt... Äh... wo waren wir? Achja, genau... Ziemlich poppig-knallige Deko gerade auf der Bühne, die jüngeren, weiblichen Hirnneuronen im Publikum springen frech grinsend umher... Wäre der Text nicht, würde mich das ganze an Disney-Girlie-Poprock erinnern... Autsch... Ich wurde gerade von zehn Bierdosen getroffen... Dabei meinte ich Disneys Mädchenrock aus der Phase vor Hanna Montana... Ich sehe schon, ich mache mir mit dieser Meinung nicht viele Freunde, die Neuronen die diesen Song mögen, mögen ihn sehr, und der Rest kommt mit ihm immerhin klar... Dennoch kommt mir das Festivalgelände langsam etwas verlassener vor...

3,5 von 5 frisch pubertierten Mädchen... Frauen... Girls... äh... Rockerinnen, die noch nicht zur dunklen Seite des Pleks wechselten...

Der Krieg ist vorbei von Mutter

Kaum sagte der Ansager "Mutter" und "Krieg", stürmten die zahlreichen Schränke von Neuronen und grimmig dreinguckenden, aber gut gelaunten Hirnwindungen das Festivalgelände, nachdem sie sich die letzten zwei Songs über an der Bar (direkt hinter'm Hypothalamus) die Kante gaben. Aber ich muss sie enttäuschen: Keine Pyroshow, keine schwitzenden Muskelpakete... Das hier ist leider, leider, leider nicht Rammstein. Der Anfang ist vielversprechend, dramatisch, mit toller Streicherbegleitung und Anfangs lockt noch der nölig-einvernehmende Sänger, aber in der zweiten Hälfte wird viel zu wenig aus der Stimmung des Songs gemacht. Man müsste die dramatische Wirkung steigern oder etwas Schwung reinbringen, stattdessen wird und wird und wird alles wiederholt und wiederholt... Manche schwitzen hier noch ihren Frust aus, andere verlassen gelangweilt das Festivalgelände. Und da keine sechste Band angekündigt ist, tu ich's denen jetzt gleich.

2,5 von 5 Rausschmeißer-Songs

Das war's also schon vom sechsten Projekt Hörsturz-Festival. Schaltet auch nächstes Mal wieder ein und lasst euch überraschen, unter welchem Motto die Aktion dann stehen wird. Wir selbst wissen es noch nicht...

2 Kommentare:

beetFreeQ hat gesagt…

Hehe! Ein Rock-Festival im Gehirn ist ne feine Sache. Mit Kommentator hab ich sowas aber auch noch nicht erlebt! Ganz große Klasse :)

Sunshine hat gesagt…

Schade drum, dass die Bands in so unpraktischer Reihenfolge spielten; das Publikum hätte sicher mit Freuden Girlie-Fun-Rock usw. ausgestanden, wenn sie am Ende solche Kracher erwartet hätten... aber hey, so haben sie den guten "Stoff" gleich zu Anfang bekommen, konnten abhotten und dafür bei der Heimfahrt die CD mal so richtig aufdrehen.^^

Das erste Lied hat mich richtig überrascht; fand ich gut! Und das letzte fing wirklich richtig vielversprechend an um dann... nichts damit zu machen. Kann ja nicht immer alles ein Treffer sein.

Kommentar veröffentlichen