Dienstag, 17. November 2009

Irrationaler Emotionsschub

Memo an mich selbst: Überarbeitet und unter Zeitdruck mal so eben eine Folge Alias dazwischen schieben und daraufhin aus Lust und Laune mal eben quer in den Soundtrack von Der Glöckner von Notre Dame und High School Musical 3: Senior Year reinhören... Ganz schlimme Kombi!

Aber fangen wir wohl besser weiter vorne an. Kennt ihr das nicht auch? Ihr werdet ohne einen euch rational erklärbaren Grund von einem Film oder Song so beeinflusst, dass ihr danach eine völlig andere Laune als vorher habt? Obwohl der Emotionsauslöser weder sonderlich emotional ist, noch mit irgendwelchen bewegenden Erinnerungen verbunden ist?
Es ist ja völlig verständlich, wenn sanfte Gemüter nach Saw III Magenweh haben, unverheiratete junge Männer nach Hangover Bock auf eine Junggesellenabschiedsfeier haben und nah am Wasser gebaute Menschen nach schwer verdaulichen Dramen unkontrollierte Tränenbräche fließen lassen, aber manchmal wühlt einen ein Streifen auf, der eigentlich gar nicht das Potential dazu hat.

Ansatzweise nachvollziehen kann man solche Schübe ja nach Filmen, die nicht extrem emotional (ob traurig oder fröhlich) sind, aber in ihrer verhaltenen Stimmung genau die richtigen Knöpfe drücken. Garden State etwa ist keinesfalls der bewegendste Film aller Zeiten, doch er schildert das Leben eines phlegmatischen Ex-Kleinstädters mit kuriosen Lebensumständen so genau, dass ich es mir wenigstens ein wenig erklären kann, weshalb sich nach Ansehen des Films meine Grundbedürfnisse ausschalten und ich in Anlehnung an den herausragenden Trailer am liebsten bis zur totalen Erschöpfung völlig ausdruckslos und unbeteiligt zu den Klängen von Let Go durch die Gegend latschen möchte. Es ist nicht absolut selbstverständlich, dass ich auf diesen Film so reagiere, doch wenigstens verständlich. Ist ja auch ein völlig genialer Film.

Doch manchmal könnte man nach einem x-beliebigen, mittelmäßigen Filmchen Bäume ausreißen, ein völlig unscheinbarer Popsong löst gewaltige Gelüste nach einem groß angelegten Gelage aus und ein dämlicher Werbespot soll Freunde von Bekannten einer ehemaligen mitschülerin in Depressionen versetzt haben.
Kurz gesagt: Medienwirkung stellt einen manchmal vor unlösbare Rätsel. Mein Lieblings-Kunstlehrer (der auch Reli unterrichtete) erzählte von einem Künstler, dessen abstrakten Bilder bei ihren betrachtern Weinkrämpfe auslöst. Hin und wieder ist es halt nicht der Inhalt eines einzelnen Mediums, sondern die Zusammenwirkung, die unser Empfinden ohne Sinn und Verstand auf den Kopf stellt. Und so sitze ich nach einer Folge Alias, etwas Musik aus Der Glöckner von Notre Dame und High School Musical 3: Senior Year mitten in der Nacht vor'm Computer, renne von Gedanken gestochen durch mein Zimmer und finde keine Rast, weil ich plötzlich Lust habe durchzumachen, auf den Putz zu hauen.
Dabei fand ich nirgends einen expliziten Anstoß dazu. Die Mischung aus einer guten Folge einer großartigen Serie, dramatischer Disneymusik und aufheiternd übertriebenen Teenagergefühlen in musikalischer Form scheint meine Sicherungen durchgeschmurgelt zu haben. Sofern es am Ende nicht das Abendessen war, das meinen Organismus aus dem Takt brachte.

Wie geht's euch? Hat euch ebenfalls schonmal nach dem Genuss eines Films, Liedes, Buches, Videospiels die Tarantel gestochen, obwohl das konsumierte Gut eigentlich gar nicht so aufreibend war? Die Therapiesitzung ist eröffnet. ;-)

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich hab mal eine ähnliche Situation gehabt. Hatte zuvor einen Artikel über Jugendliche gelesen, die sich umbrachten, als sie bemerkten, dass sie homosexuell sein.
Danach hab ich mir zur Ablenkung den orchestrierten The Legend of Zelda Ocarina of Time Soundtrack eingelegt und zur Zerstreuung von Wolfgang Hohlbein "Krieg der Engel" gelesen.

Die Nacht konnte ich kein Auge mehr zutun, ich hab jeden Satz total uminterpretiert aufgenommen, dachte das einer der Engel heimlich in den Protagonisten verliebt gewesen wäre (was er natürlich nciht war) und irgdenwie hat die Musik meine Wahrnehmung auch noch total verzehrt. Als ich das Buch dann fertig gelesen habe, war ich total aufgekratzt (dabei ist das Buch nicht wirklich arg spannend, beim Tod von Dumbledore war es schlimmer) bin durchs Zimmer gelaufen, hab angefangen aufzuräumen, hab damit wieder aufgehört, wollte raus LAufen gehn, dann doch nicht.

Diese Kombination hat mich einfach total aufgewühlt, so intensiv hatte ich noch nie ein Buch gelesen...

Sunshine hat gesagt…

Ich glaube nicht, dass ich bisher einmal so emotional aufgekratzt war wegen eines Buches, Films etc., zumindest kann ich mich nicht dran erinnern. Allerdings versuche, solch interessante Kombinationen, wie ihr sie hattet, zu vermeiden.^^

Wmot ich vielleicht nah rangekommen bin, ist mit dem Anschauen von Legenden der Leidenschaft auf DVD. Dieser Film hat mich ganz furchtbar aufgeregt, weil ich ihn eigentlich nur unerträglich dramatisch-schwülstig fand, aber dennoch die Hälfte der Zeit geflennt hab. Und darüber war ich dann erst recht wütend, da der Film mich eben entsprechend manipuliert hat (traurige Musik, ständig stirbt einer, noch mehr traurige Musik, irgendeiner leidet, weil einer gestorben ist...). Danach wollte ich Sachen an die Wand werfen. Oder mich anderweitg abreagieren.

Der DVD-Abend mit einer Freundin zählt aber wohl nicht.^^ Mehrer DVds geschaut, es war schon irgendwas nach Mitternacht, aber irgendwie waren wir gerade über diesen Punkt drüber, nach dem man nicht mehr richtig müde wird. Die Eisprinzen reingeschoben und dann nur noch am Boden gelegen vor lachen. Bescheuerte Stimmung + bescheuerter Film = euphorische Begeisterung.

Ist natürlich blöd, wenn einem sowas mitten in der Woche passiert... Sir Donnerbold, du hast mein volltes Mitgefühl.

Kommentar veröffentlichen