Samstag, 14. November 2009

Projekt Hörsturz - Die 8. Runde

Endlich Wochenende. Endlich ausschlafen.
Endlich ausschlafen? Nein. Ein kleines Projekt schickt sich an, mir den Schlaf zu rauben. Weil ich einige Tage lang nicht den kleinsten Finger rührte, um bei der neusten Ausgabe von Projekt Hörsturz mitzumachen, kommen diese dreisten Lieder einfach zu mir! Ich könnte aus der Haut fahren! Es fing heute morgen um halb sechs an. Draußen war es zappenduster, mein Bett war kuschligwarm und meine Träume süß wie Honig.

Und dann donnert die Klingel in mein Schlafland. Alles ist zerrüttet...

Intro:A Song of Fire and Wine/Stand in Silence von … And You Will Know Us By The Trail Of Dead

Während ich schlaftrunken die Treppen runtertrippele, nichts ahnend, dass mich gleich ein Song begrüßen wird, höre ich Getuschele und Geklimpere. Wo kommen die ganzen Leute her, und worüber quasseln die? Kaum mache ich die Tür auf, meine Augen noch auf halb Acht, meine Ohren noch voller Sand (ja, gestern war der Sandmann wohl ein wenig zerstreut), wämmert mir episch angelegter, Klischee freier Indie-Rock mit ordentlich Wumms und genretypisch hoch singendem Sänger entgegen. Ich bin leicht orientierungslos und frage mich, was das Lied von mir will. Doch es läuft einfach nur weiter und kümmert sich kein bisschen für mich. Während des längeren instrumentalen Teils, der mich nicht wirklich fesseln kann, torkle ich in die Küche und mache mir einen Kakao. Ich schlafe plötzlich im Stehen ein (der Instrumentalpart hat so etwas Lagerfeuer-Einschlaflied mäßiges...), als ich mit unerwartetem Wiedereinsatz des Sängers geweckt werde. Gibt die Band gerade eine Zugabe, oder läuft der Song noch immer? Keine Ahnung... Ich schlürfe an meinem Kakao, schmeiß die Tür zu und kehre zurück in mein Bett.

3,5 von 5 Epic-Indies

Disease von Livingston

"Zzzzzzzzz.... Nein, die sind echt, das schwör' ich dir.... Zzzzzzzzzz.... Doch, halt sie gegen's Licht, dann siehste's..... Zzzzzz... Boah, was willste denn noch? Haste Kefir im Hirn?!.... ZzzzzzzzzzZzzzZzz..."
Mitten im schönsten Traum, den ich in den letzten zweieinhalb Jahren hatte, hämmert es wieder gegen meine Tür. Es ist kurz nach sechs, wie mir mein Radiowecker verrät, während er mir ins Gesicht schlägt. Vielleicht sollte ich meinen Nachtschrank doch mal reparieren...
Da ich noch nicht ganz zwischen Traum und Realität trennen kann stürme ich nach unten, um zu sehen, ob es meinem Cabrio-Baum gut geht. Ich öffne die Tür und eine Truppe dunkel gekleideter, deprimiert-verärgert dreinblickender Musiker reißt mich in die Realität. Die Gitratten sind verzerrt, die zwischen Verzweiflung und Wut angesiedelte Atmosphäre ist zum schneiden dick. Höhepunkte bleiben aus, die Tempowechsel flüssig und stimmig. Vor meinen schlaftrunkenen Augen spielt sich mein Traum nochmal ab. "Vielleicht hätte ich den beiden doch einen Tag früher schreiben sollen?", frag ich mich und schwelge in der schwer bestimmbaren Stimmung des Songs. Ich drücke den Musikern einen Snickers in die Hand und biete sie nochmal zu spielen, dieses Mal ein bisschen wütender. Sie sehen mich hohl an und knallen mir die Tür vor der Nase zu.

4 von 5 Liedern, die als Untermalung emotional ambivalenter Szenen sicher sehr gut wirken würden

Heartbraker von MSTRKRFT ft. John Legend

Meine Decke erdrückt mich. Meine Augenlieder brennen sich auf meine Augäpfel. Jetzt penn' doch endlich wieder ein, verdammt! Plötzlich sehe ich einen Mischlingshund mit prolliger Sonnenbrille in meinem Schlafzimmer abtanzen. Gedämpfte, bunte Lichtkegel zwirbeln herum, eine Katz spielt ein Piano, das hervorragend mit dem Bass harmoniert. Dann kommt eine große Ente und tritt den beiden in den Hintern, weil sie nicht in die Pötte kämen.
Ich wach auf, gehe runter, schüttle den Musikern vor meinem Haus die Hand, bedanke mich für ihre Mühe, entschuldige mich für meine Ignoranz, aber es sei einfach nicht mein Genre, und wenn ich schon einen Ausflug dorthin mache, dann muss es bitte Benzin im Blut haben.

2,5 von 5 Liedern, zu denen ich in der Disco mit einem Fuß wackeln würde, während ich mein Glas leere.

The Unforgiven von Metallica

Endlich kann ich wieder wohlig schlafen. Mein Zimmer ist warm, die Rollos sind hermetisch dicht, kein Fitzelchen Licht kommt hinein. Ein herrlich-männlicher Schauer der Rockerrührung überkommt mich. Im Schlaf hol' ich mein Edelstahl-Feuerzeug heraus und hebe es in die Höhe. Klassiker halt.

4 von 5 Pflichtpunkten

Búcsúzó von Dalriada

Ich träume vom Sommer. Die Sonne knallt mir auf den Pelz, aus einem BBQ-Grill steigen Flammen empor, in denen leckere Köstlichkeiten schmoren. Mein eisgekühlter Cocktail... kocht? Der ganze Grill steht in Flammen? Und wer hat ungarische Paprika in meine Sonnenmilch gemischt? Wieso ist der weiße Sand so höllisch spitz? Aua...
Ich wache auf und stelle fest, dass mein Zimmer in Flammen steht. Ließ ich mein Feuerzeug fallen, oder habe ich im Schlag irgendeiner entnervt klingelnden Band nicht aufgemacht und muss die Konsequenzen tragen?
Wie dem auch sei, während ich mein Hab und Gut in Sicherheit bringe, fetzt mittelalterlich folkloristisch angehauchter Metal mit wämmerndem Schlagzeug und fideler Violine und bringt meinen Puls in ungeahnte Höhen. Wäre alles schön und gut, wenn die Sängerin nicht so rumnölen würde. Der Rest der Gesangsstimmen ist ganz okay, wenngleich ich mir bei der Musik etwas weniger... mhm... monoton beklagendes wünschen würde. Ich schnappe mir einen Hammer und jage die Sängerin. Die Band hat wohl Humor und legt nach Kirmesbude klingendes Gedudel ein. Ich habe die Sängerin erwischt und ein Kerl aus der Band übernimmt den Gesang. Ich verstehe kein Wort, aber Stimmlage und Melodei im Gesang passen zu meinen Vorstellungen. Die Sängerin erholt sich von meinem Schlag und stimmt in den Abschlussgesang ein. Die Feuerwehr kommt, der Morgen ist gerettet. Ich schnapp mir ein paar Marshmallows, bitte die Feuerwehr mein Badezimmer noch nicht zu löschen und röste mir mein Frühstück.

3,5 von 5 Verständigungsproblemen

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