Donnerstag, 31. Dezember 2009

Meine Hits des Jahres 2009

365 Tage sind vergangen. Erneut verabschiedet sich ein Jahr und macht Platz für ein neues. Die Uhr lässt sich nicht aufhalten, deshalb brauchen wir es gar nicht erst zu versuchen. Stattdessen möchte ich mit euch an dieser Stelle eine mittlerweile schon lieb gewonnene Tradition feiern und pünktlich zu Silvester einen musikalischen Rückblick auf das vergehende Jahr abhalten.

Wie schon 2007 und 2008 besteht die Hitliste meiner Songs dieses Jahres aus Liedern, die ich mit 2009 verbinde und besonders wertschätze. Vornehmlich, weil sie mir besonders gefallen, manche aber auch, weil das Drumherum den Song aufwertete. Erläuterungen für diese Sonderfälle erhaltet ihr auf den gegebenen Rängen.

Filmmusik ist wie immer ausgeschlossen, Lieder die zwar etwas älter sind, aber erst jetzt Erfolg feierten, sind dagegen zugelassen. Michael Jackson wird euch in dieser Liste dennoch nicht begegnen, denn seine Lieder hatten 2009 ja wieder Erfolg, und nicht erst.
Damit wäre das Nötigste geklärt, und somit steht meinen Songs des Jahres 2009 nichts mehr im Weg!

Platz 24: Love Sex Magic - Justin Timberlake feat. Ciara  
I can make you believe in Love and Sex and Magic

Ich habe es wirklich versucht, ich habe mich richtig bemüht aus diesem Song so etwas wie meinen eigenen Sommerhit zu machen. Denn Love Sex Magic ist zwar kein Stückchen die Art Musik, die ich mir auf CD kaufen würde, aber sehr wohl ein Lied, dass ich richtig gerne im Auto mit offenem Verdeck Schiebedach und aufgesetzter Sonnebrille höre,und zwar laut. Es ist lässig, cool und der Refrain macht Laune. Es wäre das richtige Lied gewesen, dass ich in den Sommerferien (und schon an den Wochenenden vorher) fest mit allen möglichen Unternehmungen verbinden würde, da ich es mir auf dem Hin- und Rückweg dauernd im Radio begegnete.
Aber der Song erreichte nicht so wirklich das Publikum und erhielt deswegen weniger Airplay. Und somit hat es nicht die Assoziationsstärke, die etwa LoveStoned 2007 hatte - deshalb auch nur Platz 24. Es ist ein Lied, dass ich mit 2009 verbinde, das Jahr aber nicht ausmachte.

Platz 23: B******** - Rammstein
Tu das nicht / Lass das sein / Fass das nicht an / Sag einfach nein

In den letzten zwei Jahren hielten mit Maroon 5, Lordi, Linkin Park und Alestorm bereits die meisten meiner Lieblingsbands Einzug in meine alljährliche Songhitliste. Mit Rammstein ist das Quintett endlich vollständig. Die harte, energetische Musik Rammsteins und die genialen Texte die mit Wort und Sinn spielen (und in den meisten Fällen auch richtig komisch sind) haben mich schon vor einigen Jahren zum Fan gemacht, und das aktuelle Album ist textlich genau auf meiner Wellenlänge. Manche Fans beklagen eine zu "saubere" Produktion, jedoch hat mich die dreckige Tonqualität früherer Rammstein-Alben nie wirklich gejuckt, weder positiv, noch negativ, so dass ich die Änderung gar nicht bemerkte. Was ich aber bemerkte ist, dass das aktuelle Album wieder härtere und schnellere Lieder beinhaltet als noch Rosenrot. Ein weiterer Grund, das neue Album zu lieben. B******** ist wirklich gut, jedoch wird der Gesang über das Fantasiewort, das eine große Begierde umschreibt, recht schnell alt, während ich andere Lieder des Albums in Dauerschleife hören könnte. Somit Platz 23.

Platz 22: To The End of Our Days - Alestorm
I stand here alone on the bow of the ship / Counting the hours 'til I die

Alestorms bislang schwermütigstes Stück ist sozusagen die ernste, komplexe Antwort auf den Titeltrack des Vorgängeralbums Captain Morgan's Revenge. Weg mit all dem selbstironischen Spaß und der Abenteuer-Swashbuckler-Stimmung und her mit rauher Seefahrermelancholie. Der richtige Song für das Ende eines langen, ausgelassenen Abends. Und der Refrain ist selbst mit dröhnenden Ohren, trockener Keele (wieso ist der Rum schon wieder alle?) und heiseren Stimmbänden gut mitgröhlbar.

Platz 21: Düm Tek Tek - Hadise
The Beats going DÜM TEK TEK

Jährlich verfolge ich den Eurovision Song Contest mit großem Interesse, und jährlich schlägt für dessen Lieder Ende Dezember die Stunde der Wahrheit. Welche Beiträge gerieten nicht in Vergessenheit, sondern konnten sich bis Silvester in meinem Gehörgang festhalten? Dieses Jahr waren es zwei Beiträge, darunter der obligatorische Ethno-Pop aus der Türkei. Nichts weltbewegendes, aber Schwung hat's und die Stimme der Sängerin ist recht niedlich.

Platz 20: Black Sails at Midnight - Alestorm
Black Sails at Midnight / You're dead by Daylight!

Auf Alestorms Debütalbum gehörten die zwei "Thrash Metal"-Songs zu meinen Favoriten. Black Sails at Midnight, der Titelsong des zweiten Albums und der einzige Vertreter seines Subgenres auf dieser Langspielplatte, kann nicht ganz an seine Vorgänger heranreichen und wird vom Großteil des Albums übertrumpft. Der Song haut zwar kräftig rein, hat aber nicht ganz die Energie und das in den Noten versteckte, piratige Grinsen von Terror on the High Seas. Dennoch gut.

Platz 19: Right Round - Flo Rida
You spin my head right round, right round

Ein bisschen Sünde gehört in diese Jahreslisten immer hinein. 2007 war's Umbrella (ella, ella,eh, eh, eh, eh, eh, eh...), der so leicht zu verhohnepiepelnde Song, der zu fast jeder Fete dazugehörte und immer mit viel Freude veräppelt wurde (und wenn irgendwo Cocktail-Schirmchen rumlagen, war's endgültig aus mit langen Gesichtern), letztes Jahr 4 Minutes (und/ oder I Kissed a Girl), und dieses Jahr nunmal Right Round, ein hippig-hoppender Dance-Pop-Tune, der schon allein aufgrund des Namens des Interpreten nicht für voll genommen werden dürfte. Es ist eine glatte, auf Disco und Airplay-Charts hingebogene Mainstream-Produktion, die böse bei Timbaland abschaut - und in die Schultern geht. Für die Beine reicht es nicht ganz, aber für seltsames, beinahe rhythmisches Zappeln des Oberkörpers genügt es.
Außerdem untermalte dieses You Spin Me Round (Like a Record) von Dead or Alive sampelnde Lied den Abspann von Hangover - wie will man das dann bitte noch aus den Assoziationen dieses Jahres löschen? Dass TGWTG-Mitglied Benzaie das Original für den Abspann seiner Videos nutzte, hilft auch nicht gerade dabei, Right Round aus der Liste der Songs meines Jahres 2009 zu kegeln...

Platz 18: Pokerface - Lady GaGa
Ma ma ma ma P-p-p-pokerface

Bleiben wir sündig. Pokerface ist ein Song, der überall so oft gespielt wurde, dass man ihm nahezu unmöglich entgehen konnte. Und es wurde irgendwann wirklich schwer, nicht eine Überdosis an Pokerface zu erhalten. So nervig eine solche Überdosis auch sein mag, und so peinlich es in mancher Gesellschaft sein mag, wenn man bei diesem Lied nicht mehr aus dem gut unterhaltendem Grinsen kommt, muss man zugeben, dass Pokerface eine wirklich gute und nicht zu kalt berechnete Dance-Popnummer ist, die tatsächlich sowas wie Charakter hat. Völlog unabhängig von der extrovertierten Art der Interpretin.

Um aber ganz ehrlich zu sein, hätte mich dieses Lied nie tangiert, würde ich nicht nach dem anfänglichen "Ma ma ma ma" dauernd "Baker" denken...

Platz 17: Jungle Drum - Emilíana Torrini
Röke döke dumm

Als ich das Lied das erste Mal im Radio gehört habe, dachte ich "Häh? Das kam doch überhaupt nicht in Inglourious Basterds vor!"
Um meinen Gedankengang zu erklären: Wenn jetzt jeder für einen Moment vergisst, wie oft er dieses Lied dieses Jahr hörte, und wie stark es in seinem Verständnis somit zu Chartpop verkam, dann müssen wir doch alle zugeben, dass es mit seiner leicht krieseligen 50er oder 60er-Soundatmosphäre, der Hippie-Ausgelassenheit und der Unkonventionalität der Umsetzung so klingt, alskönnte nur ein Tarantino-Film dieses Lied populär gemacht haben.
Von daher: Es macht Spaß, es ist mir aufgrund seiner Andersartigkeit sympatisch und es zeigt, dass Otto-Normalkäufer nicht nur Einheitsbrei in die Charts befördert. Mit genug Willen schaffen es auch solche Nummern.

Platz 16: Bodies - Robbie Williams
Bodies in the way of me / Bodies in the cemetery

Der gute, alte "Robbieeeeeeee!" ist mir wirklich sympatisch. Der Kerl hat Charisma und ist der einzige noch aktive, leibhaftige Entertainer im gesamten Pop-Business. Seine Balladen sind mir in den meisten Fällen zu zäh, aber seine schnelleren Nummern haben mir stets wirklich gut gefallen. Es ist wirklich gute, unterhaltsame Chartmusik mit Persönlichkeit. Der Mann hat obendrein den Swing im Blut. Bodies ist nicht gerade mein All-Time-Favorite von ihm, aber dank seinen Showauftritten und ProSieben habe ich den Beat und Refrain mit der Zeit gefressen.

Platz 15: Rammlied - Rammstein
Nun, das Warten hat ein Ende / Leiht euer Ohr einer Legende

Ein gelungenes, episches Intro für das neue Rammsteinalbum. Scheppernde Gitarren, tolle Keyboarduntermalung, Choreinsatz und zwischenzeitlich Anlehnungen an Kirchenmusik. Dazu herrlich ironische Selbstverliebtheit und fertig ist der gelungene Kopfnicker.

Platz 14: Pirate Song - Alestorm
And if I could go back and make my amends, I'd make all those mistakes again.

In nur 4 Minuten fasst Alestorm die bewegten Memoiren eines alten piratenkapitäns zusammen und segelt dabei quer durch das eigene musikalische Angebot. Sämtliche Facetten ihres Stils werden kurz besucht, und dennoch ergibt diese zwischen betrüblich und beschwingt angesiedelte Seefahrt ein in sich schlüssiges Gesamtbild ab. Pirate Song ist kein Ohrwurm (mit Ausnahme des toll betonten "And for what?" von Sänger Chris Bowes), macht beim Anhören aber jedes Mal ordentlich Spaß. Eine der anspruchsvoller komponierten Alestorm-Nummern, ohne an Unterhaltungswert zu verlieren.

Platz 13: The Quest - Alestorm
The quest is never ending / It leads us to destiny

Nach der enttäuschenden EP Leviathan war ich besorgt um Alestorms Zukunft. Als ich nach Erscheinen des Albums Black Sails at Midnight die dennoch heiß ersehnte Scheibe einlegte und mir der erste Track entgegendröhnte, waren meine Sorgen weggeweht. Das fünfminütige Metalepos erzählt in mythischen, sehnsüchtigen und genüsslich-schnellen Klängen von einer unendlichen Seefahrtmission. Das Lied wird mit mehrfachem Anhören immer besser und versetzt einen so richtig in eine ambivalente Abenteuerstimmung. In hellen und dunklen Grautönen getaucht weiß The Quest den Piraten in einem zu wecken.

Platz 12: Rain on your Parade - Duffy
And I'll keep raining, raining, raining over you

Und schon wieder vielen Dank an ProSieben. Die haben mir nicht nur Bodies näher gebracht, sondern auch Rain on your Parade von Duffy in meiner Gunst weit nach oben katapultiert und in meinen Gedanken fest in Verbindung mit diesem Jahr gebracht. Dabei schaue ich gar nicht mal so viel Fernsehen, dass ich in meiner Jahreserinnerungsgestaltung davon abhängig wäre.
Dennoch hat ProSieben mit seinen stylischen Trailern für den Blockbustermonat März (inklusive der Free-TV-Premiere von Fluch der Karibik 2) diesen Song zu einem Ohrwurm und essentiellen Teil meines Frühjahrs gemacht.
Die Wetten, dass...?-Performance besiegelte schließlich das Schicksal dieses Liedes - auch ohne ProSieben-Trailer gefiel es. Die James Bond-esque Atmosphäre, die verzerrten Streicher und der kraftvoll-zarte Gesang Duffys, die mich mit Mercy im Vorjahr mal nervte und mal faszinierte, ließen den Rachesong aus der Masse der charttauglichen Soulpop-Liedern hervorstechen, und ich warte jetzt darauf, dass jemand dieses Lied unter eine packende Filmszene schneidet. Rain on your Parade hat wirkliches Potential zu einem große Kinomoment.

Platz 11: Pussy - Rammstein
Blitzkrieg mit dem Fleischgewehr

Ich schrieb es ja bereits in meiner CD-Kritik zum Album Liebe ist für alle da: In Pussy muss man sich erst einarbeiten. Sobald man aber drin ist, will man's nie wieder missen. Pussy ist ein feucht-fröhlicher Spaß, ein wenig seltsam, aber süchtig machend.
Aber im Ernst: Der Text ist genial, und sobald man sich an die enormen elektronischen Einflüsse gewöhnt hat und nicht weiter nach dem klassischen Rammstein-Industrial-Sound sucht, dann schmeckt einem auch die Musik. Mit der normalen Rammstein-Instrumentalisierung und härterer, schwererer Gangart würde Pussy nicht wirklich funktionieren.

Platz 10: Haifisch - Rammstein
Ja, der Haifisch, der hat Tränen, und die Laufen vom Gesicht, doch der Haifisch lebt im Wasser, so die Tränen sieht man nicht

Sollte irgendejmandem diese Hitliste an dieser Stelle zu eintönig werden, keine Sorge, wir sind ja bereits in den Top Ten. Ist nicht mehr weit hin.
Haifisch ist der texttlich wohl beste Song auf dem aktuellen Rammstein-Album und die Tempowechsel machten ihn anfangs für mich zu einem der Anwärter auf den Titel "Bester Song des Albums". Während des alltäglichen Hörens hat der Song eigentlich seine Qualitäten beibehalten, ein paar andere haben sich jedoch an ihm vorbeigeschlichen...

Platz 9: Pflaster - Ich + Ich
Du bist das Pflaster, für meine Seele, wenn ich mich nachts im Dunkeln quäle

Hach ja. Ich + Ich. Was soll ich sagen?
Seit Du erinnerst mich an Liebe trifft diese Kombo immer wieder meinen weichen Kern. Sie haben irgendetwas an sich, was ihre Lieder unter all dem trübselig-jammernden Deutschpop zu den Songs macht, die mich am meisten ansprechen. Sind es die melancholisch-eingängigen Melodien Annette Humpes oder die warme, starke Stimme von Adel Tawil? Ich kann es mir schwer erklären. Jedenfalls bringt Ich + Ich regelmäßig eine richtig kraftvolle Nummer raus, die ich mir immer wieder anhören kann.
Pflaster ist außerdem die bereits zweite Nummer in dieser Liste, bei der ich an James Bond denke. Würde man die Bläser stärker rausstellen und die Gesamtklangfarbe was dunkler gestalten, hätte man einen perfekten Bonf-Titel. Okay, vielleicht noch wo das Bond-Thema reinmischen, aber dann...
Hoffentlich gelingt es beim nächsten Bond auch wieder den Verantwortlichen für das Franchise, einen guten Titelsong zu finden. Another Way to Die war grauenvoll...

Platz 8: That Famous Ol' Spiced - Alestorm
Oh, pour me a slug of it / Throw me a mug of it / Bring me a jug of that Famous Ol' Spiced

Beim Klabautermann, was für ein Song! Angetrunken-leiernder Refrain, aggressiv, laut, hämmernd, wild, chaotisch und infektiös! Die perfekte Musik für einen ausgelassenen, kämpferischen (oder sauskämpferischen) Abend in einer Tortuga Spelunke!
That Famous Ol' Spiced sorgt aber auch dann Laune, wenn man etwas weniger ungehobelt ist und einfach nur gemütlich zusammen sitzt und dieses Lied auf gehobener Lautstärke im Hintergrund läuft.

Platz 7: Ich tu dir weh - Rammstein
Bei dir hab' ich die Qual der Wahl / Stacheldraht im Harnkanal

Ich tu dir weh ist einer der Songs von Liebe ist für alle da, die sich mit mehrmaligem Anhören verbessert haben. Anfangs fand ich das spritzige, indizierte Lied über eine SM-Beziehung zwar sehr gut, jedoch musikalisch etwas zu zahm. Mitterlweile hat es sich gerade wegen dieser (für Rammstein) mittleren Härte und dem gut mitnickbaren Rhtyhmus in meinem Kopf festgesetzt. Es macht Spaß, diesen Song im stillen vor sich hin zu singen, den Fuß im Takt auf den Boden klopfen zu lassen und über die ehemalige Familienministerin zu grinsen und bei diesem gedanken den Kopf zu schütteln. Frau von der Leyen hat 2009 definitiv geprägt, und mit ihrer Abschiedstat hat sie sich selbst für den (leider unwahrscheinlichen) Fall einer Abschaffung der neuen FSK-Zeichen verewigt.
Bei schlechter Laune ist Ich tu dir weh ein großartiger Stimmungsheber und ich würde zu gerne ein Musikvideo zum Lied sehen. Aber das wird wohl nichts mehr.

Platz 6: Liebe ist für alle da - Rammstein
Ich schleich mich an, und rede fein, wer ficken will, muss freundlich sein

Haifisch hat vielleicht den poetischsten Text des Albums, Pussy den feucht-fröhlichsten, Ich tu dir weh den frech-komischsten und ein späterer Song den eindeutig bösesten, aber Liebe ist für alle da bietet die clever-hinterhältig-gemeinspaßigsten Textzeilen. Der Refrain wandelt sich im Laufe des Liedes, und wer ein wenig mitdenkt, kann sich wohl ausmalen, was das unglücklich verliebte lyrische Ich anstellt, um seine Lust zu befriedigen: Ich mach die Augen zu, dann seh' ich sie, ich sperr' sie ein, in meine Fantasie ----> Ich mach die Augen zu, wir sind allein, ich halt' sie fest, und keiner sieht sie weinen. Hübsch, gell?
Liebe ist für alle da ist also der perfekte, jedem aus der Seele sprechende Song für all diejenigen, die ihr Herz vergeben haben ohne zurückgeliebt zu werden. Nein, Quatsch. Natürlich nicht.
Dennoch spricht Liebe ist für alle da mein bitterböses Humorzentrum an, hinzu kommen die rhythmischen Strophen, die hart thrashende Bridge und der sehnsüchtig dahingesungene Refrain sowie ein fetziger Instrmentalpart, was den Titeltrack des Rammstein-Albums zu einem genialen Gesamtpaket macht.

Platz 5: Fairytale - Aleksander Rybak
I'm in love with a fairytale Even though it hurts. 'Cause I don't care if I lose my mind I'm already cursed.

Appropos "unglücklich verliebt": Der zweite und letzte ESC-Song in dieser Liste macht in dieser Hinsicht ja alles genau richtig, um mir zu gefallen.
Aleksander Rybak kombiniert eine vor Lebensenergie sprühende, heitere Melodie mit einem romantisch-schwermütigen Text, den er mit melancholisch-glücklicher Stimme vorträgt. Eine fröhliche Ballade, für diese Art Lieder habe ich eine richtige Schwäche. Oben drauf kommt auch noch der intensive Einsatz der Fidel, die in mir direkt wieder jede Menge positiver Assoziationen (Tau, grüner Klee, Baileys, Kerrygold, Topf voll Gold...) auslöst und natürlich noch die Bezeichnung der berrückenden Verflossenen als wandelndes Märchen. Eine Metapher, die bei mir als Disneyfan natürlich sofort ins Schwarze trifft.

Vor allem repräsentiert das lyrische Ich von Fairytale eine Gemütshaltung, die auch ich mir gerne zu eigen mache (zumindest versuche ich es): Wieso klagen und betrübt sein, wenn man das Vergangene beschwingt zelebrieren kann? Für alle Hobbypsychologen da draußen: Liebe ist für alle da ist die Rachefantasie eines unglücklich verliebten, Fairytale der leichtlebige Lobgesang auf eine unerfüllte Liebe. "Alles doof, ich könnt' heulen"- oder gar "Mir geht's so mies, ich möcht' sterben"-Lieder sind nicht aufzufinden. Macht daraus, was auch immer ihr wollt ("Wenn's Sir D. mies geht, könnte er um sich schlagen oder grinsend und zufrieden das Gute an seiner Situation entdecken und das Leben genießen, aber traurig wird er nicht... Schnell, zum Freud-o-mobil! Und warnt die Emos in seiner Umgebung, sie haben einen starken Feind!"), in Wahrheit mag ich einfach nur keine "nöligen" Jammerschluchzballaden wie die von Xavier Naidoo (*es mir mit meinen Leserinnen verscherz*).

Außerdem ist der Kontrast in Fairytale wesentlich spannender als die Geradeaus-Durchschnittsballade.
Übrigens glaube ich, dass Fairytale besser abgeschnitten hätte, wäre es nicht bereits dieses Jahr erschienen, sondern käme erst 2010 raus. Denn wann wäre es besser, wann wäre ein Lied über jemanden, der in eine märchenhafte Braut verliebt ist passender, als in dem Jahr, welches von Rapunzel überschattet wird? * *scherz*

Platz 4: Waidmanns Heil - Rammstein
Auf dem Lande, auf dem Meer, lauert das Verderben / Die Kreatur muss sterben!

Dies sollte die Hymne aller Fleischesser werden. Oder der Titelsong sämtlicher noch erscheinender Egoshooter. Oder man sollte Weidmanns Heil immer dann heimlich vor sich hersingen, wenn nervige Film- oder Seriencharaktere sich vehement weigern, endlich ins Gras zu beißen (Jar-Jar Binks, Jack aus Lost, Ingrid und Klaus...).
Waidmanns Heil hat jede Menge Power und hetzt, drischt und fetzt nur so dahin. Der kleine Break vor dem Refrain bringt ein wneig Abwechslung und Würze ins Spiel.
Und vor allem: Besser wurden "Sterbeeeeen!" und "Heil!" wohl noch nie in einem Song dahingebrüllt.

Platz 3: Wiener Blut - Rammstein
Und bist du manchmal auch allein, ich pflanze dir ein Schwesterlein

Für manche verstörend und bedrückend, für andere eine bitterböse Satire und dann gibt's die, für die es kraftvoller, genial aufgebauter, schön scheppernder "Tanzmetal" ist: Wiener Blut von Rammstein, ursprünglich als Titelgeber für das neue Album gedacht, funktioniert auf diese Arten, und sicherlich noch auf einigen mehr. Wenn Lindemann mit dunkler Stimme fragt "Seid ihr bereit? Seid ihr soweit? Willkommen... in der Dunkelheit!", bricht er dort die vierte Wand des Songs, der den Skandalfall aus Amstetten behandelt, und spricht direkt die Zuhörer an, oder ist es der wahnsinnige, bedrohliche Monolog des psychopatischen lyrischen Ichs? Oder beides zugleich?
Ob zum analysieren, für eine schaurige Stimmung oder zum abschalten und headbangen - Wiener Blut ist ein richtig schön bösartiges Lied mit hartem Sound und ambivalenter Wirkung.

Platz 2: Keelhauled - Alestorm
He don't deserve no mercy / We oath to ship him with the guns /But I am not an evil man / So thus lets have a little fun

2009 ist dank Alestorm und Rammstein wohl irgendwie mein Jahr der komischen Songtexte geworden. Der mit Ironie und Einfallsreichtum vollgestopfte Titel Keelhauled ist die rockend dahingesungene Ansprache eines Piratenkapitäns, der von einem Verräter an Bord erfuhr und erklärt, dass dieser eine Strafe verdient habe. Da der Kapitän jedoch kein bösartiger Mann sei, wolle man erst Mal Spaß mit dieser Ratte haben. Es folgt eine schier endlose Auflistung abartiger, brutaler Dinge, die man der fiesen, stinkigen Qualle antun werde.
Der Refrain ist schnell erlernt und lässt sich wunderbar mitbrüllen, die fidelen Folk-Metal-Elemente (schon wieder eine Fidel!) erhöhen den Spaßfaktor, während die harten Instrumente das Tempo vorgeben und dieser großartige Tirade jede Menge Energie verleihen.
Ob für eine heftige Party oder für gemütliches rum liegen, Rum trinken iund Sonne tanken: Keelhauled ist ein großartiger Song und fest mit vielen Erinnerungen an 2009 verwurzelt. Und nicht nur mit Erinnerungen an die zahlreichen Pirates of the Caribbean-Meldungen des Jahres.

Achja, und da wäre nochwas: Der Instrumentalpart ist ein nahezu perfektes Empfehlungsschreiben Alestorms an Rob Marshall. Mann, lad' Alestorm ein, die seltsamen Gezeiten mitzuerleben!





Und mein Hit des Jahres 2009 ist - mit gewaltigem Abstand:







No Quarter - Alestorm
Hey!

Keine Widerworte - Es zählt! Ja, ich habe so eben den kompletten Text dieses Liedes zitiert, und ja, das Instrumental wurde bereits vor einiger Zeit zum ersten Mal aufgenommen. Damals hieß Alestorm noch Battleheart, hatte eine andere Besetzung und die Instrumente klangen dumpf (oder im Falle des Keyboards quäkig). Für das zweite Album arrangierte Alestorm dieses fantastische Stück nochmal neu, bastelte an ein paar Übergängen herum und leistete sich neue Instrumente sowie ein deutlich besseres Tonstudio. Das Ergebnis ist überwältigend. Dynamisch. Gewaltig. Monumental, engeriereich, hervorragend komponiert, eingängig. Ein Kuss für die Ohren jedes Fluch der Karibik-Fans, ein Fass voll Rum, das die gar grauseligen Techno-Remixe von He's a Pirate auf Anhieb in Vergessenheit geraten lässt.
Rund um ein ultra-stylisches Rock/Metal-Cover von He's a Pirate bastelten die seetüchtigen Piraten von Alestorm ein charakteristisches, starkes und das beste aus Rock, Metal, Seefahrermusik und Swashbuckler-Abenteuerscore vereinendes Musiktsück, von dem ich einfach nicht genug kriegen kann.

Keelhauled
mag ein Empfehlungsschreiben für die Mitarbeit an Pirates of the Caribbean - On Stranger Tides sein, No Quarter hingegen ist im Grunde schon die erste Frucht der bislang nicht existierenden Kooperation zwischen Marshall, Zimmer, Bruckheimer und Disney!


Und damit verabschiede ich euch in eure Silvester-Feierlichkeiten! Habt einen guten Rutsch! Bis nächstes Jahr!

4 Kommentare:

Tenza hat gesagt…

Ich hab den Eintrag jetzt nur überflogen, weil ich mit der Musik nichts anfangen kann (ich persönlich halte Alestorm für völlig überschätzt und langweilig), muss aber einen Fehler berichtigen. Es heißt Thrash Metal, Slayer oder die alten Metallica haben schließlich absolut nichts mit Müll zu tun. Ist leider sogar unter (englischsprachigen!) Die Hard Fans ein weit verbreiteter Fehler.
Ansonsten wünsch ich dir auch einfach mal einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Sunshine hat gesagt…

Hach, da wird man ja fast ein wenig sentimental - mein letzter Post hier für dieses Jahr. *g*

Okayyy, sehr viel Rammstein und Alestorm. In die Sachen von ALestorm werde ich definitv (youtube sei Dank) reinhören, und wahrscheinlich wird mir auch wieder was davon gefallen. Rammstein ignoriere ich nach wie vor geflissentlich und höre doch lieber eine Naidoo-Ballade. :P
Live ist der sowieso immer besser als auf den Studioaufnahmen, die sind selbst mir häufig etwas zu, ähm, getragen.

Das Robbie Williams auftaucht, freut mich! Das Lied hat sich auch bei mir zum Ohrwurm gemausert, aber ich mag ihn ja sowieso sehr gern (v.a. weil er, wie du schon sagtest, einfach auch ein großartiger Entertainer ist!).

Alexander Rybak, yeehah! :) Das Lied erinnert mich immer an Irland.. muss wohl an der Fiedel liegen. Auf jeden Fall ein schönes Lied.

Um Lady Gagas "Pokerface" und auch um "Jungle Drum" kommt man ebenfalls nicht rum, aber die Lieder haben es wenigstens verdient, genannt zu werden. ;)

Ich + Ich möchte ich unbedingt mal auf einem Konzert erleben... dabei find ich "Pflaster" jetzt gar nicht soooo toll. Aber so ziemlich alles andere.^^

Ich bin eh zu faul, auch so eine Liste aufzustellen, aber wenn ich von meinen CD-Zusammenstellungen ausgehe, waren meine Lieder des Jahres wohl "I don't care" und "27" von Fall Out Boy, "In your hands" und "Like a hobo" von Charlie Winston, "Nicht allein" von Thomas Godoj (mir doch egal, ob der von DSDS kommt, ich find den einfach gut), "Lieder drüber singen" von den Söhnen Mannheims und "Bad Boys" von Alexandra Burke ft. Flo Rida. Ich bürge nicht für Vollständigkeit. ;)

Dann wünsche ich dir mal einen guten Rutsch, mach schön Party mit Feuerwerk und was man sonst so macht! :)
Ich mach mich nun fertig, um meinen Zug nach Köln zu erwischen. Mal gucken, ob ich die Sonttexte von den Fanta 4 zusammenkrieg. "MFG" geht immer. *g*

juliaL49 hat gesagt…

Eieieeiei! Von den Liedern, die ich kenne (naja Alestorm vom Hörsturz) gibt es gerade ein einziges in deiner Liste, bei dem ich im Radio nicht sofort schreiend umschalte (Jungle Drum, evtl. noch Duffy).
Am anderen Ende der Skala sind Ich + Ich und Flo Rida, die ich für das Schlechteste halte, das dieses Musikjahr zu bieten hatte. Aber zum Glück sind die Geschmäcker ja verschieden :)
Guten Rutsch!

Andi hat gesagt…

Kenn mich mit Metal überhaupt nicht aus.

Daher einfach nur "same procedure as every year", n guten Rutsch, viele neue Blog-Einträge im neuen Jahr und vielleicht im neuen Jahrzehnt auch Artikel anderswo ;-)

Happy New Year Everyone!

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