Donnerstag, 28. Januar 2010

Disney gibt "Miramax Films" auf

Die Umgestaltung der Walt Disney Studios unter Rich Ross fordert ihr erstes schwer zu schluckendes Opfer: Wie The Wrap schreibt, wurde heute die Miramax-Studios geschlossen. Somit verabschiedet sich Disney von seinem ruhm- und geschichtsreichen Semi-Independentstudio, welches 1993 dem Konzern einverleibt wurde und seither für den Löwenanteil der disneyschen Oscarnominierungen und -siege verantwortlich war.

Seit die Weinstein-Brüder im September 2005 das Studio aufgrund zahlriecher kreativer, finanzieller und persönlicher Differenzen mit Michael Eisner das Miramax-Studio verließen, machen die Vorreiter des "großen" Independentkinos einen Drahtseilakt durch. Die neu gegründete "Weinstein Company" hatte schnell mit dem wirtschaftlichen Überleben zu kämpfen, während die nun von Daniel Battsek geleiteten Miramax Studios unter sehr wechselhafter Unterstützung des Mutterkonzerns zu leiden hatte. Trotz kritischer Erfolge und Preissegen für Filme wie Die Queen oder No Country for Old Men strich Disney das Jahresbudget für Mirmamax gnadenlos zusammen, zu letzt hieß es, Miramax solle lediglich drei Filme im Jahr produzieren. Aus diesem Plan wird allerdings nichts mehr.

Die Schließung Miramax' ist für mich die wohl dämlichste Entscheidung des Disney-Konzerns seit Jahren. Während Touchstone Pictures seit dem Verschwinden der damals unter manchen Filmfans fast schon als Subgenre oder wenigstens Qualitätsmarke anerkannten "Touchstone-Komödien" Ende der 80er bis in die frühsten 90er hinein keine Identität mehr hat und bloß Disneys "Pseudonym" für stärker erwachsenenorientierte Stoffe ist, hat Miramax dank seines großen Einflusses auf die Hollywoodgeschichte und seines Spagats zwischen anspruchsvoller Kunst und kontroverser Dickköpfigkeit einen Charakter, eine eigene Note. Diese Marke aufzugeben ist ein fataler Fehler, der Disneys Boden im Markt für ältere Zuschauer weiter wegziehen wird. Ein paar reifere Disney-Big-Budget-Filme im Blockbusterbereich reichen nicht, um diesen Markt abzudecken.

Kevin Smith, ebenso wie Quentin Tarantino ein Weinstein-Zögling, fasst in diesem netten Artikel seine Gefühle ob dieser Entscheidung zusamen.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

R.I.P. Miramax, ich werde dich nicht vermissen. Mir hat kaum ein Film aus dem Studio gefallen, dass ist glaub ich die bisher erste Entscheidung in der Umstrukturierung, die mich absolut gar nicht tangiert.

Andi hat gesagt…

Irgendwie komme ich mir vor, als würde mir ein Stein vom Herzen genommen. Du hast mich zwar darauf hingewiesen, dass miramax durchaus gute Filme produziert hat, aber für mich wird das Kapitel Miramax immer ein Schandfelck in der Geschichte Disneys sein. Ich habe immer versucht mich mit der Illusion, die du mir dann auch genommen hast, dass Miramax gar nicht zum Konzern gehören würde versucht darüber hinwegzutäuschen, dass Disney nicht für solche Scheißfilme wie "Scary Movie" und diverse andere Perversitäten in anderen Filmen verantwortlich ist. Mit dem Weggang der Weinsteins legte sich das ja dann auch. Aber irgendwie bin ich froh, dass es jetzt Geschichte ist und ich nur noch damit leben muss, dass Disney beknackte Komödien wie "Old Dogs" und peinliche Disney-Channel-Produktionen präsentiert und keine niveaulosen Geschmackskiller, obwohl auch "Wild Hogs" schon im roten Bereich war.

Vielleicht oder hoffentlich nutzt Disney jetzt die Chance, anspruchsvolle Filme, wie es ja wohl einige oder viele Miramax-Produktionen ungesehen zugegebenermaßen waren etwas "bereinigt" unter eigenem Namen in die Kinos zu bringen und auch mal wieder mehr die anspruchsvolle, erwachsene Seite Disneys zu betonen. Mit den Piraten hat man sich zwar wieder als Blockbusterlieferant zurück- oder überhaupt erst angemeldet, aber unter "erwachsenen" Filmen verstehe ich doch etwas anderes. Das soll allerdings durchaus nicht negativ gemeint sein, da ich selber nicht unbedingt der Freund irgendwelcher anspruchsvollen Darbietungen europäischer Filmkunst bin, sondern mir lieber einen Piraten-Abenteuerfilm reinziehe.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich wäre froh, wenn Disney-Filme ab jetzt wieder frei von dreckichen Witzen und linken Parolenrufern wäre. Das ist alles. Sonst interessiert mich Miramax eigentlich nicht.

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