Dienstag, 9. Februar 2010

Kevin Smith ist ein Filmkommunist

Wir revolutionieren Hollywood! Snoogans!

Einige Film-Webseiten meldeten in den vergangenen Tagen, dass Kevin Smith auf ein neues Tief gesunken sei und seine Fans um Geld anbettle, um seinen Horrorthriller Red State zu finanzieren, an den sich kein Hollywoodstudio, weder Major- noch Independentstudios, herantraue.

Smith lässt diese Beschuldigung nicht auf sich beruhen und stellt seine Situation in einem Blogeintrag richtig: Als Smith vor einiger Zeit über Twitter gefragt wurde, wie die Lage bezüglich der Finanzierung von Red State aussähe, antwortete, dass es keine (positiven) Neuigkeiten gäbe (wonach sich diese Meldung im Oktober letzten Jahres als Fehlvorfreude herausstellte). Daraufhin schlugen einige von Smiths Fans vor, dass sie ja über ein extra dafür eingerichtetes PayPal-Konto spenden könnten, so dass sich das für den Film nötige Geld zusammenläppert.
Der kultige Filmschaffende war von dieser Idee gerührt, immerhin zeigte sie ihm, dass Menschen so gespannt auf seinen geplanten Film sind, dass sie willig sind für ihn Geld zu sammeln ohne auch nur einen Ausschnitt des Drehbuchs gelesen zu haben, und engagierte davon angespornt einen Anwalt an, der die rechtlichen Hintergründe einer solch ungewöhnlichen Projektfinanzierung überprüfen sollte.

Kürzlich erwähnte Smith diese Umstände auf einer Pressekonferenz zum Film Cop Out und daraufhin fanden die ersten ihn fehlzitierenden Berichte ihren Weg ins Internet, laut denen Smith seine Fans darum anbettelte, ihm seinen Film zu finanzieren.

In seiner aktuellen Reaktion auf diese Berichte erklärt Smith, dass er nicht vorhabe, für Red State eine Gage zu verlangen, sollte der Film durch Fanunterstützung verwirklicht werden. Sofern der Film Profit machen sollte, würde er aus den Einnahmen einen Fond gründen und eine Art "kommunistisches Filmstudio" eröffnen, wo von Hollywood aufrund mangelnder Kommerzialität abgelehnte Drehbücher den Fans vorgestellt werden und eine demokratische Abstimmung darüber entscheidet, welche mit dem Geld aus diesem Fond umgesetzt werden. Smith tauft seine Idee "Indie-Bewegung, v. 3." und sieht mit ihr die Möglichkeit, die mit der Schließung von Miramax entstandende Lücke zu schließen. Der Schöpfer von Clerks, Chasing Amy, Dogma und Co. ist sich dessen bewusst, dass er sich eine idealistische Utopie zusammenspinnt, doch er möchte den Traum nicht aufgeben und setzt all seine Hoffnung darin, dass seine Anwälte den Rechtsweg für ihn sichern können.

Ich halte Smiths Idee gar nicht Mal für so abgefahren. Internet-Entertainer wie Doug "Nostalgia Critic" Walker oder Noah "Sponny" Antwiler finanzieren sich ebenfalls zu einem weiten Teil von PayPal-Spenden und über Silver Screen Partners finanzierte die Disney-Company bereits in den 80er- und frühen 90er-Jahren einige ihrer Filme über "Publikumsspenden", damals nannte man das Kind bloß anders und die Leute kauften nach bestem Aktienmarktvorbild "Anteile" an Produktionen und erhielten ebenso anteilig Geld vom Gewinn, den diese Filme machten. Es muss also irgendwie möglich sein, eine "Volksfinanzierung" vor dem Gesetz wasserfest umzusetzen. Smiths Idee einer gerechten Internetabstimmung über zukünftige Filme benötigte einen besonders sicheren Abstimmungsprozess um Verfälschungen zu vermeiden, aber es ist definitiv eine Idee, die weiterverfolgt werden sollte.

Vielleicht ist das lange Warten auf Red State tatsächlich zu etwas gut?

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