Montag, 15. Februar 2010

"Tangled": Wie Disney Rapunzel eine Glückssträhne verpassen möchte

Die Jungs drüben in Burbank wollen wirklich dringend, dass der im November startende, seit fast einem Jahrzehnt in Arbeit befindliche Animationsfilm zu einem bahnbrechenden Erfolg wird. Sie wollen es so dringend, dass die gesamte, frisch von Rich Ross neustruktrierte Marketingabteilung Überschichten machen muss, um aus dem von Glen Keane erträumten Märchen einen Rekorde brechenden Blockbuster zu machen. Es fing bereits damit an, dass das in Ölgemälde-Optik gehaltene Trickmusical mit Musik von Oscar-Preisträger Alan Menken von Rapunzel in Tangled umgetauft wurde.

Vor einigen Wochen wäre dies auch das höchste der Gefühle gewesen, doch nicht unter der Führung der neuen, kreativeren und mutigeren Marketingabteilung Disneys. Die Leute, die für schlechte Luft in den Studios sorgten, weil sie befürchteten, Die Schneekönigin wäre unmöglich an den Mann zu bringen, sitzen vor der Tür, während in den Büros die Köpfe qualmen. Marketingexperten, die aus dem gesamten Showgeschäft angeworben wurden arbeiten Tag und Nacht Hand in Hand mit John Lasseter, Rich Ross, Bob Iger und dem Tangled-Team zusammen, um den perfekten Trailer für Disneys 50. Meisterwerk zu erstellen. Die Zeit drängt - das Material für die US-amerikanischen Küss den Frosch-DVDs muss in wenigen Tagen fertig gestellt sein, damit die Scheiben gepresst und ausgeliefert werden können.

Angeblich soll der Trailer alles bisher dagewesene in den Schatten stellen. In Anlehnung an das überaus erfolgreiche Marketing von Der König der Löwen, für den in vielen Kinos als Trailer schlichtweg die Eröffnungssequenz geschaltet wurde, soll der vierminütige Tangled-Trailer Material aus dem ersten Akt des Films auf kompakte und atemberaubende Weise präsentieren. Bedenkt man, dass der erste Akt des Films laut Disney-Insider Jim Hill sämtliche anderen Openings von Disneyfilmen übertrifft, klingt dies nach dem perfekten Trailer. Bloß wurde noch nicht lange genug für Tangled animiert, als dass sich Disneys Marketingabteilung einfach die Rosinen aus dem ersten Akt herauspicken könnte. Deswegen wird momentanmit Hochdruck an sämtlichen Einstellungen gearbeitet, die irgendwie "Trailershot!" schreien.

Mit der DVD- und Blu-ray-Veröffentlichung von Küss den Frosch beginnt Phase 1 der Promotionarbeit für Disneys großen Hoffnungsträger Tangled. Hält man im Blick, wieviel Geld die Studios im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts für Glen Keanes ambitioniertes Animationsexperiment ausgegeben wurden (Industriekenner schätzen den Kostenpunkt auf bislang rund 300 Millionen Dollar, womit Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt bald der Rang als teuerster Disneyfilm abgelaufen wird), wundern die außergewöhnlichen Bemühungen kein Stückchen mehr. Dennoch wirken manche Pläne für spätere Phasen der Marketingarbeit durchaus befremdlich an. Es sei angemerkt, dass davon noch nichts in trockenen Tüchern ist und bereits morgen alles wieder über den Haufen geschmissen werdne könnte, sollte jemand feige werden und/oder bessere Ideen haben. Trotzdem seien Disneys ins Auge gefassten Anstengungen erwähnt:

Beispielsweise plant John Lasseter, ein jahrzehntelanger enger Freund von Glen Keane, dem Produzenten und einstigen Regisseur von Tangled, dem Projekt einen Sympathiebonus beim Durchschnittspublikum und engstirnigen Filmkritikern zu verleihen, indem er es als Koproduktion mit den Pixar Animation Studios vermarktet. In Trailern und Pressematerialien wird die Mitarbeit Pixars herausgestellt und im Kino soll im Anschluss an das "Walt Disney Pitcures"-Logo Luxo jr. über die Leinwand hüpfen. Denn während Disneys Ruf im Animationsbereich durch Filme wie Die Kühe sind los!, Himmel und Huhn oder die billigen DVD-Fortsetzungen beliebter Klassiker in Grund und Boden gewirtschaftet wurde, erfreut sich Pixar einer stetig steigenden, immensen Beliebtheit. Tangled soll etwas von diesem Glanz abbekommen. Ob sich die Zuschauer so leicht täuschen lassen und man so eine kuriose Form der Mogelpackung gutheißen kann? Ersteres wird sich zeigen, letzteres sollte bitte jeder für sich selbst entscheiden.

Einige Marketingexperten drängen zahlreichen Insidern zu Folge außerdem Rich Ross dazu in Windeseile ein neues Disney-Logo in Auftrag zu geben. Die findigen Leutchen bemerkten nämlich, dass der erfolgreichste Disneyfilm aller Zeiten Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2 ist. Und was gab es im Vorspann des Films zu bestaunen? Exakt! Das neue Logo von Walt Disney Pictures. Jetzt hofft man innerhalb der Walt Disney Company, dass einige Disneyfans, die Tangled aufgrund der jahrelangen Produktion, dem Wechsel auf dem Regieposten und dem Austausch von Rapunzels ursprünglich geplanter Sprecherin Kristin Chenoweth durch Mandy Moore kritisch gegenüberstehen, aus Neugier auf das neue Logo dennoch ins Kino gehen, was Marktforschungen zu Folge wohl auch einige schon bei der Fortsetzung von Fluch der Karibik taten.

Bis hierhin sind die Pläne der neuen Marketingleutchen innerhalb des Disney-Konzerns nachvollziehbar und verhältnismäßig realistisch, von der Umständlichkeit der ganzen Logo-Sache mal abgesehen. Was aber sonst noch an Ideen herumgeistert ist so unglaublich, ich selbst werde es erst für bare Münze nehmen, wenn ich es mit eigenen Augen sehe.

Wie hinter vorgehaltener Hand berichtet wird, sollen einige Mitglieder des Storyteams von Tangled sowie Glen Keane unter Mithilfe von einigen Marketingexperten die Regisseure Bryon Howard & Nathan Greno und auch John Lasseter dazu drängen, einige von ihnen abgeschwächte oder gar ganz gestrichene Szenen aus Glen Keanes ursprünglichem Rapunzel-Manuskript in Produktion gehen zu lassen. Keanes erster Handlungsentwurf nach der Phase, in der sein Projekt auf Anraten des damaligen Disney-Geschäftsführers Michael Eisner unter dem Titel Rapunzel Unbraided eine Märchenparodie nach dem Vorbild von Shrek werden sollte, war überraschend grimmig und enthielt neben trocken-emotionalen Sequenzen auch ausgefeilte Actionsequenzen, in denen Keane seine Verquickung der Komplexizität von Computeranimation und der Dynamik der traditionellen Zeichentrickkunst auf besonders rasante Weise unter Beweis stellen wollte. Lasseter, der Creative Director der Walt Disney Animation Studios, ließ diese Passagen sowie die düsteren Charaktermomente streichen, da sie seiner Meinung nach nicht zur Disney-Marke passen (aus ähnlichen Gründen steht er eher kritisch Lilo & Stitch gegenüber) und die neuen Regisseure des Films ersetzten die intensiveren Action- und Abenteuerparts durch Bolt-mäßigere Sequenzen.
Als jedoch die junge Horde an Marktexperten in die Disneystudios geholt wurde, um herauszufinden was beim Publikum ankommt, und wie man dies auf Tangled übertragen kann, trugen diese dem Produktionsteam und der Konzernleitung folgende Statistik vor: Zwölf der 20 weltweit erfolgreichsten Filme aller Zeiten, darunter sämtliche Filme die mehr als eine Milliarde Dollar einnahmen, haben ein PG-13-Rating. Die Schlussfolgerung läge nahe, man müsse einen Animationsfilm mit dieser Freigabe produzieren, um der Konkurrenz davonzudüsen.
Daraufhin soll eine hitzige Debatte entbrannt sein, darüber wie schlecht Animationsfilme für Erwachsene an den Kinokassen abschneiden, ob PG-13 wirklich "erwachsen" bedeutete, was Walt dazu gesagt hätte, welche Freigabe Schneewittchen und die sieben Zwerge hätte, würde man den Film für heutige Zuschauer so intensiv gestalten, wie er auf zeitgenössisches Publikum wirkte, und so weiter. Unter dem Strich kam jedenfalls heraus, dass Keane und einige Storyleute davon überzeugt sind, dass Keanes hochgelobtes, aber als stellenweise untauglich geltendes Originalskript für die Tricksparte Disneys das tun könnte, was Fluch der Karibik für den Disney-Realfilm getan hat, und dass man deshalb die gestrichenen Szenen sehr wohl animieren müsse. Rich Ross, der ja noch beweisen muss, dass er kein Fehlgriff war und den guten Dick Cook ersetzen kann, soll ebenfalls von diesem Plan angetan sein, weshalb es spanned zu beobachten sein wird, welche Seite sich in dieser Auseinandersetzung behaupten wird.

Tja, und was die "Rebellen" in den Disney Studios sonst noch so vorhaben, das werdet ihr mir erst recht nicht glauben. Um ehrlich zu sein, wäre es mir auch lieber, wenn es ein Gerücht bliebe, denn während ich einen PG-13-Trickfilm von Disney nur befürworten kann, finde ich "die heiße Phase" des Tangled-Marketings doch ein paar Spuren zu riskant.
Ich habe hier ja schon öfters über Rapunzels gutes Aussehen lamentiert und scherzhafte Übertreibungen gemacht. Nun, ich bin damit ja nicht allein und im Internet wird ja bereits mehr über "sexy Rapunzel" als die erhofften revolutionären Animationstechniken diskutiert. Davon bekam Disney Wind... Und deswegen möchten manche, progressivere Vertreter des Studios, dass Rapunzel in Marge Simpsons Fußstapfen tritt und sich als erste Disneyfigur in der Novemberausgabe des Playboys pünktlich zum Kinostart freizügig präsentiert. Diese Idee wurde, wen überrascht's, unter noch größeren Protesten aufgenommen, als der Vorschlag aus Tangled Disneys ersten animierten Film mit einer PG-13-Jugendfreigabe zu machen.

Selbstverständlich soll Rapunzel nicht ihren kompletten Körper freigeben. Es sollen sinnliche, künstlerisch-erotische Bilder werden, die die Fantasie der Leser anregen und auf den Film neugierig machen sollen, ohne dass wesentlich mehr als im örtlichen Freibad zu sehen sein wird. Dennoch sträubt man sich gegen diesen Schachzug. Egal ob Rapunzel in Reizwäsche rumspaziert, in zerrissenen Kleidern oder ganz nackt, aber mit geschickt drapiertem Haar (wofür sonst hat sie so viel davon?), Disney würde erstmals offen dazu stehen, dass seine Charaktere für die Zuschauer sexuell attraktiv sein könnten (Jessica Rabbit als Karikatur und Touchstone-Figur zählt nicht!) und eine Kooperation mit dem Playboy eingehen, der halt nicht gerade ein besonders familiengerechtes Magazin ist. Die Probleme, die man riskiert, wenn Eltern mit ihren Kindern am Zeitschriftenregal vorbeilaufen, eine Disney-Figur auf dem Titelblatt sehen und das Heft dann umbedingt haben will, muss man sich wohl kaum ausmalen. Andererseits: Jede Publicity ist eine gute Publicity... Man könnte natürlich auch darauf verzichten, Rapunzel auf der Frontseite abzubilden, doch wie groß wäre dann noch der Werbeeffekt?

Mich überrascht es ja, dass diese Idee nicht sofort vom Tisch genommen wurde, sondern augenscheinlich weiterhin ausdiskutiert wird. Mit einer Umsetzung rechne ich nicht. Doch allein schon der Wille dazu, mit dem Playboy zusammenzuarbeiten, zeigt, dass ein neuer Wind durch die Disney-Trickstudios weht. Ob er sich als Aufwind für Tangled herausstellt? Spätestens im November wissen wir Bescheid.

Bis dahin an dieser Stelle nochmal vielen Dank an meine Quelle. Bei der nächsten Messe hast du einen gut bei mir.

PS: ?redo, tbuaulgeg hcilkriw thcin hcod rhi tbah sella saD

5 Kommentare:

Boris Schmitz hat gesagt…

"Das alles habt ihr doch nicht wirklich geglaubt?"
Also war jetzt alles verarsche oder steckt da irgendwo ein Funken Wahrheit drin?

Jaguar D Sauro hat gesagt…

Ich schätze mal, dass der Playboyteil absolut erfunden war, alleine die Vorstellung ist lachhaft: Die kleine spielt mit der Puppe, während Daddy sich einen runterholt, großartige Vorstellung XDD

Nun, PG-13 bezweifel ich auch, aber was ich glaube ist, dass Disney und Co. hart an einer Werbekampagne arbeiten, damit Tangled klasse wird. Und das mit der Pixarlampe und den 300 Millionen - Sorry Sir D., ich bin zwar leichtgläubig, aber nicht so sehr^^

Anonym hat gesagt…

Also bis zum Dreh der "dunklen" Szenen klang es halbwegs glaubwürdig, wer sich aber ein bisschen mit RU beschäftigt hat, wusste, dass es in dieser Komödie keine solche Szenen gegeben hätte, spätestens bein Playboyteil war ich versucht nach unten zu Scrolen um einen "Scherz, alles nur Erfunden" Eintrag zu lesen. *g*

Rückblickend klingt alles unglaubwürdig. 4 Minuten Trailer? Wir müssen froh sein, wenn wir 2 bekommen und der Teaser nicht so nichtssagend wie bei Oben oder Küss den Frosch wird...

Neues Disneylogo, verdammt, da hätten meine Warnglocken leuten müssen. Ein gutes Logo braucht ca 12 Monate der Entwicklung, von Musik, über 3D Tauglichkeit etc.

Aber interessant, was man nicht alles gewillt ist zu glauben, weil man sich wünscht, dass es so wäre...

Sir Donnerbold hat gesagt…

@ Boris Schmitz: Die einzigen Fünkchen Wahrheit in diesem Spaßbeitrag sind "Disney schuftet sich derzeit einen Ast ab, um eine Marketingstrategie für den Film auf die Beine zu stellen", "Nach der 'Rapunzel Unbraided'-Phase war Glen Keanes Fassung Gerüchten zu Folge verhältnismäßig duster" und "Wenn man alle Projektneustarts mit einschließt sowie die ganzen Experimente und Softwareentwicklungen, dann war Rapunzel sauteuer". 300 Mio. sind aber Quatsch. Hoffe ich für Disney...

@ Anonym: Jupp, "Unbraided" wäre nie auf ein PG-13 gekommen (es sei denn man hat's mit Shrek-Humor übertrieben *g*), aber ich scherzte ja, dass die erste Non-Unbraided-Version so böse geworden wäre. *blllp* Dein letzter Satz trifft aber auf das zu, was ich bezweckte: Was wünschen wir uns nicht alles für Rapuzel... Also, bis auf einen Playboy-Auftritt. Obwohl's DIE Chance wäre, erwachsene Männer für den Film zu gewinnen, wenn man "Herren-Lifestyle -Magazine" ins Marketing einbindet. Muss ja nur ein guter Artikel werden plus ein paar Bilder mit einer fesch dreinblickenden Rapunzel. Wer will sie schon allen ernstes nackt sehen? o.O

(Ja, wir sind hier im Internet, irgendjemand wird sich schon melden... war eine eher rhetorische Frage ;-) )

AlphaOrange hat gesagt…

Angesichts der Tatsache, dass es ganze Artikel geben sollen, in denen Blogger Rapunzels nackten Schultern huldigen - ja ich denke, der ein oder andere würde sich finden. ;-)

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