Donnerstag, 18. Februar 2010

Unser Star für Oslo - 3. Ausscheidungsshow

Unser Star für Oslo: Das qualitativ hochwertige Musikcasting von und mit Stefan Raab überzeugte mich in den ersten zwei Wochen so sehr, dass selbst eine stark angeschlagene Gesundheit mich nicht vom Zuschauen abhalten konnte. Unter einer dicken Decke eingemummelt und mit einer Packung Zwieback bewaffnet nahm ich es mit meinem grippalen Effekt auf und kämpfte mich mit schweren Augenlidern durch die Show.

Bezüglich der Jury war es die bis dato kritischste Ausgabe von Unser Star für Oslo. So schön es auch ist, wenn eine Castingjury sämtliche Demütigungen bei Seite lässt, zumindest konstruktive Kritik sollte sie weiterhin ausüben können und wollen. Die immer mehr an eine dauerbekiffte Version von Tokio Hotel-Frontmann Bill erinnernde Gastjurorin Nena jedoch brachte neben "spacigem" Kauderwelsch ("Dein Herz und mein Herz sind ineinander verbunden, so, weißt du?", "Du singst über Unsicherheit, aber, weißt du, du zeigst keinerlei Unsicherheit. Ich finde, weißt du, niemand ist sicher, wir Menschen suchen alle Fehler, auch ich bin unsicher, und deshalb finde ich, du sollst über Unsicherheit singen, darüber dass es keine Sicherheit gibt auf dieser Welt, denn du bist total save.") nur eingelullte Allerweltskommentare ab, dass ja jeder nach Oslo fahren soll. Letztlich meinte sie auch, dass Regeln nur was für ein verbiestertes Establishment sind, und sie nicht zu sagen bräuchte, wer in der Show eventuell rausfliegen könnte. Das einzig gute an Nena waren der Vorschlag, für Oslo vielleicht eine Band zu gründen (woraufhin man aus Raabs Antwort scherzhaft raushören konnte, dass das Einzelsängercasting nicht unbedingt allein aus seinem Mist wuchs) und Raabs konstanten Seitenhiebe auf die schräge Nervtröte. Der andere Gastjuror des Abends, König Boris von Fettes Brot, konnte weder besondere gesanglichen, noch musiktheoretische Referenzen aufbringen. Das wäre nicht weiter schlimm, meines Erachtens nach ist ein etwas stärker auf Bühnenpräsenz geprägter Juror beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest in ergänzender Funktion durchaus sinnvoll, wenn er nicht in der selben Sendung mit Nena aufgetreten wäre, wodurch sich die Menge der musikalisch/gesangstechnisch trittsicheren Jurykommentare einzig auf Raab reduzierte, der mit seinen Kandidaten (verständlicherweise) etwas väterlicher ins Gericht geht, als es etwa ein Westernhagen tat, der mit den Kandidaten nicht weiter zusammenarbeiten muss.

Kommen wir aber zum wesentlichen: Wie haben die Kandidaten abgeschnitten?

1) Meri Voskanian
Sie hat sich für meinen Geschmack im Vergleich zur ersten Sendung deutlich gebessert. Man konnte dieses Mal ihre eigene Einfärbung des Songs viel besser raushören und ihr Auftritt war weiterhin "showy", aber nicht mehr gekünstelt. Dennoch reichte es nicht für das abstimmende Publikum: Ausgeschieden!

2) Jennifer Braun
Etwas vereinfacht gesagt, war Jennifer in der Vorwoche da angelangt, wo Meri sich diese Woche befand. Und in dieser Show war Jennifer sogleich zwei Schritte weiter: Die Showjüngste presste aus ihrer Gestalt eine wahnsinnige, rauchige Rockröhre raus und wusste ihre Song erstaunlich gut auf der Bühne zu verkaufen. Die Übergänge zwischen Strophe und Refrain waren nicht vollkommen perfekt, aber darüber lässt sich hinwegsehen. Vor allem aber glaube ich, dass man um Jennifer sehr gut Lied und Bühnenperformance zurechtschneidern könnte. Aus gutem Grund weitergewählt!

3) Maria-Lisa Straßburg
Die Straßenmusikerin hat sich mit ihrem ersten Auftritt vor einer Woche zu meinen Favoriten aufgeschwungen. Mit ihrer Songauswahl in dieser Show hat sie sich allerdings selbst ins Bein geschossen. Ein grauenvoller Titel von My Chemical Romance, der nur schwerlich zu ihrer Stimme passt. Hinzu ihre Kehlkopfentzündung, und das war's dann leider. Das Publikum konnte ihr leider nicht verzeihen und ignorierte die formidable Leistung der Vorwoche. Leider ausgeschieden!

4) Leon Taylor
Der deutsch singende "Schmuseonkel" der Truppe sang etwas von Silbermond (Geschlechtertausch bei Castingshows ist immer mutig). Trotz dieses Kniffs blieb Leon für mich der Unspektakuläre unter den Kandidaten. Er singt gut, aber auf eine so vollkommen unaufregende Weise. Sogar seine "Jan Delay"-Kiekser mittendrin (die nicht zum Lied passten, aber irgendwie angenehm rüberkamen) hatte ich sofort wieder vergessen, und erst Raabs Juryurteil musste mich daran erinnern, was geschah. Weitergewählt!

5) Katrin Walter
Die Kölner Verkäuferin gefiel mir gesanglich und stimmlich bereits in der ersten Sendung, aufgrund der nicht hundertprozentig passenden Liedauswahl war sie dennoch eine meiner Wackelkandidatinnen. Dieses Mal hatte sie besseres Geschick. Weitergewählt!

6)
Kerstin Freking
Mit einem Lied der Dixie Chicks bewies Kerstin meiner Meinung nach eine clevere Songauswahl, da es zwar etwas anderes als ihre elfenhafte Ballade der Vorwoche ist, aber dennoch weiterhin nahe an ihrer "Marke" liegt. Sie sang sehr süß und ich höre ihr gerne zu, aber sie sollte noch immer ein bisschen mehr aus sich rausgehen, statt so für sich selbst zu singen. Weitergewählt!

7) Christian Durstewitz
Daniel Merryweathers Change lässt mich bei der Autofahrt eigentlich immer schnell den Sender wechseln, aber "Durstes" bzw. "Durstys" Interpretation hat mich tatsächlich vor dem Bildschirm gebannt. Er brachte mit Hilfe der Heavytones richtig Swing in die Nummer hinein und trat sehr souverän und selbstbewusst auf. Eine sehr authentische Performance, bei der auch ein bisschen die Funken sprühten. Völlig verdient weitergewählt!

8) Sharyhan Osman
Sharyhan trat mutigerweise mit einem selbstgeschriebenen Song auf. Das Lied war sehr gut und wurde sehr emotional vorgetragen. Mir fehlt bei Sharyhan der gewisse Funke, der auf mich hinüberspringt, aber sie ist ganz gut. Weitergewählt!

9) Lena Meyer-Landrut
Nora Tschirner junior tätigte wieder eine sehr ausgefallene Liederauswahl. Diamond Dave von The Bird and the Bee, wer kennt's nicht? Hie und da ließ sich Lena von der Musik übertönen, dennoch behielt sie ihre große Bühnenpräsenz bei. Die süße Stimme und die überspringende Freude am singen machen sie zweifelsohne zu einem der Spitzentalente in der Show. Völlig verdient weitergewählt!

10) Cyril Krueger
Mit Hot Fudge wählte Cyril einen meiner Lieblingssongs von Robbie Williams aus, den er auch gleich sehr lebendig und mit viel Schwung in Stimme und Hüfte zum besten gab. Zum Glück weitergewählt.

Man merkt tatsächlich, wie das Gesamtniveau in der Sendung steigt. War es mir bei dene rsten beiden Ausgaben, bis auf ein paar Kanidaten, recht egal, wer weiterkommt, hätte ich dieses Mal eigentlich auf niemanden mehr verzichten wollen. Langsam wird die Luft schon eng, und die erlaubten Patzer immer weniger. Ich freu mich schon riesig auf die vierte Ausgabe!

Siehe auch:

3 Kommentare:

corny hat gesagt…

LENA!!!! Die ist sowas von süß *schwärm* ;-)
Apropos: Ich glaube das könnte Dich auch interessieren:
http://www.youtube.com/watch?v=clnozSXyF4k&feature=player_embedded

Mich jedenfalls hats vom Hocker gehauen, was die auch in Sendungen wie "Ugly Betty" oder "Monk" inzwischen so machen ... unfassbar!

schwul-und-liberal hat gesagt…

CYRIL!!!!! Der ist sowas von süß *schwärm* ;-)

Sunshine hat gesagt…

Zum Glück kann Cyril dazu auch noch verdammt gut singen und Show machen. *g*

Jap, Nena war ein ziemlicher Totalausfall. Ein wenig entrückt, die Gute.

Katrin pärgt sich mir einfach überhaupt nicht ein. Sie singt schön, sieht hübsch aus, aber sobald sie von der Bühne ist, hab ich sie wieder vergessen.

Die sich aber definitiv einprägen, sind für mich Lena, Cyril und Christian; aber auch jennifer steigert sich deutlich - am Anfang des Liedes dachte ich echt, da sänge Melissa Etheridge. :)

Ich amüsiere mich sowieso köstlich darüber, dass Lena anscheinend aus Prinzip nur Lieder singt, die keiner kennt, sie dann aber irgendwie so gut rüberbringt, dass alle es toll finden.^^

Auch Kerstin mit ihrem Dixie Chicks Lied fand ich ziemlich gut; sie hat nicht die stärkste Stimme (ich glaube, sie ist eher eine für leise, sanfte Nummern; sobald sie richtig laut werden muss, hat sie ein paar Probleme), aber sie hat sich emotional auf den Song eingelassen und scheiß auf ein paar Töne, die gegen Ende nicht saßen. Das ist mir lieber, als auf Nummer Sicher gehen, denn da kommt häufig nicht genug Gefühl rüber.

Freu mich ebenfalls schon sehr auf die nächste Show und bin sehr gespannt. Mir tut es schon fast um jeden Kandidaten leid, der nun gehen muss.

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