Dienstag, 23. März 2010

Eurovision 2010: Neue Regeln für's Telefonvoting sorgen für Unmut

Lena bekam vom NDR die Startnummer 22 zugeteilt. Wer mit mir für einen Auftragskiller zusammenlegen will, meldet sich bitte in der Kommentarsektion.

Das Regelwerk des Eurovision Song Contests ist um ein wirres Kapitel reicher. Nachdem die Punktevergabe vergangenes Jahr bereits entdemokratisiert wurde, um jammernde Nationen ruhigzustellen, die sich nicht an ihre eigene Nase fassen wollten und lieber die Schuld beianderen suchten, wird dieses Jahr eine weitere sinnlose Neuerung eingeführt. Wie man auf diese Schwachsinnsidee kam, bleibt ein Rätsel: Dieses Jahr beginnt die Telefonabstimmung (die pro Telfonanschluss auf 20 Votes begrenzt wird) beim Eurovision Song Contest in der Sekunde, in der das erste Lied dargeboten wird (Quelle).

Die für den Liederwettbewerb zuständige EBU behauptet felsenfest, dass dies für keinen Song einen Vorteil darstelle. Ich zweifle dies lautstark an. Ottonormalzuschauer, der allen Liedern im Laufe dieses Abends zum ersten Mal begegnet, hat rein faktisch für den ersten Song viel mehr Abstimmzeit, als für den letzten. Er kann ja nicht für etwas abstimmen, das er noch nicht kennt.
Zweitens ist dies eine weitere Benachteiligung der gesetzten Finalteilnehmer. Während alle anderen Beiträge schon aus den Halbfinals bekannt sind, hören die meisten Zuschauer die Lieder aus Frankreich, Spanien, Großbritannien, Deutschland und Norwegen während des Finales zum ersten Mal. Letztes Jahr gab es ein kurzes Video mit den fünf gesicherten Finalsongs, aber das ist noch immer eine ungleiche Behandlung. Jetzt kann man sich während einer Halbfinalsendungen in den Beitrag einer der Nationen verlieben, und ruft dann im Finale mit Beginn des Televotings dafür an. Dann kommt irgendwann einer der gesetzten Finalteilnehmer, und man wundert sich über dieses neue Lied, vergleicht es mit dem, das einem die ganze Zeit im Kopf rumspukt... und ruft nochmal für seinen Favoriten an.

Bis all diejenigen, die sich zuvor nicht durch Youtube kämpften und alle Songs anhörten, beispielweise Lena Meyer-Landrut begegnen, konnten sie schon stundenlang für den ersten Beitrag stimmen. In der Theorie auch für die anderen, aber wer stimmt schon für ein unbekanntes Lied?

Und jetzt kommt der Oberhammer: Aufgrund eines obskuren Wildcard-Verfahrens durfte sich der NDR die Startnummer des deutschen Beitrags aussuchen. Die Zahl der Wahl: 22! Ich wiederhole: 22! 22 von 25! Der NDR setzt uns ans Ende des ESC-Abends.
Na halleluja...

19 Kommentare:

corny hat gesagt…

Haben die einen an der WAFFEL??? Ich glaub ich spinne!!!!

Letterman hat gesagt…

Sorry für Doppelpost... Dafür stelle ich mich auch als Killer bereit!

Anonym hat gesagt…

Die Wahl für die 22 ist sinnvoll, aber nur wenn die Abstimmung beginnt, nachdem alle Songs gehört wurden. Ist schon nicht dumm, denn wenn Lena am Schluss singt, ist sie besser in Erinnerung.
Aber was soll diese sinnlose Regelung denn? Wer hat sich den Schwachsinn denn ausgedacht? Riesensauerei!

Anonym hat gesagt…

Ach is es nicht lustig wie die Sache aus den verschiedenen Blickwinkeln aussieht.

Solltet mal lesen wie sich die Spanier und Norweger in den internationalen ESC-Fanforen aufregen das sie die Startnummer 2 und 3 gezogen haben. Die Norweger wurden von den Buchmachern heute Nachmittag sofort ziemlich zurückgestuft aufgrund der Startnummernauslosung.

Weiterhin erkenne ich mich z.B. in deinem Wählerverhalten nicht wieder. Wieso sollte ich für jemanden anrufen wenn ich noch nicht alle Alternativen gehört habe. Das Argument des Halbfinals fällt weg, das gabs ja schon immer.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Ja, die Halbfinals gab es schon immer, aber die sind nun noch folgenschwerer. Zumindest meiner Meinung nach. Früher wurden dort Favoriten geprägt. Dann "musste" man sich den Rest anschauen. Jetzt fällt das weg.

Rothi hat gesagt…

Okay, der NDR-Vertreter hätte sich zumindest einmal vorher ein paar Gedanken machen können und nicht wie geschehen völlig planlos eine Zahl zwischen 1 und 25 tippen sollen. Das war etwas ungalant.
Ansonsten würde ich jetzt mal die Pferde nicht allzu scheu machen. Die Tatsache, dass die großen Vier und der Gastgeber erst im Finale zu sehen sind, ist ja nicht wirklich neu und hatte in den letzten Jahren keine direkten Auswirkungen auf unsere Platzierungen (Die Beiträge waren einfach zu durchschnittlich/zu schlecht für die Top 10)
Und ich würde mal sagen, dass sich gerade die Organisatoren des Song Contests in Sachen faires Voting inzwischen doppelt und dreifach absichern, bevor sie eine neue Methode einführen. Die ganzen Vorwürfe von Balkan-Connection und russische Wettbewerbsverzerrung, die wir vor 2008 hatten und die allein durch die Überdemokratisierung des Contests entstanden sind, will die EBU ganz bestimmt nicht ein zweites Mal hören.
Wenn sie also auf eine Voting-erfahrene Firma wie Digame hören, die sagt "Der Effekt ist zu vernachlässigen bzw. nicht vorhanden", ist das bestimmt keine Augenwischerei. Außerdem wurde die Methode bereits beim letzten Junior Eurovision Song Contest getestet und dort hat "trotzdem" ein später Starter gewonnen. Es besteht also von Seiten der EBU kein logischer Grund, der dagegen spräche.

Nur was die Halbfinals angeht, stimme ich dir teilweise zu. Ein Lied, das man aus dem Halbfinale kennt und dementsprechend schon im Ohr ist, macht die Wahl bzw. den Gang zum Telefon etwas einfacher.
Aber ganz ehrlich: wer schaut die Halbfinals? Hierzulande keine Sau, nicht einmal das, bei dem wir mitvoten dürfen, und das wird andernorts nicht viel anders sein. Den gemeinen Litauer Fernsehkonsumenten interessiert wenn dann höchstens auch nur das Halbfinale, in dem sein Beitrag mitmacht. Er kennt am Samstag Abend also im besten Fall lediglich die Lieder, die im gleichen Halbfinale aufgetreten sind, das sind 10 von 25 Finalisten. Ergo ist auch da der Wissensvorsprung nicht so groß, dass man laut "Schiebung!" schreien muss.
Was ich aber sehr begrüßen würde, wäre, wenn man die Beiträge der gesetzten Finalisten auch im Halbfinale IN VOLLER LÄNGE sehen würde und nicht nur in einem dummen Videozusammenschnitt. Dafür könnten sie meinetwegen auch fünf Minuten Votingzeit draufschlagen, die machen den Kohl dann auch nicht fett.

Und selbst wenn all meine guten Argumente in den Wind geschrieben sind ^^, vergesst nicht: wir haben die Jurys! Genau wegen solcher möglicher Effekte beim Publikumsvoting wurden sie wieder eingeführt, um eine qualitative Verzerrung abzufedern. Das haben sie 2009 erfolgreich getan, warum also dieses Jahr nicht?

Onkelosi hat gesagt…

Stellst du wieder alle tollen lieder vor? Arme Lena, aber soll das gerecht sein? Nee, wahrscheinlich nciht!

Anonym hat gesagt…

Bei der Schrott-Konkurrenz in diesem Jahr, ist es ganz egal. Die meisten rufen sowieso für das _Land_ an, dem sie sich verbunden fühlen...

PS
Die gesetzten Länder sind selber Schuld. Zwingt sie ja niemand, sich den Finalstartplatz zu kaufen.

Andi hat gesagt…

*meld*

AlphaOrange hat gesagt…

Die Behauptung, dass das neue Verfahren keinen unfairen Effekt habe, geht doch schon rein logischem Denken zuwider.

Entweder es ruft überhaupt niemand vor Ende der 25 Auftritte an - dann hätte man die Regeln nicht verändert.

Oder es rufen Leute vor dem Ende an - die haben dann aber ganz sicher keinen Überblick über alle Songs, da sie schlicht und ergreifend noch nicht alle gehört haben (uns paar internetaffine Freaks mal ausgenommen ^^).

Wie groß oder wie klein der verzerrende Effekt ist, kann wohl niemand sagen, dass er da ist, ist unbestreitbar.
Und er ist wahrscheinlich groß genug, dass die EBU mit den frühen Anrufen genug Kohle schaufeln kann, um diese überhaupt zuzulassen.

asdf hat gesagt…

Ich weiß gar nicht wo das Problem sein soll. Der Großteil der Anrufer wird trotzdem erst am Ende anrufen. Außerdem könnte es sein, dass Lena die Zuschauer dadurch nochmal richtig flasht nachdem, wenn wir Glück haben, die Songs, die vor ihr dran sind, ziemlich langweilig sind.
Da ist der "Kontrast" viel schönner als wenn man 2 oder 3 Beiträge vorher hat.

corny hat gesagt…

Sein wir doch mal ehrlich! Der Grund die frühen Anrufe zuzulassen liegt doch schlicht und alleine darin noch mehr Kohle zu machen und wie AlphaOrange folgerichtig bemerkt hat dies egal wie, aber def. einen Einfluss!

UND DAS REGT MICH SOWAS VON AUF! ;-)

Rothi hat gesagt…

Damit hier auch Klarheit herrscht: jeder Anrufer / jede Telefonnummer darf nur maximal 20 Stimmen an einem Abend abgeben. So wird den gewitzten Fans, die diesen Zeitvorteil nutzen wollen, von vornherein einen Riegel vorgeschoben.

Der Beweis: http://www.eurovision.tv/page/oslo2010/voting

Sir Donnerbold hat gesagt…

Ja. Und dann rufen irgendwelche Trottel vorher 20 mal für ihren Liebling aus dem Halbfinale an und ärgern sich, wenn sie Startnummer 22 hören...

Juergen hat gesagt…

@ Rothi:

Welcher "normale" Zuschauer ruft denn 20 Mal für einen Titel an?

Wie soll das technisch gehen? Wenn ich die Rufnummerunterdrückung einstelle...

Rothi hat gesagt…

Wenn irgendwelche Trottel bis Lena tatsächlich ihre Stimmen schon verbraten haben, ist das Pech, ganz einfach. Deppen wie diese gibt es immer und kann man nicht verhindern, aber sie sind mit Sicherheit eine Minderheit in der Zuschauerschaft, das sollte vielleicht hier noch einmal betont werden.
Die "potentiellen Täter", über die wir hier reden, das sind Leute wie wir, die sich schon zwei Monate vor dem Contest den Kopf darüber zerbrechen, wer den Sieg oder eine Stimme verdient hätte. Der Löwenanteil des Publikums lässt diesen Abend einfach auf sich zukommen und entscheidet im Laufe der Sendung aus dem Bauch heraus, für wen er anruft.

Wie genau nun technisch abgesichert ist, dass keiner mit unterdrückter Rufnummer daherkommen kann und mehr als 20 Stimmen abgeben kann, das weiß ich genausowenig wie ihr. 20 SMS mit nichts außer der Endziffer sind aber schnell abgeschickt und sind damit locker in der Votingphase zu schaffen.

corny hat gesagt…

Also das mit dem nur 20 mal anrufen zu dürfen seh ich auch eher als kritisch ... ich weiß ned warum man es nicht beim anrufen während der alten Voting Phase belassen kann ... klar so kann man alle länger dranbehalten UND mehr abkassieren (3 h statt 15 min ;-)

Dennoch kann ich mir einfach nicht vorstellen das dies keine Wettbewerbsverzerrenden Auswirkungen hat. Schwierig vorallem für die Länder die ja sich nicht im Qualifing schon beweisen mussten :-(

avareavare hat gesagt…

ja, ist schon kritisch mit dieser neuen regelung. geht aus meiner sicht auch nicht darum, dass manche songs schon aus den halbfinals bekannt sind. viel kritischer sehe ich es, dass jetzt leute für songs anrufen werden, bevor die musiker auftraten. wenn aber der interpret den auftritt versaut und man gar nicht mehr anrufen will, lässt sich nicht ändern, da man schon angerufen hat.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Hey, das ist ein richtig interessanter Aspekt, den ich bislang überhaupt nicht bedacht habe. Du hast Recht - man könnte für Leute wählen, denen man nach ihrem Auftritt seine Stimme nicht weiter gönnt.

Ein weiteres Gegenargument.

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