Dienstag, 30. März 2010

Popcorn und Rollenwechsel: Kinderzähmen leicht gemacht

Seit einigen Monaten führe ich eine wöchentliche Kinokolumne bei Quotenmeter.de. Dort versuche ich in meiner gewohnt eigenen Art sowohl Neuigkeiten aus der Welt des Filmgeschäfts aufzugreifen, als auch den tückischen Kinoalltag. Dies geschieht mal informativer, mal mit etwas deutlicherem satirischen Einschlag. Bei einer solchen wöchentlichen Kolumne kann es natürlich manchmal vorkommen, dass man sich im Laufe der Woche auf ein bestimmtes Thema vorbereitet, und dann Sonntag-Nachmittag etwas reizvolleres entdeckt.
Deswegen möchte ich euch, meine lieben Blogleserinnen und -leser, an dieser Stelle eine "verlorene Folge" meiner Kolumne Popcorn und Rollenwechsel präsentieren, die ich zu Gunsten eines gänzlich anderen Themas fallen ließ. Den Artikel, den ich stattdessen bei Quotenmeter veröffentlichte findet ihr hier.

Kinder. Wohl jeder von uns saß irgendwann einmal vollkommen nichts ahnend in einem Kinosaal und begegnete dort einem zukünftigen Rentenzahler. Man sagt, wir hätten unsere Erde bloß von ihnen geliehen. Dafür rauben sie uns gerne mal den Nerv. Nicht nur, aber gerade im Kino. Kindern scheint beispielsweise die Fähigkeit zu fehlen, den Geräuschpegel angemessen zu regulieren. Und so wenden sie sich bei Fragen bezüglich des aktuellen Films nicht sachte an ihre Eltern, sondern fragen einfach den gesamten Saal: „Was ist daaaaas?“
Besonders niedlich ist es aber, wenn Kinder meinen, sie wären besonders helle und hätten den Film durchschaut, lange bevor es dem restlichen Kinosaal gelang. Was macht ein aufgewecktes Kerlchen, wenn es eine drohende Überraschung bereits enttarnt hat? Genau, es brüllt seine Erkenntnis in die Welt hinaus. Damit alle wissen, wie schlau unsere süße Rotzbacke doch ist. Dumm nur, dass der Lümmel (wie jedes Mal) absolut daneben liegt: „Die ta…, die tanzen jetzt, weil die sich liebööön!“
Nein, kleiner Fratz! Die kämpfen, weil die sich nicht ausstehen können. Siehst du das, was der Held da in der Hand hat? Das ist ein Schwert, und damit bringt man Leute für immer zum Schweigen, vor allem Kinder, die im Kino nicht die Klappe halten können. Naja, zumindest in meiner Welt…

Mein kluger Nachbar Wilson W. Wilson senior meinte neuerdings zu mir, dass meine Aggression gegenüber Kindern ungesund sei, und ich ihnen nicht weiter Gewalt androhen sollte. Am Ende erhalte ich noch Hausverbot in meinem Lieblingskino, und dann sehe ich alt aus. Deshalb legte er mir alternative Verteidigungsmaßnahmen gegen cineastisch unerfahrene Terrorknirpse nahe. Diese geheimen Vorgehensweisen, möchte ich nun mit meinen Lesern teilen:

1) Kleide dich abschreckend
Eltern wollen nicht, dass ihre Kinder schlechtem Einfluss ausgesetzt werden. Wenn du also ins Kino gehst, trage deine gruseligsten Band-Shirts, idealerweise auch Nietenbänder und Springerstiefel. Somit werden Eltern freiwillig darauf verzichten, ihr Anrecht auf den Platz neben dir geltend zu machen.

2) Sei groß
Damit auch keine Kinder direkt hinter dir sitzen, musst du groß sein oder dich groß machen. Wenn du es geschickt anstellst und eine besonders weite Hose trägst, wird niemand sehen, dass du drei Kindersitze unter deinem Hintern geparkt hast. Wenn du clever bist, nimmst du auch zahlreiche Freunde mit ins Kino, die es dir gleichtun. Schon wird sich kein Kind hinter dich setzen. Natürlich erfordert dies, dass du dich früh in den Saal begibst.

3) Mampf dich satt
Wenn Kinder im Kino andere Leute sehen, die naschen, dann wollen sie ebenfalls was naschen. Das kostet Eltern viel Geld. Also werden sie vermeiden, dass ihre Kinder Leute sehen, die etwas naschen. Um Popcorn wird kein Elternteil herumkommen, aber wenn du und deine Begleitung Popcorn, Nachos, Chips, Gummibären, Eis und eine extra große Cola vor euch geparkt habt, dann machen Mami und Papi einen großen Bogen um euch.

4) Die wundersame Entscheidung der FSK
Steht gerade eine Großfamilie oder ein ganzer Kindergarten hinter dir in der Warteschlange? Solltest du so klug gewesen sein, jemanden mit ins Kino zu nehmen, dann fang jetzt an mit deiner Begleitung über den Film zu reden, den ihr alle sehen wollt. Natürlich laut, so dass ihr von der erwachsenen Begleitung gehört werdet. Rein zufällig natürlich. Sprecht darüber, dass ihr den Film jetzt zum vierten Mal seht, und wie megafett krass der ja ist. “Echt ein Wunder, dass so ein verfickt geiler Film ab 6 (bzw. 0) freigegeben ist. Die eine Sexszene in der Mitte, okay, viel mehr als Titten sieht man da ja nicht… Aber der Kampf danach… Boah, ey, reißen die dem Hund da einfach den Kopf ab, boah, geil ey!” Und schon sollte jeder pädagogisch verantwortungsvoller Erwachsener den Film meiden, wie der Teufel das Weihwasser

5) Angriff ist die beste Verteidigung
Heult wieder irgendein blöder Popel, weil der Animationsfilm eurer Wahl zu brutal oder gruselig ist? Verstehst du kein Wort mehr von dem, was im Film gerade passiert? Die meisten würden jetzt wahrscheinlich ihre Zähne zusammenbeißen. Das ist das dämlichste, was man tun kann. Wenn das nächste Mal ein Kind verängstigt in den Saal hineinbrüllt, dann verstärke dessen Angst! Heißt es etwa “Ist der jetzt tot? Neiiiin… bwüüüäääähhhh”, dann antwortet mit “Ohja, der ist tot! Tot! Tot! Tot! Der wird nie wieder aufstehen! Seine Mutter wird jetzt um ihn heulen! Und sich vor lauter Trauer selbst umbringen! Und deswegen landet sie in der Hölle! Buahahahahahaha!”
Sticht verbal ein rostiges Messer in die seelische Wunde des Kindes und dreht es um. Zunächst wird die Flennerei lauter, aber dann wird das Balg panisch und verstört den Kinosaal verlassen. Danach habt ihr Ruhe.

6) Geh in eine Spätvorstellung
Echt jetzt. Tu dir was gutes. Zeig deinem örtlichen Kino, dass es sich lohnt Animationsfilme auch nach 21 Uhr zu zeigen. Los, mach!

Nutzet diese Hinweise, und ihr habt im Kino von nun an endlich Ruhe! Obwohl... es gibt ja noch Rentner. Aber das ist eine andere Geschichte...

2 Kommentare:

Isosceles hat gesagt…

Danke für die Lacher, hab mich bestens amüsiert :)
Hab zwar immer Glück, dass ich keine Kinder neben mir habe (der Trick mit den Shirts von Punkt 1 klappt wirklich ), aber ich hab immer riesen Glatzköpfe oder massiv toupierte Damen vor mir sitzen - hast du da auch einige Tipps? ;)

Sunshine hat gesagt…

Super "Deleted Scene"! :D

Ich muss ja sagen, dass Kinder, also das eigentlich so gefürchtete Alter zwischen 6 und 10, mir bisher eher weniger unangenehm aufgefallen sind. Gut, bei "Spirit" gabs damals wirklich ein schniefendes Kind, dass fragte: "Papa, *schnüff* ist die tot?" Aber nicht durch den ganzen Saal gerufen.^^ Unerzogene Blagen, die sich auch noch in dem Film langweilen (weil nicht alle 2 Minuten supercoole Kampfaction angesagt ist), können allerdings nervig werden.

Schlimmer fand ich bisher allerdings die möchtegerncoolen Teenies - so vehement hat mir sonst noch keiner Filmerlebnisse versaut.

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