Freitag, 12. März 2010

Unser Star für Oslo - Das Finale

Der deutsche Vorentscheid 2010. Eins ist klar: Die mittlere Person fährt auf jeden Fall nach Oslo, wird aber nicht singen.

Der deutsche Vorentscheid für den Eurovision Song Contest 2010. Wer fährt zum Finale in Oslo (nicht in Stockholm, wie Moderatorin Heinrich in einem kurzen Versprecher behauptete)? Der ESC-erfahrene Komponist und Sänger Raab wählte für seine zwei Finalistinnen aus 300 bis 400 Songs zwei Lieder aus, die beide Kandidatinnen singen werden. Außerdem durfte sich jede Kandidatin einen dritten zusätzlichen Song aussuchen. Das Fernsehpublikum wählt den seiner Meinung nach idealen ESC-Song, daraufhin treten Lena und Jennifer mit ihrem potentiellen ESC-Titel erneut an, und dann wird er gewählt: Unser Star für Oslo.

Als Final-Gastjuroren hat sich Deutschlands Eurovisionshoffnung Stefan Raab die Silbermond-Frontfrau Stefanie Kloß (sympatisch) und Heulboje Xavier Naidoo (*schüttel*... aber immerhin qualifiziert) angelacht.
Nach einigem Vorgeplänkel für alle Zuschauer, die bislang nicht einschalteten, geht's dann auch endlich los mit der Musik.

1) Jennifer Braun - Bee
Eine mit kerniger Stimme vorgetragene, großartige Radionummer. Ich kann mir richtig vorstellen, wie ich an einem sonnigen Tag mit offenem Verdeck langsam durch die Stadt fahre oder auf einem Liegestuhl rumlungere und zum Takt mit meinem Fuß wippe, während mir ein leckeres Eis gereicht wird. Die Schattenseite: Es ist kein ESC-Titel. Dafür ist er zu gelassen. Emotion oder Power. Das hat weder das eine, noch das andere.

2) Lena Meyer-Landrut - Bee
Lena gibt dem Bienenlied etwas mehr gewitzte Lässigkeit und macht's so vielleicht etwas ESC tauglicher (man hat jetzt als internationaler Zuschauer vielleicht etwas zum Grinsen), dafür ein wenig Radio untauglicher. Dennoch fällt's hinter den von Raab geschriebenen ESC-Songs zurück.

3) Jennifer Braun - Satellite
Schon etwas besser für den ESC. Eine Gänsehaut-Ballade, die nicht gelangweilt in der Luft steht, sondern einen herrlichen Fluss hat und die sich bewegt. Mit etwas mehr Zeit, das Lied noch zu üben und zu meistern könnte es einen gut um den Finger wickeln. Weiterhin kein Can't wait until tonight, leider, aber ganz präsentierbar.

4) Lena Meyer-Landrut -Satellite
Was man alles bewegen kann, wenn man die Instrumentierung verändert und ein bisschen am Tempo spielt: Die schnellere Spaßnummer-Version von Lena hat eindeutig den größeren Showeffekt und passt perfekt zu Lena (während Jennifers Version "bloß" gut zu ihr passte) und bleibt im Laufe eines ganzen Eurovisionsabend sicherlich besser hängen. Sofern wir nicht zwischen drei, vier ähnlichen Nummern landen. Aber das ist Losglück...
Allerdings muss ich sagen, dass Jennifer mir so rüberkam, als hätte sie sich noch ein wenig mehr mit diesem Lied erwärmen können. Bis zum Finale in Oslo wäre allerdings ja auch noch Zeit...

5) Jennifer Braun - I Care For You
Spätestens jetzt merkt man, dass die Idee zweier "Kollektivsongs" und einer exklusiven Nummer für jede Kandidatin eher lasch war. Denn Jennifers eigene Nummer haut das bislang gehörte völlig über den Haufen. Man hätte zwischen dem Halbfinale und dem Finale mehr Zeit lassen sollen oder die Wahl gänzlich den Kandidatinnen überlassen kann. So oder so, der Song war gut und Jennifer hat ihn mitreißend rübergebracht. Noch etwas Übung, um die gesangliche Dramaturgie durchgehend aufrecht zu halten (ohje, wer hätte je gedacht, dass ich mit Naidoo einer Meinung bin), und wir haben Aussicht auf die Top 10.

6) Lena Meyer-Landrut - Love Me
Lena mal mit einer etwas schnelleren, energiereicheren Spaßnummer. Passt auch zu ihr, jedoch war bei diesem Auftritt die Musik zu laut beziehungsweise Lena etwas zu leise. Da muss man sich noch was einspielen, sollte Love Me nach Oslo geschickt werden.

Meine Meinung aus dem Stand heraus: Jennifer sollte mit ihrem dritten Song nach Oslo geschickt werden, Lena dagegen mit ihrer Version von Satellite. Sollten beide plötzlich krank werden, dann schicken wir Dursti mit seinem "Ba-ba-dabada-bow"-Liedchen (es hieß doch Stalker, oder?). Und die deutschen Radiosender dürfen gerne sämtliche Songs dieses Finales in ihre Roation aufnehmen, dann haben wir einen musikalisch schönen Frühling vor uns.

Man muss allerdings sagen, dass Bee während der Rückblicke enorm aufbaut. Bei den gefühlt zehn Gesamtüberblicken während des ESCs wäre das ja gar nicht so schlimm. Und wenn "die großen Vier" auch während der Halbfinals auftreten dürften, wären unsere Chancen eh nochmal besser.

Zwischenentscheidung: Jennifer darf nochmal I Care for You singen, den sie auch direkt zu ihrem Favoriten ernannte. Lena dagegen singt Satellite. Schön, dass das Publikum meine Meinung teilt. Sollte immer so sein, vor allem beim Finale in Oslo. *g*
Die zweite Performances beider Kandidatinnen waren auch wieder gelungen, es gab also keinen Patzer, der die Entscheidung erleichtert. Beide hätten es verdient. Lena hat den Internet-Hype hinter sich, Jennifer kann aber mit ihrem zugänglicheren Song sicherlich viele Stimmen sammeln. Doch was soll das mutmaßen...

Das Telefonvoting sagt: In Oslo wird Lena mit Satellite antreten.
Bevor sie als Gewinnerin nochmal ihr Lied singen darf, fällt sie erstmal den Juroren, Moderatoren und Jennifer zitternd in die Arme und bittet um etwas zu trinken um Kraft zu sammeln. Dafür, dass sie zuvor so cool blieb, ist sie jetzt umso nervöser. Satellite kringt sie dennoch wieder gut zusammen.

Somit hätten wir Interpret und Lied für Oslo gefunden. Es war ein wunderbarer Vorentscheid, hoffentlich haben wir in Oslo Erfolg und werden im nächsten Jahr mit einem ähnlichen Vorentscheid entlohnt.

21 Kommentare:

Sunshine hat gesagt…

Das Publikum war nach Applaus-o-meter ja offensichtlich deiner Meinung. *g* Ich auch.

Jennifers letzter Song hat von ihren den größten Erinnerungseffekt; der hat mir spontan super gefallen, während ich "Bee" für sie nicht ganz so passend fand bzw. es wirklich eher ein schönes Radiolied für den Frühling ist. Die Ballade fand ich zwar auch gut, aber sie ist für mich auch nicht ESC-erinnerungswürdig genug.

Lena hat mich mit "Bee" mehr überzeugt, das war sehr charmant. "Satellite" war cool rübergebracht; interessant zu sehen, was man durch ein anderes Arrangement doch an der Wirkung des SOngs drehen kann. "Love me" gefiel mir als Lied auch sehr (und Lena hatte dabei offensichtlich echt Spaß), aber da war sie leider wirklich etwas leise.

Ich seh schon, wir kommen bei manchem Sänger nicht so ganz auf einen Nenner. ;) Daher enthalte ich mich jetzt auch jeden Kommentars zu Naidoo. :P

Juergen hat gesagt…

E und D? Komisch, auch gerade per SMS abgeschickt...

Juergen hat gesagt…

Auch wenns wieder zu konventionell ist, tendiere ich zu Jennifer...

Sunshine hat gesagt…

@ Juergen: Seltsam, nicht wahr? Vor derShow war ich fest davon überzeugt, dass Lena gewinnt, aber Jennifer hat mich mir ihrem Lied richtig überzeugt. Das hat durchaus Ohrwurmqualität im Refrain, und wenn sie da mit so einer Freude rangeht wie beim 2. Auftritt, dann kann das echt gut werden.

@ Sir D.: Jap, "Stalker" hieß es, und wenn ich dafür voten könnte, würde ich es tun. ;) Aber es sollte ja nicht sein. Da ich jedoch mit beiden Liedern heut Abend leben könnte, ists schon okay.

Sunshine hat gesagt…

Joa denn... wird schon werden! Fällt zumindest zwischen Divenballaden und Orgeln auf. Und dem schweizerischen Pendant zu Ross Anthony. *g*

Rothi hat gesagt…

Ich habe gelitten, im sehr positiven Sinne. Jennifer hat es mir mit "I care for you" und mich sogar zeitweise meiner Lena abtrünnig werden lassen, aber am Ende ist alles gut gegangen.
Unter Lenas Songauswahl ist Satellite auf jeden Fall die beste Wahl gewesen. Wenn man das jetzt in eine passende Performance packt und sie tatsächlich Stefanies Rat annimmt und es ein bisschen höher ansetzt, hat das auf jeden Fall Chancen für ein Top10-Platz. Zu höheren Höhen will ich mich jetzt noch nicht emporschwingen.

JeffAlbertson hat gesagt…

Das war auf jeden Fall eine knappe Entscheidung. Zwar war ich von Anfang an auf Lenas Seite, aber mMn war Jennifer heute abend die bessere der beiden. Und am Ende bei der Verkündung hatte ich ehrlich gesagt bammel, dass Jennifer doch noch gewinnt, da sie beim Grand Prix nicht so aus der Masse herausstechen würde.
Ich denke, dass der Style von Lena zu singen einfach einzigartig ist und hoffe, dass er von den Anderen Europäern honoriert wird. Mir machen nur die Kandidaten der anderen Länder angst, da die so gar nicht meinem Geschmack entsprechen.

Anonym hat gesagt…

Ich hätte zwar lieber Jennifer mit "I Care for You" beim SC gesehen, aber Lena ist auch ganz okay.

Andi hat gesagt…

Hallo Sid,
da habe ich meine Rezension zu USFO lange und ausführlich angekündigt (und auch schon begonnen) und dann doch schlapp gemacht. Ich war die ganzen letzten Wochen einfach total im Stress und abends dann zu müde um was zu schreiben. Darum mache ich mich jetzt daran so einiges nachzuholen unter anderem auch Feedback zu deinen Blogeinträgen (wahlweise auch "überflüssiger Rotz der blöden Nervensäge").

Ich fange mal hinten an:
Leon - Dachte im ersten Moment etwas vorurteilsbeladen, "Yeah, jetzt kommt guter alter Reggae oder andere "afroamerikanische" Musik" und wurde von nervigem Deutsch-Rock überrascht und einem sprichwörtlichem "Hauch" von einer Stimme. Mit dem Lenny-Kravitz-Song bewies er dann aber doch, dass seine Stimme auch Klang hat. Dennoch sind wir geschmacklich zu weit auseinander, was schade es, denn geografisch sind wir am nächsten. Deswegen und vor allem wegen seiner mir durchweg sympathischen Art habe ich mich gefreut, dass er so weit gekommen ist.
Mache mir keine Sorgen, dass er weiterhin von der Musik leben wird.

Sharyhan - Eigenkompositionen sind zwar anzuerkennen, aber irgendwie konnte ich nicht mit ihr warm werden. Hätte schon viel früher rausfliegen sollen. Beruht aber allein auf subjektiver Einschätzung.

Kerstin - Blond und süß, was will man(n) mehr? Es kam aber sogar noch mehr dazu: Humor und eine ganz eigene, zarte Stimme. Schade, dass sie keine Songs ihrer preferierten Musikrichtung, Country, gesungen hat. Im Viertelfinale merkte man ihr an, dass sie die Lust verloren hatte. Schade, eine tolle Frau!

Christian - Der vorlaute Alternativling wurde wegen diesen Attributen gleich bei seinem ersten Auftritt mein Hass-Objekt, gegen Ende milderte sich meine Einstellung ein bisschen. Sein Gesang gefiel mir nicht besonders, aber immerhin ist er ein richtiger Multi-Instrumentalist. Hatte aber auch im Halbfinale keinen Bock mehr. Die große Bühne ist nichts für ihn, bin mir sicher, dass er ein erfolgreicher Studio-Musiker wird (werden könnte).

Jenny - Schlug ein ein wie ein Blitz mit "Outta Love" und gehörte damit gleich zu meinen Favoriten. Die Tatsache, dass sie aus Hessen kommt, verstärkte dies noch zusätzlich. Fand es toll, dass sie so weit kam, wo ihr Ausscheiden doch jede Woche im Netz als sicher proklamiert wurde. Im Laufe der Wochen stellte ich allerdings fest, dass Party-Kracher und Balladen mit Rockröhren-Stimme nicht alles sind, war daher von ihrer Interpretation von "Bee" begeistert, dass sie so perfekt sang, dass man merkte, dass sie die nicht-kreischenden Töne wohl so gut beherrscht, dass sie für sie keine Reize zeigen. Ihr "Satellite" war auch sehr schön und "I Care For You" wird sicherlich bei den nächsten Auftritten ihrer Band die Bierzelte wackeln lassen. Von daher nicht DAS Grand-Prix-Lied, aber eher noch als Lenas "Satellite". Hätte Jenny übrigens gerne mal mit echter Haarfarbe gesehen. Finde es schade, dass sie ihr schönes Gesicht unter gelacktem Schwarz versteckt.

Andi hat gesagt…

Lena - ist der Grund weshalb ich meine erste Rezension revidierte. Damals hatte ich ihren Auftritt noch nicht gesehen. Als das Video dann on war, war ich von ihrem Auftritt wie Raab sagte "geflasht". Endlich ein Song, der wirklich herausstach. Noch dazu vorgetragen von einer witzigen wie hübschen Kandidatin. Ich gestehe ihrem Charme verfallen zu sein, obwohl gerade dieser sich durch ihre manchmal etwas bubenhafte Art und Weise ausmacht. In den folgenden Wochen konnten die von ihr gewählten Songs mich zwar nicht mehr so begeistern, waren aber doch immer wieder mit Spannung erwartete Highlights. Jedenfalls hat sie, als musiktheoretisch vollkommen Unausgebildete es geschafft mich davon überzeugen, dass Interpretation und vor allem "Performance" (so sehr ich das Wort hasse) eigene Künste sind. Tja, so sind wir Männer nun mal, da kommt ein bübsches Mädel und wir werfen unsere Prinzipien über'n Haufen.
Ich fand es daher spitze, dass der zweite Song "Satellite" für sie noch völlig umarrangiert wurde, wodurch man erstens sehen konnte, was das Arragement eines Songs ausmachen kann und zweitens dies ihre Gabe, nämlich das Talent Songs so zu interpretieren, dass sie zu völlig eigenständigen Werken (und nicht "nur" Covers) werden, unterstrich. Ihre Enttäuschung, dass der Song gewählt wurde konnte ich dann doch nachvollziehen, als ich las, dass sie den Song (bzw. sie wohl eher den Text) "Love Me" zusammen mit Stefan geschrieben hat. Bin aber froh, dass es dieser nicht geworden ist. Von allen Songs die mir insgesamt sehr gut gefielen, hatte ich bei letzterem die Befürchtung, dass er am schnellsten "überhört" (im Sinne von nerven) sei. Für richtig Grand-prix-tauglich hielt ich keinen, aber gerade das zeichnet sie aus bzw. macht die Spannung aus, wie es ein Song der nicht reißerisch daherkommt bringt.
Gespannt bin ich überhaupt, wie es mit Lena weitergeht, ob sie den Hype überlebt. Ich bin da leider sehr skeptisch, Jenny erscheint mir gefestigter, aber ich finde es generell furchtbar, wie "Stars" zu die Medien-Mangel gezogen werden. Bin auch insofern sehr froh, dass Raab ihr "Mentor" ist, denn er hat bereits mit Max bewiesen, dass er einen Musiker ohne Skandale und BILD erfolgreich im Musikgeschäft etablieren kann. Allerdings finde ich es unverantwortlich, wie Lena schon am Freitag überbeansprucht wurde. Der letzte Auftritt war zuviel, sie konnte überdeutlich merkbar nicht mehr, sie direkt danach auf eine pressekonferenz zu schicken und bis in die frühen Morgenstunden drehen zu lassen grenzt an Kindesmisshandlung. Und Montag tv total, Dienstag Morgenmagazin und Empfang im Hannoverschen Rathaus, Donnerstag Viva in Köln und Freitag Wok-WM in Thüringen finde ich schon sehr hart. Hoffentlich lassen sie sie dann bis zum Grand-Prix erstmal in Ruhe, damit sie auch ihre Abi machen kann. Und danach bitte nicht den Boulevard-Medien ausliefern, dann wird alles gut.

Zum Schluss muss nochmal gesagt werden, dass für mich die eigentlichen "Stars" nach wie vor Wolfgang, Herbert, Hanno, Dominik, Alfonso, Thorsten, Rüdiger und César von den heavytones sind!

Sir Donnerbold hat gesagt…

So, und jetzt fordere ich von allen anderen Lesern eine ähnlich umfängliche Show-Besprechung. :-p

Danke für deine lesenswerte Meinung. Nur lass dich nicht so sehr von Lokalpatriotismus ablenken. *kopf schüttel* ;-)

Und Jennifer Braun ist eigentlich nicht schwarzhaarig? Wo haben wir denn das erfahren?

Andi hat gesagt…

1) Das fasse ich mal als Kompliment auf.

2) Warum ist Patriotismus hierzulande eine Ordnungswidrigkeit? Dir als Rheinländer würde er bestimmt auch gut zu Gesicht stehen.
Im Übrigen ist Dursti Durstewitz auch Hesse. (Allerdings ein Nordhesse, naja... ;-)

3) siehe hier http://www.rewind-music.de/Referenzen/Kurier.html

4) Ich lach mich tot! Grad als ich denk Link rausgesucht hab les ich, dass Jenny am Freitag im Wok mitfährt - mit den Ludolfs! XD

Sir Donnerbold hat gesagt…

Zum Patriotismus: Ach, den Generalumschlag kannste ruhig in der Tasche lassen. Mein Argument gegen Lokalpatrotismus ist nicht das, worauf du wahrscheinlich anspielst. Ich habe nicht aufgrund des Geschichtsunterrichts was dagegen, sondern wegen meiner nüchternen Haltung zur Herkunft. Was kann man denn schon dafür, in X oder Y geboren zu sein? Wieso jemanden besser finden, weil er aus dem gleichen Bundesland kommt? Wow, tolle Leistung *Achsel zuck*

Ich wollte da aber auch kein Fass aufmachen, war eher scherzhaft gemeint. Du klangst fast nach "Wow, da kommt jemand aus dem selben Bundesland, ja, weiter mit ihm!" ;-)

Und wieso sollte ich auf das Rheinland stolz sein? Wow, ich komme da her und hier werfen einmal im Jahr besoffene Leute einem Süßigkeiten auf den kopf, supi. Habe ich mir nicht ausgesucht. Ich verteile meine Sympathien eher nach Dingen, die man sich aussuchte (Interessen und sowas).

*alles nicht so für bare Münze nehmen*

Andi hat gesagt…

Da das Fass nun offen ist: "Was man dafür kann?" Stolz sein kann man darauf. Ich glaube du unterliegst dem weit verbreiteten Missverständnis, Patriotismus bedeute sich "besser" als andere zu finden, wie du auch selbst schreibst. Ich glaube, dass Patriotismus zunächst gar nicht mit anderen, also mit Wettstreit verbunden ist, sondern eher damit, sich selbst gut zu finden. Es geht also nicht darum, dass ich meine Heimat toll finde, weil sie besser als andere Länder oder Regionen sei, was ohnehin nur subjektiv festlegbar ist, sondern, dass ich sie toll finde, weil sie toll ist, völlig unabhängig vom Vergleich mit anderen. Man entwickelt also sowas wie ein gesundes Selbstbewusstsein, man kann stolz darauf sein, was andere "aus dem Stamm" geschafft haben und lernt mit den Schwächen (ironisierend) umzugehen, beispielsweise mit dem Dialekt oder anderen der Wahrheit entsprechenden Vorurteilen.
Der Vergleich kommt erst später als optionale, aber auf Wunsch zusätzlich anspornende Komponente hinzu und gibt manchmal zugegebermaßen erst den richtigen Kitzel; soll heißen ich freue mich, wenn Holland eins auf die Mütze bekommt und bin froh kein Bayer zu sein.
Im Grunde genommen fördert er ja aber eigentlich eine gewisse Weltoffenheit. Wenn ich in fremde Regionen komme, will ich diese ja kennen lernen, da nützt es nichts, wenn ich zu den Angepassten gehe, sondern da muss ich zu den Traditionalisten, sonst lerne ich ja gar nichts Neues.
Und wie sehr du dafür zu vereinahmen bist merkst du daran, dass du dir Gedanken über einen Wettstreit machst, bei dem die Kandidaten nicht nach Können sondern nach Ländern sortiert antreten.
Und dein Kriterium für Sympathieverteilung bezweifle ich. Wenn man sich Interessen wirklich aussuchen könnte, könnte ich jetzt ja aus heiterem Himmel mal entscheiden mich plötzlich für Chemie zu interessieren. Das würde aber nicht funktionieren. Weil es mich einfach nicht interessiert. Ich glaube entscheident für Sympathie ist der Charakter und den kann sich bekanntlich auch nicht aussuchen. Ich finde so viele Leute sympahtisch, die von den Interessen her, als auch von Einstellungen oder was auch immer so weit weg von mir sind und habe andererseits noch viel öfter gemerkt wie wenig ich Leute ertragen konnte, die meine Interessen teilen. Solche Schwarz-und-Weiß-Malerei ist aber auch übertrieben. Soll heißen ich habe auch gerade in den letzten Jahren überdeutlich gemerkt, dass die Sympathie steigt, wenn die Interessen auch noch übereinstimmen. Es reicht aber dennoch aus, um zu unterstreichen, was ich dir damit sagen wollte.
Denn die einzigen Dinge, wofür die Leute wirklich was können sind ihre Leistungen. Hierfür sollte man aber eher Anerkennung verteilen, als Sympathie, da diese wie gesagt rein subjektiv ist und nicht nach Schulabschluss verteilt werden sollte.

*alles für bare Münze zu nehmen*

(An dieser Stelle möchte ich mich noch für ein paar grauselige Tippfehler in meiner Rezension entschuldigen. Da gehört z.B. ein "h" hin wo ein "b" steht usw.)

Sir Donnerbold hat gesagt…

Aber wieso sollte ich stolz auf etwas sein, zu dem ich überhaupt nichts beigetragen habe? Ich habe es ja nichtmal erwählt. Man kann natürlich stolz auf seine Wahlheimat sein ("da habe ich was schönes ausgewählt, was?"), doch die Region, wo man halt einfach herkommt und in der man vor sich herlebt... Ist halt da.

Ich sage ja nicht, dass man sie deswegen nicht gut finden kann oder darf. Da hast du Recht. Doch wieso "stolz"? Ich fände es sogar nachvollziehbarer, würde man nun von der Fehlinterpretation des Patriotismus ausgehen, so nach dem Motto "immer wenn ich in Hessen war, habe ich NRW vermisst. Ich werde Lokalpatriot, weil NRW mir besser gefällt". Aber stolz kann man eigentlich nur auf etwas sein, zu dem man irgendwas beitrug. Und sei es auch nur eine "Erwählung". Ich kann stolz auf Disney sein, wenn sie nächstes Jahr zehn Oscars abräumen, weil ich sie zu meinem Lieblingsstudio erwählt habe. Wenn Deutschland Weltmeister wird, kann ich mich für sie freuen (endlich mal gute Laune hier im Land) - aber ich verstehe schon nicht, weshalb Leute automatisch davon ausgehen, dass ihr Land gewinnen muss.

Deshalb erwähle ich bei internationalen Sporttunieren die Mannschaft zu meinem Favoriten, die am besten spielt, wenn ich zusehe. Verdienter Sieg OWNED Patriotismus.

Dies ist auch ein Grund, weshalb ich mit Sport selten was anfangen kann. :-p

Aaaaaber: Ich wollte ja niemandem seinen Patriotismus verbieten. Diese Einstellung wurde mir jetzt untergejubelt. Ich wollte bloß neckisch anmerken, dass es so klang, als hättest du dich zu sehr auf die Herkunft der Kandidaten konzentriert, nachdem du ja zuvor eigentlich so sehr die Ansichten eines "gelehrten" Musikers propagandiert hast.

Und ja, das Verb habe ich nur gewählt, um dich zu ärgern. *g*

Andi hat gesagt…

Ich diagnostiziere dir fehlendes WIR-Gefühl in Verbindung mit einem unvollständigen Verständnis des Begriffs "Stolz". Und als Medikament den "Du bist Deutschland!"-Spot :-D
Nein, im Ernst, du schreibst, man könne nur auf etwas, was man selbst geleistet hat stolz sein. Das stimmt nicht. Hast du von deinen Eltern nie ein liebes "Ich bin stolz auf dich!" gehört? Eltern sind auch auf die Leistungen ihrer Kinder stolz, Geschwister auf die Leistungen ihrer Geschwister und auch auf manche Leistung eines guten Freundes kann man stolz sein.
Unsere heutigen Bundesländer gehen ja zurück auf verschiedene Volksstämme, Sippen, die ja sowas wie große Familien waren.
Man kann diesen Stolz aber auch als eine gewisse Art Dankbarkeit interpretieren. Wenn ich sage, ein stolzer Hesse zu sein, dann bedeutet das zunächst weniger Stolz auf überhaupt irgendeine Leistung von irgendwem zu sein, sondern, dass ich mich darüber freue, gewissermaßen die Ehre zu haben, zu einem so netten, lustigen wie intelligentem Volk zu gehören. Das drückt auch eine gewisse Verbundenheit aus, die ich in reifster Form bisher leider nur bei der WM vor vier Jahren erlebt habe (Stell dir mal vor, es hätten sich bloß die 11 Spieler gefreut) und die es einem auch erlaubt Stolz auf Leistungen anderer "Stammesbrüder" (blödes Wort) zu haben; sozusagen als Gegenteil zum "fremdschämen".
Und über Jennifer Braun, Leon Taylor, Hans Zimmer, Klaus Badelt, Paul Hindemith, Wolf Schmidt, Margot Käßmann, Beate Hasenau, die Brüder Grimm und nicht zuletzt den alten Goethe kann man sich schon freuen.

Wie man allerdings eine Wahl als eine mit stolz zu bewertende Leistung ansehen kann ist mir völlig schleierhaft.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Und dir diagnostiziere ich einen Mangel an Gleichgültigkeit. ;-)

Ich will ja niemandem seinen Patriotismus verbieten. Ich (!) kann nicht auf NRW oder Deutschland an sich stolz sein, für viele Dinge empfinde ich eine gesunde Gleichgültigkeit und bin zufrieden damit.

Und ich kann mich auch verbundne fühlen ohne gleich Stolz zu empfinden.
Putzig, dass Eltern in deinen Augen zu den Leistungen ihrer Kinder nichts beigesteuert haben. Okay, hast recht, viele erziehen ihre Kinder gar nicht mehr, so gesehen hast du Recht. Dennoch war da noch immer was... Ach egal, der Storch darf aber stolz sein, in meinen Augen. :-D

Andi hat gesagt…

Wenn dir die Zeugung als "Leistung" schon ausreicht...
Vielleicht hast auch du eines Tages mal einen guten Freund und erlebst wie schlecht es ihm geht und bist dann stolz darauf, wie er sich wieder aufgeräppelt hat.
Dass Ärger Patriotismus verhindert kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich bin auch nicht unbedingt stolzer Deutscher. Gleichgültigkeit bringt gar nichts hervor und ist meines Erachtens eines der gefährlichsten Phänomene unserer Zeit. Dass Menschen sich nicht mehr füreinander interessieren ist doch eigentlich das Schlimmste, was es überhaupt nur geben kann.
Stell dir vor, du schreibst einen Blog-Eintrag und keiner liest ihn?^^
Gleichgültigkeit ist nur dann "gesund" wenn ihr Fehlen psychische Störungen hinterlassen würde.

Schön, dass unsere (OK vor allem meine) Beiträge wieder kürzer werden. Würde dennoch gerne wieder zurück zum ursprünglichen Thema kehren.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Erziehung ist also wirklich keine Leistung für dich.

Meine Güte, wenn ich Gleichgültigkeit dafür empfinde, ob jemand aus meiner Gegend kommt oder nicht, ist das also gefährlich? Na gut, dann stelle ich mein Interesse für die Person an sich besser hinten an und frage ihn raus, wie toll er denn unsere Gegend findet...

Und DU hast aus einer salopp formulierten Kritik, du würdest scheinbar der geografischen Nähe eines Kandidaten mehr Berwertung schenken, als ich von deinen zuvor fachlichen Kommentaren erwartete eine Grundsatzdiskussion gemacht, in der du aus meiner "Ich bin für den, den ich am besten finde, und wenn Deutschland beim ESC Dreck hinschickt, dann will ich auch, dass er mies abschneidet, ganz gleich, ob das 'mein' Beitrag ist oder nicht"-Haltung was größeres gemacht als es ist. ;-)

Andi hat gesagt…

Du hast geschrieben du empfindest für "viele" Dinge Gleichgültigkeit. Meines Erachtens sollte es nicht allzuviele geben.

Und Anlässe nicht hinter einem Landesvertreter zu stehen, gibt es wie geasgt auch für mich genug. Mich hat der Grand-Prix seit Max auch nicht mehr gekratzt.

Ich behaupte zwar, dass der Anstoß von dir kam, aber gebe zu, dass ich es auch herausprovoziert habe, aber nicht um dich damit zu ärgern, sondern um damit eine für mich und vielleicht auch für dich fruchtbare Diskussion zum laufen zu bringen. Dafür bin ich auch der, der sie wieder beendet. Ist doch nur gerecht!

Was ich darüber ganz vergessen habe: Ich wollte noch über die Schnellebigkeit des Internets lamentieren. Habe gleich am Samstag morgen versucht Lenas Gewinnersong nachzuspielen. War sogar halbwegs erfolgreich. Als ich mich dann abends daran machen wollte den Rest rauszuhören, wollte ich doch mal sehen, ob ich eventuell der erste sein könnte, der ein Video mit Interpretation online stellt. Leider war mir da schon jemand zuvorgekommen :-P

Naja ein paar Tage später entdeckte ich dann dieses interessante wie hochspannende Video http://www.youtube.com/watch?v=6aN65E1naoU
(Nur als kleine Empfehlung für Interessierte)

Andi hat gesagt…

Meine schlimmsten Befürchtungen treten ein: Lena wird "verheizt": http://www.wunschliste.de/news/7277

Ich finde das unverantwortlich; am 14.4. bzw. 19.4. hat sie Sport- bzw. Bio-Abi. Und im Mai dann mündliche Prüfungen.

Darüber sollten die feinen ARD-Intendanten mal n paar Tage beraten!

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