Donnerstag, 15. April 2010

Die Magenta-Odyssee

Oder: "Guten Tag, ich will mein Internet zurück!"

Am Dienstag Nachmittag verwandelte sich meine Internetverbindung in ein Jo-Jo. Fünf Minuten da, fünf Minuten weg. Vier Minuten da, vier Minuten weg. So weit, so ärgerlich.

Gen Abend war dann der Punkt erreicht, an dem ich gar nicht mehr ins Internet kam. Kurz bevor ich die neuste Ausgabe von Musikalisches Immergrün hätte online stellen können!
Da sich ja bereits im Dezember mein Computer gegen das World Wide Web wehrte, war ich mir unsicher, wodurch diese Probleme ausgelöst wurden. Möglicherweise durch meinen Rechner, möglicherweise durch unsere Kompetenten Freunde bei der Telekom. Zunächst suchte ich auf meinem Computer nach Auslösern. Virenfrei, Firewall in Ordnung, Internetprogramme nicht korrupt. Gut, der Feind ist also das T in Magenta. Auf ans Telefon und um Hilfe beten!

Hier beginnt es besonders ärgerlich zu werden. Ja, dass man lange in der Warteschlange warten muss, egal wie spät es bereits ist, das ist ja nichts ungewöhnliches. Dass einen die netten Herren am anderen Ende der Leitung für inkompetent halten und fragen, ob man denn auch das Modem eingeschaltet hat, das ist ebenfalls nicht neu, wenngleich außerordentlich Wut erregend.
Die Krönung war dann aber folgender Moment: Der feine Herr möchte gerne wissen, welchen Modem-Typ ich verwende. Da sich bei mir daheim das Modem in einem anderen Zimmer befindet als der Computer, musste ich den Raum wechseln, was ich sogar ankündigte um nicht zu wirken, als sei die Telefonverbindung abgebrochen. 20 Sekunden später war ich im Modemraum angelangt und machte das Licht an. Tragischerweise hängt das Modem bei mir nicht direkt unter der Glühbirne, so dass ich noch eine Taschenlampe bemühen musste, was weitere 15 Sekunden dauerte. “Also, das Modem ist vom Typ…”

Weiter kam ich nicht. Der Kerl hat aufgelegt. Dachte wohl, ich wollte mir einen Spaß erlauben oder mit ihm darüber schwatzen, wie ich durch das Haus latsche. Lackaffe!

Okay, noch mal angerufen. Andere Stimme geht ran. Eine Frau. Die möchte unbedingt meine Telekom-Kundennummer. Die weiß ich nicht auswendig, sage ich, aber ich hätte bereits sämtliche T-Online-Daten rausgesucht. Nein, es solle schon die Telekom-Kundennummer sein. Ich solle bitte auflegen und später noch mal anrufen.

Während ich im Hinterkopf bereits meine Kündigung ausformuliere, entdecke ich zwischen den anderen ach-so-wichtigen Papieren eine Telekomrechnung. Erneut angerufen. 8 Minuten später erbarmt sich jemand und befreit mich aus der Warteschleife. Zum dritten Mal erläutere ich mein Problem, ich beschwere mich über die vorherigen Kollegen der Dame und… werde zu keinem Zeitpunkt nach meiner Telekom-Kundennummer gefragt. Etwas Datenaustausch folgt, auf der anderen Seite des Telefons wird am Computer geklappert. Die höher gestellten Kollegen werden sich damit beschäftigen, in meiner Region käme es gerade zu mehreren sporadischen Ausfällen (ja, super, das kann man ja auch nicht vorher sagen, oder? Ist völlig irrelevant…), sie werden mich per SMS benachrichtigen. Könnte 24 Stunden dauern.

2,4 Minuten später piept mein Handy. Die Herren von der Telekom werden meine Verbindung reparieren, der Fall habe die Ticket-ID ************. Den Status könnte ich online abfragen, unter der Webadresse www.sagmalhabtihreinenschuss.lecktmich/ihrgenies

Aber es geht noch weiter: War sich die nette Dame am Telefon sicher, dass eine Störung vorliegt, sie wüsste nur nicht welcher Art, werde ich am nächsten Morgen in der Straßenbahn von einem Telekommitarbeiter angerufen. Es läge keine Störung vor, “es müsste am Modem liegen”, schwört er.
Spät am Nachmittag konnte ich endlich zum nächstgelegenen T-Punkt. Mit bestimmtem Tonfall und ungeduldiger Miene sagte ich dem bedienendem Herren, welchen Stress ich bereits mit seinen Kollegen hatte, dass ich keine Zeit mehr zur Verfügung hätte (um 20 Uhr musste ich ins Kino um daraufhin eine Rezension zu verfassen, und es lässt sich schwer seinen Pflichten als Onlinefilmkritiker nachgehen, wenn man nicht online ist) und dass er mit einfach ein neues Modem zur Verfügung stellen soll. Nein, einfach so umtauschen könne man nicht. Lage Diskussionen folgten, und plötzlich fiel dem Mann ein, dass mein Problem vielleicht doch nicht am Modem liegen könnte. Es folgten Vermutungen, dass mein Tarif gekündigt wurde und Anrufe in der Zentrale. Einige Minuten später folgte di überraschende Erkenntnis: Neee, liegt doch am Modem. Wow… Wahnsinn, was?

Es stellt sich außerdem heraus, dass sie kein Modem/Router für unter 80 Euro vorrätig hätten. Ich denke mir, dass es doch billiger ginge (und dass ich eigentlich gratis ein neues Modem erhalten sollte) und verabschiede mich zum nächsten IT-Laden, der kurz vor Ladenschluss schon das Ende des Tages feierte. Ich erhielt ein neues Gerät. Was jedoch weder die Verpackung, noch der Verkäufer mitteilte: Dieses Modem braucht, weshalb auch immer, eine USB-Verbindung mit dem Computer, wie ich Zuhause erfuhr. Wie ihr euch erinnert: Das Modem ist bei mir ein Stückchen vom Rechner entfernt. Altbau, nur eine Telefonbuchse. Da lässt sich nichts machen. Und das mitgelieferte USB-Kabel ist längentechnisch eh schon ein Witz. Lösung: Media Markt, der einzige in der Nähe befindliche Elektronikladen, der noch auf hat.
Langsam nähern wir uns 19 Uhr. Zum Kino sind es 45 Minuten. Kurz vor Ladenschluss bei Media Markt einkaufen? Das ist eh schon Irrsinn, aber mit Zeitdruck?

Ich versuchte es trotzdem. Selbstverständlich gab es kein Kabel das lang genug ist und der einzige Verkäufer, der Ahnung von Computern hatte (oder zumindest als einziger dazu stand) wurde von einer sehr unentschlossenen Familie belagert, die vielleicht, vielleicht auch nicht eine Webcam kaufen wollte. Irgendwann konnte er mich beratschlagen: Verlängerungskabel plus längeres Kabel, das bedeutet bescheidene Verbindung. Und 60 Euro für die Kabel. Nein Danke.
Also: Auf zum Kino. Schnellstmöglich, ohne dabei die Straßenverkehrsordnung zu übertreten.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich riesigen Hunger hatte? Nun, ich erreichte das Kino kurz vor Knapp mit jeder Menge Kohldampf und sah mich somit gezwungen, mich an der Snacktheke ordentlich einzudecken.

Um die Sache abzukürzen: Als ich nach Cop Out nach Hause kam, durfte ich mich darin versuchen, meinen PC neben dem Modem aufzubauen, leider weiterhin erfolglos. Heute tauschte ich das Modem um, ein recht neuer Speedrouter dürfte es sein. Der wollte mich zunächst nicht ins Konfigurationsmenü lassen, Trick 17, 18 und 19 aus der Bedienungsanleitung misslangen ebenfalls, die Telekom wurde erneut angerufen, ich wurde fünf bis sechs Mal weitergeleitet, ein Telefonist meinte, er rufe in 5 Minuten wieder an (ich warte weiterhin auf den Rückruf), eigenmächtig griff ich erneut zum Hörer, statt auf den Anruf zu warten, vier weitere Weiterleitungen und dann kommt endlich jemand, der das nicht erscheinende Konfigurationsmenü austricksen konnte!

Na, Halleluja! Hoffentlich werden PC-Probleme nicht zur alle fünf Monate zelebrierten Routine…

1 Kommentare:

Andi hat gesagt…

Da hatte ich bei meinem letzten Ausfall ja noch Glück. Angerufen, Techniker ruft zurück, Techniker sagt Kabel kaputt, neues Kabel gekauft, für'n Arsch, Telefon-Typi geholt, zieht einmal das Kabel aus der Buchse, steckt's wieder rein, geht wieder. Übrigens nicht Telekom.

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