Dienstag, 20. April 2010

Eurovision 2010: Die Songs aus dem 1. Halbfinale (Teil I)


Wie schon in den vergangenen Jahren werde ich mich zur Vorbereitung auf den internationalen Liederwettbewerb durch sämtliche Songs kämpfen, die es im Rahmen der zwei Halbfinals und der großen Veranstaltung am 29. Mai zu hören geben wird. Wieder einmal ist das musikalische und qualitative Spektrum für eine Musiksendung einzigartig und wieder einmal gibt's Beiträge, die zum Staunen oder auch zum Kopfschütteln einladen.

Wie sieht die Konkurrenz für unsere süße Lena Meyer-Landrut und ihren Ohrwurm Satellite aus? Gewinnt Deutschland dieses Jahr in Europa an Respekt, oder gewinnen wir zudem noch einen Spitzenplatz? Absehen kann man das bislang nicht, aber wenigstens lässt es sich mit (selbst-)kritischem Blick auf die Konkurrenz etwas besser abschätzen. Andererseits... wir reden hier vom Eurovision Song Contest, da weiß man nie, was passiert.

Ohne weiteres Vorgequatsche, auf ins Getümmel und ab zu den ersten Songs!

Startnummer 1: Moldawien - Run Away (Sunstroke Project & Olia Tira)




Die ca. 3,3 Millionen Einwohner starke Republik schickt dieses Jahr eine unkonventionelle Mischung aus entstaubten und gezügelten 90er-Jahre Elektrobeats, Violine, quäkigem Saxofon, mäßigem Männergesang und einer für dieses Musikgenre recht klangsicheren jungen Sängerin und Morgenmagazin-Moderatorin ins Rennen. Run Away ist ein musikalischer Zusammenschmiss, der nicht wehtut, allerdings zu Beginn wesentlich mehr verspricht, als es letztlich einlöst. Die Mischung aus dramatischer Violine, Retro-Saxofon und (nicht mehr wirklich) modernen Beats könnte eine energetische Symbiose eingehen, stattdessen läuft Run Away unaufregend und ohne Highlights vor sich her. Jedoch ist es prädistiniert für eine denkwürdige Bühnenshow, von welcher der Finaleinzug wohl abhängig sein wird. Meins ist dieser Song zumindest nicht.

Startnummer 2: Russland - Lost And Forgotten (Peter Nalitch & Friends)



Für Russland geht der via Youtube und LiveJournal entdeckte Peter Nalitch an den Start. Seine schwermütige, mit behäbigem Männergesang hinweggeschmachtete Ballade ist für mich ein gnadenloses Schlafmittel. Allerdings scheinen gerade beim Eurovision Song Contest die für mich ödesten Balladen den größten Anklang zu finden, und gerade im Gebiet um Russland herum scheint so etwas ja recht gut anzukommen, von daher habe ich keine Ahnung, wo dieser Beitrag landen könnte. Mir zumindest schmerzt das angetrunken klingende Russenenglisch in den Ohren, aber manche können auch mit Lenas Oxford-Englisch nichts anfangen. Tzzz, zu viele Hollywoodfilme im Original gesehen? ;-)

Startnummer 3: Estland - Siren (Malcolm Lincoln)



Mein erster Gedanke: Hilfe, wurden die Coldplay-Jungs böse angeschossen und singen sich mit einem Depeche Mode-Cover ihren Schmerz vom Leib? Neee, diese 80er-Elektrostimmverzerrer-Klagenummern haben mir noch nie gefallen, und das ESC-Publikum ist, wenn es überhaupt weiterhin in der Vergangenheit feststeckt, musikalisch eher in den 90ern hängen geblieben, als in der Zeit der zerrissenen Jeans und des Zauberwürfels. Die Elektro-Synthie-Soul-Pop-Band kann meines Gewissens nach gerne im Halbfinale hängen bleiben.

Startnummer 4: Slowakei - Horehronie (Kristina Pelakova)



Die Slowakei ist entgegen aller Ostblock-Schummeleivorwürfe ein erfolgloses Teilnehmerland. Platz 19 (1994), Platz 18 (1996), Platz 21 (1998) und dann erreichte das Euro-Mitgliedsland nach einer ausgedehnten Pause Platz 18 des Halbfinales. Mit dem folkloristisch angehauchten, bedächtigen Pseudo-Dancesong Horehronie sehe ich keinen Ausrutscher nach oben in der Erfolgsstatistik vorher. Zu langsam für die Dance-Fraktion, zu wenig Lokalkolorit für die Freunde des volkstümlichen. Und generell erwies sich eh mehr das südländische Musik-Temperament als Erfolgsrezept beim Eurovision Song Contest. Griechischer und türkischer Ethnopop erobert regelmäßig die Top Ten, das hier ist zu kühl. Und ja, es gab auch genug östlichen Ethnopop, der beim ESC gute Plätze belegte, doch diese Lieder hatten allesamt mehr Feuer unter dem Hintern.

Startnummer 5: Finnland - Työlki Ellää (Kuunkuiskaajat)



Finnland lässt seine Metalfans und die Discogänger dieses Mal im Regen stehen und lässt internationale Reporter über den Namen eines weiblichen Popduos stolpern, das ein von Zigeunermusik beeinflusstes Stück volkstümlicher Musik zum bunten Reigen des Eurovision Song Contests beisteuert. In nur wenigen Schritten von Lordi zum Schlagerfest der Volksmusik scheint die Lektion zu sein, die uns die Finnen lehren wollen. Työlki Ellää enthält alles, was Karl Moik mit entzücktem Grinsen zu einem Kommentar über die Piroggenfresser hinreißen lassen würde: Eine Sängerin steht stocksteif hinter ihrem Akkordeon, während die andere rumhüpft, als wäre ihr warmes Preiselbeer-Weizen in den Slip getropft. Anrufe von den jugendlichen Zuschauern des Eurovision Song Contests gewinnt man auf diese Weise garantiert nicht. Ob die älteren und traditionellen Zuschauer aus dem nordischen Kulturkreis oft genug ihr Telefon wiederfinden, um Kuunkuiskaajat ins Finale zu wählen? Ich glaube nicht, Tim. Aber vielleicht lädt der Florian die zwei zu einem Besuch bei seinem Silbereisen ein?

Startnummer 6: Lettland - What for? (Aisha)



Lettland hat sich 2002 mit seinem Eurovision-Siegertitel I Wanna einige Sympathien bei mir aufgebaut, die mit den Karnevalspiraten aus dem Jahr 2008 beinahe zugrunde gerichtet wurden. Aishas Song What for? hat nicht das Zeug dazu, sich jahrelang in mein Gedächtnis festzusetzen, egal ob als gutes oder schlechtes Lied. Der diesjährige Beitrag Lettlands ist eine unspektakuläre, charakterarme 08/15-Radioschnulze, die vor sich hinplätschert ohne sich zu bemühen irgendwem besonders zu gefallen oder zu nerven. Dass die Interpretin mit Guns'n'Roses und Metallica aufwuchs ist leider kein bisschen rauszuhören.

Startnummer 7: Serbien - Ovo Je Balkan (Milan Stanković)



Das 7,5 Mio. Einwohner zählende Land gewann 2007 direkt bei seiner ersten Teilnahme den Eurovision Song Contest, im Jahr darauf erreichte Seriben Platz 8. Vergangenes Jahr reichte es nicht für das Finale - und auch dieses Jahr sollte man (das wage ich jetzt einfach zu prognostizieren) nicht all zu siegessicher sein. Das ist [der] Balkan, wie sich diese kuriose Balkan-Volksnummer mit obligatorischem Elektrofilter und einem aalglatten jungen Sänger übersetzen lässt, wird für die westlichen Nationen keinerlei Attraktivität besitzen. Sie will einfach nicht ins Ohr.

Das war also der erste Schub. Demnächst geht es weiter mit den restlichen Beiträgen aus dem ersten Halbfinale.

6 Kommentare:

Rothi hat gesagt…

Bei vielem gebe ich dir wirklich Recht. Überhaupt ist dieses 1. Halbfinale musikalisch sehr schwach. Da 10 Lieder rauszusuchen, die finalwürdig sind, ist für mich eine echte Herausforderung. :-)
Am ehesten gebe ich noch Moldawien, Slowakei und Serbien eine Chance. Russland ist einfach nur zum Abschalten, Estland zu experimentell und Lettland zu getragen. Die Finnen würde ich ganz persönlich gerne im Finale sehen, einfach weil sie so schön schrullig sind. Aber meistens bin ich doch der einzige, dem so etwas gefällt.

onkelosi hat gesagt…

Ich freue mich auf Finnland, Moldavien und die Slowkei der Rest ist durch weg banal und zum gähnen. Hier ist der Siegertitel vermutlich nicht dabei.

Andi hat gesagt…

1: Du hast recht! Klingt übelst nach 90er-Jahre-Eurobeat.
Und gerade deswegen finde ich den Beitrag OK. Ich würde
diese Elektro-Gedöns mit Sicherheit auch scheiße finden,
aber hey - das war die Musik der 90er, die Musik meiner
Kindheit und da damals immerhin im Gegensatz zum heutigen
House noch Melodie dabei war, habe ich nichts dagegen.

2: Als ich sah wie er das Gesicht verzog, erschlich mich
das Bedürfnis ihm... naja der Blog hier soll ja gewaltfrei
bleiben.
Möchtegern-Opern-Gesang mit billigem Liedchen.
Pavarotti meets Rolf Zukowski.

3: "People are people, so why should it be..."

4: Das ist das, was ich mit dem Grand-Prix verbinde.
Ethno-Pop. Ein Mischung die so lecker ist wie Spüli
und Frostschutzmittel.
Lustig, dass aber wir damit angefangen haben: Mich
erinnern diese Nummern immer an "Dschinghis Khan".
Die laufen aber bei uns noch auf jeder Party.

5: Generation Silbereinsen wird's freuen.
Wegen des Zigeuner-Einschlags aber nicht ganz so
naiv und von daher immerhin lagerfeuertauglich - für
die die dieser Sprache mächtig sind.

6: Alder Vadder! Ton abstellen, genießen!
Netter, selbstironischer Blick zum Schluss.

7: *kotz*

Andi hat gesagt…

Passt zwar nciht ganz hier her, aber die letzten USFO-Beiträge haben ja schon 21 Kommentare ;-)

Ich habe meinen Studiumsarbeiten heute lange Pause gegönnt und bin ganz spontan in meine Uni-Stadt gefahren, aber nicht um in die Bibliothek zu gehen, sondern auf die Zeil wo heute zum verkaufsoffenem Sonntag die Band Rewind spielte - Rewind von und mit Jennifer Braun!
Ich muss sagen, die Jenny ist wirklich genauso, wie sie im Fernsehen war, Kompliment an Raabs Leute, die haben die Kandidaten wirklich sie selbst sein lassen. Auftreten, Klamotten, Gesang - alles wie im TV. In einem kurzen Interview vor Showbeginn, machte sie deutlich, dass sie nicht unglücklich darüber ist "nur" zweite geworden sein. Obwohl es mitten in unserer hessischen Metropole stattfand, hatte es doch irgendetwas von einem Dorffest, inklusive kleinem Jungen, der seine Eltern verloren hatte, Technikproblemen, kleinen Kiddies, die ins Mikro singen durften und ein mehr als alle anderen abgehender kleiner Fanclub rund um Jennys partylaunigen Vater, mit dem von der Bühne aus diskutiert wurde, ob sie ihre Jacke ausziehen dürfe (Antwort war "Nein").
Ich glaube hier ist sie einfach mehr in ihrem Element, als sie es in sämtlichen Klatsch-Medien wäre, durch die die arme Lena zurzeit gezerrt wird. Die Autogrammstunden vor und nach der Show machten gerade genug "Star"-Status aus um dabei noch ungehemmt rumlaufen zu können, ohne von verrückten Fans oder Reportern überfallen zu werden und lieber die echten Freunde, die gekommen zu begrüßen.
Gespielt wurden Stücke, die sie auch in der Show sang (zum Schluss durch Glockengeläute unter erschwerten Bedingungen) mit vielen anderen leichten Poprock-Nummern. Jenny ist dabei nur eine von drei Front-Leuten, neben ihr sangen noch ein junger Kerl, der ein bisschen auf Möchtegern-Star machte (im positiven Sinne) und ein weitere junge Frau, die mich beide durchaus zu überzeugen wussten mit wirklich hervorragendem Gesang und die eine prima Abwechslung zu Jennys berühmtem stimmbändererschütterndem Röhren boten.
Die Band selbst spielte gut und machte nichts falsch, besteht aber leider nur aus der heute üblichen Standardbesetzung, Abwechslung entsteht nur durch verschiedene Synthsizer-Sounds vom Keyboard. Partybandtechnisch bin ich durch eine befreundete Band von mir halt etwas verwöhnt, die vor Kreativität und Abwechslung nur so sprühen.
Das Publikum, das auch mehr nach Land als nach Uni-Stadt aussah, acuh deswegen weil es nicht gar so zahlreich war, war leider nur sehr langsam zu mitmachen zu bewegen trotz guter, weiderholter Versuche der drei auf der Bühne. Ausnahmen bilden ausgerechnet zwei ältere Herren, einer der allerdings zwischenzeitlich fortgetragen wurde, weil er wohl eine Schlägerei anfangen wollte und ein noch älterer, der als einziger tapfer den ganzen Auftritt mittanzte und damit der Band fast die Show stiehl.
Ich glaube Jenny ist froh wieder weiter mit Band musizieren zu können, einer Truppe, denen ich es wirklich glaube, wenn sie, vor allem die Mit-Sänger, Jenny etwas "promoten" ohne dabei auch nur ein bisschen Neid für ihren Solo-Erfolg zu empfinden. Im Gegenteil: Jenny legt überhaupt keinen Wert darauf gesondert genannt oder behandelt zu werden, was die Veranstalter aber nur zu gerne tun.
Wer nicht gerade in der RheinMain-Region lebt, wo die Gruppe noch den ganzen Sommer über viele Auftritte absolvieren wird kann sich auf den Grand-Prix-Abend freuen, wo Rewind im Vorprogramm der ARD spielen werden.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Vielen Dank für deinen Bericht :-)

Anonym hat gesagt…

Also dieses Jahr ist die Auswahl wirklich gut gelungen.Ich finde dass es an der ESC 2010,wirklich schwer sein wird, den oder die Gewinnerin auszusuchen,bzw für sie anzurufen.Ich gönne den Gewinn an : Moldawien,Serbien,Bosnien und Rumänien.Diese 4 haben einfach tolle Lieder.Serbien hat ein sehr stimmungvolles Lied,bei denen jeder Spass werden wird.Bosnien dagegen find ich einbischen schade,dass sie nicht in ihrer Heimatsprache reden.Doch das Lied ist trotzdem toll.Und Rumänien finde ich am BESTEN!Solche Lieder müssten bei der ESC dabei sein und keine dramatischen Lieder,bei denen jeder sofort Tränen in den Augen bekommt.Darum gön ich es ihnen am meisten.
Aber um erlich zu sagen.Ich bin ja aus Serbien.Trotzdem muss das ja nicht heissen,das ich auch für dieses Land anrufe.Ich meine,ich werde schon anrufe.Doch z.B Albanien [nix gegen sie] die werden niieee für Serbien anrufen,oder für irgendein anderes Land.Weil,in Wirklichkeit sollte man niht anrufen wegen des Landes,sondern wegen dem,wie gut das Lied ist.ALSO ÜBERLEGT ES EUCH NOCH EINMAL. dankeschön:) Und SIR DONNERBLOD,ICH WÜRDE GERN NE ANTWORT BEKOMMEN AUF DIESEN KOMMENTAR.HAHA DANKE

Kommentar veröffentlichen