Samstag, 22. Mai 2010

Eurovision 2010: Die Songs aus dem 2. Halbfinale (Teil I)

Am 25. Mai beginnt endlich wieder der Eurovision Song Contest. Denn an diesem Tag wird das erste Halbfinale abgehalten. Die Lieder aus dieser Show besprach ich ja bereits hier und hier. Am 27. Mai wird dann die zweite Runde eingeläutet, bevor es am 29. Mai endlich auf zur großen Samstagabend-Show geht und wir alle "unserer" Lena die Daumen drücken.

Bis dahin wollte ich mir sämtliche diesjährigen Eurovisionbeiträge vorab anhören. Deshalb stürze ich mich jetzt einfach ohne weitere Vorrede in die erste Fuhre an Songs aus dem 2. Halbfinale.

Startnummer 1: Litauen - Eastern European Funk (InCulto)



Mit dem Sextett InCulto wird das 2. Halbfinale des diesjährigen Eurovision Song Contests von einem komödiantischen Act eröffnet. Diese sind 2010 rarer gesät, als mittlerweile gewohnt, und auch bei Eastern European Funk ist die humorige Intention nicht so offensichtlich wie etwa damals bei Verka Serduchka, wobei mit dem entsprechenden Bühnenauftritt daran noch gefeilt werden kann. Schade ist, dass zumindest für mein Hörverständnis die Texte etwas unverständlich gesungen werden, so dass man diese Spaßnummer allein an der Musik bewerten kann. Die Mischung aus Punk-, Latino-, Funk- und Balkanklängen ist durchaus charmant, doch für einen wirklich großen Wurf zu unausgegoren.

Startnummer 2: Armenien - Apricot Stone (Eva Rivas)



Armenien nimmt seit 2006 am Eurovision Song Contest und platzierte sich jedes Mal innerhalb der Top Ten. Auch dieses Jahr sollte man mit Armenien rechnen, da die sanft mit Ethnoelementen versetzte Popballade mit Upbeat-Tempo enthält alle Elemente, die zwar nicht zwangsweise zum Sieg führen, aber bei guter Ausführung immerhin für eine solide bis gute Platzierung sorgen. Sollte die 1987 geborene Sängerin Eva Rivas live eine sichere Stimme bewahren und im letzten Drittel mehr Seele in das etwas überproduzierte Lied stecken, könnte Armenien ein weiteres Mal sehr gut abschneiden, und dieses Mal mit moralischer Unterstützung meinerseits rechnen. Selbst wenn das Lied eigentlich nicht ganz meinem Geschmack entspricht - im Rahmen meiner multikulturellen Neugier während der Eurovisionphase gefällt es mir durchaus.

Startnummer 3: Israel - Milim (Harel Skaat)



Die israelischen Eurovision-Beiträge gefallen mir in den seltensten Fällen. Auch mit Harel Skaat, dem lange favorisierten, und im Finale letztlich bloß auf den zweiten Platz gewählten Teilnehmer des israelischen Äquivalents von DSDS kann sich das seit 1973 teilnehmende Land nicht in mein Herz singen. Milim, was auf Deutsch "Worte" bedeutet, ist viel zu schwerfällig mit pathetischem Finale, Skaat hat zwar ein beeindruckendes Talent schwierige Noten zu treffen, jedoch mangelt es seiner Stimme an Charakter oder Ecken und Kanten, die diese langweilige Komposition interessant machen.

Startnummer 4: Dänemark - In A Moment Like This (Chanée & N'evergreen)



Seit der zweiten Ausgabe des Eurovision Song Contests nimmt Dänemark teil, von 1967 bis 1977 folgte eine Pause. Insgesamt schaffte es Dänemark sechs Mal in die Top 3, den letzten großen Erfolg hatten unsere nordischen Nachbarn 2000 mit den Olsen Brothers und Fly on the Wings of Love. Wie sieht es dieses Jahr aus? Machen wir es kurz: Ein Hauptriff, der klingt, als sei er aus dem Werbefernsehen geklaut und nervig aufgesetzter Pop-Schlagergesang. Ich mag's nicht und ich rechne dem Duo auch keine besonders hohen Chancen ein.

Startnummer 5: Schweiz - Il Pleut de L'Or (Michael von der Heide)



Unsere vielsprachigen Alpennachbarn schicken mit Michael von der Heide einen auch hierzulande nicht gänzlich unbekannten Künstler nach Oslo. Michael von der Heide ist ein musikalischer Vorzeigeschweizer, der auf Französisch, Deutsch, Schwytzerdütsch, Englisch und Italienisch singt. Sein Eurovision-Song wird allerdings komplett auf Französisch gesungen, was in meinen Augen bereits eine verschenkte Chance ist. Ein schöner Sprachenmix wäre bei einem entsprechend talentierten Interpreten doch wirklich angebracht. Vielleicht lässt sich von der Heide auf der Bühne ja "spontan" dazu hinreißen, mal abwarten...
Il Pleut de 'Or wollte mir im ersten Moment nicht gefallen, aber nach einer kurzen Eingewöhnungszeit hat es sich tatsächlich irgendwie in meinen Gehörgang französeln können. Die Backgroundsänger werden ganz gut eingesetzt und die popige Chansonmelodie wird gelegentlich von dramatischeren Musikeinsätzen aufgebrochen, was dem Lied Ecken und Kanten gibt, die den insgesamt sehr glatten Eindruck etwas auflockern und greifbarer beziehungsweise erträglicher machen. Irgendwo gefällt mir das Lied und ich würde es gerne im Finale wissen, aber ich bin mir nicht sicher, wie der Rest Europas dazu steht.

Startnummer 6: Schweden - This Is My Life (Anna Bergendahl)



Wir alle wissen es: Aus Schweden stammt der Act, der mittels des Eurovision Song Contests den größten Karriereschub erlebte und daraufhin den langwährendsten Einfluss aller Eurovision-Interpreten auf die Popgeschichte ausübte. Seither wartet eigentlich jedes Jahr jemand auf ein neues ABBA-Ereignis. Selbstverständlich sind dies vermessene Erwartungen.
Mit einer Blondine, die schmachtend eine Ballade darbietet, lässt sich eher Islands letztjähriger Beitrag Is It True? als Vorbild heranziehen. Diese Nummer belegte den zweiten Platz, obwohl ich sie grausam generisch fand. Auch This Is My Life orientiert sich stark am Leitfaden "Balladen für Dummies", gefällt mir persönlich dennoch deutlich besser. Diese Ballade steht nicht vermeintlich bedeutsam im Raum, sondern kommt herum. Das Lied ist nicht sonderlich gefühlvoll oder berührend, aber es ist eine gute Tanzballade oder eine zum Gedanken kreisen lassen. Anna Bergendahl, eine weitere Teilnehmerin eines DSDS-Pendants, hat eine starke Stimme mit Volumen, die dem Lied eine weitere Ebene verleiht und vor Flachheit bewahrt. Am Bühnenauftritt sollte sie meiner Meinung nach noch etwas feilen, das wackelnde Getanze am Schluss passt, wie ich finde, nicht so wirklich zum Song.

Startnummer 7: Aserbaidschan - Drip Drop (Safura)



Das in Vorderasien zu lokalisierende Aserbaidschan belegte 2008 den achten Platz und bei seiner zweiten Teilnahme sogleich den dritten Rang. Lange sahen einige selbsternannte Eurovision-Experten die 8,2 Millionen Einwohner starke Nation beim diesjährigen Wettbewerb auf dem Siegerpodest. Ich finde es bestenfalls erträglich. Drip Drop ist die Art Musik, bei der ich während des Autofahrens kurz zu meinem zweiten Stammsender wechseln würde und dann eventuell wieder zu ihm zurückkäme, sollte auf der anderen Station nichts deutlich besseres laufen. Knallt noch einen Rapper hinein, der zu Beginn des Songs seinen Namen und "Safura! Ah, ya!" stöhnt, und fertig ist der gerne auch in Dorfdiscos und bei Stufenfeten gespielte Ottonormaldurchschnittsradiopopsong, der Rihanna und Konsorten von erfolgreichen zu sehr erfolgreichen und kaum vermeidbaren Popmusikphänomenen macht. Okay, die Beats von Drip Drop müssten für den Discoeinsatz vielleicht ein bisschen aufgedreht werden...
Drip Drop tut nicht weh, ist schnell vorbei, je nach Laune hinterlässt es vielleicht ein sehr, sehr sanftes Lächeln und Schluss. Jedenfalls in meinen Ohren - doch da sich ja Unmengen von Leuten diese Art des Pops kaufen, werden sicher auch einige für ein solches Lied anrufen. Die Top Ten sind sicher möglich.

Startnummer 8: Ukraine - Sweet Peolpe (Alyosha)



Sweet People ist eine kleine Überraschung. Alyosha hat eine richtig soulig dunkle Film-Noir-Stimme, die heraussticht und meine Aufmerksamkeit weckt. Der restliche Verlauf wandelt sich zu einem langsam-dumpfen Rocksong mit pessimistisch wämmernden E-Gitarren und einer verzweifelten, klagenden Sängerin. Guter Aufbau, klasse Stimme und eine der "intelligenteren" des diesjährigen Eurovision Song Contests. Da Rock bei diesem Wettbewerb allerdings vornehmlich auf dem schnelleren, schrilleren und showmäßigeren Lordi-Weg Erfolgschancen hat, bleibe ich bezüglich der Erfolgsprognose verhalten und befürchte, dass es nichtmal für einen Einzug ins Finale reichen wird. Wäre dieser Song im ungleich schwächeren ersten Halbfinale gelandet, sähe es vielleicht wieder anders aus.

1 Kommentare:

Andi hat gesagt…

1: Spontan würde ich sagen das Beste bisher. Einfallsreich, innovativ, kreativ und originell und dazu noch eine annehmbare Melodie. Nette Abwechslung.

2: Armenien? Beim EURO-Song-Contest?

3: siehe oben. Noch Fragen?

4: "Fly on the wings of Love" find ich gut. Wusste gar nicht, dass das ein Grand-Prix-Song war.
Zum Stück: 0815-Pop. Tut nicht weh, hält sich aber auch nicht.

5: N-tz a-tz n-tz a-tz Franz a-tz Pop-tz a-tz n-tz a-tz der-tz a-tz schwei(t)z-a-tz Michael Wendler oder a-tz was a-tz ????

6: komische Stimme. Nicht schön. 7: siehe 2. 6 & 7: Lied geht rein und wieder raus. Mag diesen Special-Effects-Wahn in der heutigen Pop-Musik nicht. Was haltet ihr davon wieder mal Instrumente selbst einzuspielen anstatt mit eurem Eletro-SFX-Baukasten ein schlechtes MIDI-Arragement zu besprühen.

8: Jo, da lässt sich drüber speaken. Wirkliche eine erfreuliche Abwechselung für das ganze Grand-Prix-Gedöns. Und die ansehnliche Sängerin käm ohne diesen leichten Emo-Einschlag noch viel netter rüber.

Witzig, habe darin gerade ein Probe-Video mit Lena gefunden. Das muss ja brandaktuell sein - von heute!

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