Donnerstag, 27. Mai 2010

Mein Abschied

Goodbye. Es war schön mit euch!

Wenn man nicht selbst vergleichbare Erlebnisse durchmachte, belächelt man ja gerne und vorschnell Leute, die wegen eines verlorenen Fußballspiels weinen oder Panikattacken kriegen, wenn ihre Lieblingsband sich auflöst. Es kommt uns absurd vor, wenn jemand ein gutes Buch nicht zu Ende lesen will oder am Boden zerstört ist, wenn eine Serie beendet wird.

Als aufgeschlossener Mensch, sollte man aber jedem seine Emotionen lassen, wenn es um solche Leidenschaften geht. Ja, endloses Gekreische beim Konzert oder in Fernsehsendungen werde ich nie verstehen (will man seinen Star nicht mal hören?), ebenso wie Fußballfans mit Trommel in der Straßenbahn (das ist doch nur nervige Selbstzelebrierung), geschweige denn von Selbstmorddrohungen nach dem Aus einer Boyband, aber Gefühlsausbrüche, wenn eine geliebte Reihe ihr Ende findet, sollten genauso respektiert werden, wie das kollektive Grummeln nach dem WM-Ausschied Deutschlands.

Trotz meines (je nachdem, worum es denn nun geht bloß bemühten) Verständnis für solche Abschiedsreaktionen, verspührte ich nie große Trauer, wenn eine Serie zu Ende ging. Ja, natürlich nahm mich das eine oder andere Serienfinale mehr mit, als die Ottonormal-Durchschnittsfolge, aber es war selten wesentlich mehr als das übliche Mitempfinden bei gelungenen, traurigen Medieninhalten. Die Serien, die mich mit ihrem Enderichtig packen konnten, sind schnell aufgezählt. Da wären Die Dinos. Deren letzte Episode hat mich allerdings eher geschockt, als in Trauer gestürzt. Dann noch ALF - schiere Wut über das Ende. Alias - Die Agentin machte mich schon eher rührselig, weckte einen bittersüßen Abschiedschmerz, doch es war für mich kein einschneidendes Ereignis. Das liegt wohl auch daran, dass ich die fünfte Staffel Alias auf DVD sehr schnell durchgesehen hatte, genauso wie die dritte und vierte, alles Staffeln, die zvor der fernsehpremiere als Box-Set erschienen. Dass Alias endete war sehr schade, das Finale rührte mich, aber danach war's für mich auch vorbei.

Am Dienstag bekam ich dann "endlich" meinen großen Serien-Abschiedskummer. Auslöser war - natürlich - exakt die Serie, vor deren Ende ich seit Jahren Bange hatte. Dienstag endete Scrubs - Die Anfänger mit einem würdigen Finale. Ich werde meine Sucht nach neuem Stoff von dieser Serie noch mit dem Bonusmaterial des Staffelsets und der neunten Staffel, die eher als Spin-Off namens Scrubs: Med School zu betrachten ist, befriedigen können. Sobald auch dieses DVD-Set angeguckt wurde, werde ich endgültig nur noch von Wiederholungen abhängig sein.

Die achte und so gesehen finale Staffel des Original-Scrubs brachte die von mir geliebte Serie zu ABC, nachdem die siebte Staffel auf NBC aufgrund des Autorenstreiks vor der geplanten Finalphase von Scrubs abgesägt wurde. ABC gönnte den Machern und Liebhabern von Scrubs den Platz für ein würdiges Ende, und das hat Scrubs meiner Meinung nach auch erhalten. In der achten Staffel wurden aus Kostengründen die Tagtraum-Sequenzen stark runtergefahren, was die Dramaturgie und Handlungsdynamik enorm beeinflusste. Einige Fans bemängelten die zunehmende Absurdität und Ausführlichkeit von JDs Tagträumen und ihren Einfluss auf die Stimmung der Serie, und eben jenen wurde durch die Kostenersparnis in die Karten gespielt. Ich selbst hatte keine Einwände gegen die expandierende Skurrilität von Scrubs, dennoch begrüßte ich den Wandel in der achten Staffel, da mir die siebte Staffel verhältnismäßig unausgegoren vorkam und die achte Staffel so ewas Ordnung ins Chaos brachte. Außerdem reflektierte der Mangel an Tagträumen und der wieder erstarkte Fokus auf die (humoristisch aufbereiteten) zwischenmenschlichen und medizinischen Dramen im Sacred Heart den Reifeprozess, den die Figuren in acht Jahren durchmachten. Für Lacher sorgten neben den typischen Sprüchen die als Gegengewicht zum stärkeren Drama-Element dieser Dramedy/Beinahe-Sitcom immer comichaftere Männerliebe zwischen JD und Turk.

Eine ernstere letzte Staffel tat Scrubs gut, und auch wenn sie nicht ganz an die beste Zeit der Serie anschließen konnte, sorgte sie in meinen Augen dafür, dass Scrubs während eines Aufwärtstrends endete. Die letzte Episode, Mein Finale, letztlich brachte alles zusammen, was Scrubs ausmachte. Sie war witzig, philosophisch und dramatisch. Das Ende der Folge war richtig originell, so dass Scrubs selbst in den letzten Sekunden nochmal frisch und einfallsreich wirkte. Während der letzten Momente bekam ich richtige Gänsehaut und obwohl das Finale von Scrubs eher bescheidene Ausmaße annahm, statt die Serie mit Pomp und Trompeten ausklingen zu lassen, steckten große Emotionen hinter diesem Schlusstrich. Es war die alltägliche Greifbarkeit des Finales, das nochmal deutlich machte, weshalb ich Scrubs so sehr liebe: Der Schluss war nachvollziehbar, man konnte mitfühlen und sich in JD hineinversetzen, und dennoch diente es gleichermaßen stark als Weltflucht. "Scrubs ist genauso, wie das wahre Leben. Nur völlig anders", könnte man dieses Gefühl beschreiben.

Während der finalen Episode war ich sehr gerührt, aber es benötigte noch einige Minuten, bevor mich der große Abschiedsschmerz überkam. Mit Scrubs endete nicht nur meine Lieblingsserie, sondern auch ein verlässlicher Begleiter durch mein Leben. Ohne jetzt in diese übertriebene Weise zu verfallen, in der Realität und Fiktion verschwimmen und man irgendeine Serienfigur wie einen echten Freund betrachtet. Vom 2. September 2003 bis zum 25. Mai 2010 geleitete Scrubs mich durch Höhen und Tiefen, nahm mich durch die letzten Tage der Mittelstufe bis zur Oberstufe und begleitete mich bis ins Studium. Immer wieder konnte mich Scrubs durch die unvergleichliche Leistung, genau den empfindlichen Nerv auf Alltagsprobleme zu stoßen, und im selben Moment machte die Serie den vergangenen Tag vergessen und diente als garantierte Erholungsphase. Ich sah Scrubs alleine und in der Gruppe, ich fieberte mit meinen Lieblingsfiguren mit, hatte schwere Lachkrämpfe und saß wie hypnotisiert vor besonders emotionalen Folgen und wunderte mich mit vor Staunem offenen Mund "Woher wissen die das?"

Es waren wundervolle Jahre. Und langsam entfaltet sich erst, wieviel mir Scrubs eigentlich bedeutete. Dabei ehrte ich die Serie schon vor dem Finale mehr, als jede andere. Schade, dass es nun vorbei ist. Aber wenigstens bescherte mir Scrubs mein bislang schönstes Serienende.

14 Kommentare:

Sunshine hat gesagt…

Schön geschrieben. :)

Ich war damals ein bisschen traurig, als "Die Nanny" endgültig vorbei war; allerdings hat mich die Serie nicht so konsequent begleitet wie dich Scrubs. Dennoch, das war immer eine schöne Stunde mit der Serie und als es dann vorbei war und man sich von den liebgewonnenen Charakteren verabschieden musste (und die auch noch einen Rückblick auf schöne Momente machten *heul*)... da wird man leicht sentimental.

Und ja, jetzt hängt man an den Wiederholungen und kann alles mitsprechen. :)

Andi hat gesagt…

Diesen "Abschiedsschmerz" habe ich jedesmal, wenn ich die letzte Folge von "Hör mal, wer da hämmert!" sehen. "Das Backstage-Special" ist ja auch noch so richtig aufgebaut um die Emotionen überschwemmen zu lassen.

Stichwort "Selbstzelebrierung": Sammel doch mal ein paar "Scrubs"-Fans um dich, schaut euch ein paar Folgen, besauft euch, grölt rum und erinnert euch an alte Zeiten. Vielleicht findest du es dann auch nicht mehr nervig, sondern wie der Rest der Welt - geil!

Sir Donnerbold hat gesagt…

"Ich sah Scrubs alleine und in der Gruppe"

Wir haben auch sehr laut gelacht. Aber wir sind nicht, bevor wir bei X zu Hause "Scrubs" schauten, besoffen im Zug durch die Welt gefahren und liefen singend, trommelnd und Tröten in fremde Ohren erklingend durch die Stadt getorkelt. Da besteht ein Unterschied.

Mirco hat gesagt…

Sehr schöne Reflektion, die ich so definitiv unterschreiben werde. Auch das Ende von "Friends" hat mich damals total umgehauen. Serienliebhaber dürfen trauern und müssen sich dafür nicht schämen :)

Aber jetzt sind J.D., Turk und die anderen im Serienhimmel angekommen und feiern mit Dr. Green & Chandler eine hinreißende Party :)

Andi hat gesagt…

Macht doch Spaß. Das würde ich sogar viel eher mitmachen, als mir "Scrubs" anzusehen!

Sir Donnerbold hat gesagt…

Dir ist aber bewusst, dass du, weil du "Scrubs" nicht guckst, überhaupt nichts mit meiner Gruppe zu tun hast. Außer dass wir dafür sorgen, dass du in der Straßenbahn keine Luft bekommst, dein eigenes Wort nicht verstehen kannst, dir Bier ins Gesicht geschüttet wird und irgendwer auf deinen Rucksack kotzt. Und warte ab, bis diese verf*ckten "Grey's Anatomy"-Fans auch noch in die Bahn steigen. Diese blöden Assis, die sich der falschen Serie verschrieben können ihre Fresse nämlich nicht halten - und deswegen werden sie jetzt ordentlich verprügelt!

(Äh, was ich sagen wollte: Jetzt dreh' dir das Bild mal nicht zurecht... Es geht darum, dass DU nichts mit der Sache zu tun hast. Du kannst nicht mitfeiern. Du magst unsere Serie ja nichtmal. Spacko. Was auf die Fresse? Hat dir dein Alter nisch bejebracht, watt jut für disch is, eh?!)

Kevin Kyburz hat gesagt…

Scrubs und Saufen und Feiern, alles scheiße, ich mach lieber eine anständige SNES Session, alleine im Keller, nur Mario und ich. Und Toad!

milan8888 hat gesagt…

An die Enden von den Dinos und Alf kann ich mich gar nicht mehr erinnern - ich weiß nur noch das ich bei ALf sehr enttäuscht war. Kann jemand mein Gedächtnis auffrischen?

Anonym hat gesagt…

Am Ende der Dinos, leiten Earl und sein Chef quasi die Eiszeit ein, was somit das Ende aller Dinos bedeutet...

Alf endet mit einem Cliffhänger, bzw, mit dem ersten Teil einer Doppelfolge, wobei der zweite Teil die fünfte Staffel einleiten sollte. Diese wurde jedoch nie gedreht, das heißt sie endet mit dem offenen Ende der ersten einer Doppelfolge.

Zumindest ist das das, an das ich mich erinnern kann...

Andi hat gesagt…

Stichwort Unterscheiden ;-)
Wiedermal beschränkst du die Selbst-Zelebrierung darauf, sich von anderen abzugrenzen.
Auch hier darf ich wiedermal Raab aus einem Interview zitieren: "Ich spiele niemals gegen andere, sondern immer nur für mich. Oder immer nur mit anderen für uns. Wir sind nicht gegen Griechenland oder Norwegen angetreten, sondern mit anderen - aber für Deutschland und für uns."
Es besteht ein Unterschied, ob man sich selbst "toll" findet oder ob man sich "toller als andere" findet. Ich habe euch "Scrubs"-Fans nie aufgefordert andere anzugreifen, sondern euch selbst zu feiern. Wenn deine Erfahrungen eher gegenteilig waren ist das schade; ich habe die erfahrung gemacht, dass man bei Leuten die sich feiernd freuen immer gut aufgenommen wird, sofern man nicht mit 'ner arroganten Fresse danebensteht und sich als was besseres fühlt.

Sehr bezeichnet finde ich übrigens auch, dass das erste Mal, dass du Dialekt einsetzt dazu verwendet wird um primitives verhalten zu kennzeichen.

@Kevin: DAS ist einfach nur arm!

Sir Donnerbold hat gesagt…

Ohja, ich sollte mich schämen, wie kann ich als einziger Mensch auf der Welt das "Dialekt = Hinterwäldler"-Klischee ausgraben, noch dazu, wenn ich es offensichtlich als Polemik kennzeichne. Ist ja auch nicht so, als würden feiernde Fußballfans, egal wie nett oder fies sie sind, feinstes Hochdeutsch verwenden. ;-)

Außerdem habe ich hier keineswegs erstmals Dialekt verwendet. *augenroll*

Zum Rest sage ich nichts, weil du entweder die ironische Hyperbel in meinem letzten Kommentar nicht verstehst oder du gezielt nur Streit suchst. Dass du zugegeben hast, mich als Gegner heranziehen zu wollen, war dein Fehler... ;-)

Falls du aber wirklich verstehen willst, was ich meine (und mich nicht auf Biegen und Brechen umerziehen oder Ärgern oder sonstwas): Ich wollte aussagen, dass ich nicht nachvollziehen kann, wieso Sportfans (und Fußballfans sind da die penetrantesten) nicht nur auf ihrem Event ihr Event feiern, sondern sich selbst außerhalb ihres Events, dabei andere in ihrer Ruhe stören und sich dabei noch toll finden. Außerdem wollte ich dein "da würde ich mitmachen" auf die Schippe mitnehmen - klar, es feiert ja auch jeder bei allem mit, egal was er vom Grund des Feierns hält. ;-)

Was ich dagegen nicht wollte: Eine Diskussion darüber entfachen. Der Beitrag enthält ganz anderes Gesprächspotential (und auch konstuktiveres, ohne gleichzeitig eine Meinung teilen zu müssen). Hätte ich Parolen vom Stapel gelassen a la "und für dieses asoziale Verhalten gehören Fußballfans eingesperrt", könntest du hier versuchen mich umzuerziehen. Ich habe dagegen einfach nur gesagt, dass es mir konträr läuft, nicht, dass dagegen anzugehen ist. Oder kurz: It's not my world, dude.

Finito? Mh... ja, finito.

Andi hat gesagt…

Echt? Wo gab's den schonmal Dialekt?

Aha. Na das kann ich ausnahmsweise mal nachvollziehen. Ich reagiere im Internet grundsätzlich gerne mal ironisch auf anderer Leute Kommentare, was andere wieder bierernst nehmen. Jetzt hast du den Spieß sozusagen mal umgedreht. Denn ich wollte - zumindest nach deinem letzten Kommentar - eine Diskussion entfachen. Aber schön, dass du jetzt Klartext redest, denn diese Ansicht, konnte ich aus deinem Kommentar nicht rauslesen.
Und mit dieser Diskussion, die zugegebermaßen immer noch im Sumpf unserer Patriotismus-Debatte steht, wollte ich dir eigentlich nur sagen, dass Nationalismus/Stolz auf Herkunft nicht mit Fremdenfeindlichkeit gleichzusetzen ist und durchaus etwas positivies sein KANN. Für asoziales Verhalten gehört hingegen jeder eingesperrt! Also lass den Scheiß von wegen "umerziehen"! Ich gehe in Dikussionen grundsätzlich mit dem Hintergedanken, dass sich eh niemand vom gegensätzlichen Standpunkt überzeugen lässt, aber mit der Hoffnung, die Perspektiven zu differenzieren.

Finito? Du bist der Chef!

PS: A pros pos Unterschied: Als Diskussionsgegner, nicht als Streitgegener. Streit impliziert Hass und wenn ich dich hassen würde, würde ich nicht jeden Abend deinen Blog zuspammen ;-)

OK, jetzt wirklich Finito :-P

Sir Donnerbold hat gesagt…

"wollte ich dir eigentlich nur sagen, dass Nationalismus/Stolz auf Herkunft nicht mit Fremdenfeindlichkeit gleichzusetzen ist und durchaus etwas positivies sein KANN."

Boah, meine Güte, langsam reicht's echt. Ich habe nie gesagt, dass Patriotismus mit Fremdenfeindlichkeit gleichzusetzen ist. Du musst echt mal aufhören, in jede meiner Aussagen, die sich von deiner Meinung unterscheidet gleich das krasse Gegenteil reinzulesen.

Der Aufreger musste jetzt sein. Basta aber jetzt mal wirklich. ;-)

Sir Donnerbold hat gesagt…

(Oder wenigstens back to topic)

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