Montag, 21. Juni 2010

Stöckchen: 18 Fragen über Disney

Manchmal frage ich mich, woher alle wissen, dass ich für Disney eine winzig kleine, klitzekleine, leicht nostalgische, dezente Schwäche habe... Jedenfalls hat dieses weithin verbreitete offene Geheimnis über mich mir ein Blogstöckchen eingebracht, das ich nun schweren Herzens und mit gewaltigem Widerwillen zu beantworten habe. Dämliche Netiquette. Steve von True Story!, das werde ich dir heimzahlen, das schwöre ich dir!

1. Was ist dein Lieblings-Disneyzeichentrickfilm?

Drei Caballeros.

2. Welche Figur ist dein Lieblings-Bösewicht?

In unbestimmter Reihenfolge: Dschafar (aus Aladdin), Scar (aus Der König der Löwen) und Barbossa (aus der Pirates of the Caribbean-Saga). Andreas Deja ist einfach der Meister der Bösewichter und Geoffrey Rush dreht in Piratenmontur so richtig auf!

3. Und dein liebster Held?

Donald Fauntleroy Duck.

4. Welche Moral ziehst du aus deinem Lieblingsfilm?

Öhm... dass Mexiko und Brasilien schöne Länder sind und nichts über einen Geburtstag geht, an dem man sich von Freunden absurd reich beschenken lässt, wie bessesen Frauen hinterherjagt und in eine bunte, psychadelische und abgedrehte Fanatsiewelt abtaucht? Und dass man immer das will, was man momentan nicht haben kann. Nicht war, Pablo?

5. Dein liebster Nebendarsteller?

Donald Duck.

Was? Er ist mal Hauptfigur, mal Nebendarsteller. Das gilt!
Okay, wenn ihr hier als Antwort eine andere Figur erwartet, dann wähle ich Dschinni (aus Aladdin, woher denn sonst?), gefolgt von Timon & Pumbaa für den Trickfilm-Bereich und Joshamee Gibbs oder Pintel & Ragetti aus der Pirates of the Caribbean-Trilogie (ich schwanke dauernd zwischen diesen beiden Optionen hin und her). Es sei denn, man zählt Captain Jack Sparrow als Nebenfigur (ja, das kann man tatsächlich, ohne sich lächerlich zu machen, siehe hier), in diesem Falle helfen Dschinni selbst seine halbphänomenalen, fast kosmischen Kräfte nicht weiter. Allerdings sehe ich Jack nicht als Nebenfigur an. Von daher: Glückwunsch, Dschinni.

6. Wenn du die Wahl hättest einen ganzen Film lang live dabei zu sein, welcher wäre das?

Eine sehr ungewöhnliche Frage. Also, so eine Party wie Drei Caballeros kann ich bloß schwerlich ausschlagen, und solche Abenteuer wie Atlantis oder Der Schatzplanet wären sicher ebenfalls spannend zu verfolgen, genauso wie die Pirates of the Caribbean-Reihe. Müsste ich mich für einen entscheiden, hinge es wohl allein von meiner Stimmung in dem Moment ab, in dem man mich für diese Reise in eine Filmwelt vorbereitet.

7. Findest du einen Charakter besonders erotisch/unerotisch?

Sorry, aber ich plansche nicht gern in Wasserfarbe. Wenn ihr mich aber zwingen wollt, hier eine Antwort zu geben, nun gut: Wenn ich mich mit der Intention hinsetze, hier eine Antwort rauszupressen, und mir die gezeichneten Disneyfiguren als Menschen aus Fleisch und Blut vorstelle (aber nicht in der gepudert grinsenden und leicht dämlich winkenden Disneyland-Paradenwagen-Ausführung), dann sind Aurora (Dornröschen), Belle (Die Schöne und das Biest) und Jane (Tarzan) schon recht schnuckelig. Und ja, ich weiß, auf welche Antwort ihr alle wartet: Rapunzel. Zu der gab es ja schon einige mehr als nur ansehnliche Konzeptzeichnungen. Wie sie im fertigen Film aussieht, das bleibt abzuwarten (der Trailer wird ihr ja nicht gerecht), aber sie hat schon das Potential zu höheren Weihen der Attraktivität.

Auf der unteren Skala der Erotik sind natürlich alle explizit hässlichen Disneyfiguren einzuordnen, und alle weiblichen Bösewichte außer Helga Sinclair aus Atlantis, die sich um einen verruchten Film-noir-Chic bemühte. Schon seltsam, dass böse Herren in Disneyfilmen eher Mal gut aussehen dürfen.

8. Dein Lieblingslied?

Hehe, netter Versuch diese Artikelreihe abzukürzen... Etwas Geduld noch, wir sind ja bald so weit...

9. Hast du eine eigene Idee für einen neuen Disney-Film? Wenn ja, wie sähe die aus?

Ja, eigene Ideen habe ich. Jede, jede, jede Menge. Und dann nochmal so, mh, sagen wir knapp siebzig Stück mehr. Und Pulp Disney hat ebenfalls meine volle Unterstützung. Echt, jetzt!

10. Hast du auch einen Lieblingsrealfilm von Disney?

Die Pirates of the Caribbean-Reihe.

11. Ist Disney immer noch unschlagbar?

Kommerziell leider nicht. Obwohl Disney bereits zwei Filme über die magische Milliarden-Dollar-Grenze hievte, ist Disney nicht zwangsweise der König der Kinokassen. Gerade die Animationssparte hat derzeit arge Probleme, an Dreamworks Animation Anschluss zu finden und manche Realfilme hadern ebenfalls mit größeren finanziellen Ehren (wieso bitte kann Prince of Persia - Der Sand der Zeit nicht so viel einnehmen wie Das Vermächtnis des geheimen Buches?). Qualitativ dagegen bleibt Disney ganz klar mein Lieblingsstudio, insbesondere im Animationsbereich. Solange wir Pixar einfach als annektiert betrachten (was es ja so gesehen auch ist).

12. War die Zusammenarbeit mit Pixar der Anfang vom Ende?

Nein. Qualitativ sowieso nicht, da war die hüpfende Lampe der nötige, quirlige Schuss Vitalität für die alternde Trickmaus. Auch kommerziell war Pixar für Disney eine Rettung. Ohne die hohen Einnahmen von Findet Nemo (und Fluch der Karibik) wäre der Versuch einer feindlichen Übernnahme seitens Comcast möglicherweise nicht so glimpflich ausgegangen. Dass die Pixarfilme den Untergang des Zeichentricks verursachten ist sowieso Quatsch. Die Disney-Trickstudios produzierten in der letzten Dekade am Geschmack der meisten Vertreter des Publikums vorbei und verbockten (ausgenommen von Lilo & Stitch) obendrein das Marketing. Hinzu kamen dämlich gewählte Starttermine, und schon war der Ofen aus. Der grottige Die Kühe sind los!, der unausgegorene Himmel und Huhn und der nette, aber schnell vergessene Triff die Robinsons taten den Studios auch keinen Gefallen...

13. Was hältst du davon, dass in den neuen Disneyfilmen nicht mehr wie in den alten gesungen wird?

Der Abkehr von der Musicalformel der 90er Jahre stand ich sehr aufgeschlossen gegenüber. Denn so sehr ich die archetypischen Disneyfilme wie Die Schöne und das Biest, Aladdin oder Der König der Löwen oder etwas anders gestaltete und dennoch musiklastige Filme wie Tarzan liebe, so darf sich Disney nicht in eine zu eng gesteckte Ecke manövrieren. Abwechslung ist gesund und manche Geschichten funktionieren ohne Gesangseinlagen einfach besser, wie etwa Der Schatzplanet und Lilo & Stitch (die immerhin für den Film geschriebene Musik aus dem Off vorweisen) oder der zu Unrecht geschundene Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt (dem ich hier ein kleines Denkmal setzte). Aufgrund meiner steten Mahnung an Disney, abwechslungsreich zu sein ohne sich selbst untreu zu werden, freut es mich natürlich auch, dass man nach einigen Nicht-Musicals nun mit Küss den Frosch und Rapunzel wieder Musicals produziert, die zum Verzaubern da sind. So lange der in Reboot Ralph umbenannte Joe Jump nicht zum Musical wird, und man dafür irgendwann wieder Die Schneekönigin auftaut und singen lässt, ist alles super!

14. Wie viele Disneyfilme hast du Daheim?

Das soll ich jetzt doch nicht tatsächlich zählen, oder? Ich mein, Freunde, ich habe heute noch was vor! Stellt euch einfach den Meisterwerk-Kanon vor, dann fügen wir noch eine Schubkarrenladung an Spielfilmen hinzu und jede Menge Cartoon-Sammlungen. Dann haben wir sicher längst den dreistelligen Bereich erreicht. Und das betrifft nur Kaufkassetten und DVDs, nicht den weitgehend unsortierten Horror meiner alten Fernsehaufzeichnungen.

15. Welchen Disney-Film würdest du deinen Kindern vorsetzen, um ihnen was zu vermitteln?

Jeden. Einzelnen. Die guten doppelt und dreifach. Ich freue mich schon zu beobachten, wie mein zweijähriges Kind auf die Rosa Elefanten-Sequenz in Dumbo reagiert. Eigentlich wäre das für mich der einzige Grund, je Kinder zu wollen... *diabolisch grins*

16. Haben Disney-Filme deine Kindheit beeinflusst?

Neeeeeein, wo denkt ihr hin? Ich habe Disney erst einen Tag vor Start dieses Blogs entdeckt...
Aber im Ernst: Natürlich haben sie meine Kindheit beeinflusst, schließlich waren sie von klein auf mein Hobby. Jedoch wage ich es zu behaupten, dass sie mich mehr in meinem Humor und meinen Interessen beeinflussten (ich wäre ohne Disney wohl nie zu einem Filmliebhaber geworden) und sich natürlich auch in meinem Vokabular niederschlugen, und weniger in meinen Ansichten und Einstellungen. Es gibt ja in wohl so ziemlich jedem Online-Sozialnetzwerk Gruppen wie "Disney hat mir unrealistische Vorstellungen von der Liebe vermittelt". In diesen Gruppen werdet ihr mich nicht auffinden. Allerdings wäre es interessant zu erfahren, wo ich in meinen sozialen und politischen Vorstellungen wäre, hätte ich nie Kontakt zu einigen Disney-Serien aufgenommen. Die Autoren von Die Dinos beispielsweise hielten sich mit ihrer Gesellschaftssatire nicht gerade bedeckt. Und ja, ich wurde zwar tolerant erzogen, doch es hat sicher nicht geschadet, diese Werte gleichzeitig noch von Disney eingetrichtert zu bekommen.

17. Welcher Disney-Film ist deiner Meinung nach der traurigste?

All seinem feingeistigen Humor und den mich unwillkürlich zum Lächeln zwingenden, zuckersüßen und liebevollen Animationen zum Trotz hat Andrew Stantons Sci-Fi-Romantik-Tragikomödie WALL•E eine wirklich deprimierende Wirkung und sorgt für die Wangen hinunterlaufendes Salzwasser. Um den Trickfilmbereich zu verlassen, müsste ich das Drama Sein Freund Jello nennen. Es ist für mich persönlich zwar nicht das traurigste, was Disney je produziert hat (dafür bin ich entweder zu sehr Zyniker oder sah den Film einfach zu spät), allerdings traue ich ihm zu, dass er für viele andere wie ein Schlag in die Magengrube sein dürfte. Besondere Erwähnung verdient noch Wenn die Wölfe heulen, einer der obskursten Disneyfilme überhaupt. Er ist weniger rührend, sondern fast schon auf unangenehme Weise traurig und deshalb recht schwer verdaulich. Es kommt jedoch darauf an, wie sehr man sich vom Film einnehmen lässt, für etwas distanziertere Zuschauer könnte er vielleicht auch "nur" pessimistisch, dramatisch und düster sein. Mit mehr Kitsch ausgestattet, aber dafür warmherzig rührend, sind noch die Dramen Amy und Das Herz der Amazone. Von den ganzen traurigen Disney-Fernsehfilmen der seligen, vielfältigeren Pre-High School Musical-Ära will ich hier gar nicht erst anfangen. Aber so viel: Wenn im Fernsehen Ruby Bridges, Ein Tag mit meinem Bruder oder Harveys Zauberbaollons (Achtung, gewaltige Kitschgefahr bei diesem Film!) laufen, dann solltet ihr Taschentücher bereit halten...
Und was ungewohnt platzierte Trauer angeht: Selbst für Zyniker ist der Beginn von Oben schwer zu verdauen, ohne zumindest innerlich eine Träne zu vergießen. Der Film an sich ist nicht dermaßen traurig wie die anderen Beispiele, aber der Anfang... Dieser Anfang...!

(Falls sich jemand für die traurigste Disneymusik interessiert: Das Liebesthema aus Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt, ohne jeden Zweifel. Hans Zimmer hat da wirklich sein ganzes Herzblut hineingelegt und die bittersüßeste Melodie geschrieben, die ich je gehört habe. Die Traurigkeit, die in dieser Musik liegt, fällt Nicht-Fans der Reihe zwischen der martialischen Kampfmusik und dem energischen He's a Pirate bloß nicht auf...)

18. Und der lustigste?

Zeichentrick: Ein Königreich für ein Lama und Lilo & Stitch
Computeranimation: Die Monster AG und Findet Nemo
Realfilm: Mighty Ducks und Mighty Ducks II

Das war's dann auch mit diesem Stöckchen. Traditionsgemäß muss es nun weitegeworfen werden, allerdings tu ich mich immer damit schwer, anderen Bloggern ein Stöckchen aufzudrücken. Ich schätze, dass der gute Corny Spaß daran haben könnte, und die Antworten vom Green Ninja fände ich auch spannend, fa es aber nicht so ganz in seinen Blog passt, muss er nicht (oder antwortet einfach in den Kommentaren...). Die Cowgirls aus dem Wilden Westen haben sicherlich ebenfalls ein paar feine Antworten parat.

Wer es sich sonst nehmen möchte, sollte nicht beleidigt sein, weil er nicht beworfen wurde, sondern nimmt es sich einfach. Bloglose Personen mit Drang zum Antworten entern derweil die Kommentarsektion dieses Blogs.

3 Kommentare:

Letterman hat gesagt…

Ich wollte dir hiermit nochmals zustimmen, dass der Soundtrack aus PotC-AWE an Intensität und Traurigkeit wirklich kaum zu übertreffen ist und wie du bereits richtig bemerkt hast, trauriger Weise, im Gegensatz zu Nummern wie "Drink up me, Hearties" oder "He's a Pirate", völlig untergeht. Mein absoluter Favorit aus dieser Reihe ist "I See Dead People in Boats" (dahinter "One Day") und ist für mich bei jedem Höhren ein echter Ohrenschmaus.

Sunshine hat gesagt…

Ja, äh, cool! Wird auch in, ähm, Kürze erledigt... ;) Im Moment steht dieses kleine, lästige Übel, das sich Uni nennt, dazwischen. Wissenschaftssprache juchee!

Andi hat gesagt…

"Bloglose Personen mit Drang zum Antworten entern derweil die Kommentarsektion dieses Blogs."
Nein ich fühl mich einfach mal nicht angesprochen ;-)

Über Steves Antwort zu Frage 4 hab ich mich aber weggeschmissen vor lachen :-D

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