Freitag, 10. September 2010

Spürt die nächste Euphoriewelle und lasst euer Vertrauen in "Rapunzel" wachsen, denn es gibt gute Neuigkeiten

Ich weiß nicht, wie es euch geht. Aber zumindest mir geht es bezüglich Rapunzel so, dass ich den positiven Insideraussagen Glauben schenke, die Konzeptbilder allesamt sehr schön finde und dennoch die Euphorie für den Film nie sonderlich lange anhält. Ich sehe umwerfende Bilder wie das obige, freu mich wie ein Depp und dann klingt das wieder ab. Disney ist bislang auch nicht sehr verlässlich und konstant, was das liefern von für Fans und Cineasten gerichtetes Material angeht.

Der Wendepunkt scheint jedoch nahe. Pete Hammond von Deadline Hollywood veröffentlichte diese Nacht einen Artikel über Rapunzel, der ihn als starken Oscar-Kandidaten 2011 bezeichnet. Und auch sonst nicht mit erfreulichen Aussagen geizt.

Wie Hammond berichtet, fand Mittwoch ein riesiges Presseevent statt, eines in der Form, wie Disney es nur zelebriert, wenn sie genau wissen, dass sie einen überzeugenden Film vorliegen haben. Rapunzel wurde den Pressevertretern in einer rohen Arbeitsfassung vorgeführt, mit rund 60% fertiger Animation, ohne 3D-Effekt, fertigen Songs, aber ohne Alan Menkens Score. Nebenher gab es ausführliche Touren durch das Zeichentrickstudio, detaillierte Vorführungen verschiedener Produktionsaspekte des Films sowie eine Nachbildung des Waldes aus Rapunzel, wo man zu solchen Aktivitäten wie Truthahnkeulen-Ziehen und Bratpfannen-Ping-Pong eingeladen wurde.

Doch was gibt es über den eigentlichen Film zu erzählen? Hammond vergleicht ihn stilistisch (nicht zuletzt aufgrund des Involvements von Alan Menken) mit Arielle, die Meerjungfrau, Die Schöne und das Biest, Aladdin und Pocahontas, fügt allerdings hinzu, dass die Regisseure Nathan Greno und Byron Howard Rapunzel erzähltechnisch eher mit Disney-Meisterwerken der 40er und 50er und weniger als "großes Musical im Broadway-Stil". Laut Byron Howard habe Rapunzel "ein klassisches Gefühl der 40er- und 50er-Disneyproduktionen, aber gleichzeitig machen [er und Greno] diesen Film für ein heutiges Kinopublikum", weshalb er Disneys Wurzeln Respekt zollen möchte und gleichzeitig "nontraditionalistisch, ohne respektlos zu sein" möchte. Dessen ungeachtet sehe Komponist Alan Menken laut Hammond durchaus in enger Verwandschaft zu seinen zeitlosen Disneykompositionen.
In Rapunzel versuche er, einen mittelalterlichen Klang mit Einflüssen von Joni Mitchell, Cat Stevens  und dem Folk-Rock der 60er Jahre zu verbinden. Die Schurkin werde aber dennoch eine typische Broadway-Nummer erhalten, während Menken für den Song aus der Laternenszene des Films (seht hier Konzeptbild und hier kurzes Bewegtmaterial) die größten Oscar-Chancen prophezeit. Für den Abspann ist derzeit ein neuer Nicht-Menken-Rocksong im Gespräch, worüber Menken nicht ganz so glücklich sein soll. Ich bin unentschlossen. Es ist definitiv nicht die feine Art, aber wenn das Lied gut ist und zum Film passt? Kann jemand mal kurz Phil Collins anrufen und ihm Bescheid sagen?

Dass mich die Cat-Stevens-Inspiration nicht vor Freudentaumel auf die Straße jagt, erwähnte ich ja bereits in anderen Beiträgen zu Rapunzel. Allerdings heißt bei guten Musikern "Inspiration" nicht automatisch "im Stil von". Hans Zimmer ließ sich für The Dark Knight von Kraftwerk und Punk inspirieren - ich denke, das sagt einiges. Das Versprechen, mittelalterliche Klänge einzuweben ist dagegen genau auf meiner Linie. Denn als Alan Menken das letzte Mal für Disney einen auf Mittelalter machte kam das hier bei raus. Überhaupt, vollkommen ungeachtet meiner Allergie gegenüber Cat Stevens: Rock + Mittelalter + Disney + Menken? Ja, Baby! Und ein pompöser Broadway-Schurkensong? Disney ist also vielleicht tatsächlich wieder auf der Höhe seines Spiels...

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

So wenig Kommentare wie deine Rapunzelartikel bekommen, lassen mich das schlimmste be idne Kinobesuchern befürchten :-/

Sir Donnerbold hat gesagt…

Ich denke (hoffe) nicht, dass sich zwischen den Kommentaren und den Besucherzahlen irgendwelche Zusammenhänge ziehen lassen.

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