Donnerstag, 4. November 2010

Disneys Abspannpest

Du hast so eben rund zwei wundervolle Stunden im Kino verbracht. Den Alltag hinter dir gelassen, dich in einem samtigen Sessel geparkt und ließt dich von dem bunten Treiben auf der Kinoleinwand in eine andere Welt entführen lassen. Ein verqueres Wunderland, eine romantisierte und zauberhafte Wüste voller Abenteuer oder eine weit schweifende, märchenhafte Musicalwelt. Die Geschichte fand ihr versöhnliches Ende und eine Schwarzblende entlässt dich in die Zwischenwelt, einen Ort der Transzendenz. Den Abspann, das Schleusentor zwischen Kinowelt und Realität. Im perfekten Falle begegnen dich harmonische, eindringliche Melodien, die Erinnerungen an die zuvor gesehenen Bilder wecken und die du mit nach Hause nehmen willst.

Doch diese Fälle sind Seltenheit geworden. Ausgerechnet die Traumfabrik Disneys gewöhnte es sich an, nach der letzten Schwarzblende die Keule rauszuholen. Dich mit einem grausigen, schiefen Song aus dem Kinosaal zu prügeln und dich in diesem sensiblen Moment, während dem deine Fantasie so verletzlich ist, auf harsche Weise abzuschrecken.

Küss den Frosch, Disneys Rückkehr zum bezaubernd-musikalischen Zeichentrickfilm, ließ auf die zeitlose Jazzmusik einen quäkigen Synthiepop-Song folgen, der einem Gänsehaut einjagte. Aus all den falschen Gründen, aus denen Musik einem Gänsehaut einjagen kann. Nur wenige Wochen später bejaulte eine am Spieß gebratene Avril Lavigne das Wunderland - und raubte dem Abschluss von Tim Burtons jüngstem Werk die letzte Magie. Ähnliches geschah in Jerry Bruckheimers Wüsten-Abenteuer Prince of Persia, dessen schwärmerischer Score keine epochale Abspannsuite spendiert bekam, sondern durch einen krummen und schiefen Schlusssong von Alanis Morissette ein unfeines Ende nahm.

Jetzt holt Disney zum rechten Haken aus:
 Wusstet ihr, dass Cinderella FÜNF unmusikalische Stiefschwester hatte? Hier sind die anderen Drei...

Für die deutsche Fassung von Rapunzel konnte Disney die elendigen Casting-Gören Monrose gewinnen, die nun  im Abspann einen Alan-Menken-Song mit einer Pop-Reprise vergewaltigen dürfen. Allein schon der Gedanke, dass Rotzbacke "Ich bin so geil, ALTAAA!" Senna nun Teil des Disney-Erbes ist, lässt mich nach meinem Maschinengewehr greifen. Disney, ich bin unterwegs!
Mehr Rapunzel:

17 Kommentare:

Y hat gesagt…

Ja, endlich mal jemand, der sich um den Abspann kümmert. Ich finde das auch extrem wichtig und es macht mich traurig, wenn man einen Abspann so versaut.
Aber eigentlich ist das doch bei Disney üblich. Ich meine quäkende Pop-Songs finden sich auch in den Abspännen von Aladdin, Hercules, Pocahontas, Der Glöckner von Notre Dame, Die Schöne und das Biest, Ein Königreich für ein Lama, Lilo & Stitch, Atlantis. Von daher habe ich mich daran gewöhnt. Aber traurig bleibt es auf jeden Fall.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Bei deinen Beispielen stimme ich nicht ganz zu. Bei "Aladdin" finde ich die "Pop"-Version nur etwas schwächer als das "Original" aus dem Film, und es ist an sich einfach nur eine etwas radiotauglichere Version. Ähnliches gilt füt Hercules und Pocahontas. Beim Biest ist es schon diskutabler und beim Glöckner halte ich mich raus, da ich den Song eh nicht mag.

Bei Lilo & Stitch kommt ja erstmal das Elvis-Cover, das ja tonal zum Film bleibt. Atlatnis dagegen - ja, schon ein starker Abfall gegenüber einer möglichen Score-Suite.

Und klar, rein theoretisch könnte die Rapunzel-Popversion auch an die von Aladdin & Co. erinnern. Theoretisch. Mit Monrose am Rohr allerdings...

Anonym hat gesagt…

Mandy findet den Film „Rapunzel-Neu verföhnt“ richtig „cool“ und auch Senna empfiehlt jedem, den Film zu sehen: „Ich kann nur sagen, wir haben den gesehen und der ist wunderschön.“ Doch wie ist es wohl, so plötzlich einen Disney-Song zu singen? Senna berichtet uns: „Es war schon ‘ne andere Erfahrung für uns, mal für Disney zu singen. Es gab zwei Versionen, die Pop-Version und die klassische typisch Disney-Version. Ich glaub, wir sind echt noch Kids und wir wollten die typische Disney-Version haben und haben die Pop-Version abgelehnt – wir singen ja schon die ganze Zeit Pop. Es war ‘ne andere Art und Weise zu singen, es war ‘ne andere Facette, die wir gezeigt haben.“

Sir Donnerbold hat gesagt…

Uiii, toll. Ja. Vergib mir, wenn ich vor Freude nicht in die Luft springe. Ich hab's im Kreuz, weißt du?

Anonym hat gesagt…

Ach, du suchst doch nur nach dem Haar in der Suppe bei Rapunzel. Nachdem die Synchronsprecher ihren Job gut hinbekommen haben, muss eben der Abspannsong, den wir noch gar nicht gehört haben, herhalten. Finde dich einfach damit ab, Rapunzel wird perfekt, trotz Monrose!

Anonym hat gesagt…

Monrose werden das hoffentlich aufwerten, ich mag die drei Damen

Anonym hat gesagt…

hast du den song überhaupt shcon gehört? geschweige denn den film gesehn?
unmusikalisch ist mal sowas von falsch! kannst sie dir mal live anhören aber unmusikalisch ist was anderes....
man kann viel bzw wenig von ner castingband halten aber monrose sind definitiv KEINE schlechten sängerinnen!

Sir Donnerbold hat gesagt…

Ich muss auch nicht darauf warten, dass Uwe Bolls "Auschwitz" in die Kinos kommt, um ahnen zu können, dass ich den Film scheiße finden werde. Sollte er überraschenderweise gut sein, man mir den Film empfehlen und ich den ebenfalls gut finden, dann wäre ich auch bereit mein Urteil zu revidieren. Was aber wohl kaum der Fall sein wird.

Lass mich raten. Monrose-Fan? Dann freust du dich bestimmt, dass sie bei "Rapunzel" mitmachen, oder? Sag mal, hast du den Film gesehen? Oder den Song gehört? Lass mich raten, die Antwort lautet "Nein". Tja, was freust du dich dann überhaupt, das könnte doch auch der größte Haufen Scheiße werden, den man je in einem Disneyfilm zu hören bekam.

Leute bilden sich vorab ein Urteil, um Enttäuschungen zu mildern oder sich schon vorher freuen zu dürfen. Und, sieh mal einer an... Ich brauche Monrose genauso sehr in "Rapunzel" wie Preluders im Vorspann von "Kim Possible" oder John Travolta als Protagonistin einer Verfilmung von "Feuchtgebiete". Woher ich mir das Recht nehme, +ber letzteres zu urteilen, wo ich diesen Film nie sah (und wohl auch sicher nie sehen werde)? Ganz einfach, man muss, um sich eine Meinung bilden zu können, nicht in die Zukunft gucken können. Manchmal genügt ein Blick in die Vergangenheit.

Und wenn du das falsch findest, dann greif wenigstens auch deinen Vorredner/deine Vorrednerin an, denn da wird ebenfalls eine Vermutung über das Ergebnis angestellt. Ohne es zu kennen... Skandalös!

Kevin Kyburz hat gesagt…

Mein Philosophie-Dozent, der gerade über die Ästhetik von Hollywood-Filmen promoviert (oder so ähnlich), hat zu mir gemeint, dass Uwe Boll, der immerhin einen Doktortitel in Philosophie hat, vielleicht dermaßen komplex denkt, dass sich die Genialität hinter seinen Filmen uns Idioten verschlossen bleibt. Demnach wird Auschwitz ein Meisterwerk; in zehn Jahren wird es heißen: "Schindler's what?"

Sunshine hat gesagt…

Nun ja, zumindest können die Mädels von Monrose singen, was man ja längst nicht von allen Castingshow-Gewinnern behaupten kann (du entsinnst dich sicher: ich kenn mich aus. *g*).

Ich werde jedenfalls brav abwarten, bis es das Lied auch wirklich zu hören gibt. Und mMn kann es nicht schlimmer werden als das Avril Lavigne-Lied (die ich an sich eigentlich sogar halbwegs mag, nur... das Lied!). Oder dieses seltsame Ding am Ende von "Küss den Frosch", das so gar nicht zur Stimmung des Films passen wollte.

Dann lieber eine leicht (?) verpoppte Version der große Filmballade als solch ein Stilbruch.

Das mal so als halbwegs neutraler Einwurf. *g*

desweiteren: Hab mal in Interviews mit dem Bleibtreu reingehört - so von der Stimmfarbe her find ich es eigentlich recht passend.

We'll see. Abwarten und Tee trinken. usw.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Jepp, ich mag Avril Lavigne eigentlich ja auch, aber das Ding am Ende von Alice...

Anonym hat gesagt…

knall dir mit dem Maschinengewehr selber in den Schädel, du Blödi.
Wie kann man nur so ein Müll schreiben.
Was erlaubst du dir schon ein Urteil, hast du den Song schon gehört.
Du weist doch garnicht wie der Song von denen umgesetzt wird.
Haupsache man kann dumm über Castigbands schwafeln. Ist ja in Deutschland schon zum Volksport geworden.
Wehe mann bekennt sich zu so einer Band, dann ist man in manchen Kreisen eh ein Aussetziger.
Schlimm, man sollte froh sein solche Talente zu haben.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Weshalb auch immer ich darauf antworte...
Hast DU den Song denn schon gehört? Kannst DU mir versichern, dass er gut wird? Nein. Und Monrose fände ich auch ätzend, wenn ich nicht wüsste, dass sie aus einer Castingshow stammen.

Lass mich raten... wenn nun Lordi/Rammstein/Whateverdiralsmonrosefanzuhartist für den Abspann angekündigt wäre, würdest du garantiert die Krätze kriegen. Mh... so hat jeder sein G'schmäckle. :-p

Anonym hat gesagt…

In englischer Sprache habe ich den Song bereits von einer Studiosängerin gehört.
Monrose haben den Song in Deutsch eingesungen.
Es ist eine Balade. Das Monrose Balden genau so gut bringen wie Pop, ist denke ich, auch dem letzte Heater bekannt.
Über dies, bin ich kein absoluter Monrose Fan, kenne die Mädels aber sehr gut und mich nerven Vorurteile.
Zu der Sache, Lordi/Rammstein, warum nicht, wo es hin psst, aber immer doch.

Lutz hat gesagt…

Klingt nicht gut, aber meine Begeisterung für Tangled ist ja eh nicht so gigantisch wie bei dir.

Nur, eines ist sicher, ganz egal was für ein ästhetisches Verbrechen hier begangen werden könnte, in keinem Fall wird es so schlimm wie "Allein allein" über den Credits bei "Krabat". DAS hat einen wirklich aus dem Kino getreten, gerade nach diesem wirklich schönen Score.

Sunshine hat gesagt…

Hm, wäre es nicht einfacher zu sagen: Sir D. wird mit dem Lied vermutlich nicht viel anfangen können und ist sehr pessimistisch, da er Monrose aus Prinzip nicht mag (nicht zwingend weil Castingband, sondern einfach so wegen Bandmitgliedern und Musik - wenn ich's richtig verstanden hab *g*).

Monrose-Fans freuen sich derweil tierisch und gehen davon aus, dass das Lied toll wird.

Und Leute, die das Ganze nicht so eng sehen, sagen sich: "Mal abwarten. Schlimmer als die erwähnten krassen Negativ-Beispiele kann's eigentlich auch nicht werden."

... Ich mein, ich sehe das nicht so wie Sir D., da ich Monrose ganz in Ordnung finde und ich respektiere, dass sie sich als eine der wenigen Castingbands überhaupt so lange haben halten können. Musik, Personen: Geschmackssache. *g*
Und ich denke, wenn sich die Monrose-Version an der Filmversion orientiert (wie vom letzten anonymen Poster behauptet), dann könnte es eher wieder in die Richtung der früheren Disney-Filme gehen, also kein so starker Stilbruch.

Jetzt fragt man sich vielleicht, warum ich jetzt hier auch noch schreibe... ich brauch dafür nun wirklich nicht lange, und diese Diskussion hat mich einfach gut amüsiert. ;)

"Allein allein" im Abspann?! Das ist... übel. Sehr sehr übel.

Cooper hat gesagt…

Wirklich immer wieder unterhaltsam, was man so im Blog vom Erpel Sir D. geboten bekommt.

Für Freunde gut gemachter Filmmusik ist es natürlich ein Schreckensszenario, dass sich ihnen da ins Hirn drängt, wenn sie lesen müssen, dass eine mehr oder minder national erfolgreiche Musikformation aus im Fernsehen gewählten Sängerinnen ein Abspannlied für "Rapunzel - Neu verföhnt" singen werden.

Ich selbst bin ja überrascht, dass Sir D. nicht viel mehr Filme aufgelistet hat, bei denen ihm ein Abspannlied die Stimmung verhunzte...

Was nun die Frauen von Monrose betrifft: Ich hoffe sie bekommen eine balladeske Popversion als Reprise vorgesetzt und strengen sich ordentlich an, um nicht in die "Liste enttäuschender Disney-Lieder" (deren Erstellung Sir D. wohl niemals über sich bringen wird) aufgenommen werden oder jene sogar anführen zu müssen...

Es gibt ausreichend Musiker für ein beinahe garantiert-gelungenes Abspannlied - so denn unbedingt eines notwendig ist aus der Sicht der Verantwortlichen. Sir D. und nicht wenige Disney-Fans haben aber vor allem großen Gefallen an großen und kleinen Kompositionen, die ohne Text auskommen. Ich kann ihre Abneigung hier durchaus verstehen, wenngleich ich sie nicht automatisch teile. Monrose bekommen eine Chance von mir. Diese sieht so aus, mich zu überraschen und das hochwertigste Lied ihrer musikalischen Karriere abzuliefern. Ob sie es schaffen werden? Ich hoffe es wenngleich ich auch Zweifel habe!

Das Lied von Alanis Morisette am Ende von "Prince of Persia" fand ich zum beispiel garnicht so schlimm. Sicher - es orientierte sich wie viele andere Abspannlieder nicht am Score. Von der Stimmung her empfand ich es aber weit weniger störend als z.B. Ne-Yo feat. Cassandra Steen - Never Knew I Needed.
Hier rollten sich mir die Fußnägel hoch, obwohl beide Musikern Lieder haben, die mir gefallen. Dieses gehört weder zu ihnen noch in den Film, hier stimme ich Sir D. dann zu.

Burtons Alice mit Frau Lavignes Lied habe ich noch nicht erfahren. Nachdem ich mir das Lied aber schon solo angehört habe, hege ich Zweifel, ob es mir am Ende des Films gefallen kann. Vom Text her mag ja einiges der Filmstimmung nachempfunden sein, aber ob es zu meiner Stimmung nach der letzten Blende passt? Die Musik ist laut, ihre Stimme erscheint mir momentan zu aggressiv für ein stimmungsvolles Filmende und mit "rockigen" Liedern hab ich so meine Probleme wenn sie im Filmabspann laufen. Die Chancen stehen bei nicht mal einem Drittel, dass es mir zusagen kann. Mal schauen, wann ich "Alice" erlebe...

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