Montag, 1. November 2010

Somwhere Over the Grid: Neues zu Tron Legacy

Stünden der Aufwand, welcher in das Marketing und die PR-Arbeit für einen Film fließt, und kommerzieller Erfolg in Relation, so müsste langsam der Champagner kalt gestellt werden. Denn Tron Legacy ist aus dem Alltag filmzentrischer Webportale nicht mehr wegzudenken. Disney ist überaus gönnerhaft und leitet seit Monaten zahlreiche Interviews in die Wege, es fanden Setbesuche statt und mit seinem viralen Marketing stellt Tron Legacy Christopher Nolans The Dark Knight längst in den Schatten. Tron Legacy ist nun sogar Teil der prestigeträchtigen Wassershow World of Color im Disney California Adventure Park - welcher am Wochenende nächtliche Tron-Partys veranstaltet. Mit der Tron Night übertraf sich Disney letztlich selbst: Zweifelsohne von Avatar inspiriert wurden in 50 Ländern auf insgesamt mehr als 500 3D-Leinwänden 23 Minuten aus dem Film vorgeführt. Man rechne noch die Horden an Postern und die formidabel geschnittenen Trailer hinzu, und Tron Legacy müsse in einer Welt, in der das Marketing Erfolg garantiert, James Cameron um seine Doppelspitze auf der ewigen Kinohitliste das Fürchten lehren.

Wer davon ausging, dass Disney nach der Tron Night erstmal locker lässt, irrt deswegen gewaltig. Denn die Disney-Studios scheinen an besagte hypothetische Welt zu glauben. Den arbeitsamen Kollegen von Collider wurde im Anschluss an die Tron Night ein Interview mit den Lost-Autoren Edward Kitsis und Adam Horowitz ermöglicht. Vom audiovisuellen Aspekt Tron Legacys ist schließlich bereits eine gewaltige Mehrheit überzeugt. Also wird es langsam Zeit, mehr und mehr Vertrauen in das Drehbuch zu schaffen.
Im Interview mit Collider erzählten die Autoren, dass ihnen gewiss war, dass sie eine neue, gefühlvollere Perspektive benötigen, um die Welt von Tron für ein größeres Publikum interessant zu gestalten. Deswegen hätten sie den Vater/Sohn-Motor für ihre Handlung entworfen, um die Geschichte von Tron Legacy davor zu bewahren, in eine reine Abfolge von Action und Humor abzurutschen. Steven Lisberger bezeichnete Tron Legacy deswegen als die Geschichte von ihm und seinen Sohn - die Autoren sehen den Schwerpunkt des emotionalen Schwerpunkts aber anders. Für sie fließt in Tron Legacy eher das Blut der mit Tron und Videospielen aufgewachsenen Generation, und wie ihr Stand zu ihrem "Vater" ist.
Stilistisch habe sie auch der ewige Klassiker Das zauberhafte Land beeinflusst, der laut ihnen einen vergleichbaren Gencode habe. Ihr Film handle davon, wie jemand in eine wundersame Welt transportiert wird und heimkehren möchte, wobei sich die Frage stellt, was Heimat eigentlich definiere.

Indessen ist auch viral wieder neues zu notieren: Arcade Aid ist zurück, mit noch mehr Spieletiteln, die es zu entschlüsseln gilt. Wer sein Glück versuchen mag, klickt hier.

Abschließend habe ich noch einen letzten Nachtrag über die Tron Night zu verlieren: In meiner Besprechung des während dieser Vorschau gezeigten Materials ging ich ja darauf ein, dass Sam Flynns "Programmwerdung" meine Lieblingsszene war und ihr eine mir unerklärliche Anziehungskraft entsprang.
Nach einiger Bedenkzeit habe ich den Grund gefunden, weshalb mir Sams Begegnung mit den vier einschüchternden Programmschönheiten dermaßen gefiel. Nach außen hin ist es eine schneidig inszenierte und choreographierte Sequenz in überstylischer Umgebung - doch in ihrem Kern brodelt eine gedankenvolle Thematisierung des digitalen Zeitalters.
Das wiederum gibt mir noch mehr Vertrauen, dass Tron Legacy nicht bloß eine (extrem) schöne Verpackung bietet, sondern auch eine gehaltvolle und emotionale Geschichte.

Mehr über die Sirenen-Sequenz und meine Deutung könnt ihr übrigens in der aktuellen Ausgabe meiner Kolumne Popcorn und Rollenwechsel nachlesen. Und hier könnt ihr sie lesen.

Weiterführende Artikel:

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen