Mittwoch, 1. Dezember 2010

Blogparade: Meine 5 liebsten Weihnachts-Filme

Marc, der Ostwestfale im Rheinland, rief zu einer vorweihnachtlichen Blogparade auf, die meine Bloggerbedürfnisse genau traf. Ich brauchte wieder Inspiration zu einer filmischen Hitliste - und genau danach sucht der gute Mann: Die fünf liebsten Weihnachtsfilme sind gefragt. Meine Favoriten waren schnell gefunden, auch wenn sie kompakt zusammengestellt recht klischeebeladen aussehen. Aber ich stehe ja zu meinen cineastischen Ansichten, wieso also eine kultiviertere oder alternativere Liste erdenken? Ja, es gibt den einen oder anderen dramatischeren und kunstvolleren Film den man hier nennen könnte, genauso wie es mit Bad Santa und Co. schnodderigere und somit ungewöhnlichere Weihnachtsfilme gibt. Alternativen für diese Liste gibt es in den verschiedensten Kitsch- und Güteklassen (wie Tatsächlich... Liebe), und einige darunter sind auch richtig gute Filme. Bloß sucht Mike nicht die fünf womöglich besten, kunstvollsten oder interessantesten Weihnachtsfilme, sondern die fünf persönlichen Favoriten. Für mich sind dies also die Filme, die zur Weihnachtszeit unerlässlich sind - höchstpersönliche Feiertagstraditionen. Eine hochintellektuell-cineastische Diskussion über filmische Werke, die den Weihnachtsgeist erfolgreich einfingen oder konsumkritisch die Realität wiederspiegeln können wir immer noch bei einer anderen Gelegenheit näher beleuchten.

Hier also meine fünf liebsten Weihnachtsfilme, aufsteigend sortiert nach Dringlichkeit. Von "um Weihnachten herum gerne gesehen" bis zu "ohne diesen Film gibt es für mich kein echtes Weihnachten". Sondererwähnungen folgen nach freier Assoziation und nicht in aufsteigender Priorität.

Platz 5: Stirb langsam (1988), Regie: John McTiernan

Des Mannes liebster Anti-Weihnachtsfilm zur Weihnachtszeit. Es hat schon seinen Grund, weshalb Sat.1 die Filme zur alljährlichen Tradition gemacht hat und der Nostalgia Critic ihn zum König seiner alternativen Weihnachts-Hitliste machte: John McTiernans rasanter Actionklassiker man(n)ifestierte Bruce Willis' Actionpersona und begründete den Trend zum selbstironischen A-Blockbuster. Stirb langsam ist der nötige, krawallige Gegenpol zum ewig seligen Feiertagsglück - und da er an Weihnachten spielt und John McClane einfach nur zu seiner Frau will, findet sich sogar eine dezente Prise weihnachtlich-christlicher Familienliebe im Film. Außerdem ist Bruce Willis einfach nur eine coole Schweinebacke. Visuell ist Stirb langsam meiner Meinung nach übrigens deutlich besser gealtert als viele seiner 80er-Kollegen. Jan de Bont ist ein guter Kameramann, das muss man ihm einfach lassen!

Sondererwähnung: Der Staatsfeind Nr. 1 (1998), Regie: Tony Scott
Will Smiths bester Film! Tony Scott bringt ein brisantes politisches Thema, das heute relevanter denn je ist, subtil in Jerry Bruckheimers rasante und schneidige Actionthrillerwelt ein. Wer nach diesem Film nicht paranoid wird, hat nicht richtig aufgepasst. Hochspannung, enormes Tempo und ein genialer Score von Trevor Rabin und Harry Gregson-Williams. War mal kurzzeitig ein RTL-Weihnachtspflichtfilm und spielt auch zur Vorweihnachtsteit - lässt aber genauso gut zu jeder anderen Jahreszeit gucken.

Platz 4: Ist das Leben nicht schön? (1946), Regie: Frank Capra

Und ein weiteres Weihnachtsklischee, nun auch noch eins der klassischeren Sorte: Frank Capras lebensbejahende Tragikomödie, die im Anschluss an ihren kommerziellen Misserfolg erst durch (Public Domain bedingte) Dauerrotation im US-Fernsehen zum Weihnachtskult aufstieg. Künstlerisch wurde Ist das Leben nicht schön? aber schon früher respektiert: Fünf Oscar-Nominierungen und einen Golden Globe für den Regisseur Capra gab es schon lange, bevor jemand ahnen konnte, wie legendär der Film werden sollte. Was Ist das Leben nicht schön? ausmacht, ist Capras auf dem Papier paradox anmutende Vereinigung von ironischen Stimmungsbrüchen in sentimentalen Szenen und einem kindlich-naiven Glauben an menschliche Wärme und Nächstenliebe. Optimismus und Melancholie, märchenhaft-fantastische Motive und karger Realismus. Das alles wird in der zu Tode parodierten und nachgeahmten Geschichte eines Mannes, der am Weihnachtsabend Selbstmord begehen will und deshalb eine alternative Welt ohne seinen Einfluss gezeigt bekommt, zu einer zeitlosen Komposition zusammengestellt, bei der am Ende die Seligkeit obsiegt. Für Ganztagszyniker letzten Endes also doch nichts, sorry.

Platz 3: Nightmare before Christmas (1993), Regie: Henry Selick

Sowas ist wirklich praktisch: Den von Tim Burton produzierten Stop-Motion-Film Nightmare before Christmas kann man gleichermaßen als Weihnachts- wie als Halloween-Tipp betrachten. Man kann also zwei Hitlisten füllen, ohne zwischendurch seinen Filmhorizont erweitern zu müssen! Doch halten wir uns nicht länger daran auf und kommen zur Story des Kürbiskönigs, der des Schrecken genug hat: Nightmare before Christmas ist für mich der am besten gestaltete Film seiner Art und aufgrund der unvergesslichen Musik von Danny Elfman sowie der melancholisch-schwarzen Atmosphäre wird er wohl noch lange ein populärer Kultfilm bleiben. Coraline mag besser animiert sein, dafür hinterlässt dieses Aufeinandertreffen der Feiertage den länger anhaltenden Eindruck. Mein Lieblingslied aus Nightmare before Christmas kann ich leider erst bei einer Halloween-Blogparade hervorzerren.

Sondererwähnung: No Panic (1994), Regie: Ted Damme
Bruckheimer, die Zweite: Die erste Disney-Konzern-Produktion von "Mr. Blockbuster" wurde leider zum Flop, aber in meinem Herzen wird sie als Weihnachtstradition ungebrochen gefeiert. Voller Zynik karikiert diese Komödie den typischen Familienwahnsinn, den man an den Festtagen über sich ergehen lassen muss. Ein paar Schwachstellen lassen No Panic hinter seinen Möglichkeiten zurück, trotzdem ist er als therapeutische Behandlung gegen nervige Diskussionen am Weihnachtstisch grandios.

Platz 2: Santa Clause (1994), Regie: John Pasquin

Willkommen auf meinem Weihnachts-Olymp: Alljährlich muss, je nachdem wie es mein Terminplan es zulässt, irgendwann zwischen dem 23. Dezember und dem 1. Weihnachtstag diese festliche Familienkomödie mit Tim Allen geguckt werden. Ohne Santa Clause, kein Weihnachtsfest. Da spielt selbstverständlich auch ein großer Gewohnheitsfaktor mit - dass mir Santa Clause sogar nach fast eineinhalb Jahrzehnten nicht zum Halse raushängt, spricht allerdings auch für seine filmischen Steherqualitäten. Der disney'sche Weihnachtsklassiker ist liebevoll ausgearbeitet und strahlt einen warmen Weihnachtszauber auf, bietet dabei sehr viel Humor für jede Atersklasse. Slapstick, Situationskomik und eine gesunde Dosis Ironie, durch die die genregemäßen Sentimentitalitäten aufgewogen werden. Tim Allen spielt den zunächst unfreiwilligen Weihnachtsmann mit viel Hingabe und auch das restliche Ensemble ist so liebenswert, dass man den Cast Jahr für Jahr gerne als Weihnachtsgast empfängt. Sogar den obligatorischen Pullunderspießer, hier verkörpert von Judge Reinhold (in der Synchro gesprochen von Christian Tramitz). Die Fortsetzung setzt auf mehr Weihnachtskitsch und bissigere Ironie inklusive Konsumkritik, was zu einer äußerst heterogenen Produktion führt, die aber immerhin amüsant anzusehen ist (und durch den schlechtesten Audiokommentar in der Disney-Historie geschändet wird). Teil 3... äh... Martin Short ist witzig... Ansonsten schweigen wir lieber...

Sondererwähnung: Mickys fröhliche Weihnachten (1999), Regie: Alex Mann
Sympatischer Episodenfilm mit Micky, Donald, Goofy & Co., animiert im Stile von Neue Micky Maus Geschichten und mit vergleichbarem Slapstick-Timing, jedoch legt er größeren Wert auf Handlung als die amüsante Trickserie. Dramaturgische Wunder sind aber nicht zu erwarten: Altbekannte Geschichten neu aufgelegt mit Disney-Figuren. Beispiel gefällig? Donald, Tick, Trick & Track sind in Und täglich grüßt das Murmeltier zu sehen, bloß mit weniger Zynik und an Weihnachten. Die Stimmung des Films ist aber toll, die Animation flüssig und der Charmefaktor besonders hoch.

Platz 1: Die Muppets-Weihnachtsgeschichte (1992), Regie: Brian Henson

Ist Santa Clause mein großer Weihnachts-Pflichtfilm, so transzendierte Die Muppets-Weihnachtsgeschichte bereits über diesen Begriff hinaus: Die wunderschöne Adaption von Charles Dickens' Klassiker ist für mich nicht bloß ein Film, der halt an Weihnachten geguckt wird, er ist ein dermaßen elementarer Bestandteil der Weihnachtszeit, dass er mindestens genauso dazugehört, wie Mutters traditionelles Weihnachtsessen und sogar wichtiger ist als ein geschmückter Tannenbaum. Der meiner Ansicht nach bis dato beste Muppet-Film ist warmherzig, humorvoll und zeigt dank dem fantastischen Michael Caine eine plausible Charakterentwicklung von Ebenezer Scrooge. Gerade in diesem Punkt versagen viele andere Leinwandumsetzungen dieses Stoffes. Und natürlich darf man die Wirkung der Filzpuppen nicht unterschlagen: Die Muppets verleihen der Geschichte eine kindliche Offenheit, ohne ihr aber an Schwere zu nehmen. Atmosphärisch ist der Film, nicht zuletzt aufgrund Gonzos Erzählerkommentare, näher an der Vorlage, als die meisten anderen Dickens-Verfilmungen. Nur die Düsternis Dickens' kann (oder will) Brian Henson erst zum Schluss ansatzweise einfangen. Über diesen Makelpunkt weiß der großartige Soundtrack problemlos hinwegzutäuschen - Die Muppets-Weihnachtsgeschichte schlägt mit Liedern wie Marley & Marley, Scrooge und Der Geist der Weihnacht einige Disney-Musicals in meiner Gunst. Einfach wunderschön.

Sondererwähnung: Mickys Weihnachtserzählung (1983), Regie: Burny Mattinson
Die gleiche Geschichte, kompakter und witzvoller erzählt, dafür ohne so überzeugende Charakterentwicklung und weniger Einkuschelqualitäten. Dennoch muss man der gezeichneten Disney-Adaption seinen Respekt zollen: Nicht nur die zahlreichen Cameos und die tole Aniamtion (direkt im Anschluss macht Mickys fröhliche Weihnachten gleich weniger Spaß) gefallen mir, gen Schluss sind die Szenen mit Micky als Bob Crachit extrem rührend (in diesem Punkt schlägt Micky die Kermit-Version). Dafür ist das Finale wieder etwas abrupt, aber was erwartet man schon in keiner halben Stunde?

Das sind also meine 5 (+4) Weihnachtsklassiker. Bis zum 19.12.2010 können alle Blogger ihre eigenen Hitlisten veröffentlichen und beim Ostwestfalen einreichen. So lange wünsche ich euch eine schäne Adventszeit und viel Spaß mit euren hinter Türchen verborgenen Schokoladentäfelchen!

5 Kommentare:

Cooper hat gesagt…

Ho,ho,ho!

Na, da brat mir aber einer´n Storch. Sir Donnerbold - diese Liste ist durchaus auch fähig meinen Gefallen zu finden. ;-)

Ich habe mal überlegt, welche Filme mir denn so für eine Top 10 (eingedampft auf eine Top 5) in den von Räucherstäbchen-Rauch umnebelten Sinn kommen.
Beinahe wäre ich auf dem Glatteis deiner formidablen Liste ausgerutsch, denn auch wenn Kopien das größte Lob eines Schaffenden an den originalen Ersteller sein sollen, so befürchte ich immer Schneeschütte auf mein Haupt, sollte ich dem nachgehen.

Eingedenk dessen und des christlichen Gedenkens der Nächstenliebe kommt nur eine aufsteigende Aufzählung einer Top 5 die keinen deiner Filme beinhaltet:

5. A Christmas Carol – Die Nacht vor Weihnachten (1999)
Sondererwähnung: Wild Christmas (2000)

4. Tödliche Weihnachten (1996)
SE: Das Wunder von Manhattan (1994)

3. Curly Sue (1991)
SE: Fargo (1996)

2. Das Wunder von Manhattan (1947)
SE: Cool Runnings – Dabei sein ist alles (1993)

1. Tatsächlich Liebe (2003)
SE: DER ESEL VON BETHLEHEM (1978)

Dann mal gut´s Nächtle. Massenweise Filme haben wir beide allerding unterschlagen! *ggg* Eine Top 5 selbst mit Sondererwähnungen ist halt für ein solches Fest (eigentlich schon ne Jahreszeit für sich so wie Fasching ...) schlicht ungenügend.

Gruß, Cooper

Anonym hat gesagt…

Was? Kein "Wir sind keine Engel" und "Die Geister die ich rief"? Unerhört...
Sonst aber gute Liste. Was wäre Weihnachten ohne "Stirb Langsam"? Und Sir Michael Caine ist einfach der beste Ebeneza Scrooge.

Ostwestf4le hat gesagt…

Vielen Dank, dass Du an meiner Blogparade teilgenommen hast!

jaleaz hat gesagt…

Super, dass die "Muppets" mit dabei sind, für mich die beste Dickensverfilmung
Zu meinen Top 5 gehören unbedingt noch "Tatsächlich Liebe", "Kevin allein zu Haus" und "Tödliche Weihnachten" mit hinein!

Lutz hat gesagt…

Hm, also, ich kann weder "The Sants Clause" noch "Ist das Leben nicht schön" etwas abgewöhnen. Letzteres ist für mich ganz großer verlogener Schmalz. Das hat auch nichts mit Zynismus zu tun, der Film ist meiner persönlichen Meinung nach einfach schlecht. Ich weiß, dass ich da in der Minderheit bin und akzeptiere, dass er ein Klassiker ist, aber das macht ihn meiner Meinung nach noch nicht gut.

"Tatsächlich Liebe..." Finde ich dagegen wirklich schön und gut gemacht. Einige Geschichten nerven mich auch, aber größtenteils macht der wirklich Spaß und kann auch immer wieder gesehen werden. Meine Hitliste sähe vermutlich ziemlich anders aus aber Die Muppet Weihnachtsgeschichte wäre bei mir auch auf Platz 1.

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