Samstag, 25. Dezember 2010

Der Absturz der verzweifelten Hausfrauen

Was lange währt, wird endlich gut. Das gilt leider nicht für den Großteil der fünften Staffel von Desperate Housewives, aber hoffentlich für meine Besprechung der Serie über die verzweifelten Hausfrauen aus der Wisteria Lane.

Wir verließen meinen wöchentlichen Rezensionstakt mit der Episode 5x08 (Stadt in Flammen), die als großes Serienhighlight angekündigt wurde und sich letztlich bloß als kleines, dramatisches Aufflammen entpuppte. Im Zuge dieses kleinen Brandes wurde es in manchen Handlungsfäden ein letztes Mal brenzlig, bevor die fünfte Staffel zu einer riesigen Enttäuschung wurde, die mich beinahe völlig von dieser Serie verjagt hätte.

Der Weg von der traditionellen Katastriohen-Episode zur 100. Folge

Im Anschluss an die Geschehnisse aus Stadt in Flammen wurde Lynettes Sohn Porter von der Polizei als Hauptverdächtiger für die Brandstiftung eingestuft, da ein manisch grinsender Mann mit besessen starrenden Augen und Angst einflößendem Sprachduktus behauptete, ihn in der Nähe des Brandherdes gesehen zu haben. Nachvollziehbar. Immerhin lieferte dies Anlass für eine enorm starke Scavo-Storyline: Es kommt nicht nur zu einer packenden Eskalation zwischen Lynette und Anne Schilling, mit der Porter eine Affäre hat, der Ehemann von Porters reifer Liebesgespielin droht ihm obendrein mit Mord, weshalb Porter aus der Stadt flieht. Eine spannende Geschichte, die sich über einige Episoden erstreckt und obendrein Möglichkeit für neue Figurenkonstellationen liefert, indem Bob, der bislang zusammen mit Lee einfach nur das lustige schwule Paar darstellte, sein Können als Anwalt zeigen kann.

Ebenfalls amüsant ist Brees Handlungsfaden, als sie durch Zufall erfährt, dass ihr Sohn Andrew mit Orsons Arzt ausgeht und das bislang verheimlichte. Wie Brees Homophobie mit ihrem neu gewachsenen Respekt für ihren Sohn kollidiert und sich die konservative Matriarchin dann u.a. mit der Vergangenheit als Schwulenporno-Darsteller ihres Schwiegersohns in spe auseinandersetzen muss, ist wirklich köstlich und gönnt Bree einmal eine Pause von der Position der dramatischeren Hausfrau in der Wisteria Lane.

Das war's aber auch fast schon an Lob. Die Gabrielle-Stories etwa lassen regelmäßig Zweifel aufkommen, ob sich die Autoren dem Zeitsprung bewusst sind. Ja, ihre Töchter kommen für kurze Szenen vor, aber an und für sich könnten diese Geschichten auch ohne sie stattfinden. Es ist eigentlich das immer gleiche: Gabrielle will ein glamouröseres Leben. Eine potentiell ergreifende Geschichte, Carlos erhält sein Augenlicht wieder, wird schnell dadurch torpediert, dass die Autoren den einstigen Status Quo wieder herstellen und ihn von Gaby gegen seinen Willen in eine Position als Finanzhai quatschen lassen.

Noch schlimmer ist es bei Susan (so lange sie nicht denkt, mit Lee geschlafen zu haben - das war überaus komisch): Bei ihr fiel den Autoren nichts anderes ein, als die immerwährende, überreizte und anstrengende Geschichte "Kriegen sie und Mike sich, oder kommt wer anderes dazwischen?" zu wiederholen. Bis zum Erbrechen. Dass Susan einen Sohn hat, spielt in ihrer übergreifenden Geschichte zu diesem Zeitpunkt keine Rolle, die Episodenhandlungen, in denen MJ was zu sagen hat, sind völlig lasch. Das nervigste ist aber die Dave-Handlung: Nachdem klar wurde, dass die Autoren tatsächlich die vorhersagbarste sämtlicher Möglichkeiten wählten und den Psychopaten auf Mike ansetzten, verschwand jegliche Spannung aus dem Staffelgeheimnis, jeglicher Sinn für's Mysteriöse. Neal McDonough spielt seine Rolle absolut übertrieben und auffällig, so sehr, dass sich der Zuschauer mit einer Bratpfanne auf den Kopf geprügelt fühlt. In dieser Serie waren die unheimlichen Figuren schon immer dick aufgetragen, aber bei Dave verliert man sämtlichen Glauben, dass die anderen Bewohner der Wisteria Lane nicht schon längst auf den Trichter gekommen sind. Vor allem: Sobald nicht nur Mrs. McCluskey Gefahr wittert, sondern auch Bob und Lee, ja sogar Tom im Anschluss an die 100. Folge informiert wird und sich endlich als erste Figur gegen Dave zur Wehr setzt, läuft diese Tragödie einer Krimihandlung unbeirrt weiter, als sei nichts geschehen.

Der beste Handwerker aller Zeiten

Eine absolute Ausnahmeepisode, nicht nur der fünften Staffel, sondern der gesamten Serie, war die Meilensteinzelebration Der beste Handwerker aller Zeiten. Zur Feier der 100. Episode von Desperate Housewives wurden die laufenden Storylines ausnahmsweise bei Seite gepackt und eine Figur geehrt, die wir bislang gar nicht kannten. Klingt waghalsig und dürfte in vielen Fällen gar nicht funktionieren, aber erstens finde ich gelegentlich auftauchende, alleinstehende Episoden sehr erfrischend, zweitens kann eine Pause von den nachlassenden Plotlines der fünften Staffel kaum schaden und drittens ist Der beste Handwerker aller Zeiten einfach sensationell gut geschrieben. Der im Titel angesprochene Handwerker ist Eli Scruggs (gespielt vom charismatischen Kavalier Beau Bridges), ein älterer und verlässlicher Dienstleister, der zu Beginn der Episode stirbt. Die Frauen der Wisteria Lane, deren Leben alle zu einem Zeitpunkt von Eli nachhaltig beeinflusst wurden, denken an ihren geschätzten Mitmenschen zurück und richten seine Beerdigung aus. In Rückblenden erfahren wir, wie Eli nicht nur den Haushalt der Hausfrauen richtete, sondern auch ihre Lebensweise oder ihr zerrüttetes Gefühlsleben. So brachte er eine überhebliche Gabrielle, die ihre Nachbarinnen überstrahlen wollte, auf den Boden der Tatsachen zurück oder spornte die ewige Hausfrau Bree dazu an, auf ihren Kochkünsten ein brummendes Geschäft aufzubauen.

Die Episode mag für die Staffelhandlung völlig irrelevant sein, doch sie traf die stilistische Essenz von Desperate Housewives besser als die restliche Staffel, fand tonal wieder exakt die Balance zwischen herzlicher Süße und bissigem Humor, Leichtigkeit und emotionalem Tiefgang. Wie Serienschöpfer Marc Cherry erklärte, beschloss man erst in letzter Sekunde den Meilenstein der 100. Folge zu feiern, und in wahrer Rekordzeit stampften die Autoren ein kraftvolles Drehbuch aus dem Boden, das voll mit visuellen Referenzen auf die Vergangenheit der Figuren und pointierten Dialogen sowie Monologen ist. Dadurch, dass die Figuren in dieser Rückblick-Episode wieder auf den Punkt gebracht werden und wir ihre Entwicklung toll vorgeführt bekommen, ist sie nicht nur als Jubiläum klasse, sondern auch ein idealer Einstiegspunkt für Serienneulinge (schade, dass es qualitativ daraufhin langsam aber stetig bergab ging).

Durch das bissige wie angenehm rührselige Skript angespornt, holen die Darstellerinnen einige ihrer Serienbestleistungen aus sich raus und Bridges ist eine verlässliche Bank, die den unscheinbaren, aber bedeutsamen Handwerker herzlich und mit feinem Witz darstellt. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Die Macher wissen, wie gut diese Folge war, und deswegen machten sie Episoden in diesem Stil zu einer weiteren Marke von Desperate Housewives, ähnlich wie die Katatsrophen-Folgen. Bloß nutzten sich die alljährlichen Unglücke nicht so schnell ab...

Der beschwerliche Weg zur Zielgeraden

Die Divergenz nahm nach der 100. Folge gravierendere Züge an: Die Scavos müssen ihr Geschäft aufgeben, und während die Geldprobleme zunächst für gute Momente sorgten (wenngleich schwächer als die vorherige "Porter könnte in den Knast wandern"-Handlung), insbesondere für die kriselnde Freundschaft zwischen Kurzzeit-Geschäftsteilhaberin Bree und der überforderten Lynette, bricht die Scavo-Handlung schnell auf Mittelmaß zusammen und flüchtet sich auf ausgetretene Wege. Zudem lassen die Autoren spannendere Elemente, wie besagte Krise zwischen Lynette und Bree, nach einer gelungenen Steilvorlage einfach fallen.

Susans Story nervt im Anschluss an die 100. Folge nur noch, einzig in der Folge Die Geschichte von Lucy und Jesse kam es zu einer witzigen Begegnung zwischen ihr und ihrer lesbischen Vorgesetzten - was zwar nur ein leicht verzerrtes Spiegelbild der vorherigen "Susan denkt, mit Lee geschlafen zu haben" ist, aber immer noch witziger und frischer, als der Susan-Alltag. Gabrielle und Carlos sind nahezu dort, wo sie vor zwei, drei Staffeln waren, nur dass Lynette für Carlos arbeitet. Das Ergebnis sind maue Stories mit gelegentlich pfiffigen Dialogszenen, die leider rasant wieder verpuffen.
Bei Bree und Orson kriselt es derweil, was Orson in die Kleptomanie treibt. Ein sehr unglaubwürdiger Schritt, der obendrein aus dem Hut gezaubert und keine Sekunde vorbereitet wurde. Rückblickend ist diese Storyline sogar noch nerviger und enttäuschender, als er es bei einer Betrachtung von Folge zu Folge war.
Das Staffelgeheimnis um Dave, der an Mike Rache nehmen will, zerrt indes immer anstrengender an den Nerven der Zuschauer. In Ein ganz einfacher Plan (Folge 18 von 24) scheinen wir endlich den Schluss dieses Handlungsfadens erreicht zu haben - wohlwissend, dass dem doch nicht so sein kann. Und ja, die Autoren winden sich wieder raus. Aber, ich muss ehrlich sein: Diese Folge war mit Tom Scavo, der mit Gabrielle Frauentratsch betreibt, und bitter-überzogenem Dialogkrieg zwischen Bree und Orson ein später, kleiner Sonnenstrahl dieser Staffel.

Die letzte Ruhestätte

Zum Schluss von Ein ganz einfacher Plan trauen sich die Autoren was und schreiben Edie via spektakulär-absurder Todesszene aus der Serie. Eine eigentlich beliebte Figur rausschreiben, die getötet wird, um sie nicht weiter zu überreizen, da man eigentlich alles, was man mit ihr erzählen konnte, bereits erzählt hat... zweimal? Super Idee, hätte man mit Susan auch machen können...

Jedenfalls folgt auf Edies Tod die Episode Die letzte Ruhestätte, auch bekannt als Der beste Handwerker aller Zeiten reloaded. Das Konzept dieser Folge: Die Hausfrauen wollen (in diesem Fall zuerst mit innerlichem Widerstreben) einer Person, deren Einfluss auf ihr Dasein sie stets unterschätzt hatten, die letzte Ehre erweisen und erinnern sich zurück, wie bedeutsam sie in Wahrheit war, dass sie sie zu dem gemacht hat, was sie nun sind. Dabei wechseln sich Peinlichkeiten und Rührseligkeiten ab. Der bedeutsame Unterschied zur Eli-Folge: Edie nimmt die Position von Mary Alice ein und kommentiert das Geschehen sarkastisch aus dem Jenseits. Edie ist eine tolle Off-Kommentatorin, doch das ist auch der einzige Punkt, in dem ihre Folge der von Eli etwas voraus hat. Sie ist vielleicht etwas zynischer, aber bei weitem nicht so einfallsreich. Eigentlich besteht sie nur aus, aufgrund der sehr weiträumigen Rahmenhandlung, enorm komprimierten Edie-Storylines, wie sie sonst in jeder normalen Folge vorkämen. Dass sie so stark verkürzt wurden, nimmt ihnen von ihrer emotionalen Wirkung, weshalb an sich nur die eher witzige "Gaby und Edie gehen aus und wetten, wer mehr Drinks spendiert bekommt"-Geschichte komplett aufgeht. Hier wird auch die emotionale Wende lang genug ausgespielt. Im direkten Vergleich zur Eli-Episode ist sie ein schwacher Abklatsch - aber sie ist besser als das, was noch folgen sollte.
Die Zielgerade

Fangen wir mit dem guten an: In der ersten Episode nach Edies Abschied von der Serie gibt es eine tolle Scavo/Solis-Story, in der Carlos Lynette ohnmächtig in der Dusche vorfindet, während Tom und Gabrielle gemeinsam im örtlichen gartenclub Schindluder treiben und Tom eine Freundschaft zu der (durch Edies Tod nicht mehrVize-)Dorfmatatze aufbaut. Diese Geheimnisse bauschen sich auf und eskalieren in einem witzigen gemeinsamen Abendessen. Die Folge endet mit einem weiteren Hausfrau/Hausmann-Tratsch zwischen Tom und Gaby, der zeigt, welch gute Chemie zwischen den Darstellern herrscht. Ärgerlicherweise nutzen die Autoren diese nicht aus und geben dieser ungleichen Freundschaft weitere Sequenzen, so dass sich diese Sache wieder verläuft.

Ansonsten zieht die Abwärtsspirale richtig an: Orsons Lug- und Trugspiel wird immer hanebüschener und zunehmend fahrlässig umgesetzt, Katherines und Susans Rumgezicke um Mike nimmt größeren Raum ein (im gleichen Zug wird's immer einfallsloser), Dave nervt mit jeder Szene mehr und mehr. Das Overacting reicht, um nicht nur die Szene, sondern die gesamte Staffel zu sprengen, inhaltlich kommen wir nicht vom Fleck. Die restlichen Geschichten verlieren an Belang, pendeln sich zwischen mittlerem Serienniveau und knapp drunter ein. Allerdings saugen die Susan- und Dave-Storylines und die schwächeren momente der Bree-Geschichte sämtliche Energie aus ihnen. Und gerade bei Susan fragt man sich: War der Zeitsprung nicht geplant, um neue Geschichten erzählen zu können? Hat man wohl vergessen.

Staring at the Shark: Das Finale der fünften Staffel

Das klingt alles gar nicht sooooooo grauenvoll? Zugegeben, episodisch oder in kleinen Paketen betrachtet, wurde im Laufe der fünften Staffel aus einer guten Serie eine schwache, aber mit Abstrichen ansehbare. Die schwachen Elemente wurden immer schwächer, aber es gab immer gute Elemente, die dem Absturz von Desperate Housewives ein wenig auffingen. Dieser Fallschirm wurde immer kleiner, doch er war da.

Allerdings kam dann das Finale. Und es hatte diese Matrix Revolutions-Wirkung. Matrix war super, Desperate Housewives hatte vier gute bis extrem gute Staffeln zu bieten. Matrix Reloaded war schon um einiges schwächer, Staffel 5 fing gut, doch unter den Möglichkeiten an und ließ immer weiter nach. Und der Abschluss... wenn einem Reloaded die Matrix nicht bereits kaputt gemacht hat, gibt's noch immer Revolutions. Ich fand das Finale der fünften Staffel so anstrengend, dass es im Rückgriff alles nach Der beste Handwerker aller Zeiten mit sich in den tiefen Schlund des Verderbens zog und ein "Echt, dafür habe ich Woche um Woche eingeschaltet?"-Gefühl in mir weckte. So enorm, dass ich für die Premiere der sechsten Staffel gar nicht mehr zu ProSieben zappen wollte.

Was passiert im Finale? Also: Dave hat es endlich geschafft, seinen ultimativen, "poetischen" Racheplan in Gang zu setzen. Der Mann, der beim Packen eine Neonröhre in seiner Hand zerplatzen lässt, weil er seine tote Frau vor sich sieht, der den harmlosesten Mann auf der ganzen Straße in den Schwitzkasten nahm und Unschuldige mit eklatanten Lügen der Brandstiftung bezichtigte, der Mann, der allen Einwohnern der Wisteria Lane einen kalten Schauer über den Rücken jagt und der Leute, die er drei Tage kennt als beste Freunde bezeichnet und sich schmierig und schleimig um sie garnt, während er sie über private Dinge ausquetscht, dieser Mann hat Susan und ihren grenzdebilen Sohn MJ dazu überredet, gemeinsam Zelten zu fahren. Ganz allein, draußen in der Wildnis.

Wir reden übrigens von der selben Nachbarschaft, in der zwei freundliche Schwule kurz nach ihrem Einzug wegen eines modernen Beispiels für hohe Springbrunnenkunst zum Auslöser für eine Straßenvollversammlung waren, von der Nachbarschaft, in der ein charismatischer Schwimmtrainer, der einer Hausfrau während einer Geiselnahme das Leben rettete, einen wütenden Mob von Fackeln schwingenden Leuten mit sich zog, da seine Fotosammlung männlicher Jugendlicher in Badeklamotten für diese Nachbarschaft ein hieb- und stichfester Beweis dafür war, dass der Kerl ein Pädophiler sein muss (ooookay, eine manische Abschiedsrede gab der aufgebrachten Meute letztlich sogar recht, doch gewissermaßen verstärkt das sogar meine Argumentation)... Und bei Dave schöpft niemand ausreichend Verdacht, um Susan von diesem Ausflug abzuhalten, bevor es zu spät ist? Herrje, sogar Susan selbst dürfte nicht so saudämlich sein, und sich aus freien Stücken mit diesem Typen in den gleichen Wagen setzen! Ich wette, wenn man neben Dabe sitzt und nur ein bisschen leiser wird, hört man unheimliche, brummende Choräle, die einen vor der drohenden Gefahr warnen!



Ja, ungefähr so.
Zusätzlich zu dieser hirnverbrannten Aktion, dass der offensichtlichste Nicht-Disney-Schurke jenseits von Hot Fuzz munter seinen Willen durchkriegt und sogar, mit fiesem Grinsen auf dem Gesicht, Mike ein Videoband in die Hand drückt, dass er erst in einigen Tagen ansehen darf (neeeeein, da befindet sich keine Todesbotschaft drauf, so etwas würde doch niemand machen, ganz besonders nicht so vertrauenserweckende Personen wie Dave), kommt noch die stereotypischste "Origin Story", die einem einfallen kann. Daves Frau und Tochter kamen ja bei einem Autounfall mit Mike und Susan ums Leben, das weiß der mitdenkende Zuschauer seit... ungefähr dem ersten Trailer für Staffel 5... aber was der Zuschauer noch nicht wusste: Am Abend des Unfalls saß Dave mit seinen geliebten Damen am Küchentisch, versprach morgen die Arbeit mal fallen zu lassen und mit ihnen was zu unternehmen. Bis dahin... und jetzt holt die Taschentücher raus, denn es wird traurig... bis dahin sollen sie sich doch schon etwas vergnügen und allein Eisessen fahren... und wenn... wenn Dave mit ihnen Zeit verbracht oder was gekocht hätte... dann... dann würden sie vielleicht noch leben... ist das nicht... nicht herzzerreißend?!

Abseits von Daves Storyline, die endlich, endlich, endlich zum Schluss findet, werden im restlichen Staffelfinale nur die Weichen für die sechste Staffel gestellt. Damals konnte man nicht ahnen, dass aus diesen katatsrophalen Anhaltspunkten tatsächlich etwas gutes erwachsen wird... Da wäre Lynette, der es plötzlich richtig elend geht. Sie befürchtet, dass der Krebs wieder ausbricht und konsultiert ihren Arzt. Und, wird in Staffel 6 etwa ein zweites Mal eine Lynette-Krebshandlung aufgekocht? Neeeein, wo denkt ihr hin? Lynette ist natürlich schwanger. Das ist ja was völlig neues!
Bree will sich indessen von Orson scheiden lassen und ihr Anwalt Carl hetzt Schläger auf ihn (Out of Character-Moment 1), danach fallen Bree und Carl bei einem Streitgespräch über diese eigenmächtige Handlung Carls übereinander her (OoC-Moment 2 und 3). In der kommenden Staffel sollte so etwas wie Chemie zwischen ihnen entstehen, hier war es dagegen noch das reinste Fischen nach möglichen Storylines.

Selbiges gilt für Gaby und Carlos, die ihre Teenie-Nichte bei sich aufnehmen. Der Auftakt zu dieser Geschichte ist aufgetragen und aufgeplustert, zum Glück fiel zwischen den Staffeln sämtliche Überdramatik aus diesem Plot raus. Konnte man im Finale aber nicht ahnen, und so sieht man, wie eine durchtriebene Zicke von einer ehemals durchtriebenen Zicke belehrt wird, während man sich fragt, wo das Charisma der Serie geblieben ist.
In den letzten Minuten verwandelt sich das Staffelfinale von Desperate Housewives krönenderweise zu einer unspannenden, vorhersagbaren und nicht gerade furchteinflößend gefilmten Ansammlung schlechter, wirklich schlechter Slasherfilm-Tropen: In Anwesenheit des Killers erfährt Susan per Handy von dessen Vorhaben und versucht mehr schlecht als recht ihre Angst zu überspielen. Als das Auto anhält, befiehlt sie ihrem Sohn wegzurennen und sich nicht zu zeigen, wenn Dave ihn ruft. Susan schlägt Dave nieder, doch er ist nicht richtig k.o. und krallt sich Susans Arm, als sie sich zum scheinbar ohnmächtigen Monstrum runterbeugt. Dave stolpert über einen Friedhof und ruft nach Susans Sohn MJ, der sich auch prompt in Daves Arme begibt. Dave bereitet sein Komplott vor, Mike soll an der Stelle, an der seine Frau totgefahren wurde in ein Auto rasen, in dem sich MJ befindet, während eine gefesselte Susan zusehen muss. Susan redet Dave ins Gewissen ("Was würde ihre Frau dazu sagen?") und er lässt MJ gehen, bleibt aber selbst im Wagen und lässt sich heftig von Mike anfahren. Vor seinem geistigen Auge reißt Dave am Abend des tragischen Unfalls seiner Familie nochmal das Steuer um und verbringt mit ihnen einen gemeinsamen Abend, während die Kamera wieder aus seinem Auge rausfährt und ihn als Insassen einer Anstalt zeigt. Spooooky! Oh, sorry, ich meinte natürlich *würg*

Die Krönung kommt dann zum Schluss der Folge: Von allen überreizten Storylines, von allen "Ich will diesen Cliffhanger nicht mehr sehen!"-Typen eines Cliffhangers endet die fünfte Staffel mit Mikes x-ten Hochzeit, doch die Braut, die wird nicht enthüllt...

Oh... mein... Gott...

Ein Fazit

Die ersten Episoden der fünften Staffel standen unter dem Motto: "Ja, wir unternahmen einen Zeitsprung von fünf Jahren, aber keine Sorge, zu viel neues gibt es nicht", manchmal sogar eher unter dem Motto "Wir finden schon zum Status Quo zurück... im Rahmen des machbaren, wir können ja nicht einfach Gabys Kinder töten..." Immerhin waren sie noch ganz unterhaltsam. Doch dann nahm die Staffel einen starken Qualitätsverlust hin: Das Staffelgeheimnis nervte, Susan nervte, die besseren Storylines (von der "Porter-als-Hauptverdächtiger"-Handlung abgesehen) waren lauwarm in ihrer Gesamtheit, hatten aber wenigstens kräftige Würze in einzelnen Dialogszenen. Aus dem Potential des Zeitsprungs hat man nahezu gar nichts gemacht, tonal wurde der schwarze Humor immer lascher und aus der Dramedy-Soapsatire wurde... eine gut produzierte Soap. Eine unglaubwürdige, gut produzierte Soap. Mit einem absolut grauenvollen Krimi als Kitt, der sie zusammenhalten soll. Wäre es nicht für die Highlight-Episoden und manche herrlich alberne Momente mit Tom, Bob und Lee sowie etwas Zynik mit Orson gewesen, ich wäre schon während der Staffel vom sinkenden Schiff gesprungen. Nach dem fernsehtechnischen Autounfall, der sich Finale schimpfte, hatte ich dann den Rettungsring parat und nahm die Absprungposition ein.

Wieso mich die Serie trotzdem halten konnte? Das ist eine andere Geschichte...

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3 Kommentare:

Jupiter Family hat gesagt…

Merry Christmas & Happy New Year!!
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Gabie Nord hat gesagt…

Ehrlich gesagt, hat die Serie ihre Charme schon verlieren. Sie sind schon eher langweilig

Giro hat gesagt…

Finde ich auch schaue ich nicht mehr an aauch nicht mehr die Wiederholungen

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