Donnerstag, 16. Dezember 2010

Die Mathematik der cinastischen Sympathieverteilung (heute mit "Tron: Legacy")

Also, irgendwie ist das schon seltsam: Das Intro hat mir sehr gefallen, ich fand alle Szenen in unserer Welt gelungen, Sam Flynns Entführung in die digitale Dimension fand ich super, sämtliche Actionsequenzen auf dem Spieleraster waren meiner Meinung nach phänomenal, die ersten paar ruhigeren Szenen waren gut. Erst dann, als erstmals tiefer auf das Herz der Handlung eingegangen wurde, fand ich's etwas schwächer. Doch bald darauf kam eine wirklich herausragende, abgefahrene Szene, die nach Kinostart sicher Thema sämtlicher Gespräche über Tron: Legacy sein wird. Direkt danach gab es die einzige nennenswerte Durststrecke, die finale Schlacht war aber wieder super - das Bindeglied zwischen ihr und der letztlichen Schlusssequenz war wieder etwas schwächer, aber das Ende gefiel mir wieder.

An der Laufzeit gemessen fand ich vielleicht 1/5 bis 3/10 von Tron Legacy eher mau, der Rest hat mich vollstens überzeugt. Und trotzdem verließ ich das Kino mit einem weniger freudigen Gesicht, als es demnach der Fall sein sollte. Rein quantitativ fand ich viel mehr gut als schlecht. Und auch bei gewichteter Betrachtung gewinnen die Glanzpunkte. Denn es ist nicht so, als wären die positiven Sachen halt "ganz nett" und die für mich schwachen Szenen Anlass zum Augenrollen und die flache Hand auf die Stirn schlagen.
Ne, also die Erfahrung kenne ich nicht. Also, das ist doch was für's deutsche Poster: Tron Legacy - "Sorgt für völlig neue Erfahrungen" (Sir Donnerbold)

Ich werde wohl eine Nacht darüber schlafen müssen, oder auch zwei, ob es an meiner Erwartungshaltung lag, oder ob ich bloß durch Rapunzel verwöhnt bin. Oder - und das wäre ein unwahrscheinlicher Fall - dass Tron Legacy in die Sparte der Filme fällt, die objektiv großartig sind, aber nicht geliebt werden können. Aber nein, das wird's nicht sein.

Zumindest weiß ich eins: Seit ich den Heimweg aufbrach, fällt mir immer mehr ein, was ich an den guten Szenen so super fand. Womöglich ist Tron Legacy letztlich als Aneinanderreihung starker Sequenzen wunderbar, bloß nicht als dramaturgisches Gesamtwerk. Dabei fand ich die Story besser, als die von Tron.

Mhhh... Schlecht ist er jedenfalls nicht. Eigentlich ist er ganz gut. Nur wieso fühle ich mich jetzt so indifferenziert? Naja - wie gesagt, ich sinniere darüber. Und bei Gelegenheit gibt's die Kinokritik. Aber ja, er ist eher gut als mies. Mehr gut als mies, ich korrigiere mich. Rein rechnerisch spielt die Frage sogar gar keine Rolle, da war ich ziemlich hin und weg. Nur - Filmebewerten ist halt keine mathematische Aufgabe.

3 Kommentare:

Kevin Kyburz hat gesagt…

Ich hoffe, der Film hat dich nicht um deinen gesamten Schlaf gebracht, auch wenn mich die Uhrzeit deines Blogeintrags anderes vermuten lässt.

Cooper hat gesagt…

Mhm... Bedenke ich die Begeisterung, die zuvor aus allen Poren dieses Blogs für Tron Legacy drang, so bin ich jetzt irgendwie alarmiert...

Deine indifferenzierten Worte lassen meine Alarmglocken ringen, denn bei allem Verständnis für eine kritische Filmbewertung - ich rechnete fest mit einem Feuerwerk der Lobeshymnen. Bedenke ich z.B. deine Zeilen zu 'PotC:AWE', dann ist "Tron - Legacy" dagegen "nur" ein guter Film , bei dem 'nicht allzu viel schlecht ist' und 'nur wenig Langeweile aufkam'... Äh hallo? Ich habe gedacht, Tron Legacy ist das erste und bedeutendste Highlight im Kinojahr 2011... Nach dem was im Vorfeld so rumging, sollte der Film einen intensiveren Eindruck hinterlassen und wenn schon nicht Avatar mit Glanz und Glorie wegfegen, so doch zumindest bei den Blockbustern das Kinojahr 2011 dominieren! Klingt nicht danach und ich muss ernüchternd feststellen, dass ich wirklich dran geglaubt hatte, dass der Film das schafft... Nichtmal bei Avatar habe ich soviel Sympathie und Vorfreude verspürt wie auf die Fortsetzung von Tron...

Sir Donnerbold hat gesagt…

Ohje Cooper, ich wollte dich nicht in große Besorgnis stürzen. Um das ganze etwas auszudifferenzieren, da deine Zusammenfassung etwas von meinen negativen Bemerkungen dominiert wurde, sei deshalb nochmal erwähnt, dass der Einschätzung "ein guter Film, bei dem 'nicht allzu viel schlecht ist' und 'nur wenig Langeweile aufkam'" jedoch auch stürmisch abgefeuerte Adjektive wie "super", "phänomenal", "herausragend[..], abgefahren[..]" und nochmal "super" gegenüberstehen.

Wie gesagt, ich kam zu Hause recht indifferenziert an. :-p

Mittlerweile ist mein Meinungsreifeprozess aber weiter vorangeschritten. Ich werde mich demnächst an die Ausformulierung setzen.

Übrigens: Das bedeutendste Kinohighlight 2011 KANN "Tron Legacy" gar nicht werden, im selben Jahr startet doch "PotC - Fremde Gezeiten". :-p

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