Montag, 20. Dezember 2010

Elektrifiziert die Jungs und Mädchen, wenn ihr so freundlich wärt...

Darf ich vorstellen: Castor, schillender Mittelpunkt einer elektrifizierenden und angenehm irritierenden, wahrlich abgefahrenen Sequenz in Tron Legacy. Er ist der überdrehte und fabelhafte Leiter des End of Line-Clubs und wird vom Briten Michael Sheen gespielt. In der deutschen Synchronfassung leiht ihm einer meiner absoluten Lieblingssprecher die Stimme: Axel Malzacher. Und das Ergebnis klingt dann so:

Und mit diesen beschwingten Worten begrüße ich euch zum riesigen Tron Legacy-Rundumschlag hier bei Sir Donnerbolds Bagatellen. Nachdem der US-Kinostart hinter uns liegt und sich Tron Legacy offiziell in unsere Welt gerendert hat, wird es Zeit meine Linkliste zu minimieren und euch mit den interessantesten Fakten aus einigen Interviews zu bombardieren. Und natürlich muss hier über das Ergebnis des Startwochenendes diskutiert werden. Also, Daft Punk auf die Ohren und los geht's:

Nachdem Rapunzel sowohl in Deutschland als auch in den USA über den Erwartungen Disneys startete und in Russland sogar zum erfolgreichsten Disney-Trickfilm aller Zeiten wurde, sorgt Tron Legacy für erneute Freudestänze, wenngleich für weniger euphorische. Statt über den Erwartungen zu starten, begann Tron Legacy seine US-Kinolaufzeit im Bereich des zuvor vermuteten und brachte 44.026.211 US-Dollar ein. Laut Box Office Mojo, wo dieses Ergebnis sehr freudig eingeschätzt wird, wurden doppelt so viele Kinokarten verkauft wie am Startwochenende von Tron. Das großteils männliche Publikum (geschätzt 66 Prozent) ist mit dem Film insgesamt sehr zufrieden, während die Kinokritiken weniger euphorisch ausfielen - und das obwohl Kritikerpabst Roger Ebert den Film lobte.

Hinter vorgehaltener Hand wird man das Einspielergebnis von Tron Legacy sicherlich dezent enttäuschend finden: Nachdem Rapunzel alle Erwartungen sprengte, da hätte doch auch dieser Film mit seinem enormen Marketingpush in viel höhere Weihen vorpreschen dürfen. Allerdings deutet sich an, dass Tron Legacy womöglich, in bester Cars-Manier, in allen anderen Bereichen des Konzerns über den Erwartungen läuft, während die Kinoeinnahmen vorhersagbare Wege gehen. Der Soundtrack von Daft Punk befindet sich an der Spitze der US-Charts und ist somit der erste Film-Soundtrack seit fünf Jahren, der Auf Anhieb in die Top Ten kam. Die ElecTRONica-Nächte in Disney's California Adventure wurden als voller Erfolg bezeichnet, der Merchandisingverkauf kommt ordentlich auf Touren.

Daft Punk sind schonmal die größten Gewinner des vergangenen Wochenendes. Grund genug, sich intensiver mit ihrem Score für Tron Legacy auseinanderzusetzen. Gegenüber The Hollywood Reporter erläuterten die stets in ihren Robotermasken auftretenden Franzosen, wieso Tron Legacy sie thematisch reizte:

"Der erste Film von 1982 war ein sehr farbenfroher, hoffnungsvoller, naiver Blick auf die Technologie, die die Welt so sehr veränderte. Dreißig Jahre später, [wurde] dieser neue Film ein düsterer, nicht so unschuldiger Blick auf die Technologir. Das hat er gemeinsam mit unseren Gefühlen über Technologie, es ist diese Hass-Liebe, die wir mit ihr führen. Sie kann wundervoll und erschreckend sein."

Den Stil des Filmscores bezeichnet Daft Punk als bewusst anachronistisch: "Wir begannen damit, Musik zusammenzustellen, als wir erstmals die Konzeptzeichnungen sahen, wir fingen tatsächlich damit an, bevor wir ein Skript hatten. Wir betrachten die digitale Welt als Wüste. Jeff Bridges' Figur sieht fast so aus wie [Charlton Heston in] Die zehn Gebote. Wir mochten diese Idee, klassische Hollywood-Scores zu nehmen und sie gegen elektronische Musik und 70er-Jahre-Science-Fiction-Soundtracks mit einem sehr dunklen Feeling, wie die von John Carpenter, zu knallen."

Ein gewissermaßen wandelnder Anachronismus von Tron Legacy findet sich in Olivia Wildes Figur Quorra, einer agilen Kämpferin, die den durchtrainierten Sam und Weltenschöpfer Kevin Flynn locker in die Tasche steckt. Auch wenn ihre Rolle letztlich nicht eine so überdeutliche, federführende Position in Tron Legacy einnimmt, wie ich eingangs erwartete, ist sie deutlich ein Produkt dieser Dekade, während ein großer Anteil an der Handlung von Tron Legacy einen deutlichen 80er-Charme aufweist. Tron Legacy lebt als Fortführung von Tron einen gewissen Retro-Futurismus, obwohl der Film thematisch die jetzigen Entwicklungen der digitalen Welt und deren Einfluss auf unseren Alltag kommentiert, stützt sich die Handlungsebene auf längst vergangene Träume dessen, welche wissenschaftlichen Grenzen Computer durchbrechen, oder aber grauenvolles mit uns anrichten könnnen.

Im Gespräch mit /Film Wilde ihre Rolle als eine unytpische Femme Fatale oder Heldin, die intelligent und kraftvoll, aber sehr kindlich und trotz ihrer kämpferischen Natur unschuldig ist. Über die politischen Untertöne von Tron Legacy sagte sie zum Reporter, "vielleicht wird es niemand außer dir und mir bemerken. Aber [...] die Aussage ist natürlich, denke ich, dass Mitleid, Menschlichkeit und Demut nicht nur im alltäglichen Leben, sondern auch in der Politik entscheidende Faktoren sind."

Mit Collider sprach sie derweil über Woody Allen, Disneyland und die praktischen Sets von Tron Legacy:



Ebenfalls bei Collider lässt sich einiges über den Schreibprozess von Tron Legacy erfahren. Und obwohl das Drehbuch ein paar dramaturgische Schwächen aufweist, vor allem im Belang, wie die einzelnen Sequenzen letztlich das geplante große Ganze ergeben, ist das durchaus interessant, da die Autoren Edward Kitsis und Adam Horowitz über das Verfassen der Actionszenen sprechen. Statt einfach ins Drehbuch zu schreiben "joah, nun eine Actionszene", spielte es sich wie folgt ab:


"Es ist unglaublich detailliert, aber die Schritte, die [die Skritpversion der Actionszenen] so unglaublich detailliert machen, sind Teile eines ungeheuerlich kollaborativen Prozesses", erklärte Horowitz am Beispiel der Disc Wars. "Als wir diese Sektion des Films erstmals entwarfen [...], schrieben Eddie und ich eine Version der Disc Games und gaben diese Szene zu /Regisseur Joe Kosinski) und dann machte sich Joe sein Konzept davon, wie [die Disc Wars] aussehen sollten. Er beschrieb diese wogenden Plattformen, die zusammenwachsen und wie man so Runde um Runde jemand anderen bekämpfen müsste [...] Wir schrieben also diese Szene und er sendete uns eine Skizze dazu, damit wir wissen, wie es im Film aussähe..."
Kitsis erklärte weiter, wie diese Skizze neue Ideen anregten, etwa wie Sam aus einer dieser Plattformen ausbricht und auf eine andere springt. Das wurde dann in einem animierten Storyboard ausgetestet, woraufhin die Autoren es umschreiben konnten, um in einem weiteren Visualisierungstest zu sehen, ob die neue Fassung besser fließt. Horowitz fügte hinzu, dass sie sich diese Test ansahen, um "herauszufinden, wie wir an diesem Punkt die Figurenentwicklung vorantreiben können und wie wir das, was Sam durchmacht, durch die Action darstellen können."

Kitsis erklärte weiter: "Das ist der schwerste Teil an der Schreibarbeit zu Tron. Ich meine, da sind so viele Herausforderungen, das Starren auf eine blanke Seite, die Kreation einer ganzen Welt, dieses und jenes, aber das wusstest du von vornherein und man musste nur Joe Kosinskis Test sehen um zu wissen, dass es großartig aussehen wird. [...] [Aber,] wie fügst du das in die Geschichte ein? Wie machst du es zu etwas, das mehr bedeutet, als nur cool auszusehen? [...] Jeden Tag drängten wir uns selbst - ja, Light Cycles sind cool, aber es muss einen anderen Zweck erfüllen. Es kann nicht ein Light Cycle um des Light Cycle Willen sein."

Und tatsächlich tragen die Actionszenen in Tron Legacy auch etwas zur Handlung bei. Trotzdem möchte zwischen den einzelnen Akten des Films kein dynamischer Fluss entstehen, so dass man den Film letztlich eben doch Sequenz für Sequenz betrachtet und nicht rückblickend das Gesamtwerk befassen möchte. Für eine etwaige Fortsetzung muss da noch etwas Übung her.

Zu Abschluss noch zwei Schmankerl: Michael Sheen und Beau Garrett sprechen mit Hitfix über ihre "Ensemble Darkhorse"-Rollen (Sheen bezeichnet seine Figur als wandelnde Jukebox) und zum Schluss dank dem guten Martin, der hiermit gegrüßt sei, ein Video von der IMAX-Premiere des Films, auf der eine interaktive Halfpipe aufgebaut war.




Tron Legacy Premiere - A Light Session from ENESS on Vimeo.

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