Montag, 31. Mai 2010

Videos zum Entspannen: Mario Power Tennis

Derzeit spiele ich zur Entspannung wieder ab und zu Mario Power Tennis für den Nintendo Game Cube. Und da sich die Entwickler von Camelot für diesen Mario-Sporttitel besondere Mühe gegeben haben, um witzige Videosequenzen abzuliefern, dachte ich, dass ich euch einfach Mal den spaßigen Vor- und Abspann sowie die putzigen Siegesvideos der einzelnen Figuren präsentieren sollte. Als Schmankerl für den Feierabend.

Viel Vergnügen:





Toy Story 3: Groovin' With Ken

Toy Story 3 nähert sich den Kinos, und nachdem bereits einige Trailer erschienen und Pixar bereits ordentlich virales Marketing betrieb, dürfte es eigentlich kaum einen Pixar- oder Animationsfreund noch geben, der den Film nicht im Kino sehen will.

Wie es aussieht, könnte Ken ein besonderes Highlight des Films werden, und in folgendem Video läuft der Sunnyboy zu wahrer Höchstform auf. Aber seht selbst:

Sonntag, 30. Mai 2010

Lenas Triumph und die Folgen - Gibt es 2011 "Unser Star für Berlin" oder die doppelte Dosis Lena?

Wie lange ein einziger Tag doch sein kann. Innerhalb von 24 Stunden tröpfelte langsam die Erkenntnis, dass Lena mit Satellite den Eurovision Song Contest gewann in den Verstand ein, wurde diese nachricht erstmal so richtig verarbeitet, das deutsche Fernsehprogramm durcheinandergwürfelt, Lenas feierlicher Empfang und zahlreiche Sondersendungen wurden organisiert, mit heißer Nadel Sondersendungen zurecht geschnitten und so viel gefeiert, wie sonst nur wenn Deutschland an Heiligabend vom Osterhasen den Fußball-Weltpokal geschenkt bekommt. Außerdem erlebte man zum (wenn meine Erinnerung nicht trügt) ersten Mal seit seinem Besuch beim Kegelclub "die Muschis" einen angetrunkenen Stefan Raab im deutschen Fernsehen. Und eben jener heizte in Anwesenheit von Fernsehteams, Pressevertretern und ungezählten Fernsehzuschauern einen versammelten Ratahusplatz an Leuten ein und fragte ihn, was er davon halten würde, wenn Lena 2011 die "Europameisterschaft im Singen im eigenen Land" verteidigen würde.

Genau hier machte sich für mich der erste Wermutstropfen in Mitten des triumphalen Endorphinrausches breit. Okay, Stefan Raab erlebte einen gewaltigen Adrenalinschub, die Glückshormone werden ihm die Sinne vernebelt haben und vor lauter Enthusiasmus und Restalkohol im Blut wird er nicht so ganz gewusst haben, was seine spontane Schnapsidee zu bedeuten hat. Deshalb sollte man seine Aussage nicht völlig für bare Münze nehmen. Dennoch bleibt abzuwarten, ob Raab nicht auch später zu seinem Wort stehen will. Sofern er es kann und das Reglement es erlaubt, dass der Vorjahressieger erneut antritt (bislang ist mir keine derartige Aussage begegnet, aber wer weiß?). Ich zumindest fände es wirklich schade, sollte Raab erneut auf Lena setzen. Lasst mich erklären, wieso.

Die Lena-Defensive

Zunächst einmal möchte ich Lena und ihren Siegeszug in Oslo verteidigen und schon allein deswegen von der Titelverteidiger-Taktik abraten. Die Idee des zu verteidigen Titels entlehnt Raab zu sehr aus dem Sport, der Eurovision Song Contest als Kulturveranstaltung... ach, Quatsch, sein wir ehrlich... Unterhaltungsshow funktioniert ein wenig anders.
Lenas erfolgreiches Abschneiden ist wegen der 28-jährigen Pause seit unserem letzten Sieg und den vergangenen, deaströsen ESC-Jahre ein denkwürdiger Meilenstein in der deutschen Popkulturgeschichte. Es wäre vermessen und wahnsinnig, das Andenken an Lenas Triumph dadurch zu gefährden, dass man Lena im Folgejahr erneut dem Urteil Europas aussetzt. Sie kann dabei nur verlieren. So lange sie unter den ersten drei Rängen landen sollte, wäre man glücklich, mit den Top Ten wäre bereits ein Schatten auf ihren Sieg geworfen (mit den Plätzen 6 bis 10 deutlich größer als mit Platz 4 oder 5), und alles was darunter wäre, wäre eine Katastrophe. Dazu erinnern sich Menschen einfach viel zu gut an negative Ereignisse, und vor allem das deutsche Mecker- und Pessimismusgen würde aus der sensationellen Lena, die uns mit einer charismatischen Performance zum Sieg brachte, plötzlich die erfolgsverwöhnte Exgewinnerin machen, die einen bösen Absturz erlebte. Insbesondere, wenn ihr Fall so kurz nach ihrem Karrierehöhepunkt erfolgt. Sollte Lena in drei Jahren (oder später) wieder zum Song Contest fahren wollen, liefe sie noch immer Gefahr, schlecht abzuschneiden, aber die Auswirkungen wären nicht mehr so enorm, da sich ihr Sieg dieses Jahr bereits im Gedächtnis stärker festsetzen konnte. Bis dahin sollte man sich aber damit begnügen, ihr eine hervorragende Eröffnungsnummer zu schenken, damit der ESC 2011 von Beginn an eine tolle Show ist.

Die Deutschland-Offensive

Man sollte nicht nur Lena und ihrem Denkmal zuliebe darauf verzichten, sie bereits 2011 wieder ins Teilnehmerfeld zu stoßen. Ganz größenwahnsinnig gedacht, sollte man auch zum Wohle der deutschen Eurovision-Statistik auf ein anderes Pferd setzen. Denn auch, wenn man nicht mit einem Doppelsieg Deutschlands rechnen sollte (es gab bislang nur 3 Doppelsiege und einen Dreifachsieg, und das war alles vor Einführung der Telefonvotings), so sollte man sich auf jeden Fall Griechenland zum Vorbild nehmen: Dauerabbonnement auf die Top Ten. Ob das mit einer doppelten Dosis Lena gelingt, wage ich an dieser Stelle zu bezweifeln. Denn der Eurovision Song Contest lebt von Überraschungen. Als 2007 nach dem Lordi-Sieg auf Rock gesetzt wurde, waren Balladen am Drücker. Die ganzen Geigennummern dieses Jahr, die sich an Alexander Rybaks Erfolg orientierten, wurden in die Flucht geschlagen. Okay, Griechenland und zu gewissem Grade auch die Türkei schaffen es immer wieder mit Ethnopop in die Top Ten, aber dabei hanelt es sich wenigstens um ein ganzes Subgenre, das man zudem erwiesenermaßen stark variieren kann. Lena dagegen ist einfach nur Lena. Das ist ihre Stärke, und daran sollte sich nichts ändern, aber beim Eurovision Song Contest wirkt das zweimal hintereinander mit großer Sicherheit langweilig. Wir sind besser beraten, wenn wir eine weitere Künstler/Song-Kombination suchen, hinter der wir mit geballter Überzeugung stehen, statt uns bloß zu wiederholen.

Aber wir müssen erstmal abwarten, was der NDR, die ARD und ProSieben zu Stefan Raabs Träumerei sagen. Die Fernsehsender wollen sicherlich nicht auf den Quoten- und Kritikererfolg des Raabcastings verzichten und werden bestimmt auf ein Unser Star für Berlin (oder Köln, Hannover, Hamburg oder wasauchimmer) verzichten wollen. Vielleicht sollte man dieses Mal auch auf Duos oder Bands setzen, statt nur auf Solotalente? Es brächte auf jeden Fall mehr Abwechslung in den Song Contest - und mehr Spannung.

Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder (Teil XLI)

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Platz 76: The Army Is Not The Army Anymore aus Donald in Uniform
Musik von Paul J. Smith (?), Text von Carl Barks

Carl Barks, der geistige Vater von halb Entenhausen und der mit Abstand bekannteste Comiczeichner- und Autor des Disney-Universums. Schade nur, dass die Hardliner unter den Donaldisten Barks als alleinigen Entenzeichner sehen wollen und sich zugleich gerne über den Cartoon-Donald brüskieren (*mehr dazu*). Dabei gibt es abseits von Barks Comicwerken so viel weiteres zu entdecken. Etwa, man wage es zu glauben, andere hervorragende Donald-Comics oder, Überraschung, Donald Duck in bewegten Bildern. Teilweise ebenfalls von Carl Barks geschrieben. So etwa den Kurzfilm Donald in Uniform von 1942, besser bekannt als Donald Gets Drafted, der erste Cartoon in einer Reihe mit Donald als den (typischen?) naiven US-Soldaten, der sich hat einziehen lassen und dann feststellt, dass das Armeeleben nicht ganz so wie erwartet ist. Diese Filme, die Disney neben weiteren klassischen Cartoons sowie Lehr- und Propagandafilmen für's Militär produzierte, dienten gleichermaßen als ironischer Kommentar und als kurzweilige und humoristische Flucht vor dem Alltag nach dem US-Kriegseintritt.
The Army Is Not The Army Anymore repräsentiert mit seiner Spritzigkeit und einem subtil beißendem Schuss Ironie genau den Humor, der die "Soldat Donald"-Kurzfilme für mich zu den besten Filmen mit dem charismatischen Wüterich machen: Offensichtlich haltlose und leere Versprechungen, wie angenehm der Soldatendienst heutzutage ja sei, gesungen zu einer heiteren Ohrwurmmelodie. Das ist genau die Art von Texten, die Barks an seinen besten Tagen verfasste und wegen denen Carl Barks bei Erwachsenen so beliebt wurde.
Donald Gets Drafted ist ein, bedenkt man sein Thema, überraschend erfrischender Donald-Cartoon und The Army Is Not The Army Anymore, das Militärwerbelied, das einfach zu viel verspricht um noch zu funktionieren, wurde später im fantastischen The Vanishing Private wiederverwendet. Bedenkt man, wie eng Walt Disney seinerzeit mit dem Militär zusammenarbeitete (bzw. zu dieser Kooperation gezwungen war), ist es wirklich erstaunlich, dass dieses Lied es in die Kinos geschafft hat.

Platz 75: Jedermann will einen Lachplatz haben ("Everybody's Got a Laughing Place") aus Onkel Remus' Wunderland
Musik und Text von Allie Wrubel & Ray Gilbert (dt. Fassung von Heinrich Riethmüller)

Jahre, bevor ich erfuhr, dass Onkel Remus' Wunderland in den USA in vielen Kreisen vollkommen ungesehen den Ruf eines rassistischen Schundwerks genießt, das sich für alles außer Zip-A-Dee-Doo-Dah und Jedermann will einen Lachplatz haben gefälligst zu schämen hat, und Jahre, bevor ich den Film zum ersten Mal sah, bescherte mir die ARD meinen ersten Kontakt mit Disneys schönem, wenn auch etwas melodramatischen Mischfilm aus dem Jahr 1946. In einem der zahlreichen Disney-Specials, in denen ein Moderator durch die Parks wandert und Cartoons, Filmausschnitte und Musikvideos ankündigte, präsentierte Stefan Pinnow Toontown. Und irgendwann wurde ein längerer Clip aus Onkel Remus' Wunderland abgespielt, der im Grunde das wesentliche aus der Lachplatz-Geschichte zeigte. Meister Lampe wurde von Brumm, dem Bären, und Patzig, dem Fuchs, gefangen und sieht sein letztes Stündlein geschlagen. Dann kommt ihm die rettende Idee: Er erzählt den beiden von seinem Lachplatz, einem Ort, an dem man fröhlich ist und wo einen keine Seele stört. Brumm zwingt Patzig, Meister Lampe so lange zu verschonen, bis er ihnen seinen Lachplatz zeigt. Unterwegs zum vermeintlichen Lachplatz singt Meister Lampe davon, was ein Lachplatz ist und was er denn nun bedeutet. Dieses kleine Liedchen macht richtig Freude, hebt jede Laune und geht wahnsinnig schnell ins Ohr. Mein erster Eindruck von Onkel Remus' Wunderland war deswegen ein sehr lockerer und charmanter. Und als ich den Film letztlich komplett sah, wurde er vollkommen bestätigt.

Platz 74: Donald Duck Song
Musik und Text von Oliver Wallace

Das Titellied der späteren Donald-Duck-Cartoons löst bei mir sozusagen einen pawlowschen Reflex aus. Sobald die ersten paar Takte ertönen, geht mir das Herz auf. Oliver Wallaces witzige Hymne auf den cholerischen Erpel bringt mich stets in die richtige Stommung für einen Cartoon mit Donald und liegt mir als eingeschworenem Donald-Fan natürlich sehr am Herzen. Der Donald Duck Song ist alles anderes als spektakulär und aufgrund seiner Funktion als Eröffnungsmelodie von Kurzfilmen natürlich sehr knapp gehalten, aber dennoch liebe ich ihn und strahle jedes Mal, wenn er zu hören ist. Weitere Lobhodeleien bedarf dieses Lied gar nicht.

Platz 73: Einmal ("Out There") aus Der Glöckner von Notre Dame
Musik von Alan Menken, Text von Stephen Schwartz (dt. Fassung von Frank Lenart)

Aufgrund der sich stellenweise stark von der Filmvorlage entfernenden Bühnenadaption von Disneys Der Glöckner von Notre Dame könnte bei diesem Liedtitel durchaus Verwirrung bestehen. Das von mir favorisierte Glöckner-Lied mit dem deutschen Titel Einmal ist die im Original Out There genannte, aufmunternde und optimistische, Quasimodos Hoffnungen von einem normalen Leben außerhalb Notre Dames ausdrückende "Ich will"-Ballade. Diese wurde von Michael Kunze für die Bühnenfassung in Berlin vorlagengetreuer in Draußen umgetextet, während das aus dem eigentlichen Film geschnittene und für die Showbühne wieder in die Handlung integrierte Abspannlied Someday den deutschen Titel Einmal vererbt bekam. Someday ist mir allerdings zu schmalzig und langweilig, dieses Lied plätschert vollkommen uninspiriert vor sich her. Während Out There dagegen kann man mitverfolgen, wie nach Quasimodos und Frollos depressiven, düsteren Duett (das für die Bühne als eigenes Lied namens Zuflucht ausgekoppelt wurde) in Quasimodo aus einem Traum eine selbstsichere und glückliche Zuversicht erwächst. Alan Menkens Komposition entwickelt sich nicht nur auf dramaturgisch sehr schöne Weise, sondern changiert auch wundervoll zwischen beschwingten, spielerischen Phasen, in denen sich Quasimodo seinen Tag als akzeptierter Normalsterblicher ausmalt und pompöseren Stellen, die eine triumphierende, befreiende Wirkung haben. Out There erinnert mich übrigens ein wenig an Ich werd's noch beweisen (Platz 148) aus dem ein Jahr später gestarteten Hercules. Ein paar Sekunden lang kommt mir die Notenfolge dieser beiden Lieder doch recht ähnlich vor, allerdings macht Out There/Einmal wesentlich mehr aus seiner Prämisse eines dramatisch gesehen gehaltvolleren "Ich will"-Songs für einen männlichen Protagonisten, der größere Probleme hat, als sich eine hübsche Prinzessin zu erträumen (*polemischer Seitenhieb auf die Disney-Prinzessinnen*). Out There ist ein schönes, Hoffnungen gebendes Lied, das Gänsehaut verleiht und einen mit Quasimodo mitfühlen lässt. Mir selbst gefällt von den deutschen Versionen die Filmversion besser, was vermutlich eine Frage der Gewöhnung sein wird. Allerdings bilde ich mir ein, dass Einmal von den phonetischen Qualitäten her näher am hellen Out There liegt, als das dumpfere Draußen. Rein gesanglich gefällt mir Hendrick Brucks deutsche Version ebenfalls besser als das englische Original von Tom Hulce. Die bislang beste Version hörte ich aber während einer Gesangsshow im Disneyland Paris, die sehr emotional vorgetragen wurde und das Lied sehr originell und fließend mit Ich werd's noch beweisen verschmelzte (weshalb ich die beiden Songs geistig wohl niemals vollständig trennen können werde).

Platz 72: Kommt, kleine Kinder ("Come, Little Childen" aka "Sarah's Theme") aus Hocus Pocus
Musik von John Debney, Text von Brock Walsh (dt. Fassung von Andreas Pollak)

Hocus Pocus ist nicht nur eine der kultigsten Disneykomödien der 90er Jahre, sondern für mich auch ein absolutes Halloween-Pflichtprogramm geworden. So, wie ich Weihnachten nicht ohne Santa Clause (Teil 1!) und Die Muppets Weihnachtsgeschichte auskommen kann, ist es für mich zur Tradition geworden, an Halloween oder bei einem engeren Terminplan wenigstens im direkten Vorfeld dieses inoffiziellen und heidnischen Feiertages diese Bette-Midler-Komödie von Regisseur Kenny Ortega einzulegen. Ja, selbstverständlich bietet es sich an, zu Halloween waschechte Horrorfilme rotieren zu lassen, aber dabei kommt doch kaum richtige Halloween-Feierstimmung auf. Mit Disneys energiereichem Juwel Hocus Pocus dagegen ist man sofort in der richtigen Laune, um das morbid-spaßige und schaurig-schöne Fest mit dem nötigen Augenzwinkern zu begehen und sich so aus der nervigen "Mümmümü mü, blöder Ami-Kapitalistenkram, mümümü"-Mentalität zu entgehen. Mein absolutes Highlight in Hocus Pocus ist Bette Midlers super inszenierte, kraft- und vor allem schwungvolle Darbietung von I Put A Spell On You, doch einen ebenfalls äußerst respektablen zweiten Platz belegt... Sarah Jessica Parker mit Kommt, kleine Kinder. Ja. Wer hätte je gedacht, dass diese Frau irgendwas für mich brauchbares auf die Beine stellen kann? Doch sie hat es getan. Parker spielt Sarah, die dumme blonde dritte im Bunde eines Hexenschwesterntrios. Winnifred (gespielt von Bette Midler), die Kinder wittern könnende Mary (gespielt von Kathy Najimy) und Sarah Sanderson trieben im 17. Jahrhundert in Salem ihr Unwesen und versuchten sich ewiges Leben zu verschaffen, indem sie kleinen Kindern das Leben aussaugen. Doch die Sanderson-Schwestern wurden von den Bewohner Sakems geschnappt und gehängt, allerdings nicht schnell genug, um zu verhindern, dass Winnifred, die mächtigste der dreien, einen Zauber spricht, mit dem sie ins Leben zurückkehren können. Wenn in der Halloweennacht eine Jungfrau eine schwarzflammige Kerze entzündet, werden sie von den Toten auferstehen. 1993 geschieht genau das und so entfaltet sich ein richtig lustiges, flottes und keine Zeit verschwendendes Halloween-Abenteuer, während dem lange Zeit allerdings eine Frage offen bleibt: Wieso müht sich die begabte und kluge Winnifred überhaupt noch mit iherer strohdummen und hinderlichen blonden Schwester ab? Die Antwort folgt in Form einer erschreckend schönen Sequenz, in der Sarah über Salem fliegend mit einem Sirenengesang sämtliche Kinder der Stadt anlockt. Die Melodie dieses kurzen Liedes und die dazugehörigen, an der Stil von Edgar Allan Poe angelehnte Text sind traumhaft, magisch und furchterregend zugleich. Die hypnotische Kraft dieser dunklen Poesie ist enorm und verdeutlicht nochmal die nach dem Intro des Films runtergespielte Schrecklichkeit der drei Antagonistinnen.

Lena-Mania: Das Siegestaumel-Sonder-Fernsehprogramm


Love, oh Love...

Langsam lichtet sich die Euphorie, die die Sinne vernebelt, und man realisiert, dass gestern tatsächlich das geschehen ist, was die vergangenen Jahre unmöglich schien. Deutschland gewann den Eurovision Song Contest! Und als Beweis dafür, dass unser Land sich nicht nur über Fußball wie Bolle freuen kann, hebeln die ARD und ProSieben für Lena und Stefan Raab das Fernsehprogramm aus den Angeln.

Der sensationelle Sieg wird mit mehreren Sonderprogrammierungen gefeiert. Heute Ab 15 Uhr wird die ARD Lenas Landung in Hannover begleiten, ab ca. 17 Uhr werden ProSieben und die ARD über Lenas Ankunft in Hannover berichten und die typische Feierei zeigen, die es sonst nach Sportveranstaltungen gibt. Die ARD sendet um 21.45 Uhr nach dem Tatort Lena - Unser Star in Oslo, was wohl sicherlich eine mit der heißen Nadel aktualisierte Version der Lena-Doku sein, die mittlerweile nervig oft nur minimal abgewandelt wiederholt wurde.

Und morgen wird TV Total aus aktuellem Anlass um rund drei Stunden vorgezogen: Stefan Raab wird dann schon um 20.15 Uhr Lena in seiner Sendung begrüßen und sich über die alljährlche Schlappe beim Song Contest lustig machen sicherlich viele interessante Dinge über den diesjährigen Wettbewerb zu erzählen haben. Bereits heute wird ein TV Total Spezial gezeigt, das um 19.10 Uhr ausgestrahlt wird. Das dürfte allerdings eine spontan neu geschnittene Clipshow sein, vermute ich zumindest.

Eurovision 2010: Satellite und die Umlaufbahn meiner Siegeserwartungen

Disclaimer: Die im nachfolgenden Blogeintrag berichteten Fakten entsprechen allesamt der Wahrheit und dienen nicht dazu, mich nach dem Geschehen als Propheten darzustellen, auch wenn es jetzt auf einige sicherlich so wirken wird. Wie schon in meinem Artikel über die von Alice im Wunderland durchbrochene Milliarden-Dollar-Grenze geschrieben, stehe ich nicht darauf, mich hinterher klüger darzustellen, als ich es bin. Ich habe mich zwischenzeitlich sogar richtig darüber geärgert, nicht doch ein Liveblogging veranstaltet zu haben, einfach nur, um so zu beweisen, dass ich während dieses Abends wirklich so dachte... Aber lest selbst...

Lasst Stefan Raab wieder ran! Wie oft habe ich das schon verzweifelt und mit den Händen über dem Kopf zusammengeschlagen ausgerufen, während die deutsche Schundpresse nach einer weiteren Eurovision-Pleite die Schuld im Ostblock, unserer Vergangenheit und sowieso überall, nur nicht bei unserem Act suchte. Letztes Jahr war Deutschland endlich bereit aus seiner Schlappe zu lernen, und so wurde der verstaubte, viel zu oft panisch verschlimmbesserte Vorentscheid sowie NDRs Notlösung Entdemokratisierung vom Tisch gefegt um Platz für Stefan Raab zu machen. So zog der Misserfolg 2009 tatsächlich noch etwas gutes nach sich.

Der Traum von den Top Ten schien wieder in greifbarer Nähe. Denn während sich Ralph Siegel vom Erfolgsgaranten (1 x Platz 4, 3 x Platz 2, 2 x Platz 3) und Siegerkomponisten zum Flopgaranten (Platz 21 & Platz 12 für Deutschland, unter ferner liefen für andere Länder) entwickelte, konnte sich Raab drei Mal konsequent und mit überwältigender Rückendeckung aus Deutschland in den Top Ten platzieren. Etwas, das seit 2002 sonst niemand für Deutschland erreichte. Als großer Anhänger von Raabs Schaffen war mein Vertrauen in ihn von Beginn an blind - ich wollte einen Top-Ten-Platz nicht garantieren, war aber sehr sicher und vor allem war sofort klar, dass Raab wieder füe Enthusiasmus sorgen kann.

Seit die Kooperation mit Raab bekannt gegeben wurde, floß mittlerweile viel Wasser die Flüsse Europas hinunter. Lena Meyer-Landrut wurde während ihres ersten Auftritts bei Unser Star für Oslo in Sekundenschnelle zum Liebling vieler deutscher Fernsehzuschauer (während ihres ersten Vorentscheids pushte Lena via Google-Anfragen meinen Blog zu seinem damals erfolgreichsten Tag) und im Finale wurde Satellite als ihr Oslo-Song auserkoren. Aufgrund meiner wahnsinnigen Erwartungen an Meister Raab war ich in meinem Enthusiasmus minimal gebremst und statt eines "yeaaaaah, Top Ten, boooooar!" verspürte ich in mir zunächst ein "yepp, Top Ten, wir sind wieder da... mhm, ja". Dieses Gefühl musste langsam steigernder Sicherheit weichen, bis es zu einem mit aller Kraft bestätigtes "Top Ten, Bitch!" wurde. Ich wusste bloß nicht, ob es einer Gewöhnung an Satellite zu verdanken war oder der Einsicht, dass ich zuvor zu hohe Erwartungen an das Unser Star für Oslo-Finale hatte.

Aus dem "Top Ten, Bitch!" wurde vergangene Woche während TV Total Oslo Spezial in Anlehnung an einer Aussage von Hape Kerkeling immer mehr ein "Top 3 wäre absolut super, Top 5 absolut zu recht verdient, Top Ten müssen es sein, alles andere wäre 'Betrug'". Dann sah ich in der Nacht von Freitag auf Samstag im Internet die extra lange Sonderausgabe von TV Total, die dank der Schalten zu Lena und den Ausflügen von Lena und Raab hinter die Kulissen des Song Contests für mich zur mit Abstand besten Ausgabe der Show seit langem wurde, und dort wurde in mir die Saat des Siegesglauben eingepflanzt. Vorher habe ich es nichtmal gewagt, an den Sieg zu denken, bestenfalls wären wir auf Platz 2 und 3 gelandet (so mein Gedanke), und auch das wäre schon ein Grund zum Ausflippen gewesen. Doch wie Raab und Lena durch alle möglichen ESC-Events und die Showhalle streiften und ihnen jeder zum großartigen Song gratulierte... Das hatte was. Natürlich sagt stets jeder, dass er das Lied von dem, der ihm gerade gegenübersteht, am besten gefällt. So läuft das beim Eurovision Song Contest. Aber einige davon kamen mir wirklich sehr ehrlich rüber. Vor allem Alexander Rybak, der charmante Schlawiner, der andauernd begeistert um Lena herumschwänzelte und mit leuchtenden Augen einer "Unplugged-Probe" mit Raab an der Gitarre in Lenas Garderobe beiwohnte.

Als ich mich dann Samstag Abend um Punkt 20.15 Uhr vor den Fernseher setzte und den Countdown in der ARD sah, hatte ich plötzlich wieder dieses gewisse Kribbeln im Bauch. Dieses Kribbeln, dass ich sonst eigentlich nur verspürte, wenn Pixar mit einem Film, der nicht Die Monster AG oder Cars heißt, für den Oscar in der Kategorie "Bester Animationsfilm" nominiert war. Ich will den Sieg für meinen Favoriten, ich halte ihn für möglich, und ein Teil von mir meint, die Siegerverkündung vorweg nehmen zu können. Doch ich schob es auf meine Vorfreude, die so groß war, wie seit Max' Teilnahme nicht mehr, und schüttelte den Gedanken wieder ab. Top 3, Top 5... wenn es schlecht läuft Platz 8 und somit auf Max-Niveau. Oder..?

Dann fing die eigentliche Show an (meine Gedanken zum Eurovision-Finale an sich folgen in einem anderen Beitrag), und die Spannung steigerte sich mit jedem Lied. War ich von einschließlich 2005 an eher desinteressiert am deutschen Beitrag (ausgenommen 2009, da war ich neugierig darauf, wie Dita von Teese eingesetzt wird und sich Alex Swings Oscar Sings denn so live machen, wirklich freudig-gespannt war ich allerdings nicht), hatte ich nun wieder einen Grund, auf eine der Performances richtig hinzufiebern. Der Eurovision Song Contest ist ja eh Jahr für Jahr eine ungeheuer unterhaltsame Veranstaltung, aber er ist ungleich besser, wenn man eine ehrliche Antizipation verspürt (und nicht ein bloßes "ich will, das mein Land gewinnt" - "ich will, dass mein Land gewinnt, weil es den wie ich finde besten Song hat" wirkt sich halt doch deutlich mehr auf den Adrenalinpegel und Puls aus). Startnummer 21, Armenien mit Apricot Stone, verließ die Bühne, meine Aufregung stieg in unermessliche Höhen. Ich rückte näher an den Fernseher, dachte noch "und jetzt bitte nichts, nichts, nichts falsch machen, Lena!"... und dann... ertönten die ersten paar Takte von Satellite, die sofort von einem explodierenden Publikum in der Telenor Arena übertönt wurden. In dieser Sekunde hatte ich das Gefühl, dass etwas großes passieren wird. Während der ersten Strophe und des ersten Refrains wiegelte sich meine in Emotionen geborene, vom Verstand (als Schutz vor Enttäuschung) noch vorsichtig mit Ungläubigkeit beäugte Sicherheit bekräftigt. Aber dann kam die kurze Gesangspause nach dem Refrain... und das Publikum bejubelte Lena noch stärker als vorher.

In dieser Sekunde wusste ich, dass wir auf dem Weg sind, deutsche Popkulturgeschichte mitzuerleben. Das war eine Gewinnerperformance, die da gerade ablief. Lena traf den Nerv des Hallenpublikums, und in der Luft sprühten die Funken, dass sie auch Fernseheuropa um den Finger wickelt. Zumindest den Teil, den sie nicht schon im Vorfeld für sich gewann, denn wie der Vorabapplaus für Satellite bewies, musste sie ja bereits beliebt gewesen sein.

Als dann der Gitarrenpart kam, während dem die Kamera von oben herab durch die blauen Leuchtperlen zu Lena herunterflog und das Publikums Lenas Hüftschwung, der den letzten Refrain einleitete erneut mit einem perfekt zur Gesangspause abgestimmten, frenetischen Applaus belohnte, war ich endgültig gebannt. Das fühlte sich für mich nicht mehr wie der normale Eurovision Song Contest an. Es war die absolute Gewissheit, dass mein Favorit gewinnen wird - noch während der eigentlichen Show. Als Lordi und Rybak ihrerzeit mit 12 Punkten überhäuft wurden, stellte sich das auch langsam ein, aber dieses Mal flatterte mein Herz noch während des eigentlichen Liedes. Nachdem sich Lena von der Bühne komplimentierte, fiel ich kurz in einen vorgezogenen Freudestaumel, bevor ich während des Songs von Portugal langsam sauer wurde, dass ich nicht doch ein Live-Blogging veranstaltete. Ich verzichtete drauf, weil ich die Sendung in Ruhe sehen wollte und mir dachte, dass ich nach meiner Besprechung sämtlicher Songs eh nichts wichtiges zu sagen hätte. Irrtum, wie sich zeigte. Denn wie sollte ich jetzt noch beweisen, dass ich schon während Lenas Auftritt den Sieg sah? "Okay, vielleicht kann ich den Kommentar in einem meiner Stammforen loswerden", war mein Gedanke. Doch die waren überlastet.

Während der Punktevergabe war ich letztlich in nahezu ungebrochem Freudentaumel. Ich freute mich für Lena, für Stefan Raab, ich freute mich, dass hierzulande endlich die Heulsusen mit ihrem "Ostblock-Connection"-Gewimmer aufhören müssen, ich freute mich, nie wieder "Nicole, unsere einzige Grand-Prix-Siegerin" hören zu müssen, ich freute mich für mich, dass sich mein Favorit auf einem Siegeszug befand. Endlich konnte ich mich mal für Deutschland bei einer Sache freuen, die mir auch etwas wert ist. Wieso sollte ich mich für Leistungen Deutschlands freuen, bei Ereignissen, die mir vollkommen egal sind oder die ich sogar manchmal (mit ironischem Unterton) verachte? Noch dazu, wenn ich sie nicht immer zu den besten im Wettbewerb zähle? Das war jetzt alles nicht der Fall, es war ein unverfälschter, unbetrübter Sieg, der mich glücklich machte. Und ein spannender, denn die Punktevergabe beim Eurovision Song Contest dauert halt doch etwas länger als das Vorlesen eines Zettels während der Oscar-Verleihung. ;-)

Als Peter Urban dann im Kommentar bekannt gab, dass Deutschland nicht mehr eingeholt werden kann, stellte sich dann allerdings trotzdem Ungläubigkeit ein. Dass ich das tatsächlich erleben darf. Stefan Raab gewinnt (als Casting-Vorsitzender und Produzent) den Eurovision Song Contest! Deutschland gewinnt den Eurovision Song Contest! Und ich gönne es uns auch noch! Woooow! Ein Traum wird wahr!

Jetzt muss ich irgendwie an Karten für das Finale in Berlin/München/Köln/Wanne-Eickel (?) kommen. Ähm... also, liebe Veranstalter, ich bin ja ein wichtiger Mann, kann man da vielleicht was drehen? Ich stell Lena beim Meeting auch garantiert keine persönlichen Fragen! Heiß ja nicht Frauke Ludowig.

Wie dem auch sei: Wuuuuuuuuuuuuuuuuuuhu! Super, Lena! Danke, Europa!

Bitte weckt mich nicht. Ich will nicht wach werden...

Featurette zu "Duell der Zauberer"

Und nun zu etwas völlig anderem...

Habe ich eigentlich schon Mal gesagt, dass Duell der Magier richtig geil aussieht? Echt? Mehrmals?

Egal, ihr müsst euch dennoch unbedingt diese Featurette ansehen!

Ausschnitt aus Lenas und Raabs Pressekonferenz nach dem Eurovisionssieg

Drei geniale Lieder in einem einzigen Video... ;-)

Herzlichen Glückwunsch, Lena!

Und vielen Dank, Stefan!

Was soll man noch sagen, außer...



Ausführlichere Reaktionen, sobald mein Freudentaumel tiefere Gedanken zulässt...

Samstag, 29. Mai 2010

Meine zehn liebsten Eurovision-Beiträge aus Deutschland

Stefan Raab, Unser Star für Oslo, Lena und Satellite sei Dank besteht wieder große Euphorie, wenn es um den Eurovision Song Contest geht. Ob wir die Favoritenrolle, die uns einige Medien zusprechen, in einen Sieg verwandeln können, ist eine andere Frage, aber wenigstens haben die meisten Deutschen wieder Freude am internationalen Musikwettbewerb.

Zur Feier dessen präsentiere ich euch an dieser Stelle meine zehn liebsten Lieder, mit denen Deutschland beim Eurovision Song Contest antrat.

Sondererwähnung: Irgendwo zwischen peinliche, verspätete Stil-Imitation und süß-unschuldig "catchy": MeKaDo mit Wir geben 'ne Party aus dem Jahr 1994. Ganz und gar in Vergessenheit geraten, obwohl es den dritten Platz belegte.

Platz 10: Bonne nuit, ma Chéri (1960)
Gesungen von Wyn Hoop, Geschrieben von Franz Josef Breuer & Kurt Schwabach

Beginnen wir diese Hitliste eher ruhig, besonnen und altmodisch. Der damals auf Platz 4 (von 13) gewählte deutsche Beitrag zum sechsten Eurovision Song Contest geriet leider relativ stark in Vergessenheit und erreichte hierzulande auch nur Platz 44 der Charts. Dabei hat es eine schön dramatisch-romantischen Einschlag. Schlagersänger Wyn Hoop dürfte deswegen am ehesten mit seinem deutschen Elvis-Cover Bist du einsam heut Nacht Bekanntheit erlangt haben, welches seiner sonoren Stimme sehr gut zum Gesicht stand. Aber zurück zum eigentlichen Lied: Es kommt zwar nicht richtig aus dem Tritt, aber es erzeugt eine nachdenklich-liebevolle Atmosphäre und konnte sich deshalb auf den Platz 10 meiner Hitliste manövrieren.

Platz 9: Feuer (1978)
Gesungen von Ireen Sheer, Geschrieben von Jean Frankfurter & John Möring

"Das Gesetz der Zehn" verlangt ja, das Artikel wie dieser gefälligst eine Top Ten zu präsentieren haben. Elf Ränge wirken so, als könnte man sich nicht zusammenreißen (oder wolle den Nostalgia Critic nachmachen), neun oder acht Plätze wirken dagegen faul. So sehe ich mich gezwungen, diese Liste mit meiner Meinung nach guten Liedern zu füllen, die ich mir "einfach so" aber nicht anhören würde. Feuer ist ein energiereicher, voranpreschender und auch fetziger Schlager, den ich im Alltag nicht aufsuchen würde, der mir im Rahmen von Eurovision-Retrospektiven aber stets gefällt und mich auch die Lautstärke aufdrehen lässt. Ireen Sheer sang sich damit in Paris auf Platz 6 (von 20). Der Gewinnertitel des Jahres stammte aus Israel.

Platz 8: Johnny Blue (1981)
Gesungen von Lena Valaitis, Geschrieben von Ralph Siegel & Bernd Meinunger

Mit Elektrobeats im Hintergrund und einem Rapintro könnte Johnny Blue auf Englisch garantiert heute noch die Charts erobern. Okay, die Sängerin müsste sich die Haare emomäßig ins Gesicht kämmen, aber was tut man nicht alles für den Erfolg?
Johnny Blue erreichte in Dublin Platz Zwei und wurde um nur vier Punkte vom Beitrag aus dem Vereinigten Königreich geschlagen. Valaitis, die im Folgejahr das Titellied zu Mrs. Brisby und das Geheimnis von Nimh einsang, brachte mit Johnny Blue einen der dramatischsten Eurovisionssongs aus deutschen Landen auf die Bühne. Trotzdem wirkt Johnny Blue nicht selbstauferlegt bitter, sondern hat auch einen optimistischen Grundtenor. Eine Kombination, die gefällt.

Platz 7: Wunder gibt es immer wieder (1970)
Gesungen von Katja Ebstein, Geschrieben von Christian Bruhn & Günther Loose

Katja Ebsteins erstes von drei Eurovisionliedern ist schnell überspielt, und deswegen werden viele bei diesem Titel schnell mit den Augen rollen. Die für 70er-Schlager wirklich sehr typische Art dieses Songs hilft ihm auch nicht gerade, seiner Überreizung entgegenzuwirken. Aber wenn man davon absehen kann und sich auf das Lied alleine konzentrieren kann, dann ist Wunder gibt es immer wieder ein wirklich guter Titel, der (zumindest im starken Refrain) die Schlagerbürde ablegt und mit großen Schritt direkt in Richtung deutsches Musikkulturgut schreitet. Die Stophen hingegen haben sich zu Recht weniger hartknäckig im Gedächtnis festgesetzt. 1970 reichte es in den Niederlanden für Platz 3 beim Wettbewerb, es gewann die Rekordsiegernation Irland.

Platz 6: Theater (1980)
Gesungen von Katha Ebstein, Geschrieben von Ralph Siegel & Bernd Meinunger

Bei Theater muss ich zumindest während des ersten Dritels irgendwie an Lasst mich euch verwöhnen aus Basil, der große Mäusedetektiv denken. Der dritte Eurovisionssong von Katja Ebstein schafft eine schöne Varieté-Stimmung, die zu Beginn noch sehr bedrückt, angespannt und dramatisch ist, bevor sie sich zum Schluss hin immer mehr öffnet. Es ist auch eine ironisch-kritische Nummer, die Ralph Siegel und Bernd Meinunger für den Song Contest schrieben, die sich mit der Scheinwelt des Theaters und den Anforderungen des Publikums auseinandersetzt - und sie im gleichen Atemzug glorifiziert. Ja, ab und zu geht's beim Eurovision Song Contest mehr, als nur um Schall, Rauch und Glitzerpailletten. Den in Den Haag stattfindenden Wettberwerb verließ Deutschland auf Platz Zwei, um fünfzehn Punkte geschlagen von Irlands Barden Johnny Logan, der mit What's another year? auftrat.

Platz 5: Guildo hat euch lieb (1998)
Gesungen von Guildo Horn, Geschrieben von Alf Igel (aka Stefan Raab)

1998 wurde der Eurovision Song Contest neu erfunden. Einerseits durch die Einführung der Telefonvotings, die zunächst Mitmacheuphorie und Demokratieglauben, später ständige Ostblockparanoia und fadenscheinige Entschuldigungen seitens der Verlierer auslösten. Andererseits wurde aber vor allem in Deutschland der Eurovision Song Contest, der massiv an Popularität verlor und durch die Nichtqualifizierung im Jahr 1996 hierzulande endgültig einen Genickbruch erlitt, revitalisiert. Und wem haben wir das zu verdanken? Natürlich Stefan Raab und Guildo Horn!
Guildo Horn und seine orthopädischen Strümpfe verquicken Schlagermelodie und -mentalität mit rockigen Arrangements und die Texte parodieren wundervoll das klassische Schlagergut. Zusammen mit Guildos extrovertiertem und quirligem Auftritt, war der schräge Abgesang auf das Bild, das sich der Eurovision Song Contest in den Jahren vorher langsam aufbaute, absolut perfekt. Den Show- und Comedynummern der Folgejahre war der Weg bereitet und Deutschland fand wieder Interesse am sich verjüngenden Wettberweb. Der Siegertitel des Jahres passt genauso gut ins Bild: Dana International, eine Transsexuelle aus Israel, holte sich in Birmingham den Sieg, während Guildo Horn zwar nur Platz 7 erreichte, sich aber zu den erinnerungswürdigsten Nichtsiegern der Wettbewerbsgeschichte aufbaute.

Platz 4: Dschinghis Khan (1979)
Gesungen von Dschinghis Khan, Geschrieben von Ralph Siegel & Bernd Meinunger

Ralph Siegels Dschinghis Khan war eigentlich seiner Zeit weit voraus. Es war ein reiner Showact mit Kostümen, Choreographie und Disco-Schlagermucke, außerdem würfelte man die Truppe extra für den Eurovision Song Contest zusammen. Hinzu kommen Textstellen wie "Hu! Ha!", und schon steht Dschinghis Khan direkt in einer Reihe mit modernen ESC-Nummern wie Wild Dances, dem ukrainischen Gewinnerbeitrag von 2004. Dschinghis Khan, ein manchmal belächeltes, aber dennoch immer auch für glückliches Grinsen und Mitwippen sorgendes Stimmungslied, erreichte in Jerusalem den vierten Platz. Und möchte man Zeitzeugen Glauben schenken, witterte halb Europa großen Betrug. Zumindest meine Mutter beteuert immer wieder, dass sie im jährlichen Griechenlandurlaub nach diesem "Grand Prix" von allen nur verärgerte und mitleidige Stimmen zu hören bekam, dass "wir" hätten gewinnen müssen. Der Sieg ging übrigens erneut nach Israel, wo extra für die Ausrichtung des Wettbewerbs die Einführung des Farbfernsehens vorgezogen wurde.
Dschinghis Khan gehört zu den seltenen, extra für den Song Contest zurecht geschusterten Gruppen, die sich danach noch einige Jahre halten konnten. Und sie hatten auch international Erfolg, darunter in Japan, Israel, der Suwjetunion und Australien, Ländern, in denen sie den ersten und bislang einzigen deutschen Nummer-Eins-Hit der Charts stellten.

Platz 3: Satellite (2010)
Gesungen von Lena Meyer-Landrut, Geschrieben von Julie Frost & John Gordon

Während ihrer ersten Auftritte bei Unser Star für Oslo im Internet noch als "Nora Tschirner jr." betitelt, dürfte Lena (zumindest für diesen Augenblick) die witzige und ähnlich liebenswürdig-freche Schauspielerin und Moderatorin in Sachen Bekanntheit und Beliebtheit überflügelt haben. Und ihr Eurovisions-Beitrag Satellite? Der genießt kurz vor dem Wettbewerb deutlich mehr Unterstützung, als in den Sekunden, kurz nachdem er im Vorentscheid präsentiert wurde. Das liegt wohl an seinen unglaublichen und überraschenden Dauerbrenner-Qualitäten. Viele Lieder wären nach dermaßen intensivem Radioairplay absolut überreizt, Satellite hingegen legte erstmal Stück für Stück zu und verbesserte sich mit mehrfachem Anhören. Der Aufwärtstrend dürfte bei vielen wieder gestoppt sein, aber nur die wenigsten dürften ihn jetzt schlechter finden, als beim ersten Kontakt. Beim Eurovision Song Contest bringt hohe Wiederspielbarkeit bloß wenig (immerhin gibt's ja die zehntausend Schnelldurchläufe vor der Punktevergabe) - andererseits haben viele Deutsche, so wie ich, Satellite erstmals während des USfO-Finales gehört, als man gemeinschaftlich ein Wunder erwartete. Das ist beim Song Contest ja wieder völlig anders. So oder so - Satellite ist ein verspieltes, blubberndes Liedchen, das sehr lange frisch bleibt und eine gute Spielbühne für Lenas Gesangsstil bietet. Und es soll bereits auf Metal-Partys mitgesungen worden sein tun bumms dingens, äh... wisst was ich mein. Wenn das Lordi wüssten!

Platz 2: Wadde Hadde Dudde Da? (2000)
Gesungen und geschrieben von Stefan Raab

Zeigte Guildo Horn, dass Deutschland sehr wohl Humor haben kann, untermauerte Stefan Raab diese Vermutung zwei Jahre später. Beim Eurovision Song Contest in Schweden trat Stefan Raab im peinlichen Glitzeranzug auf und setzte Europa mit Wadde Hadde Dudde Da? eine spaßige Funk-Nummer mit rasant abgeliefertem (Pseudo-)Schwachsinnssprechgesang ab, die ohne die offensichtliche Unersnthaftigkeit sicherlich einen Kulturschock auslösen könnte. Doch Raab war nicht nur offensichtlich ironisch, sondern paarte seinen ganz eigenen Humor, der hier noch besser durchknallte als bei Guildo Horns Beitrag, auch mit einer musikalisch qualitätsvollen Komposition. Und gerade dies hebt Stefan Raabs Wadde Hadde Dudde Da? von vielen Spaßauftritten der Folgejahre ab. Raab machte Schwachfug auf hohem Niveau, den man sich auch anhören kann, wenn man überhaupt nichts vom Text versteht und während des Auftritts wegsieht. Wadde Hadde Dudde Da? landete im Wettbewerb auf Platz 5, nur zwei Punkte hinter dem Song aus Estland. Vielleicht hätten wir die Esten noch hinter uns lassen können, wären die Backgroundsängerinnen (und die mitsingenden bandmitglieder) talentierter gewesen, denn seien wir mal ehrlich: Während des Liveauftritts haben sie nicht jeden Ton angenehm mitgenommen. Dennoch schaffte es Stefan Raabs zweiter Angriff auf die Welt des ESCs in eine "Memorable Moments"-Montage während der offiziellen Jubiläumssendung zum 50. Song Contest. Das dürfte Herrn Siegel wohl etwas sauer aufgestoßen sein, schließlich beschimpfte er kurz nach dem Wettbewerb Raabs Leistung als eine Schande, ein fünfter Platz wäre vollkommen inakzeptabel für Deutschland. Tja, es war unsere beste Platzierung im vergangenen Jahrzehnt...

Platz 1: Can't wait until tonight (2004)
Gesungen von Max Mutzke, Geschrieben von Stefan Raab

2004 stellt gewissermaßen einen Wendepunkt in Stefan Raabs Karriere dar. Zuvor war Raab ein talentierter, frecher Entertainer, der sich für seine Sendungen ins Zeug legte, aber nie den Eindruck erweckte, als nehme er irgendetwas besonders ernst. Auch seine Musik spiegelte das wieder: Zwar reihten sich zwischen Raabs reinen Scherznummern wie Hol mir ma' 'ne Flasche Bier einige gut komponierte Lieder, aber keines davon war nicht irgendwo ein Spaßlied. Mit SSDSGPS (Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star) änderte sich dies. Was anfangs wie ein Seitenhieb auf DSDS wirkte, entwickelte sich zu einem ambitionierten Musik-Talentwettbewerb, bei dem hervorragende Künstler mit Respekt und Achtung empfangen wurden. Seltsamerweise waren einige Jahre später bei SSDSDSSWEMUGABRTLAD und Unser Star für Oslo erneut weite Teile der Öffentlichkeit vollkommen baff, dass ausgerechnet Raab etwas mit großer Ernsthaftigkeit und Achtung vor den Gefühlen anderer umsetzen kann. Das Gedächtnis ist manchmal halt sehr kurzatmig.
Jedenfalls schickte sich Stefan Raab 2004 an, den Eurovision Song Contest dieses Mal nicht mit einer witzigen Shownummer zu erobern, sondern mit einem starken Gesangstalent und einem ernstzunehmenden Song. Mit Max Mutzke fand er auch einen wundervollen Sänger, der eine soulige und einschmeichelnde, gefühlvolle Stimme hat, und Raabs Can't wait until tonight ist eine romantische, langsame und dennoch beschwingte, wunderschöne Ballade. Man merkte Raab an, dass er hiermit den Sieg viel mehr herbeiersehnte, als zuvor. Und ich hatte ihm die Spitzenposition nochmal um einiges mehr gegönnt, als eh schon. Leider sollte es nur der achte Platz sein (danach ging es für Deutschland beim ESC steil bergab), stattdessen holte sich in Istanbul die Ukraine den Sieg. Dennoch hielt Raab an Mutzke fest und unterstützte ihn als Produzent und Komponist. Mutzke wuchs als Bühnenkünstler heran (er steht, tanzt und hat die Augen offen!) und Can't wait until tonight hat auch Jahre nach dem Medienhype nichts von seiner Wirkung verloren. Ein wirklich großartiges, ruhiges Lied, das alles richtig macht.

Freitag, 28. Mai 2010

Muppets-Webvideo: Sam singt "American Woman"

Bis Nick Stollers Muppet-Film in die Kinos kommt, dauert es ja noch ein wenig, aber bis dahin vertröstet uns ja das Internet und liefert jede Menge guten Muppet-Stoff. Nun greift Sam zum Mikrofon:



Siehe auch:

Schildkrötensuppe

Die Sonne geht langsam unter und taucht das Bild in einem martialischen Orange. Ein schwarzer Helikopter fliegt rasend schnell knapp über dem Boden. Wenige Meter vor ihm stolziert ein rothaariges Model im gelben Bikini. Sie hält einen Sony-Camcorder fest und filmt vier Ninjas, die einen riesigen Soldaten bekämpfen. Es sind Schildkröten-Ninjas. Der Soldat wirft eine Granate. Der Helikopter explodiert und geht in einem gigantischen Flammenball auf.

So könnte der nächste Teenage Mutant Ninja Turtles-Film aussehen, denn laut Deadline sollen Paramount und Nickelodeon niemand geringeres als Michael Bay und seine Produktionspartner von Platinum Dunes ins Boot geholt haben, um einen Realfilm mit den mutierten Schildkröten auf die Beine zu stellen. In den nächsten Wochen wird man sich mit Drehbuchautoren treffen, um dem Projekt eine Form zu geben.

Am besten fände ich es ja, wenn Bay die Transformers fallen ließe und sich selbst an einen Turtles-Film macht, aber bislang wird von Bay nur als Produzent gesprochen. Und Bay-Produktionen waren bislang nicht so mein Fall.

Alias - Die Rückkehr?

Nachdem Flash Forward sich bestenfalls als Strohfeuer entpuppte aus dem allerletzten Loch pfeift, sucht ABC händeringend nach einer potentiell erfolgreichen neuen Action-Drama-Serie. Und was macht man, wenn man gerade unbedingt Erfolg haben will, doch keine neuen Ideen hat? Genau, man dreht etwas neu, das man vorher mangels Erfolg abgesägt hat!

Wie AV Club meldet, sollen einige Köpfe bei ABC derzeit einen Reboot von Alias in Betracht ziehen. Dieses soll jedoch weniger komplex sein, auf den Rambaldi-Handlungsfaden sowie die dieser Serie ganz eigene Plausibilität bezüglich Technologie verzichten und eventuell ohne JJ Abrams entwickelt werden. Anders gesagt: ABC plant eine (Doppel-)Agentenserie mit dem Titel Alias, die sonst nichts mit der anderen (Doppel-)Agentenserie gleichen Namens zu tun hat.

Halloooo, spinnen die?! Wieso keine Fortsetzung der Serie? Alias ohne die Alias-Elemente neu zu starten ist so, als drehe man nun Knight Rider ohne Auto. Hör mal, wer da hämmert ohne Tool Time. Baywatch ohne Brustimplantate. Das kann nicht funktionieren!

Donnerstag, 27. Mai 2010

Mein Abschied

Goodbye. Es war schön mit euch!

Wenn man nicht selbst vergleichbare Erlebnisse durchmachte, belächelt man ja gerne und vorschnell Leute, die wegen eines verlorenen Fußballspiels weinen oder Panikattacken kriegen, wenn ihre Lieblingsband sich auflöst. Es kommt uns absurd vor, wenn jemand ein gutes Buch nicht zu Ende lesen will oder am Boden zerstört ist, wenn eine Serie beendet wird.

Als aufgeschlossener Mensch, sollte man aber jedem seine Emotionen lassen, wenn es um solche Leidenschaften geht. Ja, endloses Gekreische beim Konzert oder in Fernsehsendungen werde ich nie verstehen (will man seinen Star nicht mal hören?), ebenso wie Fußballfans mit Trommel in der Straßenbahn (das ist doch nur nervige Selbstzelebrierung), geschweige denn von Selbstmorddrohungen nach dem Aus einer Boyband, aber Gefühlsausbrüche, wenn eine geliebte Reihe ihr Ende findet, sollten genauso respektiert werden, wie das kollektive Grummeln nach dem WM-Ausschied Deutschlands.

Trotz meines (je nachdem, worum es denn nun geht bloß bemühten) Verständnis für solche Abschiedsreaktionen, verspührte ich nie große Trauer, wenn eine Serie zu Ende ging. Ja, natürlich nahm mich das eine oder andere Serienfinale mehr mit, als die Ottonormal-Durchschnittsfolge, aber es war selten wesentlich mehr als das übliche Mitempfinden bei gelungenen, traurigen Medieninhalten. Die Serien, die mich mit ihrem Enderichtig packen konnten, sind schnell aufgezählt. Da wären Die Dinos. Deren letzte Episode hat mich allerdings eher geschockt, als in Trauer gestürzt. Dann noch ALF - schiere Wut über das Ende. Alias - Die Agentin machte mich schon eher rührselig, weckte einen bittersüßen Abschiedschmerz, doch es war für mich kein einschneidendes Ereignis. Das liegt wohl auch daran, dass ich die fünfte Staffel Alias auf DVD sehr schnell durchgesehen hatte, genauso wie die dritte und vierte, alles Staffeln, die zvor der fernsehpremiere als Box-Set erschienen. Dass Alias endete war sehr schade, das Finale rührte mich, aber danach war's für mich auch vorbei.

Am Dienstag bekam ich dann "endlich" meinen großen Serien-Abschiedskummer. Auslöser war - natürlich - exakt die Serie, vor deren Ende ich seit Jahren Bange hatte. Dienstag endete Scrubs - Die Anfänger mit einem würdigen Finale. Ich werde meine Sucht nach neuem Stoff von dieser Serie noch mit dem Bonusmaterial des Staffelsets und der neunten Staffel, die eher als Spin-Off namens Scrubs: Med School zu betrachten ist, befriedigen können. Sobald auch dieses DVD-Set angeguckt wurde, werde ich endgültig nur noch von Wiederholungen abhängig sein.

Die achte und so gesehen finale Staffel des Original-Scrubs brachte die von mir geliebte Serie zu ABC, nachdem die siebte Staffel auf NBC aufgrund des Autorenstreiks vor der geplanten Finalphase von Scrubs abgesägt wurde. ABC gönnte den Machern und Liebhabern von Scrubs den Platz für ein würdiges Ende, und das hat Scrubs meiner Meinung nach auch erhalten. In der achten Staffel wurden aus Kostengründen die Tagtraum-Sequenzen stark runtergefahren, was die Dramaturgie und Handlungsdynamik enorm beeinflusste. Einige Fans bemängelten die zunehmende Absurdität und Ausführlichkeit von JDs Tagträumen und ihren Einfluss auf die Stimmung der Serie, und eben jenen wurde durch die Kostenersparnis in die Karten gespielt. Ich selbst hatte keine Einwände gegen die expandierende Skurrilität von Scrubs, dennoch begrüßte ich den Wandel in der achten Staffel, da mir die siebte Staffel verhältnismäßig unausgegoren vorkam und die achte Staffel so ewas Ordnung ins Chaos brachte. Außerdem reflektierte der Mangel an Tagträumen und der wieder erstarkte Fokus auf die (humoristisch aufbereiteten) zwischenmenschlichen und medizinischen Dramen im Sacred Heart den Reifeprozess, den die Figuren in acht Jahren durchmachten. Für Lacher sorgten neben den typischen Sprüchen die als Gegengewicht zum stärkeren Drama-Element dieser Dramedy/Beinahe-Sitcom immer comichaftere Männerliebe zwischen JD und Turk.

Eine ernstere letzte Staffel tat Scrubs gut, und auch wenn sie nicht ganz an die beste Zeit der Serie anschließen konnte, sorgte sie in meinen Augen dafür, dass Scrubs während eines Aufwärtstrends endete. Die letzte Episode, Mein Finale, letztlich brachte alles zusammen, was Scrubs ausmachte. Sie war witzig, philosophisch und dramatisch. Das Ende der Folge war richtig originell, so dass Scrubs selbst in den letzten Sekunden nochmal frisch und einfallsreich wirkte. Während der letzten Momente bekam ich richtige Gänsehaut und obwohl das Finale von Scrubs eher bescheidene Ausmaße annahm, statt die Serie mit Pomp und Trompeten ausklingen zu lassen, steckten große Emotionen hinter diesem Schlusstrich. Es war die alltägliche Greifbarkeit des Finales, das nochmal deutlich machte, weshalb ich Scrubs so sehr liebe: Der Schluss war nachvollziehbar, man konnte mitfühlen und sich in JD hineinversetzen, und dennoch diente es gleichermaßen stark als Weltflucht. "Scrubs ist genauso, wie das wahre Leben. Nur völlig anders", könnte man dieses Gefühl beschreiben.

Während der finalen Episode war ich sehr gerührt, aber es benötigte noch einige Minuten, bevor mich der große Abschiedsschmerz überkam. Mit Scrubs endete nicht nur meine Lieblingsserie, sondern auch ein verlässlicher Begleiter durch mein Leben. Ohne jetzt in diese übertriebene Weise zu verfallen, in der Realität und Fiktion verschwimmen und man irgendeine Serienfigur wie einen echten Freund betrachtet. Vom 2. September 2003 bis zum 25. Mai 2010 geleitete Scrubs mich durch Höhen und Tiefen, nahm mich durch die letzten Tage der Mittelstufe bis zur Oberstufe und begleitete mich bis ins Studium. Immer wieder konnte mich Scrubs durch die unvergleichliche Leistung, genau den empfindlichen Nerv auf Alltagsprobleme zu stoßen, und im selben Moment machte die Serie den vergangenen Tag vergessen und diente als garantierte Erholungsphase. Ich sah Scrubs alleine und in der Gruppe, ich fieberte mit meinen Lieblingsfiguren mit, hatte schwere Lachkrämpfe und saß wie hypnotisiert vor besonders emotionalen Folgen und wunderte mich mit vor Staunem offenen Mund "Woher wissen die das?"

Es waren wundervolle Jahre. Und langsam entfaltet sich erst, wieviel mir Scrubs eigentlich bedeutete. Dabei ehrte ich die Serie schon vor dem Finale mehr, als jede andere. Schade, dass es nun vorbei ist. Aber wenigstens bescherte mir Scrubs mein bislang schönstes Serienende.

Noch mehr Erfolge im Kino, deren unglaublich hohes Einspielergebnis mir unerklärlich bleibt

Manchen Filmen gönnt man Erfolg, weiß allerdings ganz genau, weshalb sie nur ein begrenztes Publikum ansprechen. Anderen Filmen wünscht man kommerzielles Versagen an den Hals, obwohl man sichergehen kann, dass sie aufgrund gewisser Elemente sehr gut bei der breiten Masse ankommen werden. Und in wieder anderen Fällen kann man sich einen Flop beim besten Willen nicht erklären. Dieser Artikel handelt nicht von ihnen. Hier geht es zum dritten Mal um EiKduhEmubs, soll heißen: Erfolge im Kino, deren unglaublich hohes Einspielergebnis mir unerklärlich bleibt. Es müssen nicht Filme sein, die in meinen Augen zu viel einspielten - es geht ausschließlich darum, dass mich ihr Siegeszug an den Kinokassen überrascht.

Nachdem der letzte Artikel dieser Reihe überraschende Kassenschlager auf dem deutschen Markt beleuchtete, möchte ich dieses Mal wieder das Scheinwerferlicht auf den weltweiten Kinomarkt richten. Welche weltweiten Hits sind einfach erstaunlich und schwer zu erklären? Hier eine feine Auswahl:

Alvin und die Chipmunks 2 (2009)
Weltweites Einspielergebnis: 442,9 Millionen Dollar

Bei anspruchslosen Familienkomödien mit computeranimierten, sprechenden Tieren braucht man als Maßstab die Akzeptanz bei Kritikern gar nicht erst herausholen. Selbstverständlich überraschen die fast 443 Millionen Dollar, die Alvin und die Chipmunks 2 weltweit einnahm, wenn man sich seine Kritiken anschaut. Doch Filmkritiken haben bei diesen Filmen nichts zu sagen. Und dennoch verwundert mich das gute Einspiel dieser Komödie mit quiekend singenden Streifenhörnchen. Bereits Teil 1 nahm mit 361,3 Millionen Dollar weltweit mehr ein, als ich erwartet hätte. Dass die Fortsetzung allerdings nochmal ein nettes Stückchen mehr einspielte, ist mir vollkommen unerklärlich. Unter den heutigen Kindern dürfte Alvin abseits dieser Realfilme kaum jemandem ein Begriff sein und für Nostalgiker ist diese Neuinterpretation eigentlich zu infantil, laut und flippig. Ein Vergleich mit den Garfield-Filmen liegt nahe, nur nahmen die Filme mit dem mürrischen, Lasagne liebenden Kater wesentlich weniger Geld ein, obwohl ich Garfield eine größere Fangemeinde zugerechnet hätte, die sich auch im höheren Alter noch ins Kino schleift. Was die Verwunderung über den Erfolg der Alvin-Filme noch vergrößert: Der Familienfilm steckt seit einigen Jahren angeblich in einer Krise. Pixar- und Dreamworks-Filme ergattern ihre stattliche Einnahmen dadurch, dass sie nachmittags das Familienpublikum und abends Erwachsene und Jugendliche anlocken. Filme, die nicht auf mehreren Schienen funktionieren (wollen), leiden dagegen an den immer höheren Eintritts- und Popcornpreisen, die den gestiegenen Lebenserhaltungskosten nicht gerade entgegenkommen. Eine vierköpfige Familie, die ins Kino will ist schnell eine richtige Unumme los, schließlich wollen die Kinder gesättigt werden, der Durst gestillt und der Parkplatz bezahlt. Genügend Marktforscher beschwören, dass deswegen die letzten Disney-Animationsfilme im Kino an den gesetzten Erwartungen scheiterten. Disney kann ohne den Pixar-Namen nicht die Jugendlichen und Erwachsenen anlocken, die Familien warten währenddessen auf die DVD. Aber wie hat Alvin und die Chipmunks 2 seine Kohle gescheffelt? Und wie konnten Eltern, denen nach Teil 1 sicherlich schon die Ohren bluteten sich ein zweites Mal in einen Alvin-Film schleppen lassen?

I Am Legend (2007)
Weltweites Einspielergebnis: 582,3 Millionen Dollar

Spielt Publikumsliebling Will Smith die Hauptrolle, kann man bei der Erfolgsprognise seines Films direkt einige Millionen drauf schlagen. Will Smith verhilft auch einem saccharinsaurem Aufstiegsdrama mit bestensfalls Durchschnittsqualität wie Das Streben nach Glück zu einem Einspielergebnis von 307 Millionen Dollar. Allerdings ist Will Smith nicht allmächtig, wie etwa Sieben Leben zeigt, Will Smiths überaus verzweifelter Versuch, sich betrüblich-bedächtig einen Oscar zu erspielen. Okay, mit Hans Wessengesicht in der Hauptrolle könnte der Film sicherlich nur von seinen 168 Millionen Dollar weltweit träumen, trotzdem zeigt sich, dass Will Smith allein nicht reicht. Oder doch? I Am Legend setzt nämlich sensationelle 582 Millionen Dollar gegen diese Behauptung. Doch wie hat I Am Legend diese Summe einnehmen können? Für die Box-Office-Weihen eines vergnüglichen Actionblockbuster ist I Am Legend nämlich nicht nur zu deprimierend, sondern hat auch zu starke Horroranleihen. Die grimme Atmosphäre, die unschönen Storytwists, die durch den Personalmangel bedingte Dialogarmut, das alles sind Elemente, aus denen üblicherweise Genretipps gestrickt werden, keine Kassenschlager. Waren es allein die frühen, mysteriösen Trailer, die I Am Legend zu so einem Erfolg machten? Oder ist war das Kinopublikum Ende 2007 einfach mal wieder dazu reif, sich entgegen der üblichen Erwartung zu verhalten?

Shrek der Dritte (2007)
Weltweites Einspielergebnis: 798,9 Millionen Dollar

Es gilt ja die Faustregel, dass eine Fortsetzung oftmals die Beliebtheit des Vorgängers widerspiegelt. Deswegen überrascht es nicht unbedingt, dass Shrek der Dritte mehr einnahm als der Original-Shrek. Sehr viele Kinobesucher fanden die Fortsetzung des Dreamworks-Erfolges besser als das ebenfalls sehr beliebte Original. Ich selbst ziehe den ersten Teil vor, kann aber mit der Meinung, der zweite Teil sei besser, durchaus leben. Den Erfolg der Shrek-Fortsetzungen finde ich allerdings fast schon unverschähmt. Und auch wenn das Besucher-Minus gegenüber Teil 2 bereits der geringeren Qualität von Shrek der Dritte Rechnung trägt, sind die beinahe 800 Millionen US-Dollar immer noch erschreckend viel. Ein sensationelles Startwochenende ist ja aufgrund der Popularität von Teil 2 noch erklärbar, doch wie konnte Shrek der Dritte mit seiner überaus negativen Mundpropaganda so viel drauflegen? Ich kenne wirklich niemanden, der eine positive Gesamtmeinung zu Shrek der Dritte hat, der Film ist zu zahm und fast schon disneyhaft gegenüber seinen Vorgängern und somit eigentlich ein No-Go für die coolen Teenager, die Dreamworks so gerne anvisiert, aber noch immer zu frech für übervorsichtige Mütter, die ihre Kinder am liebsten für ewig im Glauben lassen würden, dass nichts eine doppelte Bedeutung haben könnte. Auf dem Papier müssten somit also zwei große Zuschauergruppen weggebrochen sein. Wer hat dann bitteschön Shreks dritten Leinwandausflug in die Top 25 der Welt-Kinocharts gehoben?

Transformers - Die Rache (2009)
Weltweites Einspielergebnis: 836,3 Mio. Dollar

Wieso ist das Transformers-Realfilmfranchise so erfolgreich? Wieso? Weshalb? Ich verstehe es nicht, ich verstehe es nicht, ich verstehe es einfach nicht! Ja, Krawall-Krachbumm-Maestro Michael Bay war schon vor den Roboterspektakeln nicht gerade unerfahren darin, in den glühenden Sommermonaten die Massen ins Kino zu locken, um sich dort von bombastischen Explosionen berieseln zu lassen. Allerdings erreichte Bays erfolgreichster Film, der nicht mit Shia "Ich bin viel besser, als meine Blockbusterrollen vermuten lassen, ehrlich!" LaBeouf, Megan "Ich habe nur einen Gesichtsausdruck... und jetzt nimm' mich endlich!" Fox und Optimus "Wie konnte dieses Ars*hl*ch von Nostalgia Critic meinen Tod nicht in die Liste der traurigsten nostalgischen Momente aufnehmen?" Prime besetzt wurde, gerade einmal die 550-Millionen Marke. Und das war immerhin der mit Bruce Willis und Ben Affleck ausgestattete, von Testosteronkönig Jerry Bruckheimer produzierte und massiv beworbene Armageddon, ein Film, der das Kino beherrschte und sich in das popkulturelle Kollektivgedächtnis brannte. Außerdem hatte Armageddon eine gewaltige Hit-Single, die ihm den Rücken stärkte. So sehr ich auch Linkin Parks Transformers-Songs liebe, Aerosmith regierte mit Don't Wanna Miss a Thing monatelang die Radiostationen. Das kann Linkin Park, wenn überhaupt, (leider) nur bedingt von sich behaupten. Womit konnte Sommeractionhirnausblockbusterkönig Michael Bay sein goldenes Händchen in ein Platinhändchen verwandeln und die Transformers-Filme zu weltweiten Krachern machen? Und noch dringender brennt mir die Frage auf den Nägeln, wie Teil 2 den Erfolg von Teil 1 vergrößern konnte.

Ich versuche kurz, meine Abneigung gegen die Transformers bei Seite zu stellen und zunächst ganz besonnen rationale Gründe aufzulisten, die eigentlich dagegensprechen müssten, dass Transformers 2 über 800 Millionen Dollar einbrachte. Ja, wir alle wissen, dass Michael Bays ästhetisierte Darstellung von Zerstörung und Pathos getränkte Erzählweise einen Nerv beim Sommerblockbusterpublikum getroffen hat. Und ich möchte hier wieder einmal eine Lanze für ihn brechen. All die versnobten, selbst ernannten Cineasten sollen damit aufhören, Bay als den personifizierten Untergang des Kinos zu bezeichnen. Zunächst einmal muss nicht jeder Film Tiefgang und künstlerische Relevanz inne haben. Und so weit reine Unterhaltungsfilme mit gewaltigem Actionanteil und aufpolierten Schauwerten gehen, ist Michael Bay in meinen Augen sogar einer der besseren. Er hat ein sehr gutes Gespür für Timing, seine Filme vor Transformers haben allesamt einen menschlichen Kern und Michael Bay hat seinen eigenen visuellen Stil entwickelt. Viele andere reine Unterhaltungsregisseure haben das nicht zu bieten. Man kann Bays Stil meinetwegen nicht mögen (ich persönlich fühle mich von Bad Boys I & II, Armageddon, The Rock und Die Insel sehr gut unterhalten), doch man kann ihn nicht unter gesichts- und kantenlose Durchschnittsactionregisseure stellen.
Aber genau hier beginnt schon meine Verwunderung über den Erfolg von Transformers: Die menschliche Basis von Bays vorherigen Filmen geht zwischen den ganzen Megamonsterriesenrobtoeraliens und der selbst für Bay absurd übertriebene Action vollkommen verloren. Die Bad Boys-Filme lebten von der Chemie zwischen Smith und Lawrence, der ansteckenden Freundschaft zwischen ihren Figuren. Armageddon verpackt seine irrsinnige Prämisse in menschliche Beziehungen, The Rock hat drei markante Charaktere in seinem Handlungszentrum. Transformers 1 & 2 haben zwar Menschen, die zwischen den kämpfenden Robotern hin und her hüpfen, doch die emotionale Bindung fehlt völlig. Absolut sinnlose, laute und explosive Action, die nicht menschelt mag manchmal ansprechend sein, doch sie ist nicht der Stoff, aus dem Megahits gebastelt werden. Nicht umsonst sinkt mit der Bedeutung der Figuren eines Films üblicherweise auch das Budget, während A-Actioner auf die bewährten Hollywood-Standards eines emotionalen (oder "emotionalen") Grundplots zurückgreifen.
Transformers lebt auch nicht von großen Stars. Und auch wenn die Transformers-Zeichentrickserie und -Spielzeuge recht beliebt waren (vor allem in den USA und einigen asiatischen Ländern), will mit der Erfolg nicht so recht in den Kopf. Trotz allem war die Reihe eher ein "Nerd"-Ding und Bays Umsetzung hat sie in meinen Augen nicht sonderlich attraktiver gemacht. Mit der Unübersichtlichkeit der Actionszenen wäre eigentlich der letzte Sargnagel eingeschlagen, spätestens die Fortsetzung hätte einen Besucherknick verzeichnen müssen. Stattdessen lief sie und lief sie und lief sie. In manchen Ländern war sie zwischenzeitlich sogar der erfolgreichste Film aller Zeiten.

Meine einzige Erklärung: Michael Bay hat sich beim Bezelbub das Junior-James-Cameron-Paket gesichert.

Alice im Wunderland (2010)
Weltweites Einspielergebnis: 1 Milliarde Dollar

Hinterher ist man immer schlauer: Ein gefeierter Kultregisseur, ein stattliches Ensemble, mehr oder minder angeführt von Superstar Johnny Depp, eine beliebte und ungeheuerlich bekannte Vorlage, die übermächtigen Marketingmonster vom Disney-Konzern standen hinter dem Streifen und als zusätzlicher Publikumsmagnet lockte der 3D-Faktor.
Ich könnte euch vorschwindeln, ich hätte es bereits geahnt. Schließlich nannte ich Alice im Wunderland in meinem Artikel über Filme, die möglicherweise die Milliardengrenze überschreiten. Und das hätte ich ja wohl nicht getan, wenn ich es als völlig unmöglich erachtet hätte. Das stimmt auch, wäre mir dieser Gedanke vollkommen abstrus vorgekommen, dann hätte ich diesen Film in dieser Liste vollkommen übergangen. Dennoch muss ich eingestehen, dass ich hier gerade ordentlich heuchle, schließlich traute ich Alice im Wunderland die Milliarde mit einer Erfolgschance von 8% zu. Das ist verflucht wenig.
Ja, man könnte mit den ganzen geifernden Depp-Fangirls ankommen, der eingeschworenen Anhängerschaft Tim Burtons, dem Disney-Faktor, der Familientauglichkeit und yada, yada!
Aber wenn man ehrlich ist, konnte man diesen wansinnigen Erflg nicht absehen. Der vor Start von Alice im Wunderland komerziell erfolgreichste Tim-Burton-Film, Charlie und die Schokoladenfabrik, nahm weltweit 475 Millionen Dollar ein. Diese Burton/Depp-Kollaboration war ebenfalls familientauglich (in einigen Ländern, darunter Deutschland, hatte er auch eine niedrigere Freigabe), Depp spielte eine bedeutsamere Rolle, war weniger verunstaltet und der durch Pirates of the Caribbean entstandende Hype um ihn herum war noch deutlich frischer als zu Zeiten von Alice im Wunderland. Und ob die Disney-Studios weiterhin die überfähigen Vermarktungskönige sind, die sie einst waren, bleibt nach Bolt (309 Mio.), Küss den Frosch (266 Mio.) und Eine Weihnachtsgeschichte (325 Mio.) zu bezweifeln. Und geht man nach Seiten wie Rotten Tomatoes oder Metacritic, dann erhielt Charlie auch deutlich bessere Filmkritiken. Und auch das "normale" Publikum kam mir nicht ganz so begeistert vor: Nicht nur, dass ich selbst von ihm für einen Depp/Burton-Film recht kühl gelassen wurde, die Mundpropaganda war generell etwas zahm. Okay, dafür gingen die Fans wieder doppelt und dreifach rein. Wie allerdings schon gesagt, überschätzt man die Burton-Kinogänger gerne Mal.
Bleiben für Alice im Wunderland als zusätzliche Erfolgsfaktoren allein der 3D-Faktor und die höhere Bekanntheit der Vorlage, wobei anzumerken ist, dass kein einziger Alice-Film ein richtiger Kassenschlager war. Die Karten für Alice im Wunderland standen bei weitem nicht so gut, wie man es sich rückblickend einbilden mag. Und so sehr ich den Disney-Studios ihren zweiten Milliardenerfolg gönne, bin ich vollkommen baff, dass es ausgerechnet Alice im Wunderland wurde. Um Burton/Depp-Filme wurde stets ein großer Hype gemacht, und das nicht gerade zu Unrecht, aber sie waren niemals ein Massenphänomen. Und jetzt schleicht sich einer ihrer Filme heimlich still und leise in den exklusiven Milliardärsclub. Man muss das nur mal mit The Dark Knight vergleichen, der mit einem bedeutsam größeren Medieninteresse startete, bessere Mundpropaganda hatte und dennoch nur mit Müh, Not und einem IMAX-Neustart im vorfeld der Oscar-Verleihung die Millardengrenze knackte (*mehr dazu*). Der Fairness halber sei natürlich angemerkt, dass Alice im Wunderland von den höheren Eintrittspreisen für 3D-Filme profitierte, aber dennoch bleibt sein Erfolg für mich erstaunlich.

Weiterführende Artikel:

Mittwoch, 26. Mai 2010

Toy Story 3: Bully, Rick und Christian Tramitz in einem ganz besonderen Trailer

Während mancher Prince of Persia-Kinovorführungen soll der nun folgende Trailer bereits gesichtet worden sein, nun macht er auch das Internet unsicher: Ein Trailer mit Bully Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz in Aktion. Die Bullyparade-Mannschaft spielt mit ihrem typischen Witz und nimmt das Film-/PR-/ Synchrongeschäft ein klein bisschen auf die Schippe.



Seit bekannt wurde, dass das Bullyparade-Trio in Toy Story 3 sprechen wird, sind deutsche Pixarfans in Aufruhr. Es wurde zum Film- oder Synchronboykott aufgerufen, wieder andere fuhren die "Mal abwarten!"-Schiene. Glücklicherweise hat die Internet-Gemeinschaft mittlerweile gelernt und buht Toy Story 3 nicht wegen einer Promisynchro aus. Der generelle Konsens ist, dass man mit diesen drei Leutchen Glück hatte - nur der Kontinuitätsbruch stößt vielen sauer auf. Dem kann ich nur zustimmen, Kontinuität wäre zu bevorzugen. Allerdings machen Bully, Rick und Christian bislang einen passablen bis sehr guten (Tramitz) Eindruck. Da sich auch die Stimmen häufen, dass es wenigstens bei Woody eh zum Bruch gekommen wäre, weil Augustinski angeblich, von der ihn hintergehenden Branche enttäuscht, abgelehnt hatte, wird man mit seinem endgültigen Urteil wohl bis zum Film abwarten müssen. Ich bleibe so lange unentschlossen: Diese drei sind spitze, aber auf anderen Rollen und mit den Originalsprechern oder näher liegendem Ersatz, wäre ich deutlich glücklicher. Oder?

Dienstag, 25. Mai 2010

Eurovision 2010: Die gesetzten Finalteilnehmer

Dass die ausrichtende Nation automatisch als qualifiziert gilt, ist nachvollziehbar und gängige Praxis in internationale Wettbewerben. Dass zusätzlich zum Ausrichter die vier größten Geldgeber garantiert teilnehmen, das sähe man im Sport wohl als Bestechung an. Geht es hingegen um Musik, finden das Spanien, das Vereinigte Königreich, Frankreich und Deutschland vollkommen gerecht. Was man im Rest Europas davon hält, möchte ich lieber nicht wissen. Auch das Argument "sonst ginge der Eurovision Song Contest zu Grunde" kann ich nicht gelten lassen. Ja, selbstverständlich käme es ohne Deutschland, Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich zu einem radikalen Quoteneinbruch, allerdings wären die fnanziellen Folgen eher gering. Die Beiträge sämtlicher "Big Four"-Nationen werden von einem öffentlich-rechtlichen Sender gestellt. Diese Sender haben ihr Geld so oder so in der Tasche.

Doch lassen wir die Politik hinter dem Song Contest bei Seite und stürzen uns auf die fünf garantierten Finalteilnehmer:

Frankreich: Allez Ola Olé (Jessy Matador)



Deutschland steht dieses Jahr so stark hinter seinem Beitrag, wie schon lange nicht mehr. In Frankreich dagegen erhielt Jessy Matador eher weniger Unterstützung vom Volke. Nachdem Frankreich vergangenes Jahr mit der internen Entscheidung deutlich besser abschnitt, als Deutschland (Patrica Kass ersang sich den achten Platz), beschloss man, die "Notfalllösung Entdemokratisierung" fortzuführen. Die Wahl der Expertengruppe von France 3 fiel aus Jessy Matador und seinen Song Allez Ola Olè, eine Anspielung auf Music of the World Cup: Allez! Ola! Ole!, das offizielle Musikalbum zur Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich. Die Fußball-Anspielung kommt nicht von ungefähr: Der Song ist gleichzeitig die diesjährige Fußball-Hymne der öffentlich-rechtlichen Anstalten in Frankreich und eine große Sommerhit-Hoffnung. Ein Schelm, wer kommerzielle Hintergedanken dabei wittert?
Naja, ich wollte die Hintergrundpolitik ja fallen lassen. Also, zum eigentlichen Song: Allez Ola Olé klingt genau nach dem, was er darstellt. Es ist ein typischer WM-Sommersong und er weckt starke Erinnerungen an die WM 1998, als französische Fußballanfeuerungsnummern die deutschen Charts eroberten. Das wird seine Feinde finden, aber genauso sehr seine Freunde. Und wenn ich meine Metal-Shirts für einen Moment im Schrank einschließen und meine kalte Schulter gegenüber "König" Fußball nicht auf mit ihm verbundene Musik übergreifen lasse, dann muss ich sagen: Ja, zählt mich zu zweiterem. Gut gemachte, tumbe französische Sommer-Tanzmusik mit Gute-Laune-Wirkung lässt mich halt doch hin und wieder schwach werden. Nein, Alors on danse zählt nicht dazu, eher besagte WM '98-Mucke oder Alizée, die Marke halt. Ich könnte mir sowas nicht täglich in hohen Dosen geben, aber als (zugegeben durchkalkulierte) frische Brise im Sommer ist sowas bei mir durchaus willkommen. Allez Ola Olé hebt die Stimmung und klingt nach "Sonne, als Beifahrer Cabrio fahren, kühlen Biermix trinken" und "Sandstrand". Kommerzielle Hintergedanken hin, Fußball-Assoziationen her, ich gönne dem Song die Top Ten. Und jetzt dürft ihr mich ruhig ausbuhen, ich verstecke mich hinter einem alten, zu großen Metalfestival-Shirt und hoffe, dass ihr mich dann nicht wiedererkennt. Ätsch!

Norwegen: My Heart is Yours (Didrik Solli-Tangen)



Ich bin ja ein Musicalfreund (Hey! Du, da hinten! Sag bloß, du willst schon wieder meine Rock-Shirts konfiszieren? Sag mal, spinnst du?), doch wenn ich eins hasse, dann diese übertheatralischen Solonummern, die traurig beginnen und dann zum Schluss vollkommen explodieren und die nur existieren, damit das weniger zynische Publikum beim rausgehen denkt "Boah, meine Fresse, der [Protagonist] konnte vielleicht schauspielern, was?"

Der diesjährige norwegische Beitrag ist das musikalische Pendant zu "Oscar-Bait"-Stoff wie Der Vorleser, Sieben Leben oder Das wirklich wahre und nur minimal dramaturgisch überarbeitete Leben des geistig behinderten Judens, der den blinden Hund eines Nazis vor links-radikalen Jugendlichen rettete und dadurch einem von seinen Eltern mit Vorurteilen indoktrinierten Mann symbolisch die Augen öffnete - Eine Tragödie in drei Akten (mit Meryl Streep). Oder Titanic.

[Pause für Buh-Rufe]

Ich find's ätztend, gelackt und prätentiös. Nächstes Lied.

Spanien: Algo Pequeñito (Something Tiny) (Daniel Diges)



Daniel Diges sieht so aus, als ginge er für die Briten an den Stand. Die Hintergrundmusik klingt wie ein stereotyper Chanson vom Montmartre, dem im letzten Drittel ein paar alte deutsche Fernsehkrimmi-Melodien untergemischt wurden. Und die Gesangsstimme von Diges ist das waschechte Timbre eines Hollywood-Latinos. Spaniens fünfzigster Beitrag zum Eurovision Song Contest verdient allein wegen dieses (unbeabsichtigten?) multikulturellen Coleurs Aufmerksamkeit. Und mit mehrmaligem Anhören gewinnt Algo Pequeñito (Something Tiny), ein Loblied an die kleinen Dinge des Alltags, enorm an Qualität. Vielleicht ist es der Kontrast zwischen der Erwartung an die Musik, die man beim Klang des Sängers entwickelt, und der Erwartungen an den Gesang, achtet man auf das Musikstück allein. Vielleicht sind es die subtilen Walzer-Anklänge. Auf jeden Fall landete Spanien mit diesem Lied einen kuriosen Treffer, der bei einer ansprechenden Performance auch ohne die Aufwärmphase eines mehrmaligen Anhörens im Gedächtnis bleiben sollte.

Vereinigtes Königreich: That Sounds Good To Me (Josh)



Der 19-jährige Musicaldarsteller Josh tritt in Oslo für das Vereinigte Königreich mit einem Lied an, das vom Wendler geschrieben sein könnte. Nur mit dem Unterschied, dass der an dramatischeren und klügeren Stoffen erprobte Bühnendarsteller diesen Song einem leichten Umarrangement unterzog. Statt krähendem Sprechgesang (gerne auch mit ein paar Promille Alk im Blut), gibt es ein paar Sekunden lang Anflüge richtigen Gesangs. Die meiste Zeit des Songs verbringt Josh aber mit schüchtern rübergebrachtem, melodiösem Reden.
Die Komponisten arbeiteten seit dem britischen Vorentscheid tüchtig an einer neuen Version, die Joshs Stimmtalente stärker zur Geltung bringen sollen. Wie es live im Finale klingen wird? Wir dürfen gespannt sein. Ein Wunder erwarte ich allerdings nicht - wäre ein dermaßen krasses Umarrangement wie zwischen den beiden Satellite-Versionen aus dem Unser Star für Oslo-Finale eigentlich regelkonform?

Deutschland: Satellite (Lena)



Unser bester "Grand Prix"-Song seit Can't Wait Until Tonight. Zugegebenermaßen erwartete ich nach den wundervollen Wochen, in denen der talentierte Musiker und Entertainer Stefan Raab unseren Eurovision-Interpreten suchte etwas, das mich mit mehr "Wumms!" überzeugt, aber die unerreichbaren Hoffnungen sind schnell abgeklungen. So wie mir ging es anscheinend auch vielen anderen: Während der Erstvorstellung der vier potentiellen Eurovision-Lieder war im Internet ein kollektives "ähm... und das war's jetzt?" inklusive leichter Enttäuschung bezüglich eines kleinen Wunders zu vernehmen, aber kaum war die Sendung zu Ende, stürmten alle zur legalen Download-Plattform ihres Vertrauens und machten Satellite zu einem Rekordlied. Ganz gleich, wie gut oder schlecht Lena beim internationalen Lieder- und Gesangswettbewerb abschneidet, wir können dieses Mal stolz hinter unserem Beitrag stehen, statt verschähmt die Augen zu rollen. Der ESC hat 2010 deutlich mehr Rückendeckung, als er in der Post-Max-Phase je hatte, und allein deshalb ist es eine segensreiche Meldung, dass Stefan Raab und die ARD auch 2011 auf jeden Fall wieder kooperieren werden.
Bevor wir alle uns zu früh freuen: Satellite ist kein durchgehend typischer Eurovision-Song. Musikalisch dröppelt er seine Laufzeit über sehr gleichmäßig vor sich hin, mit Strophen die ein wenig langsamer als der Refrain, aber frappierend ähnlich arrangiert sind. Die auffälligsten akustischen Veränderungen sind das weniger stark besetzte Intro (inklusive effekthaftem "instrumentalem" Einstieg) und der Gitarrenpart vor dem letzten Refrain sowie der scheinbare verfrühte Schlagzeug-Einsatz. Diese Spielerei ist sehr charmant, trotzdem lebt das Lied primär davon, dass Melodie und Arrangement eine Steilvorlage für Lenas charakteristischen Gesangstil bieten. Auf dessen Schultern (und der unglaublichen Ausstrahlung Lenas) ruhen unsere Hoffnungen. Und womöglich ist das unser Glück. Nicht immer sind es die klassischen Eurovision-Songs, die besonders erfolgreich sind. Als Gewinnerbeispiel wäre da etwa Lordi zu nennen, ein Act der nicht gerade typische "Grand Prix d' Eurovision de la Chanson"-Assoziationen weckt. Und auch Guildo Horn und Stefan Raab (beide erreichten immerhin die Top Ten, wovon wir die letzten Jahre nur träumen konnten) waren damals vollkommen außergewöhnlich, bevor die ESC-Comedy-Performances fast schon zu einem Subgenre wurden.
Satellite ist jedenfalls ein erfrischendes, munteres Lied mit einer klasse Sängerin, die eine ganz eigene Marke ist und positiv auffällt. Ich würde uns dieses Jahr den Sieg gönnen (hätten wir die letzten Jahre den Wettbewerb nach Deutschland geholt, wäre ich geschockt gewesen - Sieg für Deutschland, schön und gut, aber womit?) und
aus dem diesjährigen Starterfeld gefällt mir Satellite am besten. Dennoch bin ich mir bezüglich eines Sieges sehr unsicher. Sofern uns die neuen Regeln keinen Strich durch die Rechnung machen, sollten die Top Ten aber sicher möglich sein.