Samstag, 31. Juli 2010

Scrubs: Interns

Mit Fernsehserien verwobene Webserien sind ein reizvolles Format, das nur selten vollauf befriedigend genutzt wird. Zu häufig scheitern Webserien daran, die ideale Richtung einzuschlagen und das Potential ihres Konzepts auszuschröpfen. Wenn sich Webserien zu nah am Fernsehoriginal orientieren, dann enthalten sie entweder Material, das ins Fernsehen gehört und somit als ausgelagertes Internet-Bonusmaterial die Fans verärgert, oder es sind im Stil der Serie gehaltene, schwache Szenen, bei denen sich letztlich die Frage stellt, weshalb man sich den Kram überhaupt ansieht. Eine gewisse Loslösung von der eigentliche Serie sollte schon vorhanden sein, allerdings darf man den vom Vorbild eingeschlagen Weg nicht zu weitläufig umgehen, da sich dann wieder einmal der Sinn hinter der Webserie verschließt.

Die Macher von Lost fanden mit Lost: Missing Pieces einen Ansatz, der mir zusagte. Zwischen der dritten und vierten Staffel erschienen im Internet kurze Szenen, die die Mythologie der Serie vertieften oder Plotlöcher stopften. In ihrer endgültigen Form waren die Missing Pieces zwar sehr nerdiges Futter für extreme Fans der Serie, aber durchaus gelungen. Der ursprüngliche Plan in den Webisodes das Schicksal einiger nicht in der Serie fokussiert thematisierter Figuren zu behandeln war mir allerdings lieber. In einer solchen Serie ist es ja irrealistisch, dass nur den immer gleichen Figuren etwas interessantes passiert. Die Statisten müssen doch ebenfalls etwas erleben. Diese Idee wurde allerdings von den Fans gekillt, die einen indirekten Testballon innerhalb der dritten Staffel mit Hass aufnahmen. Wenigstens bescherten die idiotischen und mit irrationaler Wut sowie Selbstwidersprüchen gefüllten Reaktionen der Fans eine meiner bisherigen Lieblingsfolgen der Serie.

Als Scrubs Anfang 2009 für eine achte Staffel in die Flimmerkaste zurückkam und für diesen als finale Verbeugung vor den Fans geplanten Auftritt den Sender wechselte, brütete man eine ähnliche Idee aus. In der achten Staffel von Scrubs wurde eine Truppe neuer Assistentsärzte eingeführt, was nicht bloß als der bei älter werdenden Serien archetypische Schachzug zu verstehen ist, die Serie durch frisches Blut zu verjüngern, sondern auch als logische Konsequenz, die aus der Entwicklung der letzten sieben Jahre Scrubs gezogen wurde: Unsere trotteligen Anfänger aus der Anfangszeit der Serie sind mittlerweile vollwertige Ärzte, die sich jetzt als Mentoren profilieren müssen. Klar, dass wir uns irgendwann auch mit ihren Schülern auseinandersetzen müssen.

Die mit der achten Staffel Scrubs verwobene Webserie Scrubs: Interns sollte dazu dienen, den Scrubs-Fans die jungen Assitentsärzte Denise (Eliza Coupe), Sunny (Sonal Shah), Katie (Betsy Beutler) und Howie (Todd Bosley) näher zu bringen und ergänzend zur weiterhin auf JD, Turk, Elliot und Co. konzentrierte Serie erzählen, wie der Alltag im Sacred Heart auf neue Assistentsärzte wirkt. Ein dankbares Konzept, immerhin erkundeten wir in der ersten Staffel Scrubs das verrückte Krankenhaus aus der Sicht von JD, und nun setzen wir sozusagen alles wieder auf Null und dürfen bewundern, um wie viel verrückter das Sacred Heart erst ist, wenn JD und seine Freunde als Lehrer tätig sind. Außerdem ist es ein wirklich zuvorkommender Service für die Fans, dass sie die neuen Figuren besser kennenlernen können, so dass sie in den eigentlichen Scrubs-Folgen weniger wie Fremdkörper wirken.

Meines Erachtens nach ging Scrubs: Interns genau richtig an das Webisode-Format heran. Die Webserie orientierte sich am Scrubs-Stil, indem sie die Assistentsärztin Sunny während ihrer ersten skurrilen Tage im Sacred Heart begleitete, verlieh ihr durch eine Video-Tagebuchnarrative und -Optik ein eigenständiges Stilmittel. Dass Sunny eine duale Medizin- und Filmstudentin ist, die mit ihren Digitalkameras (ja, Plural, in Episode Zwei erfahren wir, dass sie für bessere Aufnahmen noch einige Exemplare im Krankenhaus versteckte) auf filmgrammatische Mittel zurückgreifen kann, die der durchschnittliche YouTube-Videoblogger nicht behherrscht, sollte Scrubs: Interns vor zu eng gesetzten Grenzen bewahren.

Leider verstanden viele Fans die Absicht hinter Scrubs: Interns nicht und stürmten das Internet mit unerhöhrt negativen Kommentaren. Die neuen Figuren seien doch alle scheiße und wo bleiben denn bitte schön die alten Scrubs-Hasen? Die wirklich gelungenen ersten Episoden, die den typischen Scrubs-Humor in circa fünfminütige Miniepisoden quetschten, kamen auf keinen grünen Zweig. Was folgte, war ein katastrophaler qualitativer Absturz. Die mittleren Episoden der bloß zwölf Episoden umfassenden Serie mutierten zum "irren Scrubs-Moment der Woche", ohne jeglichen Plot. Der Fokus wanderte von den neuen Lehrlingen, die sich den absurden Gestalten im Krankenhaus ausgesetzt sehen, zu den Stammmitglieder des Scrubs-Ensembles, die sich halt mit den Neuankömmlingen rumärgern müssen. Auch die Videotagebuch-Filmsprache trat immer weiter in den Hintergrund, so dass sich die Folgen 4 bis 9 der Serie plötzlich wie Deleted Scenes aus Scrubs-Episoden anfühlten, wobei die Episoden 8 und 9 wenigstens lustig waren und mit etwas mehr Kontext qualitativ sowie stilistisch an die ersten drei Folgen hätten anschließen können. Die offiziell letzte Folge (die Episoden elf und zwölf waren exklusive Extras für das DVD-Set) fing sich dann wieder und beendete das kurzlebige Projekt selbtsicher auf einer hohen Note.

Wieso ging ein so gutes Konzept dermaßen in Flammen auf? Hatten die Autoren nicht genügend Ideen oder verfingen sich während der Produktion von Scrubs in zuviel Arbeit, so dass keine angebrachten Mühen ins Webprojekt gesteckt werden konnten? Oder liege ich mit meinen Befürchtungen richtig, und es waren die schimpfenden Scrubs-Internetfans, die mit ihren desaströsen Reaktionen Scrubs: Interns killten, bevor es sich überhaupt etablieren konnte?

Ich bin jedenfalls herbe enttäuscht. Die ersten drei Folgen haben mir sehr gut gefallen, die Interaktion zwischen den vier Jungschauspielern war sehr amüsant und mit der überpositiven Sunny fand man die richtige Hauptfigur für diese Webserie (während im "echten" Scrubs Denise zu Recht mehr Aufmerksamkeit erhielt). Auch der Titelsong von The Blanks (aka Teds Band aka Worthless Peons) ist sehr hübsch, selbst wenn es kurios ist, dass das Titellied einer Webserie mit knapp fünfminütigen Folgen doppelt so lang ist wie das seiner Mutterserie.

Inception

Christopher Nolan ist ein Ausnahmetalent in Hollywood. Er spielt nach den Regeln des Independentkinos, genießt allerdings den Erfolg der Blockbuster-Maschinerie. Verdientermaßen, denn Nolan hat nicht einfach bloß Glück, er bringt den Geist anregende, bis ins Detail durchdachte, anspruchsvolle Geschichten auf die Leinwand, die einen trotz ihrer Verkopftheit auch emotional packen und dadurch verständlich bleiben. Das Publikum muss mitdenken, aber um die Handlung zu verstehen, benötigt es keine erstaunliche Gehirnakrobatik. Die ist eine freiwillige Zusatzleistung. Und die verbringt man liebend gerne, denn wenn Nolan einen erstmal gepackt hat, dann kann man sich dem Bann seiner Filme nicht mehr entsagen.

Inception ist zugleich Christopher Nolans bislang persönlichster und pompösester Film. Er erzählt im ganz großen Stil, mit versiert inszenierten, virtuos choreographierten Mammutsequenzen eine ganz intime Geschichte, die zudem jeder Zuschauer leicht individualisiert mit nach Hause nehmen wird. Ich liebe solche Paradoxen - der Kern eines megalomanischen Films kann mir nicht intim genug sein. Und bei Inception dient diese wuchtige Bildgewalt nicht einmal zum Selbstzweck, sondern ist eine von der Handlung geforderte Grundbedingung für eine adäquate Umsetzung von Christopher Nolans erstaunlicher, zugleich simpler wie komplexer, Idee für einen nachhaltig wirkenden Kinotraum.

Ein ganz klarer Pflichtfilm. Ganz gleich, was man letztlich von Inception halten mag, allein schon für die anschließende Diskussion mit Freunden und Bekannten sowie die durchgehend hörbaren Publikumsreaktionen während des Films lohnt sich der Eintritt!

Inception ist ein erstaunliches Labyrinth aus Spannung, Intellekt, hypnotischen Kameraaufnahmen und einem impressiven Score, das man nach dem Verlassen sofort mit einem neuen Blick auf die Dinge erkunden möchte.
  • Zu meiner ausführlichen (und weiterhin spoilerfreien) Rezension: *klick*
Mehr Inception:

Freitag, 30. Juli 2010

Ein Blick in Disneys animierte Zukunft

Vor einigen Tagen kamen Gerüchte darüber auf, was sich hinsichtlich neuer Trickfilme aus dem Disney-Studio so tut. Der gute Honor Hunter bei Blue Sky Disney sorgt mit seinem Insiderwissen für Klarheit:
  • Nochmal betreffs Rapunzel: Poppigem Trailer und modern-komödiantischem Teaserposter zum Trotz wird Rapunzel kein popkulturell-moderner Film im Dreamworks-Stil. Das sollten wir mittlerweile alle schon wissen, aber das kann man nicht oft genug betonen, denn manche wollen noch immer empört aufstöhnen...
  • Joe Jump wurde zu Reboot Ralph und kommt voraussichtlich 2013 in die Kinos. Der Film ist zwar von der ursprünglichen Idee inspiriert, geht aber völlig andere Wege, da das alte Konzept nicht flüssig aufging. Rich Moore ist, wie vor einiger Zeit vermeldet wurde, der Regisseur. Ich mag den Kerl.
  • Chris Williams (Autor bei Ein Königreich für ein Lama, Bärenbrüder und Bolt) hatte ein Projekt in der Entwicklung, das gekippt wurde, da es ein zu junges Publikum ins Visier nahm, etwas, dem Disney abschwören möchte. Danach arbeitete er an einer Neukonzipierung, allerdings wird er zuvor die Regietätigkeit am wiederbelebten Film King of the Elves übernehmen. Entgegen einiger Gerüchte scheint (!) der Film weiterhin ein Computeranimationsprojekt zu bleiben, was ich bedauere, da mir die Konzeptbilder mehr nach einem idealen Zeichentrickkandidaten schienen.
  • Ron Clements und John Musker tüfteln derzeit am ungewöhnlichsten Film ihrer Karriere. Es wird kein Prinzessinnenfilm, es soll ein Zeichentrickfilm werden und es befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium. Und jetzt alle: Fraidy Cat! Fraidy Cat! Fraidy Cat! Bitte, bitte, bitte...
  • Dean Wellins (Animator bei Der Gigant aus dem All, Der Schatzplanet und Küss den Frosch) arbeitet an einem neuen Computeranimationsfilm.
  • Es wurde tatsächlich an einem Jack and the Beanstalk-Film gearbeitet, allerdings wurde er gekippt, da Warner Bros. ebenfalls an einem ähnlichen Projekt arbeitet, das sich schon weiter in der Entwicklung befindet. Ich bin erleichtert, im Meisterwerk-Kanon brauche ich erstmal keine Dopplungen. Chris Buck (Co-Regie bei Tarzan und Könige der Wellen), der Regie geführt hätte, stellt John Lasseter in den kommenden Wochen eine neue Idee vor.
Achja, und nochwas: Gegenüber Deadline Hollywood erklärte del Toro das Disney-Horrortrickfilm-Label Disney Double Dare You für tot. Schade. Vielleicht ein anderes Mal?

Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder (Teil LIII)

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Platz 25: Wie zeigst du deine Liebe? ("That's How You Know") aus Verwünscht
Musik von Alan Menken, Text von Stephen Schwartz (dt. Fassung von Fred Novello & Max Maria Snyder)

Die Musik in Verwünscht imitiert die Entwicklung des Gebrauchs von Gesangseinlagen in Disney-Animationsfilmen. Bei einer derartigen, kondensierten Retrospektive auf die Welt der Disneymusik darf selbstverständlich nicht auf ein Lied im Stil der Disney-Renaissance verzichtet werden. Und was wäre cleverer, als ausgerechnet die obligatorische, herzerfrischende Gute-Laune-Nummer in Anlehnung an die Alan-Menken-Ära der Disneymusik anzulehnen? So kommt es schließlich, dass in der Mitte von Kevin Limas teils gezeichneter, teils real gefilmter Musical-Romantikkomödie Verwünscht eine gigantische Showeinlage im New Yorker Central Park, die zu gleichen Teilen die überbordenden Broadway-Showstopper Menkens parodiert und liebevoll glorifiziert. Menken nimmt sich also selbst auf den Arm, während der dem, was die Trickfilmregisseure aus seinen Liedern machten, ehrfürchtig Tribut zollt. Wie kann man das als eingefleischter Disneyfan nicht atemberaubend finden? Der von Stephen Schwartz mit eingängigen, schnell fließenden Texten versehene Song vereint den unterhaltsamen Pomp und die mitreißende Energie solcher Nebenfigur-Stimmungsaufheller wie Unter dem Meer (Platz 37), Küss sie doch (Platz 120), Sei hier Gast (Platz 68), Nur ein kleiner Freundschaftsdienst oder In Sekunden auf Hundert (Platz 49) und vereint dies mit der schmachtenden Macht der Disney-Prinzessinnen. Die Ambiguität von Wie zeigst du deine Liebe? verstärkt sich sogar um ein vielfaches, wenn man die eigentliche Filmsequenz betrachtet, die sich gleichermaßen als gnadenlos überzogene Selbstparodie und etwas trockener als ernst gemeinte, heiter-bunte Musicaleinlage betrachten lässt, wie sie nunmal geschieht, wenn eine überspitzte Disneymärchentrickfigur in eine disnyfizierte Version des realen New Yorks platzt. Während ich Wie zeigst du deine Liebe? mittlerweile eher als die dick auftragende Hommage an die 90er-Disneyfilme goutiere, kam ich bei meinem ersten Kinobesuch gar nicht mehr aus dem höchst amüsierten Kichern heraus, denn die Geschütze, die während dieser Szene aufgefahren werden sind in ihrer geballten Quantität (und der quietschig-froh-selbstverständlichen Weise ihres Auftretens) einfach urkomisch. Es ist so, als stünde die ganze Zeit jemand rechtfertigend neben der Kamera, dass dies halt eine gigantische Disney-Musicaleinlage ist, und man deshalb vertraglich dazu verpflichtet wurde, ethnisch vielfältige Musikeinflüsse in die zuckrig-fröhliche Broadwaymelodie einzubauen. Weil diese karibischen Elemente ja schon in Arielle, die Meerjungfrau so gut ankamen. Und wer kann schon einer Mariachi-Band widerstehen? Die zwei Fans von Drei Caballeros da draußen ganz sicher nicht. Und die drei Takte alpiner Polka? Naja, wir hatten halt noch Geld übrig... Marktforschungen ergaben außerdem, dass die Tanzschritte aus Schritt und Tritt in Mary Poppins weiterhin beliebt sind, also kommen die genauso mit rein, wie der patentierte Disneyparaden-Prinzessinnen Winkgruß. Und sagte da jemand "Unrealistisch durchtrainierte, debil grinsende Bauarbeiter?" - Jepp, natürlich haben wir das! Wieso auch nicht?
Eigentlich ist dieses Lied eine hochkonzentrierte Zusammenfassung sämtlicher Disney-Tanznummern. Mit extra großem Ensemble. Weshalb die mittanzenden Passanten knallige Farben tragen? Es ist Disney! Und wir sind glücklich! GL-ÜCK-LICH! Glück ist farbenfroh!
Wie zeigst du deine Liebe? ist der Holzhammer, ach Quatsch, der PRESSLUFTHAMMER unter den frohgemuten Disney-Musicaleinlagen. Denn: Wer braucht schon Subtilität? Pfah, die wird völlig überschätzt!

Platz 24: So nah ("So Close") aus Verwünscht
Musik von Alan Menken, Text von Stephen Schwartz (dt. Fassung von Fred Novello & Max Maria Snyder)

Giselles Metamorphose zu einer "echten" jungen Frau ist abgeschlossen. Während sich die anderen Besucher des Balls in prunkvoller, barocker Garderobe kleidet, trägt die einst flippige Zeichentrick-Märchenfigur, die zuvor den ganzen Central Park zum Singen und Tanzen brachte, nun ein schlichtes, galantes lila Kleid ohne unnötige Schnörkel. Obwohl Regisseur Kevin Lima während des Tanzes einige Kameraeinstellungen aus der Ballsaalsequenz in Die Schöne und das Biest nachahmz, ist So nah keine Parodie auf Disneyballaden, sondern eine aufrichtige Liebesballade, die dazu dient Giselles emotionale Reise zu unterstreichen und zu unterstützen. Die Verwendung dieses nicht ganz modernen, und dennoch zeitgemäßen Liedes dient im Kontext der musikalischen Entwicklung von Verwünscht als Stellvertreter für die vergleichsweise junge Verwendung von handlungsrelevanten Songs aus dem Off in (Disney-)Animationsfilmen, wie etwa das Titellied aus Die Schöne und das Biest, Du hast'n Freund in mir (Platz 143) aus Toy Story oder I'm Still Here aus Der Schatzplanet.
Was so nah von der archetypischen Disneyballade unterscheidet, ist die emotionale Belastung, die in ihr mitschwingt. So nah ist ein Stück mit großen Bedenken, einer selbstauferlegten, eng gesteckten Grenze, wie weit es gefühlsmäßig ausbrechen darf. Auf ergreifende Weise ahmt So nah das Gefühl, etwas bedeutungsvolles beinahe geschafft zu haben, und letztlich doch zu scheitern. Das sehnsüchtige Zurückblicken auf das vor dem Scheitern empfundene Glück, die sterbende Hoffnung und der bittersüße Schmerz werden hier in einem zurückhaltenden 3/4-Walzer eindringlich musikalisch verarbeitet. Ein verletzliches, fragiles Lied, in dessen Noten ein nicht aufgeben wollender Keim freudiger Erwarzung mitschwingt, ebenso wie einfühlsame Aufgabe. Vielleicht ist Subtilität doch nicht so schlecht?

Platz 23: Prinz Ali ("Prince Ali") aus Aladdin
Musik von Alan Menken, Text von Howard Ashman (dt. Fassung von Frank Lenart)

Ein scherzhafter Gedanke, mit dem ich mir selbst manche etwas wundersame musikalischen Vorlieben erkläre, ist dass mir als Deutscher Marschmusik natürlich im Blut liegt. Das wäre eine logische Erläuterung, weshalb Disney-Paradenmusik in diesem Countdown so gut abschnitt (siehe dazu Platz 196, Platz 182, Platz 164 und Platz 36), schließlich geben diese Stücke eine klare Marschrichtung vor. Solche Musik findet sich aber nicht nur in den Disneyparks, sondern auch in Disneys Filmschaffen: Das vom Dschinni gesungene Lied Prinz Ali ist ein im Filmuniversum verankertes Beispiel für diese faszinierende Mischung aus voranschreitender Marschmusik und heiter-spaßiger Disneylaune. Und es ist das, man verzeihe mir das miese Wortspiel, Paradebeispiel für diese Mixtur, denn mit diesem Lied gibt Dschinni nicht nur den Takt für Aladdins spektakulären Prinzen-Einzug in Agrabah, sondern zaubert dem Publikum auch ein riesiges Grinsen auf's Gesicht, während die Füße unkontrolliert mitwippen.
Prinz Ali wird im Laufe des Films auch als gerissener Ersatz für den eigentlich obligatorischen Schurkensong verwendet. Obwohl Clements und Musker unbedingt eine Gesangseinlage für Dschafar haben wollten, fanden sie nie den richtigen, narrativen Platz für ein solches Lied. Und so gönnen sie ihm eine höhnische Reprise von Prinz Ali, in der ein triumphierender Dschafar Aladdins Tarnung hämisch demontiert.

Platz 22: Ich wär' so gern wie du ("I Wan'na Be Like You (The Monkey Song)") aus Das Dschungelbuch
Musik und Text von Richard M. & Robert B. Sherman (dt. Fassung von Heinrich Riethmüller)

Der liebste Disneyfilm der Deutschen hat bei mir keinen wirklich guten Stand. Ich mag ihn einzig und allein aufgrund der Musik. Natürlich sind die Lieder ein essentieller Teil des Disneyerlebnisses, doch an den zahlreichen fantastischen Disney-Trickfilmen, die ich so in mein Herz geschlossen habe, liebe ich mehr, als nur die Musik. Dramatische Momente wie in Der König der Löwen, herzhafte Lacher wie in Lilo & Stitch oder eine atemberaubende Optik wie in Dornröschen (um bloß ein paar Beispiele zu nennen) finde ich in Das Dschungelbuch nicht. Selbst mit dem wichtigen Element der liebenswürdigen Figuren hapert es ein wenig in Walts letztem Zeichentrickfilm. Natürlich sind Balu, Hathi, Kaa und Louie Kult, aber ohne ihre Songs besticht nur noch der schusselige Elefanten-Colonel. Vielleicht bin ich jedoch etwas zu harsch mit Das Dschungelbuch, denn allen Schwächen zum Trotz unterhält der Film ungebrochen Generationen von Kindern und Junggebliebenen, und auch ich habe meinen Gefallen am Film. Ist er halt eine bunte Lieder-Revue, was soll's, es gibt schlimmeres. Probier's Mal mit Gemütlichkeit (Platz 51) ist daraus die wohl meistziterte und meistgesummte Gesangseinlage, aber der swingende König der Primaten ist der Öffentlichkeit ebenfalls kein Kuriosum. Die mitreißenden Melodien des Swing und Dschungelrhythmus vereinenden Songs sind einfach zeitlos und King Louies heißer Scat (plus der amüsante Vocalese-Part des dazwischenplatzenden Affen) gibt Ich wär' so gern wie du die richtige Würze. Der Song ist voller Elan und das Vorzeige-Exempel dafür, wie man moderne Einflüsse in seine Zeichentrickklassiker einzuweben hat. Denn obwohl die Inspirationen für Ich wär' so gern wie du längst veraltet sind, wirkt King Louies ansteckende Swingnummer so frisch wie eh und je.
Aufgrund seines Tempos und seiner generellen Mentalität eignet sich Ich wär' so gern wie du außerdem mehr als wohl jeder andere klassische Disneysong für Rockcover. Seien es Ska, Punk oder jugendlicher Pop-Rock, zahlreiche Bands nahmen sich dieses Evergreens an, und das führte meistens zu sehr tollen Ergebnissen, wie etwa Smash Mouths spaßige Surfrock-Variante. Der beste King Louie ist und bleibt aber der großartige Klaus Havenstein. Seine Filmversion des Songs ist einfach perfekt, allein schon wegen seiner fantastischen Stimme, mit der er diesem Lied das richtige Volumen, den idealen Schwung und den reizvollen Hauch Kratzigkeit verleiht.

Sean Bailey, Disneys Film-Produktionschef, über Kooperationen, David Fincher, "Tron Legacy" und mehr

Im Januar entließ Rich Ross, der noch recht frische Vorsitzende der Walt Disney Studios, den Produktionschef Oren Aviv und ersetzte ihn durch den Produzenten von Tron Legacy, Sean Bailey. Bailey wird seither als Ross' Ying zu seinem Yang beschrieben, die perfekte Ergänzung zu Rich Ross Führungsstil und das potentielle Sicherheitsnetz, dass uns davor bewahrt, dass der erfolgreiche Ross (er war zuvor Präsident von Disney Channel Worldwide) aus den Disney-Studios die große Tweenie-Hannah Montana-Show macht. Wobei diese Furcht bislang eh unbegründet schien, da Ross mehr aufwändige Disneyfilme für ein großes, älteres Publikum haben möchte (sowie verstärkt kleinere Produktionen auf der anderen Seite).
Bailey fiel die letzten Wochen außerdem dadurch auf, dass er eine engere Verwebung zwischen Pixar und den Disney-Realfilmproduktionen befürwortete, indem er Kooperationen mit den Teams von Tron Legacy und dem kommenden Muppet-Film unterstützte.

Rund um die Comic Con hatten mehrere Filmportale die Gelegenheit, sich ausführlicher mit Sean Bailey zu unterhalten. Anlass für mich, euch eine Zusammenfassung von Baileys entscheidensten Aussagen zu liefern.

Sean Bailey ist mir zum Beispiel allein deswegen schon um einiges sympathischer geworden, dass er zugibt, dass Disney mit Die Geistervilla (der Verfilmung von Haunted Mansion) einen Fehler gemacht hat, selbst wenn er es in diplomatische Worte packt. Bailey erzählte, dass als Kind seine beiden Lieblingsattraktionen bei Disney Pirates of the Caribbean und Haunted Mansion waren, und dass er an Haunted Mansion diese einmalige Atmosphäre liebte, dass man als Kind gleichermaßen verängstigt wie charmant umgarnt wird. Und diese Stimmung wurde nie wirklich eingefangen. Sein Kollege Brigham Taylor habe Bailey in einer Unterhaltung deshalb Guillermo del Toro vorgeschlagen, als jemand, der diesen Tonfall der Attraktion reproduzieren könnte. Daraufhin lud del Toro Taylor und Bailey zu sich nach Hause ein, wo Bailey auf die zahlreichen Haunted Mansion-Memorablia aufmerksam wurde, womit für Bailey der Wunsch nach einer Kooperation beschlossen gewesen sei.

Über die Zusammenarbeit mit Pixar, die nun Disneys Realfilme verbessern soll, sagt Bailey, dass die Idee daher rührt, dass man in Hollywood seine Filme üblicherweise engen Filmemacher-Freunden vorführt, um sich Meinungen einzuholen. So kam es auch zur Zusammenarbeit mit David Fincher. Bei der Vorführung für Fincher sollen noch weitere Hollywood-Kollegen Baileys dabei gewesen sein, deren Identität Bailey allerdings geheim halten möchte. Nach dieser, laut Bailey sehr förderlichen, Vorführung überlegte er sich, was man noch machen könnte, wovon Tron Legacy profitieren könnte. Und da beschloss er, bei Pixar anzurufen und zu fragen, ob die Jungs dort nicht Lust hätten, ihm auszuhelfen.

Bailey trug auch entschieden dazu bei, David Fincher für das sehr wakelige 20.000 Meilen unter dem Meer-Projekt zu gewinnen, das Rich Ross (dort noch unter der Regie von McG) zwischenzeitlich einstellen ließ. Bailey habe sich mit David Fincher über mögliche Filme unterhalten und die Disney-Studios. Fincher möchte laut Bailey sein eigenes Das Imperium schlägt zurück drehen, und in der Captain-Nemo-Thematik sehe er die Möglichkeit dazu. Finchers Vision für den Film sei mutig, aggressiv, er plane "einen gewaltigen Steampunk-Science-Fiction-Film" aus der Perspektive von 1873. Nun, ja... das klingt ansprechend, wobei ich gespannt bin, wie sich das mit Jules Vernes Roman verweben wird.

Baileys genereller Plan für die Zukunft Disneys ähnelt auch John Lasseters Vision für die Disney Animation Studios: Er möchte den Einfluss von Regisseuren wiedererstarken lassen. Das könne sich laut Bailey in solchen Projekten wie del Toros Haunted Mansion, Sam Raimis OZ: The Great and Powerful oder David Finchers 20.000 Meilen unter dem Meer äußern, aber auch in der Beschäftigung jüngerer Regisseure mit starker Vision, wie bei Kosinski und Tron Legacy. Deshalb hofft er auch, dass Kosinski und Disney bei einer Verfilmung seines Comics Oblivion zusammenarbeiten werden.

Kosinski sprach sich auch kritisch über undurchdachte 3D-Konversionen wie bei Kampf der Titanen aus, er möchte bei Disney bloß in 3D gedrehte Filme (Tron Legacy, Pirates of the Caribbean - On Stranger Tides) oder durchweg für eine Konversion geplante und mit entsprechenden Referenzbildern produzierte Filme (Alice in Wunderland, besseres 3D als Kampf der Titanen, in meinen Augen immerhin passabel, aber manche fanden das 3D wirklich klasse) sehen.

Zudem hofft Kosinski seine engen Freunde Affleck und Damon zu Disney zu holen, da Damon in seinen Augen ein großartiger, wandlungsfähiger Schauspieler sei, während sich Afleck zu einem sehr versierten Regisseur mausert. Mit Affleck/Damon-Filmen hätten manche vielleicht Probleme, aber ich liebe ja die 90er bei Miramax...

Quellen: /Film (zweimal), Collider, MTV und Latino Review

Rapunzel: Die Regisseure sprechen über die Märchenverfilmung

Ein erstes Teaser-Poster zu Rapunzel wurde veröffentlicht - und es passt sich ganz der Richtung an, die das US-Marketing für diesen Film einschlug. Wenigstens lässt sich sagen, dass ich Rapunzels Geichtsausdruck klasse finde. In klein ist es nichts besonderes, aber wenn man sich das Poster in groß ansieht, dann sind die Details, die dazu beitragen ihr verschmitztes Lächeln so einmalig zu machen, wirklich beeindruckend.

Was aber interessanter sein dürfte, als das Poster: Auf der Comic Con sprachen die Leute von Collider mit den Regisseuren Byron Howard und Nathan Greno über Rapunzel.

Hier die wichtigsten Infos in der Zusammenfassung:
  • Für Flynn Riders Persönlichkeiten standen viele Figuren und Darsteller Pate, aber ganz besonders Indiana Jones und Douglas Fairbanks sind in ihm auszumachen.
  • Die grobe Arbeitsteilung beim Regie-Duo Greno/Howard war, dass sich Nathan Greno (Storywriter bei Bärenbrüder) verstärkt auf die Handlung und den Schreibprozess konzentrierte, während Byron Howard (Regie bei Bolt, Zeichner bei Mulan und Bärenbrüder) vermehrt auf die Animation achtete.
  • Wie wir treuen Disneyfans wissen, steckte Rapunzel seit langem in der Development Hell fest. Bevor die eigentliche Produktion endlich begann, wurde eine Arbeitsfassung von Glen Keane wegen ihres ersten Akts in den Himmel gelobt, der Rest war dagegen recht schwach, weshalb Keane einen Co-Regisseur vorgesetzt bekam, was allerdings ebenfalls nicht weiterhalf. Laut Howard war einer der Knackpunkte in der Entwicklung des Films Nathan Grenos Einflussname auf die Geschichte, als er aus der noblen Disney-Prinzessin Rapunzel eine etwas greifbarere Persönlichkeit machte, "ein Mädchen von nebenan". So wurde aus ihr das, naive, aber belesene, charmante sowie süße und bezaubernde Mädchen, das uns Greno und Howard für den Kinowinter versprechen.
  • Rapunzel ist in den Augen der Regisseure ein moderner, zeitgemäßer Film. Jedoch nicht im Sinne eines Shrek - sievergleichen ihre Version von Rapunzel mit Disneys Die Schöne und das Biest, ebenfalls ein dezent zeitgemäßer Film, der die Kerngeschichte nahm und in neue Richtungen entwickelte.
Mehr zum Film:

Donnerstag, 29. Juli 2010

Lee Unkrich und Darla Anderson präsentieren ihre Lieblingsfilme

Heute ist der große Videotag bei Sir Donnerbolds Bagatellen. Nach etwas Eigenwerbung und der spoilerfreien Zusammenfassung von Inception (eine ausführliche, dennoch spoilerfreie Kritik ist in Arbeit - und eine Herausforderung) habe ich mich ja getraut Müll zu zeigen. Dafür möchte ich mich entschuldigen, indem ich dieses Moviepilot-Video mit euch teile, in dem Lee Unkrich und Darla Anderson von Toy Story 3 ihre Lieblingsfilme präsentieren.



Siehe zum Vergleich auch das Video mit Pete Docter und Julian Rivera...

Trailer aus der Hölle: Yogi Bear 3D

Warner Bros. steigt wieder stärker ins Animationsgeschäft ein. Manche der Ideen sind gut (eine gezeichnete Looney Tunes-Sitcom), andere schwach (computeranimierte Roadrunner-Cartoons). Darüber ließ ich mich ja bereits aus.

Und das hier? Das ist grausam...

Werbespots für "Sir Donnerbolds Bagatellen"

Es wird Zeit, dass für meinen Blog die virale Werbetrommel gerührt wird!





Mit herzlichem Dank an Steve von True Story!, der mich mit diesem Beitrag erst auf die Idee brachte sowie an all jene, die durch lachhafte oder perverse Google-Suchen auf meinen Blog stießen.

Ebenfalls zum Anschauen:
Mehr kuriose Google-Suchen:

Mittwoch, 28. Juli 2010

Toy Story 3

Andy wird erwachsen. Und Pixar auch.
In Toy Story bekam der kleine Andy ein neues Spielzeug geschenkt. Der Space Ranger Buzz Lightyear lief Andys bisherigem Lieblingsspielzeug, dem Cowboy Woody, schnell den Rang ab und in einer Eifersuchtstat katapultierte Woody seinen Konkurrenten aus dem Kinderzimmer. Da Woody eine derart üble Tat nicht begehen wollte, macht er sich drauf und dran, Buzz zurück ins Kinderzimmer zu bringen. Eine enge Freundschaft entstand.
In Toy Story 2 muss sich Woody erstmals mit seiner Fragilität auseinandersetzen. Weil er beim Spielen seinen Arm zerriss, setzt Andy den Cowboy auf die sprichwörtliche Ersatzbank, weshalb Woody sich überholt und veraltet fühlt. Als ihn ein verrückter Spielzeugsammler stiehlt und zusammen mit weiteren Figuren aus der alten Kindersendung Woody's Roundup an ein Muesum in Japan verkaufen möchte, sieht Woody seine Chance gekommen: Statt bald von Andy ausrangiert zu werden, könnte er für immer in einer Glasvitrine bewundert werden. Derweil machen sich Buzz Lightyear und Co. auf, Woody aus den Klauen des Spielzeugsammlers zu retten. Am Ende sehen Buzz und Woody der drohenden Gefahr, für Andy keinen Wert mehr zu haben, optimistisch entgegen. Sie haben ja einander.
In Toy Story 3 schlägt aber die Stunde der Wahrheit: Seit Jahren straft Andy seine Spielzeuge mit Nichtbeachtung und nun ist sein Umzug zum College lediglich ein paar Tage entfernt. Seine Mutter zwingt ihn, sein Zimmer auszumisten, und so steckt er widerwillig die kläglichen Überreste seiner Spielzeugsammlung in einen Müllsack. Wie es der Zufall so will, landen Woody, Buzz und Co. aber nicht am von Andy bestimmten Ort, sondern im Kindergarten Sunnyside. Woody möchte zurück zu Andy, der Rest der Truppe ist dagegen nicht abgeneigt für immer und ewig seunen Dienst als Spielzeug für Kindergartenkinder abzuleisten. Es entfaltet sich eine spannende und urkomische Parabel über das Älterwerden, die Suche nach seinem Platz und seiner Aufgabe im Universum und den Schmerz loszulassen und einer unbestimmten Zukunft ins Auge zu blicken.

Toy Story und Toy Story 2 waren Familienfilme, die für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet waren. Sie hatten keine spezifisch anvisierte Zielgruppe. Toy Story 3 hingegen bleibt dem Stil der Reihe treu, folgt aber zugleich Pixars Entwicklung zur Erwachsenenunterhaltung. Allein schon die aus den Trailern bekannte Montage eines alternden Andys wird bei Jugendlichen (die diese Reise gerade durchmachen) und Erwachsenen (die diese Reise bereits durchmachten und nun ihren Kindern dabei zusehen müssen) eine größere emotionale Resonanz erhalten, als bei Kindern. Toy Story 3 ist Erwachsenenunterhaltung, die für Kinder geeignet ist.

Wer wie ich die neueren Pixarfilme liebt, und für Toy Story 1 & 2 Respekt übrig hat, sie dennoch auf eine deutlich niedrigere Stufe stellt als WALL•E und Ratatouille, der wird Woody und Buzz dank Toy Story 3 näher an seinem Herzen tragen, als zuvor. Wer dagegen die alten Pixarstreifen besser findet, bekommt mit Toy Story 3 ein neues Abenteuer mit seinen Helden, das rührender und packender als die vorherigen ist, dafür ein klitzeklein bisschen weniger urkomisch wie Toy Story 2 und nicht so unschuldig-nostalgisch wie Toy Story. Welcher Film den Old-School-Pixarianern besser gefallen wird? Mh, das wage ich nicht vorherzusagen. Die wenigen Stimmen, die Toy Story 2 unoriginell fanden, weil er angeblich Teil 1 auf links gedreht ist, also mit Woody in der Rolle von Buzz, (was so nicht stimmt), dürfen sich aber schon mal auf eine wesentlich originellere Story einstimmen. Toy Story 3 bedient sich geschickt einigen Anleihen an den Horror- und Gefängnisfilm (die Werbezeile Auf der Flucht kommt nicht von irgendwoher) und was Pixar mit seinen geliebten Helden vorhat, ist wahrlich erstaunlich.

Man wird Lachtränen vergießen, Tränen der Freude und Tränend er Rührung. Toy Story 3 ist eine kleine filmische Sensation, die auf den bisherigen Filmen der Reihe aufbaut und dann beeindruckende Salti schlägt.

Außerdem lernen wir, ganz im Nebenher, wen Andy nun mehr liebt. Woody oder Buzz...

Siehe auch:

Rapunzel: Featurette über die Erschaffung der Märchenwelt

Was ist das? Etwa ernsthaftes Marketingmaterial zu Disneys kommendem Animationsfilm Rapunzel, fernab von der shreklichen Mogelpackung, die der erste Trailer darstellte?

Ja. Exakt das ist es.

Die Regisseure Nathan Greno und Byron Howard, Produktionsdesigner Doug Rogers (Küss den Frosch), Art Director Dave Goetz (Der Glöckner von Notre Dame, Atlantis), und die visuelle Gestalterin Victoria Ying präsentieren die Märchenwelt von Rapunzel.



Mehr zum Film:

Dienstag, 27. Juli 2010

Pixar-o-Meter 2010

Wow, was für eine Kinowoche: Am Donnerstag startet endlich Toy Story 3 in den deutschen Kinos und morgen finden bereits zahlreiche Vorpremieren von Inception statt. Ich glaube so viele gute Kritiken hatten die aktuellen Wochenstarts schon ewig nicht mehr auf ihrem Konto.

Seit ich Toy Story 3 das letzte mal sah, hatte ich viel Gelegenheit in mich zu gehen und mir seine studiointerne Konkurrenz erneut anzuschauen. So konnte ich mir genau überlegen, welchen Platz die letzte abendfüllende Spielzeuggeschichte in meiner großen Pixar-Hitliste einnimmt. Und dieses Ergebnis möchte ich euch mitteilen.

Hier ist also mein aktualisiertes Pixar-o-Meter!

Platz 11
Regie: John Lasseter (1995)

Der erste abendfüllende Pixarfilm ist ein Meilenstein der Trickgeschichte. Mit einem Schlag brachte er die Kunstform der Computeranimation auf die Tagesagenda und erstmals in der Geschichte des Trickfilms wurde ein Animationsfilm für einen Drehbuch-Oscar nominiert. Ist Toy Story historisch bedeutungsvoll? Auf jeden Fall! Finde ich den Film gut? Ähm... schon, irgendwie. Ich finde Toy Story nicht schlecht und über die Jahre wuchs mein Respekt für Pixars Erstling, dennoch finde ich ihn bloß milde amüsant und er versagt darin, mich emotional zu engagieren. Kurzweilig anzusehen ist er dennoch.
Abschließende Meinung: Ein respektvolles "Okay".

Platz 10
Regie: John Lasseter (1998)

Mit Das große Krabbeln erkannte ich Computeranimation als eigenständiges Medium an, statt sie weiterhin als kurzlebiges Novum abzutun. Das große Krabbeln bringt mich mehr zum Lachen als Toy Story, ich finde die Geschichte von Flik und einem Zirkustrupp an Käfern, die Fliks Ameisenkolonie vor den bösen Grashüpfern zu beschützen versuchen, spannender als Toy Story und Hopper ist ein richtig toller Bösewicht. Gerade letzteres geht Pixar aufgrund der etwas anders gelagerten Storys im Vergleich zu Disney ja sehr häufig ab. Überhaupt: Noch war Pixar in meine Augen keine Konkurrenz für Disney.
Abschließende Meinung: Ja, ist schon recht gut für zwischendurch.

Platz 9
Regie: John Lasseter (1999)

Ein erster Qualitätssprung für Pixar: Toy Story 2 lässt mich um dieFiguren sorgen und beim Lachen lauthals nach Luft schnappen. Die zahlreichen zeitlosen (!) Popkulturreferenzen sind großartig, die Eigenheiten der Figuren werden wundervoll ausgespielt und manche der Einfälle sind auf wunderbare Weise haarsträubend (wie etwa das gesamte Intro mit Buzz Lightyear). Anerkennung gibt es auch für die Versuche, mehr Herz ins Spiel zu bringen, diese scheitern bei mir allerdings, da ich Jessie in Toy Story 2 mitunter recht anstrengend finde und When She Loved Me in meinen Ohren nichts weiteres ist, als der schwerfällig brummende Rany Newman, der versucht eine Countryballade zu schreiben. Ich kann einfach keine Verbindung zum Lied herstellen...
Abschließende Meinung: Gut.

Platz 8
Regie: John Lasseter (2006)

Wäre Cars 2000 in die Kinos gekommen, dann würde vermutlich niemand über den Film schimpfen. Er platzt vor putzigen und smarten visuellen Einfällen, die Dialoge sind komisch und neben all dem Witz und den atemberaubenden Landschaften erzählt Cars eine relevante Geschichte über Freundschaft und Ehrgeiz. Aber Cars kam nicht 2000 in die Kinos, sondern erst 2006. Zu diesem Zeitpunkt wandelte sich Pixar zum anspruchvollsten und beliebtesten Animationsstudio mindestens der westlichen Hemisphäre. Und neben dem, was Pixar nach Toy Story 2 veröffentlichte, wirkt Cars doch etwas unbedarft. Enge Bande mit den Figuren lassen sich nicht knüpfen, es gibt ein paar Längen und die Geschichte ist zwar nicht gerade hohl, doch Pixar bewies, dass es auch intelligenter und ambitionierter geht. So wurde Cars zu Pixars erstem Rückschritt und zur meist verissenen Produktion des Studios. Mit 74% bei Rotten Tomatoes. Das sagt was aus, nicht wahr?
Abschließende Meinung: Gut mit extra Punkten für Witz und Optik. Irrationaler Respektverlust, da es Pixars erster Film ist, den ich nie auf Platz 1 meiner Pixar-Hitliste setzte. Als wäre der Film besser, wäre er früher herausgekommen...

Platz 7
Regie: Pete Docter (2001)

Mit Die Monster AG katapultierte Pixar in meiner Gunst gewaltig nach vorne. Sie waren nicht weiter "die, mit den Computer-Trickfilmen", sie waren endlich als künstlerisch ernstzunehmendes Studio akzeptiert. Die Detailliebe, mit der die bunte Welt von Monstropolis gestaltet wurde ist in jeder Sekunde des Films zu spüren und die Gags prasselb in einer wahnsinnig hohen Frequenz auf den Zuschauer ein. Wenn gerade nichts witziges im Hintergrund zu sehen ist oder guter, alter Cartoon-Slapstick aus dem Hut gezaubert wird, dann hauen einen die Dialoge von den Socken. Mike und Sully sind ein wndervolles Portagonisten-Duo und Sullys Fürsorge für die kleine Buh ließ mir zum ersten Mal in einem Pixarfilm wohlige Gänsehaut den Rücken herunterlaufen. Witz und Herz, erstmals in einer formidabel abgestimmten Mischung. Pixar wird zur Traumfabrik.
Abschließende Meinung: Super. *hihi**schnüff**kicher*

Platz 6
Regie: Andrew Stanton (2003)

Pixar entthront Disney. Die Monster AG war magisch, Findet Nemo war pure Magie. Die Unterwasserlandschaften sind atemberaubend, Dorie ist schreiend komisch, ebenso wie die geistig leicht gestörte Aquariumsgang. Dass man den disneytypischen Blickwinkel etwas kippte und sich mehr auf den Vater konzentrierte, denn auf den verlorenen Sohn, war ein toller Twist, der sich bezahlt machte. Der überängstliche Clownfisch Marlin ist richtig liebenswert und seine dramatisch-komödiantische Reise durch den Ozean ist voller erinnerungswürdiger Episoden, die spannend oder skurril oder beides zugleich sein können. Stanton schuf in Findet Nemo eine dichte Atmosphäre und Thomas Newmans Score ist wahnsinnig wandlungsfähig. Er kann einen aufheitern, verzaubern, beängstigen oder sentimental machen - ebenso wie Marlins Suche nach seinem entführten Sohn.
Abschließende Meinung: Ein unvergessliches Meisterwerk, von dem ich nicht erwartete, dass Pixar es je toppen könnte.

Platz 5
Regie: Brad Bird (2004)

2004 lernte ich im Kino, was einige (selbsternannte) Filmwirtschaftsexperten noch immer begreifen müssen: Sage Pixar niemals, was sie nicht können. Denn sie können es sehr wohl. Der berühmte Teaser Trailer für Die Unglaublichen ließ mich nicht vermuten, dass Pixar erneut die Höhen von Die Monster AG oder gar Findet Nemo erreichen könnte. Der erste ausführliche Trailer dagegen sorgte dafür, dass ich mein Urteil korrigierte, was sich später bestätigen sollte: Brad Bird haute mit seiner liebevollen Superhelden-Hommage und -Dekonstruktion einen Film raus, wie man ihn unter dem Disney-Logo wohl kaum erwartete. Knallige, packende Action und wundervolle Gags wechselten sich mit einem erwachsen behandelten Familiendrama und einer tiefsinigen Abhandlung über das Anderssein ab. Eine versierte Inszenierung, hervorragende Sprecher und eine bestechende künstlerische Gestaltung sowie ein fetzig-nostalgischer Blechblas-Orchester-Score von Michael Giacchino machten Die Unglaublichen zu einem gleichermaßen unterhaltsamen wie intelligenten Actionstreifen für die ganze Familie.
Abschließende Meinung: Ein weiteres, unvergessliches Meisterwerk und der einzige Pixar-Film, von dem ich mir eine Fortsetzung wünsche.

Platz 4
Regie: Pete Docter (2009)

Oben ist irgendwie ein seltsamer Fall. Die frühen Pixar-Werke ernten von mir mehr Respekt als Sympathie. Und obwohl ich weiß, dass Cars mehr Respekt erhielte, wäre er kein Pixar-Rückschritt, denke ich, dass ich ihm gleicermaßen Respekt wie Sympathie zukommen lasse. Für Oben dagegen habe ich minimal weniger Respekt als Sympathie übrig. Es ist ein herausragender Film, doch manchmal erwische ich mich, dass ich denke "Mrmpf, Oben hätte ja schon besser sein können..." Allerdings ist dies meckern auf extrem hohem Niveau. Immerhin schlägt Oben unter'm Strich in meiner Gunst noch immer Die Unglaublichen, und der ist für mich ja bereits ein absolutes Meisterwerk. Oben vereint eine tolle Abenteuergeschichte und viel Witz mit sehr viel anspruchsvoller Symbolik und leichtfüßig sowie gleichermaßen angemessen behandelten, schweren Themen. Liebe, fehlgeleiteter Ehrgeiz, das Älterwerden und Tod werden in Oben unverblümt thematisiert und wer bei Oben weder Tränen der Trauer, noch Tränen der Rührung vergießt, der lämpft aus Prinzip mächtig dagegen an! Oben ist wunderschön und ergreifend... und lässt die Vermutung aufkommen, dass sich diese hinterhältigen Hunde bei Pixar von unseren Tränen ernähren!
Abschließende Meinung: Oben schickt den Zuschauer auf eine unvergleichliche Reise durch die Welt der Gefühle. Anspruch undLeichtherzigkeit werden meisterlich vereint und mit einem bunten Heliumballon versehen auf den Zuschauer losgelassen. (Zur ausführlichen Kritik: *klick*)

Platz 3
Regie: Lee Unkrich (2010)

Was für ein Kunststück: Die ersten beiden Toy Story-Filme krebsen in meiner Gunst am unteren Ende des Pixar-o-Meters herum, und trotzdem schwang sich Toy Story 3 auf einen Podestplatz auf. Denn endlich erhalten Woody, Buzz und Co eine emotionale, dramatische Geschichte in der sie agieren können und die ihrer gerecht wird. Denn so schwach ich die Toy Story-Filme im Vergleich zu anderen Pixarfilmen finde, die Spielzeugtruppe ist mir ans Herz gewachsen und gehört zu den liebenswürdigsten Figuren der Animationsgeschichte. Diesen Umstand macht sich Lee Unkrich in seinem Debüt als führender Regisseur eines Pixarfilms auch sehr zum Nutzen: Eine packendere und ergreifendere Geschichte als diese kann man mit Spielzeug unmöglich erzählen. Außerdem ist Toy Story 3 thematisch nicht weniger ambitioniert als andere Pixarfilme der letzten Jahre. Und dennoch ist Toy Story 3 herzerfrischend witzig. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die den ersten beiden Toy Story-Filmen einen logischen und würdigen, erwachsenen Abschluss gibt, ohne den Stil der Reihe zu verraten.
Abschließende Meinung: Fast schon verboten genial.

Platz 2
Regie: Brad Bird (2007)

Ein Kunstwerk, wie es im Buche steht. Ratatouille ist hinreißend charmant, der Protagonist unglaublich liebenswürdig und die gezeigten Bilder von atemberaubender Schönheit. Brad Bird zauberte eine ambitionierte Parabel über Kunst und Leidenschaft, voller authentischem französischen Flair und einer den Zuschauer umgarnenden Leichtfüßigkeit.
Abschließende Meinung: Kunst muss nicht unverständlich sein. Sie kann auch herzerwärmend und knuffig sein. (Zur ausführlichen Kritik: *klick*)

Platz 1
Regie: Andrew Stanton (2008)

Unbeschreiblich schön, ergreifend, vielschichtig und spaßig. Und trotzdem habe ich versucht, die Genialität WALL•Es in Worte zu fassen. Ich habe mir dabei die Finger verknotet: *klick*
Abschließende Meinung: Andrew Stantons Genregrenzen zerberstender Meilenstein ist das beste, was Pixar bislang in die Knos entließ.

Empfehlenswerte Artikel:

Zach Braff bereitet seine nächste Regiearbeit vor

Zach Braff ist nicht nur der Hauptdarsteller meiner Lieblingsserie (bei der er gelegentlich auch Regie führte), sondern auch der Autor, Regisseur und Hauptdarsteller eines meiner absoluten Lieblingsfilme: Garden State. Entsprechend gebannt warte ich seither auf seine zweite Kino-Regiearbeit.

Vor über einem Jahr kündigte er an, einen Film namens Swingles drehen zu wollen, eine romantische Komödie mit Cameron Diaz. Nach der Ankündigung wurde es still um das Projekt. Gegenüber TimeOut New York sagte Braff, dass er die Arbeit daran wieder aufgenommen hat und hofft, den Film bald verwirklichen zu können. Außerdem arbeite er wieder an einem eigenen Drehbuch, das mehr in den Bereich von Garden State geht. Allerdings sollten seine Fans mehr als nur solche Filme von ihm erwarten, da er nicht den Rest seines Lebens solche Filme drehen möchte und sich als Sprachrohr der Mitt-Zwanziger, dann der Mitt-Dreißiger und so weiter versuchen will.

Mir ist's Recht. Ein Film im Garden State ist doch schonmal was. Und Swingles... Mh... Ich vertraue Braff, aber jemand frischeres, unverbrauchteres in der weiblichen Hauptrolle wäre mir lieber. Diaz habe ich eigentlich über.

Trailer-Time: Zack Snyders "Sucker Punch"

Nach 300 und Watchmen gelüstet es dem überaus stylische Filme rauskloppendem Zack Snyder nach einem Projekt, das auf einer eigenen Idee basiert. Wie sein bisheriges Schaffen vermuten lässt, schreit sein Sucker Punch nicht gerade nach einem friedlichen Familienausflug ins Kino.

Der Film spielt in den 50er Jahren und handelt von einem Mädchen, dessen Stiefvater sie in eine psychiatrische Anstalt stecken lässt. Während sie auf die angedrohte Lobotomie wartet, flieht sie vor ihrem Schmerz in eine durchgedrehte Fantasiewelt, in der sie ihren großen Fluchtplan schmiedet, der den Diebstahl fünf Gegenstände erfordert, um rauszukommen, bevor sie von einem widerlichen Kerl entjungfert wird.

Yeah. Klingt nach Psychiatrie-Alltag für die ganze Familie, nicht wahr? Deshalb spielt auch Vanessa Hudgens vom High School Musical mit. Und so sieht das ganze aus:



Ich hatte etwas erwartet, dass in all seiner Abgedrehtheit noch immer eine stilistische Kohärenz bietet, ähnlich wie Watchmen. Deshalb bin ich ein wenig enttäuscht. Gespannt bleibe ich dennoch und ich werde mir Sucker Punch bestimmt ansehen. Mit einem großen Knaller rechne ich momentan aber nicht mehr.

Montag, 26. Juli 2010

Comic Con Nachwehe: Die 15 Most Wanted Geek-Filme

Mike Fleming, Co-Autor bei Nikki Finkes Hollywood-Insiderblog Deadline Hollywood, sprach im Rahmen der Comic Con mit Hollywood-Agenten, Autoren und Geschäftsführern über die großen Wünsche der Geek-Zielgruppe. Fleming erstellte auf Grundlage der Insideraussagen eine Liste der fünfzehn meist ersehnten, noch nicht auf wirklich festem Boden stehenden Projekte. Dies ist also keine Liste zum Thema "Welche der bald kommenden Filme erfreuen euch jetzt schon ganz besonders?", nein, dies sind die absoluten Wunschfilme der Geeks da draußen. Zumindest denken so die Hollywood-Insider.

1. Warcraft
2. Foundation
3. World War Z
4. At The Mountains of Madness
5. Halo
6. The Dark Tower
7. Bioshock
8. Gears of War
9. The Forge of God
10. Y: The Last Man
11. Sandman
12. Snow Crash
13. Mass Effect
14. Gates of Fire
15. Akira

Und unter den ehrenwerten Nennungen: Das Remake von Das schwarze Loch! Immer schön zu sehen, wenn dieser Film etwas Liebe bekommt!

Mehr Informationen findet ihr bei Deadline Hollywood.

Projekt Hörsturz - Die 25. Runde... Zeit für Cover!

Coverversionen. Die momentan von der Popkultur-Gesellschaft weniger schief angeblickten Remakes. So lange sich ein Cover nicht einfach durch drunter gelegte Beats vom Original unterscheidet, werden Cover meiner Beobachtung nach als Ausdrucksform von Interpreten akzeptiert. Wenn Künstler A Lied B von Künstler C mag, dann darf er ihm gerne seine Ehre erweisen, indem er dieses Lied seinem Stil anpasst.

Und um genau dieses Thema dreht sich alles in der 25. Ausgabe von Projekt Hörsturz.

Starstrukk von Marina & the Diamonds (Original von 3Oh!3)

Es berührt mich nicht und es hat keinen Wumms dahinter, aber der Akzent von Marina und die leicht gequälte Betonung haben im Zusammenspiel mit der sehr zarten Instrumentierung einen faszinierenden Effekt. Dieses Cover hat sehr viel mehr Seele als das anstrengende Original und zeigt, weshalb Coverversionen kein Übel sind. Denn ohne das miese Original gäbee s dieses nette Lied nicht.

3 von 5 Stilwechseln

Seven Nation Army von Nostalgia 77 (Original von White Stripes)

Seven Nation Army ist ein Lied, das ich sowieso nur recht gut fand, während linientreuere Alternative es unglaublich hypten. Dann wurde es ein Charterfolg, weshalb viele dem Song ihren Rücken zukehrten. Nett. Dann wurde es zu dem Stadion- und Menschenmassen-Dauerklopper. Wodurch es sich völlig überreizt hat. Das Cover von Nostalgia 77 hat nichts mehr mit dem Stadiongegröhle zu tun (gut), klimpert die berühmten Notenfolgen übermüdet runter (schlecht) und verfeinert das ganze mit einer kreischenden Soulstimme, die zu dick aufträgt (sehr schlecht).

1 von 5 "Da gehe ich lieber an einem Stadion vorbei"

'97 Bonnie & Clyde von Tori Amos (Original von Eminem)

Wenn ich nachts aus Versehen an MTV vorbeizappe, wenn Fist of Zen läuft, bekomme ich stets eine innere Krise und könnte irrational um mich schlagen. Wie die Kandidaten dort flüstern bringt mich jedes Mal auf die Palme. Der Zischton eines Flüsterns ist vorhanden, auch die durch das Hauchen erzeugte Kratzigkeit der Stimme, aber die Plosivlaute sind weiterhin laut und haben einen richtigen Hall hinter sich. Keine Ahnung, aber ich finde dieses Klangbeet scheußlich. Und genau so flüstert die Interpretin dieses Liedes. Mir kräuseln sich gerade die Zehennägel.

0,5 von 5 ungerechtfertigt harten Benotungen, denn so kunstvoll das auch sein mag, so sinnlich es für andere definitiv wirken könnte, bei mir trifft es die falschen Nerven.

Sweet Disposition von Ellie Goulding (Original von The Temper Tramp)

Das ist schnell bewertet: Schwaches Stimmchen und noch schwachere Melodie. Aber es schmerzt nicht.

1,5 von 5 Liedern, die plötzlich rum sind, ohne dass man gemerkt hat, dass es zwischendurch überhaupt anfing

Sweet Dreams von Marilyn Manson (Orignal von Eurythmics)

Ich sagte Mal, dass mir Marilyn Manson nur dann so richtig gefällt, wenn er covert. This is Halloween und Tainted Love finde ich wirklich klasse. Personal Jesus war ganz okay, aber das ist eine Ausnahme und nur in sehr geringen Dosen zu ertragen. Dieses Cover ist nicht so stark wie die beiden genannten, doch noch immer recht akzeptabel. Insofern ein weiterer Pluspunkt für Coverversionen: Wenn manche Interpreten ausschließlich Coverversionen aufnähmen, ich würde nichts vermissen.

3 von 5 Schreckgestalten

Und nun die Lieder, die nicht in die Endauswertung kommen. Im Schnelldurchlauf:

Sonntag, 25. Juli 2010

San Diego Comic Con: Weitere Dinge von (meinem) Interesse

Die San Diego Comic Con war voller reizender Meldungen. Da ich gerade nicht so in Stimmung bin, jedem Fitzelchen von einer News einen eigenen Post zu widmen, findet ihr hier ein Sammelsurium an Comic-Con-News, die mich besonders interessierten.

  • Red State:Kevin Smiths zappendüsterer Horrorfilm konnte endlich auf die Beine gestellt werden und vor kurzem erzählte Smith, dass er nun ein für ihn völlig neues Luxusproblem habe: Hollywoodlegenden stünden bei ihm Schlange, doch er wolle für den Film viel lieber Gesichter, die nicht völlig unbekannt sind, wirklich wiedererkennbare Namen sollen es aber auch nicht sein. Ein solches Gesicht hat er gefunden: Wer kein Rodriguez/Tarantino-Fan ist, wird wohl kaum von Michael Parks gehört haben. Laut Cinema Blend wird Parks deshalb in Red State zu sehen sein.
  • Superman: Diese Meldung ist nicht von der SDCC, aber von diesem Wochenende, von daher... The Playlist gießt Öl ins Feuer der Gerüchte darüber, dass Christopher Nolans Bruder Jonathen die Regie beim Superman-Reboot übernehmen könnte. Wenn er so Regie führt, wie er schreibt, dann freu ich mich!
  • Marvel: Das überaktive Comicstudio, das derzeit einen Film nach dem anderen raushaut, war natürlich ebenfalls auf der Comic Con anwesend. Katey und Eric von Cinema Blend fassen das Marvl-Panel zusammen:
  • Zack Snyders Sucker Punch: Carla Gugino, Emily Browning und Vanessa Hudgens in einem von Zack Snyder entwickelten Steampunk-50s-Action-Fest. Voll mit Ninjas, Robotern, Drachen, Zombies und Netzstrümpfen. Klang schon immer spaßig, und das ist es noch immer. Selbst nachdem Snyder andeutete, er hätte gern ein PG-13 für den Film, denn wenn die Orks in Herr der Ringe mit einem PG-13 abgeschlachtet werden dürfen, dann auch deutsche Zombiesoldaten (Quelle: Collider).
  • Noch mehr Tron Legacy: /Film machte sich die Mühe ein lesneswertes Transkript des Panels online zu stellen.
  • Drive Angry: Ist es Carmageddon - Der Film? Ist es Death Proof 2: Even More Death Proof? Nein, es ist ein neuer B-Movie-Type-Streifen mit Nicolas Cage! In Drive Angry 3D spielt Cage einen Mann, der Blutrache an den Entführern seiner Tochter geschworen hat. Es folgen "vehicular manslaughter" sowie Gewehrschüsse, Explosionen und jede Menge blutiger Matsch. Und ich dachte, Nicolas Cage will in seinen Filmen keine Gewalt mehr anwenden?

    Sieht zwar wirklich aus wie eine Mischung aus Death Proof und Ein Mann sieht rot, aber wenn der spaßfaktor die mangelnde Originalität aufwiegt, könnte es was werden.