Mittwoch, 9. Februar 2011

Die FFA-Zahlen 2010

Maximus auf den Spuren der verschollenen Kinogänger

Der deutsche Kinomarkt sieht sich in der Krise. Mehr denn je, und die Medien stimmten mit ein. Im Januar berichteten neben dem Spiegel auch zahlreiche Fernsehsendungen über das katastrophale Kinojahr 2010. Erstmals seit 1992 (als Die Schöne und das Biest mit 5,2 Millionen Besuchern der größte Kassenschlager des Jahres war), konnte das Kinojahr 2010 keinen Träger einer doppelten Goldenen Leinwand aufweisen. Oder etwas klarer gesprochen: Zum ersten Mal seit acht Jahren, scheiterte der erfolgreichste Film des Jahres daran, mehr als 6 Millionen Besucher zu generieren.

Die Klagen waren groß, laut, weitreichend. Die Schuld wurde überall gesucht. Raubkopierer. "König" Fußball, der Erzfeind guter Kinostatistiken. Überteuerte 3D-Tickets. Das Untergehen solch vermeintlich sicherer Publikumslieblinge wie Toy Story 3 oder Otto's Eleven.
Auf jeden Fall trug der Kinomarkt schwarz, und mit entsprechender Furcht wartete man auf die offiziellen FFA-Zahlen des Jahres 2010, der großen Auswertung der Kinostatistik.

Die gute Nachricht zu erst? 2010 sieht mit Blick auf die Spitze der Kinojahrescharts deutlich schwächer aus, als es war. Ganz so schlimm, wie befürchtet, war das vergangene Jahr dann doch nicht. 2010 war "bloß" das schlechteste Kinojahr seit 2007. Jedoch war das wiederum das schlechteste Kinojahr seit des sehr enttäuschenden Jahrgangs 1995.

Nun zu den schlechten Nachrichten, nämlich den nackten Fakten. Vergangenes Jahr wurden lediglich 126,6 Millionen Kinobesuche gezählt, was einen Rückgang von 13,5% oder 19,7 Millionen Besuchern bedeutet. Der durchschnittliche Deutsche ging 2010 also bloß 1,55 mal ins Kino. Könnte ich mir gar nicht vorstellen...

Aufgrund des dank 3D-Zuschläge auf 7,27 Euro gestiegenen Durschnitts-Eintrittspreises (eine Steigeurng um 9% gegenüber 2009), verlief das Jahr aus finanzieller Sicht weniger deprimierend. Der enorme Besucherrückgang konnte enorm abgefedert werden: Der Branchenumsatz sank lediglich von 976,1 Millionen Euro im Jahr 2009 auf  920,4 Millionen Euro (ein Minus von 5,7%). Pro Einwohner Deutschlands wurden also 11,26 Euro umgesetzt.

Wie stark sich im Jahr 1 nach Avatar der 3D-Markt entwickelte, verdeutlichen die von der FFA extra ausgewiesenen Besucherzahlen des 3D-Marktes: 18,4 Millionen 3D-Tickets wurden verkauft. Dies ist beinahe das Deifache des Vorjahres (6,9 Millionen Besucher für 3D-Vorführungen). Die Vorherrschaft des 3D tat natürlich nicht dem Kinosterben in kleineren Städten zu gute: Im Laufe des Jahres 2010 wurden 35 Kinosäle geschlossen und 22 Städte verloren in Folge dessen ihre letzte Kinostätte.

Die schlechteste Nachricht betraf allerdings den deutschen Film, der 2010 praktisch ausfiel: Die Besucherzahlen deutscher Filme halbierten sich beinahe von 39,9 auf 20,9 Millionen Kinogänger. Was fast deckungsgleich mit dem generellen Besucherminus 2010 ist.

Die Sir-Donnerbold-Zahlen

Nicht alles ist schlecht, was auf 2010 hört. Mein persönliches Kinojahr verlief rein statistisch erfolgreicher als jedes zuvor: 75 Kinogänge gingen allein auf mein Konto, was mich cineastisch 48,38 Deutsche schwer macht. Man muss allerdings natürlich einräumen, dass es mein erstes Jahr war, dass ich vollständig als Quotenmeter-Kritiker verbrachte. Dennoch, für jedes Mal, wenn ich mich für Quotenmeter in einen Film zwängen musste, gab es auch Fälle, in denen ich aus durch Quotenmeter beeinflussten Zeitmangel einen anderen Kinobesuch absagen musste. Insofern ist es Spekulation, wie oft ich in einem "arbeitslosen" Kinojahr 2010 ins Lichtspieltheater gegangen wäre.

Meine 75 Kinobesuche verteilten sich auf 10 verschiedene Kinos (eins weniger als im Vorjahr). Während 16 meiner Kinobesuche durfte ich mir eine 3D-Brille aufsetzen, ein weiterer neuer persönlicher Jahresrekord. Von der Snacktheke gibt's unterschiedliche Nachrichten. Ich aß wieder vielfältiger (1x Eis, ein paar Mal Nachos oder Popcorn), dafür sah meine Getränkewahl längst nicht so facettenreich wie 2009 aus (zig Mal Cola Light, 2x Bier, 1xFeuerzangenbowle, 1x Mezzo Mix). Interressiert das eigentlich irgendwen?

Der am häufigsten gesehene Film des Jahres war Rapunzel (5x, neuer Walt-Disney-Animation-Studios-Rekord), am vollsten besucht waren die Wiederaufführung von From Dusk Till Dawn und die Vorpremiere von Inception (jeweils praktisch ausverkauft).

Siehe auch:

6 Kommentare:

Steve hat gesagt…

Wo gibt es denn Feuerzangenbowle???

Sir Donnerbold hat gesagt…

Während der Feuerzangenbowle-Superdupersonderaufführung in der RWTH Aachen. Alljährliche Studententradition, auch für Studenten, die dort nicht studieren.

corny hat gesagt…

Was die Industrie aber auch gerne vergisst: 2010 war im allgemeinen ein recht uninteressantes Kinojahr. Ich gehe ja normalerweise gut ein mal im Monat ins Kino - letztes Jahr wars deutlich weniger - einfach weil nichts lief was mich jetzt interessiert hätte.
Gerade der deutsche Film war ja enttäuschend - außer Vincent will Meer fällt mir gerade keine Produktion ein die irgendwie interessant war (und vincent auch nur weil ich aus der Filmgegend herstamme)

Daher wundert mich auch nicht das die Besucherzahlen rückläufig sind - ausserdem kosten Blu-Rays inzwischen meist unter 10 € - wenn man zuzweit ins Kino geht lohnt sich das Heimkinoverfahren richtig - mit Full-HD Beamer und ner Popcornmaschine ;-)

Falls du mal in der Gegend rund um Erlangen sein solltest - biste herzlichst eingeladen :-)

Sunshine hat gesagt…

Hast du die Zahlen des Branchenumsatzes veratuscht? 920 Mio ist doch weniger als 976 Mio., sag ich jetzt mal ohne Mathe-LK gehabt zu haben.

Stimme corny im Grunde zu: Das Jahr war jetzt für den Durchschnittskinogänger allgemein nicht besonders anziehend, dazu noch die wegen 3D deutlich gestiegenen Preise. Und jep, der dt. Film hatte nicht viel zu bieten.

Warst du bisher nicht seltener im Kino als 75 Mal? ich würde ja fast wagen zu behaupten, dass du in einem "arbeitslosen" Jahr mit weniger Kinogängen weggekommen wärst. ;)

The Hirsch hat gesagt…

Ich bemühe mich auch ungefähr einmal im Monat ins Kino zu gehen, wobei das natürlich von der Filmauswahl abhängt.

Von einem Zuschauer-Rückgang merke ich in meinem Stammkino in Landau (zwischen Kaiserslautern und Karlsruhe) relativ wenig. Die Abendvorstellungen sind trotz überteuerter Preise nahezu immer ausverkauft und selbst zu ungünstigen Zeiten sind die Säle recht gut gefüllt.

Y hat gesagt…

Sack und Asche, 75 mal o.o

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