Montag, 21. März 2011

Filmwunschliste, Desperado-Style

Robert Rodriguez gehört offiziell zu den coolsten Säuen der Welt. Er dreht geniale Filme, macht dem größten Kochmuffel die Küchenarbeit schmackhaft, braut sein eigenes Bier, mischt Mariachi- mit Westernrock zu einer fantastischen Mischung und kommt in Interviews einfach ungeheuerlich sympatisch, lässig und kumpelhaft rüber. Sein einziges Problem: Er hat nicht genug Hände. Oder zu wenig Zeit. Er kündigt einen vielversprechenden Film nach dem anderen an. Und realisiert geschätzt 12% davon.

Sollte der gute Robert mal gerade Deutsch lernen, um seinen mannigfaltigen Talenten ein weiteres hinzuzufügen, und hier vorbeisurfen, dann möchte ich ihm einen Gefallen tun: Hier ist die Rangliste, in welcher Dringlichkeit seine (teilweise leider wohl nicht mehr geplanten) Projekte umgesetzt werden sollten. Von "juckt mich nicht" bis "her damit, sofort und auf der Stelle".

Platz 13: Feuer und Eis
Vor knapp einem Jahr gab dieses Robert-Rodriguez-Projekt sein erstes sowie bislang letztes Lebenszeichen: Eine Realfilmadaption von Ralph Bakshis und Franz Frazettas Animationsfilm Feuer und Eis (bzw. Fire and Ice). Der animierte Fantasystreifen war, ebenso wie Heavy Metal (dessen Remake seit Jahren von David Fincher und Gore Verbinski versprochen wird), Teil einer kurzen Animationsära, in der alles männlicher, härter und kerniger sein musste. Feuer und Eis gehört nicht gerade zu den Glanzstunden der Animationsgeschichte, doch das kurz nach Frazettas Tod angekündigte Remake könnte durchaus etwas werden. Als Kollaboration zwischen Bakshi und Rodriguez könnte sich ein gesunder Schuss Selbstironie einschleusen, und wenn Rodriguez' Feuer und Eis halb so genial wie Sin City wird, wäre das ja schon ein ordentliches Brett. Dennoch, meine Zweifel sind hier größer als beim Rest dieser Liste, und somit gibt's nur den undankbaren letzten Rang.

Platz 12: Die Jetsons
Im Juni 2009 gestand Robert Rodriguez an, dass er sich seit längerem wünscht, eine Realverfilmung der Hanna-Barbera-Trickserie Die Jetsons zu drehen. Bereits 2010 wolle er mit den Dreharbeiten beginnen, Fanboys-Autor Adam F. Goldberg hätte bereits ein Skript vorgelegt, welches Rodriguez überarbeitete. Schon im Februar 2010 verriet der Texaner, dass er das Interresse verloren habe. Kein großes Drama, mit dem richtigen Cast hätte es trotzdem großes Potential gehabt. Für ein Rodriguez-Kinderprojekt. Ich mochte die Jetsons als Kind recht gerne, und sie würden Rodriguez eine kohärentere Vorlage bieten als die Schnapsideen Hustensaftideen seiner Kinder.

Platz 11: The Home
Die jüngste Idee in dieser Hitliste, und ich bin mir sicher, sonderlich lang wird es nicht die neuste Idee von Robert Rodriguez bleiben: The Home soll ein übernatürlicher Horrorfilm mit Michelle Rodriguez werden, der in einem Pflegeheim spielt. Nach Alien-Horror mit Teenies nun also Geister-Grusel mit Rentnern? Salti werde ich ob dieses Projekts nicht schlagen, aber ich traue Rodriguez zu, dass er seit The Faculty noch etwas hinzulernte und einen Genrevertreter raushauen könnte, der mich mehr überzeugt als die übliche Kost. Und irgendwas finde ich an der Vorstellung einer Fliegerbrillen tragenden, kodderschnäuzigen und rumballernden Michelle Rodriguez in Mitten perplexer Rentner unheimlich komisch. Im guten Sinne.

Platz 10: Shorts 2
Das dürfte wohl der Film sein, den sich die wenigsten Rodriguez-Fans wünschen. Aber mir hat Das Geheimnis des Regenbogensteins (bzw. Shorts) recht gut gefallen. Statt vollkommenen Schwachfugs wie bei Sharkboy & Lavagirl lieferte Rodriguez mit seinem derzeit jüngsten Kinderfilm einen unbeschwerten, genüsslichen Familienspaß ab, der zwar von Grundschullogik vorangetrieben wurde, dafür jedoch mit genussvollen Darstellungen und ganz locker-flockigen Ideen unterhielt. Es wird wohl die Mehrheit sein, die ihren Willen bekommt: Zwar sind drei seiner vier größten Kinoerfolge Kinderfilme, Shorts  erlebte allerdings eine enttäuschende Kinoauswertung. Und schon stirbt die angekündigte Fortsetzung einen schnellen Tod.

Platz 9: The Insiders
2009 erwarben Robert Rodriguez und Jessica Alba gemeinschaftlich die Filmrechte an der französischen Comicreihe The Insiders über eine Undercoveragentin, die sich in Multi-Milliarden-Konzerne einschleust und deren korrupten Machenschaften auffliegen lässt. Im November 2009 wurde laut, dass Rodriguez bloß produzieren möchte, was schon so insoweit schade ist, als dass ich Alba unter Rodriguez' Regie bislang noch am akzeptabelsten fand. Aber fein, Action ist nicht das falscheste Genre für sie und wer weiß, wie stark sich Produzent Rodriguez in den Film einmischt, sollte er überhaupt jemals zu Stande kommen.

Platz 8: Madman
Und wieder eine Comic-Adaption: 2006 sicherte sich Dimension Films die Filmrechte an Madman, einer postmodernen Superhelden-Reinterpretation von Frankenstein. Als Autor wurde George Huang verpflichtet, der seither auch als kreativer Berater an Machete mitwirkte. Regie und Produktion sollten hingegen in der Hand von Robert Rodriguez liegen, der sich vornahm, den Comicschöpfer Michael Allred fest in die Filmarbeit einzubinden. Rodriguez traf sich sogar mit Allred, den er als unheimlich cool beschrieb. Vorangekommen ist Madman dennoch nicht.
Platz 7: Red Sonja
Herrje, nun wird's kompliziert: Rodriguez wollte die im Conan-Universum spielende Comic-Fantasyaction mit seiner Verlobten Rose McGowan in der Hauptrolle umsetzen und den Film auch als Vehikel nutzen, um seinem Vertrauten Douglas Aarniokoski die Zügel in die Hand zu geben, selbst wenn Rodriguez bei einigen Szenen Gastregie führen wird. Dann wurde die Produktion, trotz Comic-Con-Ankündigung, Teaserpostern und produzierten T-Shirts mit Red Sonja-Aufdruck, aus finanziellen Problemen verschoben. Dann wollte / sollte man auf das Conan-Reboot warten, McGowan hatte einen Unfall... Der aktuelle Stand ist offiziell verworren: Angeblich bleibt McGowan am Ball, sollte Conan ein Erfolg werden, Rodriguez sei aber definitiv raus. Oder nicht, oder doch, oder *murmel murmel*... Aber sprechen wir es aus: Leider wird das wohl nichts mehr.

Platz 6: Barbarella
Dieses Projekt ist sowas von tot, das ist kaum noch zu übertreffen. Aber das bedeutet ja nicht, dass man ihm hier nicht nachtrauern kann. Also: Barbarella war eines der großen Wunschprojekte von Rose McGowan und Robert Rodriguez, bis sich das Paar in die nicht unähnliche Comicvorlage der Red Sonja verguckte, der sie den Vorzug gab. Dann erhielt Rodriguez das Angebot, den Film in Deutschland zu produzieren. Das Budget, das man ihm zur Verfügung gestellt hätte: 70 Millionen Dollar, für Rodriguez eine unerhört hohe Summe. Aber Rodriguez wollte für das als Mischung aus "Star Wars und Heavy Metal" bezeichnete Projekt nicht so lange seine Familie alleine lassen. Und dann haben sich noch McGowan und Rodriguez getrennt. Autsch.


Platz 5: Machete Kills und Machete Kills Again / Machete... IN... SPAAAACE!!!
Machete war zwar nicht ganz so cool und abgedreht wie erhofft, trotzdem wusste mich Rodriguez' Mexploitation-Kracher zu überzeugen. Die Kinoeinnahmen waren gut für solch einen Streifen, aufgrund der hohen Erwartungen enttäuschten sie trotzdem. Laut Danny Trejo hat Rodriguez aber die Zeit gefunden, das Skript für eine Fortsetzung dahinzukritzeln. Ein hohes Budget und viel Zeit bräuchte Machete Kills auch nicht. Also, immer her damit. Und ob man sich an alte Versprechen hält oder lieber den in Presseinterviews geborenen Machete... IN... SPAAACE!!! verwirklicht, bleibt dann Rodriguez überlassen. Ich tendiere allerdings zur abgedrehteren Idee.

Platz 4: Deadpool
Deadpool, der brutale König der Illusionsbrüche, und der Guerilla-Krieger im Regisseurskörper? Eine fantastische Paarung, die sich 20th Century Fox im Juni letzten Jahres ausdachte! Schade nur, dass Rodriguez' Drehplan nicht mit Fox' Eile zusammenpasste, so dass diese Idee vorerst eine Idee bleibt. Doch, man soll die Hoffnung ja niemals aufgeben. Eigentlich. Trotzdem, macht euch nichts vor, Deadpool mit Rodriguez ist SEHR unwahrscheinlich. Leider leider, leider... Ach, ist sowieso alles scheiße, ey. Deadpool, schieß mal was Platz in Rodriguez' und Fox' Terminkalendar, ja? Danke.

Platz 3: Neverackers
Viel ist über diesen ominösen Film nicht bekannt, aber, verdammt, diese wenigen Infos machen mir den Mund wässrig. Robert Rodriguez beschrieb dieses Herzensprojekt als eine actionreiche Tex-Mex-Dystopie, eine Mischung aus Desperado und "Blade Runner auf Speed". In der Hauptrolle habe er einen bekannten Nicht-US-Amerikaner gecastet, aus terminlichen Gründen musste die Arbeit an diesem Film verschoben werden. Und das, obwohl Rodriguez schon stolz mit der Lederjacke des Protagonisten durch die Welt spazierte... Mh, ja, keine Ahnung, irgendwie will ich Neverackers unbedingt im Kino sehen. Also, Antonio Banderas (gib's zu, du bist der ungenannte Hauptdarsteller, wer sonst?), raff dich auf, radiere in deinem Terminplaner herum und hüpf für Roberts Kamera!


Platz 2: Robert Rodriguez' und Rose McGowans Frauenknast-Serie
Es wäre das Grindhouse-Projekt vor dem Fernsehgott geworden. Stylischer, selbstbewusster und -gewisser Trash vom Feinsten: Im Mai 2008 schwärmte man uns vor, dass Robert Rodriguez und Rose McGowan eine Schundserie ans US-Fernsehen losschlagen wollen, die sich an Frauengefängnis-Exploitationfilmen orientiert und von 5 Insassinnen eines Gefängnisses handelt. Die Serie sei mit blutigen Kämpfen und schmierigen Sequenzen überfüllt, von Prügeleien in Bars bis hin zu Schlammwrestling. Ihr wisst schon, Knastalltag.

Naja, es bestand eh nie Hoffnung, dass das an den Fernsehzensoren vorbeigekommen wäre...

Platz 1: Sin City 2 &3
Ach, seid ehrlich. Ihr wollt es doch auch!
Was wurde uns nicht alles versprochen: Neue Stories und Comicadaptionen, nahtlos ineinander verwoben. Johnny Depp. Angelina Jolie. Mehr kreative Freiheit für Rodriguez und Frank Miller. Gratis-Blowjobs für jeden Mann, der am Premierentag in Sin City-Verkleidung in eines der teilnehmenden Kinos schreitet, auf die Popcorn-Theke haut und nach der kleinen Nancy fragt! Sin City 2 war wohl eine der meistersehntesten Fortsetzungen überhaupt. Mittlerweile ist es ein Running Gag der Marke Duke Nukem Forever. Wir können also jegliche Hoffnung begraben.

Äh, Moment...

Soweit also meine Wunschliste der schärfsten bislang angekündigten und unverwirklichten Robert-Rodriguez-Filme. Ich schnapp mir nun einen Revoler, erschieße den einzigen ortsansässigen Ladenbesitzer, der wirklich guten Tequilla anbietet, koch mir ein leckeres Puerco Pibil, fahre dann mit meinem Chopper dahin, wo der Pfeffer wächst, leg die Plantagenbesitzerin flach, lasse mir zum Dank dafür zwei Säcke voll des besten Pfeffers der Welt schenken, tausch einen davon gegen eine mit güldenem Haar gesegnete Hure ein, stärke mich mit ein paar Frühstücks-Tacos und übe Rache an jenen, die meiner Lieblingsschlampe die Zunge rausgeschnitten haben. Danach bin ich wieder für euch da.

Empfehlenswerte Rides für echte Gringos:

3 Kommentare:

Sorkin hat gesagt…

"Gratis-Blowjobs für jeden Mann, der am Premierentag in Sin City-Verkleidung in eines der teilnehmenden Kinos schreitet, auf die Popcorn-Theke haut und nach der kleinen Nancy fragt!"
Ich werde das machen und mich notfalls auf dich berufen. ;)

Sonst natürlich eine Menge Arbeit für den lieben Herr Rodriguez. Der soll mal in die Hände spucken und sich ran machen!

Isosceles hat gesagt…

@Sorkin:
Und dann kommt der Filmvorführer händereibend aus dem Personalraum und sagt: "Na, dann legen wir mal los"
:P

Anonym hat gesagt…

@Isosceles
Blowjob ist Blowjob, ist doch egal wer jetzt den Penis im Mund hat. Hauptsache geil und gratis. *g*

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