Sonntag, 6. März 2011

Transformers

Michael Bay entzweit die Filmfans spätestens seit Armageddon (wurde seinerzeit immerhin der erfolgreichste Spielfilm der Walt Disney Company) in geifende Gegner und anerkennende Anhänger seines explosiven Schaffens. Hohl, unlogisch, ohrenbetäubend und augenblendend seien seine Filme - oder eben auf Hochglanz polierte Action mit hohem Spaßfaktor, beeindruckeneder Technik und dem gewissen Etwas. Während ich nicht gerade Fan der aus Klischees zusammengesetzten, Testosteron geladenen "Hirn-aus-und-staunen-wie-brutal-ein-Film-sein-kann"-Streifen bin, gehörte ich zu jenen, die Bay verteidigten. So lange er ein Bruckheimer-Zögling war. Denn unter (Pre-Piraten-)Bruckheimer geht es weniger um Brutalität als solche, sondern mehr um die erstaunliche Ästhtetik der Zerstörung. Bay beherrschte diese wie nur wenige andere. Seine Filme waren sicherlich nicht gerade Anlässe sich sein Hirn zu verrenken oder zu verstauchen, aber sie waren - auch wenn es Bays Gegner wohl nie wahr haben wollen - eben auch nicht die völlig stumpfsinnigen Actionfilme, die nur für im Kino gröhlende Jungs gemacht wurden. Bay stilisiert seine Filme auf eigene Art und Weise, er verleiht ihnen eine eigene Handschrift. Ob man diese nun mag oder nicht, man sollte sich zugestehen, dass die Regisseure der wirklich idiotischen Ballerfilme so etwas nie zu stande bringen würden. Zudem waren die frühen Bay-Filme, wenngleich selbstverständlich meilenweit von Charakterdramen entfernt, tatsächlich zu einem interessanten Grad figurengesteuert. Die Action geschah nicht, weil sie geschehen sollte, sondern weil sie schwer vermeidbar waren. Außerdem fehlte Bay der Voyeurismus anderer Actionregisseure, die "von oben herab" kritisiert werden. War es also doch der unverschähmte Erfolg des Schreihalses Bay, der ihm besonders große Kritik einbrachte?
 
Kommerziell zumindest hat Bay nach dem unter den Erwartungen laufenden Pearl Harbor und dem zu unrecht verschmähten Die Insel sein Mojo wiedergefunden. Die Kritiker dagegen schreien lauter auf denn je, nun auch mit meiner Hilfe. Denn mit Transformers verzettelte sich Bay gewaltig. Ich war ja schon von Anfang an höchst skeptisch. Der dem CGI eher abgeneigte Bay soll für Spielberg eine Hasbro-Spielzeug-Reihe verfilmen? Kann das gut gehen?  Spätestens der erste Trailer machte mir klar, dass mich Bay wohl erstmals richtig enttäuschen wird. Und vom zweiten Trailer an war ich mir sicher, dass ich ins Kino gehen werde... um zu sehen wie mies der Film nun ist. Einmal wollte ich einen Film aus dem Blickwinkel der Bay-Hasser betrachten. Und, selbst wenn ich Transformers im Sommer 2007 nicht hassen lernte, so habe ich ihn zumindest mit feurigem Eifer niedriggeschätzt. Dass Bay zwei Filme hinterherwerfen musste, statt sich endlich wieder anderem zu widmen, das hat mich dann so richtig gegen die Roboter-Klopp-Filme aufgebracht.

Zunächst einmal: Transformers ist meiner Meinung nach unheimlich öde! Die Bay-Figuren waren nie denkwürdig, jedoch genügten sie meinen Anforderungen an krawallige Blockbuster. Ich konnte genügend mitfiebern, um nicht vor dem Bildschirm oder der Leinwand zu sitzen und zu denken: "Mir doch egal, ob der entkommt, schneid mal zurück auf die Explosion! Geeeeil!" In Transformers hingegen, schienen die Figuren einer Bay-Parodie entsprungen. Ohne ihre Pointe mitzubringen.

Das größte Problem allerdings ist, dass der Film schrecklich unübersichtlich ist. Bay wurde stets ein zu hektischer "MTV-Videoclip"-Schnitt vorgeworfen, bei dem man den Überblick verlieren würde. Dies konnte ich nicht nachvollziehen. Der Schnitt war stets dynamisch und schnell, aber ich konnte immer sagen, wer was wo macht. Nicht so bei Transformers: In den Actionszenen (vor allem im Finale) hält die Kamera fast durchgehend ganz nah auf die gigantischen Roboter drauf - für wenige Sekunden, bis die Kamera auf einen anderen Roboter draufhält. Von ganz nah.  Man sieht Motoren rattern, Rädchen klappern und Ventile auf- und abgehen, aber nie, wer denn nun wen, wie verkloppt. So kommt einfach keine Spannung auf. Fast ebenso schlimm find ich, dass sich der Film kaum Mühe macht, mir als Transformers-unerfahrene Person die Roboteraliens nahe zu bringen: Die Riesenteile blieben (für mich) extrem farblos und vor allem gleichgültig. Sie waren zwar mitunter witzig, aber nicht witzig genug, als dass sie mir was bedeutet hätten. Einzig ein kleiner, trotteliger Vertreter der Bösen weckte mein Interesse - Frenzy.

Ansonsten war der Film knapp durchschnittlich - die Pointen trafen meistens, die Technik war (wie erhofft und von Bay gewohnt) erstklassig und der dramaturgische Aufbau lief gegen Ende endlich flüssig ab -zuvor war die zerstückelte Geschichte, zu sehr auf voneinander unabhängige Subplots verteilt.  Logik... naja, man kann mit Willen über einiges hinwegsehen, aber es war selbst für Bay manchmal zu viel des guten. Doch was nützt mir dies in einem Actionfilm, in dem mich die Kämpfe kein Stück interessieren?  Dabei sehe ich sogar über die schauspielerischen Probleme gerne hinweg: Jon Voigt durfte selbst bei einigen Bruckheimer-Produktionen mehr von dem zeigen, was er kann, Shia LaBeouf wirkt erschütternd unterfordert und Megan Fox dafür ordentlich überfordert. In einem Teenager-Actionfilm haben Frauen eh meistens keine anspruchsvollen Rollen, aber Frau Fox schlägt dennoch dem Faß der bodenlosen darstellerischen Fehlleistungen den Boden aus, indem sie den ganzen Film über nur einen einzelnen Gesichtsausdruck aufsetzt. Vergleicht man das mit Bruce Willis, Will Smith, Nicolas Cage und vor allem Sean Connery, die in Bays vorherigen Filmen wesentlich spielfreudiger waren, dann kann man nur den Kopf schütteln.

Da der Film sonst überall gelobhudelt wird gehe ich davon aus, dass alle Freunde des Films im Vorfeld wohl mehr mit den Transformers zu tun hatten, was dem Film möglicherweise ungemein gut tut.  Ich für meinen Teil dagegen verlange zwar dank des Humors und der sehr gelungenen Songauswahl (der Score dagegen war 08/15) mein Geld nicht zurück, möchte ihn trotzdem keinesfalls in meiner DVD-Sammlung begrüßen oder auch nur im TV wieder sehen. Die Fortsetzung habe ich mir auch sogleich gespart.

Ich hoffe weiter, dass Bay zu seinem Mentor Jerry Bruckheimer zurückkehrt und seine alte Frische wiederfindet. Vielleicht nach Transformers 3?

Anmerkung: Anlässlich der heute Abend ausgestrahlten, x-ten Wiederholung von Transformers auf ProSieben, habe ich beschlossen eine alte Filmkritik zu überarbeiten und hier zu veröffentlichen. Vielleicht kann ich somit ein, zwei Leute davon abhalten, einzuschalten...

2 Kommentare:

Sunshine hat gesagt…

Da weiß ich ja schon, was ich gleich gucken kann!

Quatsch, Spaß beiseite, ich hab selbst noch was zu schreiben, da lockt mich ein Bay-Schinken sicher nicht vor den Fernseher.

Ich hab Transformers nicht gesehen, Roboterkloppereien reizen mich eh eher selten, der Trailer ließ mich schulterzuckend zurück und dann hörte ich von noch wirreren Schnitten, als man es von Bay eh schon gewöhnt ist und sagte mir: "Nö, muss nicht sein."

Die TV-Serie habe ich glaube ich mal geschaut, als ich klein war - die Namen sagten mir zumindest was. *g* Und ich glaub, ich hatte auch so eine Transformersfigur. War aber immer mehr für "Saber Rider" oder so... Warum diese Filme so extrem erfolgreich sind, will sich mir einfach nicht erschließen. Da gibts doch bessere Rumkloppfilme; also, solche, in denen man erkennen kann, was eigentlich grade passiert (Spoonys Kritik zu Transformers 2 ist mit das Unterhaltsamste, was er je gemacht hat *g* Also, von seinen Kritiken...).

Bitte bitte, Sir D., wir wissen doch, warum Megan Fox in diesem Film so bejubelt wird: Wegen diesem einen Bild, in dem sie sich über die offene Motorhaube beugt. Das war glaub ich sogar eins der ersten Promobilder überhaupt, die veröffentlicht wurden... Und ich finde sie auf diesem Bild wirklich hübsch. Leider konnte sie nie mehr an diesen ersten Eindruck anknüpfen. *g*

qofaoken hat gesagt…

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