Montag, 22. August 2011

D23: Pixars Zukunft handelt von Dinosauriern und dem menschlichen Verstand


Manchmal kann man ja leider nicht so, wie man gerne könnte. In einer idealen Welt hätte ich einen Luxus-VIP-Presseausweis für die D23-Expo. In dieser Realität hatte leider nicht einmal die Gelegenheit, mich mit Blubberlutsch bewaffnet an den Computer zu pappen und live das Internet nach jedem Fitzelchen an Neuigkeiten von Disneys riesiger Messe der (ganz und gar verdienten!) Selbstbeweihräucherung zu durchforsten. Also denke ich mir: Wenn ich schon nicht topaktuell sein kann, dann wenigstens sorgfältig.

Deshalb werde ich euch (und mich selbst *g*) am Wochenbeginn nach der D23-Expo Stück für Stück über die wichtigsten Meldungen belehren. Was haben wir Nicht-Expobesucher verpasst, und was ist von den neusten Ankündigungen zu halten?

Beginnen möchte ich den D23-Rückblick mit Pixar. Nach Cars 2 ist die Traumfabrik aus Emeryville in tiefster Bringschuld. Zahlreiche zerbrochene Herzen gilt es zu kitten, und das nächstjährige, märchenhafte Abenteuer Brave (bzw. Merida - Legende der Highlands) sah bereits im ersten Teaser sehr gut aus. Konnte die Expo diesen Eindruck bestätigen?


Definitiv!
Sämtliche Berichte, die mir unter die Augen kamen, waren sich hinsichtlich Merida einig: Der Film verspricht großartiges. Pixars erstes Märchen entstand nicht ohne intensive Recherchereisen nach Schottland, und die dortigen Sagen wurden als klare Inspirationsquelle genommen, so dass der Film möglichst authentisch wie eine "echte" schottische Legende wirkt. Dennoch sei Merida ein durch und durch originelles Werk. So wird das für Schottland so typische blaue Irrlicht im Pixarmärchen eine große Rolle als "Wil-o'-the-wisp" eine zentrale Rolle spielen. Die Lichter haben die Fähigkeit, das Schicksal eines Menschen komplett zu verdrehen - sei es zum Guten oder zum unvermeidlichen Verderben.

Die Geschichte von Merida beginnt wie folgt: Der alternde König Fergus verlor bei einem nunmehr legendären Kampf gegen einen dämonischen Bären ein Bein. Nicht zu letzt deshalb ist er zwar nicht weiter in seiner Blütezeit, doch wenigstens respektieren ihn seine Untertanen. Seine Tochter Merida kommt ganz nach ihm, was Königin Elinor nicht zusagt. Sie will ihre Tochter endlich verheiratet sehen und beschließt, dass die drei noblen Lords Macintosh, Dingwall und MacGuffin stellvertretend für ihre Söhne um Meridas Hand kämpfen sollen. Aber Merida hat natürlich ihr eigenes Ding im Sinn: Sie lässt sich von einer Hexe von ihren adeligen Pflichten befreien...

Der Film soll ein epochales, dramatisches Abenteuerfeeling versprühen, aber auch mindestens ebenso märchenhaft-magisch und humorvoll sein. Klingt für mich nach der perfekten Disney-Mischung.

Man ging auch auf den Regiewechsel ein: Mark Andrews soll Brenda Chapmans Vision sehr treu bleiben, aber schlicht effektive arbeiten. Eine der gravierendsten Änderungen für den Film war, dass Chapman den Film im Schnee spielen lassen wollte, den auf hohem Pixar-Niveau umzusetzen eine gewaltige Herausforderung war, an der man zu scheitern drohte. Andrews änderte die Wetterlage des Films, wie /Film berichtet. Aber das bedeutet nicht, dass nun weniger Arbeit in die Hintergründe gesteckt wurde. Über 350 digitale Pinsel mussten allein für die Gestaltung der Felsen und das Moos in Merida entwickelt werden! Oh, und der Pizza Planet Truck wird im Film zu sehen sein! Nur halt besser versteckt, als etwa in WALL•E...

Mehr bei: ComingSoon, Cinema Blend,

Bildquelle: /Film

Kommen wir zu dem Film, der indirekt am meisten unter Cars 2 zu leiden hat: Die Erwartungshaltung an Monsters University, dem Prequel zu Die Monster AG, ist sicherlich nicht nur bei mir etwas eingesackt, seit Pixars "Fortsetzungen/Prequels kommen uns nur mit einer guten Story in die Tüte"-Mantra angezweifelt werden darf.

Die Story bleibt bei dem, was seit der offiziellen Ankündigung zu erwarten war: Der Film spielt 15 Jahre vor Die Monster AG und zeigt, wie die sich seit der Grundschule hassenden Monster Sully und Mike gemeinsam zur Uni gehen. Das sich in der Zukunft noch zu einem unschlagbaren Duo entwickelnde Zankpärchen kann sich deshalb nicht leiden, weil sie einander als Konkurrenten sehen. Schließlich wollen beide unbedingt Schrecker werden - und Schrecker sind in der Monsterwelt so hoch angesehen, wie bei uns etwa Astronauten. Die Ausbildungsplätze wiederum sind rar und heiß umkämpft...
Natürlich kommt es, wie es immer kommt: Die zwei verfeindeten Monster werden als Zimmerpartner eingeteilt. Der Startpunkt für jede Menge Lacher... so hoffen wir Zuschauer. Jedenfalls werden der Regisseur Dan Scanlon (Cars... keine Sorge, gemeint ist Teil 1!) und Sprecher Billy Crystal nicht müde zu betonen, dass es sich um einen waschechten College-Movie handelt. Nur im Pixar-Style.

Dies soll angeblich auch mit sich bringen, dass sich auch um das Innenleben unserer Monsterhelden gekümmert wird. Wie Scanlon bei der Präsentation des Films erklärte, wählte man bei Pixar ausgerechnet die College-Zeit von Mike und Sully als Anlaufpunkt für eine Rückkehr nach Monstropolis, da die College-Zeit (oder auch die späte Pubertät an sich - die Monster sind im Film ca. 18 Jahre alt) einen wichtigen Scheidepunkt in jedermanns Leben markiert, da man sich zwangsweise fragen muss, wer man überhaupt ist und was man vom Leben erwartet. Sofern dieser Ansatz richtig angepackt wird, kann Monsters University eigentlich unmöglich auf Cars 2-Niveau abrutschen...

Die Idee zum Film kam übrigens 2008 auf, und seither arbeitete man an der Story, dem Konzept und der Darstellung des College-Lebens. Davon hätten viele Pixar-Mitarbeiter ja keinen Schimmer: "Die meisten von uns gingen auf Kunst-Schulen und haben keine Ahnung, wie ein richtiges College ist", scherzte Scalon. Deshalb unternahm das Monsters University-Team, zu dem auch der begnadete Produktionsdesigner Ricky Nierva (Findet Nemo, Die Monster AG) und die Produzentin Kori Rae (Oben) gehören, eine Tour durch die wichtigsten US-Universitäten. Harvard und Berkley erwiesen sich als besonders einflussreiche Elemente, wie Expo-Besucher an den Konzeptbildern des Monster-Campus erkennen konnten. Dieser ist ebenso fantasievoll, wie die uns bislang bekannten Monstropolis-Ecken (von denen mindestens eine wiederkehren soll, auch wenn nicht verraten wurde, welche). So muss das Gebäude ja auf Monster unterschiedlichster Größen zugeschnitten sein, was zu sehr verrückten Treppenkonstruktionen führt.
Selbstverständlich mussten auch Mike und Sully neu gestaltet werden. Ihre jüngeren Ichs sind schlanker und kleiner. Sully hat weniger, aber längere und wuscheligere Haare (außer im etwas schlankeren Gesicht), Mikes Auge ist noch etwas größer, dafür sind seine Hörner weniger ausgebildet, ebenso wie seine "Altersflecken". Dafür ist sein Grünton saftiger. Und er hat eine Zahnspange, die entweder seine Zähne begradigen oder krümmen soll... Der Regisseur gab zu, selbst nicht zu wissen, wie Zahnspangen in Monstropolis funktionieren.

Neben Mike und Sully kehren auch Randell (gesprochen von Steve Buscemi) zurück, genauso wie George (der arme Kerl, der in Die Monster AG mehrfach widerwillig rasiert wird) und die störrische Bürokratin Roz. Dave Foley, Julia Sweeney, Joel Murray und Pixar-Animator Peter Sohn werden im Original als neue Monster zu hören. Selbstverständlich passen auch die Monster in typische College(film)cliquen: Die coolen, die Nerds, die Gothics... Ebenso sollen die Professoren im Film jeglichen Archetyp abdecken.

Klingt nach einem relativ unspektakulären, aber sicherlich spaßigen Pixar-Film. Vorfreude besteht, ist aber für einen Pixar noch vergleichsweise niedrig.

Mehr bei ComingSoon, Total Film, Pixar Times

Beste "Wir haben für unseren Film noch keinen Titel, brauchen für eine Präsentation aber dringend ein Logo, also... ähhh--- ach, was soll's, fi*kt euch!"-Titelkarte aller Zeiten!

Bildquelle: ComingSoon

Flashback ins Jahr 2009: Mehrere Pixar-Angestellte unternahmen eine Reise nach Südamerika, die sich darum gedreht haben soll, sich über Dinosaurier weiterzubilden. Darunter befand sich auch Bob Petersen, der Co-Regisseur von Oben und Co-Autor von Findet Nemo. Petersen ist von Dinosauriern fasziniert, seit er als Kind auf der New Yorker Weltausstellung im Jahre 1964 Walt Disneys nunmehr auf der Railroad-Strecke im kalifornischen Disneyland platzierten Dino-Animatronics bestaunte.
Da einige Making-of-Materialien zu Oben Petersen in Mitten einiger Konzeptzeichnungen zu einem Jungen und mehreren Dinosauriern zeigten, kam schnell die Theorie auf, dass Pixar an einem Dino-Film arbeite.

Und? Die Theorien wurden als wahr bestätigt! Produzent John Walker (Osmosis Jones, Die Unglaublichen, Ratatouille) wird Petersen bei seinem Debüt als Chef-Regisseur den Rücken stärken, einigen Meldungen zu Folge wird Peter Sohn (Regie bei Teilweise wolkig) als Co-Regisseur tätig sein.

Über den Inhalt des in den USA wahrscheinlich am 27. November 2013 startenden Films ist nicht nicht vieles bekannt. Doch es wurde verraten, dass die Grundfrage des Films folgende ist: Was wäre, wenn der schwere Nachfolgen mit sich ziehende Meteorideneinsturz auf die Erde nie geschehen wäre, und Dinosaurier deshalb nie ausgestorben wären?

Wie die Konzeptbilder erahnen lassen, werden in diesem Film Menschen und Dinosaurier koexistieren. Es steht aber weder ein Flintstones, noch ein Jurassic Park zu erwarten. Jedenfalls versicherte Petersen, dass sein Film keiner bisherigen Dinosaurer-Kinofantasie gleichen wird.


Für das letzte Pixar-Kinoprojekt bitte ich euch alle, auf diesen alten Beitrag zurückzugehen und euch Hans Zimmers Inception-Livekonzert anzuhören, während ihr euch den Rest über Pixars Ankündigungen auf der D23-Expo durchlest. Denn Pete Docters für das Jahr 2014 anvisierte Regiearbeit könnte in die Gefilde von Christopher Nolans Mammutwerk vordringen. Oder doch zu Pixars höchst eigenem Osmosis Jones werden.

Unter der Regie von Pete Docter und Co-Regisseur Ronnie del Carmen (Story von Findet NemoRatatouille und WALL•E, Produktionsdesign bei letzterem), produziert von Jonas Rivera (Oben) geleitet uns Pixar mit seinem geheimnisvollen Projekt in den menschlichen Verstand. Was auch immer das ganz bedeutet bedeutet, erfahren wir (oder eher: US-Kinogänger)  voraussichtlich am 30. Mai 2014.

Die "abenteuerlich ambitionierte" Geschichte handle unter anderem davon, wie und weshalb der Mensch etwas vergisst, während uns zum Beispiel manche Lieder ein Leben lang begleiten. Letztlich ging es aber hauptsächlich darum, wie sich Ideen formieren. Manche Quellen behaupten, Michael Arndt (Toy Story 3) wäre als Autor zum Projekt hinzugezogen worden.

Sicherlich werden viele diese groben Informationen nehmen, und Pixar ein Inception-Ripoff unterstellen, aber grob genug erzählt, haben sehr, sehr viele Filme auffällige Gemeinsamkeiten. Pete Docter arbeitet jedenfalls mindestens seit der Fertigstellung von Oben an diesem Projekt - damals wusste außerhalb des Ensembles und der Crew von Inception niemand, was Christopher Nolan mit seinem nach eigenen Angaben persönlichsten Projekt zu erzählen hat. Insofern geselle ich mich zur optimistischen Seite... Denn wenn ich mir so die bisherigen Fakten zusammenklaube, klingt diese Idee ungeheuerlich vielversprechend. Wäre es eine Andrew-Stanton-Regiearbeit, würde ich sogar schon WALL•E vorwarnen, dass seine Regentschaft als mein Pixar-Liebling eventuell bedroht werden könnte... Aber auch bei Pete Docter halte ich es für gut möglich, dass er seinen letzten Film übertrumpfen kann.

Mehr bei: io9, HeyUGuys, D23, Hero Complex, /Film, The Playlist, The Hollywood Reporter


Fazit: Mein Fanherz muss sich zwar weiterhin von Cars 2 erholen, doch die Abwesenheit von Toy Story 4 oder Cars 3 unter den Ankündigungen Pixars ist bereits Balsam für meine belastete Seele. Monsters University sieht sehr solide aus, auf Merida freue ich mich weiterhin enorm, Bob Petersens Dinosaurier-Film könnte sehr nett werden... und obwohl man über Pete Docters nächsten Film kaum etwas weiß, ist er auf meiner "Ich kann es nicht erwarten!"-Liste bereits ganz vorne mit dabei. Damit haben die Jungs aus Emeryville einen kleinen Vorsprung gegenüber dem ebenfalls sehr spannenden Disney-Lineup der nächsten Jahre. Pixar lebt - und Cars 2 wird sicherlich bald vergeben und vergessen.

3 Kommentare:

Jaguar D Sauro hat gesagt…

Bin ich der einzige, der sich beim Dinosaurier Film ein Jabba-Dabbah-Dooooh nicht ersparen kann? Wie kann man da nicht an die Flintstones in "Modern Times" denken. Aber gut: Ich liebe Dinosaurier (Kindheitshelden) und solange die Pixar Magie dahinter ist bin ich zufrieden.

Ich hoffe nebenbei das du den Rapunzel Disney Channel Special den Arsch aufreißt dafür, das es ein totaler Cash-In sein wird...

Dr-Lucius hat gesagt…

Zu den Dinos:
Wird das wie Dinotopia? Das Original-Bilderbuch war ganz gut.
http://www.youtube.com/watch?v=9VZdfBQENuU

Und zu den Dinos in Südamerika, wen es interessiert:
http://www.3sat.de/page/?source=/nano/news/114424/index.html
aus der Mediathek dort:
http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=12636
Na und ich erwarte mindestens solche Dino-Songs:
(aus der Sendung "American Dino", lol)
http://www.youtube.com/watch?v=iBzsCcu0IEQ&feature=related

Sunshine hat gesagt…

Die heißen nicht wirklich Macintosh und MacGuffin, oder? :D

Ist ja mindestens genauso gut wie Lord Blackwood and Lord Coward. *g*

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