Dienstag, 6. September 2011

Wie klaut man eine Million?


Yikes. Eigentlich wollte ich ja noch vor der arte-Ausstrahlung zur Prime Time meine Meinung zu dieser klassischen Kriminalkomödie mit Audrey Hepburn, Peter O'Toole und Hugh Griffith veröffentlichen. Doch frustrierenderweise hatte ich zu viel um die Ohren, weshalb treue Blogleser allein durch Georgs Erwähnung im vergangenen Quotenmeter-Podcast auf die Ausstrahlung hingewiesen wurden. Ärgerlich, ich weiß, aber das schöne an den Hepburn-Evergreens ist, dass man sie sich preisgünstig auf DVD nachholen kann - sollte man sie nicht bereits kennen.

Eigentlich würde ich nun denken "ach, jetzt ist auch zu spät für die Kritik". Aufgrunddessen, dass ich mehrfach gebeten werde, auch Klassiker zu besprechen, verwarf ich diesen Gedanken ganz schnell, um euch nun meine kompakte Meinung zu Wie klaut man eine Million? zu offenbaren.

Tja, spektakulär ist sie nun wirklich nicht. Viel eher ist es ein gesäuseltes "Hach, so Filme machen sie heutzutage gar nicht mehr..." - ein Urteil, das bereits mindestens so abgegriffen ist, wie der begeisterte Ausruf "AWESOME!" für jeden explosiven Film voller... ja, Explosionen. Und dennoch, es stimmt einfach.
Wie klaut man eine Million? ist eine herrlich charmante Verquickung von Kriminalkomödie und romantisch-zarten Screwball-Elementen. Das im Titel angegebene Verbrechen ist kein bleischwerer Raubüberfall, sondern ein schlichter, clever einzufädelnder Museumsraub. So lockere, unbeschwerte Kriminalkomödien gibt es in der modernen Filmlandschaft nicht mehr. Natürlich könnte man die Ocean's-Trilogie anbringen, die zwar sehr toll ist, jedoch mehr auf Coolness und Style setzt als dieses liebenswerte Komödchen.

Der in Paris lebende Kunstsammler Charles Bonnet (Hugh Griffith) genießt für seine private Kollektion bedeutender Kunstwerke großes Ansehen. Was aber bis auf seine Tochter Nicole (Audrey Hepburn) niemand weiß, ist dass er in Wahrheit einer der raffiniertesten Kunstfälscher der Welt ist, und er mit seinen täuschend echten Replikaten Unsummen an Geld scheffelt. Als er eine gefälschte Cellini-Statue dem Pariser Museum Kléber-Lafayette für eine seiner Ausstellungen überlässt, muss er einen Versicherungsvertrag unterschreiben. Dieser sieht jedoch auch vor, dass die Statue auf ihre Authentizität überprüft wird - der ganze Betrug droht, aufzufliegen. Rettung naht auf dem denkbar ungewöhnlichsten Weg: Nicole ertappt nachts den selbst ernannten Gentleman-Einbrecher Simon Dermott (Peter O'Toole), wie er versucht aus dem Bonnet-Anwesen einen (gefälschten) Van Gogh zu entwenden. Irgendwie stimmt die Chemie zwischen den beiden, und so beauftragt Nicole den diebischen Schönling, die Cellini-Statue rechtzeitig aus dem Museum zu entwenden.

Wie klaut man eine Million? ist sicherlich nicht der denkwürdigste Eintrag in der Filmographie von Regisseur William Wyler (Ben Hur von 1959), Drehbuchautor Harry Kurnitz (Zeugin der Anklage) oder den begnadeten Hauptdarstellern. Trotzdem ist es ein leichtherziger Wohlfühlfilm, der aufgrund der leichtfüßigen Inszenierung und dem höchst amüsanten, ja sogar recht geistreichen Drehbuch, für 123 durchweg vergnügliche Filmminuten sorgt. Ich würde glatt behaupten, dass Wie klaut man eine Million? durch sein Alter sogar erfrischender geworden ist. Nämlich wegen der zuvor angeschnittenen Beobachtung, dass solche Filme nicht mehr gemacht werden. Einen Tonfall wie ihn Wyler für diese Kriminal-Screwballkomödie anschlug, streben zeitgemäße Krimikomödien einfach nicht mehr an. Diese Grundidee würde heute sicherlich mit viel skurrilerem Witz umgesetzt - wogegen nichts zu sagen ist, bloß ist Skurrilität nicht mehr so skurril, wenn es auch keinen Gegenpol mehr gibt. Wie klaut man eine Million? nähert sich diesem Plot dagegen so bodenständig, wie man ihn halt erzählen kann, gewürzt mit dieser typischen süß-unschuldigen Grundstimmung, die hie und da durch ein paar keckere Wortwitze vorm Abrutschen in zu harmlose Gewässer bewahrt.

Das Zusammenspiel zwischen der so gut wie eh und je auftretenen Audrey Hepburn und Peter O'Toole als selbstbewusster Kavaliersschurken hält einen durchweg bei der Stange, und auch die Planung sowie Durchführung des Raubs ist sehr einfallsreich. Mein Star des Films bleibt aber Hugh Griffith, der genüsslich aufdreht. Allein schon die Gesichtszüge und das Haar-Styling seines Kunstfälschers lassen mich über beide Ohren grinsen.

Wie klaut man eine Million? könnte mit einem etwas gestraffteren Drehbuch (keine komplette Szene ist überflüssig, doch manches ließe sich gewiss schneller erzählen) einen Tick spannender sein, und wer seine Kriminalkomödien nur mit einer Prise Action mag, ist auch fehl am Platze. Aber wer eine altmodische (nicht veraltete!), wundervoll charmante Komödie zu schätzen weiß... naja, der kennt diesen Film sicherlich eh schon.

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