Freitag, 11. November 2011

Projekt Hörsturz - Die zweite Filmrunde

Ladys und Gentlemen! Liebe Kinder! Sir Donnerbolds Bagatellen präsentiert eine beetFreeQ Blogparade in Zusammenarbeit mit der Hörsturz-Blogosphäre: Projekt Hörsturz - Die zweite Filmrunde!

Lange ist es her, dass hier zuletzt eine Runde dieses großartigen Musikprojekts bewertet wurde. Zugegeben, ich wurde faul. Mehr als fünf Songs bewerten zu müssen wurde mir irgendwann zu viel. Aber bei meinem Lieblingsthema, Filmmusik, kann ich schlecht wegsehen. Oder gar weghören. Hier sind also elf (!) musikalische Werke, die in medialen Werken als Soundtrack zu hören waren und nun nach meiner Bewertung lechzen. Auf in den Kampf!


Moby — Extreme Ways (aus der Bourne-​​Trilogie) (von Kon­zert­held)
Ach ja, der gute Moby. Regelmäßig macht er einen Song, der mich richtig umhaut, meistens ist er mir aber schnurzpiepegal. In diesem Falle hat sich der Konzertheld einen Track ausgesucht, den ich an und für sich sehr gut finde, da er eine leicht grüblerische, aber auch eine gelassen vorausblickende Stimmung innehält. Nur ist das Lied länger, als es sein sollte. Über drei Minuten trägt die Moby-Monotonie in dieser Abmischung nicht. Somit 3 von 5 Geheimagenten, die James Bond in eine Sinnkrise stürzten.

Glen Han­sard and Mar­keta Irg­lova — When Your Mind’s Made Up (aus Once) (von JuliaL49)
Ich werde nun sicher ganz friedfertig von wollweich eingepackten Fäusten verprügelt, aber ich habe die Faszination, die Once auf viele ausübt, nie nachvollziehen können. Aber hey, ich gestehe mir wenigstens ein, dass dieser Musikfilm nie eine faire Chance bei mir hatte. Gebt mir einen verregneten Novemberabend in einer geräumigen Wohnung mit Kamin, einen in der Luft liegenden Pinienduft und ein treuseeliges Mädel, dass sich mit mir auf einem Sofa oder superflauschigen Sessel mit mir in eine Wolldecke einkuschelt, während dieser Film auf einem alten Röhrenfernseher vor sich hinflackert, und ich werde ihn mir mit neuen Augen ansehen. Versprochen.
Na super, nun bin ich deprimiert (nicht wirklich, nur klingt das nun so schön theatral) und habe vergessen, dieses Lied zu benoten. Öhm, ja, rein künstlerisch spitze, nur für mich zu strikt. Ich brauche bei ruhigen Liebesliedern noch diesen einen zusätzlichen Tick. Die Stimme von Glen Hansard zieht das Stück aber noch etwas höher, also gibt's  2,5 von 5 roten Schals.

Carla Gugino & Oscar Isaac — Love Is The Drug (aus Sucker Punch) (von David)
Ich finde es richtig, richtig schade, dass es Zack Snyder nicht gelungen ist, seine wirklich einvernehmende Vision von Sucker Punch richtig umzusetzen. Man merkt, was da sein sollte, was er schöpfen wollte. Aber nur, weil er was großartiges vorhatte, muss ich ihm nicht beliebig viele Sympathiepunkte geben. Es fehlte der richtige Knall in den Actionszenen und eine kohärentere Sogwirkung und Aussage in den restlichen Filmmomenten. Auf Blu-ray gibt es wenigstens wieder den von Snyder geplanten, stylischen Mittelfinger in Richtung der Gewaltjünger: Eine Musicaleinalge! Hossa! Da ist wohl jemand kurz in die Psyche von Rob Marshall eingedrungen, der hoffentlich in seinem (möglicherweise) nächsten Abenteuerfilm Jerry Bruckheimer über eine Showbühne in Tortuga gleiten lässt ...
Whatever. Anachronismus in (postmodernen) Musicalfilmen ist immer so eine Sache. Während ich etwa die MTV-Schnittarbeit in Nine mag, und ich an und für sich ein großer E-Gitarren-Freund bin (die Verwendung dieses Instruments kann meine Zuneigung für das Musical Elizabeth von "ja, toll" auf "superdupermördertoll" steigern), fände ich es bei diesem Lied besser, hätte man sich bei der Instrumentierung ein paar Jahrzente früher eingeordnet. Das Stück könnte einfach etwas schleimiger sein. Würde doch passen. Dennoch cool und wäre ein gern erlebter dritter Höhepunkt in der Kinofassung von Sucker Punch gewesen. Somit gibt's 3,5 von 5 Irrenhaus-Insassinnen.

Karen Mathe­son (Caper­cail­lie) — Ailein Duinn (aus Rob Roy) (von Michael)
Gae­li­sche Poesie mit minimalistischer Musikbegleitung. Gaelisch, irisch, schottisch, kann ich im richtigen Kontext alles gut hören - aber fast ausnahmslos nur, wenn es in die schnellere oder bombastischere Richtung geht. Das gehört nicht zu diesen Ausnahmen und deswegen muss ich leider 1 von 5 böhmischen Dörfern geben. Denn exakt das ist dieses Lied für mich.

Benoît Cha­rest & Béa­trice Boni­fassi — Bel­le­ville Rendez-​​vous (aus Les tri­plet­tes de Bel­le­ville) (von beam)
Sylvain Chomet sollte mehr Filme machen. Dieser Rücksturz in die 20er kann nichts anderes bekommen, als ohne größere Umschweife 5 von 5 lüsternen Zeichentrickmännern.

Dar­ren Korb — Set­ting Sail, Com­ing Home (aus Bas­tion) (von Kris­tin)
Ruhig, hypnotisch, etwas unspektakulär. 2,5 von 5 nicht sonderlich langen Bewertungen.

Hans Zim­mer feat. Rod­rigo y Gabriela — End Credits (aus Pira­tes of the Carib­bean — Fremde Gezei­ten) (mein Vorschlag)
Lahmer kann man die Abspannmusik wohl kaum betiteln. Böser Hans! Da kam der Abgabetermin wohl früher als erhofft, kann das sein? Umso tragischer, dass sich die dank Rodrigo y Gabriela mit Latino-Temperament gewürzte Abspannmusik zu Jack Sparrows derzeit aktuellstem Leinwandabenteuer so langsam zu meinem musikalischen Lieblings-Rausschmiss in der Pirates of the Caribbean-Saga hocharbeitet. Doch das Musikstück kann nichts für seinen Titel, also gibt's 5 von 5 Kompositionen, die viel eher It's a Pirate's Life for Me, savvy?! heißen sollten.

Tom Waits — God’s Away On Busi­ness (aus Woyzeck (Theater-​​Adaption von Robert Wil­son)) (von beet­FreeQ)
Wer weiß besser über die Geschäftsreisen Gottes bescheid, als der Teufel höchstpersönlich? Und der hat einen zigeunerhaft, verrückten, dezent albtraumhaften Jazz mitgebracht. Also der Teufel, nicht Gott. Waits könnte gerne etwas weniger pressen, ansonsten sehr einvernehmender Wahnsinn. 4,5 von 5 Melonen.

The Union Under­ground — Across the Nation (aus WWE RAW (2002−2006)) (von cimd­dwc)
Unabhängig von der Ursprungsquelle rockt und fetzt und drängt dieser Track wie es sich gehört. Hart, aber auch mit poppig-elektrischem Refrain, der das Adrenalin zum Kochen bringt. Wäre Sommer, würde dies auf meiner Lauf-Trackliste zum Trainieren landen. Naja, vielleicht höre ich es, wenn ich demnächst den Plätzchenteig verdrische ... So oder so: 5 von 5 verschwitzten Kerlen

Aeros­mith — I Don’t Want To Miss A Thing (aus Arma­ged­don) (von Nummer Neun)
Und zum zweiten Mal ein Musikstück aus einer Jerry-Bruckheimer-Produktion. Vielleicht sollte der gute Mann mal ein Musical produzieren, dann wird das auch was mit der Oscar-Nominierung in der Kategorie "Bester Film"! Das ist doch mal eine Idee: Ein 225 Millionen Dollar schweres Historiendrama mit anachronistisch fetziger Musik, das von Gore Verbinski und Rob Marshall in Gemeinschaftsarbeit wie eine Rockoper inszeniert wurde und in dem Michael Bay gigantische Feuerbälle erzeugen darf, vor denen der Chor ohne sich umzusehen in Zeitlupe gen Kamera latscht. So, und bevor ich euch den Rest meiner jüngsten Idee für eine Ausgabe von Popcorn & Rollenwechsel verrate, schnell zum eigentlichen Song: Pathetisch, kommerziell, rockig-kitschig - großartig. Das ist so eine dieser bombastischen Rockballaden, die einem ihre Gefühle aufzwingt. Nicht gerade subtil, jedoch mitreißend und überaus effektiv. Für die Live-Fassung gibt's einen kleinen Abzug. 4,5 von 5 Ben-Affleck-Witzen.

Hach, was war das schön, wieder wie in alten Zeiten einen Hörsturz der guten Sorte zu erleben. Und meinen Lesern hat das gewiss auch gefallen, oder? Oder? Ooooder? ... ... ... ... Na gut, plane ich Jerry Bruckheimers Oscar-Offensive in Zukunft halt wieder woanders!

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