Freitag, 30. September 2011

Future Shorts: When I Move

Vier Menschen erzählen, was ihnen Bewegung bedeutet, und was mit ihnen pyhsisch wie psychisch geschieht, wenn sie anhalten.


Finnland 2009. Regie & Kamera: Ville Salminen

Future Shorts: Mariachi!

Ein nervöser Herr ringt mit sich selbst, wie er seiner Traumfrau den Heiratsantrag stellen soll. Als alles schief geht, bleibt nur noch eins: Improvisieren auf Teufel komm raus!


UK 2009. Regie & Drehbuch: Phil Sansom & Olly Williams. Kamera: Florian Hoffmeister Choreographie: Pat Cesar Mit: Quinn Patrick, Naomi Reynolds, Salvador Jimenez Hernandez, Jerome Franc

I'm on a Boat

Die Überraschungen, die sich in den Packungen für Frühstücksflocken befinden, sind normalerweise recht lahm. Plastik-Sheriffsterne, Bastel-Actionfiguren, die nach dreimaligem Benutzen wieder kaputt gehen... Aber manchmal sind die Überraschungen schlichtweg umwerfend, atemberaubend, unvergleichlich und einmalig. So wie eben jene in diesem kleinen Filmchen...


USA 2008. Regie: Akiva Scaffer Musik & Text: Andy Samberg, Akiva Schaffer, Jorma Taccone, Wyshmaster, T-Pain Produzent: Wyshmaster Mit: Andy Samberg, Akiva Schaffer, Jorma Taccone und als Special Guest: T-Pain

Klar, ich weiß - das Filmchen ist einigen sicherlich längst altbekannt. Aber ich weiß auch, dass manche Leserinnen und Leser dieses Blogs nicht all zu bewandert in solchen US-Popkulturnummern sind, also soll diese Wissenslücke endlich geschlossen werden. Und wer dieses Video/diesen Song schon kennt, wird mir garantiert zustimmen, dass man nicht genug davon bekommen kann. Es ist zwar etwas schräg, dies im Rahmen des Kurzfilmtags zu posten, aber irgendeine Ausrede brauch ich ja, um die alte Kiste hier mal rauszuholen. Anlässlich des DVD- und Blu-ray-Starts von Fremde Gezeiten auch gar kein soooo mieses Timing... Zudem sehen fast alle Kurzfilmverleiher Musikvideos mit Handlung und/oder künstlerischem Anspruch auch als Kurzfilme an. Eins von beidem trifft auf dieses Video zu... *g*

I'm on a Boat ist einer der größten Erfolge der Comedytruppe The Lonley Island und wurde unter anderem für einen Grammy in der Kategorie Beste Rap-Kollaboration nominiert. Die Single erreichte in den USA Platin-Status.

Future Shorts: What's Virgin Mean?

Manchmal überraschen Kinder ihre Mütter mit kleinen Fragen, die große Antworten erfordern.


UK 2008: Regie & Drehbuch: Michael Davies. Mit: Kate Isitt und Rebecca Duffy

Siehe auch:

Tick Tock


UK 2011. Regie & Drehbuch: Ien Chi. Mit: Morgan Ayres, Maurice Wensell, Valee Gallant

Dieser aufwändige Studentenfilm gewann die Auszeichnungen für Beste Regie und Besten Film auf dem Campus MovieFest, dem weltgrößten Studentenfilm-Festival. Der Siegeszug zog sich fort: Er wurde auf mehreren Filmfestivals aufgeführt, war Teil der offiziellen Kurzfilmauswahl in Cannes und wurde im britischen Fernsehen ausgestrahlt. Ziemlich stolze Entlohnung für harte Arbeit: Tick Tock wurde in einem einzigen Take gedreht. Hut ab!

Fliegenpflicht für Quadratköpfe

Krude Trickanimation und nervige, amateurhafte Soundeffekte? Ja - die ersten paar Sekunden von Fliegenpflicht für Quadratköpfe siedeln die Zuschauererwartungen sehr weit unten an. Aber dann entfaltet sich unbeschwerter, frecher Einfallsreichtum.


Deutschland 2004. Regie, Drehbuch, Kamera & Schnitt: Stephan Müller. Musik: Bettie Serveert

When the Day Breaks

Walt Disney beherrscht(e) zwar die Oscar-Kategorie für den Besten animierten Kurzfilm, aber wenn es um Produktionen außerhalb der USA geht, hat das National Film Board of Canada mit sechs Siegen die Nase vorn. When the Day Breaks wurde zwar nur nominiert, hat dafür aber in Cannes den Kurzfilmpreis gewonnen. Ob die feinen Herren in Cannes guten Geschmack beweisen, oder mal wieder nur einen auf artsy-party gemacht haben... dürft ihr nun selbst entscheiden:


Kanada 1999. Regie & Schnitt: Amanda Forbis & Wendy Tilby. Geschichte: Wendy Tilby. Musik: Judith Gruber-Stitzer

When the Day Breaks imitiert mittels Fotos, die mit Bleistift und Farbe verfremdet wurden, die Visualität alter Lithographien und Wochenschauen, um einen optischen Fingerzeig zu geben, welch metaphysischen Blick auf die übersehenen Elemente des Alltags dieser Kurzfilm wirft. Denn wie die Künstler Forbis & Tilby pointiert referieren, sind es die ungeachteten Ordinaritäten unserer Gesellschaft, die uns alle miteinander verbinden - und so, wie viele simple Objekte dieses urbanen Lebens voneinander abhängig sind, sind auch die Individuen unserer Gesellschaft abhängig voneinander. Im erfreulichen, wie im unerfreulichen; Beeinflussung besteht durchwegs und ist so undurchschaubar, wie der einzelne Tag -welcher kraftvoll oder zerbrechlich enden kann.

Naja, oder es ist doch nur eine öde Stilübung mit Standardhandlung, in die sich alles hineininterpretieren lässt. Wasauchimmer...

Future Shorts: "Days Like This - Washing Hands"

Eine weiße Südafrikanerin besucht eine schwarze Messe.


Nordirland 2008. Regie: Joel Simon. Geschichte: Sara Templer. Animation: Kris Kelly.

Balance


Deutschland 1989. Regie & Animation: Christoph & Wolfgang Lauenstein

Als bester animierter Kurzfilm 1989 mit dem Oscar prämiert. Balance diente auf Anraten von Ted Elliott & Terry Rossio auch als Inspiration für das Finale von Das Vermächtnis des geheimen Buches. In einer etwas weniger nachdenklichen Spielweise, natürlich.

This Guy is Falling

Dieser surrealistisch angehauchte, zum Teil animierte Kurzfilm ist ein Studienprojekt von Michael Horowitz und Gareth Smith, die mittlerweile ihren Weg nach Hollywood gemacht haben. Horowitz schrieb 22 Episoden der viel gelobten TV-Serie Burn Notice, während Gareth Smith die rar gewordene Kunst origineller Titelsequenzen aufrecht erhält und unter anderem an Thank You For Smoking, Juno und Up in the Air (*Interview zu diesem Thema*) mitwirkte.

Smith selbst bezeichnet den auf zahlreichen Festival aufgeführten Kurzfilm This Guy Is Falling als "indie romantic-comedy-adventure-action-disaster short movie". Das allein ist schon Grund genug, ihn sich einmal anzuschauen!


USA 2000. Regie: Michael Horowitz & Gareth Smith. Drehbuch: Michael Horowitz. Mit: Tobb Giebenhain, Maria-Elena Laas

Die schiefe Bahn

Drei ehemalige Bahnbeamte planen einen Eisenbahnüberfall, um sich ihre mickrige Pension aufzustocken. Es entwickelt sich eine sarkastisch-liebevolle Geschichte über die Tücken der Deutschen Bahn - und die Zeiten, als verklärte Zugnostalgie noch der Wahrheit entsprach.


Deutschland 2008. Regie: Kathrin Albers & Jim Lacy. Drehbuch, Kulissenanimation & Kamera: Jim Lacy. Figurenanimation: Kathrin Albers

Tango for Jansö

Wenn euch der folgende Kurzfilm an Luxo jr. erinnert, dann kommt das nicht von ungefähr: Der Macher dieses Stop-Motion-Tricks ist Carlo Vogele, und er arbeitet seit 2008 für das Animationsstudio mit der hüpfenden Lampe im Logo. Er animierte große Teile des Toy Story-Kurzfilms Urlaub auf Hawaii und war auch an Toy Story 3 beteiligt.


Tango for Jansjo from Carlo Vogele on Vimeo.

USA 2011. Regie, Skript & Animation: Carlo Vogele. Stimmen von: Mava Cárdenas, Cédric Kennel. Song: Hernando's Hideway von Richard Adler & Jerry Ross

Grocery Day

Gefunden via Cartoon Brew: Der Student Tom Rainford lässt sich über den großen Wocheneinkauf aus - und beweist somit, dass wirklich alles durch stylische Animationen ungleich interessanter wird.


UK 2011. Regie, Skript & Animation: Tom Rainford

Siehe auch:

Future Shorts: "Tales of Mere Existence - How To Break Up With Your Girlfriend"

Der zeichnende Hobbyphilosoph Lev ist wieder zurück. Drei Filmchen meines letzten Kurzfilmtags entstammten seinem Stift, und auch heute mag ich nicht auf seine pointierten Beobachtungen verzichten. Viel Spaß!



Siehe auch:

One Minute Puberty

Vom kleinen Buben ohne Erfahrung zum haarigen Mann mit sexueller Vergangenheit: Die männliche Pubertät im Super-Zeitraffer.


Deutschland 2011. Regie, Skript & Animation: Alexander Gellner. Musik & Sound Design: Niklas Kröger.

One Minute Puberty ist (Teil) eine(r) Abschlussarbeit an der HTW Berlin. Gellner setzte seine Idee durch, obwohl Tricktechnik gar nicht an seiner Universität angeboten wird, weshalb er seinen Professoren versprechen musste, nicht auch noch um Ratschläge für die Animation zu betteln. Offensichtlich waren sie auch gar nicht nötig.

Siehe auch:

Future Shorts: Jojo In The Stars

Zeit für eine Trickfilm-Strecke am heutigen Kurzfilmtag, hier bei "Sir Donnerbolds Bagatellen". Den folgenden Kurzfilm habe ich durch das Projekt Future Shorts kennengelernt, als es vor einigen Jahren seinen ersten Halt in der Kaiserstadt Aachen machte.

Dieser britische Kurzfilm wurde durch den Song The Carny der Band Nick Cave and the Bad Seeds inspiriert der für den Regisseur von Jojo In The Stars "Zirkusmusik aus der Hölle mit einer wunderbaren Geschichte über Freaks, ihren sadistischen Besitzer und ein altes Pferd namens Kummer" verbindet


UK 2004. Regie & Drehbuch: Marc Craste

7:35 de la Mañana

Eine junge Frau betritt ein Café, nur um von allen Anwesenden ignoriert zu werden. Abgesehen von einem kuriosen Mann... Ein origineller, sehr amüsanter und schräger Kurzfilm mit einer Prise schwarzem Humor aus Spanien.


Spanien 2003. Regie & Drehbuch: Nacho Vigalondo. Musik: Fernando Velázquez. Mit: Marta Belenguer, Nacho Vigalondo

Two Cars, One Night



Neuseeland 2003. Regie & Drehbuch: Taika Waititi. Mit: Rangi Ngamoki & Hutini Waikato

Diese kurzen Momente, wenn man als Kind vollkommen unerwartet jemanden trifft, und in kurzer Zeit aus diesem Fremden jemand wird, den man nicht mehr vergisst. Sie sind magisch, und zurückblickend zeigt sich eine bittersüße Qualität an ihnen - gerade weil sie so flüchtig sind. Two Cars, One Night bildet so eine Begegnung ab und wurde 2005 als Bester Kurzfilm für einen Oscar nominiert. 2010 brach Regisseur & Autor Taika Waititi mit seinem Coming-of-Age-Drama Boy zahllose Rekorde. Mit über 7 Mio. Dollar Einspielergebnis ist er derzeit Neuseelands kommerziell erfolgreichster Kinofilm.

Quentin Tarantinos "My Best Friend's Birthday"

Mickey hat Geburtstag und wäre deswegen gerne bester Laune. Doch vor kurzem hat ihn seine Freundin verlassen, weshalb es an seinem besten Freund Clarence liegt, ihm einen unvergesslichen Geburtstag zu bereiten.
Das Regiedebüt eines gewissen Mannes namens Quentin Tarantino; ursprünglich als 70-minütiger Film geplant, jedoch ging der letzte Akt in einem Feuer während des Schneideprozess verloren.


USA 1987. Regie & Schnitt: Quentin Tarantino. Drehbuch: Quentin Tarantino & Craig Hamann. Kamera: Roger Avery u.a. Mit: Quentin Tarantino, Craig Hamann, Crystal Shaw

My Best Friend's Birthday basiert auf einem 1984 entworfenen, 30-40 Seiten umfassenden Drehbuch von Craig Hamann. Durch Tarantinos Involvement expandierte das Drehbuch auf 80 Seiten und wurde mit einem Budget von 5.000 Dollar sowie der Mithilfe einiger Arbeitskollegen verfilmt. Unter den helfenden Händen befand sich auch Roger Avery, damals gemeinsam mit Tarantino als Videothekar tätig und mittlerweile als Autor und Produzent in Hollywood tätig.

Tarantino selbst gesteht ein, dass dieser Film schlecht inszeniert ist, betrachtet ihn allerdings als seinen persönlichen Ersatz für den Besuch einer Filmschule. Teile des Dialogs adaptierte Tarantino in True Romance.

Future Shorts: Dermo Sluchaetsa

Eine kurze Vignette aus dem Leben eines russischen Soldaten zur Zeit des Zweiten Weltkriegs.


UK 2007. Regie: Rob Brown. Drehbuch: Justin Brown. Mit: Alberto Bona

The Lunch Date


USA 1990. Regie & Drehbuch: Adam Davidson Mit: Scotty Bloch, Clebert Ford, Paul Sarnoff.

Das Regiedebüt von Adam Davidson (Grey's Anatomy, Fringe) wurde mit der Goldenen Palme und dem Oscar für den besten Kurzfilm ausgezeichnet und ist Standardstoff für Filmunterricht in den USA.

The S From Hell

Es gibt viele schöne Filmstudio-Logos. Aber es gibt auch missratene Vertreter dieser kleinen Kunstform. Die Logos, die Kinder vom Fernseher verscheuchten. Ein Logo, das insbesondere in den USA berühmt-berüchtigt ist, Kinder zu verängstigen, ist das alte Screen Gems-Logo. Hiervon handelt diese Kurzdokumentation.


USA 2007. Regie: Robert Ascher

Modern Times


USA 2010. Regie & Drehbuch: Ben Craig. Kamera: Richard Mountney

Ben Craigs Modern Times löste in Hollywood zu Beginn dieses Jahres gewaltigen Tumult aus: Der Kurzfilm, den der schottische Werbedesigner von einem Artikel über das British Film Institute inspiriert im Studio des mit ihm befreundeten Kameramanns Richard Mountney drehte, begeisterte mit seiner professionellen Umsetzung zahlreiche Studiobosse. Nur eine Woche, nachdem Craig das Video online stellte, stapelten sich bei ihm plötzlich Angebote von Produktionshäusern und Studios wie Warner Bros., Fox und Paramount. Craigs Hollywood-Debüt soll manchen Brachenblättern zu Folge nicht lange auf sich warten lassen.

Future Shorts: Right Place

Die Geschichte eines Supermarktangestellten in Japan, der besessen davon ist, alles an den rechten Platz zu bringen.


Japan 2005. Regie: Kosai Sekine
2006 in Cannes als Bester Kurzfilm eines Nachwuchs-Regisseurs ausgezeichnet

Mittwoch, 28. September 2011

Gore Verbinski reist mit dem Dschungelbuch in die Zukunft


Frisch von Deadline Hollywood: Das Autorenduo Burk Sharpless & Matt Sazama, die das Drehbuch zur (neulich von Universal fallen gelassenen) Kino-Neuverfilmung von Cluedo mit Regisseur Gore Verbinski verfassten, haben erfolgreich ein neues Skript verkauft. Dabei handelt es sich um eine futuristische Neuerzählung des Klasskers Das Dschungelbuch und wird von Gore Verbinski produziert. Ob er auch die Regie übernimmt, ist bislang unbekannt.

Umgesetzt wird die kuriose Idee bei Chernin Entertainment, dem Produktionshaus hinter Terra Nova. Dieses überbot in einem heißen Rechtepoker die Disney-Studios, die ebenfalls Interesse an diesem Projekt hatten.

Seit Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt die Kinos verlassen hat, kündigte dessen Regisseur Gore Verbinski munter rund ein Dutzend an Projekten an. Bisher setzte er nur eines davon um - den Animationsfilm Rango. Ob diese Idee in die Sparte Rango fällt oder den selben Weg wie Cluedo, BioShock und Co. geht... tja, das weiß nur der Geier. Naja, vielleicht singt er uns mit seinen Freunden ein kleines Barbershop-Ständchen...

Ankündigung: Freitag ist der 2. Kurzfilmtag bei "Sir Donnerbolds Bagatellen"

Vollkommen egal, dass der 1. Kurzfilmtag hier im Blog längst nicht die von mir erhoffte Resonanz erhielt: Ich halte an diesem Konzept fest. Vor rund einem Jahr feierte ich mit dieser "Sonderprogrammierung" den von Disney groß umworbenen Tron Day (bzw. die Tron: Legacy-Night, wie Disney ihn hierzulande taufte), dieses Mal möchte ich damit hier im Blog das Ende meiner Ära als studentischer Blogger markieren.

Wenn denn alles gut geht. Jedenfalls ist am 30. September meine Bachelor-Abschlussarbeit fällig, und sofern ich nicht durchfalle, war's das mit "Ein Student und sein Blog". Mein Studium spielte hier ja auch soooo oft eine große Rolle... Naja, eigentlich ist es auch irrelevant, schließlich hat der Anlass überhaupt nichts mit dem eigentlichen Projekt zu tun. Ich möchte einfach mit geballter Wucht auf die wundervolle Kunstform des Kurzfilms aufmerksam machen und nutze dieses Datum als billiges Sprungbrett.

So oder so wünsche ich euch viel Spaß mit den Kurzfilmen, die ich euch ausgesucht habe. Es ist eine bunte Mischung aus Kunst und Spaß, Experiment und Unterhaltung, Musik, Realfilm und Animation. In der Nacht von Donnerstaf auf Freitag geht's bereits um 0:15 Uhr los - und dann wird einmal pro Stunde ein Kurzfilm gepostet.

Also packt euren Koffein-Vorrat zusammen, das wird ein langer Tag voller kurzer Filme!
Oder ihr schaut sie euch irgendwann Stück für Stück an...

Montag, 26. September 2011

Der Gestiefelte Kater ist: The Cat Your Cat Could Act Like

Manche Werbespots sollten dringend den Weg nach Deutschland finden. Etwa der den Verstand verdrehende Versuch von Old Spice, das eklige Altherren-Image loszuwerden. Der neue Old Spice-Kerl ist nämlich The Man Your Man Could Smell Like:



Der Spot prämierte vor einigen Jahren während einer Ausstrahlung von Lost, und wurde vom Fandom überaus euphorisch (und auch mit einer tüchtigen Dosis Ironie) als Teil des Inselkanons aufgenommen. Irgendwie passt der Irrsinn schon zur Serie... *nick*

Während die Muppets einen Film nach dem anderen parodieren, um auf ihren neusten Kinoausflug aufmerksam zu machen, nimmt sich der Gestiefelte Kater (modernen US-)Werbeklassikern an. Nun auch dem obigen Spot rund um den berühmten, kernigen Männerduft. Viel Spaß mit der schnurrenden Dreamworks-Parodie:



Edit:

Die Sesamstraße war übrigens schneller als Dreamworks...

Neues zu "The Green Hornet 2"


Im kühlen Januar überraschte die wilde Superheldenkomödie The Green Hornet mit Seth Rogen in der Hauptrolle und dem Cineasten-Liebling Michel Gondry auf dem Regiestuhl mit Einfallsreichtum, Selbstironie und spielerischer Inszenierung. Einige fanden ihn zu albern, doch ich fand es eine tolle Verquickung aus Seth Rogen, dem klassischen Motiv der maskierten Helden und französischer Komödienkunst. Von einer möglichen Fortsetzung war schon vor Kinostart die Rede, die Grundlage zum Drehbuch hätten Seth Rogen und sein Schreibpartner bereits in der Hinterhand.

Aber wie Collider neulich im Gespräch mit Seth Rogen erfuhr, sollten Fans von The Green Hornet keinesfalls vor lauter Vorfreude die Luft anhalten. In absehbarer Zeit werde es keine Fortsetzung geben, da Rogen momentan nicht an einem solchen Projekt interessiert ist. "Es macht viel mehr Spaß, günstigere, deutlich schmutzigere Filme zu machen", erklärte Rogen. Wie dem überraschend ehrlichen Audiokommentar auf der DVD/Blu-ray des Films zu entnehmen ist, waren die Dreharbeiten zu The Green Hornet sehr stressig, und das weltweite Einspielergebnis war, wenngleich keine Katastrophe, auch nicht denkwürdig. Kurzum: Auch wenn Seth Rogen kein definitives Ende seiner Green Hornet-Interpretation verkündete - praktisch gesehen ist dieses Kapitel bereits abgeschlossen. 

Schade - ich hätte gern einen zweiten Teil gesehen...

52 Songs #13: Stadt

Machen wir es kurz und knapp: Das 13. Thema, das Konna von der Gedankendeponie aus in die Blogosphäre geschrieen hat, ist Stadt. Ein Lied über eine Stadt, oder ein Lied, das uns an eine Stadt erinnert, darf's also sein. Und bevor ich auf eines der 312 Lieder über New York und Paris wähle (obwohl es darunter einige richtig gute gibt), gehe ich in den weniger besungenen Osten. Soll Rammstein doch was über Moskau zusammenschrammeln - ist eh ein gern übersehenes Lied von ihnen. Da kann es nicht schaden, wenn ich nochmal darauf aufmerksam mache.



Und für alle Freunde des gepflegten deutschen Popkulturguts gibt es an dieser Stelle selbstredend noch einen Link zu einem gewissen anderen Lied über Moskau.

Dass ich kein Lied über Baía gepostet habe, liegt übrigens daran, dass ich meine Lieblingsversion nicht online gefunden habe. So, alle treue Blogleser, die eh wissen, wovon ich hier gerade fasel, dürfen sich getätschelt fühlen.

Party-Popcorn und erfreulicher Rollenwechsel

Wie die Zeit doch verfliegt! Mittlerweile bin ich seit 100 Wochen Kino-Kolumnist für Quotenmeter.de, und mir macht diese Tätigkeit so viel Freude, wie am ersten Tag. So einen Meilenstein wie die 100. Ausgabe (*klick*) möchte ich selbstredend nicht unkommentiert vorbeiziehen lassen. Vor knapp einem Jahr nutzte ich das Erscheinen der 50. Ausgabe meiner Kolumne, um auf meine eigenen Favoriten unter all dem Geschreibsel zurückzublicken.

Dies möchte ich nun wiederholen, mit einem Überblick auf meine Lieblingsausgaben zwischen Woche 50 und Woche 100 meines Kolumnisten-Daseins. Versteht das bitte nicht als Selbstlobhudelei, sondern als schlichte Selbstreflexion. Es ist einem Schreiberling ja wohl gestattet, mit manchen seiner Erzeugnissen zufriedener zu sein, als mit anderen.

Wie auch immer, hier sind meine persönlichen Lieblingsausgaben des letzten knappen Jahrs Popcorn und Rollenwechsel:

Der digitale Bürger (1. November 2010)
Hach, was waren das für selige Zeiten, als ich noch träumerisch hoffen konnte, dass Tron: Legacy die Kino-Revolution wird, die uns James Cameron mit Avatar versprach (stattdessen erhielten wir mit Avatar einen technologischen und kommerziellen Meilenstein - auch irgendwie nett). Tja, Tron: Legacy wurde nur halb so gut, wie von mir erträumt, trotzdem ist es ein gelungener Film, der nicht nur viel mehr Erfolg verdient gehabt hätte, sondern auch wesentlich intelligenter ist, als seine harschen Kritiker eingestehen. Gewiss, er ist zugleich anspruchsloser, als er selbst gern sein möchte... Dessen ungeachtet gibt es ein paar Glanzmomente in ihm. Und einen davon habe ich in dieser Kolumne als Antwort auf die Tron Night zu analysieren versucht.

Die Postmoderne (15. November 2010)
Die Radio-Comedy Jimmy Breuer möchte unterhalten, indem sie nicht lustig ist. Im Grunde ist der Flachwitze erzählende Spacken (ja, das musste jetzt sein) eine uncharismatische, erzwungene und dämliche Variante von Fozzie Bär. Ich finde Jimmy Breuer unausstehlich. Zugleich liebe ich Filme wie Planet Terror und Machete - sie wollen gut sein, indem sie gezielt schlecht sind. Der gewollte Makel - was soll das, und warum funktioniert er bei dem einen, und beim anderen nicht?

Wie bei den Piraten (22. November 2010)
Keine Ahnung weshalb, aber irgendwie hatte ich im November 2010 einen richtigen Lauf. Keine Ahnung, ob diese Ausgaben auch beim Leser besonders gut ankamen, für mich selbst war es jedenfalls eine Phase, wo ich recht glücklich mit dem war, was ich so zusammenschrieb. Als im November Lost nach sechs Jahren auch für mich zu Ende ging (also, mein Satelliten-Gerät empfängt keine US-Sender, ich schau brav im deutschen TV), konnte ich mich endlich Hals über Kopf in die ewig lange Diskussion stürzen, weshalb das Ende der Serie denn nun so scheiße / geil / scheiße geil /durchwachsen gewesen sein soll. Und, hey, auf Anhieb sah ich Parallelen zum Gezeter, das nach Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt im Fandom entbrannte. Zeit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen!

Kinderalarm! (29. November 2010)
Ich rege mich ja gerne über unerzogene Kinder im Kino auf - einmal auf eine Art, wie ich sie nach Fertigstellung des Artikels lieber hier im Blog veröffentlichte, als bei Quotenmeter. Ein paar Monate später verspürte ich den Drang, mein Gemecker kolumnengerecht loszulassen. Daraus wurde dann die letzte November-Kolumne 2010.

Trickakzeptanz (13. Dezember 2010)
Nähkästchen-Geplauder: Wusstet ihr, dass diese Ausgabe meiner Kolumne in ihrer Rohfassung ungefähr doppelt so lang war, und eine Parodie meines eigenen Schreibstils, Thomas Manns und Michael Endes enthielt, sowie eine Passage, die an typische Tarantino-Dialoge angelehnt war? Dass wurde mir dann allerdings zu viel des Wahnwitzes, und ich stauchte sie in die jetzige Form zusammen. Nie war ich nach Veröffentlichung einer Ausgabe nervöser, als nach dieser. Ob so eine Art der Kolumne angebracht ist, soll jeder individuell entscheiden, ich bin jedenfalls glücklicher mit diesem Experiment, als ich es sonst mit ähnlichen Spielereien (außerhalb der Kolumne) bin.

Die Stimme macht den Charakter (20. Dezember 2010)
Meine Reaktion auf die Nachricht, dass Markus Off als deutsche Stimme Jack Sparrows ersetzt wird. Die am häufigsten gelesene Ausgabe meiner Kolumne. Und eine kleine Verneigung über eine Kunstform, die zwar auch danebengreifen kann und auf die ich manchmal bewusst verzichte, aber trotzdem mehr Beachtung verdient.

Quote oder Ehre? (24. Januar 2011)
Mit dem Titel bin ich unglücklich, jedoch müssen Kolumnen nunmal irgendwann raus, vorzugsweise pünktlich. Also blieb's dabei. Ganz daneben ist die Überschrift ja auch nicht. Ich stelle die Frage, was den Oscars wichtiger sein sollte: Die Quoten - oder die Ehrung derer, die es verdient haben. Denn so manche Kategorie, die "unsexy" ist, sollte eigentlich schon längst des alljährlichen Portfolios sein.

Lieblingsfilmpoker (7. März 2011)
Mit diesem Artikel habe ich mir selbst ein kleines Geschenk gemacht. Es ist nicht nur eine Mischung aus Motiven und Themen, mit der ich sehr zufrieden bin, sondern auch eine (hoffentlich) originelle Beschäftigung mit dem Thema "Lieblingsfilme". Ich habe nämlich die Beobachtung gemacht, dass mit der Frage nach dem Lieblingsfilm teilweise sehr boniert umgegangen wird. Und diese Feststellung wollte ich gerne auf eine kreative Weise vermitteln. Ich würde mir wünschen, dass es bei den Lesern ebenfalls so ankam. Denn müsste ich aus all meinen Kolumnen eine aussuchen, ich denke, dass ich diese Ausgabe wählen würde.

Die 3D-Vorstellung (4. April 2011)
Die Fortsetzung von Das Programmkino und Das Multiplex.Vor einer echten Fortsetzung scheue ich bislang... Wovon soll die auch schon groß handeln?

Inglourious Happynezz (9. Mai 2011)
Nähkästchen-Geplauder: Ich bin bis heute erstaunt, dass ich den Titel nicht in einem Edit-War zurückkorrigieren, oder zahlreiche mein Englisch verbessern wollende E-Mails beantworten musste. *g*
Diese Ausgabe ist ein erneuter Versuch, das Tagesgeschehen (die Liquidierung Osama bin Ladens) aus einem Blickwinkel zu beleuchten, der dem Rahmen meiner Kolumne gerecht wird. Mit der Hilfe von Inglourious Basterds.

Quo vadis, 3D? (13. Juni 2011)
Steht das 3D-Kino wieder vor dem Aus?

Ausgepottert (18. Juli 2011)
Selbst ich als amtlicher Nicht-Fan von Harry Potter kam wohl kaum drum herum, mich dem achten und letzten Film der Fantasy-Erfolgsreiche zu widmen. Er versetzte Kinobesucher, -betreiber und -kritiker dermaßen in Euphorie, dass auch ich mein Scherflein zum Thema beitragen musste. Mit einer Beichte, weshalb ich Potter nicht mag. Und einer Beichte gegenüber meinen Gleichgesinnten: Nur weil ich die Zauberwelt Rowlings nicht mag, heißt es nicht, dass ich die Filme hasse...

Deutschland, deine Filme (15. August 2011)
Deutsche Verleiher meckern über ein träges Publikum. Nun, es lässt sich zurückmeckern: Wieso sind die Filmschöpfer eigentlich so träge und bringen eh nur die immer gleichen Filmtypen heraus? Eine kleine, nicht bös gemeinte, Abrechnung mit dem deutschen Film.

Daueradaptionen (5. September 2011)
Wieso kommen manche Bücher eigentlich andauernd neu verfilmt ins Kino? Eine Frage, die ich zu beantworten versuche. Und weshalb kann ich eigentlich gut mit solch fehlgeleiteten Verfilmungen wie Paul W. S. Andersons Musketier-Streifen leben?

9/11 und das Kino (12. September 2011)
Nähkästchen-Geplauder: Ich hatte Material zu diesem Thema in der Hinterhand, habe mich allerdings erst am Morgend es 11. Septembers dazu entschlossen, es auch umzusetzen. Ich fand eigentlich, dass die Kolumne wieder nach etwas "tagesaktuellerem" aus dem Filmsektor verlangte ("X kündigt Film Y an"), nur kam die ganze Woche über nichts, was sich meinem Ansatz für "Popcorn und Rollenwechsel" anbiederte, also nahm ich das schwermütigere Thema. Wie veränderte der 11. September 2001 das Gesicht Hollywoods?

Das waren also die 15 Kolumnen der vergangenen 50 Wochen, mit denen ich am glücklichsten bin. Es ist eigentlich alles dabei, meinungsbildend, Filmwissen lexikalisierend, rumblödelnd. Artikel über Filme, Hollywood-Geschäfte und die Kinokultur. Ich möchte, sofern meine Leser mich lassen, diesen Mix gerne beibehalten. Mal sehen, wo mich die nächsten 50 so hintreiben...

Samstag, 24. September 2011

Good Scouts

War Micky Maus das "Über-Ich" des ewigen Träumers Walt Disney, lässt sich der ungeduldige, vom Pech verfolgte und cholerische Donald Duck als sein "Es" betrachten. Mit seinen zahllosen Abenteuern in bewegten Bildern und in den Comics unterhält Donald sei 1934 ungebrochen Kinder und Erwachsene gleichermaßen - ihm gelang es, er trat aus dem Schatten der Maus.

In dieser Artikelreihe seien die Cartoons vorgestellt, die Donald aus Sicht der Academy of Motion Picture Arts & Sciences in den Film-Olymp aufsteigen ließen. Dies sind die Filme, die dem Erpel eine Oscar-Nominierung einbrachten.
Dies ist Entengold.

Bleistift-Vorzeichnung zum Good Scouts-Kinoplakat (Bildquelle: Heritage Auctions)

1938 war Donald mit Abstand der unbestrittene Star der Walt Disney Studios. Micky Maus wurde längst zu einer zahmeren Persönlichkeit und benötigte in den meisten seiner Cartoons die Anwesenheit von Goofy und/oder Donald, um noch immer verwegene, komödiantische Abenteuer zu erleben. Weder Pluto, noch Goofy (beide vor Donald ins Disney-Universum eingeführt) verfügten über eine eigene, kontinuierliche Cartoon-Reihe und Disneys Kanon an abendfüllenden Zeichentrickfilmen beinhaltete zu diesem Zeitpunkt einen einzelnen Eintrag. Nicht so wie heute, wo Disney insbesondere für seine vielen abendfüllenden Meisterwerke bekannt ist.
Der Erpel befand sich also auf einem Popularitätshoch - aber das bedeutete nicht, dass sich die Disney-Künstler ausruhten. Zu dieser Zeit begehrte man studiointern einen Platz im Duck-Team, denn die Zeichner und Autoren rechneten den Cartoons Donald viel weitreichendere Möglichkeiten ein, als denen mit der Maus. Eine feste Formel für die Kurzfilme mit Donald gab es nicht. Mal war er der Störenfried, mal das zu bemitleidende Opfer, und wieder andere Male erfüllte er beide Rollen zugleich.

Einer der Männer, die versuchten, die Möglichkeiten Donalds auszureizen, war der erfahrene Trickzeichner Jack King. 1920 leitete er die damals populäre, nunmehr vergessene Stummfilm-Cartoonreihe Judge Rummy und fand am 17. Juni 1929 den Weg zu Disney, wo er zunächst als Zeichner (u.a. an Die drei kleinen Schweinchen) tätig war. 1933 folgte ein Intermezzo bei Warner Bros., King übernahm Verantwortung für die Filme um die Trick-Katze Beans und Schweinchen Dick - aber im April 1936 kehrte er zu Disney zurück. Er wurde als einer der Stamm-Regisseure für Donald Duck engagiert und startete seine Disney-Regiekarriere mit Modern Inventions, einem Cartoon, der von einer weiteren wichtigen Person in Donalds Karriere beeinflusst wurde: Carl Barks. Ursprünglich als Hintergrundzeichner zu Disney gekommen, fiel er schnell durch seine gelungenen Gag-Vorschläge auf (er erfand zum Beispiel den sprechenden Friseurstuhl aus Jack Kings Donald-Debüt) und wurde in die Story-Abteilung befördert, wo er hauptsächlich für Donald-Cartoons schrieb. Gemeinsam mit Jack King arbeitete Barks an Tick, Trick und Tracks Filmdebüt Donald's Nephews. Dieser zeigte Donald erstmals in der Rolle des vollkommen hilflosen und unschuldigen Opfers reinster Zerstörung, frei von seinem sprichwörtlichen Pech oder leicht reißendem Geduldsfaden. Donald war nur vier Jahre nach seinem Debüt in eine Erwachsenenrolle gewachsen und tauschte die Position mit jenen, die in seinen ersten Auftritten unter seinem Schabernack zu leiden hatten...


...aber Jack King und Carl Barks bewiesen noch im gleichen Jahr mit dem am 8. Juli erstveröffentlichten, zweiten Leinwandabenteuer von Donalds Neffen, wie flexibel ihr schnatternder Schützling ist:

Familie Duck wandert in einen Nationalpark, und Donald möchte seinen tüchtigen Pfadfinder-Neffen zeigen, wie sich ein waschechter Erpel beim Zelten im Wald zu schlagen hat. Der Unterricht beginnt mit der Lektion "Holz hacken", und da einer der Neffen einen mickrigen Strauch von einem Baum in Angriff nimmt, schiebt der eifrige Lehrmeister das Küken weg, um vorzuführen, wie er einen gewaltiger Baum fällt. Anders als sein Neffe übersieht Donald, dass das gewählte Exemplar versteinert ist - und belehren lässt sich Donald auch nicht. Schließlich hat der Anfänger zu schweigen, wenn der Meister handelt. Dies ist der Beginn einer Reihe von Trubel für Donald: Auch beim Zeltbauen feiert er sein Können voreilig, und als er daraufhin seinen Neffen einen Streich spielen will indem er eine Verletzung vortäuscht, wird er von den fürsorglichen Jung-Pfadfindern vollbandagiert. Blind durch die Natur stolpernd, ist Donald ganz seinem üblichen Glück ausgeliefert. Oder anders gesagt: Sein Pech liefert ihn der rauen Wildnis aus.

Für den Pechvogel und Choleriker vom Dienst bedeutete der so unscheinbare Cartoon einen unerwartet großen Schritt: In Good Scouts steigt Donald vom überforderten Kurzzeit-Aufpasser Tick, Trick und Tracks zu einer Autoritätsfigur auf: Als Anführer eines aus seinen Neffen bestehenden Pfadfinder-Trupps zeigt sich Donald in einer gänzlich neuen Position, und dieses Mal hat er nicht mit dem Widerstand seiner Schützlinge zu kämpfen. Dies gibt Donald eine ihm zuvor fremde Fallhöhe, denn auch wenn er als Figur gewachsen ist, knallt noch immer (im Gegensatz zu Donald's Nephews) voll und ganz sein klassischer Charakter durch. Er überschätzt seine Fähigkeiten gewaltig, ist furchtbar störrisch und das Glück ist ihm auch nicht gerade hold, wie gesamte Schlusspassage mit dem Geysir vorführt. Die Missgeschicke Donalds beruhen also sowohl auf eine ihm widrige Umgebung, als auch auf den Schwächen seiner selbst. Damit bedient er ein breites komödiantisches Feld, zeigt aber einen definierten Charakter, der sich gegenüber früheren Auftritten entwickelte, ohne ihn zu zähmen. Etwas, das den Disney-Machern mit Micky Maus nicht gelang.


Ich wäre gewiss überrascht, wenn die Academy of Motion Picture Arts & Sciences aus den genannten Gründen Good Scouts als ersten Donald-Cartoon in der Kategorie "Bester animierter Trickfilm" nominiert hat. Es ist letztlich doch sehr unwahrscheinlich, dass sich die Verantwortlichen jeweils hingesetzt haben und dachten: "Also, dieser Donald... Der macht sich seit vier Jahren so gut - und ist seither kein bisschen langweilig geworden. Und jetzt haben die bei Disney was ganz neues mit ihm gemacht. Aber anders, als bei anderen Cartoonfiguren üblich, fühlt es sich noch immer echt nach Donald an! So - ich nominier Good Scouts für den Oscar, das mach ich!"

Was exakt ausschlaggebend für die Oscar-Nominierung war, lässt sich selbstverständlich nur mutmaßen - schließlich veröffentlicht Academy keine umfassenden, offiziellen Statements zu jeder vereinzelten Nominierung. Meine Mutmaßung ist wohl, dass Good Scouts schlichtweg durch die rundum charmante und gelungene Umsetzung bestsach - und noch heute damit zu unterhalten weiß. Die Gags selbst waren schon damals keine Revolution, und rückblickend sind es fast schon Standardeinfälle. Donald will prahlen, scheitert aber anhand Unachtsamkeiten. Donald will sich durch einen Scherz Aufmerksamkeit ergaunern, wird danach überfürsorglich verartztet. Und auch mein Lieblings-Witz in Good Scouts ist dank Sitcoms und Sketch-Shows zu einer Konvention geworden: Mit lieblichem Blick und (für seine Verhältnisse) säuselnder Stimme versucht er, mit Schmeichelein einen übel gelaunten Bären zu besänftigen (schon im Folgejahr versucht Micky ähnliches - und es sieht nur halb so knuffig und witzig aus). Als wäre das Tier für schöne Augen empfänglich. Nun, wie abgegriffen diese Pointen heute sind, ist ja nicht die Schuld dieses Cartoons - aber weshalb er noch immer unterhält, zeigt auf, wie stark seine damaligen Qualitäten waren.

Zunächst stimmt einfach immer das Timing: Nie wird ein Gag zu lange hinausgezögert oder überreizt, nie kommt die Kette an Missgeschicken zu einem zähen Halt, zugleich wird das Geschehen auch nicht absurd schnell runtergehechelt. Es kommt alles in einem realistischen Tempo - Good Scouts ist im wahren Leben schwer denkbar, aber das Timing lässt ihn sehr echt wirken. Würden die Physik, die Biologie und der Zufall mitspielen, wäre es auf einmal genau so denkbar. Das macht den Cartoon, oder eher Donald, so echt und so menschlich. Die wohl prägendste Eigenschaft von Good Scouts ist eng damit verknüpft: Nicht nur die Fehltritte Donalds (einen versteinerten Baum fällen wollen, eine strunzdämliche Zeltkonstruktion bauen, in einem Geysir stecken bleiben...) sollen witzig sein, sondern auch die Reaktionen darauf.

Durch den gesamten, sehr gut gezeichneten Cartoon hinweg zeigen Donald und die Neffe in Mimik und Gestik unverzögert, wie sich das Geschehene auf sie auswirkt - und darin liegt die Güte dieses Cartoons. Eine solche Kette an Unfällen könnten sich viele Zeichenstudios ausmalen, doch das Donald-Team der späten 30er wusste, sie ansprechend umzusetzen. Nicht zu seicht und auch nicht mean spirited - sondern im perfekten Mittelfeld, so dass man unseren angeberischen Protagonisten weder verurteilt, noch Gewissensbisse vekommt, über ihn zu lachen. Auffällig ist, in dieser Beziehung, wohl auch, dass der Choleriker in Good Scouts kein einziges Mal vor Wut überkocht.

Stattdessen gaben die Zeichner ihm mit spitzem Bleistift viele andere, pointierte Mienenzüge mit: Donalds Gesichtsausdrücke, wenn er sich wieder einmal selbst überschätzt, einen Bären zu bezierzen versucht (und ganz genau weiß, wie absurd die Idee ist) oder wenn er realisiert, in welch großer Patsche er nun sitzt, sind einfach Gold wert. Oder nunmal eine Oscar-Nominierung.


Das Oscar-Feld für den besten animierten Kurzfilm 1938 war ein bis dahin beispielloser Triumphzug für die Walt Disney Studios: Erstmals wurden fünf statt drei Cartoons nominiert, und prompt füllte Disney vier dieser Slots. Good Scouts trat zum einen ironischerweise gegen Brave Little Tailor an, einer ambitionierten und kostspieligen Nacherzählung des Märchens Das tapfere Schneiderlein. Während Donald in Good Scouts eher subtil in eine neue Position geführt wurde, war Brave Little Tailor der engagierte Versuch, den nunmehr an den Rand gedrängten Micky wieder relevant zu gestalten. Der Zahn der Zeit war äußerst freundlich zu diesem Kurzfilm: 1994 wurde er in einer durch den Animations-Historiker Jerry Beck geleiteten Umfrage von Trickexperten auf Platz 26 der großartigsten Cartoons gewählt.

Außerdem nominiert wurde Mother Goose Goes Hollywood, in welchem Donald einen kurzen Cameo-Auftritt hat. Die Parodie auf die Mother Goose-Kinderreime ist mit Karikaturen damaliger Hollywood-Berümtheiten gespickt und nimmt sogar den MGM-Löwen auf's Korn. Regie führte Wilfried Jackson, der zuvor schon The Tortoise and the Hare und The Old Mill verantwortete und später das finale Segment von Fantasia auf die Leinwand brachte.

Der letzte nominierte Disney-Cartoon war Ferdinand the Bull, der überaus beliebte Kurzfilm über einen friedfertigen Stier, der sich zu kämpfen weigert. Dieser Klassiker des Zeichentrickmediums war es auch, der mit dem Oscar prämiert wurde. Und - wenn ich es an dieser Stelle anmerken darf - auch gänzlich zu recht.

Der einzige nominierte Non-Disney-Cartoon war Hunky and Spunky, produziert von Disneys altem Rivalen Max Fleischer, dessen jüngerer Bruder Dave Regie führte. Der im Wilden Westen angesiedelte Cartoon handelt von einer Eselsmutter und ihrem Sohn Spunky, den Mama Hunky davor zu bewahren versucht, als Arbeitstier zu enden. Der Cartoon war der Beginn einer sechs weitere Filme umfassenden Reihe über das Mutter-Sohn-Gespann.


Welche weiterreichende Relevanz hat Good Scouts denn für seinen Star? Zunächst ist es offensichtlich, dass die Köpfe hinter Good Scouts erkannten, mit diesem Cartoon etwas richtig gemacht zu haben. Die Dynamik zwischen Donald und Tick, Trick & Track sollte von nun an viel eher Good Scouts ähneln, als dem Debüt der Neffen - auch wenn sie sich in späteren Filmen durchaus wieder kleine Frechheiten erlauben, sind sie nicht mehr solch schlimme Finger wie in Donald's Nephews. Außerdem erhielt Good Scouts so etwas wie eine thematische Fortsetzung: Den maritimen Kurzfilm Sea Scouts, in welchem sich Donald als Kommodor statt Pfadfinder-Gruppenleiter versucht. Als Oscar-nominierter Cartoon schaffte es Good Scouts (zusammen mit seinem geistigen Nachfolger) 1984 auch in die Reihe der Sonder-Briefmarken, die in Bhutan zu Ehren von Donalds 50. Geburtstag herausgegeben wurden.

Und man kommt wohl nicht drumherum, an dieser Stelle auch darauf einzugehen, dass dies nicht Tick, Trick und Tracks einziges Auftreten als Pfadfinder ist. 1951 griff Carl Barks, mittlerweile erfahrener Comic-Zeichner/-Autor und in dieser Funktion der geistige Vater des einzigartigen Entenhausen-Kosmos, die Idee erneut auf, indem er das Fähnlein Fieselschweif erfand, zu dessen fleißigen Mitglieder auch Tick, Trick & Track gehören. Ihr pfadfinderisches Können zeichnete sich (zweifelsohne eher zufällig) schon in Good Scouts ab - kaum ist es Donald nicht weiter möglich, sie mit seinen Lektionen aufzuhalten, sieht das Camp der Ducks überaus vorbildlich aus. Aber auch auf anderem Wege schaffte es Good Scouts in die Comic-Welt: Der niederländische Donald-Zeichner Jules Coenen setzte die Geschichte 1979 als Comic um (die dt. Veröffentlichung folgte 1995 in Super Sommer Spaß #1). Als Hinweis auf den Ursprung zeigte er das Pfadfinder-Abenteuer als Urlaubsfilm, den sich Donald un die Neffen anschauen.

Bis zu Donalds zweiter Oscar-Nominierung sollten wiederum noch drei Jahre vergehen. Dann fand er mit Truant Officer Donald, seinem achten gemeinsamen Cartoon mit Tick, Trick und Track (Mini-Auftritte in Micky-Filmen nicht mitgezählt), erneute Anerkennung von der Academy. Mehr dazu gibt es in der nächsten Ausgabe von Entengold.

Freitag, 23. September 2011

Trailer für "Being Elmo: A Puppeteer's Journey"

In den vergangenen Monaten begeisterte eine Dokumentation die Zuschauer zahlreicher Filmfestivals -  Being Elmo: A Puppeteer's Journey. Die Dokumentation erzählt den Werdegang von Kevin Clash, der von Jim Hensons Arbeit inspiriert den Traum verfolgte, ein Puppenspieler zu werden. Anfänglichen Startschwierigkeiten zum Trotz wurde er schließlich zu einem der besten Vertreter, die diese Kunst heute zu bieten hat. Er war unter anderem Baby Sinclair aus Die Dinos, und dürfte Kennern am besten als Elmo aus der Sesamstraße bekannt sein.



Einen deutschen Kinostart gibt es, natürlich mal wieder, nicht.

The Lone Ranger: Drehtstart steht fest

Jungs, es kann losgehen! Und denkt dran: Erst in der Post-Produktion das Budget überziehen, sonst wird Disney stinkig!

Uuuund... Schluss! Wie bereits Sonntag geflüstert wurde, ist The Lone Ranger wieder eine gesicherte Sache! Im August wurden die Vorbereitungen am von Jerry Bruckheimer produzierten Disney-Westerns mit Johnny Depp eingestellt, weil Gore Verbinskis exzessive Budget-Vorstellungen (275 Mio. Dollar) nicht von Disney gedeckt wurden.

Seither wurde an allen Ecken und Enden gefeilt, um die epochale Bandbreite des Westerns zu bewahren und dennoch ein gutes Stück an Geld zu sparen.Wie Deadline meldet, steht für Disney nun die Aufgabe bevor, Cast und Crew wieder zusammenzutrommeln und wieder einzustellen, damit im Januar/Februar 2012 die Dreharbeiten beginnen können. Sicher ist, dass Johnny Depp (als Indianer Tonto), Armie Hammer (in der Titelrolle) und Ruth Wilson (in der weiblichen Hauptrolle) zurückkehren werden.

Das Budget von The Lone Ranger beträgt nun 215 Millionen Dollar - die 60 Millionen Kostenersparnis resultieren aus neuen, günstigeren Verträgen mit Depp, Bruckheimer und Verbinski sowie einer Kürzung der veranschlagten Drehtage. Ein neuer Starttermin wurde bislang nicht bekannt gegeben, jedoch sollten Western-Fans damit rechnen, etwas länger warten zu müssen. Der 21. Dezember 2012 ist für ein so großes Projekt recht nahe am Drehschluss, und Überstunden für die Effekt-Teams würden erneut zusätzliche Kosten bedeuten. Zudem ist The Lone Ranger zwischen anderen großen Projekten (u.a. dem Hobbit) eingepfercht, was sehr riskant ist. Ein Januar-Start wäre allerdings ebenfalls unüblich - dort startet in den USA normalerweise nur Independent-Oscarmaterial und Restware der großen Studios...

Donnerstag, 22. September 2011

Neuer US-Trailer zu David Finchers "Verblendung"

Fast vier Minuten dauert er, der neue Trailer zu Verblendung von David Fincher. Auf eine weitere Muppet-Parodie braucht man wohl nicht zu setzen...



Würde ich weder Buch, noch die schwedische Verfilmung kennen, wäre mir dieser XL-Trailer wohl definitiv zu viel. Da dem aber nicht so ist, sehe ich ihn als viel versprechenden Ausblick auf David Finchers atmosphärisch äußerst dicht erscheinende Adaption an, die mit einem weiteren albtraumartigen Soundtrack aufwarten wird. Daniel Craig hat mich auch bereits überzeugt, bei Rooney Mara ist es noch immer schwer, Noomi Rapace zu vergessen. Doch sie scheint ihre Sache gut zu machen. Der Feel Bad Movie der Winter-Saison kann kommen!

Hell - Die Sonne wird euch verbrennen


Das deutsche Kino bietet hauptsächlich seichte Komödien (mal blödelnd, mal kitschig), schwermütige, selbstgeißelnde Dramen über die dunkelsten Kapitel in der Geschichte des Landes und kaum beachtete Kunststreifen. Andere Genres scheinen nicht zu existieren. Nur ab und zu blinkt leise ein Lichtlein auf.

Eines dieser Lichtlein ist Tim Fehlbaums Langfilmdebüt Hell. Der Filmstudent wollte aus dem deutschen Stereotypenkino ausbrechen und seinen Einstieg in die große echte Kinowelt mit einem Endzeitthriller begehen. Und für einen Filmerstling ist Hell außerordentlich versiert und professionell inszeniert. Leider kränkelt es in der Charakterzeichnung und dem letzten Akt (der zwar eine bedrückende Atmosphäre aufweist, aber inhaltlich sehr konventionell ist und nach dem sensationellen Anfang störend auffällt), sonst hätte es vielleicht zu einem Independent-Paukenschlag der Marke Lola rennt gereicht.

Stattdessen ist Hell "nur" ein dringender Geheimtipp für Genrefans des Endzeitszenarios. Natürlich ist die Vision einer 2016 verdörrten Erde unrealistisch, aber wie Fehlbaum die gleißende Sonne nutzt, um packende, kahle Bilder zu zeigen und seine Figuren in Extremsituationen zu manövrieren, sollte bestenfalls im Kino erlebt werden. So schwach die letzten "Twists" auch sind - einen inhaltlich überdurchschnittlichen, gut umgesetzten Endzeitthriller sollte man unterstützen. Vielleicht findet die hiesige Kinolandschaft dann auch öfter Mut, aus ihren engen Grenzen auszubrechen.

Mittwoch, 21. September 2011

Visuelle Studio-Identität - Die Auflösung

Vor kurzem begann ich hier im Blog die Suche nach meinen liebsten Filmstudio-Logos. Platz 25 bis 13 haben wir bereits kennengelernt, nun ist es an der Zeit, das obere Dutzend zu präsentieren. Welche Logos sind besonders schön, welches weckt die wärmsten Gefühle in mir? Tja, wir werden sehen...

Platz 12: Spyglass Entertainment (seit 1999)

Spyglass Entertainment wurde von den Produzenten-Veteranen Roger Birnbaum und Gary Barber als Nachfolger von Caravan Pictures gegründet. Ähnlich wie Caravan Pictures hatte auch Spyglass Entertainment zunächst einen Vertriebs- und Produktionsdeal mit der Walt Disney Company, in späteren Jahren traf man jedoch auch Vereinbarungen mit anderen Studios wie Sony und Paramount. Mit einer sehr schönen Erkennungsmelodie und einem simplen, aber wie ich finde einprägsamen Logo platziert sich das Studio hinter The Sixth Sense, Seabiscuit, Shang High Noon, Bruce Allmächtig und Männertrip souverän in meinen oberen Studiologo-Tops.

Platz 11: DisneyNature (seit 2008)

Ich bin mir ja noch immer unsicher, ob sich DisneyNature, der Arm zur Produktion und dem Vertrieb von Naturdokumentationen, überhaupt für Disney auszahlt. Doch das Logo ist ein glasklarer Gewinner: Das Dornröschenschloss neu interpretiert als ein Eisberg, und mit Polarlichtern statt Feuerwerk. Die Musik von Marc Mancina (Bad Boys, Tarzan) ist ebenfalls sehr schön. Aber es fehlt der letzte Kick, um diesem Logo den Sprung in meine Top Ten zu ermöglichen. Vielleicht eine etwas kraftvollere Musik - auch wenn mir bewusst ist, dass diese zurückhaltende Art zum Konzept gehören könnte.

Platz 10: Caravan Pictures (1993 - 1999)

Ein einsamer Mann mit einer Fedora läuft eine Straße entlang, die zu den Bergen führt. Gehalten in Schwarz und verschiedenen Blautönen. Ich kann mir nicht helfen, aber gemeinsam mit dem wirklich sehr, sehr netten Jingle löst dieses Bild so viele unterschiedliche Emotionen aus. Abenteuerlust, Nachdenklichkeit, Melancholie... Da wundert es nicht, dass Roger Birnbaum und Produktionspartner Joe Roth Logo und Studioname aus der Komödie Sullivans Reisen entliehen, in der ein Filmemacher davonzieht, um gehaltvollere Filme zu machen. Die als Produktionsarm des Disney-Konzerns gegründete Gruppe hielt sich jedoch nicht wirklich an das Versprechen, dass ihr Logo gab: Für Walt Disney Pictures, Touchstone Pictures und Hollywood Pictures verwirklichten Birnbaum und Roth Filme wie Mister Cool, Der Hausfreund, Die Jerky Boys und Der $100.000 Dollar Fisch. Aber nicht alles aus dem Hause Caravan war mies oder pures "Guilty Pleasure" wie Der Hausfreund: Die drei Musketiere von 1993, Während du schliefst oder auch der schmalzige, aber gelungene Angels - Engel gibt es wirklich waren beispielsweise sehr sehenswert.
Genauso wie der letzte Auftritt des Caravan Pictures-Logos, passenderweise im Abspann von Inspektor Gadget...


Platz 9: Miramax Films (1999 - 2008)

*schnüff* Miramax, ich werde dich (oder dein altes Ich, niemand weiß so genau, wie es mit dir weitergeht) vermissen.

Platz 8: Dreamworks Pictures (seit 1997)

DreamWorks SKG von GarfieldFan2000
Sehr schöne Animation, eine wundervolle Melodie von John Williams und das Motiv ist ebenfalls super: Steven Spielberg, Jeffrey Katzenberg und David Geffen haben sich für DreamWorks schon ein echt tolles Logo ausgesucht, das muss man ihnen lassen. Gestaltet wurde es von Robert Hunt, der zwei Versionen ablieferte: Die von Spielberg gewünschte (mit einem Mann im Mond), und eine zweite, in der er seinen Sohn William Hunt verewigte. Der Rest ist bekanntlich Geschichte...

Platz 7: Touchstone Pictures (1985 - 2003)

Das neuere Touchstone-Logo ist definitiv zeitgemäßer, und auch aus einer gestalterischen Perspektive sinnvoller. Ein krumpeliges Zeichentricklogo in dunklen Farben am unteren Rand eines schwarzen Bildschirms entlangschleichen zu lassen mag in den 80ern vielleicht innovativ gewesen sein, aber spätestens ab Mitte der 90er war das Logo völlig veraltet. Doch die umgemodelte Version hat keinerlei Charme, der riesige CGI-Ball mit dem in digitaler Form äußerst seltsam aussehenden Blitz (eigentlich ein zerquetschter Micky, schaut mal genau hin!), ist so uncharakteristisch, dass man ihn sofort wieder vergisst. Und die Musik passt auch nicht mehr. Aber das auf so kuriose Weise ikonische, alte Touchstone-Logo? Mensch, auch wenn es irgendwann altbacken war, es war einfach klasse. Ominös, mit dieser herrlich schräg-düsteren Synthesizer-Musik, es bringt halt all das zum Ausdruck, weshalb Touchstone überhaupt gegründet wurde: Als alternatives Filmstudio, als das Erwachsene und Jugendliche anvisierende Gegenstück zu Disney. Heute mag man es kaum glauben, aber einst waren Touchstone-Komödien ein eigenes Subgenre in Hollywood, und die Actionfilme wie Con Air, Armageddon und Der Staatsfeind Nummer 1 waren ebenfalls typische Topware für das zwischendurch immer wieder Durststrecken erfahrende Label. Im Moment erlebt es leider wieder eine...

Platz 6: Bad Robot (2001 - 2008)

Die seit 2008 gebräuchliche Variante mit höherem Gras und größerem Roboterkopf finde ich nicht mehr ganz so schön - aber JJ Abrams' Produktionsstudio hat ein witziges, nerdiges, kleines Logo, das für mich bereits Kult geworden ist. Ob Alias, Lost oder Fringe; Cloverfield, Super 8 oder Mission: Impossible III - der kleine Roboter bringt mich jedes Mal zum Lächeln, wenn ich ihn sehe.

Platz 5 : 20th Century Fox (seit 1994)

Bereits seit 1933 ist das 20th-Century-Gebäude vor Kinofilmen zu sehen, aber erst seit den 80er sieht die 0 nicht völlig schief aus. Wirklich, achtet mal darauf, wenn ihr einen älteren Fox-Film mit Original-Logo sehen solltet. Wenn es euch einmal auffiel, werdet ihr es immer und immer wieder bemerken.
Ähnliches gilt auch für die CGI-Variante: Ich finde, dass die berühmte Fox-Fanfare eine gewisse Bilddynamik benötigt, und deshalb habe ich nicht die Standbildvarianten des Logos, sondern die seit 1994 übliche, sich bewegende, am Computer animierte Version gewählt. In dieser versteckt sich auch im Hintergrund das Hollywood-Zeichen, wenn man ganz genau hinschaut. Gestaltet und animiert wurde es von Kevin Burns, der auch das 90er-Universal-Logo machte. Seit 2009 gibt es eine überarbeitete Version, die etwas realistischer beleuchtet und detailreicher ist. Diese stammt von Chris Wedge und Carlos Saldanha aus den Blue Sky Studios (Ice Age, Rio), ist aber alles in allem nunmal nichts weiteres, als eine aufpolierte Neuauflage.
Was das Fox-Logo so bemerkenswert macht, ist vor allem Alfred Newmans majestätische Fanfare - sie klingt schlichtweg nach Hollywood, nach großem Kino. Und deshalb ist sie aus der Filmwelt nicht wegzudenken.

Platz 4: Jerry Bruckheimer Films (seit 1996)

Ich schätze, dass es niemanden überraschen sollte: Ich bin ein echter Fan von Jerry Bruckheimer. Der Mann macht Big-Budget-Kino, wie ich es mag. Er gehört zu den letzten Produzenten, die ganz nach der Schule von Walt Disney oder David O. Selznick noch einen gewissen, eigenen Stil pflegen, einen echten Einfluss auf ihre Produktionen haben. Abseits des üblichen "hier Budget kürzen, da bei der Konkurrenz abkupfern, jadajada", natürlich. Und ich weiß, dass manche Cineasten nun wegen des Vergleich mit Selznick die Nase rümpfen werden, aber mir ging es weniger um die Oscar-Tauglichkeit in den Hauptkategorien, als um den Markennamen, das Grandeur dieser Person, den filmischen Einfluss, und so weiter.
Ich schätze, dass sich Bruckheimers Einfluss unter anderem auch in Michael Bays Filmografie zeigt: Die Bay-Filme, die mich am wenigsten ansprechen, sind ohne Bruckheimer entstanden. Unter ihm war Bay ein Meister der Explosionen, der eine schale, aber mitreißende Popcorn-Geschichte erzählte. Die Transformers-Filme sind dagegen nur lärmender Schwachfug. Bruckheimer macht die Art von auf Hochglanz produzierten, energiereichen Actionfilmen, wie ich sie liebend gern verschlinge (Con Air, Der Staatsfeind Nr. 1), und so ganz nebenher lockt er Disney mit Filmen wie dem Sport- und Rassendrama Gegen jede Regel oder den Abenteuern Prince of Persia und der Pirates of the Caribbean-Reihe regelmäßig aus der Reserve. Sein Logo? Eine rasante Fahrt entlang einer Straße, während sich ein gewaltiges Gewitter zusammenbraut. Dann schlägt ein Blitz in einen kahlen Baum ein und verleiht ihm Blätter. Die wunderbare Ästhetik der Zerstörung. Wie passend.

Platz 3: Walt Disney Pictures (1985 - 2006)

Zum ersten Mal verwendet vor Taran und der Zauberkessel, eröffnete dieses Logo die Kindheitserinnerungen einer ganzen Generation. Oder sogar zwei ganzer Generationen. Sieht man dieses Logo heute, wird man sofort zurückversetzt in eine Zeit, als man Filme noch begeistert mit riesigen Augen aufnahm, und nicht geneigt war, alles zu kritisieren. Die Musik ist eine skurrile, sich sehr nach 80er-Jahren anhörende, von John Debney komponierte Variante des Disney-Themas Wenn ein Stern in finst'rer Nacht aus Pinocchio, und wurde im Laufe der 90er bei großen Filmen nach und nach ersetzt (durch neue Einspielungen oder Filmmusik der jeweils folgenden Produktion). Man wusste wohl, dass das Thema etwas altmodisch klang. Ebenso mogelte man sich in den Jahren 2000 bis 2006 gerne um die kitschig-veraltete Animation herum, indem man Schloss und Text "fest" im Bild hatte, und ein glühendes Licht erst die Schrift entlanglief, und dann über das Schloss flog. Und ja, ich würde es nicht weiterhin vor neuen Filmen sehen wollen - es sei denn Disney macht bald irgendetwas mit markanter 90er-Nostalgie. Dennoch - wenn das Logo bei Wiederveröffentlichungen ersetzt wird, rege ich mich auf. Wenn ich mir Filme ansehe, die mit diesem Logo erschienen, bekomme ich öfters sogar etwas Gänsehaut (jaja, ich weiß, wie verrückt das ist). Dieses Logo ist ein Klassiker.

Platz 2: Pixar Animation Studios (seit 1995)

Wären da nicht Cars 2 und Boundin', Pixar hätte den perfekten Lauf. Aber auch mit je einem Ausrutscher bei den Kurz- und Langfilmen bedeutet dieses Logo Spitzenqualität. Hüpft Luxo jr. über die Leinwand, bin ich mir sicher, etwas gutes präsentiert zu bekommen. Und süß ist dieser Fratz obendrein. Einfach ein goldiges Logo!

Platz 1: Walt Disney Pictures (seit 2006)

A-tem-be-rau-bend! Verdanken haben wir dieses Logo einem Gespräch im Jahre 2005, das zwischen Oren Aviv, damals Präsident von Buena Vista Pictures Marketing und Dick Cook, damals Geschäftsvorsitzender der Walt Disney Studios. Sie nahmen sich zum Ziel mit einem neuen Logo "das eleganteste, schönste und magischste Schloss [zu kreieren], das nicht nur Disneys Vergangenheit, sondern auch Disneys Gegenwart repräsentiert." Und das Ergebnis hat dieses Ziel vollstens erfüllt. Regisseur Mike Gabriel und Produzent Baker Bloodworth namen diese Herausforderung an sich, und mit Animation von WETA Digital (Herr der Ringe) und einer von Mark Mancina komponierten Fassung von Wenn ein Stern in finst'rer Nacht war das perfekte, moderne Disney-Logo geschaffen, das zahlreiche Hommagen an die Disney-Geschichte enthält.
Malerische Computeranimation, wunderschöne Musik und eine schlicht magische Atmosphäre - so haben Disney-Filme anzufangen!

Ja, mein Lieblingslogo dürfte keine Überraschung sein. Aber es hat diesen Rang eindeutig verdient, und ich sehe nicht, wie sich das in Zukunft ändern könnte. Lassen wir uns überraschen - wer weiß schon, wie 2026 Disneyfilme eröffnen werden? Dass ein anderes Studio am Disney-Schloss vorbeizieht, halte ich jedoch für ausgeschlossen. Es sei denn, Disney gründet einen Produktionsarm für Zeichentrickfilme rund um Donald Duck. Das könnte eine Revolution in meinem Fanherzen auslösen...

Und bis dahin begnüge ich mich mit den kreativen Abwandlungen des Disney-Logos!

Dienstag, 20. September 2011

Avatar - Aufbruch nach Disney World

Vor einigen Jahren kämpfte Disney darum, die Welt von Hogwarts in seine Themenparks einzubetten. Bekanntlich kam diese Einigung mit J. K. Rowling nie zur Fruchtung, und stattdessen schnappte sich Universal die Parkrechte, um Harry Potters Zauberwelt umzusetzen. Seither sucht Disney verbissen nach Lizenzen, die eine weite Publikumsgruppe anlocken und spektakuläre Attraktionen ermöglichen kann.

Sie wurde gefunden: Erst heute Abend kam das Gerücht auf, nun wird es schon offiziell bestätigt: James Camerons Welt der Na'vi aus Avatar wird Einzug in die Disney-Themenparks erhalten. Als erster Schritt wird Pandora Platz im Animal Kingdom in Walt Disney World einnehmen. Dazu werden Walt Disney Imagineering eng mit James Cameron und seinem Produktionspartner Jon Landau zusammenarbeiten, bereits 2013 soll der Bau eines Avatar-Themenlands innerhalb des Parks beginnen. Dass Animal Kingdom als "Heimat" der Pandora-Attraktionen gewählt wurde, ist in dem naturverbundenen Thema des Parks verbunden, welches laut Disney und Cameron perfekt zur Botschaft von Avatar passt.

Eine Pressekonferenz soll in Kürze folge. Sollten weitere Details bekanntgegeben werden, so erfahrt ihr sie an dieser Stelle.

Weitere Artikel zu den Disney-Themenparks:

Montag, 19. September 2011

Disneys moderner Swashbuckler aus der zweiten Reihe

Dies könnte der bislang populärste Film sein, den ich im Rahmen dieser Artikelreihe präsentiere. Zumindest landläufig ist diese Produktion aus den 90er-Jahren recht bekannt, und einige Leute hegen ganz gute Erinnerungen an ihn. Allerdings dreschen Kritiker liebend gern auf ihn ein, selbst beinahe zwanzig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung. Bei puristischen Liebhabern der Vorlage bekommt er so viel Prügel, wie deutlich losere Adaptionen dieses Stoffs und unter Disney-Fans wird ihm auch viel zu wenig Beachtung geschenkt. In Retrospektiven auf die Realfilme des Studios steht er regelmäßig im Schatten solcher Filme wie Newsies (wenn es ein US-Rückblick ist) oder der Realverfilmung von 101 Dalmatiner (der, wie mir scheint, insbesondere hierzulande einige Anhänger hat).

Ich finde aber, dass diesem Film mehr zusteht, als nur ein gelegentliches "Ach ja, der war nett" von hie und da.

Meine Damen und Herren, ich erbitte mir mehr Respekt für...

 Die drei Musketiere

Oder sollte ich eher verkünden: "Verneigt euch vor Disneys mit zehn Jahren Vorlauf gestartete Beta-Version von Fluch der Karibik!"?

Nun gut, Die drei Musketiere von 1993 ist nicht hundertpro der kleine Bruder von Fluch der Karibik, aber ich fühle mich durchaus wohl zu sagen, dass Stephen Hereks Abenteuerfilm mit Kiefer Sutherland, Oliver Platt und Charlie Sheen so sehr Fluch der Karibik ist, wie man es 1993 unter der Disney-Flagge sein konnte.
Käme der Film heute raus, wäre jedenfalls der (gewiss sehr gehässig gezischte) Kritikerkonsens "Disney versucht, die Piraten-Formel zu wiederholen, nur in light" garantiert. Hauptargument für diese These wäre der von Oliver Platt verkörperte Porthos.

Der stämmigste der drei legendären Musketiere ist in dieser 90er-Disney-Version ein in stylischer Bandana und lässiger Schärpe gekleideter, den Alkohol wertschätzender, die Anwesenheit (käuflicher?) Frauenzimmer genießender, listiger Tunichtgut, der mit verworrenen Lügenkonstrukten ("Diese Schärpe ist ein Geschenk der Königin von Amerika!") und saucoolen Sprüchen ("Klar soweit?!") sämtlichen anderen Musketieren die Schau stiehlt. Oh, und natürlich ist er schockiert, wenn man ihn nicht erkennt, und stolpert mit verkniffenem Blick durch die Weltgeschichte. Das alles, und dass er einen ganz und gar anderen Kampfstil hat, als man es von stocksteifen, klassischen Swashbuckler-Helden kennt, machte Porthos durch diesen Film zu meinem Lieblings-Musketier. Als noch nicht bekannt war, in welche (nahezu sämtliches Potential verschenkende) Richtung Micky•Donald•Goofy: Die drei Musketiere geht, hatte ich mir vom ganzen Herzen gewünscht, dass Donald Porthos "spielt" und in auf vergleichbare Weise interpretiert. Jaja, manchmal sind die Filme, die wir uns ausmalen, zigtausendfach besser als das, was wir wirklich erhalten...

Oliver Platt als Porthos ist praktisch schon im Alleingang wert, sich die Disney-Realfilmversion des Musketier-Stoffes anzuschauen. Aber das toll aufgelegte Ensemble aus Stars und Sternchen der 90er bietet noch viele weitere Gründe, sich dieser Adaption anzunehmen. Ganz vorne dabei wäre Tim Curry in der wie für ihn gemachten Rolle des intriganten Kardinal Richelieu. Curry grinst sich gewohnt liebenswert fies durch den Film und schafft es, seine Zeilen auf eine wunderbar perfide Art rauszuschleimen. Sein Richelieu ist so hinterlistig, selbstverliebt und Currys Darbietung zeigt auch ein wenig Selbstironie - für mich ist es eine von Currys besten Rollen und zweifelsfrei der beste Kino-Richelieu. Vor allem ist Curry nicht nur einfach richtig unterhaltsam in der Bösewichtrolle (so sehr, wie ich es mir auch von Waltz in der 2011er-Version erhoffte), sondern kann (gerade für jüngere Zuschauer) auch wirklich einschüchternd wirken. Das gesamte Intro, mit einem fast schon höllengleichen Kerker, ist eine einzige, ausführliche Sequenz, die ihn als unbarmherzigen Schuft etabliert - und auch später im Film erreichen die Kerkersequenzen eine viel größere Düsternis, als Miramax' The Musketeer. Der Film wollte zwischen seinen modern-spaßigen Phasen ja oh-so-düster sein, und war stattdessen einfach nur (in jeglicher Bedeutung des Wortes) unterbelichtet.

Ebenfalls mit ansteckender guter Laune, aber längst nicht so ikonisch in ihren Rollen, sind die weiteren Musketiere Kiefer Sutherland als Athos und Charlie Sheen als Aramis. Sheen hat nicht viel zu tun, außer lustig zu sein und ein paar Stichworte zu geben, während Sutherland als der desillusionierte Romantiker etwas Dramatik zu tragen hat. Dies gelingt ihm auf einem soliden Niveau, trotzdem muss ich bemängeln, dass schlichtweg mehr drin gewesen wäre. Sowohl die Dialoge, als auch Sutherlands Schauspiel kratzen nur an der Oberfläche dessen, was diese dynamisch-abenteuerhafte Neuerzählung von Die drei Musketiere an romantischer Tragik hätte tragen können. Dennoch, für einen Disney-Blockbuster der 90er-Jahre, noch dazu einem, der so oft als Beispiel für fahle Literaturverfilmungen herangezogen wird, ist Aramis' Subplot schon recht ausgefeilt.

Wen ich ebenfalls loben muss, ist Rebecca De Mornay, die als Lady DeWinter zwar viel zu wenig zu sehen ist, aber dafür eine fantastische Performance abgibt. Sie ist verrucht, sinnlich, innerlich zerrüttet und überaus gefährlich. Manchen wird sie vielleicht etwas zu zu viel mit gepresster Stimme sprechen, wodurch sie DeWinter etwas steif gibt, aber wenn man ihre Darstellung des fatalen Weibsbildes insgesamt betrachtet, dann passt diese unnatürlich erotisch-garstige Stimme für meinen Geschmack perfekt. Und ihre letzte Szene ist sowieso ein vollkommen übersehener Disney-Moment. Wundervolle Landschaftsaufnahmen (von denen dieser Film eh einige zu bieten hat), eine kühle Stimmung und makelloses Timing - eigentlich gehört diese Sequenz wenigstens als eine ehrenvolle Randbemerkung in jede Auflistung der außergewöhnlichsten Momente in der Disney-Realfilmgeschichte.

Was Die drei Musketiere in den Augen vieler wohl von einem Abenteuerfilm-Kleinod und vergessenen Disney-Juwel zur dümmlichen 90er-Version degradiert, ist allen anderen Elementen voran Chris O'Donnell als D’Artagnan. O'Donnell, so manchem als Robin aus Joel Schumachers Batman-Filmen weiterhin in schrecklicker Erinnerung, spielt seine Dialogszenen sehr hölzern und mit einem so falschen, aufgesetzten Strahelächeln, dass man wirklich schwer umhin kommt, seine Anwesenheit mit "naja, es waren die frühen 90er" zu erklären. Glücklicherweise stimmt seine Chemie mit den Musketier-Darstellern und er ist ein guter Fechter, weshalb er Die drei Musketiere nicht  im Alleingang runterzieht. Dennoch hat der Sehspaß zwischen dem Intro mit Richelieu und der Einführung der Musketiere einen enormen Durchhänger.
Ebenfalls vergleichsweise unterwältigend ist die Filmmusik. Halt, halt, halt - liebe Fans der Zusammenarbeit zwischen Rod Stewart, Bryan Adams und Sting, ich meine nicht den kultig-pathetischen Song All for Love, sondern den Score. Der ist nicht schlecht, aber weder Fisch, noch Fleisch. Er ist zu modern und poppig für einen klassischen Swashbuckler-Soundtrack, aber zu gediegen für eine flotte Neuinterpretation. Unter anderem deshalb wäre er heutzutage für Kritiker in dieser Form "Fluch der Karibik light" - es fehlt die rockig-moderne Attitüde in der Filmmusik.

Trotzdem muss ich einfach hervorheben, wie gut Regisseur Stephen Herek die einzelnen Zutaten der Musketier-Geschichte abwägt und zu einem feschen 90er-Abenteuer zusammenmischt. Die ernsteren Untertöne über zerstörte Liebeshoffnungen und politische Intrigen, die sich ernstnehmenden Abenteuer- und Actionpassagen sowie ihre komödiantischeren Gegenparts ergeben ein ausgeglichenes, stimmiges Ganzes, statt in Einzelteile mehrerer, inkompletter Filme zu zerfallen. Dazu tragen auch die Änderungen an der Geschichte bei - mal ehrlich, die ganze "Juwelen der Königin stehlen und den König denken lassen, sie hätte eine Affäre"-Sache wirkt für ein modernes Publikum schon was albern. Darum passte es auch so gut in die Version von Paul W. S. Anderson, aber in die Disney-Fassung passte sie nicht. Nein, nicht etwa, weil es für Disney zu gewagt wäre. Hier wird unehelich rumgeschnackselt, gesoffen und ermordet, Menschenskinder, der Kardinal plant ein Attentat auf den König. Nein, es wurde zu einem Mordkomplott umgeschrieben, um den Abenteueranteil etwas ernster zu verwurzeln, so dass er die humoristischen Sperenzien besser verkraftet.

Appropos 90er, düster, Disney und alles: Die drei Musketiere erhielt in der ungekürzten Schnittfassung seinerzeit eine FSK ab 16 Jahren. Unglaublich, oder? Also, ich bin tatsächlich erstaunt, dass es in den USA für ein PG reichte (ein PG-13 war garantiert nicht weit entfernt), aber eine FSK ab 12 (die er heute sicherlich bekäme) ist problemlos drin. Was mir allerdings Hoffnung macht: Auch die ungekürzte Fassung wird in Deutschland als Disneyfilm verkauft. Auf dem DVD-Cover steht zwar Touchstone, aber anders als etwa bei The Rocketeer wurde im Vorspann kein "Touchstone Pictures" über die Disney-Einblendung gepflastert.

Wie dem auch sei: Mit einfallsreichen Actioneinlagen von Herr der Ringe-Kampfchoreograph Bob Anderson, einem wunderbar aufgelegten Ensemble und einem gelungenen Popcorn-Drehbuch ist die 1993er Auflage der Musketiere ein toller Abenteuerspaß, der auch bald zwei Jahrzehnte später sehr frisch wirkt.
Diese Version ist exakt so fesch, wie ein modernisierter Musketier-Film sein darf, um nicht amüsanter Camp (wie bei Paul W. S. Anderson) oder reiner Schund zu werden (wie The Musketeer). Es ist einfach rundum gelungene Unterhaltung.

Und deshalb hat Die drei Musketiere mehr Respekt verdient.

Weitere Artikel dieser Reihe:

52 Songs #12: Romantik

Das erste Dutzend ist voll. 52 Songs gilt es vorzustellen, Woche für Woche einen, und Projektgründer Konna ersann für diese Woche das Thema Romantik. Was auch immer es über mich aussagt, mein Gedanke schweifte natürlich sofort in die Disney-Ecke.

Nun bin ich aber notorisch im "Geringschätzen" der beliebten und allseits bekannten Disney-Balladen. Nein, ich hasse sie nicht, ich mag die meisten von ihnen. Doch während die Standard-Histliste an Disneyliedern wohl ein Minimum an 5 Balladen in den Top 15 hat, und sich darunter Can You Feel The Love Tonight, A Whole New World und Beauty & the Beast befinden müssen, ist meine liebste Disney-Ballade Bella Notte. Und befindet sich nicht in meinen Top 15. Ja, ich weiß, ich mach mal wieder eine Kontroverse, wo keine... *ZACK* *SLAM* *wütende Balladenfreunde verwüsten meine Bude* Seht ihr, ist wohl ein strittiges Thema!

Meine Wahl zum Thema Romantik ist dennoch aus der Welt Disneys, und ich habe es sogar wollkommen unabhängig vom heutigen Tage ausgewählt. Denn heute ist Talk Like A Pirate Day (wäre das nicht eh ein viel aufregenderes Thema geworden?), und passend dazu setzen wir nun Kurs auf eine Melodey, die salzwassererprobt ist und selbst den abgebrühtesten Seefahrern unter uns eiskalte Schauer den muskelbepackten Rücken hinunterjagt. Hans "Long John" Zimmers Marry Me!



Ich bleibe dabei, Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt hat einige der herzzerreißendsten, traurigsten und zugleich epochalsten, energischsten Instrumentalstücke zu bieten, die sich das moderne Blockbuster-Kino wünschen kann. Meiner Meinung nach ist dies ein Soundtrack für die Ewigkeit, und deshalb werde ich auch nicht müde, ihn hier im Blog herbeizuzitieren.

Sonntag, 18. September 2011

The Lone Ranger: Fortführung des Budget-Krimis

Von links nach rechts: Megaproduzent Jerry Bruckheimer, Jack Sparrows Vater Keith Richards, das unterschätzte Regietalent mit den spendablen Budget-Händen Gore Verbinski und... irgendso 'n Welpe.

Die derzeit spannendste Sage aus dem Wilden Westen geht weiter: The Lone Ranger der seit Jahren in Planung befindliche Western von Jerry Bruckheimer und Walt Disney Pictures zeigt wieder leise Lebenszeichen. Nachdem die Disney-Geschäftsführung der für ein Budget von 275 Millionen Dollar (!!!) beanschlagten Regiearbeit von Gore Verbinski wurde Mitte August aufgrund der drohenden, horrenden Produktionskosten Mitte August ein Riegel vorgeschoben. Seither versuchen Bruckheimer, Verbinski und der in einer prominenten Nebenrolle gecastete Johnny Depp, das Budget zu drücken, ohne die künstlerische Integrität... oder die zu erwartende Wucht des Films zu verraten.

Möglicherweise hat es endlich geklappt: Deadline berichtet von "verhaltenem Optimismus" in den Disney-Studios bezüglich des kostspieligen Westerns. Weitere Details werden nicht genannt, doch man solle sich darauf gefasst machen, den Lone Ranger wieder reiten zu sehen, und zwar zu einem etwas gesünderem Preis, und dennoch mit all dem Spektakel, mit dem man einen Disney/Bruckheimer-Western überhaupt erst zu einem für die Popcorn-Kinogänger attraktiv machen kann.

Puuuuh - eine kleine, aber sehr erleichternde Meldung! Und zur Feier bekommt The Lone Ranger endlich seine eigene Kategorie hier im Blog. Weil... naja, darum!

Samstag, 17. September 2011

Fantasia - Elemente eines Meisterwerks: Toccata und Fuge in d-Moll

Fantasia is timeless. It may run 10, 20 or 30 years. It may run after I'm gone. Fantasia is an idea in itself. I can never build another Fantasia. I can improve. I can elaborate. That's all.“ - „We all make mistakes. Fantasia was one, but it was an honest mistake. I shall now rededicate myself to my old ideals.
- Walt Disney


Ganz im Sinne dieser geradlinigen Beurteilung seines Schöpfers möchte ich in dieser Artikelreihe Im Schatten der Maus Walt Disneys zeitlosen Fehler näher beleuchten:

Fantasia – Die Elemente eines Meisterwerks
Das erste Segment von Fantasia ist eines der berühmtesten Stücke klassischer Musik und das wohl bekannteste Orgelwerk überhaupt: Toccata und Fuge in d-Moll
Nach allgemeiner Annahme stammt das Werk von Johann Sebastian Bach und stellt wohl ein frühes Jugendwerk dar - allerdings kommen seit den 80er Jahren immer wieder Zweifel an der wahren Urheberschaft Bachs auf.
Die Konstruktion der Komposition erscheint, zum Beispiel in vielen Parallelbewegungen und einhändiger Melodieführung, relativ simpel, und der Aufbau der Fuge ist für Bach-Verhältnisse sehr frei gehalten. Insgesamt unterscheidet sich die Toccata und Fuge stilistisch so sehr von vergleichbaren Kompositionen Bachs, dass es Spekulationen gibt, wonach es sich eventuell um eine Abschrift oder Improvisationsarbeit gehandelt haben könnte. Dazu kommt, dass für die Toccata und Fuge, wie bei anderen Werken dieser Zeit auch, kein eigenhändiges Manuskript Bachs vorliegt, sondern nur die Abschrift seines als unzuverlässig geltenden Schülers Johannes Ringk.
Was auch immer Wahres an derartigen Spekulationen ist, es scheint bemerkenswert, dass dieses „untypische“ Werk eines der mit Abstand beliebtesten von Bach ist - nicht zuletzt wohl wegen seiner gefälligen Struktur und einer für den Komponisten ungewöhnlichen Exzentrik.

Obwohl es nicht unwahrscheinlich scheint, dass das Stück ursprünglich für Violine geschrieben wurde, ist die Toccata und Fuge in ihrer überlieferten Form ein reines Orgelwerk und findet als solches in vielen Filmen wie zum Beispiel Sunset Boulevard Verwendung, wo sie mit wenigen Takten sofort eine markante, düstere Stimmung erzeugt.
Auch Disney wusste sich dieser Wirkung der Orgel zu bedienen: In 20.000 Meilen unter dem Meer macht Kapitän Nemo mit der Toccata und Fuge seiner Schwermut auf grandiose Weise Luft, und nicht zuletzt bot Bachs Komposition die Inspiration für das martialische Krakenthema, das Davy Jones‘ Haustier begleitet. Der ikonische Einstieg der Toccata ist wohl nur mit den Anfangstakten von Beethovens Fünfter vergleichbar - passenderweise das erste Segment von Fantasia 2000 ...

In Fantasia dürfen wir dieses Stück in vollem Orchesterklang genießen, in einer wunderbaren Bearbeitung des Dirigenten Leopold Stokowski selbst. Abgesehen davon, dass sich diese Verwendung damit angenehm von dem sonstigen Grusel-Image des Orgelwerks abhebt, eignet sich die Orchesterversion meiner Meinung nach weit besser für das Konzept von Fantasia. Schließlich geht es darum, die Töne und Klänge bildlich zu verarbeiten, und das große Klangspektrum des Orchesters bietet dem Tanz der Farben einfach mehr Raum, als es ein reiner Orgelklang getan hätte.

Die Toccata und Fuge stellt den Einstieg in Fantasia dar und somit kommt ihr die Aufgabe zu, dem ahnungslosen Zuschauer die Idee des Films nahezubringen. Bewerkstelligt wird dies durch ein langsames Hinübergleiten ins Reich der Animationskunst: Während die Toccata noch als halbwegs konventioneller Konzertfilm mit leicht stilisierten Darstellungen der einzelnen Musiker beginnt, richtet die Fuge den Fokus nur noch auf die fließende Bewegung der Instrumente, bis sich die Vorstellung schließlich ganz in therischen Formen und Farben verliert.

Damit ist die Toccata und Fuge der einzige Teil in beiden Fantasia-Filmen, der wirklich auf einer rein abstrakten Ebene funktioniert und dem Zuschauer das Gefühl gibt, die wirkliche Musikwahrnehmung widerzuspiegeln, statt „nur“ eine zu der Musik passende Geschichte zu komponieren.

Dieser ungewöhnliche Stil ist nicht verwunderlich, betrachtet man die Entstehungsgeschichte des Segments.
Die Idee, Stokowskis Bearbeitung der Toccata und Fuge als Grundlage für einen animierten Kurzfilm zu verwenden ist älter, als sämtliche Pläne Walt Disneys für Fantasia.
Schon im Herbst 1936 hatte sich der Zeichner und Animator Oskar Fischinger mit Stokowski in Verbindung gesetzt, und schon erste Pläne für das Projekt beinhalteten einen Einstieg mit Aufnahmen des Dirigenten, die sich nach wenigen Takten von ihm abwenden, um im „endlosen Raum“ den Rest der Bilder zu entfalten.

Allerdings fehlten den beiden Künstlern die nötigen Ressourcen, und als Disney sich im September 1938 mit Stokowski zusammensetzte, um weitere Stücke für seinen „Konzertfilm“ auszuwählen, wurde beschlossen, auch die Toccata und Fuge in den Film zu übernehmen. Stokowski behielt seine maßgebliche Stellung, während Fischinger nur als einfacher Konzept-Zeichner weiteren Einfluss auf den Film hatte.
Obwohl sein abstrakter Stil mit Sicherheit richtungsweisend für das finale Werk war, wurde Fischinger mit der Ohnmacht seiner Stellung und den vielen Revisionen Walt Disneys bald so unzufrieden, dass er die Disney-Studios im Oktober 1939 verließ, und nichts mehr mit „seinem“ Projekt zu tun haben wollte.
(Bildquellen: Fischinger at Disney)

Trotz aller künstlerischer Differenzen handelt es sich bei der Toccata und Fuge wohl unbestritten um ein absolutes Meisterwerk und - auch wenn dieser Ausdruck schon zu abgedroschen klingt - um einen Meilenstein der Filmgeschichte. Dies ist der Teil des Filmes, wegen dem ich bei dem Gedanken aufjubele, Disney könnte irgendwann auch älteren Klassikern eine 3D-Konvertierung spendieren. Ich bin sicher, die Toccata und Fuge würde in 3D atemberaubend aussehen und auch den letzten Skeptiker besänftigen. Viele Szenen scheinen bewusst mit einer dreidimensionalen Ausstrahlung im Hinterkopf konzipiert zu sein, und so hat es mich kaum gewundert, zu erfahren, dass Disney eine Zeit lang wirklich geplant hatte, das Segment in 3D zu veröffentlichen.

Mir ist klar, dass gerade bei diesem effektbeladenen Stück der Aufwand einer Konvertierung geradezu unermesslich sein muss, aber die Toccata und Fuge ist es wert wie kein anderer Film - Fantasia auf der Kinoleinwand in 3D zu erleben, das wäre wirklich ein wahrgewordener Disney-Traum.




Mehr von mir gibt es auf www.AnankeRo.com.